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Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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ISSN
0006-1972
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Volume 47, Issue 3-4

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1994–2012? Die Entwicklung der Koordinierungsstelle Magdeburg als Serviceeinrichtung auch für Bibliotheken

Michael Franz
Published Online: 2013-03-22 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2013-0023

Zusammenfassung:

Dieser Beitrag informiert über die Entwicklung der Koordinierungsstelle seit 1994 und ihre in diesem Zusammenhang gerade auch für Bibliotheken entwickelten Serviceleistungen.

Abstract:

This article informs about the development of the Koordinierungsstelle since 1994 and in this context developed services especially for libraries.

Schlüsselwörter:: Koordinierungsstelle Magdeburg; Beutekunst; Raubgut; lostart.de

Keywords:: Koordinierungsstelle; looted art; loot; lostart.de

1 Von 1994 bis 2012 bis …?

1994: DER SPIEGEL berichtet im Frühjahr 1994 unter der Überschrift „Beutekunst. Dürer im Angebot“, dass die auf der Regierungsebene angesiedelten deutsch-russischen Rückgabeverhandlungen zu den infolge des Zweiten Weltkriegs verbrachten Kulturgütern, der sog. „Beutekunst“, ins Stocken geraten seien. Zugleich informiert er darüber, dass immer mehr Beutekunst als „Schwarzmarktware“ auftauche: So seien sieben kriegsbedingt verbrachte Blätter der Bremer Kunsthalle dem Auktionshaus Sotheby’s angeboten worden. Obwohl bei dieser und bei weiteren Berichterstattungen häufig die musealen Kriegsverluste im Vordergrund standen, wurde doch zugleich deutlich, dass auch deutsche Bibliotheken und Archive entsprechende Verluste erlitten hatten. Um daher diese Verluste der deutschen öffentlichen kulturgutbewahrenden Einrichtungen zentral zu dokumentieren, wurde 1994 von mehreren Bundesländern die „Koordinierungsstelle der Länder für die Rückführung von Kulturgütern“ in Bremen gegründet.

2012: Im Januar 2012 wird die „Himmelsscheibe von Nebra“ im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung mit Kultusminister Stephan Dorgerloh (Sachsen-Anhalt) in Halle/Saale in das Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes des Landes Sachsen-Anhalt eingetragen. Dieses Verzeichnis ist über die Bund-Länder-Website www.kulturgutschutz-deutschland.de, die von der Koordinierungsstelle fachadministriert wird, einsehbar. Einige Monate später, im September 2012, wird in der Universitätsbibliothek Gießen die Ausstellung „Raubgut – Geraubte Bücher aus der NS-Zeit“ eröffnet. Die Ausstellung widmet sich entsprechenden Büchern im eigenen Bestand. Ziel der Arbeiten der Universitätsbibliothek Gießen war dabei insbesondere die Ermittlung belasteter Bücher und deren Rückgabe an die rechtmäßigen Eigentümer. Dabei nutzte die Universitätsbibliothek Gießen auch die Möglichkeit, über die im April 2000 online geschaltete Internetseite „www.lostart.de“ der Koordinierungsstelle national und international Transparenz zu ihren Funden herzustellen.

2 Die 1990er Jahre

Anfang der 1990er Jahre wurde bekannt, dass zahlreiche, bisher infolge des Zweiten Weltkriegs verschollen oder vernichtet geglaubte Kulturgüter deutscher Einrichtungen und Personen tatsächlich noch existierten. Zu denken ist hierbei etwa an die damaligen Ausstellungen des „Schatzes des Priamos“ oder der Kunstwerke aus den Sammlungen Thyssen und Krebs in Moskau und St. Petersburg oder an das Auftauchen des Domschatzes von Quedlinburg in den USA.

In Reaktion auf dieses vermehrte Auftauchen infolge des Zweiten Weltkriegs verbrachter Kulturgüter und die sich daraus ergebende Notwendigkeit einer zentralen Dokumentation wurde 1994 die Koordinierungsstelle gegründet. Im Mittelpunkt der Arbeit der Koordinierungsstelle standen bereits damals – und stehen bis heute – Service, Dokumentation und Transparenz. Hierbei ist es der zentrale Leitgedanke der Koordinierungsstelle, den betroffenen Einrichtungen und Personen mit konkreten Serviceinstrumenten bei der Erfüllung der ihnen obliegenden Aufgaben zu helfen.

