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Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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Volume 47, Issue 8-9

Issues

Notizen

Published Online: 2013-09-06 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2013-0081

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Der Deutsche Bibliotheksverband veröffentlichte im Juli die Ergebnisse des Bibliotheksindex BIX 2013. Dieser, für die Bibliotheken freiwillige Leistungsvergleich bestätigt, dass Bibliotheken zunehmend rund um die Uhr virtuell genutzt werden bei gleichzeitig konstant bleibenden Besucherzahlen vor Ort. Zu den Ergebnissen des BIX 2013 gehört beispielsweise, dass im Durchschnitt 40 % des Etats von wissenschaftlichen Bibliotheken für elektronische Medien ausgegeben werden und jeder Einwohner in Deutschland im Schnitt zweimal im Jahr seine Gemeinde- oder Stadtbibliothek besucht: Die Bibliothek bleibt ein vielbesuchter Ort.

Der Bibliotheksindex BIX vergleicht in den öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken das bibliothekarische Angebot, den Medienbestand und den Etat für Neuerwerbungen, die Nutzung in Besuchen und Entleihungen, die Nutzbarkeit in Öffnungsstunden, die Effizienz der Bibliothek und ihrer Mitarbeiter sowie das Entwicklungspotential.

Von den 280 an dem Vergleich teilnehmenden Bibliotheken konnten knapp 20 % mit vier Sternen ausgezeichnet werden. Ob Gemeindebücherei oder Universitätsbibliothek: Die BIX-geprüften Bibliotheken gehören deutschlandweit zu den führenden Einrichtungen, wenn es um Qualitätsbewusstsein und Leistungsorientierung geht. Bibliotheken aus Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen haben am häufigsten am diesjährigen Leistungsvergleich teilgenommen.

„Moderne Bibliotheken sind heute sowohl in der analogen als auch in der digitalen Welt verankerte Orte des Wissens“, kommentiert der Verbandvorsitzende Dr. Frank Simon-Ritz (Weimar) die Ergebnisse des Bibliotheksindexes: „Der BIX zeigt, wie stark die Bibliotheken gebraucht werden und welchen Stellenwert sie als Orte im öffentlichen Raum haben. Auch in der digitalisierten Welt brauchen wir reale Orte des lebenslangen Lernens.“

Die detaillierten Ergebnisse werden im Internet unter www.bix-bibliotheksindex.de bereitgestellt und im BIX-Magazin, einem Sonderheft der Zeitschrift B.I.T.-Online, veröffentlicht.

Kontakt:

Deutscher Bibliotheksverband

Kompetenznetzwerk für Bibliotheken

Kathrin Hartmann

Tel.: 030.644 98 99 15

Email: hartmann@bibliotheksverband.de

Neue DFG-Ausschreibung: Langzeitverfügbarkeit im Rahmen der „Neuausrichtung überregionaler Informationsservices“

Am 12. Januar 2012 hat die DFG die Ausschreibung „Neuausrichtung überregionaler Informationsservices“ veröffentlicht, die darauf abzielte, einen umfassenden Umstrukturierungsprozess der nationalen Informationsinfrastruktur mit anzustoßen und zu unterstützen. Im Verlauf dieses Prozesses sollen die derzeit vorrangig regional orientierten Informationsangebote zu nationalen, aber auch international vernetzten, funktional definierten, nachhaltigen Services weiterentwickelt werden. Der drängende Bedarf einer solchen Neuorientierung wurde zuvor sowohl im DFG-Positionspapier zur „Weiterentwicklung der Bibliotheksverbünde als Teil einer überregionalen Informationsinfrastruktur“ als auch in den „Empfehlungen [des Wissenschaftsrates] zur Zukunft des bibliothekarischen Verbundsystems in Deutschland“ mit Nachdruck formuliert.

Die Ausschreibung sprach vier Themenfelder an mit dem Fokus „Bibliotheksdateninfrastruktur und Lokale Systeme“, „Langzeitverfügbarkeit“, „Electronic Resource Management – das Management digitaler Publikationen“ sowie „Forschungsnahe Informationsinfrastruktur“. Zu drei Themenfeldern wurden inzwischen als Ergebnis der Begutachtung erste Fördermaßnahmen begonnen. Für das Themenfeld „Langzeitverfügbarkeit“ konnte das noch nicht erfolgen; daher wird diese Aufgabenstellung erneut ausgeschrieben.

