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Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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ISSN
0006-1972
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Volume 47, Issue 3-4

Issues

Die American Antiquarian Society wurde 200

Gernot U. Gabel
Published Online: 2013-03-22 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2013-0022

Zusammenfassung:

Die American Antiquarian Society wurde 1812 gegründet mit dem Ziel, die schriftlichen Zeugnisse der frühen Besiedlung des Kontinents zu sammeln und zu bewahren. Der privat finanzierte Verein wurde zunächst wie ein Herrenclub geführt und entwickelte sich erst im 20. Jahrhundert zu einer Vereinigung mit breitgefächerter Mitgliedschaft, die heute internationales Renommee genießt wegen ihrer einzigartigen Kollektion an gedruckten Materialien aus der frühen Geschichte der amerikanischen Nation.

Abstract:

Founded at the instigation of a patriotic printer in 1812, the American Antiquarian Society collected printed materials documenting the period from the early settlements of European colonists to the late 19th century. Initially conceived as a club-like association for the pastime of gentlemen, it developed into a prestigious organization with a broad membership lauded nationwide and internationally for its unique collection of early Americana.

Schlüsselwörter:: Antiquariat; Americana; American Antiquarian Society

Keywords:: Antiquarian; Americana; American Antiquarian Society

Wer sich als Forscher mit handschriftlichen und gedruckten Zeugnissen der frühen amerikanischen Geschichte befasst, der wird im Nationalarchiv und in der Library of Congress, die beide in der Bundeshauptstadt Washington ansässig sind, durchaus fündig. Wer zudem Unterlagen aus der Epoche zwischen dem Revolutions- und Bürgerkrieg einsehen möchte, die regionale Vorkommnisse beleuchten sowie Zeugnisse von Privatpersonen einschließen, dem ist auch eine Reise in die Stadt Worcester im Bundesstaat Massachusetts zu empfehlen, wo die American Antiquarian Society (AAS) mit ihrem reichen Bestand an einzigartigen Dokumenten ansässig ist.

1 Die Gründung

Die Initiative zur Gründung einer historischen Gesellschaft hatte der Drucker Isaiah Thomas (1749–1831) ergriffen. Im Alter von nur sechs Jahren hatten ihn seine mittellosen Eltern bei einem Drucker in seiner Geburtsstadt Boston in die Lehre gegeben, wo er sich Lesen und Schreiben selbst beibrachte. Dank seines Fleißes stieg er 1770 zum Teilhaber des Unternehmens auf. Im selben Jahr gab er die erste Ausgabe der Zeitung „Massachusetts Spy“ heraus, die sich gegen das englische Mutterland und für die Unabhängigkeitsbewegung in den Kolonien einsetzte. Als der von den Briten ernannte Gouverneur das einflussreiche Blatt verbieten wollte, transferierte Thomas die Druckerei 1775 ins Landesinnere nach Worcester, wo der Betrieb die Jahre der kriegerischen Auseinandersetzungen unbeschadet überstand. Mit Kinder- und Schulbüchern, Bibeln, Gesangbüchern, dem „New England Almanac“ und Belletristik wurde Thomas zu einem der bedeutendsten Verleger der jungen amerikanischen Nation und brachte es zu Ansehen und Wohlstand. 1802 übergab er die Firma seinem Sohn und widmete sich ganz seinen Sammel- und Forschungsinteressen, die 1810 in seiner zweibändigen „History of Printing in America“ kulminierten.

Da sich Thomas während der Revolutionsjahre mit seiner Zeitung, Flugblättern und Plakaten in den Konflikt zwischen den Kolonien und dem Mutterland aktiv eingemischt hatte, war ihm daran gelegen, diese frühen Zeugnisse des amerikanischen Unabhängigkeitsstrebens für die Nachwelt zu bewahren. Er machte es sich zur Aufgabe, Druckwerke jeglicher Art, Manuskripte sowie andere historische Zeugnisse zu sammeln, insbesondere schriftliche Nachlässe von Durchschnittsbürgern, die ansonsten meist nicht überliefert werden. Als einzelner sah sich Thomas mit solcher Aufgabe natürlich überfordert, und daher scharte er gleichgesinnte Persönlichkeiten um sich, mit deren Unterstützung er sich vom Parlament des Bundesstaates Massachusetts die Gründungscharta für eine historische Vereinigung ausstellen ließ. Im November 1812 wurde die „American Antiquarian Society“ (AAS) gegründet und Thomas zu ihrem ersten Präsidenten gewählt, ein Amt, das er bis zu seinem Tode innehatte.

