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Arbeit

Zeitschrift für Arbeitsforschung, Arbeitsgestaltung und Arbeitspolitik

Ed. by Bosch, Gerhard / Bullinger-Hoffmann, Angelika C. / Evans, Michaela / Feuerstein, Patrick / Gärtner, Stefan / Hansen, Katrin / Heise, Arne / Hilf, Ellen / Jacobsen, Heike / Kädtler, Jürgen / Kämpf, Tobias / Kratzer, Nick / Minssen, Heiner / Rastetter, Daniela

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ISSN
2365-984X
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Volume 27, Issue 3

Issues

Organisationale Hindernisse auf dem Weg zur Profession

Eine wissenssoziologische Untersuchung über das berufliche Selbstverständnis von Pflegekräften im Krankenhaus

Organizational Obstructions for an Emerging Profession

An Investigation on the Occupational Self–Concept of Hospital Nurses

Dr. Sebastian Starystach
  • Corresponding author
  • Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Max-Weber-Institut für Soziologie, Bergheimer Straße 58, 69115, Heidelberg, Deutschland
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/ Dr. Stefan Bär
  • Corresponding author
  • Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Max-Weber-Institut für Soziologie, Bergheimer Straße 58, 69115, Heidelberg, Deutschland
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/ Carolin Ernst / Christina Streib
Published Online: 2018-11-14 | DOI: https://doi.org/10.1515/arbeit-2018-0017

Zusammenfassung

Der Beitrag stellt sich die Frage, ob sich im Kontext eines sichtbaren institutionellen Wandels und politischen Bestrebens hin zur Professionalisierung von Pflege auf der Makroebene auch Veränderungen im beruflichen Selbstverständnis Pflegender finden lassen, das Pflege als Profession ausweist. Dazu wurde eine Deutungsmusteranalyse anhand von 20 Interviews mit Pflegekräften mit dreijähriger Berufsausbildung im Generationenvergleich durchgeführt. Das Ergebnis ist, dass traditionelle quasi-religiöse und berufliche Deutungen von Pflege durch die Organisation Krankenhaus gestützt werden. In der jüngeren Generation wird ‚Pflege als Berufung‘ durch die Deutung von ‚Pflege als Beruf‘ zunehmend verdrängt.

Abstract

The study aims to answer the question whether the institutional change and political attempt to professionalize care on the macro-level changed the occupational self–concept of nurses. A cross-generational mindset-analysis of 20 interviews of nurses with 3-year training qualification was conducted. The findings show that the hospital as organizational context reinforced traditional and vocational mindsets in nurses. Furthermore, the traditional mind–set was increasingly displaced by the jobholder mindset in the younger generation.

Schlüsselwörter: Akademisierung; Professionalisierung; Krankenhauspflege, berufliches Selbstverständnis; Organisation

Keywords: academization; professionalization; hospital-care; occupational self-concept; organization

1 Einleitung

Die Akademisierung der Gesundheitsberufe schreitet voran. Insbesondere im Fall der Pflege ist dies in Anbetracht der Herausforderungen eines demografischen und epidemiologischen Wandels mit dem Professionalisierungsgedanken verbunden (Kaelble 2013). Aktuell verändert der Gesetzgeber angesichts eines drohenden Fachkräftemangels (Simon 2015) die berufsfachschulische Ausbildung und schafft daneben die Grundlagen für eine primärqualifizierende hochschulische Pflegeausbildung (Deutscher Bundestag 2016). Vor dem Hintergrund dieses institutionellen Wandels stellt sich die Frage, ob sich auch Veränderungen im beruflichen Selbstverständnis Pflegender finden lassen, die auf Pflege als Profession hinweisen.

Notwendige Bedingung jeglicher professionellen Praxis ist die autonome Anwendung von berufsspezifischem Fachwissen und berufsspezifischen Methoden. Daher führen wir Pflege als Krankenhauspflege eng, blenden also den ambulanten Bereich von Gesundheits- und Krankenpflege und die Altenpflege aus, denn das Krankenhaus ermöglicht einen niedrigschwelligen Zugang zu einer Vielzahl von Patienten (zurzeit 19 Mio. Fälle/Jahr) mit einer hohen Varianz, insbesondere in Krankenhäusern der Maximalversorgung aufgrund der hohen Fallzahl in sämtlichen klinischen Fachrichtungen. Hier können aktuelle pflegewissenschaftliche Erkenntnisse als evidenzbasierte Pflegepraxis (EBP) theoretisch leicht Anwendung finden.

Die Besonderheit der Krankenhauspflege liegt damit aus professionssoziologischer Perspektive darin, dass diese korrespondierend zu den Struktureigenschaften der Organisation Krankenhaus bereits eine umfangreiche Ausdifferenzierung von Fachwissen und Methoden aufweist, die sowohl im ambulanten Bereich als auch in der Altenpflege in dieser Breite nicht gegeben ist. Institutionalisiert ist dies in Form von Fachweiterbildungen (Onkologie, Psychiatrie usw.) und überfachlichen Weiterbildungen (Hygienefachkraft, Case-Manager usw.) sowie zunehmend durch erste Erfolge in der Umsetzung von EBP in deutschen Krankenhäusern, wenn auch bei einem noch insgesamt überschaubaren Etablierungsstand (Meyer u.a. 2013).

Vor diesem Hintergrund fragt der Beitrag spezifisch, ob und inwiefern die Institutionalisierungsdynamik von Pflege als Wissenschaft und angehende Profession auf der Makroebene sich in der Krankenhauspflege als Element des dort aktualisierten kollektiv verfügbaren Wissensvorrats niedergeschlagen hat.

Um diese Frage zu klären, diskutieren wir zunächst den gegenwärtigen Forschungsstand zu Professionalisierung und pflegerischem Selbstverständnis (2), stellen unsere theoretisch-methodologischen Grundlagen (3) sowie unsere Datengrundlage und Methode (4) dar und arbeiten dann, anhand von Interviews mit an einem Krankenhaus der Maximalversorgung tätigen Pflegekräften, geteiltes institutionalisiertes Wissen darüber heraus, wie Pflege in der beruflichen Praxis ausgeübt wird (kognitive Dimension) und wie sie ausgeübt werden sollte (normative Dimension). Im Anschluss benennen wir Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Generationenvergleich (5, 6). Zur Erklärung unserer Befunde identifizieren wir organisationale Ursachen für geteilte Deutungsgehalte (7). Abschließend werden die Befunde zusätzlich anhand einer professionssoziologischen Heuristik reflektiert (8).

