Jump to ContentJump to Main Navigation
Show Summary Details

Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Gerlach, Annette / Koelges, Barbara

Online
ISSN
2194-9646
See all formats and pricing



Select Volume and Issue

Issues

Rheinland-Pfalz

© 2013 by Walter de Gruyter Berlin Boston. This work is licensed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 3.0 License. (CC BY-NC-ND 3.0)

Citation Information: Bibliotheksdienst. Volume 47, Issue 8-9, Pages 634–641, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2013-0073, September 2013

Publication History

Published Online:
2013-09-06

Schlüsselwörter: : Rheinland-Pfalz; Elektronisches Pflichtexemplar; Langzeitarchivierung

Keywords: : Rhineland-Palatinate; electronic legal deposit; digital preservation

1 Entwicklung des edoweb

Im August 2002 vereinbarten die Rheinische Landesbibliothek Koblenz – heute Teil des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz (LBZ) – und das Hochschulbibliothekszentrum (hbz) in Köln, die zentrale bibliothekarische Dienstleistungs- und Entwicklungseinrichtung in Nordrhein-Westfalen und Teilen von Rheinland-Pfalz, den Aufbau eines Archivservers. Ziel war es, den Auftrag einer Landesbibliothek, Literatur aus und über die Region zu sammeln, zeitgemäß fortzuschreiben und auch elektronische Pflichtexemplare und landeskundlich relevante Websites zu archivieren. Der Archivserver ging im Januar 2003 in den Projektbetrieb und wurde unter dem Namen edoweb (Elektronische Dokumente und Websites Rheinland-Pfalz) im Dezember 2003 für die Öffentlichkeit freigeschaltet.1 Seit Dezember 2007 beteiligt sich die ebenfalls zum Landesbibliothekszentrum gehörende Pfälzische Landesbibliothek in Speyer an der Sammlung und Katalogisierung von Netzpublikationen.

Zunächst kam – wie in vielen verwandten Projekten – die ursprünglich für Hochschulschriftenserver entwickelte OPUS-Software zum Einsatz.2 Im Mai 2005 entschied sich das hbz jedoch für die Software „DigiTool“ der Firma Ex Libris, ein Programm zur „Verwaltung und Präsentation digitaler Sammlungen und institutioneller Repositorien“.3 Ausschlaggebend für die Wahl war die Aussage der Herstellerfirma, nach der DigiTool hierarchische Verzeichnungsmöglichkeiten biete, die für E-Journals und Websites mit mehreren Zeitschnitten dringend benötigt werden. Im September 2006 wurde die Datenmigration des edoweb vom OPUS-Server auf den neuen Medienserver abgeschlossen. Alle bibliographischen Metadaten werden seitdem auch im Verbundkatalog sowie im lokalen Katalog des Landesbibliothekszentrums nachgewiesen.

2 Rechtliche Grundlagen

Die Abgabe des Pflichtexemplars ist in Rheinland-Pfalz im Landesmediengesetz (LMG)4 von 2005 geregelt, das aus der Zusammenführung des alten Presse- und des Rundfunkgesetzes entstanden war. In § 14 ist die unentgeltliche Ablieferung eines Exemplars jedes in Rheinland-Pfalz verlegten Druckwerkes verfügt. Mithin unterliegen Medienwerke in unkörperlicher Form, die sogenannten Netzpublikationen, nicht der Abgabepflicht an eine der vier Pflichtexemplarbibliotheken, zu denen neben den beiden Landesbibliotheken die Stadtbibliotheken in Mainz und Trier zählen. Abhilfe verspricht ein von der seit 2011 amtierenden Landesregierung in die Diskussion gebrachtes Bibliotheksgesetz, in dem u. a. die Pflichtablieferung unter Einbezug von Netzpublikationen geregelt werden soll.

In der heutigen Praxis muss das LBZ bei jeder für die Archivierung vorgesehenen Netzpublikation den jeweiligen Urheber um Genehmigung bitten. Daraus resultiert ein erheblicher Zeit- und Verwaltungsaufwand. Die Einverständniserklärung wird bei freien Netzpublikationen in aller Regel erteilt – die bisherigen Erfahrungen sind also durchaus positiv. Die Einholung erfolgt auf konventionellem Postwege, da der Rücklauf via E-Mail sich nicht besonders zuverlässig gestaltete.

