Jump to ContentJump to Main Navigation
Show Summary Details
More options …

Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Gerlach, Annette / Koelges, Barbara

12 Issues per year

Online
ISSN
2194-9646
See all formats and pricing
More options …
Volume 47, Issue 6

Issues

F.A.Z.-Rezensionen als Kataloganreicherung im Katalog des GBV

Ein Best-Practice-Beispiel

F.A.Z. Book Reviews for Catalogue Enrichment Purposes in the Catalogue of GBV

A Best Practice Example

Reiner Diedrichs / Corinna Cramer
Published Online: 2013-06-14 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2013-0043

Zusammenfassung:

Der Beitrag beschreibt das automatisierte Verfahren zum Einsatz von Buchrezensionen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zur Kataloganreichung im GVK. Mit diesem Verfahren werden regelmäßig Buchrezensionen aus dem Datenbanksystem des FAZ-Archivs gezogen und den entsprechenden Einträgen im GVK zugeordnet. In dem Projekt ist es erstmals gelungen, bibliographische Angaben aus retrodigitalisierten Zeitungsinhalten zu extrahieren. Bisher wurden so die Jahrgänge 1949 bis 1974 mit ca. 20 000 Rezensionen bearbeitet.

Abstract:

The following article describes the automated procedure with which book reviews published in „Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)“ are used for catalogue enhancement within the co-operative cataloguing system of “Gemeinsamer Bibliotheksverbund GBV”. By means of this procedure reviews are regularly copied from the FAZ digital archives and assigned to the corresponding catalogue entry. For the first time bibliographic data could thus be extracted from retrodigitized newspaper content. Within the project, the issues published between 1949 and 1974 offering about 20,000 reviews have so far been dealt with.

Schlüsselwörter:: Kataloganreicherung; Rezension; Retrodigitalisierung; Frankfurter Allgemeine Zeitung; GVK

Keywords:: Catalogue enrichment; book review; retro digitization; Frankfurter Allgemeine Zeitung; GVK

1 Projektbeteiligte und Projektgegenstand

1.1 Der GBV

Der GBV ist der gemeinsame Bibliotheksverbund der sieben Bundesländer Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK). Sitz der Verbundzentrale des GBV (VZG) ist Göttingen. Die VZG ist Katalogisierungs- und Dienstleistungszentrum für über 450 wissenschaftliche und öffentliche Bibliotheken sowie für Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der beteiligten Länder und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Sie hat die Aufgabe, einen Rahmen für eine abgestimmte Bibliotheksautomation zu schaffen, neuartige Bibliotheks- und Informationsdienstleistungen zu entwickeln und deren Anwendung zu fördern.

Die VZG betreibt ein zentrales Verbundsystem als Basis für Katalogisierung, Online-Fernleihe und Dokumentlieferdienste. Der über das Internet frei zugängliche Gemeinsame Verbundkatalog (GVK) enthält mehr als 37,1 Mio. Titel mit über 89,2 Mio. Besitznachweisen aller relevanten bibliografischen Materialien. Die VZG unterstützt die Bibliotheken durch zentrale Bereitstellung ergänzender Dienstleistungen wie Aufsatzdatenbanken sowie verschiedene Spezialbibliografien. Die VZG ist Hosting-Partner in verschiedenen internationalen und nationalen Projekten, wie dem European Register Of Microform And Digital Masters (EROMM), der Biodiversity Heritage Library (BHL), der Altkartendatenbank (IKAR), dem Verzeichnis Deutscher Drucke des 17. Jahrhunderts (VD17) oder GBV-DigiCult, einer Datenbank zum Nachweis von digitalem Kulturgut und den DFG-geförderten Datenbanken mit Nationallizenzen.

