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Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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ISSN
2194-9646
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Volume 47, Issue 8-9

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Niedersachsen

Peter Marmein
Published Online: 2013-09-06 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2013-0071

Die Ablieferungspflicht für Niedersachsen ist in § 12 des Niedersächsischen Pressegesetzes vom 22. März 1965,1 zuletzt geändert am 11. Oktober 2010,2 geregelt. Pflichtstelle ist die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek (GWLB). Erfasst sind in dem Gesetz Druckwerke einschließlich besprochener Tonträger. Nicht erfasst sind Medien in unkörperlicher Form. Das Gleiche gilt für den Erlass zur Abgabe amtlicher Veröffentlichungen sowie Landkarten und Pläne an Bibliotheken vom 5. Dezember 1996,3 der immerhin eine Ablieferung in „jeder physischen Form“ konstituiert (damit implizit auch von Datenträgern), aber gleichfalls nicht auf Werke in unkörperlicher Form eingeht. Mit der wachsenden Bedeutung elektronischer Publikationen besteht hier zunehmend Handlungsbedarf. Für die Aufnahme elektronischer Publikationen in das Sammelprofil waren vor einer rechtlichen Regelung allerdings zunächst einmal die technischen Voraussetzungen zu schaffen.

Die GWLB entschied sich dazu, die „elektronische Pflicht“ in einem dreistufigen Konzept zu verwirklichen. Ausgangspunkt war die bereits bestehende freiwillige Abgabe von elektronischen Publikationen durch Verlage, Behörden und Privatleute an die Pflichtstelle. Anhand dieses Materials war ein Verfahren zur Archivierung, Erschließung und Langzeitverfügbarkeit zu entwickeln, das für eine größere Menge von Sammelgut tragfähig war. Dazu gehörten der Aufbau einer technischen Plattform, die Entwicklung eines Geschäftsgangs, die Erstellung von Sammelrichtlinien und eine Einschätzung des Ressourcenbedarfs. Als nächster Schritt war durch eine Neufassung des Erlasses die Abgabe amtlicher Veröffentlichungen auch in unkörperlicher Form zu regeln. Nach Auswertung der Erfahrungen mit den elektronischen amtlichen Veröffentlichungen und auf der Grundlage der in der Zwischenzeit erstellten Sammelrichtlinien war dann eine entsprechende gesetzliche Regelung für die Abgabe elektronischer Pflichtexemplare zu initiieren. Diese sollte (wie bei den Druckwerken) eine Anbietungspflicht ohne Abnahmeverpflichtung enthalten.

Bei der Auswahl der technischen Plattform entschieden wir uns nach Prüfung verschiedener Lösungen für die Erweiterung der bereits verwendeten Datenbank-Software openCiXbase um ein Modul zur Ablieferung, Archivierung, Erschließung und Verfügbarmachung von elektronischen Publikationen. Die Anforderungen an dieses Modul wurden in einem Lastenheft zusammengestellt, das vorsah, dass die abliefernden Stellen die elektronischen Dokumente samt zugehöriger Metadaten über ein eigens hierfür entwickeltes Webformular auf den Server der GWLB hochladen. Vorgeschaltet war eine Registrierung bei der GWLB, um die Zugangsdaten zum Einloggen zu erhalten. Die von der Firma IDM – Intelligent Database Management, Osnabrück, nach diesen Vorgaben erarbeitete Lösung stellt drei Formulare für die Metadaten zur Verfügung, nämlich für die Ablieferung von monographischem Material, für „Hefte“ eines Periodikums und für die Aufnahme einzelner Artikel. Die abliefernde Stelle wird dazu aufgefordert, das entsprechende Formular möglichst vollständig auszufüllen; Pflichtfelder sind gekennzeichnet. Zu jedem Feld gibt es eine Erklärung, wie dieses auszufüllen ist. Nach Speicherung des ausgefüllten Formulars wird die zugehörige Datei hochgeladen. In der GWLB werden die abgelieferten Publikationen und die zugehörigen Metadaten überprüft, ggf. korrigiert und ergänzt und dann freigeschaltet.

Dieses System wurde unter dem Namen NOA (Niedersächsisches Online-Archiv) in Betrieb genommen, und zwar zunächst als Repositorium für die freiwillige Ablieferung von unkörperlichen Werken und für eigene Publikationen der GWLB. Die Ablieferung war im PDF-Format (PDF/A) vorgesehen, was bis heute so geblieben ist, sich aber mehr oder minder problemlos auf andere Formate (EPUB) erweitern ließe. Die URN-Vergabe erfolgt automatisiert durch das System. Eine automatisierte Übertragung in den Verbundkatalog ist angestrebt, aber noch nicht realisiert. Vorläufig wird noch durch Kopie übertragen, wobei das Niedersächsische Online-Archiv allerdings das Pica3-Format anbietet, was den Ablauf wesentlich erleichtert. Die Kommunikation NOA – DNB-System wird über die Schnittstelle EPICUR realisiert, für den Datenaustausch mit der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) wird das Metadatenformat ONIX eingesetzt; eine Erweiterung auf MARC21 wird derzeit geprüft.

