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at - Automatisierungstechnik

Methoden und Anwendungen der Steuerungs-, Regelungs- und Informationstechnik

[AT - Automation Technology: Methods and Applications of Control, Regulation, and Information Technology
]

Editor-in-Chief: Jumar, Ulrich


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2196-677X
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Volume 67, Issue 3

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Werner Leonhard – Pionier der digitalen Antriebstechnik – Ein Nachruf

Walter Schumacher
Published Online: 2019-03-01 | DOI: https://doi.org/10.1515/auto-2019-0004

Professor Werner Leonhard verstarb am 16. November 2018 in Braunschweig im Alter von 92 Jahren. Für die Regelung elektrischer Antriebe hat er Entscheidendes geleistet; sein Name ist mit der Feldorientierten Regelung und ihrer digitalen Implementierung [1] weltweit eng verbunden. Er hat sein Fachgebiet über viele Jahre geprägt und war ein hoch motivierender Hochschullehrer und Doktorvater.

Nach dem Studium an der TH Stuttgart, gefördert durch die „Studienstiftung des deutschen Volkes“, promovierte er ebenfalls in Stuttgart und ging anschließend direkt in die USA zur Firma Westinghouse Electric Corporation in Pittsburgh. Bei seiner Rückkehr 1958 nach Deutschland zu den Siemens-Schuckert-Werken in Erlangen brachte er ausgezeichnete englische Sprachkenntnisse und Praxiserfahrung in der Regelung von elektrischen Antrieben mit. An seiner neuen Wirkungsstätte beschäftigte er sich mit der Regelung von Papiermaschinen, Registerregelungen, Walzwerken und Werkzeugmaschinen, damals schon mit digitaler Impulsschaltungs- und Rechentechnik, allerdings diskret aufgebaut.

Im Jahre 1963 kam der Ruf an die TH Braunschweig auf die Professur für Regelungstechnik im gleichnamigen Institut, dem er im Alter von 36 Jahren folgte. Zunächst war das Institut in Altbauten untergebracht, in denen vieles improvisiert werden musste. Das Institut entwickelte sich nach einem Umzug in moderne Räumlichkeiten mit einem großen Maschinenlabor ab 1974 schnell und wuchs durch viele eingeworbene Drittmittel von der Industrie und in großem Umfang auch von der DFG. Das Institut für Regelungstechnik bildete dabei stets Professor Leonhards Schaffenszentrum. Er bekam großen Zulauf von den Studierenden, so dass nach kurzer Zeit überproportional viele Elektrotechnik-Studierende ihre Abschlussarbeit im Institut machten, gemessen am Anteil der von der Fakultät gewährten Landesmittel. Der große Zuspruch lag sicher auch an der Tatsache, dass Professor Leonhard am Institut ein außerordentlich gutes Arbeitsklima geschaffen hatte, das durch hohe Fachkompetenz, Sachorientierung, eine sehr offene Atmosphäre – mit offenen Türen, auch im übertragenen Sinne – und freundschaftliche Zusammenarbeit gekennzeichnet war sowie an seiner ausgezeichneten Lehre.

Seine Vorlesungen hielt Professor Leonhard stets völlig frei ohne jegliche Notizen oder Skript, auch komplizierteste Formeln schrieb er auswendig an die Tafel. Dabei verwendete er immer „p“ als Laplace-Variable und bestand darauf, die Zeit im Unterschied zu allen anderen Variablen nicht zu normieren, was dann dazu führte, dass in Formeln beispielsweise zur Faltung eben 1 s neben anderen, durch Formelzeichen abgebildeten, allgemeinen Variablen auftauchte. Seine Vorlesungen wurden in 8 Lehrbüchern veröffentlicht. Ab Mitte der siebziger Jahre wurden am Institut Mikrorechner und Signalprozessoren zur Regelung vorrangig von Antrieben und Steuerung ihrer Leistungselektronik eingesetzt; diese Innovation verhalf der Feldorientierten Regelung zum Durchbruch für einen weiten Praxiseinsatz. Sein Buch „Control of Electrical Drives“ machte Professor Leonhard weltweit bekannt.

Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den IEEE Eugene Mittelmann Award, die Ehrenpromotion der Freien Universität Brüssel, IEEE Life Fellow und den IEEE Newell Award. Er war Träger des Ehrenrings des VDE und in den Jahren 1996/97 Inhaber der Heinrich Hertz Gastprofessur der Universität Karlsruhe. Zusammen mit Prof. Gaston Maggetto, Prof. Hansruedi Bühler, Prof. John Murphy und Prof. Rex Davis gehörte er 1985 zum engeren Kreis der Gründungsmitglieder der Europeean Conference on Power Electronics and Applications (EPE) und war General Chair der EPE89 in Aachen und EPE Präsident von 1993 bis 1995.

Nach seiner Emeritierung im Jahre 1993 widmete Professor Leonhard sich weiterhin wissenschaftlicher Arbeit, nutzte sein Emerituszimmer am Institut fast täglich und arbeitete vorrangig an Themen der Energieversorgung. Er prophezeite schon in den neunziger Jahren, als alle Welt nur von Dot-Com und Mobilkommunikation redete, dass spätestens 2010 die Energieversorgung wieder in den Blickpunkt rücken würde. Er hatte Recht.

In dieser Zeit übernahm er für einige Jahre die Präsidentschaft der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft. Auch hier und in zahlreichen Aktivitäten für ingenieurwissenschaftliche Fachgesellschaften trug er bis ins hohe Alter auf Konferenzen und Symposien seine Erfahrungen in Vorträgen zu Energiethemen vor. Er promovierte noch einzelne Doktoranden, so dass insgesamt über 600 Diplomarbeiten und 90 Doktoranden über die Jahre an der Technischen Universität Braunschweig von ihm betreut wurden. 2006 nahm er anlässlich seines 80. Geburtstags mit einem eigenen, eloquenten Beitrag an einem Kolloquium des Instituts für Regelungstechnik teil, das von zahlreichen ehemaligen Schülern und Doktoranden besucht wurde. Als dann 2008 die zweite Professur am Institut fest installiert wurde, nahm er dies zum Anlass, sich mit etwas über 80 Jahren in sein Privatleben zurückzuziehen, renovierte das Haus seines Großvaters in Wilchenreuth in der Oberpfalz, wo er gern einige Wochen im Jahr verbrachte. Im Heimat-Ort seiner Vorfahren wurde er beigesetzt.

Seinen Studierenden und Doktoranden war er ein hoch motivierender, engagierter Lehrer und Doktorvater. Weltweit war er ein hoch geschätzter Wissenschaftler, der dank seiner gelebten Integration wissenschaftlicher Theorie und praktischer Anwendung viele Innovationen vorangetrieben hat. Viele seiner Doktoranden haben als Hochschullehrer seine Denkweise weitergetragen. Wir werden unserem verehrten akademischen Inspirator Prof. Dr.-Ing. Dr. h. c. Werner Leonhard ein ehrendes Andenken bewahren.

Literatur

  • 1.

    Werner Leonhard (1991) 30 Years Space Vectors, 20 Years Field Orientation, 10 Years Digital Signal Processing with Controlled AC-Drives, a Review (Part 1), EPE Journal, 1:1, 13–19, DOI: . CrossrefGoogle Scholar

About the article

Received: 2019-01-09

Accepted: 2019-01-17

Published Online: 2019-03-01

Published in Print: 2019-03-26


Citation Information: at - Automatisierungstechnik, Volume 67, Issue 3, Pages 270–271, ISSN (Online) 2196-677X, ISSN (Print) 0178-2312, DOI: https://doi.org/10.1515/auto-2019-0004.

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© 2019 Schumacher, publiziert von De Gruyter. This work is licensed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 License. BY-NC-ND 4.0

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