Weitere Schwerpunkte sind Beratung und Koordinierung aller die bibliothekarische Arbeit im Verbund betreffenden Aktivitäten. Dazu gehören Einrichtung, Hosting, Betrieb und Support von fast 180 lokalen Bibliothekssystemen (LBS), die Betreuung eines zentralen LBS-Services für kleinere Bibliotheken, Hostingangebote für Anwendungen und Repositorien, Unterstützung von Forschungs- und Innovationsprojekten, Koordinierung von Konsortien sowie die Entwicklung neuer Dienstleistungen.

1.2 Das F.A.Z.-Archiv

Das F.A.Z.-Archiv, 1949 mit der Zeitungsgründung entstanden, begleitet seither das Erscheinen jeder neuen Ausgabe der Zeitung. Als Dienstleister für die Redaktion, die es mit zuverlässigen Fakten und Hintergrundberichten zu versorgen gilt, sichten, erschließen und recherchieren Fachdokumentare und Datenbankspezialisten täglich neben den eigenen Quellen und Publikationen die überregionale und internationale Tages- und Wochenpresse, Fachzeitschriften, Datenbanken, Bibliothekskataloge und Internetquellen.

Neben der dargestellten Informationsbeschaffung findet die Arbeit des Archivs aber auch direkten Eingang in die gedruckten Ausgaben der F.A.Z., der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sowie die Online-Ausgabe von FAZ.NET. Es erstellt Chroniken, historische Überblicke, recherchiert, ermittelt und berechnet Kennzahlen für Statistiken, Grafiken, Unternehmensporträts und Berichte über das Geschehen am Finanzmarkt.

Eine weitere und wichtige Aufgabe des Archivs ist zudem die Vermarktung der Inhalte der Print- und Online-Ausgaben im Rahmen von eigenen Informationsprodukten wie CD-ROMs, Hörbüchern und eBooks sowie Datenbankdienstleistungen, Rechten und Lizenzen.

1.3 Kataloganreicherungen

Internetshops und Online-Buchhandlungen haben es vorgemacht und bestücken seit Längerem schon ihre Produktseiten neben Produktabbildungen und -beschreibungen etwa durch Nutzerbeurteilungen oder Testergebnisse, um so den Kunden die Kaufentscheidung zu erleichtern. In Anlehnung daran werden seit einigen Jahren in Bibliotheken die bei der formalen und inhaltlichen Erschließung der Bücher gewonnenen Informationen durch ergänzende und beschreibende Elemente angereichert. Die ursprüngliche Titelaufnahme, die im Katalog die Existenz und den Standort eines Buches in einem bestimmten Bibliotheksbestand nachweisen und als Standard für dessen bibliografische Darstellung gelten soll, wird mehr und mehr erweitert durch andere Medien und Publikationen wie Inhaltsverzeichnisse, Abstracts, Coverabbildungen, Klappentexte und Internetlinks. Diese Anreicherungen des ursprünglichen Katalogs sind, wenn sie aus Text bestehen, vielfach über eine Volltextsuche durchsuchbar und bieten so einen zusätzlichen Rechercheweg, auf dem die gewünschte Publikation gefunden werden kann.

So kann dem Nutzer eines Bibliothekskatalogs die Entscheidung, ob ein im Katalog aufgeführtes Buch das richtige ist, erleichtert werden. Der Bestand der betreffenden Bibliothek wird effektiver genutzt und aufwändige und kostenintensive Fehlausleihen, lokal oder im Fernleihsystem, können vermieden werden.

Neben den oben genannten Elementen, die zur Kataloganreicherung genutzt werden, liegt es natürlich nahe, zu solchen ergänzenden und beschreibenden Inhalten auch Buchrezensionen hinzuzuziehen, da diese durch Abstraktion, Zusammenfassung und Bewertung eine gute Übersicht über das besprochene Buch ermöglichen. Bei Spezialinteressen stellt eine Buchbesprechung vielfach sogar die einzige verfügbare Sekundärliteratur dar.