2 Stand der Forschung zur Professionalisierungsdynamik der Pflege

Den Ausgangspunkt aktueller Debatten bildet zunächst die Prognose eines quantitativ steigenden Pflegebedarfs (Schwinger u.a. 2017). Zudem haben sich qualitativ die Anforderungen an Pflege verändert, denn die Zunahme chronischer und Demenzerkrankungen und der technisch-medizinische Fortschritt führen zu steigender Komplexität sowie zur Erweiterung und Veränderung der pflegerischen Berufsrolle (Hülsken-Giesler 2014; Görres 2013). Es wird daher gefordert, Pflege als Profession zu etablieren und wahrzunehmen, die einen eigenen, fachlich unverzichtbaren und von der ärztlichen Versorgung klar zu unterscheidenden gleichberechtigten Beitrag zur Versorgung von Patienten leistet (zum aktuellen Stand Kaelble 2017). Während bis in die 1990er Jahre mit den Zielen Professionalisierung und Akademisierung der Pflege eine zur Ärzteschaft analoge Elitenbildung angestrebt wurde (Robert Bosch Stiftung 1992), wird heute damit vorwiegend eine Verwissenschaftlichung der konkreten Pflegepraxis verbunden. Vor dem Hintergrund unseres Erkenntnisinteresses ist daher die Frage an den Stand der Forschung, ob und wie sich Professionalisierung auf Ebene (1) der Institutionen, (2) der Organisation Krankenhaus und (3) des beruflichen Selbstverständnisses umsetzt.

(1) Auf der Ebene der Institutionen zeigen sich umfangreiche strukturelle Effekte: Insbesondere die geforderte Akademisierung des Pflegeberufs als notwendige Bedingung des Professionalisierungsprozesses wurde vorangetrieben. Eine Vielzahl an Studiengängen entstand, die sich jedoch aufgrund fehlender Richtungsentscheidungen und Zielsetzungen in der Tendenz „wildwüchsig“ entwickelt haben (Schaeffer 2011, 34). Initiativen zur curricularen Vereinheitlichung bestehen erst seit einigen Jahren (Hülsken-Giesler u.a. 2010). Zudem fokussieren von den rund 150 Studiengängen lediglich 39 auf eine akademische Erstausbildung und damit direkt auf die Professionalisierung der Praxis (Friesacher 2013; Moers u.a. 2012).

Die Novellierung des Berufsgesetzes im Juni 2017 stellt einen weiteren Schritt hin zur Professionalisierung dar. Der Berufsstand soll aufgewertet, Pflegekräften neue Karrieremöglichkeiten eröffnet, der akademische Weg gestärkt sowie die Ausbildung international anschlussfähig werden (Deutscher Bundestag 2016; Bettig/Göppert 2015). Tatsächlich beschlossen wurde zunächst die „Generalistische Pflegeausbildung“ mit einheitlichem Berufsabschluss und ergänzender Einführung einer akademischen Ausbildung. Konkrete Auswirkungen dieser Novellierung sind angesichts der Aktualität noch nicht untersucht.

Eine zusätzliche Forderung im Professionalisierungsdiskurs ist es, Pflegewissenschaft und -forschung zu institutionalisieren, mit dem langfristigen Ziel, der Praxis ein wissenschaftlich begründetes Fundament zu verschaffen (Behrens u.a. 2012; Schilder 2010). Empirisch zeigt sich ein Anstieg an Publikationen; zudem entstanden Forschungsverbünde (Bienstein 2013). Jedoch mangelt es bisher an langfristigen Förderprogrammen, universitären Forschungseinrichtungen sowie einer aufeinander abgestimmten Grundstruktur der Studiengänge (Moers u.a. 2011, 2012). Weiterhin scheint Pflegeforschung bisher unzureichend sichtbar (Köpke/Meyer 2013).

Schließlich sollten, kontrovers diskutiert (Kuhn 2016; Schwinger 2016), auf institutioneller Ebene bundesweit Pflegekammern als ein weiterer Schritt zur Selbstständigkeit, Selbstverwaltung und damit zur Professionalisierung der Pflege eingerichtet werden; bislang sind auf Länderebene in Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Schleswig-Holstein derer drei eingeführt worden (DBfK 2017).

(2) Auf der Ebene der Organisation Krankenhaus wächst der Anteil der akademisch qualifizierten Pflegekräfte. Angesichts der Empfehlung des Wissenschaftsrates für eine Akademisierungsquote von 10 bis 20 Prozent (Wissenschaftsrat 2012) besteht jedoch bei derzeit unter 3 Prozent (Blum u.a. 2014) erheblicher Aufholbedarf.

Die Schaffung von qualifikationsadäquaten Beschäftigungsverhältnissen mit entsprechenden Vergütungsstrukturen für akademisch ausgebildete Pflegekräfte ist bislang kaum erfolgt (Tannen u.a. 2017; Fleischmann 2013; Hommel/ Koch 2017; Sander 2017). Stellen, die eine akademische Ausbildung voraussetzen, sind im Krankenhaus selten und hauptsächlich in Lehr-, Führungs- oder Qualitätsmanagementpositionen zu finden, weshalb Absolventinnen und Absolventen überwiegend patientenferne Aufgaben übernehmen (Blum u.a. 2014). Aktuell kann daher eher von einer langsamen Akademisierung in der Pflegeelite, nicht aber von einer Verwissenschaftlichung der Praxis selbst gesprochen werden.

Die geforderte Handlungsautonomie der Pflege im Krankenhaus ist bisher ebenso nicht verwirklicht (Darmann-Finck 2012; Schaeffer u.a. 2004; Schaeffer 2011; Hülsken-Giesler 2015). Seit dem Pflegeweiterentwicklungsgesetz 2008 gibt es zwar eine gesetzliche Grundlage und Modellprojekte zur Neuverteilung der Tätigkeiten zwischen ärztlichen und nicht-ärztlichen Gesundheitsberufen (Kaelble 2017), aber auf der Ebene der Organisation werden vor dem Hintergrund von Rationalisierung und Arbeitsverdichtung (Marrs 2007; Braun u.a. 2010; Bär/Starystach 2018), wachsenden bürokratischen Anforderungen (Freifrau/Hirschberg 2015) und ungebrochener Dominanz der medizinischen Profession (Cassier-Woidasky 2011; Dreier u.a. 2015) im Zweifelsfall eher Deprofessionalisierungstendenzen für die etablierte Profession der Ärzteschaft und verhinderte Professionalisierung für die Pflege sichtbar (Schaeffer 2011).

