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Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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ISSN
2194-9646
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Volume 48, Issue 10

Issues

Discovery-Services – Einführung, Marktübersicht und Trends

Heiko Jansen
Published Online: 2014-09-09 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2014-0095

Zusammenfassung:

Der Beitrag liefert eine kurze Übersicht zur Entstehung und zu den wesentlichen Eigenschaften von Discovery-Services. Die im deutschen Markt vertretenen Anbieter werden vorgestellt und hinsichtlich einiger wichtiger Unterscheidungsmerkmale verglichen. Abschließend werden zwei Trends für die mittelfristige Entwicklung beleuchtet.

Abstract:

The article provides a short survey of the development and the most significant features of resource discovery services. The products available on the German market are described and compared with regard to a few significant characteristics. Finally, two trends for medium-term development are highlighted.

Schlüsselwörter: : Discovery-Services; Marktübersicht; Trends; Relevance Ranking

Keywords: : resource discovery services; product overview; trends; relevance ranking

„Instead of bewildering users with a bevy of specialized databases […] many libraries are bulldozing their digital silos. They now offer one-stop search boxes that comb entire collections, Google style.

That’s the ideal, anyway. The reality is turning out to be messier.“1

Marc Parry

1 Einführung

Seit ca. fünf Jahren versuchen mehrere Anbieter, sich mit einer neuen Klasse von Produkten im Markt zu positionieren. Die etablierten Anbieter von Lokalsystemen hatten zuvor meist nur schwerfällig oder gar nicht auf das sich wandelnde Informationsbeschaffungsverhalten der Nutzer reagiert: Funktionalität und Benutzbarkeit der klassischen Online-Bibliothekskataloge blieben immer weiter hinter dem Standard von Internetsuchmaschinen und anderen Angeboten im Netz zurück, sodass die Benutzer die Angebote der Bibliotheken zunehmend ignorierten. Die neuen Produkte – heute meist unter dem Begriff „Discovery-Services“ bekannt – traten an, um insbesondere in zweierlei Hinsicht verlorenes Terrain gutzumachen: Recherche-Funktionalität und inhaltliche Abdeckung.

Der Einsatz von Suchmaschinensoftware verspricht eine Reihe von Vorteilen gegenüber den älteren, i. d. R. direkt auf relationalen Datenbanken aufsetzenden Online-Katalogen. Dazu gehören beispielsweise

  • deutlich geringere Antwortzeiten,

  • Relevanz-Sortierung2 der Treffer,

  • Assistenzfunktionen (Vorschläge zur Vervollständigung der Suchbegriffe während der Eingabe, Vorschläge alternativer Suchanfragen nach der Suche) und

  • erhöhte Toleranz gegenüber Tippfehlern oder abweichenden Schreibweisen durch linguistische Analysen der indexierten Daten und der Suchanfrage (u. a. Reduktion auf Wortstamm).

Die Kombination der verschiedenen Features erlaubt es den Nutzern, sich den indexierten Datenbestand besser und effizienter zu erschließen als dies zuvor möglich war. Während sich die älteren Kataloge gut für das Erzielen von exakten Treffern (sog. „Known Item Search“) eigneten, verbessern die neuen Systeme die Möglichkeiten zur explorativen Suche („Discovery“!). Sie bieten zudem Hilfestellungen für den Umgang mit großen Treffermengen durch die Möglichkeiten zur Postkoordination von Suchaspekten mittels verschiedener Arten von Facetten (Suchbegriffe, Dokumenttypen, Erscheinungszeiträume).

Insbesondere das Relevance Ranking spielt aber eine wesentliche Rolle, denn die Nutzer erwarten, dass die ersten angezeigten Treffer möglichst exakt zu ihren Informationsbedürfnissen passen – oder zumindest, dem „Principle of least effort“ folgend, ausreichen, um ihr Informationsbedürfnis hinreichend zu stillen.3 Angewandt auf Discovery-Services wird diese Annahme gestützt durch die Beobachtungen von Asher et. al.4 :

„Fully 92 percent […] of the resources used […] were found on the first page of search results. […] By following this practice, students are de facto outsourcing much of the evaluation process to the search algorithm itself.”5

