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Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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ISSN
2194-9646
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Volume 47, Issue 8-9

Issues

Sachsen

Anke Wartenberg
Published Online: 2013-09-06 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2013-0075

1 Rechtliche Grundlagen

Die „umfassende Sammlung und Archivierung von Literatur, Bild- und Tonträgern über Sachsen sowie der in Sachsen erscheinenden ablieferungspflichtigen Publikationen (Pflichtexemplare)“1 ist eine der gesetzlich festgeschriebenen Aufgaben der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB). Geregelt wird die Pflichtabgabe durch das Sächsische Gesetz über die Presse (SächsPresseG) vom 3. April 1992,2 darin insbesondere durch § 11, der die Ablieferungspflicht von Druckwerken beschreibt. Eine rechtlich konsolidierte Basis für die Abgabe von elektronischen Veröffentlichungen aus Sachsen, die dem bereits seit Jahren schnell fortschreitenden Medienwandel Rechnung tragen würde, gibt es nicht. Somit fehlt der SLUB bislang die gesetzliche Legitimation für das konsequente und flächendeckende Sammeln und Archivieren von Netzpublikationen sächsischer Provenienz. Das wird sich in Kürze ändern. Im Januar 2013 stellten die sächsischen Regierungsfraktionen einen Antrag zur Novellierung des SLUB-Gesetzes (SächsLBG),3 dessen Umsetzung vom Sächsischen Landtag kurz darauf beschlossen wurde. Ziel dieses Antrags ist in erster Linie die Änderung der Rechtsform der SLUB zum Staatsbetrieb, jedoch soll zudem auch die Ablieferungspflicht von Medienwerken an die SLUB neu geregelt werden. Angeregt wird, dass „… eine möglichst vollständige Archivierung aller Veröffentlichungen im Freistaat Sachsen, die bibliographische Dokumentation und die Zugänglichkeit für die Allgemeinheit gewährleistet …“4 wird.5

2 E-Pflicht in der gegenwärtigen Praxis

Ungeachtet des noch fehlenden gesetzlichen Auftrags engagiert sich die SLUB seit mehreren Jahren für das Thema Sammlung und Archivierung sächsischer Netzpublikationen. Der Fokus liegt dabei auf elektronischen Veröffentlichungen, die bereits frei verfügbar im Netz zu finden sind bzw. entsprechend dem Open-Access-Prinzip publiziert werden. Den AutorInnen und HerausgeberInnen wird ein Serviceangebot unterbreitet: Speicherung des Dokuments unter einer stabilen Internetadresse, Veröffentlichung auf einem zertifizierten Dokumentenserver, bibliothekarische Erschließung, professionelle Langzeitarchivierung. Ein Großteil der Angesprochenen wie staatliche Behörden, Stadt- und Gemeindeverwaltungen, Firmen, Vereine u. a. reagieren grundsätzlich aufgeschlossen auf das Angebot. Festgehalten werden muss jedoch, dass der Aufwand für Aufklärung und Beratung beträchtlich ist und auch Ausdauer und Beharrlichkeit gefragt sind, um die Einwerbung der Dokumente letztendlich erfolgreich zum Abschluss zu bringen.

3 Qucosa – Sächsischer Dokumenten- und Publikationsserver

Der Name Qucosa – Quality Content of Saxony – steht für einen hochwertigen und DINI 2010-zertifizierten6 Service, der die kostenfreie Publikation, den Nachweis und die langfristige Archivierung von elektronischen Dokumenten ermöglicht.7 Basierend auf dem Bestand der an sächsischen Universitäten etablierten Hochschulschriftenserver präsentiert sich seit 2010 ein modernes und leistungsfähiges Instrument im Bereich des Elektronischen Publizierens. Qucosa ist ein mandantenfähiges System, das für die teilnehmenden Institutionen (die Universitäten Dresden, Chemnitz, Leipzig und Freiberg, das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf sowie die private Dresden International University) hauptsächlich die Funktion des institutionellen Repositoriums erfüllt. Im Unterschied dazu ist der Mandantenbereich der SLUB8 offen für alle Interessenten, die keiner der anderen Institutionen angehören und ihre Werke elektronisch nach dem Open-Access-Prinzip veröffentlichen wollen. Insbesondere steht dieser Bereich für E-Pflicht-relevante Dokumente aus Sachsen zur Verfügung und wird für die Verarbeitung der eingeworbenen Dokumente genutzt. Die Vielfältigkeit der aktuellen Medienwelt spiegelt sich in den Dokumentenarten wieder, die in Qucosa verwaltet werden können. Das Spektrum reicht von klassischen Abschlussarbeiten über Forschungsberichte bis hin zu Kongressbeiträgen/-bänden und Zweitveröffentlichungen, von Artikeln bis hin zu Büchern, Zeitschriftenheften oder gar Kompositionen (Noten). Immer ist ein Volltext hinterlegt. Auffindbar sind Qucosa-Dokumente in nationalen und internationalen Bibliothekskatalogen, Suchmaschinen wie Google und anderen Nachweisinstrumenten wie BASE.

Abb. 1: Das Qucosa-Logo.

