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Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

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N: Taufname: Anastaso — Ἀναστασώ (Skylitzes) bzw. Anastasia — Ἀναστασία (Theoph. cont.; Symeon log. [Cod. Vat. gr. 163]). Arab.: Tifānwā, Ṯāwfānwā und Tifānū.

T: Augusta, Kaiserin. Arm.: t‘aguhi (Königin, Matthäus von Edessa); arab.: al-malika.

V: Ihr genaues Geburtsdatum ist unbekannt; vermutlich lag es kurz nach 940. Wahrscheinlich ca. 956 wurde sie mit Romanos II., dem Sohn und Mitkaiser des Kaisers Konstantinos VII., verheiratet, wobei die Hochzeitsfeierlichkeiten im Triklinos des Kaisers Iustinianos II. stattfanden. Die Chroniken urteilen unterschiedlich über sie. Laut der sehr panegyrischen Darstellung bei Theoph. cont. war T. nicht nur körperlich schön und von reinem Charakter (καλὴν μὲν τῷ σώματι, ὡραίαν δὲ τῇ ὄψει, κοσμίαν δὲ τῇ ψυχῇ), sondern entstammte auch einer adligen Familie (ἐξ εὐγενῶν προγόνων), während Skylitzes erklärt, daß ihre Familie von niederem Stand und ihr Vater Schankwirt gewesen sei. Übereinstimmung besteht darüber, daß ihr Vater Krateros (# 24192) und ihre Mutter Maria (# 24927) hießen und daß T.s Taufname Anastaso bzw. Anastasia war. Laut einer sonst nicht gestützten Nachricht bei Bar Hebraeus hatte sie eine Schwester (# 24927A). Mit Romanos II. hatte T. die beiden Söhne Basileios II. und Konstantinos VIII. sowie eine Tochter, die den Namen Anna (# 20436) erhielt (1).

Möglicherweise findet T. Erwähnung im Zeremonienbuch. Dort wird u. a. der Empfang der russischen Fürstin Olga (# 26186) beschrieben. Olga traf bei Empfängen am 9. September und am 18. Oktober mehrfach mit der kaiserlichen Familie zusammen. Bei dieser Gelegenheit wird auch eine “Nymphe” der Kaiserin (ἡ νύμφη αὐτῆς), also eine Schwiegertochter (oder: prospektive Schwiegertochter) der Kaiserin erwähnt. Wenn der Besuch Olgas, wie es von einem Teil der Forschung angenommen wird, im September/Oktober 957 stattfand, muß es sich bei der νύμφη um T. gehandelt haben (2).

Laut Skylitzes war T. Mitwisserin eines Giftanschlags auf Konstantinos VII. 958/59, der von ihrem Mann Romanos geplant und mit Hilfe des epi tes trapezes Niketas (# 25780) ins Werk gesetzt wurde, den Konstantinos VII. aber überlebte (3).

Während der Regierungszeit ihres Mannes soll sie ihn dazu gebracht haben, seine Schwestern zu Nonnen scheren zu lassen und zum Eintritt ins Kloster zu zwingen (4).

Zu dem Tod Romanos’ II. gibt es bei Leon Diakonos und Skylitzes zwei Erklärungen: Nach der einen soll er auf einer Jagd, die in der Fastenzeit stattfand, erkrankt und wenig später gestorben sein (Skylitzes); nach der zweiten sei er vergiftet worden, wobei Leon Diakonos präzisiert, daß das Gift (Schierling) aus dem “Frauengemach” gekommen sei (κώνειον αὐτὸν πεπωκέναι πρὸς τῆς γυναικωνίτιδος), was unterstellt, daß T. für den Tod verantwortlich gewesen sei (5).