Die Suchmaschinentechnologie ist zugleich die Voraussetzung für das zweite wesentliche Unterscheidungsmerkmal von Discovery-Services zu traditionellen Web-Katalogen: den Ausbau des Index weit über die Metadaten der mit dem jeweiligen lokalen Bibliothekssystem verwalteten Bestände hinaus. Im Prinzip ist es der Anspruch aller Discovery-Services, sämtliche für ihre Kunden potentiell relevante Literatur nachzuweisen – letztlich also die gesamte (wissenschaftliche) Literatur weltweit – und damit ein einziges Frontend zu allen verfügbaren Angeboten der jeweiligen Bibliothek darzustellen.6 Es ist leicht ersichtlich, dass ein gutes Relevance Ranking ein wesentliches Erfolgskriterium für den Einsatz eines Discovery-Service darstellt.

Neben den beiden genannten Aspekten reklamieren die Angebote noch weitere, in den vergangenen Jahren teils unter dem Schlagwort „Katalog 2.0“ diskutierte Verbesserungen für sich: beispielsweise intuitive Bedienbarkeit, Mehrwerte durch Komfortfunktionen wie Anzeige und Export von Zitationen, Kataloganreicherungen oder für mobile Endgeräte optimierte Oberflächen. Allgemein lässt sich durchaus feststellen, dass alle Systeme Oberflächen anbieten, die stärker als bei den klassischen Katalogen auf die Bedürfnisse von nicht-bibliothekarischen Nutzern ausgerichtet sind. Andererseits sind dies im Wesentlichen reine Oberflächen-Eigenschaften, die auch von alternativen Frontends wie VuFind angeboten werden. Daher und aufgrund des limitierten Umfangs dieses Artikels wird an dieser Stelle auf eine detailliertere Thematisierung dieser Aspekte verzichtet.

2 Marktübersicht

Den Markt für Discovery-Systeme teilen sich in Deutschland aktuell vier Systeme, diese sind in alphabetischer Reihenfolge:

  • EDS – EBSCO Discovery Service (EBSCO),

  • Primo Central (ExLibris),

  • Summon (ProQuest),

  • WorldCat Local bzw. WorldCat Discovery Services7 (OCLC).

Im Unterschied zu den ersten drei Angeboten stellt OCLC sein Angebot nur solchen Bibliotheken zur Verfügung, die auch ein OCLC-Lokalsystem einsetzen. Dem Autor ist zudem kein aktuell produktiver Anwender in Deutschland bekannt, sodass sich die folgenden Ausführungen auf die drei übrigen Produkte beschränken.8

Ein erster grundsätzlicher Unterschied zwischen den Systemen liegt in der Herkunft der Anbieter. Während EBSCO und ProQuest Inhaltsanbieter sind, ist ExLibris primär ein Bibliothekssystem-Anbieter mit zuvor vergleichsweise wenig Erfahrungen im Umgang mit großen Mengen von Aufsatzdaten und Volltexten sowie mit dem Hosting von Datenbanken. Die Annahme liegt nahe, dass sich dies bei EBSCO und ProQuest in einer tendenziell besseren Datenqualität durch eine bessere Aufbereitung der gesammelten Daten niederschlägt. Tatsächlich wurde zumindest EDS in der Konkurrenzanalyse von Jansen et. al.9 in dieser Hinsicht besser bewertet, während Summon – allerdings primär aufgrund des großen Anteils an Zeitungsinhalten – weniger positiv eingeschätzt wurde.

Stolz ist man bei ProQuest in der Tat auch auf die Zusammenführung von Metadaten aus verschiedenen Nachweisen des gleichen Dokuments von unterschiedlichen Datenlieferanten: So entstünde ein einziger Datensatz mit der Gesamtheit aller verfügbaren Informationen.

Primo (Central) dagegen stellt in seiner Oberfläche die „FRBRisierung“ bei Monographien prominent zur Schau: Unterschiedliche Ausgaben des gleichen Werkes werden geclustert und ergeben einen einzigen Eintrag in der Trefferliste. Die einzelnen Ausgaben/Auflagen bleiben aber separat aufrufbar – allein schon, weil Ausleihinformationen und -vorgänge erst auf dieser tieferen Ebene angesiedelt sind.

