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Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

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N: Beiname: Der Jüngere — ὁ νέος bzw. der Wundertäter — ὁ θαυματουργός; auch Steiriotes — Στειριότης.

T: Mönch, Abt.

V: L. wurde vor 900, möglicherweise 890, als Sohn des Stephanos (# 7077) und der Euphrosyne (# 21799) in Kastorion (Phokis) geboren (1). Er starb am 7. Februar 953. Die Familie stammte aus Aigina, war aber in der zweiten Hälfte des 9. Jh.s von dort vor arabischen Angriffen auf das Festland geflohen und hatte sich schließlich in Kastorion niedergelassen, wobei es auch zu Konflikten mit Einheimischen kam. Euphrosyne und Stephanos hatten insgesamt sieben Kinder, von denen L. das dritte war: Theodoros (# 27651), Maria (# 24915), dann L., Kale (# 23603), Epiphanios (# 21711) sowie zwei weitere Kinder (# 21799A), deren Namen nicht genannt werden (Vita Lucae iun. [BHG 994] cap. 2) (2).

L. bewies bereits als Kind seine große Frömmigkeit, Askese und Mildtätigkeit, auch gegen die Wünsche seiner Eltern, und zeigte darüber hinaus schon damals Zeichen seiner Heiligkeit, etwa, wenn er beim Beten in der Luft schwebte, was auch von seiner Mutter bemerkt und später weitererzählt wurde. Sein Vater war zu dieser Zeit bereits verstorben (cap. 3–7).

Aus dem Wunsch heraus, ein Leben als Asket zu führen, verließ L. sein Elternhaus und wanderte nach Thessalien. Er wurde auf dem Weg jedoch von ein paar Soldaten (# 30418) festgenommen, die nach entflohenen Sklaven suchten. Sie hielten seine Behauptung, daß er um Christi willen reise, für eine Ausrede, schlugen und mißhandelten ihn. Erst als einige Bekannte seine Identität bestätigten, wurde er freigelassen und nach Hause zurückgeschickt (cap. 8).

In ähnlicher Weise floh er noch einmal nach Athen, wo er in das dortige Theotokoskloster eintrat und vom Abt (# 31270) das kleine Mönchsschema (τὸ μικρὸν σχῆμα) empfing (cap. 9). Jedoch grämte seine Mutter sich so sehr über seinen Fortgang, daß der Abt, der hierüber im Traum informiert worden war, L. zu ihr zurückschickte (cap. 10–14). Vier Monate später allerdings akzeptierte sie seinen Entschluß, so daß er sich, etwa im Jahre 910, endgültig dem Leben als Asket widmen konnte. Er lebte dann sieben Jahre (ca. 910–917) in scharfer Askese auf dem Ioannitzaberg ( Ἰωάννιτζα), wo sich angeblich ein Behältnis mit den Reliquien der hl. Kosmas und Damian befand (cap. 16–32). Dort wurde er auch durch zwei durchreisende Mönche (# 30413) endgültig zum Mönch geweiht (cap. 21).

Wohl ca. 917 verließ L. wegen eines schweren bulgarischen Einfalls den Ioannitzaberg und floh zunächst auf eine Insel, dann zusammen mit seiner Familie und anderen nach Korinth, wo er kurze Zeit eine Schule besuchte, um sein Wissen zu vervollkommnen und die religiösen Schriften besser verstehen zu können. Da er jedoch die Nachlässigkeit der anderen Schüler nicht ertrug, verließ er diese Schule schon nach kurzer Zeit wieder (cap. 32–34) und schloß sich ein Jahr später einem Styliten (# 30993) an, der in Zemena (wohl in der Nähe von Korinth, vielleicht auch bei Patras) lebte, und diente diesem zehn Jahre (cap. 35–37).

