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Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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ISSN
2194-9646
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Volume 47, Issue 8-9

Issues

Brandenburg

Ramona Hübner
Published Online: 2013-09-06 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2013-0067

Man könnte glauben, dass der alte Fontane die an die Pflichtexemplarstelle der Stadt- und Landesbibliothek (SLB) Potsdam zu Beginn des 21. Jahrhunderts gestellten Herausforderungen schon kannte, als er seine allgemein bekannte Erkenntnis formulierte: „Alles Alte, soweit es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir recht eigentlich leben.“1 Das Alte bewahren und sich dem Neuen nicht verschließen! Diesen Ansprüchen folgend, rufen uns beide zur gleichen Pflicht! Die SLB Potsdam hat sich diesen neuen Aufgaben gestellt und mit „BrandenburgDok“ einen Weg gefunden.

In der Vereinbarung zwischen der Stadt Potsdam und dem Land Brandenburg zur Wahrnehmung landesbibliothekarischer Aufgaben an der SLB Potsdam 2004 wurde u.a. geregelt, dass die SLB Potsdam – in Fortsetzung bereits vorausgegangener Praxis – Aufgaben, wie sie im Brandenburgischen Landespressegesetz festgeschrieben sind, übernimmt. Laut diesem Gesetz in der damaligen Fassung galt, dass Verleger und Drucker mit Sitz im Land Brandenburg, konventionelle Werke an die SLB Potsdam abzugeben haben.

Die Entwicklung hin zu einer neuen Medienart jedoch, den elektronischen Publikationen, stellte die SLB Potsdam, insbesondere bei der Sammlung amtlicher Veröffentlichungen,2 vor aktuell immer drängendere Fragen. Um darauf zu reagieren, wurde neben dem regulären Routinebetrieb in der Pflichtstelle an einer Lösung für dieses Problem gearbeitet.3 So konnte 2007 „BrandenburgDok“ seinen Betrieb aufnehmen,4 inklusive der mit ihm angebotenen Dienstleistungen.

1 Der Archivserver „BrandenburgDok“

Diese Instanz eines institutionellen Dokumentenservers wurde in Zusammenarbeit mit dem Kooperativen Bibliotheksverbund (KOBV) Berlin-Brandenburg basierend auf dem elektronischen Archivierungsdienst Opus etabliert.5

Aus der Sicht des Nutzers bzw. Abliefernden und hinsichtlich des Sammelauftrages der SLB Potsdam dient der weiterhin aufzubauende Server im Wesentlichen dazu, dass

  • ablieferungspflichtige Verlage und Herausgeber Dokumente auf einen Server einbringen können, der den Standards und Leistungskriterien eines zertifizierungswürdigen Servers entspricht.6

  • Autoren ihre Werke auf diesen Server veröffentlichen und verbreiten können, so z.B. Publikationen von Heimatforschern und Vereinen oder anderes Kleinschrifttum. Die Autoren können sich dabei darauf verlassen, dass ihre Beiträge eine dauerhafte und zitierfähige Internet-Adresse erhalten.

  • Ämter, insbesondere Kommunen, aber auch Ministerien aus dem Land Brandenburg, ihre Veröffentlichungen auf dem Server ablegen können.

  • die in den Server eingestellten Dokumente in PDF (Portable Document Format) auch gefunden werden.

Der Workflow der Dokumentenabgabe wird seitens Opus vorgegeben. Nach Eintragungen in einem Formular mit Angaben zur Veröffentlichung sowie den vom Abliefernden festgelegten Zugriffsrechten wird das Werk auf dem Server in einem temporären Verzeichnis abgelegt.

Den Vorgaben eines Dokumentenservers mit Langzeitarchivierungsfunktion folgend, erfüllt „BrandenburgDok“ entsprechend wesentliche Kriterien, u.a.

  • die Verfügung über die notwendigen OAI (Open Access Initiative)-Schnittstellen. Diese bilden zugleich die Basis für einen späteren Metadaten- und Objektaustausch mit der DNB.