Anders stellt sich die Situation bei der Ablieferung von Amtsdruckschriften dar: Seit 2004 sind die Landesministerien und nachgeordneten Behörden verpflichtet, auch ihre Medienwerke in nichtkörperlicher Form, zunächst an die Rheinische Landesbibliothek, heute an das Landesbibliothekszentrum abzuliefern.5 Dazu zählen explizit auch die Websites der Landeseinrichtungen. Damit stellt die Verwaltungsvorschrift, die 2009 verlängert und im Hinblick auf die technischen Voraussetzungen präzisiert worden ist, die rechtliche Grundlage für das Betreiben des Archivservers edoweb dar.

3 Konzeption und Sammlungsprofil

Für die Konzeption von edoweb war der Gedanke grundlegend, dass Netzpublikationen aufgrund ihres neuartigen Charakters und ihrer großen Zahl anders zu erschließen sind als gedruckte Materialien. Die in elektronischen Dokumenten mögliche Volltextsuche erlaubt es, den herkömmlichen Erschließungsaufwand zu verringern. Durch diesen reduzierten Katalogisierungsstandard und einen möglichst hohen Grad an Automatisierung (insbesondere bei der Bearbeitung von Websites durch automatisiertes Nachharvesten) soll der Personalaufwand für den neuen Sammelauftrag in vertretbaren Grenzen gehalten werden.

Gemäß der erwähnten Verwaltungsvorschrift stehen elektronische Amtsdruckschriften sowie die (repräsentierenden) Websites von Landesbehörden im Zentrum der Sammlung. Bisher werden in der Regel sowohl die gedruckte als auch die elektronische Version archiviert. Ansonsten wird vorrangig das Feld der freien Internetpublikationen mit einem Schwerpunkt auf landeskundlichen Inhalten bearbeitet und die elektronischen Angebote der rheinland-pfälzischen Verleger aufgrund der fehlenden rechtlichen Grundlagen mit wenigen Ausnahmen zurückgestellt.

Die Reduktion des Erschließungsaufwands für die einzelnen Objekte soll zudem dazu dienen, sich bei der Sammlung und Archivierung von thematischen Websites nicht allein auf die qualitativ besonders hochwertigen zu beschränken, sondern vielmehr einen landeskundlich repräsentativen Grundbestand anzubieten, wie er auch bisher Merkmal der Sammlungstätigkeit von Regionalbibliotheken war. Bei der Auswahl befolgt das LBZ die Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft der Regionalbibliotheken zur Sammlung elektronischer Pflichtexemplare, die sich u. a. an der Bedeutung der herausgebenden Institution orientieren,6 und die „Synopse der Sammelrichtlinien für Netzpublikationen“7 von der UAG Elektronisches Pflichtexemplar.

4 Sammlung und Bearbeitung der Dokumente im edoweb

Die Bearbeiteroberflächen des edoweb bestehen bisher im Wesentlichen aus zwei Elementen: dem Aleph-Katalogisierungs-Client zur Erschließung der bibliographischen Daten und den Webformularen zur Aufnahme und Verwaltung der eigentlichen digitalen Objekte, die anschließend mit den Titelaufnahmen verknüpft werden. Die zu verarbeitenden Formate sind momentan auf PDF- und HTML-Objekte beschränkt.

Die Speicherung der digitalen Objekte erfolgt mit DigiTool, wohin die Metadaten aus der Aleph-Verbunddatenbank in verschiedenen XML-Strukturen übergeben werden. Die erforderlichen Webformulare und ihre Funktionalitäten hat das hbz entwickelt. Sie enthalten Optionen zum Upload von Einzeldateien, zum Anstoßen und Terminieren automatischer Sammelvorgänge von Websites und zur Verwaltung von hierarchisch zusammenhängenden Objekten (Online-Zeitschriften). Über diese Formulare werden auch die Zugriffsmöglichkeiten festgelegt:8 Neben dem weltweit freien Zugriff ist auch die Beschränkung auf die Räume des LBZs möglich.

Bei der Sammlung von Websites kann auch ein automatisches regelmäßiges Neueinsammeln der Site angestoßen werden, um auf diese Weise die Wandlung von Websites über die Zeit zu dokumentieren.

Abb. 1: Wandlungen einer Website.

Diese immer neu eingesammelten „Versionen“ werden „Webschnitt“ genannt. Über die Original-URL wird die Website vom Offline-Browser „HTTRACK“9 eingesammelt und auf einem hbz-Server gespeichert. Ändert sich die URL, benachrichtigt das System den LBZ-Mitarbeiter über den Umzug der Site.

Bei Einzeldokumenten und Online-Zeitschriften wird zurzeit die Abholung durch das LBZ bevorzugt; ein Empfang per E-Mail ist aber ebenso möglich.