Dabei dient insbesondere die Dokumentation auf der Fachebene bis heute als ein zentrales Element der Bestimmung etwa derjenigen Objekte, über die auf politischer Ebene bilateral zwischen Deutschland und jeweils betroffenen Staaten wie etwa Russland, Polen und der Ukraine, verhandelt wird.

Im Rahmen eines Pilotprojektes wurden daher 1998 ausgewählte Kriegsverluste des Landes Sachsen-Anhalt unter www.beutekunst.de in das Internet gestellt; und schon hier wurden die kriegsbedingten Verluste nicht nur der Museen, sondern auch der Bibliotheken bedacht, wie etwa die zahlreichen Eintragungen zu den Buchverlusten der Stadtbibliothek Magdeburg zeigten.

Im selben Jahr, 1998, trat dann mit den Grundsätzen der Washingtoner Konferenz in Bezug auf Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurden, und die auf deren Grundlage im Dezember 1999 verabschiedetendeutschen Gemeinsamen Erklärung von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden zur Auffindung und Rückgabe von NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern, insbesondere aus jüdischem Besitz, diesog. Raubkunst in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Ebenfalls 1998 erweiterte sich die Trägerschaft der Koordinierungsstelle, die nunmehr von allen Ländern finanziert wurde.

3 Die 2000er Jahre

Eine erneute Erweiterung der Trägerschaft ergab sich bereits 2001: Ab diesem Zeitpunkt beteiligte sich auch der Bund, vertreten durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, an der Koordinierungsstelle.

Eine der bis heute zentralen Aufgaben der Koordinierungsstelle ist die Dokumentation von Such- und Fundmeldungen zu Beutekunst und NS-Raubkunst über die im April 2000 online geschaltete Internet-Datenbank „www.lostart.de“. Ausgangspunkt und Grundlage für die Arbeit der Koordinierungsstelle im Bereich der NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgüter waren dabei die vorbezeichneten Grundsätze der Washingtoner Konferenz von 1998 und die deutsche Gemeinsame Erklärung von 1999. Zusammenfassend sollen nach der Gemeinsamen Erklärung die Einrichtungen unter anderem ihren Bestand nach Objekten, bei denen eine NS-belastete Provenienz nicht ausgeschlossen werden kann, durchsehen und die Ergebnisse der Koordinierungsstelle melden, womit dann durch die Veröffentlichung über „www.lostart.de“ Transparenz hergestellt und Suchende und Findende zusammengeführt werden können.

Momentan werden von über 1 800 in- und ausländischen Institutionen (einschließlich fehlmeldender Einrichtungen) – hierunter auch zahlreiche Bibliotheken des In- und Auslands – und Personen Meldungen zu mehr als 149 000 Einzelobjekten in „www.lostart.de“ verzeichnet. So finden sich in „www.lostart.de“ etwa Suchmeldungen der Zentral- und Landesbibliothek Berlin, der Universitätsbibliothek Heidelberg, der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, der Stadtbibliothek Nürnberg, der Bibliothek der Archenhold-Sternwarte Berlin-Treptow, der Bibliothek der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Bibliothek der Kirche St. Nikolai in Berlin, der Bibliothek des Deutschen Bundestages, der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, der Universitätsbibliothek der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, der Universitätsbibliothek Rostock, der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern, der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek und der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha. Im Bereich der Fundmeldungen zu Objekten mit Provenienzlücken hingegen verzeichnet „www.lostart.de“ beispielsweise Eintragungen der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, der Anhaltischen Landesbücherei in Dessau-Roßlau, der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, der Universitätsbibliothek „Bibliotheca Albertina“ Leipzig, der Stadtbibliothek Essen, der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, der Universitätsbibliothek der TU Braunschweig, der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen und der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam. Hinzu kommen – unter internationalem Blickwinkel – Meldungen von beispielsweise österreichischen und ukrainischen Bibliotheken in „www.lostart.de“.

Neben „www.lostart.de“ wurde 2001 die Veröffentlichungsreihe der Koordinierungsstelle zu NS-Raubkunst, Beutekunst, jüdischem Mäzenatentum und nationalem bzw. internationalem Kulturgutschutz begründet, in der bisher acht Bände in Form von beispielsweise Fallsammlungen und Konferenzdokumentationen verfügbar sind. Und bereits im ersten Band „Beiträge öffentlicher Einrichtungen der Bundesrepublik Deutschland zum Umgang mit Kulturgütern aus ehemaligem jüdischen Besitz“ von 2001 wird auf die Bibliotheken Bezug genommen, wie etwa der dortige Beitrag „Jüdische Buch- und Lebensspuren“ von Jürgen Babendreier (Staats- und Universitätsbibliothek Bremen) illustriert. Dass die Bibliotheken bis heute gerade auch in den Veröffentlichungen der Koordinierungsstelle einen festen Platz haben, zeigt etwa der Beitrag von Cordula Reuß (Universitätsbibliothek Leipzig) im jüngsten Band „Die Verantwortung dauert an“ der Koordinierungsstelle, in dem sie über die entsprechenden Arbeiten der Universitätsbibliothek Leipzig berichtet berichtet.