2 Projektablauf

Seit der ersten Ausgabe der F.A.Z. vom 1. 11. 1949 sind ca. sechs Millionen Beiträge erschienen, unter denen sich über einhunderttausend Belletristik- und Sachbuchkritiken befinden, ein Bestand, der jährlich um etwa zweitausendfünfhundert weitere Beiträge anwächst. Diese Buchbesprechungen, deren Verfasser oft Fachwissenschaftler sind, zeichnen sich durch eine hohe Informationsdichte aus und stellen in komprimierter Form und allgemeinverständlich die wichtigsten Aussagen zum Inhalt, zur Fachkenntnis des Urhebers oder zur literarisch-künstlerischen Qualität einer Publikation zur Verfügung.

Die Idee zum Einsatz von F.A.Z.-Rezensionen zur Kataloganreicherung im GVK und deren Realisierung geht zurück ins Jahr 2008, und bereits seit dem zweiten Quartal 2009 wird der Katalog regelmäßig monatlich mit neuen Rezensionen aktualisiert.

Als 2010 das Projekt der Retrodigitalisierung der F.A.Z. von 1949 bis 1992 abgeschlossen wurde, lagen erstmalig alle Ausgaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung seit deren Bestehen in digitaler Form vor. Daraus entstand der Wunsch, auch die Buchbesprechungen aus diesen bis dahin noch nicht digital verfügbaren Jahren vor 1993 einzubinden. Dies stellte aus verschiedenen Gründen hohe Anforderungen an die formale und inhaltliche Erschließung der zurückliegenden Daten. Um diese zu verstehen, ist zunächst darzustellen, wie Buchrezensionen im laufenden Betrieb des F.A.Z.-Archivs und des GVK bearbeitet und integriert werden.

2.1 Bestand 1993 bis heute

Seit 1993 werden die Artikel der werktäglichen F.A.Z. und der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung täglich aus dem Redaktionssystem in das Datenbanksystem des F.A.Z.-Archivs importiert. Im Rahmen dieses Prozesses findet auch die formale Erschließung statt. Jeder Artikel erhält eine Dokument-ID, und es werden bibliografische Angaben wie Titel, Untertitel, Autor, Erscheinungsdatum und Seitenzahlen erfasst sowie die Angaben zum Ressort und zu ergänzenden Inhalten wie Fotografien, Grafiken oder Tabellen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass auch das Merkmal des sogenannten Artikeltyps bereits an dieser Stelle vergeben wird. Der Artikeltyp gibt ersten Aufschluss über den Inhalt und die Gestaltung eines Beitrags. Hier wird unterschieden nach Interviews, Meinungsartikeln, Chroniken, Spielberichten, Produktberichten, Reiseberichten, Hintergrundartikeln, Leserbriefen, Nachrichten, Sportergebnissen und Rezensionen. Die Rezensionen werden noch einmal nach dem Gegenstand unterteilt, auf den sie sich beziehen, wie beispielsweise Theater-, Ballett- oder Musikaufführungen, Musik-CDs, Kinofilme und eben Belletristik- und Sachbuchbesprechungen.

Die aus dem Redaktionssystem gewonnenen und um die Formaldaten angereicherten Beiträge werden anschließend im F.A.Z.-Archiv durch die Fachdokumentare inhaltlich bewertet, erschlossen und verschlagwortet. Die Indexierung erfolgt dabei nach verschiedenen Kategorien, wie zum Beispiel Personen, Firmen, Institutionen, Branchen, Ländern, Orten und dem Sachthema.

Den Buchrezensionen werden vor der oben beschriebenen Inhaltserschließung bereits in der Datenbankproduktion auch der Titel des besprochenen Werks und dessen Verfasser zugeordnet. Der Titel erscheint in der Fassung und Form, wie ihn die Besprechung selbst angibt. Der Verfassername wird dabei invertiert angesetzt. Nach der Erfassung gehen diese Rezensionsdaten an den F.A.Z.-Partner Buecher.de, wo der einzelne Artikel durch ein Matching-Verfahren um die im dortigen Datenbestand vorhandene ISBN bzw. EAN des besprochenen Buches ergänzt wird. Buecher.de wiederum spielt die so angereicherten Daten an das Archiv zurück, wo die Angaben zu ISBN und EAN bei den Buchrezensionen gespeichert werden.

