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Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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ISSN
2194-9646
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Volume 47, Issue 10

Issues

Linked Heritage – ein europäisches Projekt

Linked Heritage – an European project

Petra Mensing
Published Online: 2013-10-05 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2013-0087

Zusammenfassung:

Das Hauptziel des EU-Projektes Linked Heritage1 war die Einspielung von 3 Millionen neuen Datensätzen in die Europeana. Die 38 Projektpartner kamen aus 20 europäischen Ländern plus Israel und Russland. Die Technische Informationsbibliothek (TIB) Hannover stellte für dieses Projekt Metadaten aus dem Kompetenzzentrum für nichttextuelle Materialen sowie aus dem Bereich Forschungsdaten bereit und war an drei der sieben Arbeitspakete2 beteiligt.

Abstract:

The main goal of the EU project Linked Heritage was the contribution of 3 million items of new content to Europeana. The consortium included representatives 38 stakeholder groups from 20 EU countries, together with Israel and Russia. In this context TIB Hanover provided metadata from the Competence Center for Non-Textual Materials and of scientific datasets and was involved in three of the seven work packages.

Schlüsselwörter: : Europeana; kommerzielle Metadaten; Mint (Aggregationsplattform)

Keywords: : Europeana; commercial metadata; Mint (aggregation tool)

Linked Heritage war eine direkte Fortsetzung des ATHENA-Projektes3 und seiner Vorgänger, die jeweils zum Ziel hatten, Inhalte der verschiedenen Sektoren des kulturellen Erbes zusammenzubringen und in der Europeana zu bündeln. Es nutzte die daraus entstandenen Netzwerke, Partnerschaften, Standards und Technologien, um diese qualitativ weiter zu entwickeln. Gegenüber den Vorgängerprojekten wurde im Rahmen von Linked Heritage neben den Metadaten aus der öffentlichen Hand auch das Potential kommerzieller Metadaten untersucht.

Stellen wir uns vor, ein Nutzer sucht in der Europeana das Bild Meisje met de Parel 4 von Vermeer und fände in der Anzeige eine Relation zum Film Girl with the Pearl Earring 5 . Die Metadaten des Films wiederum könnten auf das Bild The Lamentation of Christ by Saints Mary and John 6 verlinken, das in einer Szene des Films gezeigt wird und dessen Original Vermeer besessen haben soll (vgl. Abb. 1).

Abb. 1: Potentielle Verknüpfung kommerzieller und historischer Objekte in der Europeana mittels kommerzieller Metadaten.

Durch die Verknüpfung der Metadaten von Materialien des 20. und 21. Jahrhunderts mit Europeana-Einträgen des kulturellen Erbes können sich Verbindungen ergeben, die ansonsten zwischen zeitgenössischen und historischen Objekten nicht ohne Weiteres sichtbar wären. Metadaten des kommerziellen Sektors sind im Allgemeinen sehr reichhaltig und strukturiert, die Einspielung dieser Daten würde daher eine Bereicherung der Europeana darstellen. Darüber hinaus enthalten kommerzielle Metadaten meist zusätzliche Materialen wie bspw. Digitalisate von Titelblättern, Inhaltverzeichnisse, Auszüge oder ausgewählte ganze Kapitel, Reviews, Kritiken, Hörproben, Trailer usw. Obwohl diese Zusätze in erster Linie für die Vermarktung gedacht sind, stellen sie für die Europeana trotzdem wertvolle Informationen in Bezug auf ein tieferes Verständnis des kulturellen Objektes dar. So kann z. B. ein Filmtrailer die Handlung eines Filmes schneller und direkter vermitteln, als es Schlagworte und eine Beschreibung vermögen.

Kommerzielle Produkt-Metadaten unterscheiden sich signifikant von den Metadaten kultureller Objekte, denn kommerzielle Metadaten sind keine Daten eines Repositorys, sondern stellen vielmehr Nachrichten zwischen Partnern dar. Sie werden regelmäßig aufgrund rechtlicher Aspekte oder aus Marketinggründen aktualisiert (z. B. Preise, Verfügbarkeit, Veränderungen der Beschreibung oder der enthaltenen Links). Das Erstellen und Aktualisieren dieser Metadaten ist zeit- und kostenintensiv. Die Anreicherung und der Verkauf von Metadaten (auch an öffentliche Einrichtungen) stellt dementsprechend ein Geschäftsmodell dar.