(3) Inwieweit das berufliche Selbstverständnis von Pflegekräften durch die Veränderungen auf der Ebene der Institutionen und der Organisation Krankenhaus beeinflusst wird, ist wenig erforscht. Gefordert ist die Orientierung an evidenzbasierten pflegespezifischen Wissensbeständen, einschließlich eines hermeneutischen Fallverstehens in Interaktion mit Patienten (Isfort 2003; Schaeffer u.a. 2004; Schmidt 2016). Im pflegewissenschaftlichen Professionalisierungsdiskurs steht auf dieser Ebene verstärkt die Frage im Zentrum, worin der professionelle Kern von Pflegearbeit besteht (Cassier-Woidasky 2011).

Cassier-Woidasky (2011) zeigt in ihrer Überblicksarbeit, dass bei Pflegekräften mit klassischer Berufsausbildung professionelles Pflegehandeln, im Sinne einer Kompetenz zur Übernahme der Perspektive des Patienten sowie als Wissen und Selbstbewusstsein über den eigenen Wert der Pflege, zumindest vereinzelt zu finden ist (für eine theoretische Annäherung vgl. Bischoff-Wanner 2002). Anwendung bzw. Relevanz wissenschaftlich generierten Wissens wird dabei jedoch nicht thematisiert.

Bekannt ist, dass die Pflegepraxis sich eher auf Routine- als auf wissenschaftlich generiertes Wissen beruft (Dörge 2009). Köpke u.a. (2013) zeigen, dass es bei den Einstellungen von Pflegekräften im Krankenhaus gegenüber evidenzbasierter Pflege bereits an Grundvoraussetzungen fehlt. Schließlich konstatiert Gerlach (2013), dass eine akademische Ausbildung nicht zwingend zu einem professionellen Selbstverständnis führt, sondern mit Ambivalenzen einhergeht, da die Anerkennung von Peers an die praktische, auf Erfahrungswissen basierende Arbeit am Bett gebunden ist. Trotz akademischer Ausbildung stellt sich eine entsprechende Handlungsorientierung nicht automatisch ein und diese dient daher nicht als eigenständiger „Motor“ von Professionalisierung.

Insgesamt zeigt sich, dass die Professionalisierung der (Krankenhaus-) Pflege auf institutioneller Ebene bereits einige Hürden genommen hat, jedoch auf der Ebene der Organisation Krankenhaus wenig Veränderung mit sich bringt. Auf der Ebene des beruflichen Selbstverständnisses scheinen auf der einen Seite tradierte, auf Erfahrungswissen verweisende Deutungsmuster einem Wandel entgegenzustehen, zugleich lassen sich aber (proto-)professionelle Muster finden. Die Frage nach Veränderung des beruflichen Selbstverständnisses bleibt daher ungeklärt.

3 Theoretisch-methodologische Grundlagen

Einer wissenssoziologischen Perspektive folgend müssten, wenn eine Professionalisierung der Pflege im Krankenhaus stattfindet, etablierte Wissensvorräte in Frage gestellt werden und – nach Bewältigung der damit einhergehenden Krise – sich Veränderungen in den Kognitionsstrukturen Pflegender einstellen (Schütz/Luckmann 2003).

Vor dem Hintergrund von institutionellem Wandel steht die Frage im Zentrum, ob Pflegekräfte bei der Bewältigung situationsbezogener Kontingenz im Krankenhausalltag sich in ihrer Selbstbezugnahme (angelehnt an pflegerische Denkstile bei Brühe u.a. 2004) auf religiös-traditionelle, berufliche, professionelle oder hybride bzw. unbekannte dritte „Wissensvorräte“ (Schütz/Luckmann 2003, 309) beziehen; weiterhin, ob und inwiefern sich Krisen durch eine Diskrepanz zwischen tradiertem Wissensvorrat und gegenwärtiger (Professionalisierungs-)Erfahrung manifestieren.

Wenn wir also von beruflichem Selbstverständnis sprechen, ist damit im Kontext dieser Untersuchung nicht ein umfassender rollentheoretischer Begriff des Selbst einschließlich der Rekonstruktion seiner (typischen) Sozialisation gemeint, wie er sich klassisch bei William James (1983) und George H. Mead (2005) finden lässt. Vielmehr geht es um die Herausarbeitung von Typen pflegerischer Selbstverständnisse als „eine in vorangegangenen Erfahrungen sedimentierte, einheitliche Bestimmungsrelation“ (Schütz/Luckmann 2003, 314) zur Reduktion von Handlungskomplexität. Um unsere Frage nach einem infolge der Professionalisierung veränderten Selbstverständnis von Pflegekräften im Krankenhauskontext beantworten zu können, fokussieren wir hier auf die Rekonstruktion derjenigen typisierenden Deutungsschemata, die auf das grundsätzliche Bezugsproblem antworten: „Wie soll ich die Arbeit als Pflegekraft im Krankenhaus ausüben?“

Diese Form von Typisierung wird von uns mit dem durch die objektive Hermeneutik Oevermanns geprägten Begriff des „Deutungsmusters“ operationalisiert (Oevermann 2001a, b), welche als „latente Sinnstrukturen“ (Oevermann 2001a, 39) die Handlungswirklichkeit im Sinne eines Weltbildes bzw. Paradigmas strukturieren (Oevermann 2001b), indem sie „wirklichkeitskonstituierende Algorithmen“ bereitstellen (Oevermann 2001a, 39; 2001b, 8). Deutungsmuster manifestieren sich individuell als „Derivationen“ (Ulrich 1999, 430) und lassen sich in ihrer inneren Logik rekonstruieren.

4 Datengrundlage und methodisches Vorgehen

Zur Rekonstruktion der Deutungsmuster wurden „Problemzentrierte Interviews“ (Witzel 2000) mit examinierten Pflegekräften zum Themenfeld Arbeitsabläufe und -bedingungen herangezogen, die 2015/16 im Kontext einer Organisationfallstudie an zehn Kliniken und in 17 Fachbereichen eines Großkrankenhauses der Maximalversorgung (Universitätsklinikum) auf Normal-, Intermediate-Care- sowie Intensivstationen erhobenen wurden. Da der Prozess der Professionalisierung bereits seit 25 Jahren erklärtes berufspolitisches Ziel ist, wurde ein künstlicher Längsschnitt erzeugt, indem zwei Generationen unterschieden wurden. Aus den insgesamt 45 Interviews wurden diejenigen Fälle ausgewählt, die aufgrund ihrer „Generationslagerung“ (Mannheim 1928) bei ihrer Berufssozialisation ähnliche Erfahrungen gemacht haben (n = 20). Technisch wurden hierzu zwei Alterskohorten unterschieden, die auf den Zeitpunkt der Berufssozialisation hin kontrolliert wurden:

(1) Pflegekräfte, die zum Erhebungszeitpunkt 50 Jahre oder älter waren und deren berufliche Sozialisation eindeutig vor der berufspolitisch angestrebten Professionalisierung lag, d.h. vor 1985 (n = 10). Pflegekräfte, die zu einem späteren Zeitpunkt den Pflegeberuf ergriffen hatten (z.B. durch Umschulung), wurden ausgeschlossen. Drei dieser Pflegekräfte hatten eine Führungsposition inne: Stellvertretende Stationsleitung (n = 1), Stationsleitung (n = 2).