  • das Auffinden von Dokumenten durch die vom KOBV etablierten OAI-Schnittstellen, welcher sich alle großen Suchmaschinen bedienen. Aufgrund ihrer stets beigefügten META-Datenstruktur werden die zudem volltextindexierten Dokumente zunehmend in strukturierten Portalen gefunden.

  • das Backup, die Absicherung der mittelfristigen Archivierung der Dokumente durch die KOBV-Zentrale.

  • die dauerhafte Adressierung der Dokumente durch die Vergabe eines Uniform Resource Name (URN).

  • die Regelung des Rechtemanagements mittels differenzierter Zugriffs- rechte.

Im Gegensatz zu Pflichtabgabestellen anderer Bundesländer wurde in Brandenburg bisher uneingeschränkt auf die Eigenabgabe der Abliefernden gesetzt. Bei Ablieferern, die regelmäßig neue Dokumente zur Verfügung stellen, bewährt sich dieses Verfahren im Sinne einer rationellen Arbeitsteilung sehr. Allgemein hat die Selbstablieferung zudem Vorteile bei der Einholung der Rechte sowie für die Gewährleistung der Authentizität der Dokumente. Der Abliefernde verfügt über den freien Zugriff oder entscheidet über die eingeschränkte Nutzung, d.h. nur in den Räumen der Bibliothek an den dafür vorgesehenen Rechnern. Eine spätere Freigabe zur allgemeinen Veröffentlichung seitens des Eigentümers des Dokuments ist grundsätzlich stets möglich.

Um Missbrauch vorzubeugen und die bibliothekarische Sacherschließung zu gewährleisten, muss die letztendliche Freischaltung nach Prüfung und Vervollständigung durch einen Mitarbeiter der Pflichtexemplarstelle veranlasst werden. Eine Schnittstelle zum regionalen Bibliothekskatalog ist nicht gegeben. Die Suche erfolgt unmittelbar in „BrandenburgDok“.

Weitere Arbeiten rund um den Archivserver sind wesentlich bleibende Aufgaben wie das Erwerben, die Kontrolle und das Mahnen, wie auch bei den konventionellen Abläufen in einer Pflichtabgabestelle. Bei der Erwerbung liegt in der Regel bei jedem Neulieferanten anfangs Erklärungsbedarf für das direkte Einbringen der Dokumente in einen Dokumentenserver und für das allgemeine Verständnis der elektronischen Archivierung vor. Außerdem müssen nicht selten potentielle Abliefernde darauf hingewiesen werden, digitale Dokumente abzugeben. Da der Sammelauftrag im Land Brandenburg nicht auf einem eigenständigen Pflichtexemplargesetz basiert und die SLB Potsdam somit keine ermächtigte Verwaltungsbehörde bei Ordnungswidrigkeiten ist, gestalten sich auch beim elektronischen Pflichtexemplar Mahnprozesse weiterhin aufwändig.

Die Anwendung von Opus änderte sich über die Jahre von Opus-Version 2.1 bis zu der für Ende 2013 vorgesehenen Migration auf die Opus-Version 4.3. So muss die Instanz der SLB Potsdam stets auf die speziellen Gegebenheiten der neuen Opus-Version individuell angepasst werden. Die Abbildung von Hierarchiestrukturen ist dabei ein nicht unkompliziertes und umfangreiches Unterfangen.

2 Das Brandenburgische Landespressegesetz

2012, fünf Jahre nach der Inbetriebnahme des Archivservers „BrandenburgDok“, wurde auch das Brandenburgische Landespressegesetz geändert. Das Gesetz wurde dahingehend erweitert, dass elektronische Dateien, so diese der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, dann der Abgabepflicht unterliegen, wenn diese „digitale Ausgaben von Werken, (die) Druckwerken gemäß § 7 gleichstehen“.7 Das Hauptaugenmerk liegt somit auf den weitverbreiteten, druckbildähnlichen und archivierungsfähigen Netzpublikationen, den PDF-Dokumenten. Eine noch nachzureichende neue Pflichtexemplarverordnung (PflEV) steht derzeit noch aus und wird die aktuell gültige Fassung aus dem Jahre 19948 ersetzen.