Im Rahmen des Arbeitspaketes „Public Private Partnership“ sind Metadaten und Schemata aus den Bereichen Foto, Text, Musik und Video untersucht worden. Für jeden dieser Bereiche konnten jeweils spezifische Metadatenschemata und Identifier ermittelt werden. In Tabelle 1 sind die einzelnen Bereiche gegenübergestellt und um die entsprechenden Informationen aus dem Bibliotheksbereich und dem Projekt Athena ergänzt worden. Einige dieser Identifier und Schemata sind relativ neu und werden noch nicht flächendeckend eingesetzt (z. B. EIDR7 ), wogegen andere allgemein und weit verbreitet angewandt werden (z. B. ISBN8 ). Obwohl es durchaus Querverbindungen zwischen den vier Sektoren gibt, kann nur die ISNI9 als wirklich spartenübergreifender Standard bezeichnet werden, da diese bspw. die Verknüpfung von Produkten desselben Autors in verschiedenen Sektoren ermöglicht. Im Bericht Best practice report – Public Private Partnership 10 ist jeder der in Tabelle 1 genannten Standards detailliert beschieben worden.11

Tab. 1: Meistverwendete Metadaten-Schemata und Identifier der vier untersuchten Sektoren, ergänzt um den Sektor Bibliothek und das Projekt Athena.

Die vier beispielhaft angeführten public private partnerships entstammen dem Buch- (Gallica 2 und ENCLAVE) bzw. Filmsektor (Ximon und FindAnyFilm). ENCLAVE war eine Kooperation der spanischen Nationalbibliothek mit der spanischen Buchhandelsvereinigung und verwendete DILVE (ein spanisches books-in-print repository) als Quelle für Metadaten copyrightgeschützter Bücher für den Online-Katalog. Außerdem waren Links zu den jeweiligen Verlagswebseiten enthalten, die entsprechende Kaufoptionen ermöglichten. ENCLAVE verblieb jedoch im Projektstatus und endete 2010. Seither werden keine neuen Einträge mehr eingespielt, bestehende Links zu kommerziellen Anbietern werden nicht weiter gepflegt. Im Gegensatz dazu hat sich Gallica 212 als Service der französischen Nationalbibliothek etabliert.

FindAnyFilm13 ist ursprünglich als Vertriebsinitiative des UK Film Council entstanden und derzeit eine der führenden Filmsuchmaschinen in Großbritannien. Es aggregiert filmographische Informationen, enthält Links zu Kaufoptionen (Blu-Ray, DVD usw.) und bietet Metadaten bspw. zu Mitwirkenden, Laufzeit, Genre. XIMON14 ist ein Angebot des Dutch Film Institute und der Dutch Feature Film Association, das sowohl den Zugriff auf alte Filme (Klassiker) sowie auf aktuelle holländische TV-Serien, Dokumentationen und (internationale) Spielfilme ermöglicht.

Linked Heritage war nicht das erste Projekt, das kommerzielle Metadaten in die Europeana integriert hat. Bereits durch das Europeana Connect Projekt15 sind kommerzielle Audio-Inhalte mit Hilfe der DISMARC-Plattform16 in die Europeana eingespielt worden. Als weitere Beispiele sind hier noch Europeana Libraries17 , European Film Gateway18 und EU Screen19 zu erwähnen. Eine Auswahl der verschiedenen Europeana-Projekte gibt Tabelle 2 wieder. Im Gegensatz zu diesen, für bestimmte Datenbereitsteller konzipierten Projekten verfolgte Linked Heritage jedoch den Ansatz, eine Masseneinspielung kommerzieller Metadaten aus verschiedensten Bereichen (Buch, Musik, AV, Foto) zu ermöglichen. Dieser Ansatz war fundmental neu.

Tab. 2: Übersicht verschiedener Europeana-Projekte.

