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Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

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N: Arab.: T.rān.fīnūs.

T: Diakonos, Presbyteros, Priester (Theodoros Daphnopates, Ep. 2); Mönch (Georg. mon. cont. [Bonn]); Patriarch von Konstantinopel (14.12.928 – August 931; cf. Kresten–Müller, Samtherrschaft 65) — πατριάρχης, arab.: baṭriyark.

V: Vermutlich tritt er bereits 914 in Erscheinung als Adressat einiger Briefe des Patriarchen Nikolaos I. Mystikos (# 25885) (1). T. scheint Nikolaos in der schwierigen Zeit zwischen 914 und 918 brieflich unterstützt zu haben. Alle vier Briefe sind im wesentlichen recht kurz gehaltene Antworten auf Trostbriefe, die T. an den Patriarchen geschrieben hatte. Nikolaos seinerseits bat T. um Unterstützung durch Gebete in den widrigen Zeiten. Ein persönliches Treffen der beiden war offenbar nicht möglich; in Ep. 33 und 131 wird kurz darauf Bezug genommen. Ep. 33 erwähnt außerdem eine Krankheit des T., von der er dem Patriarchen berichtet und deretwegen er um die Übersendung von Heilmitteln gebeten hatte, die dem Antwortschreiben auch beigegeben waren. In Ep. 131 wird ein nicht näher bezeichnetes Anliegen des T. erwähnt, wofür Nikolaos unter den gegebenen Umständen sein Möglichstes getan habe. Die Briefe des Nikolaos sind laut Jenkins–Westerink eher in die ersten beiden Jahre der genannten Periode zu datieren.

Nach den Angaben eines Briefes, den Theodoros Daphnopates (# 27694) im Namen und Auftrag des Kaisers Romanos I. Lakapenos gegen Ende 931 oder Anfang 932 an den Metropoliten Anastasios von Herakleia (# 20301) richtete, war T. bereits im Alter von zwölf Jahren zum Diakon und im Alter von 15 Jahren zum Priester geweiht worden. In den Chroniken wird er als Mönch bezeichnet, der im Thema Opsikion gelebt habe und für seine Frömmigkeit und Heiligkeit bekannt gewesen sei. Er wurde am 14. Dezember 928 zum Patriarchen von Konstantinopel geweiht, aber bereits im August 931 wieder abgesetzt. Während seines Patriarchats weihte er den genannten Anastasios zum Metropoliten von Herakleia in Thrakien (2).

Im Zusammenhang mit seiner Absetzung ist ein aufschlußreiches Schreiben des Arethas von Kaisareia (# 20554) erhalten (Nr. 74). Dieses Schreiben vom August 931 ist an eine Synode gerichtet, die sich augenscheinlich mit dem Fall des T. beschäftigte. Arethas teilte darin der Synode seine Meinung zu dem verhandelten Fall des Patriarchen schriftlich mit, da er aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich vor der Synode erscheinen konnte. Arethas macht T. in diesem Schreiben verschiedene Vorwürfe, so sei er vom rechten Glauben abgewichen, habe gegen die Bestimmungen der Kirchenväter verstoßen, habe es an Bescheidenheit und Gottesfurcht fehlen lassen, wie das Beispiel des Michael-Klosters gezeigt habe (3), schließlich habe er die Angelegenheiten der Kirche vernachlässigt. Die Vorwürfe bleiben zwar diffus, dennoch läßt sich erkennen, daß T. vor der Synode angeklagt worden war, gegen die Kanones verstoßen zu haben. Arethas teilt weiterhin mit, daß diese Anklage mit der Forderung nach Absetzung des T. bereits am Tage zuvor vom Kaiser (Romanos I. Lakapenos) erhoben worden war. Arethas schließt sich dieser Forderung an und spricht sich damit für die Absetzung des T. aus. Das Schreiben macht deutlich, daß – wohl auf Veranlassung des Kaisers – ein ordentliches kanonisches Gerichtsverfahren gegen T. vor einer Synode durchgeführt worden war, das entweder mit seinem erzwungenen Rücktritt oder mit seiner Verurteilung und Absetzung endete.

