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Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Gerlach, Annette / Koelges, Barbara

12 Issues per year

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ISSN
2194-9646
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Volume 48, Issue 10 (Sep 2014)

Issues

Vorbei die Zeiten von Gebrauchsanweisungen für Bibliotheksportale

Nutzerbeteiligung und Co-Design am Beispiel des neuen KOBV-Portals

Gone are the times of operating instructions for library portals

User participation and co-design, exemplified by the new KOBV Portal

Nicole Quitzsch
  • Corresponding author
  • Kooperativer Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg (KOBV), im Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin (ZIB), Takustraße 7, 14195 Berlin-Dahlem,
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Published Online: 2014-09-09 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2014-0097

Zusammenfassung:

Bibliotheken stehen heute mehr denn je vor der Frage, wie sie ihre Dienste attraktiv gestalten können. Da liegt es nahe, Nutzerinnen und Nutzer aktiv in den Designprozess einzubinden. Die Neuentwicklung des KOBV-Portals (http://portal.kobv.de), einer regionalen Suche über die Bestände der Bibliotheken in Berlin und Brandenburg, geht konsequent den Weg des Co-Designs. Nutzerinnen und Nutzer werden als Entwicklungspartner verstanden. Als Projektpartner wurde das Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft (IBI) der Humboldt-Universität zu Berlin gewonnen.

Abstract:

More than ever, libraries today are faced with the question of how to make their services more attractive. Thus, it only seems logical to actively integrate users into the design process. The re-implementation of the KOBV Portal (http://portal.kobv.de), a regional search in the holdings of libraries in Berlin and Brandenburg, consistently follows the path of co-design. Users are regarded as development partners. The Berlin School of Library and Information Science acts as a project partner.

Schlüsselwörter: : Discovery-System; User Experience; Expertenevaluation; Co-Design

Keywords: : resource discovery system; user experience; expert evaluation; co-design

1 Einführung

Seit einigen Jahren entstehen sogenannte Discovery-Systeme für Bibliotheken mit dem Ziel, deren Nutzerinnen und Nutzern einen schnellen und einfachen Zugang zu einer wachsenden Zahl heterogener Informationsressourcen zu bieten. Im Projekt „KOBV-Portal 2.0 (K2)“ entsteht ein Discovery-System mit integriertem Mega-Index (Primo Central) auf regionaler Ebene. Es handelt sich um eine Eigenentwicklung, verbunden mit der Möglichkeit, den Ansatz des Co-Designs zu verwenden.

Die Methode des Co-Designs hat zum Ziel, Nutzerinnen und Nutzer vor dem bzw. während des Designprozesses in diesen zu integrieren.1 Bisher ist es gängige Praxis, dass komplette Illustrations- und Designprozesse vorwiegend von Fachleuten, ohne die Beteiligung von Nutzerinnen und Nutzern, durchgeführt werden.2 Der Co-Design-Ansatz verspricht die Interessen, Erwartungen und Ideen verschiedener Nutzergruppen zu berücksichtigen und regelmäßiges Feedback einzuplanen. Dieses Vorgehen wiederum führt zu einem besseren „Nutzererlebnis“ und kann im Idealfall in der Gesamtschau für alle Partizipierenden eine Zeit- und Arbeitsersparnis bedeuten. Es würden alle Beteiligten, vor allem aber die Endnutzer profitieren.3

Im Projekt „KOBV-Portal 2.0 (K2)“ wird dieser Weg verfolgt. Erste positive Ergebnisse liegen vor.

Mit Blick auf die Zielgruppen des KOBV-Portals und den Vorsatz, Nutzerinnen und Nutzer in die Entwicklung eines neuen Portals einzubeziehen, entstand die Idee, mit dem Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft (IBI) der Humboldt-Universität zu Berlin zusammenzuarbeiten. Das IBI führt als Kooperationspartner projektbegleitende Nutzerstudien durch. Damit werden die Entwicklungsfortschritte fortlaufend von Nutzern evaluiert. Die Kooperation umfasst zwei Projektseminare. Das erste Projektseminar fand im Wintersemester 2013/2014 statt und zielte auf eine von den Studierenden simulierte Experten-Evaluation ab. Das Folge-Projektseminar findet im Sommersemester 2015 statt, in dem eine weitere Studie mit Endnutzern durchgeführt wird.

2 Das Projekt K2

Der KOBV entstand 1997 als wissenschaftliches Projekt am Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin (ZIB), initiiert von den Ländern Berlin und Brandenburg, um die Informationsversorgung der Nutzer in der Metropolenregion Berlin zu verbessern und zu vereinheitlichen. Im Rahmen des Projekts wurde eine gemeinsame regionale Plattform entwickelt, um die Angebote aller teilnehmenden Bibliotheken zentral und spartenübergreifend zugänglich zu machen. 2001 wurde der KOBV institutionalisiert und die Zentrale des Verbunds in der Abteilung „Wissenschaftliche Information“ des ZIB angesiedelt.

Im Rahmen des Projekts wurde eine gemeinsame regionale Plattform – das KOBV-Portal – entwickelt, um die Angebote aller teilnehmenden Bibliotheken zentral und spartenübergreifend zugänglich zu machen. Im KOBV-Portal sind mehr als 75 Prozent der Bibliotheken mit Sitz in Berlin recherchierbar. Darunter befinden sich alle Universitäts- und Hochschulbibliotheken, alle öffentlichen Bibliotheken und eine Vielzahl von Spezialbibliotheken. Auf das Portal wird pro Jahr ca. 13 Millionen Mal zugegriffen, es werden durchschnittlich 200.000 Fernleihen pro Jahr abgewickelt. Die Bestände enthalten einmalige Werke, wie z. B. die Privatbibliothek der Gebrüder Jacob und Wilhelm Grimm, wertvolle Ostasiatika und eine deutschlandweit einmalige Kartensammlung, die nur in Berlin vorhanden sind und regelmäßig eine nicht unerhebliche Anzahl internationaler Forschungstouristen anziehen.

