Jump to ContentJump to Main Navigation
Show Summary Details
More options …

Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

Online
ISSN
2194-9646
See all formats and pricing
More options …
Volume 47, Issue 8-9

Issues

Sachsen-Anhalt

Karin Schwarzer
Published Online: 2013-09-06 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2013-0076

Die Universitäts- und Landesbibliothek Halle verzeichnet in ihren Katalogen über 5,55 Millionen Bestandseinheiten und ist damit die größte wissenschaftliche Bibliothek in Sachsen-Anhalt. In den letzten Jahren ist eine kontinuierlich steigende Einarbeitung und Erschließung von elektronischen Publikationen zu verzeichnen, so sind 2013 über 480.000 E-Books im OPAC der ULB recherchierbar. Die Veröffentlichung vieler Zeitschriften und Monographien erfolgt parallel zu den Druckausgaben digital und zunehmend nur in elektronischer Form. Die ULB Halle bietet ihren Nutzern den Zugang zu diesem immer umfangreicher werdenden Angebot von elektronischen Medien über ihre Kataloge.

Die ULB Halle ist als Regionalbibliothek des Landes beauftragt, alle im Land Sachsen-Anhalt erscheinenden Druckerzeugnisse und Medienwerke in „unkörperlicher Form“ zu sammeln, zu verzeichnen und eine Archivierung abzusichern. Damit steht die ULB Halle in der Verantwortung, das gedruckte und digitale Kulturerbe Sachsen-Anhalts zu bewahren.

Da die Beschaffung, Bearbeitung und Archivierung von elektronischen Publikationen sich deutlich von den gedruckten Medien unterscheidet, mussten neue Wege für deren Einarbeitung und Langzeitarchivierung gefunden werden. Seit August 2007 wird die Software „Visual Library“ der Firma Semantics GmbH für die Einarbeitung und Präsentation angewendet. Damit werden zum Beispiel Retrodigitalisate im Rahmen von Drittmittel geförderten Projekten, Digitalisate von historischen Karten, Dissertations- und Habilitationsschriften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und unkörperliche Medienwerke, welche in Sachsen-Anhalt veröffentlicht werden, in den Katalogen der ULB Halle nachgewiesen. Alle Publikationen stehen kostenlos zur Verfügung.

Gesetzliche Grundlage für den Sammelauftrag und der Pflichtablieferung der online-Publikationen der Verlage oder sonstigen Hersteller ist § 11 des Pressegesetzes für das Land Sachsen-Anhalt (Landespressegesetz).1 Im GVBl. LSA Nr. 28/2010 wird im § 1 zur Ablieferungspflicht die Festlegung getroffen, dass die Ablieferung von Druckwerken und digitalen Publikationen von den ablieferungspflichtigen Verlegern, Druckern oder sonstigen Herstellern unaufgefordert zu erfolgen hat.2 Dieser Gesetzestext erleichtert auf der einen Seite natürlich die Sammlung der e-Pflicht-Dokumente, auf der anderen Seite muss ein Großteil der ablieferungspflichtigen Medien nach wie vor mit personellem Aufwand zeitintensiv recherchiert und eingefordert werden. Die Pflichtexemplarstelle stellt sich ihrer Informationsaufgabe gegenüber den e-Medienherstellern oder berechtigten Vertreibern und legt damit die Grundlage für das Einsammeln und Archivieren.

Für Amtsdruckschriften ist die Pflichtabgabe durch den „Beschluss der Landesregierung über die Abgabe amtlicher Veröffentlichungen an öffentliche Bibliotheken“ geregelt. Hier ist die Aussage zu finden: „… sofern die Veröffentlichung in elektronischer Form erscheint, erfolgt die Abgabe entsprechend § 11 Abs. 6 Satz 1 des Landespressegesetzes in der am 20. März 2010 geltenden Fassung. Diese kann auch in einem unentgeltlichen Zugriff auf die Speichermedien erfolgen. Mit der Abgabe in elektronischer Form räumt die abgebende Stelle der sammelnden Bibliothek das Recht ein, die Daten zu speichern, zu vervielfältigen und zu verändern, soweit dies zur dauerhaften Archivierung notwendig ist. Damit ist zugleich das Recht verbunden, die Daten öffentlich zugänglich zu machen, sofern der Herausgeber dies nicht einschränkt oder untersagt.“3 Bisher konnten ca. 60 elektronische Amtsblätter mit fortlaufenden Ausgaben eingearbeitet werden. Hinsichtlich der in Sachsen-Anhalt stattgefundenen Gebietsreform ist die Speicherung der Amtsdruckschriften für den Nutzer für ein schnelles Auffinden wichtig.

Die Ermittlung der einschlägigen Netzpublikationen für den Geschäftsgang erfolgt durch die Mitarbeiter der ULB. Eingebunden sind hier die Pflichtexemplarstelle, die Fachreferenten und die Regionalbibliographie. Die Verlage und Institutionen des Landes wurden pauschal angeschrieben und erhielten die notwendigen Informationen zur Umsetzung der Pflichtablieferung. Die Lieferung der Netzpublikationen erfolgt als PDF- oder ePub-Dokument per E-Mail an die ULB unter Angabe des Rechtemanagements oder über eine Information per E-Mail mit Angabe der URL der Netzpublikationen zum Abholen durch die ULB.

Gesammelt werden u. a. folgende Medien:

  • Publikationen von Kreisen, Gemeinden oder Gemeindeverbänden,

  • Publikationen von öffentlichem Interesse, herausgegeben von Unternehmen und Institutionen,

  • Online-Akzidenzen in Form von Darstellungen zur Geschichte von Institutionen und Verbänden,

  • Online-Zeitungen und Zeitschriften,

  • E-Books,

  • kartographische Werke.