Hinsichtlich des geschäftlichen Hintergrunds wird gelegentlich auf die Möglichkeit hingewiesen, dass EBSCO und ProQuest in einem Interessenkonflikt stehen: Das Ranking der Suchergebnisse sollte einerseits vollkommen neutral sein, andererseits liegt es theoretisch im Interesse der beiden Anbieter, die eigenen Inhalte möglichst prominent in den Trefferlisten zu platzieren, um deren fortgesetzte Lizenzierung zu fördern. Entsprechende Äußerungen werden von den Firmen jedoch zurückgewiesen.10

Auch technologisch sind wesentliche Unterschiede zwischen den Systemen zu erkennen. Sowohl EDS als auch Summon sind reine SaaS11 -Angebote. Anpassungen an lokale Bedürfnisse erfolgen entweder über die von der jeweiligen Administrationsoberfläche gebotenen Optionen oder durch Manipulation der Oberflächen mit Hilfe von CSS und JavaScript. Lokale Daten (z. B. der Bibliothekskatalog), die im Rahmen der Suche gefunden werden sollen, werden aus den lokalen Systemen exportiert, zum Anbieter transferiert und dort indexiert. Die Suchen der Nutzer laufen daher über einen durch die hinterlegten Lizenzinformationen und die hochgeladenen Daten definierten Ausschnitt des Gesamt-Index und führen so zu einer einheitlichen Trefferliste.

Bei Primo (Central) dagegen besteht das System aus zwei Komponenten: zum einen dem zentral gehosteten Index („Primo Central“) und zum anderen aus dem System für die Indexierung der lokalen Daten und die Erzeugung der Oberflächen („Primo“). Zwar kann man auch Primo durch ExLibris hosten lassen, aber je nach Umfang des eingekauften Supports verliert man den größten Vorteil, den diese Architektur bietet: Die direkte Kontrolle über Primo erlaubt sehr viel weitergehende Anpassungen der Oberfläche und des Datenimports an lokale Anforderungen (zum Preis eines erhöhten Aufwands bei der Integration neuer Versionen des Systems). Auch Primo zeigt allerdings eine einzige Trefferliste an und führt dazu die Treffer aus dem lokalen Solr-Index12 mit den von Primo Central gelieferten Treffern zusammen.

Als Lokalsystem-Anbieter hat ExLibris zudem sein Wissen genutzt und Primo mit den notwendigen Schnittstellen und Funktionen ausgestattet, um zumindest für die ExLibris-Produkte „Aleph“ und „Voyager“ den WebOPAC vollständig zu ersetzen (inkl. Benutzerkonto etc.). Grundsätzlich lässt sich Primo auch als Katalog-Frontend für Bibliothekssysteme anderer Hersteller verwenden, wie das Beispiel der ULB Münster zeigt.13

Bei den anderen beiden Discovery-Services beschränkt sich die Integration mit dem jeweiligen Lokalsystem bislang weitgehend darauf, die Bestandsinformationen und den Ausleihstatus anzuzeigen und für alle weiteren Funktionen auf den Katalog zu verlinken. Beide Anbieter haben den strategischen Nachteil erkannt und reagieren unterschiedlich darauf. Während ProQuest daran arbeitet, sein Produktportfolio mit einem eigenen Erwerbungs- und Ressourcenverwaltungssystem14 zu erweitern, setzt EBSCO primär auf Kooperationen mit anderen Firmen. Dabei sollen sowohl der EDS-Index in andere Oberflächen integriert als auch die EDS-Oberfläche künftig als Katalog-Frontend für verschiedene Lokalsysteme (z. B. Kuali) verwendet werden.