Nach dem Tod des Kaisers Romanos II. scheinen, wenn man Leon Diakonos folgt, der Patriarch Polyeuktos (# 26715) und der Senat die beiden minderjährigen Söhne des Kaisers, Basileios II. und Konstantinos VIII., sowie deren Mutter T. in der Herrschaft bestätigt zu haben. Der “starke Mann” in dieser Regierung war allerdings der Parakoimomenos Ioseph Bringas (# 23529) (6). Gegen Bringas erhob sich der Domestikos der Scholen, Nikephoros (II.) Phokas, der sich von den Truppen zum Kaiser ausrufen ließ und gegen Konstantinopel zog, den Widerstand des Bringas brach und sich am 16. August 963 zum Kaiser krönen ließ (7).

Nach der Krönung des Nikephoros ließ dieser T. durch den Synkellos Antonios Studites (# 20499) aus dem Kaiserpalast in den Petrionpalast bringen (8).

Am 20. September 963 heiratete Nikephoros II. T., um durch die Ehe mit der Witwe seines Vorgängers seine Herrschaft dynastisch abzusichern. Die Eheschließung war nicht unproblematisch, da die Wartezeit nach dem Tod Romanos’ II. noch nicht verstrichen war und T. demzufolge nicht so rasch wieder hätte heiraten dürfen. Vor allem aber warf man, wie Leon Diakonos schreibt, Nikephoros vor, die beiden Söhne (oder zumindest einen) des Romanos und T.s aus der Taufe gehoben zu haben, was ein Ehehindernis aufgrund (geistlicher) Verwandtschaft dargestellt hätte. Gegenüber dem protestierenden Patriarchen Polyeuktos soll Nikephoros behauptet haben, daß nicht er, sondern sein Vater Bardas Phokas (# 20769) Taufpate der beiden Söhne gewesen sei. Der Patriarch ließ sich schließlich umstimmen. Wie auch Skylitzes, der eine im Vergleich zu Leon Diakonos elaboriertere Version gibt, erklärt, hätte eine Patenschaft des Bardas allerdings gleichfalls ein Ehehindernis dargestellt. Da Polyeuktos sich auch von einem Beschluß der Synodos endemusa nicht beeindrucken ließ, die erklärte, daß das betreffende Verbot von (Kaiser Konstantinos V.) Kopronymos stamme und daher nicht verbindlich sei, verfiel man schließlich auf eine andere Lösung: Der Protopapas des Kaiserpalastes, Stylianos (# 27421), der als Urheber des Gerüchtes über die Patenschaft bezeichnet wurde, erklärte unter Eid, daß er eine Patenschaft des Bardas oder des Nikephoros weder gesehen noch je behauptet habe. Obwohl Polyeuktos gewußt habe, daß diese Aussage des Stylianos falsch war, habe er sie hingenommen und nur eine Buße für die vorzeitige Wiederverheiratung verhängt (9).

Laut Leon Diakonos wurde T. nach der Eheschließung von Nikephoros II. überreich beschenkt, sowohl mit Schmuck als auch mit diversen fruchtbaren Ländereien (10).

Auf seinem ersten Feldzug als Kaiser wurde Nikephoros von T. und den beiden Kindkaisern begleitet. Allerdings ließ er sie in der Festung Drizion zurück, bevor er nach Kilikien eindrang (11).

Angeblich plante T. zusammen mit Ioannes Tzimiskes, ihren Mann umzubringen. Zu diesem Zweck soll sie, wie Leon Diakonos (und ebenso Yaḥyā) berichtet, Nikephoros II. dazu gebracht haben, Ioannes, der sich offenbar auf seinen Gütern im Osten Kleinasiens aufhielt, nach Konstantinopel zu rufen. Als Begründung gab sie gegenüber Nikephoros II. an, daß Ioannes, der Witwer war, dazu gebracht werden solle, sich neu zu verheiraten. Nikephoros II. entsprach ihrem Willen und ließ Ioannes nach Konstantinopel kommen, wo dieser häufig im Palast erschien, sich dort auch heimlich mit T. traf und ihm ergebene Männer in den Palast einschmuggelte. Als der Tag des geplanten Anschlags (10.12.969) herangekommen war, brachte T. Nikephoros II. dazu, die Tür seines Schlafgemachs unverschlossen zu lassen, da sie später noch zu ihm kommen wolle. Die Verschwörer nutzten die unverschlossene und offenbar nicht bewachte Tür, drangen ein und töteten den Kaiser. Skylitzes gibt als Begründung an, daß T. den (sexuellen?) Verkehr mit Nikephoros verschmäht habe: Θεοφανὼ ἀποστρεφομένη τὴν συνουσίαν τοῦ Νικηφόρου. Auch Zonaras spricht davon, hält aber, ebenso wie Michael Psellos (Historia Syntomos), Yaḥyā und Sibṭ b. al-Ǧawzī, ein anderes Gerücht für ebenso wahrscheinlich: Man habe nämlich davon gesprochen, daß Nikephoros die Absicht gehabt habe, die beiden Kindkaiser kastrieren zu lassen und seinen Bruder Leon (# 24423) zu seinem Nachfolger zu machen (12).