(2) Pflegekräfte, die zum Erhebungszeitpunkt 30 Jahre und jünger waren und deren berufliche Sozialisation damit zwangsläufig zu einem fortgeschrittenen Zeitpunkt der Professionalisierung stattfand, d.h. nach 2000 (n = 10). Drei dieser Pflegekräfte befanden sich in einem berufsbegleitenden pflegewissenschaftlichen Studium: Pflegemanagement (n = 2), Pflegepädagogik (n = 1).

Für die Auswertung wurde zur Sicherung der intersubjektiven Nachvollziehbarkeit und methodischen Kontrolle eine Interpretationsgemeinschaft verwirklicht. Diese aus der objektiven Hermeneutik stammende Methode (Titscher u.a. 1998) gewährleistet in der hermeneutischen Wissenssoziologie die Gültigkeit des Verfahrens bei der Entwicklung von Lesarten- und Deutungshypothesen (Soeffner/Hitzler 1994; Reichertz/Schröer 1994). Zur konkreten Rekonstruktion der Deutungsmuster wurde in Anlehnung an die „Collective Mindset Analysis“ nach Pohlmann u.a. (2014) verfahren. Ziel dieser Analysemethode ist, institutionalisierte Deutungsmuster in Form grundlegender Handlungsregeln zu rekonstruieren:

(1) Es wurden Sequenzen identifiziert, in denen sich individuelle Derivationen zum jeweiligen Erkenntnisinteresse finden ließen. Dies sind alle narrativen Sequenzen, in welchen (a) Pflegekräfte über ihren Arbeitsalltag berichteten oder (b) über die Wahrnehmung der Rolle als Pflegekraft der Organisation Krankenhaus reflektierten. (2) Es wurden sämtliche Sequenzen zusammengefasst und im Hinblick auf zentrale Kategorien paraphrasiert, um (3) deren logische und normative Struktur sowie ihre interne Hierarchie als Deutungsmuster herauszuarbeiten. (4) Anschließend wurden die Sequenzen miteinander verglichen, um diejenigen oder dasjenige der herausgearbeiteten Deutungsmuster zu identifizieren, welche(s) dominant im Material vertreten sind (ist). Dabei wurde zwischen den Generationen systematisch unterschieden. (5) Abschließend wurden die herausgearbeiteten dominanten Wissensbestände in Form von Handlungsregeln und Handlungsimperativen reformuliert.

Zur abschließenden Systematisierung der Ergebnisse werden die herausgearbeiteten und als dominant-geteilt identifizierten Deutungsmuster Professionsmerkmalen gegenübergestellt, die Ansätzen entnommenen wurden, welche auf Merkmalskataloge und Strukturtheorie (vgl. Schmeiser 2006) rekurrieren (Parsons 1968; Freidson 2001; Stichweh 2005):

  • – Ein Berufsethos mit einem universalistischen Zentralwert bei gleichzeitiger emotionaler Neutralität.

  • Funktionale Spezifität als Expertenschaft, die alltagsweltliche Problemstellungen durch Transformation in Fälle unter Zuhilfenahme abstrakter Wissensbestände einer Lösung zuführt.

  • – Eine Kollektivitätsorientierung, die dem Kollegialitätsprinzip folgt und zu einer verstärkten Vertretung professionsspezifischer Interessenlagen führt, die mit konkurrierenden Ordnungen, insbesondere der Organisation, in Konflikt geraten kann.

  • – Umfangreiche Handlungsautonomie bei der Bearbeitung von Fällen.

  • – Eine Leistungsorientierung, die vor allem auf den Erhalt gesellschaftlicher Anerkennung zielt.

Diese Merkmale spiegeln bei weitem nicht den gegenwärtigen Stand des professionstheoretischen (Pfadenhauer/Sander 2010) und auch nicht des pflegewissenschaftlichen (Kaelble 2017) Diskurses wider, der sich mit zentralen Fragen beschäftigt, wie Pflege als Profession verstanden werden kann und was Professionalität in der Pflege beinhaltet. Da aber Professionalität in der Pflege im gegenwärtigen wissenschaftlichen wie berufspolitischen Diskurs ein nicht eindeutig bestimmtes Konzept ist, wird auf die obigen Merkmale als Heuristik referiert. Sie dienen dazu, die empirischen Befunde zu systematisieren, indem die herausgearbeiteten Wissensbestände kategorisiert werden, um dadurch den Umfang der Übersetzung institutioneller Wandlungsprozesse in geteilte Wissensbestände in der Krankenhauspflege extern bemessen und abschätzen zu können, wenn auch nur näherungsweise und aus strukturalistischer Perspektive.

5 Das berufliche Selbstverständnis Pflegender im Krankenhaus

Im Zentrum der Untersuchung stehen die kognitiven und normativen Grundlagen für das berufliche Handeln Pflegender im Praxiskontext Krankenhaus. Mit den aktivierten Deutungsmustern zur Bewältigung von in der Arbeit auftretender situationsbezogener Kontingenz geraten so diejenigen latenten Sinnstrukturen in den Blick, welche auf die Frage antworten: „Wie kann und wie soll man die Arbeit als Pflegekraft im Kontext Krankenhaus bewältigen?“

Die gefundene Antwort überrascht zunächst, denn Pflegende beider Generationen aktualisieren das gleiche Deutungsmuster: Sinnselektionen werden entlang der Leitidee der Indienstnahme der Pflege für die Belange Anderer durchgeführt. Unter dem Dach dieser Leitidee lassen sich zwei in Juxtaposition befindliche und nach Verwirklichung drängende normative Imperative finden.