2.2 Zuordnung und Darstellung im Katalog des GBV

Für den GVK des GBV werden nun regelmäßig alle Buchrezensionen automatisch über den Artikeltyp aus der Datenbank herausgelesen und mit den Daten der Formalerschließung und den Informationen über Urheber/Herausgeber, Werktitel und ISBN/EAN auf einem FTP-Server zur Abholung durch die VZG abgelegt.

Die VZG nimmt in einem nächsten Schritt einen Datenabgleich vor und prüft zunächst, ob zu den ISBN/EAN-Angaben aus der Datenlieferung entsprechende Einträge im GVK enthalten sind. Diesen Einträgen kann dann bereits eine Rezension zugeordnet werden. Da es unter den Lieferungen aber auch Rezensionen geben kann, zu denen bisher keine ISBN/EAN zur Verfügung gestellt werden konnte, ist nun als nächster Schritt ein Datenabgleich auch hinsichtlich der Angaben zu Urheber/Herausgeber und Werktitel vorzunehmen.

Da eine Rezension nicht zwingend nur Bezug auf ein Buchwerk nehmen muss und es natürlich auch Sammelrezensionen oder Werkschauen gibt, außerdem ein Werk selbstverständlich Gegenstand mehrerer Rezensionen sein kann, erfolgt die Zuordnung von Artikel und Katalogisat über die eindeutige Dokument-ID der Rezension.

Im GVK finden sich die Kataloganreicherungen unter dem Eintrag „Mehr zum Titel“. Die Buchbesprechungen werden dort nicht mit bibliografischen Angaben, sondern mit einem Link auf das PDF des Volltextes, welches sich auf den Servern des GBV befindet, referenziert. Für diese Einbindung mussten zuvor die XML-Daten des F.A.Z.-Archivs in ein für die Volltextrecherche indexierbares PDF-Format überführt werden.

Da der GVK bereits Verweise auf beschreibende und ergänzende Inhalte wie Buchcover oder Inhaltsverzeichnisse führt, waren für die Referenzierung der Rezensionen dort keine gesonderten Vorkehrungen zu treffen. Das Katalogsystem des GVK enthält bereits ein Feld für die Verlinkung auf die Elemente der Kataloganreicherung und die Standards für deren Erfassung liegen ebenfalls vor.

Abb. 1: Datensatz im GVK.

Abb. 2: PDF-Ansicht des Rezensionstextes, abgerufen im GVK.

2.3 Bestand 1949 bis 1992

Da die täglich neu erscheinenden Buchbesprechungen und die des Bestandes seit 1993 im Tagesgeschäft des Archivs ohnehin einer besonderen Prüfung und Erschließung in den relevanten Kategorien unterzogen werden, war die Integration der Belieferung des GVK in die Produktionsabläufe des Archivs ohne Schwierigkeiten möglich. Um den Bestand vor 1993 für den GVK nutzbar zu machen, waren jedoch umfangreichere Vorarbeiten notwendig.

Diesen war ein mehrjähriges Projekt zur Retrodigitalisierung der Jahrgänge 1949 bis 1992 der F.A.Z. und der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vorausgegangen, die bis dato ausschließlich in gebundenen Zeitungsbänden, auf Mikrofilm und in den Papierdossiers des Archivs vorlagen. Ziel des Projektes war es, diese digitale Lücke zu schließen und die Zeitungsdaten auch dieser Jahrgänge bruchlos in die Daten des Bestandes ab 1993 zu integrieren.