Ob T. wirklich gehofft hat, mit Ioannes Tzimiskes eine dritte Ehe einzugehen und sich so weiterhin auf dem Thron zu halten, läßt sich kaum zweifelsfrei beantworten. Nach dem Schisma um die vierte Ehe Leons VI. wäre auch eine dritte Ehe der Kaiserin, die noch dazu unter derart belastenden Umständen – der Ermordung des zweiten Ehemanns durch die eigene Ehefrau und/oder den neuen Gatten – ein Skandal sondergleichen gewesen. In jedem Fall kam es nicht einmal zum Versuch, denn Patriarch Polyeuktos forderte von Ioannes Tzimiskes die Entfernung T.s aus dem Palast. Tzimiskes unterwarf sich dieser Forderung und verbannte T. auf die Insel Prote. Laut Yaḥyā verbannte Tzimiskes T. bereits am Tag nach der Ermordung des Nikephoros. Anschließend habe Polyeuktos Tzimiskes gefragt, warum er T. getäuscht habe, da doch alle (also auch Nikephoros) damit einverstanden gewesen wären, daß die Herrschaft ihren Söhnen Basileios und Konstantinos zustehe. Tzimiskes habe darauf geantwortet, daß er den beiden Söhnen dienen werde, bis sie erwachsen seien. T. wolle er jedoch nicht im Palast lassen, da er fürchte, dasselbe Schicksal wie sein Vorgänger zu erleiden. Polyeuktes habe Tzimiskes nahegelegt, sich eine Frau zu suchen, der er die Kinder anvertrauen könne, woraufhin Tzimiskes Theodora (# 27604) geheiratet habe (13).

Laut Skylitzes floh T. heimlich von ihrem Verbannungsort und suchte Asyl in der Hagia Sophia. Auf Befehl des Parakoimomenos Basileios (# 20925) wurde sie jedoch dort ergriffen und aus der Kirche gebracht. Angeblich beschimpfte sie Basileios bei dieser Gelegenheit als “Skythen und Barbaren” (Σκύθην καὶ βάρβαρον ἀποκαλέσασα) und schlug ihn mit ihren Fäusten. Sie wurde in das Damideiakloster verbannt, das im Thema Armeniakon lag und von Ioannes Tzimiskes gegründet worden war. Zugleich wurde ihre Mutter nach Mantineia verbannt (14).

Nach dem Tode des Tzimiskes im Januar 976 und der Ausrufung ihrer Söhne wurde T. von dem Parakoimomenos Basileios nach Konstantinopel zurückgeholt, spielte allerdings in der Politik keine Rolle mehr (15). Über ihren Tod oder dessen Zeitpunkt ist nichts bekannt. Nach ca. 978 wird sie in den Quellen nicht mehr erwähnt.

Nach zwei anonymen Listen der kaiserlichen Begräbnisstätten war sie im Heroon Konstantins des Großen in der Apostelkirche in Konstantinopel bei den Sarkophagen der makedonischen Dynastie, der sie angehörte, beigesetzt.