Der erste lautet: „Hilf dem Patienten als Menschen, der sich ohne sein Zutun in einer fremden Umgebung in einer Notsituation befindet.“ Der Patient gerät hier funktional unspezifisch in den pflegerischen Blick. Er ist Quelle menschlicher Bedürfnisse, denen die Pflegekraft zu entsprechen hat.

„Auch, wenn ich schon viele Jahre da bin, ist mein Fokus auf meinen Patienten, und versuche halt das Möglichste da in der Begegnung. Wie soll ich sagen? Den Patienten das Gefühl zu vermitteln, dass er gemeint ist, dass er gesehen wird, und nicht, dass er ein Werkstück ist.“

äG-I 1

Der Mensch ist in diesem Kontext der Andere, für dessen Belange die Pflege ihren Dienst auszuüben hat. Dieser existenzielle Bezug erscheint hier als säkularisierte Form von Misericordia und Caritas, und Pflege entsprechend als Berufung. Diese Orientierung folgt einer praktisch geschulten Kompetenz empathischer Perspektivenübernahme sowie universeller Gleichheit, Einzigartigkeit und Würde des Menschen. Pflege bedarf hierbei keines spezifischen medizinischen Fachwissens, sondern vielmehr einer spezifischen erfahrungsgesättigten Haltung. Als „praktizierte Zwischenmenschlichkeit“ (Badura 1990) hat Pflege die existentiellen Anliegen des Patienten dem System der Krankenbehandlung gegenüber zu vertreten und zwischen dem Patienten als alltagsweltlichem „Menschenkind“ (äG-II) und medizinischem Objekt zu vermitteln, auch indem sie eine Dolmetscher- und Anwaltsfunktion gegenüber ärztlicher Sinnselektion einnimmt.

Der zweite normative Imperativ lautet: „Tue alles Notwendige, um das medizinische System der Krankenbehandlung aufrecht zu erhalten.“ Hier findet sich eine medizinisch-funktional spezifische Verengung des pflegerischen Blicks: Der Patient wird als „Werkstück“, als Objekt und Träger medizinisch obligater Merkmale betrachtet und ist in Bezug auf für die Krankenbehandlung relevante Daten und Abläufe zu kontrollieren, zu überwachen und zu beherrschen. Die Orientierung folgt den Vorgaben und Bedürfnissen der Medizin, aber auch anderer Berufsgruppen:

„Dann, Medikamentengabe hatte ich schon. Dann fängt so das Übliche an. Also, man muss gucken: Mit wem fängt man an zu waschen? Wie sieht es aus mit dem Mobilisieren? [...] Dann natürlich: Therapiemaßnahmen [...]. Was sollte gemacht werden? [...] Dann Verbandswechsel, Drainagebeutelwechsel. [...] Dann immer noch Medikamentengabe; also, das geht über den kompletten Tag sozusagen. Dann Infusionen austauschen. [...] Dann, gucken wegen Essen und so [...]. Dann noch so organisatorische Aufgaben, wie mit Verlegung oder Aufnahmen und so, wo man dann alles ins Programm eingibt. Das ist so ja, boah. Da kommt dann schon Einiges zusammen. Gibt es noch irgendwas? Habe ich noch irgendwas vergessen? Ja, und zwischendrin halt natürlich, auch versuchen, Menschlichkeit. So ein bisschen schwätzen mit dem Patienten, so. Kommt dann auch ab und zu mal noch (lacht) mit rein. Das ist so ein bisschen auch bedarfsorientiert, was dann halt anfällt. Weil, es ist jeder Patient anders.“

jG-I

Pflege verfügt bei der Aufrechterhaltung der Krankenbehandlung über keinen genau abgegrenzten Aufgabenbereich. Unabhängig von den Umständen gilt: „Das muss trotzdem laufen, also macht es dann die Pflege“ (jG-I). Pflege – hier als medizinischer Beruf – orientiert sich an vorgegebenen Tätigkeiten und Problemstellungen, zu deren Erledigung pflegerische Routinen erlernt werden müssen und sich als Erfahrungswissen sedimentieren.

Eine besondere Rolle kommt dabei dem Verhältnis zur Ärzteschaft zu. Diese geben im Zweifelsfall die vorzunehmenden Sinnselektionen vor, zeigen also die Schritte an, auf welche Art und Weise der Imperativ der Krankenbehandlung zu verwirklichen ist. Die Pflege hat aber zugleich die Ärzteschaft mit der Gabe von Information, über welche nur sie verfügt, zu stützen, denn: „Ich will das mal jetzt vom Positiven hernehmen. Wir sind halt ziemlich nah am Patienten dran“ (äG-II). Auf diese Weise ist die Pflege nicht nur Adressat ärztlicher Sinnselektion, sondern zugleich wird der Arzt selbst zum Gegenstand pflegerischer Zuständigkeit, jeweils mit dem Ziel der Aufrechterhaltung des Krankenbehandlungssystems. Die Anderen, für dessen Belange die Pflege hier ihren Dienst auszuüben hat, sind bei diesem Imperativ vor allem Angehörige der medizinischen Profession.

Die Möglichkeit zur Erfüllung beider Imperative des beruflichen Selbstverständnisses wird primär durch den organisationalen Kontext moderiert. Beispielsweise wird nahezu idealtypisch auf Intensivstationen, vor dem Hintergrund hoher Technisierung und Arbeitsdichte sowie der typischen Schwere der Fälle, die Bedeutung des Patienten als „Werkstück“ besonders dominant:

„[Z]umal für mich eine Motivation war, als ich auf die Intensivstation kam, ich mich dafür entschieden habe, ich wollt mich ein Stück weit als Brücke sehen, zwischen der notwendigen Technik, die die Patienten naturgemäß als sehr feindselig erleben, und dem Patienten selber. Der Vermittler. Ich wollte die Brücke sein und mit dem, wie es geworden ist, ist es eigentlich nicht mehr möglich. Man wird selber technisiert.“

äG-I

Der Anspruch, den Patienten als Subjekt anzuerkennen, scheitert aber nicht nur auf der Intensivstation regelmäßig, da situationsbezogene Kontingenz in einem durch Arbeitsverdichtung geprägten Alltag nur einseitig bewältigt werden kann: Der Patient muss durchgehend zum Objekt degradiert und kann nicht als Mensch behandelt werden, und „man geht oft so defizitär nach Hause“ (äG-II). Dieses subjektive Phänomen des Dilemmas zwischen Pflegeethos und Pflegewirklichkeit sowie der damit verbundene Gewissensstress sind in der Forschung hinlänglich bekannt (Slotala/Bauer 2009; Kumbruck 2014; Kühn/Klinke 2006; Marrs 2007).

