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Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

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N: Der Name ist nur lateinisch überliefert: Malacenus. Ob er mit einigen in Byzanz belegten Malakenoi in Verbindung zu bringen ist, evtl. im Rahmen einer Familie, läßt sich nicht mehr klären; zu einigen Malakenoi des 10. und 11. Jh.s cf. Seibt, in: JÖB 22 (1973) 111f. (ohne Erwähnung M.s).

T: Episkopos einer Kirche, wohl in Georgien, deren Schutzherr ein hl. Basileios war — episcopus sede sancti Basilii in regione Iberorum.

V: M. lebte zu Beginn des 10. Jh.s. Er wird erwähnt in einem Rundbrief des Patriarchen Elias III. (# 21642) von Jerusalem sowie einem weiteren des Papstes Benedictus IV. (# 21141) an alle Gläubigen, in denen der Papst diese auffordert, M. während der Reise in seine Heimat zu unterstützen. Aus dem Brief des Elias geht hervor, daß M. und 50 Mönche des Klosters, das unter seiner Obhut stand, von Türken gefangengenommen worden waren (Subveniente quidem gente, qui vocantur Turci, in Iberorum regione, devenit in Monasterio quod detenebatur ab eodem Malaceno Episcopo). 20 Mönche wurden getötet, weil sie sich weigerten das hl. Kreuz zu verunglimpfen. 30 weitere wurden von den Türken gefangengenommen und in deren Heimatland gebracht (deduxerunt eos in Turciam). M. sowie ein anderer Gefangener (# 30793) wurden von Mitchristen durch Zahlung von 120 Nomismata freigekauft (congregaverunt Byzanteos centum viginti ... et eripuerunt ipsum Malacenum Episcopum, & alterum cum illo), die anderen blieben in Gefangenschaft.

M. scheint sich nach seiner Freilassung an den Patriarchen von Jerusalem, Elias III., mit der Bitte um Hilfe gewandt zu haben. Da Elias selbst keine ausreichenden Geldmittel besaß, schickte er einen Rundbrief an alle Gläubigen mit der Bitte, M. zu helfen. M. selbst reiste, offenbar mit einem Exemplar dieses Briefes, nach Rom, wo Papst Benedictus IV. gleichfalls einen Rundbrief an alle Bischöfe und Erzbischöfe, ja überhaupt an alle rechtgläubigen Christen (verum etiam & universis orthodoxis Christianae fideis cultoribus) schickte, in dem er sie aufforderte, M. zu helfen und seine Heimreise nicht zu behindern.

Q: — (lat.): Papsturkunden (Zimmermann) Nr. 12, p. 23f.; Mabillon, Vetera Analecta III 428.

L: Le Quien I 1338. — JE 3530; Papsturkunden (Zimmermann) 23 Anm. 1.

P: Die Heimatkirche M.s ist nicht mehr zu lokalisieren. Elias bezeichnet M. als episcopus sede sancti Basilii in regione Iberorum. Der Herausgeber des Briefes, J. Mabillon, hatte diesen Bischofssitz mit dem pontischen Amaseia identifiziert, was allgemein akzeptiert worden zu sein scheint. Papst Benedictus IV. amtierte 900–903. Die Lokalisierung Mabillons, die offenbar von der Beobachtung ausgeht, daß der Schutzpatron Amaseias der hl. Märtyrer Basileios (Feiertag 26. April) war, setzt allerdings voraus, daß es sich bei der regio Iberorum tatsächlich um die Provinz Helenopontos handelt. Von einem Einfall der Türken in byzantinisches Gebiet um die Wende vom 9. zum 10. Jh. ist nichts bekannt. Zu dieser Zeit saßen die Türken noch südöstlich des Kaspischen Meeres, und ein Einfall, der bis nach Amaseia gegangen wäre, müßte von einem großen Heer unternommen worden sein, was in dieser Zeit sehr unwahrscheinlich anmutet und in den Quellen keine Stütze findet. Außerdem läge Amaseia für eine regio Iberorum sehr weit im Westen Kleinasiens. Des weiteren wäre zu fragen, wieso M. sich ausgerechnet an den Patriarchen von Jerusalem und danach an den Papst in Rom um Hilfe wandte. Seine eigentlichen Ansprechpartner wären der Patriarch von Konstantinopel und der Kaiser gewesen. Insofern scheint die Annahme plausibel, daß es sich nicht um Amaseia in Helenopontos handelt, sondern um einen Bischofssitz in Iberien, d. h. Tao-Klardžet‘i oder weiter östlich, wo als Patron gleichfalls ein hl. Basileios verehrt wurde. Mabillon hielt das Hierosolymitanae ecclesiae, zu der M. gehört haben soll, im Brief des Papstes irrigerweise für eine Verschreibung von Helenopontanae ecclesiae. Jedoch wird dieser Begriff in dem Brief des Elias nicht genannt. Da M. aus dem Patriarchat Jerusalem nach Rom gekommen war, könnte man auch annehmen, daß der Papst ihn einfach als einen Angehörigen dieses Patriarchats ansah. Dies wäre vor allem dann wahrscheinlich, wenn M. zu einer Kirche gehörte, die ansonsten in Rom unbekannt war, was man bei dem Bischof einer georgischen Kirche annehmen kann, aber kaum bei einem Bischof, der zum Sprengel des Patriarchats von Konstantinopel gehörte.

Geographische Orte

  • Amaseia (Helenopontos)
  • Jerusalem
  • Palästina
  • Rom
  • Italien: Rom
  • Georgien
  • Iberien
  • Turcia

Quellen

  • Papsturkunden (Zimmermann)
  • Mabillon, Vetera Analecta
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