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Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

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T: Metropolites von Nikomedeia und Synkellos (des Patriarchen von Konstantinopel) — ὁ σύγκελλος Στέφανος καὶ τῆς Νικομηδείας πρόεδρος (Skylitzes 317,44), ὁ τῆς Νικομηδείας πρόεδρος Στέφανος (Leon Diakonos 169,6f.), μητροπολῖται, εἰσὶν οὗτοι· ... Στέφανος Νικομηδείας ... (Sisinnios II., Tomos über die Ehehindernisse). Autor einer theologischen Schrift bzw. mehrerer kleinerer theologischer Traktate (dort im Titel: Στεφάνου συγκέλλου καὶ μητροπολίτου Νικομηδείας [so in den Codd. Paris. gr. 1162 und 1504], cf. Krausmüller [s. u.] 241 Anm. 15).

V: Er war der Sohn der Alexina (# 20237) und wurde etwa zwischen 925 und 950 geboren.

Im August 975 war am Himmel ein Komet zu sehen, der sich auffällig bewegte. Kaiser Ioannes I. Tzimiskes befragte daraufhin Leute, die sich damit auskannten und die ihm erklärten, daß es ein für ihn günstiges Vorzeichen sei. Unter diesen Fachleuten werden Symeones (# 27504) und S. genannt. Beiden wird in dem Geschichtswerk des Leon Diakonos (# 24547) vorgeworfen, daß sie dabei dem Kaiser nach dem Mund geredet und günstige Prophezeiungen abgegeben hätten, während der Komet in Wahrheit Bürgerkriege, Einfälle, Hungersnöte und ähnliches angekündigt habe.

Im Sommer 976 führte S., der in diesem Zusammenhang als Synkellos (des Patriarchen von Konstantinopel) und als Proedros von Nikomedeia bezeichnet wird, eine Gesandtschaft an den aufständischen Bardas Skleros (# 20785), um diesen zur Aufgabe zu bewegen. Skylitzes bezeichnet S. als beredt und in Weisheit und Tugend berühmt: ἀνὴρ ἐλλόγισμος καὶ ἐπὶ σοφίᾳ καὶ ἀρετῇ διαβόητος καὶ πειθοῦ μαλάξαι ἱκανὸς γνώμην σκληρὰν καὶ ἀτίθασσον). Trotzdem gelang es ihm nicht, Bardas Skleros zu überzeugen. Dieser gewährte S. einen Aufschub (προθεσμίαν ἡμέρας τεσσαράκοντα δεδωκώς = Waffenstillstand?) von 40 Tagen und schickte ihn nach Konstantinopel zurück (Skylitzes; verkürzt bei Zonaras).

Seine nächste Erwähnung fällt wohl in die zweite Hälfte der 80er bzw. in den Beginn der 90er Jahre des 10. Jh.s, als er Adressat mehrerer Briefe des Nikephoros Uranos (# 25617) war, der ihn bereits in dem ersten Brief (Ep. 5) als Metropolites von Nikomedeia und Synkellos bezeichnet. In diesem Brief geht es um die Bestätigung von Chrysobullia (wohl der Kirche von Nikomedeia). Einige der Chrysobullia seien bestätigt worden, und diesbezügliche Sacra des Kaisers seien an den Sakellarios (# 31687) ergangen. Andere Chrysobullia, die die Kleriker der Metropolis von Nikomedeia sowie das Bistum von Lophos beträfen, seien jedoch davon ausgenommen worden und bedürften noch der Bestätigung durch den Parakoimomenos (# 31688) und der Billigung durch den Kaiser.

Die Erwähnung der Chrysobullia steht in Zusammenhang mit der Überprüfung kaiserlicher Privilegien durch Kaiser Basileios II. Diese Überprüfung (und eventuelle Annullierung oder Bestätigung) erfolgte wohl erst nach der Beendigung der Revolte des Bardas Phokas (# 20784) im April 989. Es hat den Anschein, als sei unter anderem Nikephoros Uranos mit der Überprüfung von Chrysobullia betraut gewesen (cf. auch Epp. 3. 4 und 6). Diese Überprüfung ist daher in den Zeitraum zwischen 989 und 996 zu datieren, als Nikephoros als Patrikios und Kanikleios ein sehr hohes Amt bei Hofe innehatte und eine Vertrauensstellung beim Kaiser genoß. Aus einem zweiten Brief (Ep. 7) geht hervor, daß sich Nikephoros Uranos und S. persönlich begegnet waren (vermutlich in Konstantinopel).