Um die Inhalte aus dem Papierbestand zu erfassen, in eine maschinenlesbare Form zu bringen, sie dem bereits existierenden Datenbestand anzupassen und recherchierbar zu machen, wurden zunächst Scans der Zeitungsseiten angefertigt. Mittels einer automatisierten Layoutanalyse konnten anhand von Grauabstufungen und hohen Kontrasten in der Darstellung von Schwarz und Weiß die vollständigen Artikel sowie ihre Bestandteile, also Textkörper, Serientitel, Haupttitel, Untertitel und Bildelemente, in den Scans der Zeitungsseiten identifiziert werden.

Per OCR-Verfahren erfolgte dann die Texterkennung. Nach diesen Arbeitsschritten lagen die Artikel in drei Speicherformen vor: als PDF-Datei der Zeitungsseite, als per Layoutanalyse gewonnenes PDF des einzelnen Artikels und als per OCR-gewandelter Text.

Aufgrund der Fehleranfälligkeit, die eine OCR-Texterkennung bei Papierbeständen dieses Umfangs und dieses Alters naturgemäß mit sich bringen muss, wurden die so gewonnenen Digitalisate einer umfangreichen Prüfung und Nachbearbeitung unterzogen. Ziel der Nachbearbeitung war es, auch für den retrodigitalisierten Bestand die gleichen Datenstrukturen des aktuellen Datenbestands (1993 bis heute) zu erhalten und dabei die hohen Qualitätsstandards des F.A.Z.-Archivs zu erfüllen.

Abb. 3: Layout-Analyse einer Zeitungsseite.

Die so gewonnenen Textdaten standen nun in strukturierter Form für eine Volltextsuche zur Verfügung. Allerdings fehlte noch eine weitergehende Ausdifferenzierung nach Artikeltypen und Schlagwörtern, die den seit 1993 kontinuierlich aus dem Redaktionssystem gewonnenen Bestand kennzeichnen, auch die für eine Selektion sowie Zuordnung in der externen Datenbank des GVK notwendigen Mindestangaben wie Artikeltyp, Werktitel, Urheber, Herausgeber oder ISBN/EAN waren noch nicht erfasst.

Der formalen und inhaltlichen Erschließung dieses Datenbestandes von ca. 3,5 Millionen Datensätzen näherte sich das F.A.Z.-Archiv nun in mehreren Schritten und mit verschiedenen halb-automatischen Verfahren.

Die vollautomatische Verschlagwortung des Retrobestandes mit den auch im aktuellen Bestand ab 1993 verwendeten Kategorien wurde – nach umfangreichen Vortests – mit Hilfe der seit vielen Jahren im Archiv eingesetzten Indexierungs-Software Classcon Classify Server durchgeführt. Dadurch ist heute eine bruchlose, bestandsübergreifende und gezielte Recherche mit Indexdaten im Gesamtbestand seit 1949 möglich.

Der für den GVK wichtige Artikeltyp wurde in einem gesonderten Prozess automatisch zugeordnet. Zunächst wurden für jeden einzelnen Artikeltyp umfangreiche und komplexe Prozeduren entwickelt, die die relevanten Artikel innerhalb einer Artikeltypkategorie selektierten und mit dem jeweiligen Artikeltyp versahen.

Hierdurch war nun die Selektion der Sachbuch- und Belletristikrezensionen für den GVK gewährleistet, jedoch noch nicht der Datenabgleich mit den GVK-Datensätzen, der notwendige Voraussetzung ist, um die Rezensionen den Katalogdaten zuordnen zu können. Die hierfür erforderlichen Angaben waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht als Metadaten für die einzelne Buchbesprechung verfügbar. Da die F.A.Z.-Rezensionen in der Regel den besprochenen Verfasser oder Herausgeber, den Buchtitel sowie in den meisten Fällen mindestens noch den Verlag und Erscheinungsort angeben, lagen wichtige bibliografische Angaben bereits als Information, wenn auch noch unstrukturiert, innerhalb des Rezensionstextes vor, so dass nun Überlegungen angestellt werden konnten, die für eine Zuordnung im GVK notwendigen Metadaten per Extraktion aus dem Text zu gewinnen.

