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Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

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T: Archiepiskopos bzw. Metropolites von Ephesos — ὁ Ἐφέσου.

V: Möglicherweise weihte er zwischen 984 und 989 Sisinnios (# 27117) zum Bischof von Tios in Honorias (cf. Grumel, in: EO 32 [1933] 281–283; anders jetzt Feissel, Éphèse 241–244). Aufgrund dieses Datums stellt auch die Annahme, daß er an der Gesandtschaft zu dem russischen Fürsten Vladimir (# 28433) nach Kiew teilnahm (cf. Dölger, Regesten Nr. 778), kein chronologisches Problem dar; diese Gesandtschaft wird nach dem arabischen Chronisten Yaḥyā auf “987/989 ende” datiert (cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 769i).

Wohl noch vor 996 erhielt er von Ioannes von Antiocheia (# 23167) kanonische Antworten über die Taufe (Responsa de baptismo). Laut Beck, Kirche 599, hatte Ioannes diese Antworten möglicherweise noch als Chartophylax der Hagia Sophia und im Namen des Patriarchen von Konstantinopel geschrieben, also vor seiner Einsetzung zum Patriarchen von Antiocheia im Jahre 996.

Er war Adressat eines Briefes des Metropoliten Leon von Synada (# 24416). Der Brief ist nicht genauer datiert. Die datierten Briefe Leons wurden jedoch alle zwischen 996 und 1003 abgefaßt, so daß auch dieser Brief etwa in diese Zeit zu setzen ist.

Die Anrede des Briefes lautet: Εἰς τὸν Ἐφέσου, διὰ χρυσοβουλλίου. Der Zusatz διὰ χρυσοβουλλίου hat dabei in der Forschung (cf. Vinson 121f.) zu mehr Spekulationen Anlaß gegeben, als zur Erklärung tatsächlich nötig erscheinen. Eine ironische Bedeutung des Zusatzes hatte bereits Darrouzès ausgeschlossen, ebenso kommt eine übertragene Bedeutung (etwa: der Brief sei eilig und wichtig) bei dem Diplomaten Leon nicht in Betracht. Die größte Wahrscheinlichkeit kommt daher der ohnehin nächstliegenden Erklärung zu, der Brief Leons sei tatsächlich zusammen mit einem Chrysobullion des Kaisers T. zugegangen. Der Brief war also ein Begleitschreiben Leons zu dem Chrysobullion, der hier möglicherweise als Synkellos zu Zeiten der Vakanz des Konstantinopler Patriarchenstuhles (991 – April 996), mithin also als höchste kirchliche Autorität im Patriarchat von Konstantinopel agierte.

Der Brief macht keine genaueren Angaben über das Chrysobullion oder dessen Inhalt. Er läßt jedoch gewisse Meinungsverschiedenheiten erahnen, die zwischen T. und anderen (vermutlich Klerikern in seiner Metropolis) bestanden. Unter Umständen fällte das kaiserliche Chrysobullion eine Entscheidung in dieser (nicht näher bekannten) Streitigkeit. Leon deutet ferner an, daß er sich (wohl in der erwähnten Streitfrage) auf die Seite des T. geschlagen habe und dessen Autorität anerkenne. Der respektvolle Ton des Briefes (T. wird unter anderem als “Haupt und Mund und Wort und Geist der ganzen Kirche” bezeichnet, cf. dazu auch Vinson 122) ebenso wie die Zurückhaltung (um nicht zu sagen: Verschwommenheit) in der Sache gehören hier zu den Stilmitteln des byzantinischen “politischen Schriftverkehrs”.

T. war wohl noch in den Jahren 1014 und 1018/19 im Amt, wie zwei Bauinschriften aus der Umgebung von Ephesos belegen, die T. für diese Zeit als Archiepiskopos von Ephesos nennen (Inscriptions [Grégoire I] Nrr. 115bis. 115ter; cf. dazu Feissel).

Die Vita Lazari berichtet, daß der Metropolites von Ephesos, also T., ca. 1011/12 dem von Lazaros auf dem Kumaronberg bei der Kapelle der Märtyrerin Marine gegründeten Kloster Land zur Bearbeitung zuwies. Als Lazaros etwa 1018/19 von diesem Kloster auf den Galesionberg wechselte, um dort in größerer Abgeschiedenheit seine Askese fortzusetzen, wies er ihn an, zu seinem vorherigen Platz zurückzukehren. Als der Metropolit sich auf einer Reise nach Konstantinopel befand, verließ Lazaros endgültig den zugewiesenen Aufenthaltsort.

T.s Nachfolger als Metropolit von Ephesos dürfte der für die Zeit November 1027 – September 1039 nachgewiesene Kyriakos (# 24241) gewesen sein.

Q: — (Ep.): Leon von Synada, Ep. 36. — (Hag.): Vita Lazari (BHG 979) cap. 34, p. 521; cap. 53, p. 526. — (Sg.): ZN 898 (erste Hälfte des 11. Jh.s): Θεοδώρῳ ἀρχιεπισκόπῳ Ἐφέσου. — (lat): Vita Sisinnii episcopi (Tii) et confessoris (bisher unediert, cf. die Hinweise unter Feissel, Éphèse 241–244). — (Inscr.): Inscriptions (Grégoire I) Nrr. 115bis (= Die Inschriften von Ephesos, Teil IV, hrsg. von H. Engelmann, D. Knibbe, R. Merkelbach, Bonn 1980 [IGSK 14], Nr. 1363); 115ter.

L: Beck, Kirche 599; Le Quien I, 686; Fedalto 114 (ohne genauere Datierung). — Allatius, De aetate 215; Grégoire, in: Inscriptions (Grégoire I) 42f.; Grumel, in: EO 32 (1933) 281–283; Darrouzès, in: Épistoliers byzantins 194 Anm. 22; Vinson 121f.; Greenfield, Lazaros 10f. 120 Anm. 176; 395; Feissel, Éphèse 244 (zu T.); 231–247 (zur Datierung der Inschriften).

P: Die Identifizierung des Briefadressaten mit dem Aussteller des Siegels ist zwar nicht gesichert, aber doch sehr wahrscheinlich. — Feissel, Éphèse 241–244, diskutiert die Identität mit dem gleichnamigen Metropoliten von Ephesos, der in der in zwei Handschriften überlieferten (Mailand und Florenz, cf. P. Chiesa, in: Hagiographica 5 [1998] 243f., § 100; 252, § 50), bisher aber unedierten (Edition in Vorbereitung von F. Dolbeau, cf. Feissel, Éphèse 243 Anm. 61) lateinischen Version der Vita Sisinii episcopi (Tii) et confessoris (nicht in BHL) erwähnt wird, kommt aber zu dem Schluß, daß dieser wohl von T. zu unterscheiden sei. Die Einwände Feissels können aber die schlüssige Argumentation Grumels für eine Identität nicht entkräften. Man wird zur Entscheidung der Frage die Edition der Vita des Sisinnios durch F. Dolbeau abwarten müssen. — Möglicherweise identisch mit Theodoros (# 27779).

Geographische Orte

  • Ephesos (Asia)
  • Asia (KP)
  • Galesionberg (bei Ephesos)
  • Kumaronberg (bei Ephesos)
  • Kirche: hl. Marine (bei Ephesos)

Quellen

  • Leon von Synada, Epp.
  • Inscriptions (Grégoire I)
  • ZN
  • Vita Lazari (BHG 979)
  • Vita Sisinnii episcopi (Tii) et confessoris (unediert)
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