Eine bildliche Darstellung T.s zusammen mit ihrem Mann Nikephoros II. Phokas und dessen Verwandten findet sich vielleicht in der sog. Taubenschlag-Kirche in Çavuşin (ca. 13-15 km östlich bis nordöstlich von Nevşehir, wenig nördlich von Korama/Göreme) in Kappadokien. Laut Brooks, in: Abstracts 24 (1998) 23f., handelt es sich um eine Darstellung des älteren Bardas Phokas (# 20769) und dessen Ehefrau (# 20343B) sowie des Kaiserpaares Nikephoros II. Phokas und T.s. Jedoch erscheint diese Interpretation wenig beweiskräftig.

In den Chroniken wird durchgängig ihre große Schönheit hervorgehoben, aber auch ihr schlechter Charakter betont, der sich u. a. darin gezeigt habe, daß sie an einem Mordanschlag auf Konstantinos VII. beteiligt oder zumindest Mitwisserin gewesen sein soll. Außerdem wird sie nicht nur des Giftmords an Romanos II. verdächtigt, sondern von Skylitzes auch beschuldigt, Stephanos Lakapenos (# 27251), der seit 19 Jahren in Methymne auf Lesbos gefangengehalten wurde, vergiftet zu haben (16). Der schwerste Vorwurf ist sicher die Anstiftung zur, wenn nicht Beteiligung an der Ermordung Nikephoros’ II. Phokas, die T. aus sexuellen Gründen ins Werk gesetzt haben soll. Wahrscheinlich sollte dieser Vorwurf aber nur andere, tieferliegende Motive verdecken (17).

Daß die Ansicht, daß T. an der Ermordung des Nikephoros Phokas eine bedeutende Mitschuld oder gar die Hauptschuld trug, schon unter den Zeitgenossen weitverbreitet gewesen sein muß, spiegeln die rein literarischen, nie tatsächlich am Grab des Nikephoros angebrachten Epitaphioi der Dichter Ioannes Geometres (# 23092) und Ioannes von Melitene (# 23161) wider: Ioannes Geometres spricht davon, daß Nikephoros durch “die Hände einer Frau” im Palast umgekommen sei; Ioannes von Melitene spricht von “Frau und Schwert” und klagt T. als Mörderin an (18). Ebenso beschreibt ein satirisches Lied, das offenbar etwa im November 970 auf Kreta niedergeschrieben worden ist, den Fehlschlag von T.s Plänen hinsichtlich einer Ehe mit Ioannes Tzimiskes, der sie stattdessen verbannte und Theodora, eine Tochter Konstantins VII., heiratete (19).