Die byzantinischen Choniken behaupten dagegen, daß T. von vornherein nur eine gewisse Zeit amtieren sollte, bis Theophylaktos (# 28192), der Sohn des Kaisers Romanos, das angemessene Alter erreicht haben würde, um selbst zum Patriarchen geweiht zu werden (4). Eine solche Vereinbarung entspricht allerdings nicht den Kanones und kann daher höchstens eine inoffizielle Nebenabrede zwischen T. und dem Kaiser gewesen sein. T. betrachtete diese denkbare Nebenabrede dann möglicherweise später nicht mehr als bindend, so daß der Kaiser sich gezwungen sah, ihn durch eine Synode absetzen zu lassen. Abenteuerlich und völlig unglaubwürdig ist die bei Skylitzes kolportierte Version der Vorgänge um die Absetzung des T. Dieser Chronik zufolge wurde T. im Jahre 931 durch eine Intrige gestürzt, bei der ein Metropolites von Kaisereia namens Theophanes (# 28088) eine Hauptrolle gespielt haben soll (5): T. habe sich geweigert zurückzutreten, wie vom Kaiser gewünscht. Daraufhin habe jener Theophanes behauptet, daß T. Analphabet sei (6). Um diese Verleumdung zu widerlegen, habe T. dann vor der versammelten Synode seine Unterschrift auf ein Stück Pergament setzen müssen. Dieses Pergament habe Theophanes dem Kaiser überbracht, und Romanos I. Lakapenos habe an das Pergament mit der Unterschrift ein weiteres Stück Pergament annähen lassen, auf dem eine Abdankungserklärung des T. niedergeschrieben war. Dieses manipulierte Pergament sei nun der Synode vorgelegt worden, und T. sei danach nichts anderes mehr übriggeblieben, als nun in der Tat zurückzutreten (7).

Sicher scheint zu sein, daß Kaiser Romanos I. Lakapenos fest entschlossen war, seinen Sohn Theophylaktos so bald wie möglich zum Patriarchen von Konstantinopel zu machen (8), wohl um seinen eigenen Einfluß auf die Kirche zu stärken. T. mußte daher bereits nach kurzer Amtszeit auf Drängen des Kaisers seinen Stuhl räumen. Ob es ursprünglich eine Nebenabrede gegeben hatte, die besagte, daß T. ohnehin nur kurze Zeit als Patriarch von Konstantinopel amtieren und dann zurücktreten sollte, steht dahin. In jedem Falle wurde im August 931 ein kanonisches Gerichtsverfahren, das wohl der Kaiser veranlaßt hatte, gegen ihn eröffnet, das mit seinem erzwungenen Rücktritt oder seiner Verurteilung und Absetzung endete.

Den älteren Chroniken zufolge zog T. sich nach seiner Absetzung in sein Kloster zurück und starb dort.