Der neuen Gesellschaft übereignete Thomas seine Privatbibliothek im Umfang von rund 8 000 Bänden und als Grundkapital die beträchtliche Summe von 20 000 Dollar. Außerdem stiftete er 2 000 Dollar für die Errichtung eines Vereinsdomizils, das in Worcester entstehen sollte. Bereits 1814 erwarb die AAS die Handschriften und Drucke der in Neuengland einflussreichen Theologenfamilie Mather, und wenig später akzeptierte man gern die Offerte, rund 10 000 Dubletten des Boston Athenäum, einer renommierten Privatbibliothek, zu übernehmen. Diese nun schon beachtliche Kollektion bedurfte einer angemessenen Behausung, und so stellte der Gründungspräsident auch noch das Grundstück und 150 000 Steine bereit, um die Erbauung der ersten Antiquarian Hall zu beschleunigen, die schließlich 1819–20 entstand. Das zweigeschossige, mit aufgesetzten Säulen verzierte Gebäude im Stil des Klassizismus wies im Erdgeschoss das Büro des Bibliothekars und ein Lesekabinett auf, im Obergeschoss war die Bibliothek und ein Sitzungssaal untergebracht. Zugang zur Kollektion hatten aber nur Mitglieder der AAS, anderen Personen wurde die Benutzung lange Zeit verwehrt.

2 Konsolidierung und Expansion

Die Zahl der Mitglieder wuchs zwar nur langsam, denn die Aufnahme erfolgte über Zuwahl, aber der ASS gelang es, führende Persönlichkeiten der jungen Nation für ihre Ziele zu erwärmen. Zu den frühen Neuzugängen gehörte US-Präsident Thomas Jefferson, der bereits 1814 die Mitgliedschaft erwarb, und zu den prominenten auswärtigen Mitgliedern zählte Simon Bolivar, der Befreier Südamerikas, der französische Schriftsteller René Chateaubriand und zwei Deutsche, der Hamburger Historiker Christoph Daniel Ebeling und der Theologe Johann Severin, Vater aus Halle. Der Vorstand skizzierte das Interessenprofil der Vereinigung als „den ganzen amerikanischen Kontinent“ umfassend, wozu insbesondere, und das war damals ein Novum, die Kultur der Indianerstämme des Kontinents gehörte. Artefakten aus prähistorischen Indianersiedlungen waren der AAS genauso willkommen wie Zeugnisse der frühen Besiedlung durch europäische Nationen, denn während des 19. Jahrhunderts unterhielt die AAS auch ein Museum – erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde es aufgelöst. Und der Vorstand appellierte ausgesprochen erfolgreich an das Mäzenatentum der Mitglieder, um sowohl Geldspenden wie Bücher, Manuskripte, Karten und Stiche einzuwerben.

Im Verlauf der nächsten Jahrzehnte etablierte sich die AAS mit einer Kollektion, die im Kreise von Historikern zunehmende Wertschätzung genoss, insbesondere wegen der großen Zahl an Broschüren und Ephemera, die andere Sammlungen von nationalem Rang verschmäht hatten. Die AAS war man sich nämlich nicht zu schade, gelegentlich die Dachböden betagter Privathäuser und Fabrikationsstätten auszuräumen, wenn deren Besitzer sich von Stapeln anscheinend wertloser Druckmaterialien trennen wollten. So entpuppte sich z. B. eine aus Boston abtransportierte Wagenladung mit verstaubten Broschüren nach ihrer Aufbereitung als Konvolut von einzigartigen Zeugnissen aus der Revolutionszeit, die bei der Erforschung der nationalen Geschichte heute als „Stimmen von unten“ sehr geschätzt werden. 1849 erschien die erste Ausgabe der Vereinszeitschrift „Proceedings of the AAS“, in der halbjährlich die bedeutendsten Ankäufe, Schenkungen und Projekte vorgestellt wurden.

