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Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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ISSN
2194-9646
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Volume 47, Issue 8-9

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Nordrhein-Westfalen

Holger Flachmann
Published Online: 2013-09-06 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2013-0072

Die Pflichtsammlung unkörperlicher, in Nordrhein-Westfalen verlegter Medienwerke durch die Universitäts- und Landesbibliotheken (ULB) Bonn, Düsseldorf und Münster1 ist im Aufbau begriffen.2 Sie begann 2010/2011 mit der Einrichtung einer geeigneten technischen Infrastruktur sowie mit der Sammlung amtlicher Netzpublikationen. Derzeit wird sie auf gesetzliche Pflichtexemplare ausgedehnt. Parallel dazu arbeiten die Landesbibliotheken an einem gemeinsamen Sammelprofil und optimieren die technischen Voraussetzungen für die Ablieferung, Bereitstellung und Archivierung digitaler Einzel- und Sammelwerke.

1 Rechtliche Grundlagen

Die Pflichtsammlung digitaler Medienwerke beruht auf dem „Gesetz über die Ablieferung von Pflichtexemplaren in Nordrhein-Westfalen“3 vom 29. Januar 2013 und auf dem Erlass der Landesregierung über die „Abgabe amtlicher Veröffentlichungen an Bibliotheken“4 vom 12. Juni 2008. Beide Vorschriften enthalten eigens auf Netzpublikationen abgestellte Bestimmungen für die Abgabe der elektronischen Werke sowie für ihre technische Verarbeitung und Bereitstellung durch die Landesbibliotheken. Zur Koordination der konventionellen mit der E-Pflicht wird den Landesbibliotheken ein Optionsrecht für die Ablieferung inhaltlich identischer paralleler Werkausgaben eingeräumt (vgl. § 4 Abs. 2 Pflichtexemplargesetz, PEG). Ebenfalls hervorzuheben ist die Benutzungsregelung für unkörperliche Pflichtmedien. Die Landesbibliotheken dürfen sie in ihren Räumen zugänglich machen, unter Beachtung ausreichender „Vorkehrungen gegen eine unzulässige Vervielfältigung, Veränderung oder Verbreitung“ (§ 4 Abs. 6 PEG).

2 Betriebsarchitektur, Schnittstellen, Langzeitarchivierung

Zur Sammlung, Erschließung und Präsentation der elektronischen Pflichtpublikationen bedienen sich die drei NRW-Landesbibliotheken der Software Visual Library (VL). Das Benutzungsportal der Pflichtrepositorien wird dem Netzauftritt der jeweiligen ULB angepasst.5 Gegenüber dem Hersteller machen die Landesbibliotheken Entwicklungsbedarf gemeinsam geltend.

Für die Titelbearbeitung und den Titelnachweis bestehen Schnittstellen zur Verbunddatenbank beim Hochschulbibliothekszentrum (hbz) in Köln. Der hbz-Katalog6 fungiert als landesweite Gesamtverzeichnung der elektronischen wie auch der konventionellen Pflichtliteratur. Bei inhaltlichem Landesbezug erfolgt ein zusätzlicher Nachweis in der Nordrhein-Westfälischen Bibliographie (NWBib) (vgl. § 2 Abs. 2 PEG), die eine eigenständige Sicht der Verbunddatenbank darstellt.7 Das hbz gibt die NRW-Pflichttitel an die lokalen und überregionalen Bibliothekskataloge weiter.

Für die dauerhafte Sicherung der E-Pflichtdokumente beteiligen sich die ULB am Entwicklungsprojekt Digitales Archiv des Landes Nordrhein-Westfalen.

3 Pflichtzugang und -bearbeitung

Als die nordrhein-westfälischen Landesbibliotheken 2010/11 mit der Sammlung elektronischer amtlicher Veröffentlichungen (AVÖ) begannen, stand für die Pflichtabgabe noch kein Instrumentarium zur Verfügung. Mit der Fertigstellung des Ablieferungswerkzeuges in der VL 2013 können registrierte Pflichtlieferanten ihre unkörperlichen Medienwerke in Zukunft über ein Netzformular an die Landesbibliotheken abliefern. Das Formular bietet den Ablieferungspflichtigen die Option, ihre unter Angaben zum Titel gelieferten Pflichtexemplare über die o. g. gesetzliche Mindestnutzbarkeit hinaus für das Internet frei zu geben. Anstelle der Ablieferung räumt das Pflichtexemplargesetz auch die Möglichkeit ein, dass die Landesbibliotheken nach ihren Maßgaben vom Abgabepflichtigen bereitgestellte Pflichtpublikationen selbst abholen (vgl. § 1 Abs. 1 PEG).

Zur Bearbeitung der E-Pflichttitel nutzen die Landesbibliotheken die bereits für die konventionelle Pflicht verwendeten Erwerbungs- und Erschließungsinstrumente, einschließlich der etablierten Reklamationsverfahren. Titelaufnahmen werden in der Verbunddatenbank, bei Periodika zunächst in der ZDB erstellt und über die aus dem Bearbeitungsmodul erzeugten URN in das Pflichtrepositorium eingespielt. Für die Landesbibliographie relevante Netzpublikationen erhalten auch RSWK-Schlagwörter und die jeweilige Klasse in der NWBib-Systematik, die auch der Präsentation im Nutzerportal dient. Bei Titeln ohne NRW-Bezug steht die Sacherschließung im Ermessen der jeweiligen ULB.