Eine erste Überlegung, diese Extraktion lediglich auf die Internationale Standard-Buchnummer zu beziehen, erwies sich dabei als nicht tragfähig, da es die ISBN in Deutschland erst seit 1972 gibt. Es mussten für den Datenabgleich im GVK also weitere Teile der bibliografischen Angaben gewonnen werden. Sofern eine Rezension alle Angaben mit sich führte, sollten nach den Vorgaben der VZG idealerweise mindestens ein Verfasser oder Herausgeber, Titel, Untertitel, Erscheinungsort sowie die Seitenzahl ermittelt werden. Diese Informationen sollten zudem in einem Format dargestellt werden, welches die einzelnen Angaben eindeutig voneinander abgrenzte bzw. kennzeichnete, um der VZG innerhalb der XML-Daten der jeweiligen Datenlieferung das maschinelle Auslesen für ein Matching zu ermöglichen.

Um diesen Vorgaben zu entsprechen, mussten zunächst die Rezensionen hinsichtlich Position und Aufbau der im Text vorhandenen bibliografischen Angaben umfassend analysiert werden. So konnten die gewünschten Angaben am Anfang, in der Mitte oder am Ende eines Artikels stehen. Vielfach sind sie auch im Text verstreut.

Es wurden also zunächst Muster und sprachliche Merkmale gesucht, die Aufschluss darüber gaben, an welchen Stellen sinnvollerweise mit der Extraktion begonnen und an welchen damit geendet werden konnte. Durch die genaue Beschreibung dieser Muster war es möglich, die bibliografischen Angaben, die im Text vorhanden waren, in einem ersten Schritt als Textblock zu extrahieren und in ein eigenes Datenfeld zu überführen. Die so gewonnenen Informationen wurden anschließend noch einmal mit dem Originalartikel in Form des PDFs der Zeitungsseite auf OCR-Fehler und Vollständigkeit geprüft, gegebenenfalls korrigiert und dann dem Artikeltext angehängt.

Abb. 4: Ausschnitt eines Artikel-PDFs. Die zu extrahierenden bibliografischen Angaben wurden markiert.

Abb. 5: Extrahierter Textblock und die daraus in separate Datenfelder geschriebenen bibliografischen Angaben.

Die in diesen Textblöcken enthaltenen Angaben lagen jedoch noch nicht in einem Format vor, welches es der VZG erlaubte, sie gegen den GVK zu prüfen. Die Vorgabe war, dass die einzelnen bibliografischen Angaben klar zu erkennen sein sollten, sei es durch eine klare Position bzw. Abgrenzung innerhalb des jeweiligen Textblocks oder durch eine eindeutige Bezeichnung. Daher wurden im zweiten Schritt die Textblöcke in einem automatischen Verfahren in die für den Bibliothekskatalog relevanten Kategorien zergliedert und die so gewonnenen Angaben in eigene Datenbankfelder geschrieben. Automatisiert wurde auch der Name des Verfassers bzw. Herausgebers und in die für den Katalogeinsatz unverzichtbare invertierte Form gebracht. Abschließend wurden die so extrahierten Angaben ebenfalls noch einmal einer Prüfung unterzogen.

2.4 Datenabgleich im GVK

Die über den Artikeltyp selektierten und mittels der Textextraktion um die bibliografischen Angaben angereicherten Rezensionstexte wurden nun mit den übrigen Informationen aus der formalen Erschließung, also Verfasser, Titel, Erscheinungsdatum und Dokument-ID, als XML-Daten der VZG zur Verfügung gestellt. Diese erzeugt für den Dublettenabgleich zunächst eine vollständige Titelaufnahme.

