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Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

Open Access

Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

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T: Professor, Lehrer, Kopist, Redaktor, Autor.

V: Man ist sich weitgehend einig, daß dieser Lehrer, der in der Forschung als “Anonymus Professor” bezeichnet wird, wohl um ca. 870 geboren wurde. Er ist nur aus der erhaltenen Sammlung von 122 seiner Briefe bekannt. Am oberen Rand von f. 135v des Codex Unicus (Cod. Lond. Add. 36749) der Briefsammlung sind Titel und Autorenname abgeschnitten. Der weiteste zeitliche Rahmen für die Datierung seiner Briefe liegt zwischen 920 und 944/45, eine größere Zahl seiner Briefe ist jedoch in die 30er Jahre des 10. Jh.s zu datieren (cf. Mango; Markopoulos, Anonymus 3*).

Er war Lehrer in Konstantinopel. In seinen Briefen werden ein Bruder und andere Verwandte erwähnt. Er schrieb unter anderem fünf Briefe an den Patriarchen, bei dem es sich wohl um Theophylaktos (# 28192, s. dazu P) handelte, die dann zwischen 933 und 945 zu datieren sind. Daraus erfahren wir, daß er Theophylaktos ein Geschenk geschickt (Ep. 31) und für ihn Kopierarbeiten ausgeführt hatte (Epp. 53 und 88). In einem Brief (Ep. 47) beschwert er sich bei Theophylaktos über die Machenschaften eines Kanstrisios (# 31019), der ihn verleumde und gegen ihn intrigiere. In einem anderen Brief (Ep. 54) mahnt er bei Theophylaktos an, daß er in den vergangenen zwei Jahren nicht die übliche Unterstützung (εὐλογία, auch als ἀρτίδιον bezeichnet, cf. Markopoulos 5*f.) vom Patriarchat erhalten habe. Dabei handelte es sich wohl um eine Art Vergütung für die Ausbildung von Klerikern durch den Lehrer. In einem anderen Brief (Ep. 52) des Lehrers wird ein patriarchaler Erlaß (γράμμα πατριαρχικόν) des Theophylaktos erwähnt (cf. Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 786e).

Eine große Zahl seiner Briefe beschäftigt sich mit Fragen des Betriebes seiner Privatschule in Konstantinopel (cf. Markopoulos, Anonymus 4*f.). In mehreren Briefen wird ausstehendes Schulgeld angemahnt, über die Entwicklung einzelner Schüler berichtet und werden Fragen der Gestaltung des Unterrichts diskutiert. Manche Briefe an ehemalige Schüler, die inzwischen in bestimmte Positionen aufgestiegen sind, beklagen deren mangelhafte Dankbarkeit. Auch dabei geht es um Geld, Geschenke oder andere Vergünstigungen, die der Lehrer von seinen ehemaligen und später erfolgreichen Schülern erwartete. Es zeigt sich, daß die Finanzierung des Lehrers bzw. der Schule sich aus verschiedenen Quellen speiste. Vom Zuschuß des Patriarchen war oben schon die Rede, davon abgesehen wurde auf der einen Seite Schulgeld für die Ausbildung entrichtet, zum anderen wurden bei beruflichem Erfolg und Aufstieg Dankesgaben an den ehemaligen Lehrer fällig. Beide Formen der Zahlung waren wohl nicht feststehend und vertraglich fixiert, sondern hingen auf der einen Seite vom gesellschaftlichen Stand und Vermögen, vermutlich aber auch von der individuellen Begabung des Schülers, auf der anderen Seite auch vom späteren beruflichen Erfolg und Rang des ehemaligen Schülers ab. Bisweilen entwickelten sich aber doch auch juristische Streitigkeiten aus solchen Meinungsverschiedenheiten (cf. Ep. 58). Bei den Schülern handelte es sich sowohl um Knaben (cf. Ep. 69) als auch um junge Männer, die zum Teil bereits im kaiserlichen Dienst standen; auch scheint die gesellschaftliche Herkunft der Schüler unterschiedlich gewesen zu sein (cf. Markopoulos 6*). Die Schule war so organisiert, daß die jüngeren Schüler zumindest teilweise von den älteren und fortgeschrittenen unterrichtet wurden (cf. Markopoulos, Anonymus 8*f.). Diese Methode erntete jedoch auch Kritik (cf. Ep. 81). Die Briefe spiegeln auch die Konkurrenz der Lehrer in Konstantinopel untereinander, die auch zur Abwerbung von Schülern führte (cf. Ep. 36. 51. 68). In solchen Streitigkeiten wandten die Lehrer sich mitunter an den Stadteparchen, den Kaiser und den Patriarchen (cf. Epp. 47. 68).