Soweit für den Autor erkennbar, legt EBSCO unter den drei Anbietern grundsätzlich den meisten Wert auf Offenheit und Kooperation – jedoch mit einer wesentlichen Einschränkung: Selbst produzierte Inhalte hat EBSCO lange Zeit als Wettbewerbsvorteil exklusiv für sich behalten. Wollte eine Bibliothek einen anderen Discovery-Service einsetzen, konnten Nutzer die EBSCO-Daten darin nicht finden. Erst im April 2014 wurde diese Restriktion zu einem gewissen Grad gelockert.15 ExLibris beispielsweise geht das neue Angebot noch nicht weit genug: Die Firma fordert – unter Betonung der Interessen der Bibliotheken – daher auch die Freigabe der übrigen Daten.16

Hinsichtlich der Zugriffsmöglichkeiten auf den Index ist festzustellen, dass der Verfügbarkeit einer API insbesondere in Deutschland offenbar erhebliche Bedeutung zukommt. In einer Präsentation für EDS-Kunden beschreibt EBSCO, dass die Mehrheit aller API-Suchanfragen aus Deutschland kommt, und zwar mit deutlichem Vorsprung vor Südkorea und den USA. Inwieweit absolute oder relative Zahlen für die anderen Systeme dies bestätigen, konnte leider nicht verifiziert werden. In Anbetracht der verschiedenen VuFind-Nutzer beispielsweise im „finc“-Projekt17 oder lokalen Eigenentwicklungen (z. B. UB Heidelberg, UB Bochum, UB Dortmund, DigiBib IntrOX18 ) ist aber produktübergreifend ein großes Interesse am Zugriff per API statt über die nativen Oberflächen erkennbar.

In diesem Kontext darf ein Hinweis darauf nicht fehlen, dass sich in den letzten Jahren eine rege Diskussion um die Frage entwickelt hat, welche Präsentationsform die Bessere sei: lokale Daten (insbesondere also Katalogdaten) und alle anderen Daten aus dem Index in einer einzigen Trefferliste oder jeweils für sich in zwei unabhängigen Trefferlisten. Für die „Eine-Liste-Lösung“ wird u. a. das einheitliche Ranking sowie die für die Benutzer leichter verständliche Oberfläche angeführt. Umgekehrt wird angeführt, dass ein großer Teil der Nutzer gezielt an den lokalen Beständen interessiert sei und dass knappe Metadaten für die lokalen Bestände einerseits und Volltexte für einen großen Teil der Artikel andererseits ein einheitliches Ranking unmöglich machten. Ein objektiver Sieger ist aus der Diskussion bislang nicht hervorgegangen und es ist fraglich, ob es einen solchen überhaupt geben kann, auch wenn keine technischen Rahmenbedingungen (wie sind welche Daten verfügbar) die Entscheidung diktieren. Letztlich sollte die Entscheidung von den individuellen lokalen Rahmenbedingungen abhängen, wie z. B.: Was für Medien suchen die Nutzer in erster Linie? Wie wichtig sind die Verbunddaten (die noch nicht vollständig in den Indizes enthalten sind)? Wie wichtig sind einheitliche Schlagworte, Notationen und Normdatenverknüpfungen?

Hingewiesen werden sollte darauf, dass die Nutzung der API eines Discovery-Service an sich hier unerheblich ist: Schließlich könnte man die lokalen Daten trotzdem zuerst beim Anbieter indexieren lassen und dann mit über die API abfragen. Auch die Trennung in zwei unabhängige Indizes schließt das Angebot einer einzigen Liste nicht zwangsläufig aus. ExLibris bietet eine „Bridge“ genannte Software für VuFind an, die es erlaubt, die Daten aus Primo Central und dem lokalen Solr-Index in VuFind in eine Liste zusammenzuführen.

Eine Bibliothek, die beabsichtigt einen Index zu lizenzieren, muss letztlich auch noch analysieren, ob die von ihr lizenzierten Inhalte im jeweiligen Index auch tatsächlich enthalten sind. Leider stellt dies immer noch ein Problem dar, denn detaillierte Informationen dazu, welcher Inhaltsanbieter welche Daten in welchem Umfang (mit/ohne Volltext, mit/ohne Sacherschließung …) an welchen Index liefert, liegen meist weder von den Inhaltsanbietern noch von den Discovery-Services vor. Möglicherweise führen die von der Open Discovery Initiative der NISO kürzlich publizierten Empfehlungen19 in diesem Kontext künftig zu einer Verbesserung der Situation.