Anmerkungen: — (1) Theoph. cont. VI 39, p. 458,8-16; Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163) 10,1-4; verkürzt: Skylitzes, Konstantinos (2) 7, p. 240,82-86; Zonaras XVI 21, p. 485,3-10; Michael Psellos, Historia Syntomos 102, p. 94,4-6: (Konstantinos) γυναῖκα τούτῳ εἰσοικίζεται τὴν Θεοφανώ, τῶν ἀγενῶν μέν, ἄγαλμα δὲ κάλλους ἄντικρυς καὶ θελκτηρίους χάριτας ἀφιεῖσαν τῆς ὄψεως. — (2) Konst. Porph., De cerim. II 15, p. 595,20-22; 596,22f.; 597,21f.; 598,6-8 (Reiske). Bei dem ersten für Olgas Besuch angenommenen Datum (946) war T. noch nicht mit Romanos zusammen. In diesem Fall wäre aller Wahrscheinlichkeit nach an Berta-Eudokia (# 21156) zu denken, die 944 mit Romanos II. verbunden worden war, aber 949 starb; zu der Datierungsproblematik s. unter Olga. — (3) Skylitzes, Konstantinos (2) 16, p. 246,53-56; Zonaras XVI 22, p. 488,10-12, sieht sie als Mittäterin: συμπραττούσης αὐτῷ καὶ τῆς γαμετῆς. — (4) Skylitzes, Romanos neos 9, p. 252,8-10. — (5) Leon Diakonos, Historia II 10, p. 30,19 – 31,4; etwas allgemeiner und ohne Nennung von T.: Skylitzes, Romanos neos 11, p. 253,30-35; verkürzt: Zonaras XVI 23, p. 493,15 – 494,2. — (6) Leon Diakonos, Historia II 10, p. 31,7-11; Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163) 23,1-4 präzisiert noch genauer, daß ihnen akklamiert wurde: εὐφημούμενοι ἥ τε Θεοφανὼ αὐγοῦστα καὶ τὰ δύο τέκνα, Βασίλειος καὶ Κωνσταντῖνος; cf. Markopoulos, in: Symmeikta 3 (1979) 117; Skylitzes, Basileios und Konstantinos 1, p. 254,37f.; verkürzt: Konst. Porph., De cerim I 96, p. 433,16-19 (Reiske); Kleinchroniken I 15,4, p. 164; Yaḥyā [p. 90] p. 788 (PO 18,5); 7:53f., p. 103f. (Pirone); Kamāladdīn 144,9 – 145,2; Übers.: El-Cheikh, Byzantium 169. — (7) Laut Skylitzes, Basileios und Konstantinos 3, p. 254,47f., soll T. Nikephoros gegen den Widerstand des Bringas nach Konstantinopel gerufen haben, wo Nikephoros seine Siege auf Kreta und in Syrien in einem Triumphzug feierte und den Argwohn des Bringas zunächst beschwichtigen konnte; cf. auch Markopoulos, in: Symmeikta 3 (1979) 117f. Zur Durchsetzung des Nikephoros, seinem Einzug in die Stadt und seiner Krönung cf. Skylitzes, Basileios und Konstantinos 6, p. 256,82 – 259,64. — (8) Skylitzes, Nikephoros 1, p. 260,66-68; verkürzt bei Zonaras XVI 24, p. 498,16 – 499,1. — (9) Leon Diakonos, Historia III 9, p. 49,11 – 50,13; Skylitzes, Nikephoros 2, p. 260,73 – 261,9; verkürzt und bereits interpretierend: Zonaras XVI 24, p. 499,3 – 500,15; cf. auch Schlumberger, Nicéphore 376–380; eine Zweitverheiratung war zwar nach einer gewissen Wartezeit grundsätzlich gestattet, hatte aber eine Buße von zwei Jahren zur Folge. Dieser Zeitraum war seit dem Tod des Romanos noch lange nicht verstrichen. Möglicherweise erklärt sich aus dieser Problematik auch die im Typikon des Athanasios Athonites (BHG 190) 104,27 kolportiere Mitteilung, daß Nikephoros seinem geistlichen Vater, Athanasios Athonites (# 20670), unter Eiden versichert haben soll, keinerlei sexuelle Beziehung zu seiner Ehefrau zu unterhalten. Die Ehe wäre dann zwar immer noch verboten gewesen, aber gewissermaßen nicht vollzogen worden; auf die Gesetzwidrigkeit der Ehe des Nikephoros mit seiner (geistigen) Verwandten Theophano spielt auch Liudprand, Legatio 41, p. 197,22f. an, wenn er Nikephoros tadelt: ob vanam et inanem gloriam incestumque dominae et commatris suae coniugium. Zu dem Ehehindernis der geistlichen Verwandtschaft s. auch Codex Iustinianus, ed. P. Krüger (= Corpus Iuris Civilis, vol. II), V 4,26 (2); allgemein cf. auch É. Patlagean, Christianisation et parentés spirituelles: le domaine de Byzance, in: Annales ESC (1978) 625–636 (Ndr. in: eadem, Structure sociale, famille, chrétienté à Byzance IVe–XIe siècle, London 1981, Nr. XII). — (10) Leon Diakonos, Historia III 9, p. 50,14-18. — (11) Skylitzes, Nikephoros 11, p. 268,92-94; Zonaras XVI 25, p. 501,16-19; zu der Festung cf. Hild–Restle, Kappadokien 172f. — (12) Leon Diakonos, Historia V 5–6, p. 84,2 – 86,17; Skylitzes, Nikephoros 22, p. 279, 87-3; Zonaras XVI 28, p. 516,1-8; Yaḥyā [p. 130–131] p. 828f. (PO 18,5); 8:25-28, p. 134f. (Pirone); Sibṭ b. al-Ǧawzī (Hamawundī) 169,15 – 170,8; Erwähnung auch bei Kamāladdīn 145,3-7; Ibn al-Aṯīr