Daneben realisierte die Koordinierungsstelle zahlreiche nationale und internationale Tagungen – gemeinsam mit und gerade auch für Bibliotheken: So veranstaltete sie etwa 2002 in Berlin einen Workshop zu NS-Raubgut, in dessen Rahmen einer von drei Arbeitskreisen speziell den Bibliotheken gewidmet war. Ein Jahr später, 2003, veranstaltete dann die „Initiative Fortbildung für wissenschaftliche Spezialbibliotheken und verwandte Einrichtungen e. V.“ in Zusammenarbeit mit der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar und der Koordinierungsstelle die Fachtagung „Provenienzforschung für die Praxis. Recherche und Dokumentation von Provenienzen in Bibliotheken“ in Weimar. Im Rahmen dieser Veranstaltung informierten etwa die Staats- und Universitätsbibliothek Bremen und die Stadtbibliothek Nürnberg über ihre Arbeiten im Bereich der Auffindung von NS-Raubgut. Da sich diese Kooperation bewährte, fanden sich alle drei Tagungspartner ein Jahr später erneut zusammen und realisierten im September 2004 in Berlin die Tagung „Von der Provenienzforschung zur Restitution geraubten Kulturgutes: Politischer Wille und praktische Umsetzung“. Dabei wurden nicht nur die beiden Themenbereiche NS-Raubkunst und Beutekunst angesprochen, sondern zugleich auch der Blick ins Ausland gerichtet, wie durch Beiträge von Referenten aus Großbritannien, Russland und Österreich deutlich wurde. Auch in den Folgejahren bis hin in die Gegenwart standen und stehen die Bibliotheken im Fokus der Arbeit der Koordinierungsstelle: So wurde etwa 2010 gemeinsam mit der „Initiative Fortbildung für wissenschaftliche Spezialbibliotheken und verwandte Einrichtungen e. V.“, der Zentral- und Landesbibliothek Berlin und der Koordinierungsstelle eine zweitägige Tagung zu NS-Raubgut in Bibliotheken und Archiven realisiert. Und schließlich spielte die Frage des Umgangs auch mit Raubgut-Büchern eine Rolle im ersten internationalen einwöchigen „Provenance Research Training Program“, das die Koordinierungsstelle im Sommer 2012 in Magdeburg durchführte und an dem Vertreter aus mehreren Staaten teilnahmen.

Seit 2003 dient die Koordinierungsstelle zudem als Geschäftsstelle für die im Jahr 2003 gegründete „Beratende Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter, insbesondere aus jüdischem Besitz“: Diese Kommission, der unter anderem die ehemalige Bundeverfassungsgerichtspräsidentin Jutta Limbach, der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker und die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth angehören, gibt als Mediatorin Empfehlungen bei Auseinandersetzungen um NS-verfolgungsbedingt entzogene Kulturgüter, wenn dies von beiden Parteien gewünscht wird.

Ab 2005 wurde „www.lostart.de“ durch ein „Modul Provenienzrecherche“ ergänzt, das seitdem kontinuierlich ausgebaut wird. Während die in der Datenbank abrufbaren Informationen zu Such- und Fundmeldungen auf Angaben der Melder basieren, werden die in diesem neuen Modul bereitgestellten Inhalte durch die Auswertung etwa von Fachliteratur gewonnen. Dabei unterteilt sich das Modul in die Bereiche NS-verfolgungsbedingt entzogene Kulturgüter („NS-Raubkunst“) und kriegsbedingt verbrachte Kulturgüter („Beutekunst“): Der Zweig NS-Raubkunst informiert insbesondere über jüdische Sammler und Kunsthändler, Auslagerungs- und Verlagerungsorte geraubten Kulturgutes, Dienststellen und Verantwortliche des systematischen und organisierten NS-Kulturgutraubes und beteiligte Privatpersonen und Körperschaften am NS-Kulturgutraub; er verzeichnet zudem Tätigkeits- und Erfahrungsberichte zur Provenienzrecherche, Gesetze, Archive und Quellen und beinhaltet eine Datenbank ausgewählter Auktionen während des Nationalsozialismus. Der Zweig Beutekunst hingegen informiert etwa über gesetzliche Grundlagen, Rückführungsverhandlungen und Fachkooperationen zwischen den Staaten sowie zu mehr als 600 Auslagerungsorten deutscher Institutionen, die mit den Suchmeldungen zu den Kriegsverlusten von Museen, Bibliotheken und Archiven verknüpft wurden, um so auch neue Hinweise auf Provenienz und Verbleib der bis heute vermissten Kulturgüter zu erhalten; er beinhaltet zudem eine Zeittafel ausgewählter historischer Ereignisse sowie weiterführende Links und Literaturhinweise.