Die Ausschreibung „Langzeitverfügbarkeit im Rahmen der Neuausrichtung überregionaler Informationsservices“ zielt darauf ab, einen Prozess anzustoßen, in dem überregionale Angebote und Dienstleistungen im Umfeld der Langzeitarchivierung aufgebaut werden. Es soll der Aufbau einer überregionalen, skalierbaren, mandantenfähigen und nach Möglichkeit auch spartenübergreifenden Infrastruktur eingeleitet werden. Diese Struktur soll sämtliche Schritte der digitalen Langzeitarchivierung vom Dateningest bis zur Endnutzerbereitstellung unterstützen.

Da mit der Förderung der Projekte die Einrichtung dauerhafter Services intendiert ist, sollen die jeweiligen Unterhaltsträger bereits in die Planungen einbezogen werden. Zudem sind die Anträge von allen Antragstellern und von den zuständigen Unterhaltsträgern zu zeichnen.

Die Ausschreibung richtet sich an alle einschlägigen Informationsinfrastruktureinrichtungen, sofern sie gemeinnützig sind. Eine Antragstellung durch Konsortien, die mehrere Einrichtungen umfassen, ist möglich. Mit den Anträgen können Mittel für unterschiedliche projektgebundene Maßnahmen eingeworben werden. Die Anträge müssen spätestens am 15. November 2013 bei der Geschäftsstelle der DFG, Gruppe Literaturversorgungs- und Informationssysteme, eingehen.

Weitere Informationen zu den Voraussetzungen und Fördermöglichkeiten dieser Ausschreibung erhalten Sie unter www.dfg.de/download/pdf/foerderung/programme/lis/ausschreibung_ueberregionale_informationsservices_131115.pdf.

Europeana 1989 – Wir haben Geschichte geschrieben

Europeana 1989 ist ein neues Projekt von Europeana – Europas digitaler Bibliothek, Museum und Archiv. Es ruft dazu auf, persönliche Geschichten, Fotos und Erinnerungsstücke aus der Zeit vom Fall des Eisernen Vorhangs in einem digitalen Archiv zu sammeln. Das Projekt startete am 8. Juni 2013 mit einem Aktionstag in Warschau. Zahlreiche Menschen nahmen mit ihren Erinnerungsstücken und Geschichten teil. Europeana 1989 setzt die Aktionstage 2013–2014 in Polen, Deutschland, den Baltischen Staaten, in der Tschechischen Republik und Ungarn fort.

Anlässlich des 25. Jubiläums im Jahr 2014 trägt Europeana 1989 ein lebendiges und persönliches Bild von den revolutionären Ereignissen in Europa zusammen. Persönliche Geschichten, Fotos, Videos und Tondokumente können an den Aktionstagen digitalisiert oder direkt auf der Projektwebseite www.europeana1989.eu beigetragen werden.

Die Partnerländer der Kampagne werden durch nationale Projektbotschafter vertreten, deren Biografien mit den Ereignissen von 1989 in besonderer Weise verbunden sind. Es sind:

  • Tadeusz Mazowiecki – Polen

  • Chris Niedenthal – Polen

  • Wolfgang Templin – Deutschland

  • László Rajk – Ungarn

  • Sarmīte Ēlerte – Lettland

  • Vytautas Landsbergis – Litauen

  • Tunne Kelam – Estland

  • Petr Janyška – Tschechische Republik.

Eine Diskussionsrunde der Projektbotschafter zum Projektauftakt am 8. Juni in Warschau machte deutlich, wie wichtig Erfahrungen und Erinnerungen gewöhnlicher Menschen für das gemeinsame kulturelle Gedächtnis Europas sind. Am Ende der Diskussion nahmen die Projektbotschafter mit ihren privaten Erinnerungsstücken am Aktionstag teil. Der deutsche Projektbotschafter und Bürgerrechtler Wolfgang Templin sagte während der Debatte: „Das Jahr 1989 – geprägt durch eine ganze Kette friedlicher Befreiungsrevolutionen in den Staaten Mittelosteuropas – wird zu Recht als das glücklichste der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts angesehen. Träger des Umbruchs in allen beteiligten Ländern waren einfache Menschen, es ist wichtig, ihre Erinnerungen festzuhalten und in das aktuelle Bewusstsein zu rücken. Das kann mit dem Projekt Europeana 1989 sehr gut realisiert werden.“ Die am Aktionstag digitalisierten Erinnerungsstücke reichten von einem Teddybär über Fotos und Flugblätter bis hin zu dem bisher größten digitalisierten Objekt, einem PKW Polonez.