4 Sammelprofil

Im Rahmen ihrer landesbibliothekarischen Kooperation koordinieren die regional zuständigen ULB auch ihre E-Pflichtsammlungen. Bei Betriebsbeginn mit amtlichen Veröffentlichungen wurde beschlossen, zunächst PDF-Dokumente einzustellen, da AVÖ überwiegend im PDF-Format erscheinen. Die Sammlung gesetzlicher Pflichtexemplare bezieht weitere Formate wie EPUB ein. Für die Sammlung ganzer Netzauftritte oder Datenbanken fehlen derzeit noch technische Lösungen und Verfahren.

Bei der inhaltlichen Abstimmung ihrer AVÖ-Sammlung haben die drei Landesbibliotheken vereinbart, sich nicht auf Publikationen mit rein amtlichem Inhalt wie Amtsblätter oder Haushaltspläne zu beschränken. Eingestellt werden auch Schriften, mit denen amtliche Einrichtungen über ihre Aufgaben und Tätigkeiten informieren oder sich darstellen.

Auch für die Sammlung gesetzlicher E-Pflichtexemplare streben die drei ULB ein gemeinsames Sammelprofil an. Sie arbeiten an Sammelrichtlinien, die sowohl körperliche als auch unkörperliche Medienwerke, Verlags- und graue Literatur sowie Einzelwerke und Periodika einbeziehen, weiter gegliedert nach Schriftenklassen und Dokumenttypen. Hierbei orientieren sie sich zunächst an den gesetzlichen Vorgaben über Art und Umfang der zu sammelnden Medienwerke (vgl. § 3 Abs. 1 u. § 4 Abs. 1 u. 4 PEG), über die Ausnahmen von der Ablieferungspflicht (vgl. § 5 PEG) sowie über die o. g. Optionsmöglichkeiten bei Parallelausgaben. Zudem prüfen die Landesbibliotheken mit Blick auf das hohe Publikationsaufkommen in NRW Möglichkeiten, den Pflichtzugang zu begrenzen. In der Diskussion befinden sich Einschränkungen durch exemplarisches Sammeln etwa im Falle serieller Belletristik oder durch Verzicht auf andernorts zuverlässig gesammeltes Schrifttum wie Lizenzausgaben.

5 Recherche

Elektronische AVÖ und Pflichtexemplare sind im hbz-Verbundkatalog und in den lokalen Katalogen der drei ULB zu recherchieren. Landeskundliches Schrifttum lässt sich außerdem in der NWBib finden. Die E-Pflichtportale der Landesbibliotheken bieten zusätzliche nutzerorientierte Rechercheangebote. Auf ihren Startseiten präsentieren sie die auf NRW bezogenen Titel mit der NWBib-Klassifikation. Unterschiedlich verfahren die Bibliotheken bei nichtlandeskundlicher Literatur. Sie wird in Düsseldorf und Münster in der zusätzlichen Systematik der Wissenschaftsfächer erfasst und angeboten. Alle Portale bieten außerdem eine komfortable Listensuche, Treffersortierung und Gewichtungspräsentation in Form sog. Clouds für Verfasser, Jahre, Orte und Verlage.

Footnotes

  • Der Artikel wurde im Rahmen der NRW-Landesbibliothekenkooperation abgestimmt. Den Bonner und Düsseldorfer Kolleginnen danke ich für konstruktive Kritik. 

  • Vgl. auch Beckers, Sonja; Weitz, Alexandra: Elektronische Pflichtliteratur – ein Pilotprojekt der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf. In: Bibliotheksdienst 45 (2011), S. 453–464. Flachmann, Holger: Elektronische Pflicht in Nordrhein-Westfalen. Zum Aufbau einer kooperativen landesbibliothekarischen Struktur. In: Bibliotheken für die Zukunft – Zukunft für die Bibliotheken. 100. Deutscher Bibliothekartag in Berlin 2011. Hrsg. von Ulrich Hohoff und Daniela Lülfing. Hildesheim, Zürich, New York 2012, S. 317–326. 

  • Gesetz- und Verordnungsblatt (GV. NRW.) Ausgabe 2013 Nr. 4 vom 6. 2. 2013, S. 31. 

  • Ministerialblatt (MBl. NRW.) Ausgabe 2008 Nr. 18 vom 9. 7. 2008, S. 324. 

  • Vgl. http://epflicht.ulb.uni-bonn.de/; http://e-pflicht.ub.uni-duesseldorf.de/; http://epflicht.ulb.uni-muenster.de/[Zugriff jeweils 30. Mai 2013]. 

  • http://okeanos-www.hbz-nrw.de/F [Zugriff 30. Mai 2013]. 

  • http://okeanos-www.hbz-nrw.de/F?func=file&file_name=login&local_base=nwbib [Zugriff 30. Mai 2013]. 

About the article

Holger Flachmann

Dr. Holger Flachmann

Leiter des Dezernates Landesbibliothekarische Aufgaben

Fachreferent für Westfalen

Universitäts- und Landesbibliothek Münster

Krummer Timpen 3

48143 Münster

Tel.: 0251/83-24061


Published Online: 2013-09-06

Published in Print: 2013-09-03


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 47, Issue 8-9, Pages 630–633, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2013-0072.

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