VIII 707,16 – 708,9, und Abū Šuǧā‘ 13,5-13; Michael Psellos, Historia Syntomos 105, p. 100,28 – 102,43; ebenda wird wenig später (105, p. 102,64-66; 104,86-89) behauptet, daß T. Tzimiskes dazu verplichtet habe, Nikephoros nicht körperlich zu verletzen, sondern ihn nur abzusetzen. Als sie von seinem Tod gehört habe, habe sie heftig getrauert und sei von Tzimiskes getröstet worden; im Gegensatz hierzu begründet Michael syr. III 129 die Verschwörung damit, daß Nikephoros seiner Frau nicht treu gewesen sei: parce qu’il n’était pas fidèle dans le mariage; auch Bar Hebraeus 173, der sich ausdrücklich auf Michael syr. beruft, übernimmt diese Version und gibt darüber hinaus an, daß Nikephoros T. gegen ihren Willen zur Heirat gezwungen habe. Außerdem habe er ihre beiden Söhne entmannen lassen wollen. Sexuelle Gründe hätten für T. keine Rolle gespielt, da sie nach dem Tod des Nikephoros II. Phokas weder mit Ioannes Tzimiskes noch mit irgendeinem anderen Mann eine sexuelle Beziehung eingegangen sei. Von Kastrationsplänen des Nikephoros spricht auch Dandolo, Chron. Venet. 176,1-4; das Chron. Salernitanum174, p. 177,11-14, spricht hingegen davon, daß T. aus sexuellem Verlangen nach Ioannes Tzimiskes zusammen mit diesem Nikephoros umgebracht habe: Theophana crudelissima sua uxor propter sue cupiditatis ardorem una cum Iohannes Similchi ... crudeliter illum, quod dictum nenpe est, necaverunt, et imperium ipse Iohannes excepit; Widukind von Korvei III 72–73, p. 149,1-12, dem Thietmar von Merseburg folgt, sieht als Grund für den Sturz des Nikephoros eine militärische Niederlage der Byzantiner gegen die Deutschen in Süditalien, spricht aber auch davon, daß T. zusammen mit Ioannes Tzimiskes die Ermordung des Nikephoros ins Werk gesetzt habe. — (13) Leon Diakonos VI 4, p. 98,16-19; 99,5f.; Yaḥyā [p. 131–132] p. 829f. (PO 18,5); 10:82, p. 178 (Pirone); Skylitzes, Ioannes 2, p. 285,34f., gibt Proïkonnesos als Verbannungsort an; ihm folgt Zonaras XVII 1, p. 521,1-12. — (14) Skylitzes, Ioannes 2, p. 285,34 – 286,43; laut Bar Hebraeus 175 soll eine Schwester T.s den Ioannes Tzimiskes auf dessen Rückkehr von seinem Syrienfeldzug bei Tarsos vergiftet haben. Die Nachricht findet in anderen Quellen keine Stütze. — (15) Skylitzes, Basileios 1, p. 314,57-59; Zonaras XVII 5, p. 539,9-11; Yaḥyā [p. 133] p. 831 (PO 18,5); [p. 164] p. 372; 8:33; 10:6, p. 137. 158 (Pirone). — (16) Skylitzes, Basileios und Konstantinos 4, p. 255,66-72. Man kann nicht völlig ausschließen, daß T. für den Tod des Stephanos verantwortlich gewesen ist, da in der Zeit zwischen dem Tod Romanos’ II. und dem Regierungsantritt Nikephoros’ II. Phokas in Konstantinopel ein Machtvakuum herrschte, das möglicherweise auch von etwaigen Anhängern der Lakapenenfamilie hätte genutzt werden können. Stephanos Lakapenos starb am Ostersamstag (18. April) 963, also gut einen Monat nach Romanos II. († 15.3.963). — (17) Insbesondere die von einigen Quellen unterstellte Absicht des Nikephoros, die Söhne der Kaiserin entmannen zu lassen; cf. in diesem Zusammenhang die Überlegungen bei Lilie, Caesaropapismus 395f. — (18) Ioannes Geometres, ed. van Opstall 210 (Nr. 61) = ed. Cramer 290,10f. (v. 9f.): γυναικὸς χεῖρας. Cf. auch Ioannes Geometres, ed. van Opstall 336 (Nr. 147) = ed. Cramer, p. 305,24 – 306,2, wo der tote Nikephoros seinen Feinden ironisch eine ebensolche “gute” Gattin wie T. wünscht (v. 7: τὴν δὲ σύνευνον ταύτην καὶ ἀγαθὴν παράκοιτιν). Ioannes von Melitene, ed. Lauxtermann, Poetry 308f., v. 2: πάρεργον ... καὶ γυναικὸς καὶ ξίφους (ungefähr: “ein Opfer einer Frau und eines Schwertes”), v. 6: ἀνεῖλεν ἡ σύγκοιτος (“es tötete [sc. ihn] die Gattin”), v. 27: ὦ πλὴν γυναικὸς τἆλλα δ´ αὖ Νικηφόρος. (“Nikephoros, der Du in jeder anderen Hinsicht siegreich warst, nur nicht gegenüber einer Frau”). Das Gedicht des Ioannes von Melitene dürfte etwa 988/89, also ca. 20 Jahre nach dem Geschehen geschrieben worden sein, cf. Lauxtermann, Poetry 233–236. 306; die Gedichte des Ioannes Geometres lassen sich nicht genauer datieren, doch sind beide Dichter Zeitgenossen des Kaisers Nikephoros II. Phokas gewesen. — (19) Text ediert und kommentiert von G. Morgan, in: BZ 47 (1954) 292–297 (griech. Text: 292–294).