Europeana 1989 baut auf die Ergebnisse des langjährigen deutschen Online- Projektes „Wir waren so frei … Momentaufnahmen 1989/1990“ auf, das von der Stiftung Deutsche Kinemathek initiiert und gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung betrieben wird. Somit werden schon zum Start von www.europeana1989.eu mehr als 4.700 Bilder und persönliche Erinnerungen aus Deutschland präsentiert.

Mit Aktionstagen in Leipzig und Jena im Mai 2014 wird diese Sammlung noch vergrößert werden. Projektpartner in Deutschland sind die Stiftung Deutsche Kinemathek, die Deutsche Nationalbibliothek und Facts & Files.

Pressekontakt:

Frank Drauschke – Facts & Files, drauschke@factsandfiles.com

Jon Purday – Europeana, jonathan.purday@bl.uk

Gut und Böse im Internet

Deutscher Kulturrat äußert sich zu Kultur und Medien in der digitalen Welt

Die Digitalisierung ist ein Epochenumbruch in mannigfacher Hinsicht. Auch tradierte Vorstellungen über das Verhältnis von Künstlern, von Vermittlern und von Nutzern gelten seither nicht mehr in gleichem Maße wie in der analogen Welt.

Aus Sicht des Deutschen Kulturrates gibt es keinen Gegensatz zwischen Kultur und Internet. Kulturpolitik und Netzpolitik gehören – auch auf parlamentarischer Ebene – zwingend zusammen, sind aufeinander bezogen, eng miteinander verflochten, ein Gegen- oder Nebeneinander erweist sich letztlich als unproduktiv. Das Internet muss frei nutzbar sein, aber es ist kein rechtsfreier Raum. Die informationelle Selbstbestimmung als Teil der Privatsphäre und Freiheit jedes Einzelnen darf nicht zur Disposition gestellt werden. Ihre Grenze findet die Freiheit jedoch in der Verletzung der Grundrechte Dritter.

Der Deutsche Kulturrat fordert

einen ungehinderten Zugang zum Internet, um so allen Bürgern Teilhabe an der Informationsgesellschaft zu ermöglichen. Dabei müssen die Rechte aller Beteiligten im Prozess der kulturellen Teilhabe gewahrt werden.

…, in die Vermittlung von Medienkompetenz zu investieren. Als weitere öffentliche Aufgabe bleibt, für die Transparenz auch in Form von Suchalgorithmen zu sorgen und sicherzustellen, dass der Zugang zu und die Auswahl von Informationen im Internet nicht durch wirtschaftliche oder politische Interessen behindert oder verfälscht wird.

…, dass Geschäftsmodelle im Internet nicht zu Lasten der Kultur- und Medienschaffenden gehen und jede Nutzung von Werken angemessen vergütet wird.

…, dass künstlerische Arbeit geachtet, geschützt und bei Nutzung eines Werks vergütet wird sowie weiterhin als geistiges Eigentum vererbbar sein muss. Nur der Künstler kann entscheiden, auf eine Vergütung seines Werkes zu verzichten.

…, die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Internetzeitalter neu zu bestimmen. Der Deutsche Kulturrat wird hierzu Modelle vorlegen, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk seinem Informations-, Bildungs-, Unterhaltungs- und Kulturauftrag im Rahmen seiner Entwicklungsgarantie in der digitalen Welt nachkommen kann, ohne in eine Nischenposition verdrängt zu werden oder den Wettbewerb zu verzerren.

Bund und Länder auf, ausreichend Ressourcen zur Sicherung des kulturellen Erbes in der digitalen Welt bereit zu stellen und sich verstärkt mit der Sicherung digitaler Kunstwerke auseinanderzusetzen.

eine gleichberechtigte Teilhabe der Kultur- und Medienschaffenden an der Ausgestaltung des digitalen Raumes. Die Kulturpolitik darf dabei nicht allein durch die technische Entwicklung und deren Möglichkeiten bestimmt werden.