Europeana bietet nur indirekten Zugriff auf Objekte des kulturellen Erbes. Statt der Sammlung der eigentlichen Objekte werden nur die Metadaten von lokalen Bereitstellern oder über nationale bzw. sektorale Aggregatoren verzeichnet. Daher wird besonders Wert auf die korrekte Rechteangabe zu den Metadaten und dem digitalen Objekt bzw. Digitalisat gelegt. In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass mit Wirkung zum 1. Juli 2012 das geänderte DEA20 der Europeana in Kraft getreten ist. Alle an die Europeana gelieferten deskriptiven Metadaten werden seitdem von dieser unter der CC0 1.0 Public Domain Lizenz Dritten zur Nutzung zur Verfügung gestellt. Davon betroffen sind jedoch nur die textuellen Daten, Vorschaubilder behalten die ihnen vom Lieferanten beigefügten Rechte.

Durch die Bereitstellung der Daten unter der CC0 1.0 Public Domain Lizenz verlieren Datenbereitsteller sämtliche Rechte an den in der Europeana sichtbaren Metadaten. Dies verursacht einen potentiellen Kontrollverlust und könnte dazu führen, dass kommerzielle Metadatenlieferanten davor zurückschrecken, ihre Daten zur Verfügung zu stellen. Metadatenlieferanten können bspw. nicht mehr beeinflussen, in welchem Kontext ihre Daten von Dritten gebraucht werden. Vorstellbar sind auch ein Reputationsverlust durch unsachgemäße oder betrügerische Nutzung der Daten durch Dritte sowie der Verlust der Sichtbarkeit der geleisteten Arbeit des Datenlieferanten. Darüber hinaus kommt es zur Beeinflussung des Geschäftsmodells des kommerziellen Metadatenlieferanten. Welche Auswirkungen die Änderung des DEA tatsächlich auf die Bereitstellung bzw. auf den Umfang der Bereitstellung kommerzieller Metadaten hat, wurde im Bericht Specification of legal/licensing environment 21 untersucht.

Während der erste Bericht Best practice report – Public Private Partnership die wichtigsten Metadaten der einzelnen Sektoren beschrieben hat, war es Aufgabe des zweiten Berichtes Specification of the technologies chosen 22 zu untersuchen, wie die Einspielung kommerzieller Metadaten konkret funktionieren könnte. Stellvertretend ist dafür das Mapping für Onix for books 3.023 zu LIDO24 erstellt worden, darüber hinaus aber auch Mappings von DDex25 , EIDR und IPTC26 zu LIDO, die mit Hilfe der verschiedenen Expertengruppen entwickelt wurden.

Als Aggregationsplattform diente jeweils MINT27 , ein Tool, das auch in diversen weiteren Europeana-Projekten verwendet wird. Um ein vollständiges Mapping mithilfe des MINT-Tools abbilden zu können, sind sogenannte Testdaten verwendet worden. Diese Daten waren nicht zur Weitergabe an die Europeana vorgesehen, sondern sollten lediglich die Potentiale eines vollständigen Mappings aufzeigen. Darüber hinaus diente MINT auch allen Daten bereitstellenden Partnern als Mapping- und Übertragungsplattform. Jede Institution erstellte ihre Metadaten in dem ihr eigenen Metadatenformat und lud diese in MINT hoch (vgl. Abb. 2).

Abb. 2: Import Fenster des MINT-Tools (Quelle: http://mint.image.ece.ntua.gr/redmine/projects/mint/wiki/Import_data ).

Das jeweilige Format konnte anschließend durch drag and drop in das Aggregationsformat LIDO gemappt werden (siehe Abb. 3). Hierfür standen umfangreiche Dokumentationen zur Verfügung sowie ein eigens für Linked Heritage eingerichteter Helpdesk. Nach erfolgreicher Fertigstellung mussten Daten noch transformiert und freigegeben werden. Das Mapping von LIDO zu ESE war bereits hinterlegt und erfolgte im Anschluss automatisch durch die Europeana.

Abb. 3: Mapping Fenster in MINT (Quelle: http://mint.image.ece.ntua.gr/redmine/projects/mint/wiki/Mappings).

Jeder Datenbereitsteller hatte vor der Freigabe seiner Daten an die Europeana die Möglichkeit zwischen vier verschiedenen Bereitstellungsvarianten zu wählen (Abb. 4):

Abb. 4: Auswahlfenster vor der endgültigen Freigabe der Metadaten.

  • CC0 – Mandatory only → Nur die Pflichtfelder wie bspw. lido:titleSet (=dc:title), lido:objectWorkType (=dc:type) oder lido:rightsResource (=europeana:rights) werden an die Europeana weitergegeben.