Darüber hinaus zeigt aber die Analyse, dass, auch wenn das Deutungsmuster der Indienstnahme für die Belange Anderer unter den organisationalen Bedingungen den Imperativ zwischenmenschlich angeleiteter Pflege nicht erfüllen kann, die Kompetenz zur Krisenbewältigung ein zentraler Bestandteil des pflegerischen Selbstverständnisses bleibt. Mit anderen Worten, nicht nur das traditionell-religiöse vorberufliche Ethos, sondern auch das Beherrschen tätigkeitsorientierter beruflicher Routine ist Dreh- und Angelpunkt symbolischer Abgrenzung.

Bei der Verwirklichung des Imperativs der Auf-Dauer-Stellung des Krankenbehandlungssystems ist jegliches „hierarchisches Denken“ (äG-III) – auch von Seiten der Ärzteschaft – ein hinderlicher Formalismus, denn Pflege löst gegenwärtig-akute Probleme für Andere auf direktem, kooperativem und regelmäßig informellem Weg. Die Anerkennung der Pflege in der Fremdzuschreibung ist mit dieser Funktion verbunden und dadurch integraler Bestandteil des pflegerischen Selbstverständnisses als Selbstzuschreibung:

„Oder der Oberarzt, glaub ich, also kann ich nicht mehr genau sagen, ist schon etwas länger her, wo es dann um irgendwas ging beim Patienten, wo es dann auch eher in die Akutrichtung ging, wo er dann nach der Situation gesagt hat, so zu der Pflege gesagt hat: Super erkannt von der Pflege, wenn wir da die Leute nicht hätten, dann wäre das jetzt schiefgegangen. Das war dann auch recht schön.“

jG-I

Das pflegerische Selbstverständnis zieht daher seine Ressourcen nicht nur aus einem heute säkularisierten Motiv des Diensts am Nächsten und der Erfüllung damit verbundener Interaktionsansprüche, sondern ist zugleich mit der Vorstellung der Pflegekraft als kreative, allzuständige, prozessorientierte Problemlöseinstanz verbunden. Eine erfolgreiche Pflegekraft zu sein bedeutet, beide Imperative erfüllen zu können.

Eine formelle Definition, was Pflege ist, ließ sich in den Interviews nicht finden. Die interviewten Pflegekräfte konnten dies nicht positiv-abschließend bestimmen, sondern lediglich in Abgrenzung dazu herausstellen, was Pflege im Praxiskontext der Organisation Krankenhaus nicht ist. Das pflegerische Selbstverständnis ist darauf gerichtet, die Patientenbehandlung in all ihren (möglichen) Facetten, gegen alle Widrigkeiten und jeden Widerstand aufrecht zu erhalten. Ein Rückzug auf ein fest umschriebenes Korpus an Zuständigkeiten und theoretischen Wissensbeständen stünde damit performativ im Widerspruch.

Konsistent dazu wird ärztliche Forschung als hinderlich und Pflegeforschung als irrelevant für die pflegerische Arbeit im Krankenhaus betrachtet, da sie entweder regelmäßig Selbstverständlichkeiten reproduziert oder unter Praxisbedingungen nicht anwendbar ist, „sodass eigentlich, was da an Forschung da ist, verpufft“ (äG-IV).

Es herrscht gleichsam eine Berufungs- und Berufsideologie, die den praktischen Kenntnissen bei der Problemlösung gegenüber einem intellektuellwissenschaftlichen Zugang bei Krankenbehandlung und Pflege den klaren Vorzug gibt, was auch für akademische Pflegekräfte gezeigt werden konnte (Gerlach 2013).

6 Das berufliche Selbstverständnis im Generationenvergleich

Das Deutungsmuster der Indienstnahme für die Belange Anderer ließ sich generationsübergreifend vorfinden. Varianz zeigte sich jedoch daran, dass im Falle jüngerer Pflegekräfte die Defiziterfahrung Teil ihrer beruflichen Sozialisation ist. Der Patient erscheint in erster Linie als „Werkstück“, dessen Bearbeitung in der Organisation sichergestellt sein muss. Der Imperativ des Dienstes am Nächsten bleibt als normativer Anspruch zwar bestehen und führt zu Gewissensstress, verliert aber, weil er systematisch durch die rationalisierten Arbeitsbedingungen im Krankenhaus an seiner Verwirklichung gehindert ist, an Geltung. Sich verstärkt am Patienten als „Werkstück“ entlang ärztlicher Sinnselektionen zu orientieren ist für die jüngere Generation von Pflegekräften Normalität und wird damit dominanter Imperativ des beruflichen Selbstverständnisses. Die dabei auftretenden Dilemmata in Bezug auf den Anspruch an Zwischenmenschlichkeit werden zwar wahrgenommen, in Bezug auf die betriebswirtschaftlich angeleitete Arbeitsorganisation gilt jedoch die kognitive Handlungsregel: „Dementsprechend musst du dich dem fügen, leider“ (jG-III), und das erfolgreiche Beherrschen pflegerischer Routinetätigkeiten wird zur zentralen Selbstbezugnahme und zum Mittel symbolischer Abgrenzung.

Ältere Pflegekräfte setzen hingegen die Rahmenbedingungen – die für sie durch Arbeitsverdichtung, Technisierung und Stärkung formaler Strukturen gekennzeichnet sind – konsequent ins Verhältnis zu ihrer als Idealzustand gedeuteten Differenzerfahrung von vor 20 bis 25 Jahren. Sie betrachten die heutige Defiziterfahrung vor dem Hintergrund eines Früher, in welchem Arbeitsorganisation und Deutungsmuster in einem vermeintlich besseren Passungsverhältnis standen, das die Bewältigung situationsbezogener Kontingenz umfassend, d.h. das erfolgreiche Verwirklichen beider Imperative ermöglichte:

„Was sich auch verändert hat, ist das hierarchische Denken, das habe ich also vor 20 Jahren, was die Ärzte angeht, nicht so erlebt. Also früher war unser Chef der Professor [Name], das war eine sehr zugewandte Persönlichkeit, also nicht nur zu seinen Patienten, sondern der war der Vater für alle. Und der hat alle Namen gekannt, der hat uns immer persönlich begrüßt, er kam jeden Nachmittag auf Station und hat gefragt, ob es irgendwelche Probleme gibt, und wenn man gesagt hat: ‚Die Patientin weint heute schon den ganzen Tag‘, und dann ist der einfach zur Patientin und konnte die Welt wieder in Ordnung bringen. Und so etwas fehlt total und wenn natürlich ein Chef so etwas nicht vorlebt, lernen es die jungen Ärzte auch nicht.“

äG-III

Das Krankenhaus stellte sich als eine ausgehandelte Ordnung zwischen einer – idealtypisch gesprochen – paternalistischen Medizin und einer mütterlichen Pflege dar, in der sich die Pflege um das Patientenwohl ebenso zwischenmenschlich wie medizinisch-technisch kümmern konnte. Kam es dabei zu Störungen, konnte der charismatische Chefarzt „die Welt“ – über die er damals noch unbeschränkt verfügte – wieder in Ordnung bringen und damit zugleich als väterliches Vorbild dienen.