Die aktuelle Stellungnahme des Deutschen Kulturrates zu „Kultur und Medien in der digitalen Welt“ finden Sie unter http://www.kulturrat.de/detail.php?detail=2576&rubrik=4.

hbz übernimmt Vorsitz im Standardisierungsausschuss

In der Sitzung des Standardisierungsausschusses am 18. Juni 2013 wurde die Leiterin des Hochschulbibliothekszentrums des Landes Nordrhein-Westfalen (hbz), Köln, Frau Dr. Silke Schomburg zur neuen Vorsitzenden des Gremiums gewählt. Der bisherige Vorsitzende Berndt Dugall (Direktor der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main) scheidet im Herbst aus dem Dienst aus und wird durch Dr. Silke Schomburg abgelöst. Der Vorsitz wird für drei Jahre bestimmt, wobei eine Wiederwahl danach möglich ist.

Kernaufgabe des Standardisierungsausschusses ist es, die Vereinheitlichung für Erschließung, Formate und Schnittstellen in Bibliotheken sicherzustellen. Bei den Mitgliedern handelt sich um einen kooperativen Zusammenschluss großer wissenschaftlicher Bibliotheken der Bundesrepublik Deutschland, der regionalen Verbundsysteme für das Bibliothekswesen der Bundesrepublik Deutschland, von Vertretern des österreichischen und des schweizerischen Bibliothekswesens, der Öffentlichen Bibliotheken der Bundesrepublik Deutschland, der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder der Bundesrepublik Deutschland, der ekz Bibliotheksservice GmbH sowie der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Dieses überregionale Koordinierungsgremium verantwortet die genannten bibliothekarischen Bereiche der Standardisierung und entscheidet auf fachlicher Ebene über Grundsatzfragen.

Weitere Infos zum Standardisierungsausschuss und aktuelle Informationen zur Standardisierungsarbeit finden Sie auf den Seiten der Deutschen Nationalbibliothek unter www.dnb.de/sta. Ansprechpartnerin: Renate Behrens Tel.: 069 – 1525 – 1523, r.behrens@dnb.de.

Elektronisches Pflichtexemplar und Personendatenbanken – Arbeitsgruppe Regionalbibliographie tagte in diesem Jahr in Münster

Die Universitäts- und Landesbibliothek Münster führt ihre Geschichte auf die 1588 gegründete Bibliotheca Paulina des Jesuitenkollegs zurück und kann daher in diesem Jahr auf ihre 425-jährige Tradition stolz sein. In diesem Jubiläum lag allerdings nicht der Grund, die Mitglieder der Arbeitsgruppe Regionalbibliographie zu ihrer Jahrestagung in die westfälische Metropole einzuladen. Auch das am 29. Januar 2013 von der Landesregierung verabschiedete neue „Gesetz zur Regelung des Pflichtexemplarrechts in Nordrhein-Westfalen“ (GV. NRW. Ausgabe 2013 Nr. 4 v. 6. 2. 2013) war nicht wirklich das Motiv, in Münster zu tagen, bot aber einen willkommenen Anlass, die Ausübung der Landesbibliotheksaufgaben in NRW, die durch dieses Gesetz eine Neujustierung erfahren haben, etwas grundsätzlicher zu betrachten.

Hier ist zum einen die Regelung der Pflichtexemplarablieferung selbst zu erwähnen, denn auf dem Pflichtexemplar basiert ganz maßgeblich ein wesentlicher Teil landesbibliographischer Tätigkeit. Gegenüber früheren rechtlichen Regelungen sind Gegenstand und Umfang der Ablieferungspflicht präzisiert worden. Zu den ablieferungspflichtigen „Medienwerken“, die in § 3 eine klare Begriffsbestimmung erfahren, zählen auch die „Medienwerke in unkörperlicher Form, die in öffentlichen Netzen dargestellt werden.“ Deren Nutzung – auch das ein großer Fortschritt in der Gesetzgebung – wird ebenfalls geregelt: Die Bibliothek erhält „das Recht, das Werk in ihren Räumen zugänglich zu machen“; sie muss gleichzeitig aber „ausreichende Vorkehrungen gegen eine unzulässige Vervielfältigung, Veränderung oder Verbreitung des Werks“ treffen.