In einem anderen, äußerst interessanten Brief (Ep. 47) berichtet Nikephoros Uranos S. von einem Feldzug, zu dem er gemeinsam mit dem Kaiser (Basileios II.) von “seiner Stadt” Antiocheia in Syrien aufgebrochen war. Er klagt darin rückblickend heftig über die gewaltigen Strapazen des Feldzuges: Unwegsames Gelände, grimmige Kälte und Schlamm, heftiger Wind und Regengüsse, vor allem aber Unmengen von Schnee und Schneematsch machten den Feldzug zu einer Tortur. Des weiteren berichtet er von schlaflosen Nächten und einfacher bis mangelhafter Ernährung sowie dem nächtlichen Ertönen von Flöten und Fanfaren während dieses Feldzuges. Diese Indizien vermitteln den Eindruck eines eiligen Aufbruchs (man konnte auf die Witterungsverhältnisse keine Rücksicht nehmen) und ebenso eiligen Marsches (möglicherweise Nachtmärsche, sehr frühes Wecken und nur das Allernötigste an Proviant). Diese Einzelheiten ermöglichen es, den beschriebenen Feldzug mit dem Zug des Kaisers nach Armenien wohl im April des Jahres 1000 (nach dem Tod des David von Tao [# 21432] am 13. März 1000) zu identifizieren. Uns liegt demnach in dem Schreiben des Nikephoros Uranos an S. eine der seltenen Beschreibungen eines Feldzuges durch einen Teilnehmer und Augenzeugen vor.

Im Briefkorpus des Metropoliten Leon von Synada (# 24416) ist zunächst ein Brief (Ep. 34) des Metropoliten von Nikomedeia, also S., an den Metropoliten von Synada, Leon, erhalten. In dem Brief spricht S. in warmen Worten von der Freundschaft zwischen den beiden Männern, die es durch ständigen Kontakt, sei es durch persönliche Gespräche, sei es durch Briefe, stets zu erneuern gelte. Im Anschluß berichtet er von einer Zusammenkunft mit Kaiser Konstantinos VIII., der ihm berichtet habe, daß Leon bei Hofe nur Gutes über ihn gesagt habe. Ferner ist der Antwortbrief Leons an S. erhalten (Ep. 35), in dem er S. in äußerst respektvollem, fast schon schmeichelhaftem Ton seiner Freundschaft versichert. Leon nennt S. in diesem Brief seinen “Vater” und bezeichnet sich selbst als (geistlichen) “Sohn und Freund” des Metropoliten von Nikomedeia. Die Briefe sind nicht genauer datiert. Die datierten Briefe Leons wurden jedoch alle zwischen 996 und 1003 abgefaßt, so daß auch diese Briefe etwa in diese Zeit zu setzen sind (cf. auch Vinson 119).

Am 21. Februar 997 nahm S. in Konstantinopel an der Synode teil, auf der Patriarch Sisinnios II. (# 27118) seinen Tomos über die Ehehindernisse erließ, der die Ehen zwischen Verschwägerten des fünften und des sechsten Verwandtschaftsgrades verbot (cf. Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 804). In der Liste von 30 Metropoliten, die mit Sisinnios zusammen diesen Erlaß verabschiedet haben, wird S. als vierter genannt.

In der Vita des Symeon Neos Theologos (# 27488) wird – parteiisch, aber sehr ausführlich – eine Kontroverse zwischen Symeon und dem höheren Klerus dargestellt. S. wird dabei als Wortführer des höheren Klerus und Hauptgegner Symeons gezeichnet. Etwa um 1002/03 kam es zu einer Überprüfung der Rechtmäßigkeit des Heiligenkultes des Symeon Eulabes (# 27479; † 986/87), den Symeon Neos Theologos im Hagios-Mamas-Kloster in Konstantinopel eingeführt hatte. Angeblich hätten sich einige Mönche (# 30573) des Hagios-Mamas-Klosters bei S. bzw. im Patriarcheion über den Heiligenkult für Symeon Eulabes beschwert. Es läßt sich greifen, daß unter dem Vorsitz des Patriarchen Sergios II. (# 27044) in Konstantinopel eine Synode zu dieser Frage zusammentrat. Offenbar vertrat S. die Position der Anklage, die besagte, daß Symeon Eulabes ein Sünder gewesen sei und deshalb nicht als Heiliger verehrt werden dürfe. Das Verfahren endete mit einer Verurteilung des Symeon Neos Theologos, seiner Absetzung als Abt des Hagios-Mamas-Klosters und seiner Verbannung nach Palukiton. Die synodale Verurteilung des Symeon Neos Theologos, die im Winter 1008/09 erfolgte (cf. Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 817), stellt den terminus post quem für den Tod des S. dar (cf. dagegen Beck, Kirche 531: “lebte jedenfalls noch um 1011”.)

