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Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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ISSN
2194-9646
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Volume 47, Issue 8-9

Issues

Bayern

Nina Balz / Astrid Schoger
Published Online: 2013-09-06 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2013-0065

Die Bayerische Staatsbibliothek (BSB) ist die zentrale Landes- und Archivbibliothek des Freistaates Bayern. Seit 1663 sammelt sie von allen in Bayern erschienen Veröffentlichungen über die Pflichtstückeregelung die jeweiligen Belegexemplare. Grundsätzlich gehört dazu auch das Sammeln und Archivieren von elektronischen Veröffentlichungen, sog. Netzpublikationen. Das bayerische Pflichtstückegesetz von 1986, die derzeit geltende Regelung, schließt Netzpublikationen noch nicht ein. Eine Novelle ist in Vorbereitung. Bisher werden im Wege des sog. open access erschienene online-Veröffentlichungen (vor allem thematische Websites) gesammelt und aufgrund freiwilliger Abgabe ausgewählte Veröffentlichungen einzelner kommerzieller Verleger. Der Sammelauftrag umfasst auch Netzpublikationen amtlicher Herausgeber, die seit 2009 auf der Rechtsgrundlage des Erlasses der bayerischen Staatsregierung in der Fassung vom 2. 12. 2008 „Abgabe amtlicher Veröffentlichungen an Bibliotheken (Abgabe Bibliotheken – Abg-Bibl)“1 gesammelt werden.

Zur Ablieferung, Erschließung, Archivierung und Bereitstellung dieser Veröffentlichungen setzt die BSB das Bibliothekarische Archivierungs- und Bereitstellungssystem (BABS)2 ein, das seit 2005 in zwei DFG-Projekten an der BSB in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) auf- und laufend ausgebaut wurde. Das modulare System setzte zunächst für die Verwaltung, Bereitstellung und Langzeitarchivierung der Netzpublikationen von Drittanbietern (Verlagen, Behörden, wissenschaftlichen Einrichtungen) auf das Digital Asset Management System „DigiTool“ von Ex Libris. Zur Zeit wird auf das Langzeitarchivierungssystem „Rosetta“ ebenfalls der Firma Ex Libris migriert, das insbesondere im Bereich Planung und Durchführung von Langzeiterhaltungsmaßnahmen (Validierung, Anreicherung mit Metadaten, Risikomanagement, Planung und Durchführung von Dateimigrationen) ausdifferenziertere Funktionalitäten mitbringt. Zur Speicherung der Daten wird in beiden Fällen das am LRZ betriebene Archiv- und Backupsystem unter dem Softwarepaket Tivoli Storage Manager (TSM) der Firma IBM verwendet. Das Langzeitarchiv der BSB umfasst zurzeit ca. 1. Milliarde Dateien bzw. 476 TB.

Zertifiziert ist BABS mit dem Qualitätssiegel für Vertrauenswürdigkeit der Langzeitarchivierung, dem „Data Seal of Approval“. Überprüft wurden dafür in 16 Kriterien sowohl allgemeine organisatorische als auch workflowspezifische technische Aspekte. Zudem wurde anhand des nestor-Kriterienkatalogs eine Selbstevaluierung durchgeführt.

Derzeit sammelt die Bayerische Staatsbibliothek – entsprechend den Sammelrichtlinien der DNB wie auch der Synopse der UAG Elektronische Pflicht der AG Regionalbibliotheken – systematisch Netzpublikationen von bayerischen Ministerien, Mittelbehörden (z.B. Landesämtern), Landkreisen und kreisfreien Städten. Die Sammeltätigkeit wurde und wird schrittweise in konzentrischen Ringen auf weitere amtliche Herausgeber ausgeweitet. Das Spektrum der Publikationen umfasst v.a. Amtsblätter, Jahres- und Wirtschaftsberichte, Broschüren (ab fünf Seiten) sowie Websites. Pro Jahr werden einige hundert amtliche Publikationen archiviert; die Tendenz ist stark steigend. Aktuell umfasst das Archiv in diesem Bereich ca. 1.500 Monographien, 400 laufende Zeitschriften und 60 Webarchive.

Die Vollständigkeit der Ablieferung wird derzeit intellektuell überwacht durch Vergleich der auf den Seiten der abgabepflichtigen Institutionen veröffentlichten und der abgelieferten Publikationen. Gegebenenfalls werden Erinnerungen verschickt.