Der Aufnahme von Netzpublikationen in die Datenbank der Nordrhein-Westfälischen Bibliographie steht also in juristischer Hinsicht nichts mehr im Wege. Allerdings sollten diese Werke auch dauerhaft dem Nutzer zur Verfügung stehen, und das setzt die Langzeitarchivierung der Dokumente voraus. Hier erlaubt das Gesetz immerhin die Hilfe eines Dienstleisters in Anspruch zu nehmen. Ansonsten bauen die drei Landesbibliotheken auf Basis der Software Visual Library eigene Pflichtexemplarrepositorien auf. In Münster heißt diese E-Pflicht-Sammlung Westfalica electronica, wobei die auf die Region bezogenen Dokumente durch eine kleine Systematik inhaltlich gegliedert sind und als Teilmenge des Gesamtbestandes ausgewählt werden können. Alle gedruckten und elektronischen Pflichtexemplare sind sowohl in diesem E-Pflicht-Portal als auch im Bibliotheks-OPAC und im HBZ-Verbundkatalog und in der Nordrhein-Westfälischen Bibliographie recherchierbar, sofern ein sachlicher Landesbezug gegeben ist.

Seltenheitswert im Kontext bibliotheksrechtlicher Bestimmungen darf der § 2 Abs. 2 beanspruchen, weil er die Erarbeitung einer Landesbibliographie verlangt: „Die Bibliotheken erstellen gemeinsam die Nordrhein-Westfälische Bibliographie. Diese verzeichnet und erschließt die Medienwerke mit inhaltlichem Bezug zu Nordrhein-Westfalen unabhängig davon, ob sie innerhalb oder außerhalb Nordrhein-Westfalens verlegt werden.“ Das Hochschulbibliothekszentrum des Landes NRW in Köln unterstützt die drei Pflichtexemplarbibliotheken Bonn, Düsseldorf und Münster bei der Herausgabe der Bibliographie „durch die Entwicklung und den Betrieb von technischen Infrastrukturleistungen.“ (§ 2, Abs. 3). Fortschritte hinsichtlich der Ablieferung elektronischer Publikationen konnten auch Teilnehmer aus anderen Bundesländern melden. Das vorliegende Heft des „Bibliotheksdienstes“ gibt einen Sachstandsbericht zu dieser wichtigen Fragestellung. Einen aktuellen Überblick über alle deutschen Landesbibliographien möchten die „Blätter für Deutsche Landesgeschichte“ in einem ihrer nächsten Bände veröffentlichen.

Die seit langem zu beobachtende Tendenz innerhalb der Landesbibliographien zur Kooperation und Vernetzung mit den Produzenten anderer elektronischer Informationsangebote findet seinen Niederschlag u. a. auf dem Gebiet der Regionalbiographie. Die ursprünglich mehr oder weniger als Nebenprodukt regionalbibliographischer Erfassung entstandenen Datenbanken mit Informationen zu Persönlichkeiten der Region sind als Ergänzung großer biographischer Portale gut geeignet. Dies machte Dr. Bernhard Ebneth von der Neuen Deutschen Biographie, die von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften betreut wird, deutlich. Sowohl die NDB als auch die ADB, deren gemeinsamer Index 130.000 Namen umfasst, die alle mit GND-Nummern versehen sind, bilden das Herzstück biographischer Nachweissysteme. Zu diesen zählen insbesondere die Deutsche Biographie und das Biographieportal. An Letzterem sind auch Institutionen aus Österreich und der Schweiz beteiligt – und zwei regionale Personendatenbanken, nämlich diejenigen aus Rheinland-Pfalz und Sachsen. Kooperationen mit weiteren Landesbibliographien und ihren Personendatenbanken konnten in Münster angebahnt werden. Daneben entsteht in Zusammenarbeit von fünf großen Einrichtungen derzeit ein umfassendes historisch-biographisches Informationssystem für den deutschsprachigen Raum.

In allen Personendatenbanken findet der Nutzer nicht nur biographische Informationen aller Art, sondern in der Regel auch Auswahlbibliographien mit Primär- und Sekundärliteratur zu den erfassten Persönlichkeiten oder wenigstens Links auf entsprechende Bibliographien und Kataloge. Auch in dieser Hinsicht ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Biographieportalen und Landesbibliographien sinnvoll und willkommen. Geht man davon aus, dass sowohl biographische als auch bibliographische Informationen Forschungsdaten sind, dann kann ihre Vernetzung im Zuge von Linked Open Data eine wachsende Rolle spielen.

Außerhalb der Tagesordnung, auf der auch in diesem Jahr viele praktische Fragen aus der Alltagsarbeit der Landesbibliographen standen, konnten die Mitglieder der Arbeitsgruppe Regionalbibliographie die Universitäts- und Landesbibliothek Münster besichtigen. Wer mehrere Jahre nicht mehr vor Ort gewesen war, wird diese Bibliothek zunächst kaum wiedererkannt haben. Seit 2007 umfassend modernisiert und erweitert, bietet sie den über 40.000 Studierenden deutlich verbesserte Arbeitsbedingungen.