3 Entwicklungstrends

Neben dem kontinuierlichen Ausbau der Inhalte aller Indizes20 stehen aus Sicht des Autors aktuell zwei Themen produktübergreifend im Fokus der Entwicklungen: zum einen die Optimierung des Relevance Ranking und zum anderen eine Anreicherung der Suchergebnisse.

3.1 Weiterentwicklung des Relevance Ranking

Detailliertere Informationen zu den Relevance-Ranking-Algorithmen der Anbieter sind schwer zu erhalten, weil dies offenbar als wettbewerbsrelevante Information eingeschätzt wird. Im Hinblick auf die grundsätzliche Neutralität, die Bibliotheken aus Sicht des Autors in ihrer Rolle als Informationsvermittler bewahren sollten, ist dies übrigens ein Problem und es läge im politischen Interesse aller Bibliotheken, hier zu einer Öffnung und Nachprüfbarkeit zu kommen. Allgemein ist es aber offenbar das Bestreben der Anbieter, das Ranking weiter zu optimieren und es wird u. a. versucht, zusätzliche bibliometrische Daten als Bewertungsgrundlage einzubeziehen. Ein Problem dabei ist allerdings, dass die Informationsbedürfnisse der Nutzer keineswegs homogen sind und jegliche „Optimierung“ des Ranking-Algorithmus gleichermaßen zum Vorteil wie zum Nachteil bestimmter Nutzergruppen gehen kann. ExLibris bietet hier einen innovativen Ansatz, bei dem sich authentifizierte Nutzer in Primo durch die Auswahl von bestimmten Fachgebieten und einer Zuordnung zu einem Interessen-Niveau (grob gesprochen von Einsteiger bis Experte) ein eigenes Ranking-Profil konfigurieren können. Aus Sicht des Autors wäre es allerdings erfolgversprechender, die Einstellungen anhand der Benutzerdatenbank (Fachsemester bzw. Fakultät) schon vorzugeben.21

Noch scheint kein Anbieter so weit zu sein, lokale Informationen etwa aus dem Verhalten der Nutzer einer Kundenbibliothek in das Ranking einfließen zu lassen. Dass die Nutzung solcher Informationen das Potential hat, das Ranking zu optimieren, zeigen die entsprechenden Maßnahmen der SUB Bremen.22

3.2 Anreicherung der Ergebnisse

Die Suchergebnisse der Discovery-Services bestehen jedoch nicht mehr nur aus den Listen mit Literaturnachweisen. Zu diesen gesellen sich vermehrt Widgets und Info-Boxen mit verschiedenen Funktionalitäten. Gemeint ist hier also nicht die klassische Kataloganreicherung, bei der die Metadaten einzelner Datensätze um Zusatzinformationen erweitert werden, sondern eine Ergänzung der gesamten Treffermenge, zum Beispiel in Form von Verweisen auf Datenbanken, die – anhand einer Analyse der aktuellen Suchanfrage bzw. der vorliegenden Treffer – für eine weitergehende Recherche zum gleichen Thema besonders geeignet sind. EBSCO analysiert die Anfrage auf bestimmte Themen oder Personen und zeigt ggf. Verweise auf spezielle Übersichtsartikel oder Einführungen an. Auch Kontaktdaten für lokale Ansprechpartner (etwa Fachreferenten zum Thema) lassen sich einblenden. Ideelle Richtschnur dürfte hier der Google Knowledge Graph23sein. Zukünftig könnte sich das Layout der Ergebnisse dem sogenannten „Bento Box“-Design24 annähern, bei dem es ursprünglich eher um eine Aufteilung von Buch- und Artikel-Nachweisen in separate Listen ging,25 das sich aber auf zusätzliche Boxen mit „Informationshäppchen“ erweitern lässt. Eine Herausforderung wird allerdings die Gestaltung der Anzeige sein, damit die Benutzer nicht die Orientierung verlieren.