Durch die Siedlungsexpansion gen Westen erweiterte sich das Territorium der USA erheblich, was zur Ausweitung des Sammlungsprofils der Bibliothek führte. Der stetige Zustrom an Materialien überstieg bald die Kapazität des Büchermagazins, was den Vorstand 1854 zum Bau einer zweiten, geräumigeren Antiquarian Hall veranlasste, die zwei Jahrzehnte später noch einen Anbau erhielt. Zu dem Zeitpunkt war aber schon deutlich, dass sich im amerikanischen Bildungs- und Bibliothekswesen ein Wandel vollzog, mit dem gerade auf dem Gebiet der Geschichte ein Professionalisierungsprozess einsetzte, der zu einer kritischen Hinterfragung der Arbeit von Hobby-Historikern führte. Durch geschicktes Lobbying nach Gründung der American Library Association (1876) stieg die Wertschätzung von Bibliotheken, was sich u. a. in höheren Erwerbungsetats niederschlug und die Kollektionen an amerikanischen Hochschulen beträchtlich anwachsen ließ. Zudem sahen sich vermögende Mäzene zu Stiftungen veranlasst, mit denen sie z. B. Privatbibliotheken wie die Newberry Library in Chicago (1887) etablierten oder die Forschungsbibliothek der New York Public Library (1895) förderten. Nach Gründung der American Historical Association (1884) begann sich die Geschichtsforschung als akademische Disziplin zu etablieren, was die Spezialisierungstendenzen verstärkte. Dieser neuen Konkurrenz hatte sich die AAS zu stellen, und sie entschied sich für eine Fokussierung auf Druckwerke zur frühen Geschichte des Landes. Fortan konzentrierte sich die Bibliothek auf den Erwerb von Büchern, Broschüren, Zeitungen, Zeitschriften, Flugblättern und Ephemera, die vor dem Jahre 1820 auf dem Gebiet der heutigen USA erschienen waren. Für Kinder- und Jugendliteratur, Belletristik, Almanache und Exlibris galt hingegen als Grenze das Erscheinungsjahr 1876, also einhundert Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung in den amerikanischen Kolonien. Alle übrigen Materialien der Sammlung, insbesondere alle Artefakte, wurden ausgesondert und an andere Institutionen, vornehmlich Museen, veräußert oder ihnen als Geschenk übereignet.

3 Die renommierte Institution

Um die Jahrhundertwende war die AAS eine von der Historikerzunft anerkannte Einrichtung, die wie ein Herrenklub geführt wurde. Die Mehrzahl der Mitglieder zählte zur „professional class“, sie waren als Anwälte, Wirtschaftsführer, Ärzte oder Hochschullehrer tätig und widmeten sich ihren historischen Interessen in der Freizeit. Sie erwiesen sich als generöse Förderer, stifteten Bücher und historische Zeugnisse und bedachten die AAS testamentarisch mit Ländereien und Stiftungsgeldern. So erfreulich dieser materielle Zuwachs war, so sehr führte er zu Raumproblemen, denn zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Magazinflächen der Antiquarian Hall überbelegt und ein Außenlager wurde angemietet. Dies nahm man als hinreichenden Anlass, um ein neues Domizil ins Auge zu fassen, das nicht nur den verschärften Sicherheitsbestimmungen entsprach, sondern auch den gestiegenen Repräsentationswünschen entgegenkam. 1909 begannen die Bauarbeiten, im Herbst 1911 tagte die AAS erstmals in dem zweigeschossigen Backsteinbau mit schmuckem Säulenportiko. Das Glanzstück war der kuppelbekrönte Lesesaal mit Mahagonimöblierung, dahinter lag das geräumige Büchermagazin mit einer Kapazität für rund 200 000 Bände. In dieses elegante Ambiente lud man ein Jahr später die ältesten Historikervereinigungen des Landes zur ersten Zentenarfeier, an der als Ehrengast US-Präsident William H. Taft teilnahm.

Dank ausreichender Finanzressourcen konnte der weitere Aufbau der Kollektion mit Verve vorangebracht werden. Die Erwerbungen konzentrierten sich vornehmlich auf amerikanische Drucke vor 1820 und Zeitungen des 18. und 19. Jahrhunderts, die seitens der Mitglieder häufig nachgefragt wurden. Um Raritäten aufzuspüren, unternahm der Bibliotheksleiter persönlich ausgedehnte Reisen zu Antiquariaten, was bald zu einer Zusammenarbeit mit Charles Evans’ Projekt einer „American Bibliography“ führte. In großem Umfang basierend auf eigenen Beständen brachte die AAS die „History and Bibliography of American Newspapers 1690–1820“ heraus. Die Mitarbeit am „Dictionary of American Biography“ machte schließlich ab den 1920er Jahren die AAS in amerikanischen Gelehrtenkreisen bekannt.