Dr. Ludger Syré

Badische Landesbibliothek

Erbprinzenstr. 15

76133 Karlsruhe

Email: syre@blb-karlsruhe.de

Bibliotheksinformatik an der HTWK Leipzig

Mit Beginn des kommenden Wintersemesters 2013/2014 werden an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig erstmals Studentinnen und Studenten der Medieninformatik mit der speziellen Ausrichtung „Bibliotheksinformatik“ immatrikuliert.

Doch was verbirgt sich dahinter? Es handelt sich um die Reaktion der Hochschule auf einen seit Längerem aus der Praxis klingenden Ruf: Angehende Bibliothekare erhalten während ihrer Ausbildung zwar informatische Grundkenntnisse (aus einer Anwenderperspektive), können aber keine fundierten Fähigkeiten beispielsweise im Bereich der Programmierung oder Systementwicklung vorweisen. Informatiker auf der anderen Seite beherrschen ihr Fach, kennen aber die Sichtweise und Bedürfnisse der Bibliothekare kaum – an diesem Punkt setzt die Bibliotheksinformatik an. Diese neue Studienrichtung ist ein informatischer Bachelorstudiengang; ein Teil – insgesamt 30 % – hat jedoch explizit die Bibliotheks- und Informationswissenschaft zum Gegenstand, hierunter Module zu Typologie, Strukturen und Methoden der Bibliotheks- und Informationswissenschaft, Formal- und Inhaltserschließung sowie zur Informationsvermittlung und Bibliographie. Durch die spezifische Einsicht bereits während des Studiums werden dabei die Kommunikation mit Bibliotheken und anderen Informationsdienstleistern sowie das Erkennen und die Bewertung bibliothekarischer Anforderungen gefördert.

Erste Einblicke in die Welt der Bibliotheken gibt es für die angehenden Informatiker dabei bereits im 2. Fachsemester während eines vierwöchigen Informationspraktikums. Zum Inhalt hat dies, die generellen Abläufe und die Arbeit in einer Bibliothek kennenzulernen, unter der Fragestellung: wie funktioniert eine Bibliothek? Der Schwerpunkt wird dabei darin liegen, die vorhandenen IT-Strukturen kennenzulernen und somit einen ersten Einblick in die IT-gestützte Wissensverwaltung zu erhalten. Die Erarbeitung eines Softwareprojektes im Laufe eines Studienjahres bietet den Studierenden auf der anderen Seite die Möglichkeit, umfassende Kenntnisse über das Software Engineering zu erwerben und selbst zu erproben. Hier bieten sich Möglichkeiten der individuellen Kooperation zwischen Hochschule und Praxis. Kurz vor Beendigung ihres Studiums erwartet die Bibliotheksinformatiker dann das Praxisprojekt, welches eine dritte direkte Verbindung in die spätere berufliche Tätigkeit darstellt. Hier werden die Studenten in Unternehmen, aber auch in Bibliotheken direkt eingesetzt. Nach dem sechssemestrigen Studium ergeben sich viele Einsatzfelder in der Praxis, inner- und außerhalb von Bibliotheken, vor allem im Bereich der Weiterentwicklung von Bibliothekssoftware und -systemen.

In den letzten Jahren hat sich allmählich der Begriff des Systembibliothekars herausgebildet, welcher laut einer Diskussion in InetBib1 „eine Zusatzqualifikation […] [ist], die den- oder diejenige befähigt, ein Bibliothekssystem […] auf der Ebene der bibliothekarischen Konfiguration zu betreuen und der in Zusammenarbeit mit der IT-Abteilung die gesamte Bibliotheks-EDV koordiniert, anpasst und konfiguriert.“ Anhand dieser Beschreibung lässt sich schnell erkennen, dass hier ein Unterschied zwischen dem Bild des Systembibliothekars und dem des sich erst noch zu prägenden Bibliotheksinformatikers gezogen werden muss. Dessen Aufgaben liegen vor allem in der Planung, Entwicklung, Kodierung und Umsetzung entsprechender Software, statt in der Verwaltung und Wartung vor Ort.