Q: — (Hist.): Theoph. cont.; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Symeon log. (Wahlgren); Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163); Ps.-Symeon 757,3-6; Leon Diakonos, Historia; Skylitzes; Zonaras; Michael Psellos, Chronographia: Brief an Phokas 1,16f.; Michael Psellos, Historia Syntomos 104, p. 98,60-81; Kleinchroniken I 16,4, p. 164. — (Fs.): Konst. Porph., De cerim.; Anonymus, Lists, p. 37. 41 (Downey); Jenkins–Mango, Synodicon 226. — (Dok.): Athanasios Athonites, Typikon (BHG 190) 104,27 (ed. Meyer): ohne Namensnennung als Ehefrau des Nikephoros II. Phokas. — (Vers.): Ioannes Geometres, Gedichte aus der Perspektive des toten Nikephoros II. Phokas (Ethopoiien): 1) Eἰς τὸν κύριον Νικηφόρον τὸν βασιλέα (12 vv.), ed. van Opstall 210 (Nr. 61) v. 9f. (ohne Namensnennung, nur: γυνή) = ed. Cramer 290,10f.; 2) Εἰς τὸν βασιλέα κύριον Νικηφόρον (8 vv.), ed. van Opstall 336 (Nr. 147), v. 1 (ohne Namensnennung, nur: γυνή); v. 7 (ironisch: τὴν δὲ σύνευνον ταύτην καὶ ἀγαθὴν παράκοιτιν) = ed. Cramer 305,24; 306,1; “Epitaphios” des Ioannes von Melitene auf Nikephoros II. Phokas, ed. Lauxtermann, Poetry 308f., v. 2. 6. 27 (ohne Namensnennung); satirisches Lied auf T., ed. Morgan, in: BZ 47 (1954) 292–294. — (lat.): Liudprand, Legatio; Dandolo, Chron. Venet.; Chron. Salernitanum; Widukind von Korvei III 73, p. 149,10-12; Thietmar von Merseburg II 15, p. 56,8-12; 57,8-12; Ademar, Historiae III 22, p. 125,7-9 (MGH); III 22, p. 144,62 (Borgain): imperatrix, mater Basilii (ohne Namensnennung). — (arm.): Matthäus von Edessa I, cap. 8, p. 21f. (Dostourian): ohne Namensnennung. — (georg.): Vita Ioannis et Euthymii hiberica § 9, p. 20,3. 12; § 10, p. 21,5. 8. 10-33 (Peeters); § 9 [45], l. 159; [46], l. 168, p. 89; § 10 [46f.], l. 190. 192-208, p. 90 (Martin-Hisard): stets ohne Namensnennung. — (syr.): Michael syr. III 128f.; Bar Hebraeus 173. 175; Chronik v. 1234: cap. 231, p. 29f. — (arab.): Yaḥyā; Kamāladdīn; ohne Namensnennung: Sibṭ b. al-Ǧawzī (Hamawundī); Ibn al-Aṯīr; Abū Šuǧā‘. — (Sg.): ZV 72 (drei Siegel): Θεοτόκε βοήθει Θεοφανοῖ αὐγούστῃ. ZV 2675: Μαρίᾳ μητρὶ Θεοφανοῦς αὐγούστης. — (Inscr.): Inschrift in der Taubenschlag-Kirche in Çavuşin, ed. Rodley, in: JÖB 33 (1983) 309 (cf. Thierry, in: TM 9 [1985] 482): Τοὺς εὐσεβεῖς βασιλεῖς διαφύλαξον Κύριε πάντοτε Νικηφόρον καὶ δεσποίνης ἡμῶν Θεοφανοῦς (sic!). — (Num.): Catalogue, Byzantine Coins III/2, p. 578f.; Grierson, Coins 409 (Reg.).