Da die aus der Textextraktion gewonnenen Metadaten nicht normiert und folglich Abweichungen in der Ansetzung, wie etwa durch das Vorkommen von Abkürzungen, zu erwarten sind, hat die VZG für den Datenabgleich Kriterien entwickelt, die eine Gewichtung der einzelnen, bei der F.A.Z. per Extraktion gewonnenen bibliografischen Angaben und eine abschließende Bewertung der Ähnlichkeit zwischen GVK-Katalogisat und F.A.Z.-Textextrakt zulassen. Sobald die hierfür notwendigen Tests abgeschlossen sind, werden auch die retrodigitalisierten F.A.Z.-Rezensionen in den GVK eingespielt.

3 Fazit und Ausblick

Durch das hier umrissene Verfahren ist es erstmals gelungen, bibliografische Angaben aus retrodigitalisierten Zeitungsinhalten zu extrahieren. Die Anreicherung von Buchrezensionen mit auf diesem Weg gewonnenen Metadaten ist im deutschsprachigen Raum einzigartig.

Im Ergebnis wird durch die differenzierte und kontrollierte Aufbereitung zu den Buchrezensionen ein Bestand an bibliografischen Angaben gewonnen, der den automatisierten Abgleich mit den Inhalten des GVK oder auch anderer Bibliothekskataloge und damit die automatisierte Integration der F.A.Z.-Artikel in die Katalogdaten ermöglicht.

Über das beschriebene Verfahren wurden bisher die Jahrgänge 1949 bis einschließlich 1974 mit ca. 20 000 Rezensionen bearbeitet. Insgesamt umfassen die Jahrgänge 1949 bis 1992 etwa 58 000 Buchrezensionen, darunter 20 000 aus dem Bereich „Belletristik“ und 38 000 aus dem Bereich „Sachbuch“. Jährlich werden aus dem retrodigitalisierten Bestand zehn weitere Jahrgänge hinzugefügt mit dem Ziel, das Gesamtprojekt Ende 2014 abschließen zu können. Derzeit findet sich im Katalog des GBV bereits zu über 69 000 Titeln mindestens eine F.A.Z.-Rezension. Zusammen mit dem bereits ausgelieferten Bestand wird der GVK zum Ende des Projekts über 110 000 Buchbesprechungen zu seinen Medien bereitstellen können.

Die Kataloganreicherung mit den Buchbesprechungen der F.A.Z. gibt den Bibliotheksnutzern die Möglichkeit, über den Rechercheeinstieg der Volltextsuche in indexierten Rezensionen noch gezielter nach relevanter Literatur zu suchen und sich über die gefundenen Titel auf schnellem und einfachem Weg einen zuverlässigen und stichhaltigen Eindruck zu verschaffen. Durch die effektivere Benutzung des Katalogs und der Buchbestände können die für Nutzer und Bibliothek teuren Fehl- und Fernausleihen vermieden und die Betriebskosten der einzelnen Einrichtungen gesenkt werden.

Effektive Recherchemöglichkeiten und die möglichst präzise und aufschlussreiche Darstellung der in einer Bibliothek vorhandenen Medien tragen nicht zuletzt auch zur Nutzerbindung bei. Diese wiederum ist in Zeiten, in denen die öffentlichen Gelder knapp und umkämpft sind, ein nicht zu vernachlässigender Wettbewerbsvorteil.

About the article

Reiner Diedrichs

Reiner Diedrichs

Verbundzentrale des GBV (VZG)

Platz der Göttinger Sieben 1

37073 Göttingen

Tel.: +49(0)551/39-5207

Fax: +49(0)551/39-13980

www.gbv.de

Corinna Cramer

Corinna Cramer

Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH

Archive und Informationsprodukte

Content + Nutzungsrechte

Hellerhofstraße 2–4

60267 Frankfurt am Main

Tel.: (069) 7591-2986

Fax: (069) 7591-2278

www.faz-rechte.de


Published Online: 2013-06-14

Published in Print: 2013-06-26


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 47, Issue 6, Pages 450–462, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2013-0043.

Export Citation

© 2013 by Walter de Gruyter Berlin Boston. This work is licensed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 3.0 License. BY-NC-ND 3.0

Comments (0)

Please log in or register to comment.
Log in