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Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

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N: Bei Skylitzes, Ioannes 18, p. 310,49, wird er Theophilos genannt.

T: Metropolites von Euchaïta (Helenopontos); bei Leon Diakonos als Episkopos von Euchaïta bezeichnet, bei Skylitzes als ὁ τῶν Εὐχαΐτων ἀρχιερεύς. Die Nestorchronik gibt ihm, falls es sich nicht doch um zwei verschiedene Personen handelt, zusätzlich den Titel eines Synkellos, ebenso ein Siegel (s. unten).

V: Er war zwischen 945 und 956 Adressat eines Briefes (Ep. 5) des Theodoros von Nikaia (# 27705). Anscheinend war er recht neu in seinem Amt und hatte sich bei Theodoros, der zu diesem Zeitpunkt vermutlich Patriarchatskleriker, eventuell Chartophylax war, nach den Vorschriften zur Aufnahme von Häretikern in die orthodoxe Kirche erkundigt. Theodoros teilte ihm in seinem Brief nun die Einzelheiten der Vorschriften mit (1).

Ohne namentliche Nennung war er wohl zwischen 956 und 959 Adressat eines weiteren Briefes (Ep. 34) des Metropoliten Theodoros von Nikaia. In der Hauptstadt seien etliche Bischöfe anscheinend vom Patriarchen (Theophylaktos [# 28192]) mit dem Anathema belegt worden, und der neue Patriarch (Polyeuktos [# 26715]) habe nichts dagegen unternommen. In einem beigefügten Synodalschreiben (wohl ein Schreiben an die Synodos endemousa, cf. Ep. 34,16f.; Darrouzès, in: Épistoliers byzantins 301 Anm. 56) werde er darüber genaueres erfahren. Theodoros fordert den Metropoliten auf, nach Konstantinopel zu kommen und sich für ihre gemeinsame Sache, also für die Sache der anathematisierten Bischöfe, einzusetzen. Warum die Bischöfe anathematisiert wurden, wird in dem Brief nicht mitgeteilt.

Als Nikephoros (II.) Phokas im Juli 963 rebellierte und sich von seinen Truppen in Kaisareia (Kappadokien) zum Kaiser ausrufen ließ, schickte er P. mit einem Schreiben nach Konstantinopel, in dem er seine Anerkennung als Kaiser forderte und Sicherheitszusagen für die beiden Kindkaiser Basileios II. und Konstantinos VIII. anbot. Der Gegenspieler des Nikephoros, Ioseph Bringas (# 23529), ließ P. ins Gefängnis werfen (2).

968/69 führte er zusammen mit dem Patrikios Nikephoros Erotikos (# 25583) eine Gesandtschaft an die Bulgaren an, durch die Nikephoros II. Phokas angeblich ein Bündnis gegen die Rhos und eine Heiratsverbindung zwischen zwei bulgarischen Prinzessinnen (# 30139) und den beiden jungen Kaisern Basileios (II.) und Konstantinos (VIII.) vorschlug. Die Bulgaren akzeptierten das Angebot und schickten eine Gegengesandtschaft mit zwei Prinzessinnen nach Konstantinopel, jedoch kam es infolge des Sturzes des Kaisers zu keinem Vertragsabschluß (3).

Ein Synkellos Theophilos (# 28162) war im Juli 971 anwesend bei der Abfassung des Friedensvertrags zwischen den Rhos und den Byzantinern nach der Schlacht bei Dorystolon, der von dem Fürsten von Kiew, Svjatoslav (# 27440), und Svenald (# 27439), einem Feldherrn des Vaters Svjatoslavs, Igor (# 22751), verfaßt wurde und in erster Linie das Versprechen Svjatoslavs enthielt, nie mehr byzantinisches Territorium einschließlich Bulgarien und Cherson anzugreifen (4).