Niketas Stethatos behauptet in der Vita Sym. Novi Theologi (BHG 1692), S. habe vor dem Prozeß gegen Symeon auf seinen Metropolitenstuhl verzichtet und sei Mönch geworden (cap. 94,9f, p. 100: τὸν τῆς ἐπισκοπῆς παραιτησάμενος θρόνον ...). Dagegen spricht das Zeugnis des Demetrios von Kyzikos, der behauptet, S. habe das Mönchsgewand erst kurz vor seinem Tode genommen (cf. Krausmüller, in: Byz 77 [2007] 243).

Die Siegel des S. werden in das 10. Jh. datiert. Das Prooimion der theologischen Schrift des S. (cf. unter W) richtet sich an einen nicht namentlich genannten Adressaten und verrät über diesen, daß es sich um einen hohen Beamten (die Rede ist von sorgfältiger Wahrnehmung staatlicher Aufgaben — τῆς τῶν πολιτικῶν πραγμάτων ἀκριβοῦς μεταλήψεως) mit (praktischer) Erfahrung und (theoretischem) Wissen in Militärstrategie handelte (μετὰ τῆς τῶν τακτικῶν ἐμπειρίας τε καὶ μαθήσεως), cf. Krausmüller, in: Byz 77 (2007) 244. Krausmüller identfizierte diesen Adressaten recht plausibel mit S.s Briefpartner Nikephoros Uranos.

W: Dem Autor S. gehört die irrtümlich dem Athanasios von Alexandreia zugeschriebene theologische Schrift Σύνταγμα πρός τινα πολιτικόν (CPG 2286), die in den Codd. Vat. gr. 375 (s. XIV), fol. 170–176, und Vat. gr. 573 (s. XIV–XV), fol. 73–78, überliefert und in: PG 28, col. 1396–1408, ediert ist, cf. Krausmüller, op. cit. 239 mit Anm. 1. Einzelne Kapitel dieser Abhandlung sind die Abschnitte “Erkenntnis der Dreigeteiltheit der Seele” (cap. 1: διάγνωσις τοῦ τριμεροῦς τῆς ψυχῆς, in: PG 28, 1397A-B), “genaue Unterteilung der Seele” (cap. 2: διαίρεσις καὶ ἀποδιαίρεσις [Cod. Vat. gr. 573: ὑποδιαίρεσις] λεπτομερὴς τῆς ψυχῆς , in: PG 28, 1397B-D), “Erkenntnis der Gedanken, durch die jede Sünde geschieht” (cap. 3: διάγνωσις τῶν λογισμῶν δι᾿ ὧν πᾶσα ἁμαρτία τελεῖται, in: PG 28, 1397D–1400C), “Darstellung der Leidenschaften” (cap. 4: διάθεσις τῶν παθῶν, in: PG 28, 1400C), “Über die göttliche Vorsehung” (cap. 5: περὶ τῆς τοῦ θεοῦ προνοίας, in: PG 28, 1400D–1401B), “Über den freien Willen” (cap. 6: περὶ τῆς αὐτεξουσιότητος ἡμῶν, in: PG 28, 1401B-D), “Klarer und kurzer Überblick sowie Erkenntnis unseres Glaubens an die hl. Trinität” (cap. 7: συνήθεια [Cod. Vat. gr. 573: σύνοψις] σαφὴς καὶ σύντομος καὶ διάγνωσις τῆς πίστεως ἡμῶν τῆς ἐν τῇ τριάδι ἁγίᾳ, in: PG 28, 1401D–1405A), “Was wir über die Menschwerdung des Herren glauben müssen” (cap. 8: ὅπως δεῖ πιστεύειν περὶ τῆς τοῦ κυρίου ἐνανθρωπήσεως, in: PG 28, 1405A-C), “Über den Unterschied der Tugenden” (cap. 9: περὶ διαφορᾶς ἀρετῶν, in: PG 28, 1405C–1408A), “Unterscheidung der Natur der Dinge” (cap. 10: διάκρισις τῆς τῶν πραγμάτων φύσεως, in: PG 28, 1408A-D), cf. Krausmüller, op. cit. 239f. Diese einzelnen Abschnitte sind zum Teil auch einzeln oder in anderer Reihenfolge überliefert. So führte I. Hausherr (s. u.) als Werk des S. eine “kurzgefaßte Erläuterung der Dreigeteiltheit der Seele” auf (σύντομος ἐξήγησις καὶ διάγνωσις τοῦ τριμεροῦς τῆς ψυχῆς, überliefert durch Cod. Paris. gr. 1162 und 1504), cf. Krausmüller 214; Beck, Kirche 531 (weiterer Textzeuge laut Beck: Cod. Vat. gr. 509 [a. 1313]), bei der es sich vermutlich um das erste Kapitel von Σύνταγμα πρός τινα πολιτικόν handelt. Die übrigen von Beck, Kirche 531, genannten Titel (Überblick [σύνοψις σαφής] “der Glaubenslehre, speziell der Trinitätslehre”, der Abriß der διάκρισις τῆς φύσεως τῶν πραγμάτων, überliefert im Cod. Paris. gr. 1504, διαίρεσις τῶν παθῶν und eine διάγνωσις τῶν λογισμῶν δι᾿ ὧν πᾶσα ἁμαρτία τελειοῦται, beide ebenfalls im Cod. Paris. gr. 1504 überliefert) entsprechen wohl ebenfalls einzelnen Abschnitten aus Σύνταγμα ..., doch müßte die Identität der Texte noch näher überprüft werden (Krausmüller, op. cit. 241 mit Anm. 16, hat für zwei Stellen, an denen Hausherr näher aus den ihm vorliegenden Hss. zitierte, die Identität der Texte festgestellt, hat jedoch nicht die Hss. selbst studiert). Das Prooimion der Schrift Σύνταγμα πρός τινα πολιτικόν ist partiell ediert bei Krausmüller, op. cit. 244f.