Da es sich bei den Arbeitsbereichen der Koordinierungsstelle um komplexe Themengebiete handelt, realisierte die Koordinierungsstelle ab 2009 mehrere „Checklisten“, die einen ersten, gerade auch praktisch orientierten Einstieg in die jeweiligen Bereiche ermöglichen: So informiert die „Checkliste Provenienzrecherche“ über das Ziel und ausgewählte Indizien zur Suche nach NS-Raubkunst bis hin zur Meldung an die Koordinierungsstelle. Vor dem Hintergrund des – bereits eingangs für 1994 exemplarisch geschilderten und seitdem vermehrten – Auftauchens kriegsbedingt verbrachter Kulturgüter hat die Koordinierungsstelle zudem eine „Checkliste Beutekunst“ veröffentlicht, die über die bei einem solchen Auftauchen von Beutekunst einzuleitenden Erstmaßnahmen Auskunft gibt. Auch im Hinblick auf museumsethische Fragen wurde die Koordinierungsstelle aktiv: So wurde in Kooperation zwischen dem International Council of Museums (ICOM), dessen Ethics Committee die Koordinierungsstelle seit 2011 angehört, die „Checklist on Ethics of Cultural Property Ownership especially concerning Museum Collections“ (Checkliste Museumsethik) geschaffen.

Um alle die hier beschriebenen, unterschiedlichen Serviceinstrumente zielgenau auf die Anforderungen und Bedürfnisse der Betroffenen ausrichten zu können, wurde 2008 ein Fachbeirat zur Koordinierungsstelle eingerichtet. Dieser Fachbeirat unterstützt und begleitet die Stelle in allen ihren aktuellen und geplanten Projekten mit Rat und Tat. Der Fachbeirat besteht aus Repräsentanten von Museen, Bibliotheken, Archiven und übergeordneten Verbänden. Ihm gehören die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Deutsche Museumsbund, ICOM Deutschland, der Arbeitskreis Provenienzforschung, das Bundesarchiv und das Landesarchiv Berlin. Die Bibliotheken werden im Fachbeirat der Koordinierungsstelle durch die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und die Zentral- und Landesbibliothek Berlin repräsentiert.

4 Die 2010er Jahre

Die Koordinierungsstelle ist eine jeweils zeitlich befristet eingerichtete Institution. Vor diesem Hintergrund haben sich der Bund und alle Länder darauf verständigt, dass die Koordinierungsstelle im Rahmen ihrer aktuellen Laufzeit von 2010 bis 2016 folgende Aufgaben wahrnehmen soll:

  • 1.

    Dokumentation von Such- und Fundmeldungen des In- und Auslands zu NS-verfolgungsbedingt entzogenen bzw. infolge des Zweiten Weltkriegs verbrachten Kulturgütern zur Präsentation in „www.lostart.de“

  • 2.

    Gewährleistung der Funktionsfähigkeit und kontinuierliche Überarbeitung des Angebotes von Datenbank und Website „www.lostart.de“ mit dem Ziel des weiteren Ausbaus zu einem Informationsportal (einschl. Forum)

  • 3.

    Geschäftsstelle der Beratenden Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter, insbesondere aus jüdischem Besitz

  • 4.

    Fachadministration des Projekts Website Kulturgutschutz Deutschland und Datenbank national wertvolles Kulturgut („www.kulturgutschutz-deutschland.de“)

  • 5.

    Entwicklung und Realisierung von Serviceinstrumenten zur Unterstützung von kulturgutbewahrenden Einrichtungen und Einzelpersonen

  • 6.

    Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen der Aufgabenstellung

  • 7.