4 Fazit

Ungeachtet aller offenen Fragen und möglichen Kritikpunkte stellen DiscoveryServices gegenwärtig sicher den besten Ansatz dar, um Bibliotheken wieder als erste Anlaufstelle für Informationen suchende Nutzer zu positionieren.26 Trotz aller Vorteile (vgl. etwa Asher et. al.27 zu Kritikpunkten an Google Scholar) wird es allerdings nicht einfach sein, die in den vergangenen Jahren etablierten Gewohnheiten der Benutzer aufzubrechen. Ein entscheidender Aspekt wird letztlich auch sein, wie schnell und einfach Nutzer letztlich an die gefundenen Dokumente gelangen können:

„Delivery, and in fact, immediate delivery is what users have come to expect based on their experience with various downloadable media […].“28

Alle Discovery-Services besitzen schon die Fähigkeit, zu bestimmten Treffern in Abhängigkeit von den Lizenzen der jeweiligen Bibliothek Links zum Volltext zu generieren. Die Frage ist aber auch, welcher Prozentsatz an Treffern insgesamt im Volltext aufrufbar ist und welche Möglichkeiten den Benutzern geboten werden, wenn ein direkter Volltextzugriff nicht möglich ist.

Heiko Jansen:

Footnotes

  • Parry, Marc: As Researchers Turn to Google, Libraries Navigate the Messy World of Discovery Tools. In: The Chronicle of Higher Education (21.04.2014) http://chronicle.com/article/As-Researchers-Turn-to-Google/146081/[Zugriff: 14.06.2014]. 

  • Für eine bibliotheksorientierte Einführung zum Thema vgl. Lewandowski, Dirk: Ranking library materials. In: Library Hi Tech Bd. 27 (2009), Nr. 4, S. 584–93. DOI 10.1108/07378830911007682 (Preprint verfügbar unter http://www.bui.haw-hamburg.de/fileadmin/user_upload/lewandowski/doc/LHT2009_preprint.pdf). 

  • Vgl. Bates, Marcia J.: Task force recommendation 2.3 research and design review: improving user access to library catalog and portal information: final report (version 3). Library of Congress 2003. http://www.loc.gov/catdir/bibcontrol/2.3BatesReport6-03.doc.pdf [Zugriff: 19.06.2014]. 

  • Asher, Andrew D.; Duke, Lynda M.; Wilson, Suzanne: Paths of Discovery: Comparing the Search Effectiveness of EBSCO Discovery Service, Summon, Google Scholar, and Conventional Library Resources. In: College & Research Libraries Bd. 74 (2013), Nr. 5, S. 464–88. http://crl.acrl.org/content/74/5/464 [Zugriff: 29.06.2014]. 

  • Konsequenterweise könnte man Facetten als „Krücke“ zur Kompensation eines noch nicht hinreichend „guten“ Relevance Rankings betrachten. 

  • Tatsächlich wird versucht, nicht nur die Metadaten, sondern möglichst die Volltexte der nachgewiesenen Literatur zu indexieren – wodurch die Wahrscheinlichkeit, mit den Begriffen einer Suchanfrage Treffer zu erzielen, weiter steigt und folglich auch die Trefferzahlen zunehmen. 

  • „WorldCat Discovery Services“ ist die im Frühjahr 2014 eingeführte Verbindung der bisherigen Angebote „WorldCat Local“ und „FirstSearch“. 

  • Die folgenden Aussagen basieren – mangels Testzugang zu den Administrationskomponenten von Primo und Summon – im Wesentlichen auf Gesprächen mit Firmenvertretern und Bibliothekaren sowie Beobachtungen in einer limitierten Anzahl von Installationen. Die zeitliche Gültigkeit ist angesichts des dynamischen Umfelds naturgemäß limitiert. Eine weiterer detaillierter, jedoch auch bereits etwas älterer Vergleich aller vier Systeme findet sich bei Vaughan, Jason: Web Scale Discovery Services. In: Library Technology Reports. Bd. 47 (2011), Nr. 1, S. 5–1. Ein aktueller, Kriterien-Katalog-basierter Vergleich einer größeren Anzahl von Discovery Tools (inkl. der hier vorgestellten Discovery Services) findet sich bei Chickering, F. William; Yang, Sharon Q.: Evaluation and Comparison of Discovery Tools: An Update. In: Information Technology and Libraries Bd. 33 (2014), Nr. 2, S. 5–0. DOI 10.6017/ital.v33i2.3471. http://ejournals.bc.edu/ojs/index.php/ital/article/view/3471 [Zugriff: 26.06.2014]. 