Filmwerke, Rundfunkproduktionen, Audiodateien und Websites werden aufgrund fehlender technischer Möglichkeiten nicht gesammelt. Auf diesem Wege wurden bis Februar 2013 ca. 8.000 Strukturdaten eingespielt. Das Sammelprofil der ULB Halle wurde mit dem der Deutschen Nationalbibliothek abgeglichen und in der „Synopse der Sammelrichtlinien für Netzpublikationen“4 von der UAG Elektronisches Pflichtexemplar der AG Regionalbibliotheken veröffentlicht. Für die Bereitstellung von E-Paper-Ausgaben von Tageszeitungen steht die ULB Halle interessiert einem Vorschlag einer sogenannten Fensterlösung gegenüber, d. h. Daten liegen in der DNB und es erfolgt ein lesender Zugriff auf diese E-Papers im Lesesaal in Halle.

Die öffentlichen Zugangsmöglichkeiten (Lizenzen) werden mit der Einspielung der Netzpublikationen mit Hilfe der Bearbeitungsoberfläche festgelegt und variieren zwischen einer unbeschränkten Veröffentlichung im Internet und einer eingeschränkten Veröffentlichung im Universitäts- oder ULB-Netz bzw. einer eingeschränkten Veröffentlichung auf ausgewählten Rechnern ohne Druck- oder Kopiermöglichkeiten.

Die Visual Library Software für elektronische Publikationen unterscheidet zwischen einer Bearbeitungs- und Präsentationsoberfläche. Der Arbeitsablauf gestaltet sich folgendermaßen in Einzelschritte:

Das elektronische Pflichtexemplar wird in Visual Library hochgeladen, es wird ein Derivat angelegt und die Verbreitungsrechte werden eingetragen. Als Dokumententyp kann gewählt werden zwischen E-Book, E-Zeitschrift oder mehrbändigem Werk. Es wird automatisch eine URN erzeugt, die diesem Dokument zugeordnet wird. Diese URN wird in der Titelaufnahme des Dokumentes im GVK eingebunden, wobei E-Journals zunächst in der ZDB katalogisiert werden. Eine inhaltliche Erschließung geschieht mit Hilfe der DDC. Im Katalog wird bei Vorhandensein einer Druckausgabe eine horizontale Verknüpfung eingefügt.

Nach der Freigabe der Daten im Visual Library Manager erfolgt ein Metadatenaustausch zwischen GVK und Visual Library über den URN. Die Titeldaten aus der Katalogaufnahme werden in den Visual Library Manager übertragen. Das E-Pflichtexemplar wird im ACQ nachgewiesen.

Innerhalb des Visual Library Managers ist ein System in Form einer Baumstruktur aufgebaut. E-Zeitschriften z. B. werden mit der Titelanzeige als übergeordnete Ebene festgelegt, in einer tieferen Strukturebene werden entsprechend die Jahrgänge angelegt. Erscheinen mehrere Hefte in einem Jahr, wird eine weitere Ebene hinzugefügt.

Abb. 1: Beispiel Pflichtexemplar-Website der ULB Sachsen-Anhalt Halle.

Die so eingespielten E-Pflicht-Dokumente sind für Nutzer über den Internetzugang http://bibliothek.uni-halle.de/dbib/digital/pflicht sichtbar. Die Recherchemöglichkeiten variieren zwischen einem Durchsuchen der tagesaktuellen Neuzugänge oder einer gezielten Detailrecherche z. B. in den Feldern Titel, Autor, Erscheinungsjahr oder Schlagwort unter Verwendung von Boole’schen Operatoren. Das Dokument ist unter Voraussetzung einer frei verfügbaren Lizenz mit Hilfe eines Links herunterladbar, es besteht eine Druckoption und Speichermöglichkeit. Im OPAC der ULB Halle und im GVK sind die E-Pflicht-Dokumente recherchierbar. Durch den URN-Resolving-Link ist der dauerhafte Zugriff auf den Pflichtserver möglich.

Die Sammlung landesbezogenen Schrifttums bedarf des Engagements und der Bereitschaft, sich als Bibliothek der sich verändernden Medienlandschaft zu stellen und als Landesbibliothek den Verpflichtungen gerecht zu werden.

Footnotes

  • Pressegesetz für das Land Sachsen-Anhalt (Landespressegesetz) vom 26. April 2010. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Sachsen-Anhalt [2010] Nr. 12 vom 10. 5. 2010, S. 302. 

  • Verordnung über die Durchführung der Ablieferungspflicht von Druckwerken und digitalen Publikationen. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Sachsen-Anhalt [2010] Nr. 28 vom 27. 12. 2010, S. 599. 

  • Beschluss der Landesregierung über die Abgabe amtlicher Veröffentlichungen an öffentlichen Bibliotheken. In: Ministerialblatt für das Land Sachsen-Anhalt [2011] Nr. 3 vom 7. 2. 2011, S. 67. 

  • UAG Elektronisches Pflichtexemplar der AG Regionalbibliotheken: Synopse von Sammelrichtlinien für Netzpublikationen auf Länderebene vom 11. 11. 2010. 

About the article

Karin Schwarzer

Karin Schwarzer

Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt

August-Bebel-Straße 13

06099 Halle (Saale)


Published Online: 2013-09-06

Published in Print: 2013-09-03


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 47, Issue 8-9, Pages 651–655, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2013-0076.

Export Citation

© 2013 by Walter de Gruyter Berlin Boston.Get Permission

Comments (0)

Please log in or register to comment.
Log in