Wahrscheinlich leitete P. im Sommer 971 (nach Juli) eine Gesandtschaft an die Petschenegen, in der Kaiser Ioannes I. Tzimiskes nach seinem Sieg über Svjatoslav versuchte, mit den Petschenegen zu einem friedlichen Verhältnis zu kommen. Sie sollten darauf verzichten, die Donau zu überschreiten und bulgarisches Gebiet zu plündern. Außerdem sollten sie den in ihre Heimat zurückkehrenden Rhos die Durchreise nicht verwehren. Die Petschenegen akzeptierten das Angebot des Kaisers, mit Ausnahme der Bestimmung über die freie Durchreise. Svjatoslav und der größte Teil seiner Leute wurden im folgenden Frühjahr von ihnen bei dem Versuch, die Stromschnellen des Dnjepr zu passieren, getötet (5).

Anmerkungen: — (1) Theodoros von Nikaia, Ep. 5. — (2) Leon Diakonos, Historia III 6–7, p. 44,22 – 45,15. — (3) Leon Diakonos, Historia V 3, p. 79,9 – 80,7. Es ist schwer vorstellbar, daß ausgerechnet Nikephoros II., der gerade erst einen Krieg gegen Bulgarien vom Zaun gebrochen hatte, nun denselben Bulgaren gleich beide jungen Kaiser als Ehepartner angeboten haben soll. — (4) Nestorchronik 72,18-22. Zum Friedensvertrag von 971 cf. Hellmann, Handelsverträge 652f. 665f.; Malingoudi, Russisch-byzantinische Verträge 51–54. 112; Dölger–Müller, Regesten Nr. 739. — (5) Skylitzes, Ioannes 18, p. 309,45 – 310,51; Nestorchronik 73,20 – 74,7; cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 740.

Q: — (Hist.): Leon Diakonos, Historia; Skylitzes. — (Ep.): Theodoros von Nikaia, Epp. 5. 34. — (sl.): Nestorchronik. — (Sg.): Catalogue IV 16.6 = Laurent, Corpus V 766 (dort auch ein zweites Exemplar aus der Sammlung des IFEB in Paris; datiert in das 10. Jh.): Φιλοθέῳ μητροπολίτῃ Εὐχαΐτων. Catalogue IV 16.7 = Laurent, Corpus V 1782: Φιλοθέῳ μητροπολίτῃ Εὐχαΐτων καὶ συγκέλλῳ. Ein zweites, in Bulgarien gefundenes Exemplar publizierte I. Jordanov, Pečat na Filotei, sinkel i mitropolit na Evhaita, răkovoditel na diplomatičeski misii v Bălgarija, in: Prinosi kăm bălgarskata arheologija 1, Sofia 1992, 120–125 (cf. SBS 6 [1999] 86) = idem, Corpus I 30.1 = III 1718; Abbildung des Siegels auch bei Atanasov, Durostorum 156.

L: Fedalto 80. — Dölger–Müller, Regesten Nr. 695. 718. 739. 740; Darrouzès, in: Épistoliers byzantins 274f. mit Anm. 19. 20; 301; Christian Dualist Heresies 110 (engl. Übers. von Ep. 5: 111f.); Laurent, Corpus V 766f.

P: Die Identität des Theophilos bei Skylitzes mit dem in den anderen Quellen genannten Philotheos dürfte relativ wahrscheinlich sein, zumal angesichts der identischen Bedeutung beider Namen, dennoch ist sie nicht völlig sicher. Wenn es sich um zwei Personen handelt, dann müßte Philotheos ca. 969/70 gestorben sein. Theophilos wäre dann sein Nachfolger gewesen. — Die Echtheit des Vertrags von 971, der nur in der altrussischen Nestorchronik, aber weder in griechischen Quellen noch in der Ersten Nowgoroder Chronik überliefert ist, wird jetzt wieder bezweifelt von Raev, in: REB 64–65 (2006–2007), der den Vertrag für einen ca. 1095 in Kiew erfolgten Einschub in die Chronik hält. Die Erste Nowgoroder Chronik würde also auch hier die ältere Fassung des Chroniktextes greifbar werden lassen.

Geographische Orte

  • Euchaïta (Helenopontos)
  • Helenopontos (KP)

Quellen

  • Theodoros von Nikaia, Epp.
  • Catalogue IV
  • Laurent, Corpus V
  • Leon Diakonos, Historia
  • Skylitzes
  • Nestorchronik
  • Jordanov, Pečat
  • Jordanov, Corpus I
  • Jordanov, Corpus III
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