Die Kollektionen der AAS waren ausgewiesenen Forschern inzwischen zugänglich, aber die Zahl der Besucher blieb zunächst überschaubar. Um Historiker direkt anzusprechen, legte die AAS 1919 ein Stipendienprogramm für Studierende an der Clark University in Worcester auf, womit sich Kontakte zu universitären Kreisen intensivierten. Schriftliche Anfragen trafen in größerem Umfang ein und wurden ausführlich beantwortet, aber erst mit dem Kopiergerät der Photostat Corporation konnten ab den 1920er Jahren auch Zeitungsbeiträge und Titelblattkopien an Benutzer versandt werden. Dank dieser Technik kam es zu intensiver Zusammenarbeit mit einigen Bearbeitern grundlegender bibliographischer Werke, insbesondere mit Joseph Sabin für seine „Bibliotheca Americana“. Ende der 1920er Jahre hatte die AAS so sehr an Renommee gewonnen, dass sich US-Präsident Calvin Coolidge 1929, nur wenige Wochen nach seinem Abschied aus dem höchsten Staatsamt, dazu bewegen ließ, die Präsidentschaft der AAS zu übernehmen, die er bis zu seinem Tod 1933 innehatte.

4 Neupositionierung

Während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren und gleichfalls während des Zweiten Weltkriegs musste die AAS, da die Einnahmen aus dem Kapitalvermögen schrumpften, sowohl ihre Ankäufe reduzieren wie Personal entlassen. Nach 1945 gingen dann wieder größere Beträge an Spendengeldern ein, was die Bibliothek schon 1948 in die Lage versetzte, eine Mikrofilm-Kamera anzuschaffen, um ihre seltenen Texte auswärtigen Benutzern in guter Qualität zugänglich zu machen. 1954 schloss sie einen Vertrag mit der Readex Microprint Corporation zur kommerziellen Nutzung ihrer umfangreichen Americana-Kollektion, der bis 1968 zur Verfilmung aller in Evans’ „American Bibliography“ aufgelisteten Texte (ca. 50 000 Titel) führte. Diese von Bibliotheken in aller Welt subskribierte Kollektion machte die AAS in Forscherkreisen international bekannt, und als Folge wurde die Bibliothek in eine Reihe anderer bibliographischer Projekte einbezogen. Die Ausrichtung auf breitere Publikumskreise hatte endlich auch zur Folge, dass 1960 erstmals eine Frau als Mitglied aufgenommen wurde. Zugleich intensivierte man die Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Geschichte der Clark University, und 1964 lud die AAS zu ihrer ersten Konferenz in die Antiquarian Hall ein.

Das von der amerikanischen Bundesregierung Mitte der 1960er Jahre beschlossene weitreichende Förderprogramm für den Bildungsbereich ließ in der AAS die Einsicht reifen, dass man die Schätze der Sammlung auch einem nicht-akademischen Publikum näherbringen müsste. Als Ausgangspunkt für diese neue Initiative wählte man 1969 die von einer PR-Agentur konzipierte Fundraising-Campaign über 5 Millionen Dollar, die mit einem Bankett in der exklusiven Pierpont Morgan Library und einer Ausstellung im elitären Grolier Club eingeleitet wurde. Aber die erhofften Gelder gingen zunächst nur zögerlich ein, und so kam der Vorstand in Gesprächen mit anderen privat finanzierten Sammlungen zum Entschluss, sich als Lobby-Verband zu etablieren. 1972 formierte sich die „Independent Research Libraries Association“ (IRLA), die heute 19 Mitglieder zählt (die Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel wurde 1984 als Korrespondierendes Mitglied aufgenommen). Aufgrund der Mitgliedschaft in der IRLA konnte die AAS bei dem aus dem Bundesetat finanzierten National Endowment for the Humanities (NEH) Fördermittel beantragen, womit sich in den Folgejahren eine Reihe von Projekten realisieren ließ.

1972 legte die AAS ein Stipendienprogramm auf, das Forschern zwecks Nutzung der in der Antiquarian Hall verwahrten Ressourcen einen Aufenthalt von bis zu drei Monaten ermöglicht. Aufgrund ihrer IRLA-Mitgliedschaft konnte sich der Vorstand direkt an die großen Stiftungen im Lande wenden, und bald gingen in Worcester nennenswerte Förderbeträge ein, insbesondere von der Mellon Foundation. Die diversen öffentlichen Förderprojekte, die der Vorstand gern vor der Presse erläuterte, führten mittelfristig auch zu einer größeren Spendenbereitschaft von nicht der Vereinigung angehörenden Personen, seien es Geldbeträge oder Buchgeschenke. Besonders willkommen war die testamentarische Übereignung der geräumigen Privatvilla auf dem Nachbargrundstück, die seit 1981 als Gästehaus für die Stipendiaten genutzt wird. 1987, in ihrem 175. Gründungsjahr, konnte sich die AAS mit einem Kapitalvermögen von mehr als 16 Millionen Dollar als finanziell solide Institution präsentieren.