Anmerkungen: — (1) Für eine Identifizierung des “Mönches Tryphon”, an den die vier Briefe (Ep. 33. 64. 120. 131) gerichtet sind, mit dem späteren Patriarchen, die auch von Jenkins–Westerink 543 angenommen wird, sprechen die Seltenheit des Namens Tryphon – in der gesamten PmbZ ist der Name nur achtmal vertreten, davon fünfmal im 7./8. Jh. – und die durch die Briefe dokumentierten Beziehungen T.s zum Patriarchat bzw. zum höheren Klerus, deren Existenz bei jemandem, der später zum Patriarchen von Konstantinopel ernannt wird, vorauszusetzen ist. — (2) Theodoros Daphnopates, Ep. 2,25-30 (p. 43 Darrouzès–Westerink); Theoph. cont. VI 26, p. 417,9-12: Δεκεμβρίῳ δὲ μηνί, τῇ τεσσαρεσκαιδεκάτῃ, ἄγουσι Τρύφωνα μοναχὸν ἐν τῷ  Ὀψικίῳ μονάζοντα, ἐπ᾿ εὐλαβείᾳ καὶ ἁγιότητι μαρτυρούμενον, καὶ χειροτονοῦσι πατριάρχην ... ; Skylitzes, Romanos Lakapenos 21, p. 225,86-89; Symeon log. (Leon gr. 318,19-23; Theod. mel. 227,18-23; Symeon sl. 138,23-27); Symeon log. (Wahlgren) 136,431-435; Georg. mon. cont. (Bonn) 908,14-19; Georg. mon. cont. (Muralt) 1173A; Georg. mon. cont. (Istrin) 57,22-26; Ps.-Symeon 742,14-17. Eutych. Alex. II 86,5; 86,14f. erwähnt die dreijährige Amtszeit des T., nachdem der Patriarch Stephanos gestorben war. Auch die Notiz im Cod. Hieros. Sancti Sepulcri 24 spricht von einer dreijährigen Amtszeit des T. Sie nennt als Herkunftsort bzw. als Ort seines früheren Wirkens Daguta (Papadopulos-Kerameus las Doguta, war sich seiner Lesung jedoch nicht ganz sicher: Τρύφων ὁ ἀπὸ τῆς Δογουτας (?) ἔτη γ´ καὶ ἐξεβλήθη· καὶ ἐχήρευσεν ἡ ἐκκλησία χρόνους δύο (?); in der Handschrift ist aber wohl eher Daguta zu lesen [freundliche Mitteilung von A. Schminck an K. Belke am 21.01.2011]. Schminck liest: ... τῆς Δαγουτας ...). Es handelt sich um Daguta in Bithynien südlich des bithynischen Olymps (freundliche Mitteilung von K. Belke am 21.01.2011). Zu Daguta siehe s. v. in: Belke–Mersich, Phrygien und Pisidien 229f., sowie Belke, Bithynien und Hellespontos (in Vorbereitung). — (3) Es bleibt unklar, um welches Michael-Kloster es sich handelte und was sich T. im Zusammenhang mit diesem Kloster hatte zuschulden kommen lassen. Vielleicht hatte er dem Kloster großzügige Privilegien verschafft. — (4) Theoph. cont. VI 26, p. 417,12-14; Skylitzes, Romanos Lakapenos 26, p. 226,26 – 227,58; Symeon log. und Georg. mon. cont. wie in Anm. 1; Ps.-Symeon wie in Anm. 6; Zonaras XVI 19, p. 475,6-9; Theodoros Daphnopates, Ep. 2,25-30 (p. 43 Darrouzès–Westerink). — (5) Dies ist schon deshalb unhistorisch, da, wie wir gesehen haben, zum Zeitpunkt der Synode Arethas Metropolites von Kaisareia war; bei Theophanes handelt es sich allem Anschein nach um eine Erfindung oder Verwechslung. — (6) Eine völlig absurde Unterstellung bei einem Patriarchen! Ein ähnlich diffamierender Vorwurf wurde in den 80er Jahren des 8. Jh.s gegenüber dem ikonoklastischen Patriarchen Niketas Niketas I. (# 5404) erhoben. — (7) Theoph. cont. VI 32, p. 421,1-6; Skylitzes, Romanos Lakapenos 26, p. 226,26 – 227,58; Symeon log. (Leon gr. 321,10-14; Theod. mel. 230,4-8; Symeon sl. 139,37 – 140,2); Symeon log. (Wahlgren) 136,495-500; Georg. mon. cont. (Bonn) 911,22 – 912,2; Georg. mon. cont. (Muralt) 1177A-C; Georg. mon. cont. (Istrin) 59,17-21; Ps.-Symeon 742,17 – 743,8 (leicht variiert); 744,23 – 745,1; abhängig von Skylitzes ist Zonaras XVI 19, p. 475,12 – 476,14. — (8) Theodoros Daphnopates, Ep. 2, bezeugt die Verhandlungen des Kaisers mit den Metropoliten über diese Frage.

