Jump to ContentJump to Main Navigation
Show Summary Details

Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

More options …

Search

Search publication

Open Access

T: Chorites (Bauer, Dorfbewohner) — τὸν Φιλοκάλην ... τῶν εὐτελῶν καὶ χωριτῶν ἕνα (Novelle vom Januar 996, Version I, l. 51f.); später Hebdomadarios (bzw. “Hebdomarios”) — ἑβδομάριος (sic), Koitonites — κοιτωνίτης und Protobestiarios — πρωτοβεστιάριος (Version I, l. 49f.; Version II, l. 55f.). Großgrundbesitzer.

V: P.s Anhäufung von Grundbesitz wird in einer Novelle des Kaisers Basileios II. vom Januar 996 (cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 783) als Beispiel für eine vom Kaiser als Fehlentwicklung eingestufte Großgrundbesitzbildung erwähnt (1): P. war zunächst einfacher Dorfbewohner, d. h. sicherlich wie die anderen Dorfbewohner Eigentümer eines bescheidenen Grundbesitzes innerhalb der Dorfgemeinde, und zahlte wie die anderen Dorfbewohner seine Grundsteuer (2). Als P. in der Folge Karriere am Hof machte und nacheinander Hebdomadarios, Koitonites und Protobestiarios wurde, wurde er Herr über das ganze Dorf und machte es zu seinem persönlichen Landgut (Proasteion) (3), wobei er auch noch den Namen des Dorfes geändert haben soll (4).

Diesen Vorgang wird man sich so vorstellen dürfen, daß P. nach und nach die Grundstücke der anderen Dorfbewohner aufkaufen konnte, bis ihm der Grundbesitz der gesamten Dorfgemeinde gehörte. Diese Expansion war dadurch möglich, daß P. von Anfang an Mitglied der Dorfgemeinschaft war bzw. bereits Land in der Dorfgemeinde besaß, so daß er von allen gesetzlichen Regelungen profitierte, die die Übernahme von Grundbesitz innerhalb einer Dorfgemeinde erleichterten (wie der Protimesis, dem Vorkaufsrecht von Nachbarn). Die Gesetze, die das Eindringen fremder Großgrundbesitzer in die Dorfgemeinschaften und ihr Aufkaufen des bäuerlichen Grundbesitzes hatten verhindern sollen, erwiesen sich als offenbar wenig wirksam, wenn der Aufkäufer aus der dörflichen Gemeinde selbst kam (5).

Als Kaiser Basileios II. durch die Gegend zog, beklagten sich die Dorfbewohner (die “Armen” — οἱ πένητες) über P.s Verhalten. Basileios ließ daraufhin die Häuser des P. zerstören, gab den Dorfbewohnern ihren alten Grundbesitz zurück und ließ P. nur das Land, für das P. vor Beginn seiner Expansion Grundsteuer gezahlt hatte (6), so daß P. wieder zum einfachen Chorites (Dorfbewohner) reduziert wurde.

Die Ämter, die P. am Hofe innehatte, legen es nahe, daß er ein Eunuch war. Wo das Dorf des P. lag, ist unbekannt. Da ein Durchzug des Kaisers erwähnt wird, der in der ersten Hälfte der 990er Jahre gegen die Bulgaren operierte, könnte es auf der Balkanhalbinsel gelegen haben.

Anmerkungen: — (1) Der Name des P. erscheint wie weitere prosopographische Informationen (z. B. zu Eustathios Maleïnos [# 21861]) nur in der Version II der Novelle, während Version I den Fall nur verkürzt und ohne Namensnennung erwähnt. Der Herausgeber Svoronos hatte Version I für die ursprüngliche Fassung des Textes gehalten und Version II für eine Überarbeitung des 11. Jh.s (Svoronos, Novelles 194f.), doch trat jetzt Schminck mit überzeugenden Argumenten dafür ein, daß Version II den Originaltext bewahrt (Schminck, in: FM 11 [2005] 304f.), so daß alle in dieser Version enthaltenen prosopographischen Informationen als authentisch anzusehen sind. — (2) Version II, l. 53f.: συνετέλει τοῖς ἑαυτοῦ συγχωρίταις, cf. Version I, l. 47f. — (3) Version I, l. 50f.: τὸ ὅλον κατέσχε χωρίον καὶ προάστειον ἴδιον ἐποίησεν, cf. Version II, l. 56f. — (4) Version II, l. 57f.: ἐναλλάξας καὶ τὴν ἐπωνυμίαν τοῦ τοιούτου χωρίου. — (5) Dabei wäre es P. schon nach der Gesetzgebung des Kaisers Romanos I. (Novelle vom September 934 [cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 628]) untersagt gewesen, Landkäufe innerhalb seiner Dorfgemeinschaft zu tätigen, da dort ausgeführt worden war, daß überhaupt alle Inhaber eines kaiserlichen Amtes (οἱ ἀρχαῖς ἢ ἐξουσίαις ἢ ὅλως βασιλικοῖς ἀξιώμασι τετιμημένοι, in: Svoronos, Novelles, Nr. 3, l. 191f., p. 91) kein Land in den Dörfern kaufen durften. Als Koitonites und dann als Protobestiarios dürfte P. sicher zu den kaiserlichen Würdenträgern zu zählen gewesen sein, denen der Kauf untersagt war. Daß es P. dennoch möglich war, sein gesamtes Dorf aufzukaufen, scheint zu zeigen, daß das Gesetz des Romanos I. nicht konsequent angewandt worden war. — (6) Version II, l. 63f.: ἐκείνῳ δὲ κατέλιπεν ὅπερ ἐξ ἀρχῆς εἶχε δημόσιον, cf. Version I, l. 56f.

Q: — (Sonst.): Novelle des Basileios II. vom 1. Januar 996 (cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 783), Version I, Prooimion, cap. 4, in: Svoronos, Novelles Nr. 14, p. 202, l. 45-57 (ohne Namensnennung) cf. Ius (Zepos) I, Coll. III, Nov. XXIX, p. 265; Version II, Prooimion, cap. 4, in: Svoronos, Novelles Nr. 14, p. 203, l. 51-64.

L: ODB III 1656 s. v. “Philokales”. — Lemerle, Agrarian History 104f.; Svoronos, Novelles 197; McGeer, Land Legislation, Version I, cap. 4, p. 118; Version II, cap. 4, p. 118 (engl. Übers. von Svoronos, Novelles 202f.); Lefort, in: Laiou, Economic History I 283; Schminck, in: FM 11 (2005) 304f. mit Anm. 232; Holmes, Basil II. 471; Tougher, Eunuch 162 (Nr. 173).

P: Für das Jahr 967/68 ist ein weiterer Träger des Namens Philokales (# 26625) aus einer Bauinschrift in Thrakien bekannt. Anfang des 12. Jh.s taucht im Falle des Eumathios Philokales, des Gouverneurs von Zypern, der Name als Familienname auf, cf. R.-J. Lilie, Byzantium and the Crusader States 1096–1204, Oxford 1993, 62 mit Anm. 2. Cf. auch PLP # 29907–29909.

Quellen

  • Svoronos, Novelles
  • Ius (Zepos)
Back to top

Comments (0)

Please log in or register to comment.
Log in