  • CC0 – No descriptions CC0 → Weitergabe aller Felder außer lido:description

  • CC0 → Weitergabe aller Felder.

  • Use value from mappings → Weitergabe unter den im Feld recordRights angegebenen Bedingungen.

Die TIB hat im Rahmen dieses Projektes mehrere tausend Metadatensätze von 3D-Modellen, AV-Medien und Forschungsdaten zur Verfügung gestellt. Hierbei handelte es sich ausschließlich um Metadatensätze, die unter einer CC0-Lizenz weitergegeben werden durften.

Abb. 5: Von der TIB bereitgestellter Datensatz einer Vorlesungsaufzeichnung (Quelle: http://www.europeana.eu/portal/search.html?query=DWs+in+Praxis%2803.02.2011 %29&rows=24).

Footnotes

  • Projekthomepage: http://www.athenaeurope.org/[Zugriff: 13. August 2013]. 

  • http://www.europeana.eu/portal/record/92034/6BD59765E7734AA666431F3021063CA1E3A1D026.html?start=8&query=Meisje+met+de+Parel [Zugriff: 13. August 2013]. 

  • http://www.findanyfilm.com/Girl-With-A-Pearl-Earring~18722 [Zugriff: 13. August 2013]. 

  • http://www.kunst-fuer-alle.de/index.php?path=%2Fenglish%2Ffine-art%2Fartist%2Fimage%2Fpeter-paul-rubens%2F6193 %2F1 %2F117399 %2Fthe-lamentation-of-christ-by-st-mary-and-st-john%2Findex.htm&trafficstat=recentlyviewedfirst [Zugriff: 13. August 2013]. 

  • http://eidr.org/[Zugriff: 13. August 2013]. 

  • http://www.isbn-international.org/[Zugriff: 13. August 2013]. 

  • ISNI = International Standard Name Identifier; ISO 27729 http://www.isni.org/[Zugriff: 13. August 2013]. 

  • Der komplette Bericht ist online unter http://www.linkedheritage.org/getFile.php?id=283 [Zugriff: 13. August 2013]. Eine detaillierte Besprechung der in Tabelle 2 aufgeführten Identifier und Schemata kann dort ab Seite 51 nachgelesen werden. 

  • Vgl. Fußnote 10, Seite 6. 

  • http://gallica.bnf.fr/[Zugriff: 13. August 2013]. 

  • http://www.findanyfilm.com/[Zugriff: 13. August 2013]. 

  • http://www.ximon.nl/[Zugriff: 13. August 2013]. 

  • http://www.europeanaconnect.eu/[Zugriff: 13. August 2013]. 

  • http://www.dismarc.eu/[Zugriff: 13. August 2013]. 

  • http://www.europeana-libraries.eu/[Zugriff: 13. August 2013]. 

  • http://www.europeanfilmgateway.eu/[Zugriff: 13. August 2013] 

  • http://www.euscreen.eu/[Zugriff: 13. August 2013] 

  • DEA = Data Exchange Agreement; http://pro.europeana.eu/web/guest/data-exchange-agreement [Zugriff: 13. August 2013]. 

  • http://www.linkedheritage.eu/getFile.php?id=490 [Zugriff: 13. August 2013]. 

  • http://www.linkedheritage.org/getFile.php?id=394 [Zugriff: 13. August 2013]. 

  • http://www.editeur.org/93/Release-3.0-Downloads/[Zugriff: 13. August 2013]. 

  • Lightweight Information Describing Objects http://www.lido-schema.org/schema/v1.0/lido-v1.0-specification.pdf [Zugriff: 13. August 2013]. 

  • http://www.ddex.net/[Zugriff: 13. August 2013]. 

  • http://www.iptc.org/site/Home/[Zugriff: 13. August 2013] 

  • MINT = Metadata Interoperability Services; http://mint.image.ece.ntua.gr/redmine/projects/mint/wiki [Zugriff: 13. August 2013]. 

About the article

Petra Mensing

Dr. Petra Mensing

TIB Hannover

Welfengarten 1B

30167 Hannover


Published Online: 2013-10-05

Published in Print: 2013-10-25


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 47, Issue 10, Pages 742–750, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2013-0087.

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© 2013 by Walter de Gruyter Berlin Boston. This work is licensed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 3.0 License. BY-NC-ND 3.0

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