Fünf Jahre später wurde mit Ellen S. Dunlap erstmals einer Frau die Leitung der AAS anvertraut. Die Präsidentin leitete schnell konkrete Schritte ein, um die elitäre Attitude, die der AAS immer noch ein wenig eigen war, abzumildern, denn sie sah es als unverzichtbar an, künftig ein breites Publikum über deren Wirken zu informieren und historisch Interessierten den reichen Medienbestand möglichst direkt zugänglich zu machen. Zum einen gewann sie prominente Journalisten und Schauspieler, die in Dokumentarserien des Fernsehens bedeutsame Ereignisse der amerikanischen Geschichte, unter Verwendung von Materialien aus den Sammlungen, unterhaltsam darboten. Mit Fördergeldern der Reader’s Digest Foundation wurden zudem Arbeitsaufenthalte für Schriftsteller, Regisseure, Dramaturgen und Komponisten angeboten, wenn sie Ressourcen der Antiquarian Hall für ihre Arbeiten nutzen wollten, sowie Lehrer in die Arbeit mit Originaldokumenten eingeweiht. Zum anderen beteiligte sich die AAS an der retrospektiven Katalogisierung des Zettelkatalogs in das MARC-Format sowie an ambitiösen Digitalisierungsprojekten, die unter Beteiligung von Privatfirmen wie EBSCO, ProQuest oder Gale anliefen und der AAS einen kontinuierlichen Zufluss an Finanzmitteln verschafften. In ihrer seit 2 000 publizierten Online-Zeitschrift „Common-place“ informiert sie die Öffentlichkeit durch Beiträge zur Frühgeschichte Amerikas. Mit diesem Outreach-Programm legte die Präsidentin den Grundstein für das heutige nationale Profil der AAS.

5 Das Jubiläum

Dank dieser Aktivitäten, mit denen die Aufmerksamkeit eines breiten Publikums auf die einzigartigen Sammlungen gelenkt wurde, ist der Lesesaal der Antiquarian Hall an vielen Wochentagen gut belegt, denn von den rund vier Millionen bibliographischen Einheiten (darunter ca. 680 000 Bücher und Broschüren) sind trotz der umfangreichen Digitalisierungen lediglich etwa 12 Millionen Seiten online verfügbar. Deshalb halten viele Forscher einen Besuch in Worcester für unverzichtbar, kann sich doch keine andere Bibliothek damit rühmen, rund zwei Drittel aller Druckerzeugnisse, die vor 1820 auf dem Territorium der heutigen USA herausgebracht wurden, zu verwahren, zudem eine reichhaltige Sammlung von Americana für die Epoche 1821 bis 1876. Ihre Kollektion an Zeitungen, die in den USA, Kanada und Westindien herauskamen, im Umfang von ca. 2 Millionen Ausgaben (etwa 16 000 Titel) des 18. und 19. Jahrhunderts gilt als die beste weltweit. Auf der Festveranstaltung zur 200-Jahrfeier konnte der Vorstand viele der fast eintausend Mitglieder (darunter 267 Frauen) persönlich auf dem inzwischen sechs Gebäude umfassenden Campus begrüßen und ihnen den drittältesten Geschichtsverein des Landes als finanziell gesunde Vereinigung (Kapitalvermögen: rund 50 Millionen Dollar) vorstellen, die sich eines internationalen Renommees erfreut. Aus Anlass des Jubiläums erschien nicht nur eine umfangreiche Abhandlung zur Geschichte der AAS, sondern das Mitarbeiterteam hatte auch eine Ausstellung konzipiert („In Pursuit of a Vision“), die im Herbst 2012 in den Räumen des Grolier Club, der ältesten und größten Bibliophilengesellschaft Amerikas, im Zentrum der Weltstadt New York gezeigt wurde (Internet: www.americanantiquarian.org).

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Gernot U. Gabel

Gernot U. Gabel


Published Online: 2013-03-22

Published in Print: 2013-04-03


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 47, Issue 3-4, Pages 209–216, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2013-0022.

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