In der Perspektive älterer Pflegekräfte hat sich mit der betriebswirtschaftlichen Re-Organisation der Arbeit, dem Bedeutungsgewinn von formalen Hierarchien und der expliziten Trennung von Statusgruppen diese ausgehandelte Ordnung aufgelöst. Während die Ärzteschaft sich diesem Wandel angepasst hat, ist die Pflege weiterhin dieser Ordnung verpflichtet, in der sie zwar allzuständig war, aber durch die leitenden Ärzte die notwendige Unterstützung fand. Dieser strukturelle Unterbau des tradierten Deutungsmusters ist heute entfallen. Die ältere Generation hält aber nicht nur normativ am Imperativ der praktizierten Zwischenmenschlichkeit fest, sondern versucht ihn auch weiterhin praktisch zu verwirklichen; im Zweifel auch auf Kosten der eigenen Person.

Es kommt in der jüngeren Generation zwar ebenso zu Gewissensstress, aber als schützende Gegenreaktion gleichzeitig zu einer verstärkten Selbstzuschreibung als Arbeitnehmer, der gegenüber dem Krankenhaus neben Dienstpflichten auch Rechte hat. Der potenzielle Ausweg, sich an den normativen Gehalten des berufspolitischen Diskurses über die Professionalisierung der Pflege zu orientieren und eine funktionale Grenzziehung zu anderen Berufs- und Statusgruppen im Krankenhaus vorzunehmen, wird nicht wahrgenommen. Vielmehr steht der praktische Erwerb beruflicher Kompetenz im Vordergrund, um „[s]einen Marktwert zu steigern“ (jG-V), wenngleich immer noch bei der Arbeit mit dem Patienten normativ gilt: „Ich würde sehr gerne anders handeln“ (jG-V), aber die Bedingungen dafür sind im heutigen Kontext der Organisation Krankenhaus nicht gegeben.

7 Zusammenführung und Erklärung der Befunde

Das pflegerische Selbstverständnis im Krankenhauskontext bezieht sich auf ein institutionalisiertes Wissen, das Pflege als Indienstnahme für die Belange Anderer versteht. Es stellt einen Hybrid aus säkularisierten und tätigkeitsbezogenen medizinberuflichen Deutungsmustern dar. Im Generationenvergleich zeigte sich, dass der Imperativ der Zwischenmenschlichkeit zwar als normative Forderung erhalten bleibt, aber durch die Organisation Krankenhaus systematisch an seiner Verwirklichung gehindert wird. Doch warum reproduziert sich dieses Deutungsmuster, das auf eine vergangene Ordnung des Krankenhauses ausgerichtet ist? Warum ändern sich die Wissensbestände, die Krankenhauspflege definieren, nicht grundlegend vor dem Hintergrund der wahrgenommenen Bedingungen in der Organisation Krankenhaus? Und warum haben berufspolitische Professionalisierungsbemühungen und Akademisierung des Führungspersonals scheinbar keinen Einfluss auf das pflegerische Selbstverständnis?

Erklären lässt sich dies über den Mechanismus der Weitergabe und Internalisierung beruflicher Wissensbestände, und zwar sowohl in der theoretischen (Becker u.a. 2016) als auch in der praktischen Ausbildung vor Ort. In der Analyse des pflegerischen Selbstverständnisses stellte sich heraus, dass Pflege als ein Konglomerat von Wissensbeständen betrachtet wird, das konkret am Vorbild in der Praxis zu erlernen ist. Diese Form des erfahrungsbasierten Lernens ist nicht beliebig, sie lässt sich auch nicht einfach durch berufs- oder hochschulischen Erwerb theoretischen Wissens ersetzen. Beide Praxisformen des pflegerischen Selbstverständnisses, der Dienst am Patienten als Menschen und in der Funktion der Schnittstelle als kreative Problemlöseinstanz, sperren sich systematisch gegen eine Theoretisierung. Die anhaltend quasi-familiäre Sozialisation in Pflegeteams führt auf der Handlungsebene zur Reproduktion des Deutungsmusters.

Darüber hinaus hat praktisches Wissen stets Vorrang gegenüber der Anwendung wissenschaftlichen Wissens, da berufliche Sozialisation und traditioneller Orientierungsrahmen eng zusammenhängen (Gerlach 2016) und sich im Krankenhaus Primärsozialisierte nur schwer vom organisationalen Handlungsdruck befreien können. Veränderung von bewährten Routinen und Hinterfragen von Erfahrungen durch wissenschaftliches Wissen würde die Komplexität der Problemlagen weiter erhöhen. Pflege via Einführung wissenschaftlicher Grundlagen in die Berufsausbildung zu professionalisieren stößt sich also nicht nur an den intersubjektiven Prozessen der Identitätsbildung, sondern wird durch den organisationalen Kontext moderiert. Krankenhauspflege wird durch den Kontext, der in den letzten 15 bis 20 Jahren eine massive Rationalisierung und parallel eine Konzentration auf das „Kerngeschäft“ erfahren hat, auch auf der Ebene des beruflichen Selbstverständnisses zunehmend in die Rolle des Erfüllungsgehilfen gedrängt bzw. in ihr gehalten (Bode/Vogd 2016; Kühn/Klinke 2006).

So lassen sich auch die skizzierten Wandlungsprozesse erklären. Pflege bewegt sich damit auf der Ebene der Pflegepraxis tendenziell hin zu einem medizinischen Beruf, in dem entlang vorgegebener Sinnselektionen anderer Berufsgruppen tätigkeitsorientiert und basierend auf Erfahrungs- und Routinewissensbeständen betrieblich-organisiert gearbeitet wird. Die anerkennende Fremdzuschreibung als erfolgreiche kreative Problemlöseinstanz wird tendenziell zur zentralen Selbstzuschreibung im pflegerischen Selbstbild. Es löst sich zunehmend von seinen religiösen vorberuflich-ethischen Grundlagen (Kumbruck 2014) und fügt sich funktional in das System der Krankenbehandlung ein (Zander u.a. 2014).