Für das Hosting der Qucosa-Dokumente und die technische Betreuung des Dokumentenservers sorgt die SLUB. Hier wird auch im Rahmen eines im Juli 2012 gestarteten Projektes am Aufbau eines Langzeitarchivierungssystems für digitale Dokumente gearbeitet. Dieses entsteht auf Grundlage des Systems Rosetta (Ex Libris) in Zusammenarbeit mit dem Dresdner Zentrum für Informationsdienste und Hochleistungsrechnen (ZIH).9

Der Export von Daten aus Qucosa wird über eine OAI-Schnittstelle realisiert. Derzeit erfolgt eine Abstimmung mit der DNB bezüglich des Harvestingprozesses nach dem Standard XMetaDissPlus.

4 Workflow

Der Ermittlung von relevanten Dokumenten im Internet folgt die Kontaktaufnahme zum Herausgeber. In der Regel wird dafür eine E-Mail mit Standardformulierung genutzt. Der Akquiseprozess wird derzeit noch nicht im lokalen Bibliothekssystem abgebildet. Die Herausgeber der Dokumente können die Anmeldung auf Qucosa per Webformular selbst vornehmen (Metadaten und Datei/en) oder der SLUB lediglich die Datei im Format PDF bzw. einen Link zum Download übermitteln. Die Angabe zusätzlicher Dateien, diese dann auch in anderen Formaten, ist möglich. BibliothekarInnen übernehmen bei Bedarf Anmeldungen auf Qucosa, in jedem Falle jedoch die Administration der Daten im internen Verwaltungsbereich sowie die Formalerschließung der Dokumente im SWB unter Nutzung einer Schnittstelle von der Katalogisierungssoftware WinIBW zu Qucosa. Die Sacherschließung erfolgt durch FachreferentInnen. Vergeben werden DDC, RVK, DBS und für Inhalte mit sächsischem Bezug SWD-Schlagwörter. Seitens der AutorInnen bzw. HerausgeberInnen ist eine Einverständniserklärung notwendig, die der SLUB alle erforderlichen Rechte überträgt.

5 Ausblick

In Erwartung der bevorstehenden gesetzlichen Verankerung der E-Pflicht sind in der nächsten Zeit spezifische Themen zu diskutieren, Entscheidungen zu treffen und umzusetzen. Dazu gehören die Anpassung der Sammelrichtlinien für Pflichtexemplare, die Organisation eines (möglichst automatisierten) Routineworkflows für Recherche, Beschaffung und Fortsetzungsverwaltung, das Rechtemanagement u. v. m. Platz für Ideen gibt es natürlich auch: Wie könnte beispielsweise eine innovative Präsentation der E-Pflicht-Dokumente aussehen?

Footnotes

  • Gesetz über die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SächsLBG) vom 30. Juni 1995 (SächsGVBl. 1995, S. 205), zuletzt geändert durch Artikel 24 des Gesetzes vom 15. 10. 2010 (SächsGVBl. 2010, S. 387, 401); § 2 Organisation, Aufgaben, Absatz 2. 

  • Sächsisches Gesetz über die Presse (SächsPresseG) vom 3. April 1992, rechtsbereinigt mit Stand vom 6. September 2009. 

  • Gesetz über die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SächsLBG) vom 30. Juni 1995 (SächsGVBl. 1995, S. 205), zuletzt geändert durch Artikel 24 des Gesetzes vom 15. 10. 2010 (SächsGVBl. 2010, S. 387, 401). 

  • Sächsischer Landtag, Drucksache 5/11063, Antrag der CDU-Fraktion und der FDP-Fraktion. 

  • Vgl. dazu Golsch, Michael: Zukunft für die SLUB. In: BIS – Das Magazin der Bibliotheken in Sachsen 6 (2013) 1, S. 28–31. http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa-107172 [Zugriff: 7. Mai 2013]. 

  • Vgl. dazu DINI-Zertifikat Dokumenten- und Publikationsservice 2010/DINI, Deutsche Initiative für Netzwerkinformation e. V., Arbeitsgruppe „Elektronisches Publizieren“. Version 3.1, März 2011. Göttingen 2011. http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:11-100182794 [Zugriff: 30. Mai 2013]. 

  • http://www.qucosa.de/startseite/[Zugriff: 30. Mai 2013]. 

  • http://slub.qucosa.de/startseite/[Zugriff: 30. Mai 2013]. 

  • Vgl. dazu SLUBlog-Beiträge: Bonte, Achim: Das fehlt noch. SLUB sichert mit „Ex Libris Rosetta“ die Langzeitverfügbarkeit digitaler Quellen. http://blog.slub-dresden.de/beitrag/2012/05/24/das-fehlte-noch-slub-sichert-mit-ex-libris-rosetta-die-langzeitverfuegbarkeit-digitaler-quellen/[Zugriff: 7. Mai 2013]. Berthold, Henrike: Erhaltung digitaler Dokumente – Start eines Projektes zur Digitalen Langzeitarchivierung. http://blog.slub-dresden.de/beitrag/2012/08/10/erhaltung-digitaler-dokumente-start-eines-projektes-zur-digitalen-langzeitarchivierung/[Zugriff: 7. Mai 2013]. 

About the article

Anke Wartenberg

Anke Wartenberg (Dipl.-Bibl. (FH))

Sächsische Landesbibliothek –

Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB)

Abt. Bestandsentwicklung

Ref. Pflicht/Tausch/Geschenk

01054 Dresden


Published Online: 2013-09-06

Published in Print: 2013-09-03


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 47, Issue 8-9, Pages 646–650, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2013-0075.

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