Q: — (Hist.): Leon Diakonos, Historia X 6, p. 168,19 – 169,13; Skylitzes, Basileios 3, p. 317,43-55; Zonaras XVII 5, p. 541,4f.; cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 757. — (Ep.): Leon von Synada, Ep. 34 (Ep. des S. an Leon). 35 (Antwortbrief des Leon); Nikephoros Uranos, Epp. 5. 7. 9. 47. — (Hag.): Vita Sym. Novi Theologi (BHG 1692) cap. 74–82, p. 100–112; cap. 86–89, p. 118–122; cap. 91, p. 124–126; cap. 93, p. 128; cap. 95–99, p. 130–136; cap. 102–103, p. 142; cap. 105, p. 144–146. — (Sonst.): Sisinnios II., Tomos über die Ehehindernisse (21.2.997), in: PG 119, 740D = Syntagma Kanon. V 19; Mitteilung des Demetrios von Kyzikos (# 21527), in: Cod. Ambros. gr. 682, fol. 369v, hier nur rezipiert nach: Laurent, Corpus V 1, p. 272 (zu Nr. 378). — (Sg.): Catalogue III 83.8 (zwei Siegel von demselben Bulloterion) = Laurent, Corpus V 378: Στεφάνῳ μητροπολίτῃ Νικομηδείας καὶ συγκέλλῳ.

L: Darrouzès, in: DictSpir 4 (1961) 1514f.; Beck, Kirche 531f.; Fedalto 95. — Hausherr, in: Vita Sym. Novi Theologi (BHG 1692), p. LI–LVI. XC; Oikonomidès, Listes 308f. Anm. 116; Vinson 119–121 (Lit.); Darrouzès, in: Épistoliers byzantins 219–222; Leontaritu, Axiomata 603 (Nr. 48); Grünbart, in: Byzantina 22 (2001) 39–41. 46; Dölger–Müller, Regesten Nr. 756. 757; Krausmüller, in: Byz 77 (2007) 239–250 (ausführlich zu Biographie und Werken).

P: Für die Identifizierung der Sieglers mit dem in den anderen Quellen erwähnten S. haben sich Laurent und die Herausgeber von Catalogue ohne Zweifel ausgesprochen.

Geographische Orte

  • Nikomedeia (Bithynia)
  • Bithynien (KP)
  • Kaisareia (Kappadokien)
  • Demetrios von Kyzikos

Quellen

  • Leon von Synada, Epp.
  • Nikephoros Uranos, Epp.
  • Catalogue III
  • Laurent, Corpus V
  • Leon Diakonos, Historia
  • Skylitzes
  • Zonaras
  • Vita Sym. Novi Theologi (BHG 1692)
  • Sisinnios II., Tomos über die Ehehindernisse
  • Syntagma Kanon.
  • Demetrios von Kyzikos
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