Das Krankenhaus bleibt damit professioneller Ort der Ärzteschaft. Die Pflege findet derzeit im Krankenhaus keinen Raum, an dem sie sich als Profession – insbesondere durch eigenständige wissenschaftliche Anstrengung und Forschung – ausbilden und verstetigen könnte.

8 Reflexion der Ergebnisse anhand klassischer Professionsmerkmale

Stellt man abschließend die Ergebnisse klassischen Professionsmerkmalen gegenüber, dann zeigt sich, dass der Zentralwert von Krankenhauspflege unverändert im Sorgen und Kümmern besteht. Hier entsteht auch das bekannte Dilemma, welches aus der Erwartung an emotionale Neutralität folgt (Parsons 1958). Aber die aus der christlichen Tradition stammende Deutung des fürsorgenden Dienstes am Nächsten weist aufgrund ihrer Universalität noch einen protoprofessionellen Kern auf. Die Organisation Krankenhaus blockiert jedoch eine Sublimierung dieses Zentralwertes in Richtung Profession. Durch diesen Geltungsverlust muss in Bezug auf dieses Merkmal von verhinderter Professionalisierung gesprochen werden.

Eine fallbezogene funktionale Spezifität erscheint ebenfalls nicht gegeben. Die Rolle der Pflege wird im Krankenhaus unspezifisch wahrgenommen, ohne Anwendung abstrakter Wissensbestände. Pflegende sind zwar in der Rolle von Experten für die Aufrechterhaltung des Krankenbehandlungssystems, aber sehr eng durch die Fallorientierung der Medizin gebunden.

Statt Kollektivitätsorientierung herrscht eine partikulare Orientierung am System der stationären Krankenbehandlung vor. Pflege kommt dabei nicht mit anderen institutionalisierten Ordnungen in Konflikt, sondern ermöglicht, die zum Teil divergierenden institutionalisierten Ordnungsprinzipien im Krankenhaus von Medizin, Verwaltung und Wirtschaftlichkeit (Vogd 2017) kreativ zu koordinieren und damit das System der Krankenbehandlung aufrecht zu erhalten.

Darin lässt sich daher auch keine Wahrnehmung umfangreicher Handlungsautonomie erkennen. Pflegekräfte deuten Pflege nur insoweit als autonom, als dass sie die Zuarbeit zur medizinischen Leistung organisieren. Neben der Begleitung bei existentiellen Krisen sind Pflegende im Management der krisenförmigen Organisation der Krankenbehandlung aktiv.

Zwar besteht eine ausgeprägte Leistungsorientierung, jedoch ist diese bezogen auf die Anerkennung durch andere Berufsgruppen und den Patienten und gerade nicht auf den Erhalt gesellschaftlichen Prestiges ausgerichtet.

Die Ergebnisse weisen damit auf vertiefende Fragen und auch Limitationen der Studie hin: Die Untersuchung konnte qua Design (1) keine Aussagen darüber treffen, ob die empirisch vorfindbare Pflegepraxis als professionelle Handlungsform zu betrachten ist. Es konnte jedoch gezeigt werden, dass die Bestrebungen zur Professionalisierung auf der Makro-Ebene sich derzeit noch nicht auf das berufliche Selbstverständnis Pflegender im Krankenhaus niedergeschlagen haben. Es ist (2) möglich, dass der Einfluss institutioneller Professionalisierungsbemühungen sich erst in nachfolgenden Generationen zeigt. Die Erhebung wurde (3) im Kontext eines Universitätsklinikums als Hochburg ärztlicher Forschung und Behandlung durchgeführt. Pflegekräfte könnten hier in besonderem Maße ärztlichen Sinnselektionen unterworfen sein. Es erscheint daher (4) aussichtsreich, das pflegerische Selbstbild im ambulanten Sektor in den Blick zu nehmen, da hier vergleichsweise stärker die Bedingungen gegeben sein könnten, autonomes Pflegehandeln jenseits ärztlicher Sinnselektionen zu ermöglichen. Die Erhebung erfolgte (5) zwar an unterschiedlichen Kliniken, aber lediglich an einem öffentlich getragenen Großkrankenhaus. Eine Variation von Trägerschaft und Größe könnte das Ergebnis weiter spezifizieren.

Es konnte zusammenfassend gezeigt werden, wie stark der Praxiskontext Krankenhaus prägend ist. Traditionelle Elemente, wenn auch im Wandel begriffen – wie der Generationenvergleich zeigt –, werden im organisationalen Kontext offenbar konserviert, und der institutionelle Wandel auf der Ebene von Politik und Studiengängen sowie zum wissenschaftlichen Verständigungsprozess zu Pflege als Profession (vgl. Abschnitt 2) schlagen nicht auf die Ebene der Pflegepraxis im Krankenhaus und des von den Pflegepraktikern aktualisierten Wissens durch. Daran zeigt sich, dass die derzeitige Akademisierung nicht hinreicht, um das gesellschaftlich dringliche Problem der Professionalisierung der Pflege zu lösen. Solange traditionelle Pflegeverständnisse reproduziert werden, bleibt der Effekt von Professionalisierungsbemühungen auf das berufliche Selbstverständnis gering. Es bedarf einer Aufdeckung der in der Pflege geteilten Annahme, dass die Aufrechterhaltung des traditionellen Ethos wünschenswert ist und die Folgen der Reorganisation kompensieren könnte. Mit der Institutionalisierung eines neuen Pflegeverständnisses muss zugleich auch eine explizite De-Institutionalisierung traditioneller Wissensbestände vollzogen werden, denn diese erscheinen als eine zentrale Grundlage dafür, dass Pflege als Beruf und nicht als Profession an Bedeutung gewinnt. Gegenwärtig aber stehen die weitreichenden Veränderungen auf der Ebene der Institutionen dem Praxiskontext der Organisation Krankenhaus noch unversöhnlich gegenüber.

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Footnotes

  • 1

    Aus Gründen der Lesbarkeit wurden Zitate – soweit ohne Sinnverzerrung möglich – sprachlich geglättet. Die Kürzel äG und jG bezeichnen die ältere bzw. jüngere Generation. 

About the article

Published Online: 2018-11-14

Published in Print: 2018-09-25


Citation Information: Arbeit, Volume 27, Issue 3, Pages 191–212, ISSN (Online) 2365-984X, ISSN (Print) 0941-5025, DOI: https://doi.org/10.1515/arbeit-2018-0017.

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