Q: — (Hist.): Theoph. cont.; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Symeon log. (Wahlgren); Georg. mon. cont. (Bonn; Muralt; Istrin); Ps.-Symeon. — (Ep.): Nikolaos Mystikos, Epp.; Theodoros Daphnopates, Epp.; Arethas, Scripta minora Nr. 74, II, 113. — (Hag.): Synaxarium Arsenii Corcyr. (BHG 2044), p. 16. — (Fs.): Catal. patriarch. (Fischer) 293,9-12; Nikephoros Kallistos, Catal. patriarch. 460D; Patriarchenliste im Cod. Guelf. Helmst. 63, ed. Leonclavius, in: PG 119, col. 917D. — (Ms.): Notiz (10. Jh. ?) im Cod. Hieros. Sancti Sepulcri 24, ed. Papadopulos-Kerameus, Hierosol. Bibl. I 92. — (georg.): Synodikon georg. 313. — (arab.): Eutych. Alex.

L: Fedalto 6. — Jenkins–Westerink 542f. 553. 573. 576; Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 643c-d. 653. 653a. 786–786a; Kresten–Müller, Samtherrschaft 57–65; Kresten, Arklai 42.

P: Unter Umständen war er Adressat eines Briefs oder mehrerer Briefe des anonymen Lehrers (# 31049). Cf. dazu unter Patriarch Theophylaktos (# 28192). — Laut Georg. mon. cont. (Bonn) resignierte er im August der 3. Indiktion, also 930. Der Chronist ordnet die Abdankung allerdings nach dem Tod des Christophoros (# 21275) ein, den er im August der 4. Indiktion sterben läßt; cf. die Erklärungsversuche von Müller–Kresten, Samtherrschaft 59f. mit Anm. 202. Insgesamt gesehen dürfte 931 das wahrscheinlichere Datum sein. — Die von Skylitzes kolportierte Intrige wirkt sehr unwahrscheinlich, zumal zwischen der Abdankung T.s und der Weihe des Theophylaktos fast eineinhalb Jahre lagen und T. allem Anschein nach nicht sehr viel später gestorben ist. Insofern dürfte Skylitzes hier eher eine antilakapenische Vorlage ausgeschrieben haben. Allerdings deuten auch die älteren Chroniken einen gewissen Zwang an: κατήγαγον δὲ καὶ Τρύφωνα πατριάρχην Αὐγούστῳ μηνί, τὸν ῥητὸν χρόνον τελέσαντα, ἰνδικτῶνος γ´ (Georg. mon. cont. [Bonn]). Ps.-Symeon verlegt den Beginn des Betrugsmanövers nicht sehr wahrscheinlich schon vor die Weihe des Tryphon zum Patriarchen. Von längeren Auseinandersetzungen wegen des fehlenden Alters des Theophylaktos spricht auch Theodoros Daphnopates, Ep. 2,89-98 (p. 49 Darrouzès–Westerink); Ep. 3,10-15 (p. 49–51 Darrouzès–Westerink).

Geographische Orte

  • Opsikion (T)
  • Doguta (Lesung Papadopulos-Kerameus) (Herkunftsort des Patriarchen Tryphon)
  • Daguta (Bithynien)
  • Bithynien
  • bithynischer Olymp

Quellen

  • Synodikon georg.
  • Theodoros Daphnopates, Epp.
  • Georg. mon. cont. (Bonn)
  • Theoph. cont. 6
  • Georg. mon. cont. (Muralt)
  • Georg. mon. cont. (Istrin)
  • Leon gr.
  • Theod. mel.
  • Skylitzes
  • Zonaras
  • Nikolaos Mystikos, Epp.
  • Arethas, Scripta minora
  • Synaxarium Arsenii Corcyr. (BHG 2044)
  • Symeon log. (Wahlgren)
  • Symeon sl.
  • Eutych. Alex.
  • Symeon log.
  • Catal. patriarch. (Fischer)
  • Nikephoros Kallistos, Catal. patriarch.
  • Papadopulos-Kerameus, Hierosol. Bibl.
  • Eutych. Alex.
  • Patriarchenliste des Cod. Guelf. Helmst. 63 (PG 119)
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