Die Hoffnung liegt bei einem neuen Berufsfeld, welches auf die aktuell bestehenden und zukünftigen Anforderungen von Informationsdienstleistern reagiert. Die Studienanfänger sind dann bald auf der Suche nach einer geeigneten Praktikumseinrichtung …

Ansprechpartner:

Studienberatung, Schülerbüro

Anne Herrmann

Email: studienberatung@htwk-leipzig.de

Tel.: 0341/3076-6156

Studiendekan Medieninformatik

Prof. Michael Frank

Email: mfrank@imn.htwk-leipzig.de

Tel.: 0341/3076-6398

Fachberaterin Bibliotheks- und Informationswissenschaften

Prof. Dr. Andrea Nikolaizig

Email: nikolaiz@fbm.htwk-leipzig.de

Tel.: 0341/3076-5453

Weitere Informationen unter www.htwk-leipzig.de/mib/bibliotheksinformatik.

Neue Bände in der Reihe „Kölner Arbeitspapiere zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft“

In der Reihe „Kölner Arbeitspapiere zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft“ sind folgende neue Bände erschienen:

  • Band 68 der „Kölner Arbeitspapiere zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft“:

Caviola, Sandra: Schulbibliotheken im Fokus: Zur Situation der Schulbibliotheken in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der Bibliotheken an Gymnasien im Regierungsbezirk Arnsberg. Köln: Fachhochschule Köln, Institut für Informationswissenschaft, 2013. 125 S. (Kölner Arbeitspapiere zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft; 68) http://www.fbi.fh-koeln.de/institut/papers/kabi/volltexte/band068.pdf;

  • Band 69 der „Kölner Arbeitspapiere zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft“:

Smithen, Jessica Rita: Schulschriften in der Lippischen Landesbibliothek zu Detmold – Umfang und Profil der Sammlung, Möglichkeiten der Erschließung. Köln: Fachhochschule Köln, Institut für Informationswissenschaft, 2013. 89 S. (Kölner Arbeitspapiere zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft; 69) http://www.fbi.fh-koeln.de/institut/papers/kabi/volltexte/band069.pdf;

  • Band 70 der „Kölner Arbeitspapiere zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft“:

Brockhaus, Rudolf; Lange Sebastian: Das Leitbild der Zentralbibliothek Sportwissenschaften Köln – eine Evaluation. Köln: Fachhochschule Köln, Institut für Informationswissenschaft, 2013. 97 S. (Kölner Arbeitspapiere zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft; 70) http://www.fbi.fh-koeln.de/institut/papers/kabi/volltexte/band070.pdf.

Fortbildung in Hessen

Nach etlichen Wochen organisatorischer und technischer Feinarbeit ist das neue Kursprogramm für die bibliothekarische Fortbildung in Hessen online, und zwar unter http://www.hebis.de/de/1gs_fortbildung/fortbildung_index.php. Die ersten Kurse widmeten sich Bezahlsystemen, der Provenienzforschung und „Patron Driven Acquisition“. Weitere Kurse (z. B. Kommunikation, Prozessmanagement in Bibliotheken) werden sukzessive ins Programm eingestellt. 2013 gibt es einige Neuerungen bei der Fortbildung:

  • Teilnehmer aus HeBIS-Institutionen zahlen jetzt einen ermäßigten Kostenbeitrag für die Veranstaltungen.

  • Durch neue Teilnahmebedingungen soll ein verlässlicher Rahmen für alle Beteiligten (Teilnehmer, Organisatoren, Referenten) geschaffen und Planungssicherheit hinsichtlich der Durchführbarkeit der Kurse und ihrer Finanzierung erreicht werden.

  • Die Anmeldung soll durch ein Online-Formular vereinfacht werden.

Die Fortbildung in Hessen wird seit Herbst letzten Jahres von Frau Lindsey Fairhurst und Frau Thekla Heßler (Organisation) sowie Frau Rita Albrecht (fachliche Leitung) betreut. Mit Fragen oder Kursvorschlägen kann man sich über die Sammel-Mailadresse hessfort@hebis.de an sie wenden.

Footnotes

  • Reschke, Edith: Re: [InetBib] Systembibliothekar, www.ub.uni-dortmund/listen/inetbib/msg29092.html; 7. 12. 2005. 

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Published Online: 2013-09-06

Published in Print: 2013-09-03


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 47, Issue 8-9, Pages 679–690, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2013-0081.

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