Zusätzlich zu seiner Tätigkeit als Lehrer betätigte er sich auch auf den angrenzenden Gebieten der Schriftstellerei und Philologie sowie als Büchersammler (cf. Markopoulos, Anonymus 10*–13*). Er muß über eine relativ umfangreiche Privatbibliothek verfügt haben. Er kopierte und redigierte Handschriften wohl im Auftrage des Patriarchen (und wahrscheinlich auch gegen ein Salär). Er verfaßte Briefe sowie andere Texte und Dichtungen (cf. Epp. 5. 21. 118) und korrigierte auch Werke anderer Verfasser (cf. Ep. 101). Er beteiligte sich auch am Büchertausch mit anderen Bibliotheksbesitzern, allen voran mit der Despoina Sophia (# 27152), einer Angehörigen des Kaiserhauses, und anderen Würdenträgern. Außerdem kaufte und veräußerte er Bücher für bzw. aus seiner Bibliothek (cf. Epp. 8. 61. 63. 86. 90. 98. 99. 108. 120).

Eine genaue Chronologie seiner Vita läßt sich auf der Grundlage seiner Briefe – der einzigen erhaltenen Quelle zu seiner Person – nicht erstellen, da diese nur lose datierbare Momentaufnahmen bieten. Es läßt sich aber festhalten, daß er in dem Zeitraum von 920 bis mindestens in die 30er Jahre des 10. Jh.s in Konstantinopel als Lehrer und Leiter einer Privatschule tätig war.

W: Anonymi Professoris Epp.; ferner verfaßte er andere Werke (cf. Epp. 5. 21. 118), die jedoch nach heutigem Wissensstand nicht erhalten sind.

Q: — (Ep.): Anonymi Professoris Epp.

L: ODB III 2019 s. v. “Teacher, Anonymous”. — R. Browning, The Correspondence of a Tenth-Century Byzantine Scholar, in: Byz 24 (1954) 397–452; B. Laurdas,  Ἡ συλλογὴ ἐπιστολῶν τοῦ κώδικος BM 36749, in: Ἀθηνᾶ 58 (1954) 176–198; R. Browning – B. Laurdas, Τὸ κείμενον τῶν ἐπιστολῶν τοῦ κώδικος BM 36749, in: EEBS 27 (1957) 151–212; Darrouzès, in: REB 18 (1960) 112–114; Mango, Cod. Vat. Regin. gr. 1, 121–126; Steiner, Untersuchungen passim, bes. 153–158 und 177–189; Markopoulos, Anonymus bes. 1*–16* (weitere Literatur: 25*–34*); Cortassa, Lettere 132–134.

P: Es ist recht wahrscheinlich, aber nicht völlig gesichert, daß es sich bei dem Patriarchen, der Adressat von fünf Briefen des anonymen Lehrers (Anonymi Professoris Epp.) war, um Theophylaktos handelt. Unter Umständen kämen auch die Patriarchen Nikolaos Mystikos (# 25885), Stephanos II. (# 27245) und Tryphon (# 28374) als Adressaten dieser oder einzelner dieser Briefe in Frage. — Laut Mango, Collapse 173f., ist eine Identität des anonymen Lehrers mit Georgios Choiroboskos (# 2200) nicht auszuschließen; laut Markopoulos 10* entbehrt diese verführerische Hypothese jedoch einer ausreichenden Grundlage.

Angehörige (anonym):

1. Bruder 31049A

V: Er wird in einem Brief des anonymen Lehrers an den Hegumenos des Monobatonklosters (# 31026) erwähnt. Angeblich soll Arsenios (# 20607), ein Mönch des Monobatonklosters, den Lehrer an seinen Bruder erinnert haben.

Q: — (Ep.): Anonymi Professoris Ep. 60.

L: Markopoulos, Anonymus 54*.

2. Verwandte 31049B

V: Sie werden in einem Brief des anonymen Lehrers an den Protospatharios und Mystikos Theodoros (# 27690) erwähnt. Der Lehrer bittet Theodoros um Unterstützung für seine Verwandten.

Q: — (Ep.): Anonymi Professoris Ep. 27.

L: Markopoulos, Anonymus 43*.

Quellen

  • Anonymi Professoris Epp.
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