3 Fazit und Ausblick

Derzeit fände Fontane eine Situation vor, in der sich die SLB Potsdam in einer schwebenden Mittelposition befindet angesichts der Frage, ob wir mehr Arbeitszeit den herkömmlichen Medien oder der neuen Medienart zur Verfügung stellen sollen. Vorherrschend werden die Aufgaben der Archivierung von Medien auf den ‚alten‘ Datenträgern bearbeitet. Zusätzlich wird sich dem elektronischen Pflichtexemplar zugewandt. Eingehende Dokumente, Routineaufgaben für „BrandenburgDok“ und akute Anfragen werden bearbeitet. Seit 2007 sind knapp 5.000 Dokumente angemeldet und archiviert worden.

Das konsequent pragmatische Herangehen sowie Lösungen zum Bereitstellen einer unkomplizierten Möglichkeit für den heterogenen Kreis von Pflichtlieferanten haben sich zunächst bewährt. Es stehen Aufgaben an, wie die Migration auf die Opus-Version 4.3 und es bedarf der Anbindung automatisierter Prozesse z.B. bei Mahnabläufen. Für die Zertifizierung der institutionellen Instanz ist eine Protokollierung zu erstellen. Eine konsequent stringente Orientierung an eng gefassten Sammelschwerpunkten ist notwendiger denn je.

Für eine weiterhin zufriedenstellende Erfüllung des gesetzlich erweiterten Pflichtexemplarauftrags werden aber auch weitere Rahmenbedingungen entscheidend sein. So richtet sich das Augenmerk der SLB Potsdam derzeit u.a. auf die neue PflEV, in der noch genauere Details der Umsetzung des novellierten Gesetzes nachgereicht und öffentlich gemacht werden müssen.

Das Alte bewahren und sich dem Neuen zuwenden. Die Bemühungen der SLB Potsdam werden auch zukünftig diesen Ansprüchen folgen.

Footnotes

  • Fontane, Theodor: Der Stechlin. Fontanes Werke in fünf Bänden. Hrsg. von den Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der Klassischen Deutschen Literatur. Bd. 5. Berlin u.a. 7. Aufl. 1986, S. 291. 

  • Abgabe amtlicher Veröffentlichungen an Bibliotheken; http://bibliothek.potsdam.de/Abgabe amtlicher.pdf [Zugriff 18. Mai 2013]. 

  • Ramona Hübner: Der Archivserver „BrandenburgDok“. Konzeption und Umsetzung der erweiterten Pflichtexemplararchivierung von Netzpublikationen in der Landesbibliothek Brandenburg. Fachhochschule Potsdam Diplomarbeit 2006; http://opus.kobv.de/slbp/volltexte/ 2007/468/ [Zugriff 24. Mai 2013]. 

  • http://opus.kobv.de/slbp/uni/index.php; Anmelden von Dokumenten für OPUS in „BrandenburgDok“ [Zugriff 24. Mai 2013]. 

  • http://opus4.kobv.de/opus4-zib/files/1051/ZR_07_47.pdf; Monika Kuberek: Open-Access – Aufbau, Pflege und Betrieb lokaler Publikationsserver in der KOBV-Zentrale [Zugriff 24. Mai 2013]. 

  • Die OPUS-Masterinstanz im KOBV Berlin-Brandenburg basiert auf dem OAI-Referenzmodell. 

  • Pressegesetz des Landes Brandenburg (Brandenburgisches Pressegesetz – BbgPG); http:// bibliothek.potsdam.de/Pressegesetz_des_Landes_Brandenburg.pdf [Zugriff 18. Mai 2013]. 

  • Pflichtexemplarverordnung – PflEV; http://bibliothek.potsdam.de/Verordnung.pdf [Zugriff 18. Mai 2013]. 

About the article

Ramona Hübner

Ramona Hübner

Stadt- und Landesbibliothek Potsdam

Friedrich-Ebert-Straße 4

14467 Potsdam


Published Online: 2013-09-06

Published in Print: 2013-09-03


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 47, Issue 8-9, Pages 611–615, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2013-0067.

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