Jump to ContentJump to Main Navigation
Show Summary Details

Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

More options …

Search

Search publication

Open Access

T: Zeugen, Martyres — μάρτυρες.

V: Etwa um 944/45 schrieb Leon von Sardeis (# 24421) wohl einen Brief an Alexandros von Nikaia, in dem er ein (seiner Ansicht nach) unfair geführtes kanonisches Gerichtsverfahren schildert, das anscheinend vor dem Konstantinopler Patriarchalgericht, der Synodos endemusa, und unter dem Vorsitz des Patriarchen Theophylaktos (# 28192) stattfand. Möglicherweise wollte er auf diese Weise seine Solidarität mit Alexandros zum Ausdruck bringen, der ja ebenfalls von sich behauptete, Unrecht durch den Patriarchen erlitten zu haben, als er abgesetzt und erst im Anschluß und in Abwesenheit verurteilt wurde (cf. dazu Pratsch, Alexandros 252f.). Die wohl ironische Bemerkung, daß der Patriarch “auch vor der Person des Herrschers nicht zurückschreckt” (καὶ μὴ πρόσωπον δυνάστου ὑποστελλόμενος), paßt vielleicht eher zu dem Verhältnis zwischen Patriarch Theophylaktos und seinem Vater, Kaiser Romanos I. Lakapenos. Demnach wurde dieser Brief vielleicht in der zweiten Hälfte 944 geschrieben.

In der Gerichtsverhandlung ging es um den rechtlichen Status eines Mannes (# 31179) und um die Frage, ob dieser ein Sklave oder ein freier Mann sei. Der Mann brachte diese Zeugen bei (p. 232,20; 233,38), die aussagen konnten, daß er ein freier Mann war, doch wurden sie nicht gehört (p. 233,41f.). Patriarch Theophylaktos habe entschieden, daß die Zeugen aus Europe bzw. aus der Peloponnes nicht den gleichen Rang beanspruchen dürften wie ein Paphlagonier (# 31180), der noch dazu Eunuch sei: ἑνὸς ... Παφλαγόνος ... ἀναρρηγνύντος μισθοῦ καὶ τῶν συρφετῶν ἀποκλύζοντος, μάλιστα εἰ καὶ τὸ αἰδοῖον ἀπόκοπος ὢν τύχοι (p. 233,43-45). Der Paphlagonier muß also der Gegenpartei des Angeklagten angehört haben und war möglicherweise dessen Besitzer. Der Patriarch bestätigte durch seine Entscheidung diese Besitzverhältnisse (p. 233,49-51), was Leon in seinem Brief als klaren Verstoß gegen Recht und Gerechtigkeit beklagte. Leon schreckte in seiner Darstellung auch nicht davor zurück, in diesem Zusammenhang die in Byzanz verbreiteten Vorurteile gegenüber “bäurischen” Paphlagoniern und Eunuchen zu bedienen.

Q: — (Ep.): Leon von Sardeis, Ep.

L: Hörander, in: BF 2 (1967) 227–237.

Geographische Orte

  • Peloponnes

Quellen

  • Leon von Sardeis, Ep.
Back to top

Comments (0)

Please log in or register to comment.
Log in