927 verließ L. den Styliten. Zunächst lebte er bei der Prokopioskirche (Lage unbekannt, wohl auf der Peloponnes), nach dem Tode des bulgarischen Zaren Symeon (# 27467) kehrte er in seine alte Heimat auf den Ioannitzaberg zurück, wo er bis 940 blieb (cap. 38–47). Dann zog L. sich nach Kalamion, einem Platz an der Küste in der Nähe des Ioannitzaberges, zurück, um sich dort in größerer Abgeschiedenheit seiner Askese zu widmen. Hier blieb er bis zum Jahre 943 (cap. 48–50). Dann siedelte er auf die Insel Ampelon um, wo er gleichfalls drei Jahre verbrachte (cap. 50–52). 946 schließlich siedelte er nach Steiris über, wo er bis zu seinem Tod 953 lebte (cap. 54–64).

Das cap. 86 der Vita faßt die Lebensabschnitte folgendermaßen zusammen: Mit 14 Jahren wurde L. Mönch und lebte dann sieben Jahre auf dem Ioannitzaberg. Zehn Jahre diente er dem Styliten von Zemena, dann kehrte er für zwölf Jahre auf den Ioannitzaberg zurück. In Kalamos und auf Ampelos verbrachte er jeweils drei Jahre und lebte schließlich sieben Jahre bis zu seinem Tod am 7. Februar 953 in Steiris.

An seinem Grab geschahen nach seinem Tod zahlreiche Wunder (cap. 68–85).

An dem Platz, wo L. begraben worden war, wurde von seinen Mönchen das Kloster Hosios Lukas erbaut, wo auch die Reliquien des L. liegen. Ein Kanon auf L. wurde von Euthymios Steiriotes (# 21957), also wohl einem Mönch des Klosters in Steiris, verfaßt.

Gefeiert am 7. bzw. 8. Februar, laut Petit auch am 3. Mai.

Anmerkungen: — (1) ODB II 1254 datiert die Geburt nur vor 900; Connor, Life XIII, nehmen 896 an, wobei sie cap. 86 der Vita folgen. Auch Petrides 301spricht sich für 896 aus. — (2) Die Kapitelzählung folgt Kremos und Connor.

Q: — (Hag.): Vita Lucae iun. (BHG 994); Akoluthie auf L.: Kremos (in: Vita Lucae iun.) 1–130. — (Fs.): Synodikon der Orthodoxie (BHG 1392) Appendix III, p. 109,10. — (Sonst.): Euthymios Steiriotes, Kanon auf Lukas d. Jüngeren, ed. A. Papadopulos-Kerameus, Ἱεροσολυμιτικὴ βιβλιοθήκη II, Petersburg 1894, 474; Petit, Acolouthies grecques 130f.; Kremos (in: Vita Lucae iun.) p. 113–130 (Kanones).

L: ODB II 1254; BBKL V (1993) 408f.; BHG 994. 994b; Beck, Kirche 224. 575. 606. — Kremos, Φωκικά Ι 131–178 (Paraphrase der Vita). 187–191 (Inhaltsverzeichnis der Paraphrase der Vita); Loparev, in: VV 19 (1912 [1915]) 69f.; da Costa-Louillet, in: Byz 31 (1961) 330–343; Miles, in: DOP 18 (1964) 3–5; cf. zuletzt die entsprechenden Abschnitte in den Editionen von Sophianos (11–68) und Connor, Life IX–XVIII (Introduction). 146–178 (Commentary); Petridis, in: BCH 127 (2003) 301–310. — Zur Kirche Hosios Lukas cf. C. L. Connor, Art and Miracles in Medieval Byzantium. The Crypt at Hosios Loukas and its Frescoes, Princeton 1991; eadem, in: GRBS 33 (1992) 293–308.

Geographische Orte

  • Kastorion (Phokis)
  • Athen
  • Steiris (Boiotien)
  • Ioannitzaberg (Phokis)
  • Patras (Peloponnesos)
  • Zemena (Peloponnesos)
  • Korinth (Peloponnesos)
  • Prokopioskirche (Peloponnesos)
  • Ampelon (Insel)
  • Kampanion (Phokis)
  • Kloster: Hosios Lukas (Boiotien)
  • Lukaskloster (Steiris)

Quellen

  • Vita Lucae iun. (BHG 994)
  • Synodikon der Orthodoxie (BHG 1392)
  • Euthymios Steiriotes, Kanones
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