L: ODB III 2064f.; II 1262f. s. v. “Macedonian Dynasty”. — Schlumberger, Nicéphore 376–380; Brooks, in: Abstracts 24 (1998) 23f.; Garland, Empresses 126–135; N. Maes, in: Philomathestatos 404f. 407–409; Holmes, Basil II 401. 449. 489; Lilie, Caesaropapismus 395–397. — Zur Taubenschlag-Kirche in Çavuşin in Kappadokien und ihrer Ausmalung cf. auch Hild–Restle, Kappadokien 161; Jolivet-Lévy, Çavuşin; Rodley, in: JÖB 33 (1983) 301–339; Thierry, in: TM 9 (1985) 477–484; eadem, in: REGC 4 (1988) 128–131; Brooks, in: Abstracts 24 (1998) 23f.; Restle, Gunthertuch 556–558.

Geographische Orte

  • Taubenschlag-Kirche (Çavu%in)
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  • Apostelkirche (Kpl.)
  • Kaiserpalast: Triklinos des Iustinianos II. (Kpl.)
  • Kpl.: Kaiserpalast: Triklinos des Iustinianos II.

Quellen

  • Athanasios Athonites, Typikon (BHG 190)
  • Inschrift (Taubenschlag-Kirche)
  • ZV
  • Matthäus von Edessa
  • Vita Ioannis et Euthymii hiberica
  • Theoph. cont. 6
  • Skylitzes
  • Zonaras
  • Ps.-Symeon
  • Leon Diakonos, Historia
  • Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163)
  • Kleinchroniken
  • Liudprand, Legatio
  • Michael Psellos, Historia Syntomos
  • Ioannes Geometres
  • Ioannes von Melitene
  • Konst. Porph., De cerim.
  • Chronik v. 1234
  • Michael syr.
  • Bar Hebraeus
  • Dandolo, Chron. Venet.
  • Chron. Salernitanum
  • Yaḥyā
  • Thietmar von Merseburg
  • Ademar, Historiae
  • Widukind von Korvei
  • Jenkins–Mango, Synodicon
  • Michael Psellos, Chronographia
  • Sibṭ b. al-Ǧawzī
  • Ibn al-Aṯīr
  • Abū Šuğā‘
  • Lied auf Theophano
  • Catalogue, Byzantine Coins
  • Grierson, Coins
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