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Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

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N: Beiname oder Familienname: Hexakionites (nur in lateinischer Umschrift; s. Liudprand von Cremona, der ihn als magister Exaconta bezeichnet); bei Lupus Protospatarius: Nichoforus.

T: Vor 965 Anthypatos Patrikios und Strategos von Thessalonike — ἀνθύπατος πατρίκιος καὶ στρατηγὸς Θεσσαλονίκης (Actes d’Iviron, Nr. 9, l. 25), später Magistros (Actes d’Iviron, Nr. 9, l. 26: πρὸς τὸ μεῖζον ἀξίωμα τοῦ μαγιστράτου ἀναχθείς). 963 als Patrikios belegt (Symeon log.), seit 965 war er als Magistros Strategos von Longibardia und Kalabria — Nichoforus magister (Lupus Protospatarius); Magistros und Strategos von Italien und Kalabrien — ἐκράτει ποτὲ ἀμφοτέρων τῶν χωρῶν, Ἰταλίας τε καὶ τῆς καθ᾿ ἡμᾶς Καλαβρίας Νικηφόρος ὁ μάγιστρος· πρῶτος καὶ μόνος τῷ μεγίστῳ ἀξιώματι τούτῳ παρὰ τῶν εὐσεβῶν βασιλέων ταῖς ῥηθείσαις χώραις ἀποσταλεὶς (Vita Nili [BHG 1370]).

V: Zu einem unbekannten Zeitpunkt vor 965 war N. Anthypatos Patrikios und Strategos von Thessalonike. In dieser Funktion entschied er auch Rechtsstreitigkeiten, denn er wird in einem Dokument (Actes d’Iviron, Nr. 9) auch mit dem Ausdruck “Provinz-Richter” (ἐπαρχικὸς δικαστής, l. 24) bezeichnet. N. stellte dem Kolobu-Kloster ein (nicht erhaltenes) Dokument aus, das dessen Rechte an einem Teil des Landes von Arsenikeia bei Siderokausia bestätigte und das die Mönche des Kolobu-Klosters im späteren Verlauf ihres Rechtsstreites mit den Einwohnern von Siderokausia zum Nachweis ihrer Rechte dem Krites Nikolaos (# 26039) vorlegten. Erwähnt wird dies in der Entscheidung (Hypomnema — ἔγγραφον ὑπόμνημα) des Krites Nikolaos vom Dezember 995.

963 scheint er ein Kommando im Osten gehabt zu haben, denn er wird unter denjenigen erwähnt, die Nikephoros II. dazu antrieben, sich gegen die Regierung in Konstantinopel zu erheben und sich zum Kaiser krönen zu lassen (Symeon log. [Cod. Vat. gr. 163]).

Nikephoros II. ernannte ihn offenbar nach der Niederlage des Niketas (# 25784) und des Manuel Phokas (# 248784) im Jahre 964 zum neuen Oberbefehlshaber in Italien. Laut Lupus Protospatarius traf er nach dem 1. September 965 in Bari ein. Er scheint in Unteritalien, wie aus der Vita Nili (BHG 1370) hervorgeht, den Bau von Schiffen angeordnet zu haben, was zu einer Erhebung führte, während der, besonders in Rossano, die auf Kiel gelegten Schiffe verbrannt und die Kapitäne erschlagen wurden. Als N. die Empörer bestrafen wollte, wurde er von Neilos von Rossano (# 25503) beschwichtigt. N. setzte daraufhin die Abgaben Rossanos herab und maßregelte den lokalen Steuereinnehmer, den Protospatharios Gregorios Maleinos (# 22426). Neilos hatte in diesem Konflikt zweifellos als Vermittler gewirkt, es ist aber unglaubwürdig, daß die Revolte für die Einwohner von Rossano völlig ohne Folgen blieb, wie die Vita glauben machen möchte.

Nur wenig später muß N. gestorben sein. Laut der Kleinchronik 45 (Chron. Cambridge) fiel er in einer Seeschlacht gegen die Araber bei Rhegion. Die Kleinchronik gibt den Mai bzw. Juli 965 an, was allerdings mit der Mitteilung des Lupus Protospatarius kollidiert, derzufolge N. erst nach dem 1. September 965 nach Bari gekommen sein soll. Sein Tod kann aber in jedem Fall nicht viel später erfolgt sein, denn auch Liudprand von Cremona erklärt, daß er “nicht lange” (haud multo) nach dem Untergang des Manuel Phokas geschlagen worden sei. Die beiden Mitteilungen über den Schiffbau und über die Niederlage in einer Seeschlacht lassen sich dahingehend kombinieren, daß N. möglicherweise ein weiteres Offensivunternehmen gegen Sizilien vorbereitete und durchführte. Wenn dies so war und es sich nicht um defensive Maßnahmen nach der Niederlage von 964 gehandelt hat, dürfte die von N. durchgeführte Expedition für lange Zeit der letzte große Versuch der Byzantiner gewesen sein, in Sizilien wieder Fuß zu fassen.

Q: — (Hist.): Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163) 23,19-25; Kleinchroniken I 45,55, p. 339 (Chron. Cambridge). — (Hag.): Vita Nili (BHG 1370) cap. 60–62, p. 101–103. — (Dok.): Actes d’Iviron, Nr. 9 (Dezember 995 [9. Indiktion; 6504 a. m.]), l. 25f., p. 161. — (lat.): Lupus Protospatarius 55 (a. 966); Liudprand, Legatio 43, p. 198,23-26.

L: Eickhoff, Seekrieg 358 (hält ihn für den ersten Katepano in Italien; cf. jedoch Falkenhausen, Dominazione 40); Markopoulos, in: Symmeikta 3 (1979) 118f.; Falkenhausen, Dominazione 31. 40. 84. 181f. (Regest der Anordnung zum Schiffbau); Lefort–Oikonomidès–Papachryssanthou, in: Actes d’Iviron, p. 158; Guillou, in: Inscriptions (Guillou) 182–184; Mango (Rezension zu Inscriptions [Guillou]).

P: N. wurde von Guillou mit dem Bauherren Nikephoros (# 25607) identifiziert, der in einer Bauinschrift in Tarent erscheint. Diese Identifizierung wurde von Mango mit guten Argumenten abgelehnt.

Geographische Orte

  • Thessalonike (T)
  • Thessalonike (Stadt)
  • Italien
  • Longibardia (T)
  • Italika themata (T)
  • Kalabria (T)
  • Sizilien
  • Bari (Italien)
  • Rhegion (Kalabrien)
  • Kalabrien (L)
  • Italien: Kalabrien
  • Unteritalien
  • Süditalien
  • Kolobu-Kloster (Chalkidike)
  • Siderokausia (Chalkidike)
  • Arsenikeia (Chalkidike)
  • Chalkidike

Quellen

  • Actes d’Iviron (Nr. 9)
  • Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163)
  • Kleinchroniken
  • Liudprand, Legatio
  • Vita Nili (BHG 1370)
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