Das Rechtemanagement sah im ursprünglichen Konzept vier Stufen vor, nämlich uneingeschränkte Nutzung, Nutzung nur an Internetgeräten der GWLB, Nutzung nur an einem Rechner und „nicht zugänglich“. Die dritte Variante wurde aus technischen Gründen inzwischen aufgegeben.

Parallel zur Aufsetzung der technischen Plattform wurde eine Neufassung des Erlasses über die Abgabe amtlicher Veröffentlichungen vorbereitet, die auch die Ablieferung von Publikationen in unkörperlicher Form regeln sollte. Dabei sollte die Abgabe an eine Vielzahl von Bibliotheken – GWLB, Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Landesbibliothek Oldenburg, Bibliothek des Niedersächsischen Landtags, Deutsche Nationalbibliothek, Bayerische Staatsbibliothek in München und Staatsbibliothek Berlin – möglichst gebündelt werden. Dies wurde in der Form gelöst, dass die GWLB als Sammelstelle für die Ablieferung von elektronischen Pflichtexemplaren an die niedersächsischen Bibliotheken und an die DNB fungiert und die eingelieferten Publikationen im Datentausch an diese weitergibt. Realisiert wurde dies mit der DNB, die einmal monatlich die in NOA neu eingestellten amtlichen Veröffentlichungen samt Metadaten einsammelt, für die auf diesem Wege die Langzeitarchivierung im System der DNB gesichert ist.

Die Neufassung des Erlasses ist nach einem umfangreichen Abstimmungsprozess im Dezember 2012 ergangen.4 Der Erlass führte zunächst zu vermehrter Nachfrage und Informationsbedarf seitens der Ministerien und Behörden, bis jetzt allerdings noch nicht zu einem wirklichen Schub von Neueinlieferungen. Erst die weitere Entwicklung wird zeigen, mit welchem Volumen hier tatsächlich zu rechnen ist.

Aufwändiger und schwieriger gestaltet sich die Initiierung einer gesetzlichen Regelung für die elektronische Pflichtablieferung. Die GWLB hat zusammen mit dem Landesverband Niedersachsen im DBV zunächst den Weg der Einbettung in ein Bibliotheksrechtsgesetz verfolgt, dessen Entwurf in Artikel 2 eine entsprechende Änderung des Niedersächsischen Pressegesetzes vorsah. Dafür war folgende Formulierung vorgesehen: „Für digitale Publikationen gilt Absatz 1 [begründet die Ablieferungspflicht] entsprechend. Digitale Publikationen sind Darstellungen in Schrift, Bild und Ton, die auf Datenträgern oder in unkörperlicher Form in öffentlichen Netzen verbreitet werden. Zur Ablieferung verpflichtet ist, wer den Datenträger wie ein Verleger verbreitet oder berechtigt ist, die unkörperliche digitale Publikation öffentlich zugänglich zu machen und den Sitz, eine Betriebsstätte oder den Hauptwohnsitz im Geltungsbereich dieses Gesetzes hat. Die Ablieferung erfolgt nach Maßgabe einer vom zuständigen Ministerium zu erlassenden Rechtsverordnung. Die Niedersächsische Landesbibliothek legt die bei der Ablieferung zu beachtenden technischen Standards in Abstimmung mit der Deutschen Nationalbibliothek fest.“

Nach Stand der Dinge wird der Weg zu einem Bibliotheksrechtsgesetzes allerdings nicht weiterverfolgt werden. Die GWLB strebt stattdessen in Abstimmung mit dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur eine Novellierung des Pressegesetzes an, die den Weg einer Grundsatzregelung durch Gesetz mit nachgeordneter Rechtsverordnung beschreiten soll.

Footnotes

  • Nds. GVBl. S. 9. 

  • Nds. GVBl. S. 480. 

  • Nds. MBl. S. 86. 

  • Gem. RdErl. v. d. MWK, der StK u. d. übr. Min. vom 11. 12. 2012, Nds. MBl. 2013, S. 6. 

About the article

Peter Marmein

Peter Marmein

Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek

Niedersächsische Landesbibliothek

Waterloostr. 8

30169 Hannover


Published Online: 2013-09-06

Published in Print: 2013-09-03


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 47, Issue 8-9, Pages 626–629, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2013-0071.

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