Ablieferer können ihre monographischen und periodischen Publikationen per Upload über das webbasierte Verfahren Deposit (Anmeldung der Ablieferer) oder per E-Mail an die Bayerische Staatsbibliothek abgeben. Möglich ist außerdem, der Bibliothek einen unentgeltlichen Zugriff für die Abholung zu ermöglichen. Somit können Websites über das Web Curator Tool (WCT) mit dem Crawler Heritrix nach BABS eingebracht werden. Bei WCT handelt es sich um eine Open-Source-Software, die von der British Library und der National Library of New Zealand entwickelt wurde.

Alle in BABS aufgenommenen Titel werden von Mitarbeiterinnen der Bibliothek nochmals intellektuell auf Berechtigung, Integrität und Vollständigkeit kontrolliert und dann erschlossen. Wurde der Zugang zur Publikation von der abliefernden Institution eingeschränkt, werden eigene Access-Metadaten in DigiTool bzw. Rosetta vergeben. Der Zugriff kann auf registrierte Bibliotheksbenutzer oder auf die Lesesäle eingeschränkt werden. Im Regelfall können die amtlichen elektronischen Veröffentlichungen jedoch allen Interessenten frei zugänglich über die Katalogsysteme zur Verfügung gestellt werden.

Abb. 1: Der Workflow des Bibliothekarischen Archivierungs- und Bereitstellungssystems (BABS).

Es besteht eine bidirektionale Schnittstelle zum Aleph-Verbundkatalog und damit indirekt zu den Lokalkatalogen der Bayerischen Staatsbibliothek und potentiell anderer Bibliotheken im Bayerischen Verbund. Bibliographische Metadaten aus dem Katalog werden in das Langzeitarchivierungssystem übertragen; die von diesem generierte URN sowie die Archiv-URL werden an den Katalog weitergegeben. Ferner werden über eine OAI-Schnittstelle die URNs an die DNB Frankfurt gemeldet.

Zur Sicherung des Langzeiterhalts werden bei der Verarbeitung im Langzeitarchivierungssystem automatisch technische Metadaten, Checksummen und Event-Metadaten vergeben; Letztere dokumentieren die Historie sowie Veränderungen an den Objekten. BABS kann derzeit pdf und pdf/A für monographische und periodische Veröffentlichungen und ARC/WARC für Websites verarbeiten.3 In Vorbereitung sind weitere Dateiformate z.B. für AV-Medien.

Mit der organisatorisch-technischen Infrastruktur BABS für die Langzeitarchivierung an der BSB und den mittlerweile reichhaltigen Erfahrungen aus der Archivierung der unterschiedlichsten amtlichen Netzpublikationen inkl. Websites scheint die BSB grundsätzlich gerüstet zu sein, um die dynamisch wachsende Zahl sammlungs- und archivierungswürdiger Netzpublikationen in ihren Bestand aufzunehmen, und zwar auch die von kommerziellen Verlegern, wenn die notwendigen gesetzlichen Modifikationen erfolgt sind. Zur weiteren Vorbereitung gehört aber auch einerseits, eine noch intensivere Integration der Langzeitarchivierungs-Arbeitsschritte in die Routinegeschäftsgänge der Bibliothek und deren Optimierung sowie letztlich Automatisierung voranzutreiben, andererseits auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene eine noch stärkere Arbeitsteilung zu erreichen, und zwar in der Weise, dass sie spartenübergreifend auch die anderen Gedächtnisinstitutionen wie Archive und Museen einbezieht.

Footnotes

  • https://www.verkuendung-bayern.de/files/kwmbl/2009/01/kwmbl-2009-01.pdf#page=27. 

  • Weitere Informationen unter www.babs-muenchen.de. 

  • Darüber hinaus TIFF, JPEG/JPEG2000 und XML für Digitalisate. 

About the article

Nina Balz

Dr. Nina Balz

Bayerische Staatsbibliothek

Bestandsaufbau und Erschließung

80328 München

Astrid Schoger

Dr. Astrid Schoger

Bayerische Staatsbibliothek

Bestandsaufbau und Erschließung

80328 München


Published Online: 2013-09-06

Published in Print: 2013-09-03


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 47, Issue 8-9, Pages 605–608, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2013-0065.

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