5 Titelaufnahme und Erschließung

Die Titelaufnahmen finden im normalen Verbundsystem statt. Über ihre Identifikationsnummer stellt der Bearbeiter die Verbindung zum digitalen Objekt her. Für Websites ist mit dem Verbund ein „Mindestkatalogisat“ vereinbart, das nur folgende Angaben beinhaltet: Urheber bzw. Verfasser, Titel, Notation von DDC, Landesbibliothekszentrum und Rheinland-Pfälzischer Bibliographie (RPB), freie Schlagwörter; hinzukommen verschiedene voreingestellte Selektionskennzeichen.

Bei Einzeldokumenten werden dagegen nach den Katalogisierungsregeln vollständige Titelaufnahmen angefertigt. Bei Web-Zeitschriften findet die Titelaufnahme in der ZDB statt. Die enge Verbindung zwischen dem jeweiligen Katalogsystem und der digitalen Archivierungslösung für die Inhalte ist ein wesentliches Merkmal des heutigen und des künftigen edoweb-Systems.

6 Recherchemöglichkeiten

Alle Netzpublikationen sind mit sämtlichen anderen Beständen im Katalog recherchierbar. Über den Verbundkatalog sind sie auch in der Digitalen Bibliothek des hbz sowie im Karlsruher Virtuellen Katalog (KVK) nachgewiesen. In regelmäßigen Abständen werden die landeskundlich interessanten Netzpublikationen aus dem edoweb in die Landesbibliographie eingespielt.

Neben den erwähnten Recherchemöglichkeiten ist seit dem Sommer 2011 wieder eine separate Suche allein über die edoweb-Bestände möglich. Diese Einstiegseite war vor allem notwendig geworden, um die lang gewünschte Volltextsuche über alle enthaltenen Websites und Dokumente anzubieten.10

Abb. 2: Die edoweb-Startseite mit Volltextsuche.

Ein Browsing in der RPB-Systematik und der DDC ist in Planung.

7 Organisatorische Fragen

Die Bearbeitung der Netzpublikationen erfolgt zurzeit in Koblenz und Speyer durch Mitarbeiter der Pflichtstelle. Diese übernehmen sämtliche bei den Netzpublikationen anfallenden Bearbeitungsschritte. Eine weitergehende Verankerung in den bestehenden Geschäftsgängen und Verantwortlichkeiten ist aber vorgesehen, um auch die Verwaltungsmöglichkeiten und Mahnroutinen des Erwerbungsclients mitzunutzen.

8 Ausblick

Da Ex Libris die Ablösung der DigiTool-Software vorsieht, entwickelt das hbz seit Oktober 2012 das FEDORA-basierte11 Edoweb 3.0, das bis Anfang 2016 schrittweise das bisherige System ablösen wird. Wichtige Ziele sind die erleichterte Erweiterung zu speichernder Dateiformate wie EPUB, die Upload-Funktion für Pflichtablieferer, die URN-Vergabe und die flexible Erweiterbarkeit der Schnittstellen zu Drittsystemen wie z. B. Europeana und DDB. Die Frontendfunktionalitäten für bibliothekarische Anwender wie Endnutzer sollen über das CMS Drupal erfolgen, über das auch das Rechtemanagement granularer ausgestaltet und der für Verlagspublikationen bei der derzeitigen Urheberrechtslage erforderliche Einzelplatzzugriff realisiert werden soll. Beim Websiteharvesten ist ein Umstieg von HTTrack auf die zunehmend in diesem Kontext eingesetzte Software Heritrix vorgesehen.

Mit dem Abspeichern von Netzpublikationen ist indes nur der erste Schritt getan: Gesichert ist damit die aktuelle Benutzung auch jener Ressource, die vom Anbieter bereits wieder vom Netz genommen wurde. Die eigentliche Langzeitverfügbarkeit ist damit noch nicht sichergestellt. Zur Steuerung der einzelnen Archivierungsschritte wird aber auf die bereits jetzt erfassten technischen Metadaten zurückgegriffen. Das Verpacken der Online-Zeitschriften in METS-Container, das Verpacken und Umstrukturieren der Webschnitte zu ZIP-Dateien sowie die Konvertierung in PDF-A-1b stellen wichtige Schritte im Hinblick auf die Integration in ein künftiges System zur Langzeitverfügbarkeit dar. Auch die lange schon angestrebte DINI-Zertifizierung wird mit dem Umzug auf das neue edoweb-System umgesetzt.

Bionotes

Lars Jendral

Lars Jendral

Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz/Rheinische Landesbibliothek

Bahnhofplatz 14

56068 Koblenz

Comments (0)

Please log in or register to comment.