    Unterstützung von Bund und Ländern

Mitte 2010 übertrugen der Bund und die Länder der Koordinierungsstelle eine neue Aufgabe, die nichts mit Beutekunst oder Raubkunst zu tun hat: Vor dem Hintergrund der hohen Bedeutung, die Bund und Länder dem Kulturgutschutz zumessen, wurde die Website „www.kulturgutschutz-deutschland.de“ eingerichtet, die das gesamte national wertvolle Kulturgut und die national wertvollen Archive Deutschlands in Form von Kunstwerken, Büchern, Archivalien, Denkmalen zusammen mit Ansprechpartnern für Verfahren, Rechtsgrundlagen und vieles mehr verzeichnet und deren Fachadministration von der Koordinierungsstelle wahrgenommen wird. Die Website verfolgt dabei insbesondere die Ziele der Stärkung des Bewusstseins für den nationalen und internationalen Kulturgutschutz und die Herstellung von Transparenz im In- und Ausland, wodurch sie auch einen zentralen Beitrag Deutschlands zur Bekämpfung des illegalen Kulturgüterhandels bildet. Dabei spielt auch national wertvolles Bibliotheksgut eine bedeutende Rolle: So hat etwa Brandenburg unter anderem die Entomologische Spezialbibliothek des Deutschen Entomologischen Instituts verzeichnen lassen, die aus ca. 29 000 Monographien, 48 000 Periodika-Bänden, 118 000 Sonderdrucken u. a. mehr besteht. Hessen etwa hat die Gräflich Solms-Laubach’sche Schlossbibliothek (vereinigt mit den Beständen der früheren Arnsburger Klosterbibliothek) eintragen lassen, die ca. 50 000 Bände Altbestand, Handschriften, ca. 60 Inkunabeln, Drucke und 5 000 Dissertationen umfasst. Und Niedersachsen hat etwa einen Sachsenspiegel von 1 336 eintragen lassen.

Mit der stetig wachsenden Zahl der vorbezeichneten, unterschiedlichen Serviceprodukte der Koordinierungsstelle stellte sich die Frage, wie hierüber am geeignetsten zentral informiert werden kann. Daher hat die Koordinierungsstelle im Sommer 2012 die Dachwebsite „www.koordinierungsstelle-magdeburg.de“ realisiert, um den Nutzer auf einen Blick über das gesamte Aufgabenspektrum zu informieren.

5 Ausblick

Das aktuelle Aufgabentableau der Koordinierungsstelle zeigt nicht nur die Entwicklung der Stelle seit 1994 bis in die Gegenwart; als Spiegel der gerade auch nationalen und internationalen kulturpolitischen Herausforderungen in den Themengebieten NS-Raubkunst, Beutekunst und Kulturgutschutz illustriert es zudem das Entstehen stetig neuer Aufgaben – und zugleich deren nachhaltige Wahrnehmung auf der nationalen und internationalen Fachebene: Denn wohl nur schwerlich hätte man etwa Anfang der 1990er Jahre annehmen können, dass das historisch und politisch hochsensible Thema der Beutekunst auch über zwanzig Jahre später noch zu einem großen Teil ungelöst sein würde und mithin dabei auch der von der Koordinierungsstelle wahrgenommenen Dokumentation und damit hergestellten Transparenz eine auch heute zentrale Bedeutung zukommen würde. Für die Thematik der NS-Raubkunst wird schon am Beispiel der stetig steigenden Anzahl von Such- und Fundmeldungen in „www.lostart.de“ deutlich, dass auch dieses Feld zukünftig von hoher Relevanz bleiben wird. Da von beiden Themenbereichen gerade auch Bibliotheken betroffen sind, wird die Koordinierungsstelle im Sinne ihres Servicegedankens auch zukünftig ihre Leistungen an den jeweiligen Anforderungen und den Bedürfnissen der Bibliotheken orientieren, um sie damit bei der Wahrnehmung ihrer vielfältigen Aufgaben weiterhin praktisch zu unterstützen.

About the article

Michael Franz

Dr. Michael Franz, Leiter Koordinierungsstelle Magdeburg

Turmschanzenstraße 32

39114 Magdeburg

Tel.: +49(0)391-5 67 38 91

Fax: +49(0)391-5 67 38 99

www.lostart.de

www.kulturgutschutz-deutschland.de


Published Online: 2013-03-22

Published in Print: 2013-04-03


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 47, Issue 3-4, Pages 217–224, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2013-0023.

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