  • Jansen, Heiko; Kemner-Heek, Kirstin; Schweitzer, Roswitha: Konkurrenzanalyse ausgewählter kommerzieller Suchindizes, 2010. http://www.hbz-nrw.de/dokumentencenter/veroeffentlichungen/suchindizes.pdf [Zugriff: 21.06.2014]. 

  • Wie Anm. 1. 

  • Software as a service. Wikipedia, the free encyclopedia. https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Software_as_a_service&oldid=613600179 [Zugriff: 21.06.2014]. 

  • Solr ist eine Suchmaschinen-Software. https://lucene.apache.org/solr/[Zugriff: 22.06.2014]. 

  • Vgl. http://disco.uni-muenster.de/[Zugriff: 21.06.2014]. 

  • Vgl. http://www.proquest.com/products-services/intota.html [Zugriff: 26.06.2014]. 

  • Vgl. http://www.ebscohost.com/metadata-sharing-policy [Zugriff: 21.06.2014]. 

  • Vgl. http://www.librarytechnology.org/ltg-displaytext.pl?RC=19134 [Zugriff: 21.06.2014]. 

  • Vgl. http://blog.finc.info/about-finc [Zugriff: 21.06.2014]. 

  • Vgl. http://www.hbz-nrw.de/angebote/digitale_bibliothek/digibibintrox [Zugriff: 29.06.2014]. 

  • Open Discovery Initiative Working Group: Open Discovery Initiative: Promoting Transparency in Discovery, NISO Recommended Practice (RP-19-2014). Baltimore, MD: National Information Standards Organization, 2014. http://www.niso.org/workrooms/odi/publications/rp/rp-19-2014 [Zugrif: 26.06.2014]. 

  • Für aktuelle Informationen zu diesem Thema bietet sich die Verfolgung der „Library Automation Industry News“ (http://www.librarytechnology.org/news.pl) an. 

  • Dies wurde von Gesprächspartnern des Autors teilweise als „Bevormundung“ gewertet, aber letztlich stellt jeder Relevance-Ranking-Algorithmus eine Art Bevormundung auf der Basis generalisierter Annahmen dar – insofern ist für den Autor kein Problem erkennbar (zumal wenn das Ranking-Profil über Konfigurationseinstellungen in der Suchoberfläche anpassbar bleibt). Wie bei jeder neuen Entwicklung müsste der Erfolg der Maßnahme natürlich überprüft werden. 

  • Haake, Elmar: „Nur die ersten drei zählen!“ Erfolgsfaktoren beim Betrieb von Discovery Systemen/Neues Relevanz Ranking. Bremen, 103. Dt. Bibliothekartag, 03.–06.06.2014. http://www.opus-bayern.de/bib-info/volltexte/2014/1598/[Zugriff: 19.06.2014]. 

  • Vgl. http://www.google.com/insidesearch/features/search/knowledge.html [Zugriff: 19.06.2014]. 

  • Vgl. Bentō. Wikipedia. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Bent%C5 %8D&oldid=130078110 [Zugriff: 21.06.2014]. 

  • Rochkind, Jonathan: Article Search Improvement Strategy. http://bibwild.wordpress.com/2012/10/02/article-search-improvement-strategy/[Zugriff: 21.06.2014]. 

  • Dies stellt keine Bewertung alternativer Ansätze dar, bei denen z. B. versucht wird, bibliographische Informationen als Linked Open Data (z. B. per RDFa) direkt in Internet-Suchmaschinen zu platzieren. 

  • Wie Anm. 4. 

  • OCLC Online Computer Library Center, Inc.: Online Catalogs: What Users and Librarians Want. Dublin, Ohio: OCLC, 2009 — ISBN 978-1-55653-411-9. http://www.oclc.org/reports/onlinecatalogs.en.html [Zugriff: 21.06.2014]. 

About the article

Heiko Jansen

Heiko Jansen, MA LIS


Published Online: 2014-09-09

Published in Print: 2014-09-30


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 48, Issue 10, Pages 773–783, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2014-0095.

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