Der KOBV spricht mit seinen Dienstleistungen verschiedene Nutzergruppen an. Das KOBV-Portal hat Studierende und Wissenschaftler der Region, Nutzerinnen und Nutzer ohne wissenschaftlichen Hintergrund, Schülerinnen und Schüler, Nutzerinnen und Nutzer, die über die überregionale Literaturrecherche auf das KOBV-Portal gelangen, und Bibliothekarinnen und Bibliothekare, die das KOBV-Portal für Recherchen (z. B. Fernleihe) benutzen, als Zielgruppen. Dabei stellen die Studierenden und Wissenschaftler den größten Anteil der Nutzerinnen und Nutzer des Portals dar.4

Allerdings sind die Nutzer und Nutzerinnen nicht durchweg zufrieden. Zuletzt 2010 haben Nutzerinnen und Nutzer moniert,5 dass das KOBV-Portal nicht die Suchunterstützung bietet, die sie zunehmend von anderen Rechercheangeboten gewohnt sind. Hauptkritikpunkte waren die langsamen Antwortzeiten, die unzeitgemäße Gestaltung der Nutzeroberfläche (fehlende Übersichtlichkeit, zu verbessernde Navigationsstruktur) und die mangelnde Anbindung an Drittsysteme, z. B. an den Karlsruher Virtuellen Katalog (KVK).

Das Portal, das auf einer verteilten Suche basiert, wurde insgesamt als nicht mehr zeitgemäß in Funktionalität, Performanz und Ergebnispräsentation bewertet. Dabei ist der durchsuchbare Bestand immens und nicht nur von großer Bedeutung für die Region Berlin-Brandenburg, sondern auch darüber hinaus: Er umfasst gegenwärtig 30 Mio. Medien (Bücher, Zeitschriften, Artikel, Noten, Karten, Ton- und Videodokumente).

Das KOBV-Portal verweist bislang allerdings nur auf einen Teil der zugänglichen Ressourcen. Weitere lizenzierte digitale Quellen werden oft getrennt nachgewiesen und müssen separat durchsucht werden. Wunsch der Nutzerinnen und Nutzer ist es, dass möglichst viele digitale Ressourcen gemeinsam mit den gedruckten Beständen durchsucht und „entdeckt“ werden können.

Technisch besteht das KOBV-Portal aus zwei zentralen Bausteinen: zum einen aus dem KOBV-Index, einer ALEPH-Datenbank, die Bestände aus 35 Bibliotheken zusammenfasst, und zum anderen aus einer verteilten Metasuche, die weitere Bibliothekskataloge recherchierbar macht. Dieses Architekturkonzept ist mittlerweile an seine technischen Grenzen gestoßen. Hinzu kommt, dass die dem alten KOBV-Portal zugrunde liegende, kommerziell vertriebene Software MetaLib (ExLibris) nur noch in Details, nicht aber strukturell weiterentwickelt wird und gleichzeitig die Eingriffs- und Optimierungsmöglichkeiten seitens der KOBV-Zentrale äußerst begrenzt sind.

Aus diesem Grund wird das KOBV-Portal umfassend überarbeitet und technisch auf neue Füße gestellt. Als Softwarebasis für das neue KOBV-Portal dient das Programm „ALBERT“6 (Eigenentwicklung). Sowohl das Backend als auch das Frontend basieren auf dieser JAVA-Software, die seit 2007 gemeinsam mit dem Wissenschaftspark Albert Einstein in Potsdam entwickelt wird.

Das KOBV-Portal soll in Zukunft eine schnellere, zeitgemäßere und benutzerfreundlichere Suche nach vorhandenen Bibliotheksbeständen in der Metropolenregion Berlin bereitstellen. Das neue KOBV-Portal soll einen zentralen Suchmaschinenindex für die schnelle Suche in den Bibliotheksbeständen der KOBV-Mitglieder anbieten und Besucher umgehend zum Ziel führen. Es bietet Informationen zur regionalen Verfügbarkeit der Bibliotheksbestände in Berlin und Brandenburg und soll die Recherche für mobile Endgeräte optimieren und damit mobile User Experience ermöglichen. Eine bessere Usability wird durch ein ansprechendes Design sichergestellt werden.

3 Co-Design im Projekt K2

Die Einbeziehung von Nutzerinnen und Nutzern in einen fortlaufenden Designprozess bietet viele Chancen, stellt das Entwicklerteam aber auch vor Herausforderungen. Die Idee für das Projektseminar und die Kooperation mit dem Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der HU Berlin war für alle Beteiligten neu.

Im Spätsommer 2013 wurde das Konzept für das erste Seminar fertiggestellt, mit dem Lehrstuhl abgestimmt und in den Seminarplan integriert. Dieser Schritt beinhaltete u. a. die Auswahl der Methoden und eine Festlegung der Fragestellungen, die mithilfe verschiedener Evaluationsmethoden beantwortet werden sollten. Auch wurde besprochen, wie die Seminarergebnisse in die konkrete Entwicklung einfließen können. Insgesamt wurden fünf Arbeitspakete geschnürt.

Insgesamt 16 Studierende (vorwiegend aus dem Masterstudiengang Bibliotheks- und Informationswissenschaft) haben im ersten Projektseminar im Wintersemester 2013/2014 die Funktionalitäten der Testversion des neuen Portals im Hinblick auf Usability getestet und terminologische Fragen geklärt. Die Testversion stand den Studierenden nach dem Onlinegang im November 2013 zur Verfügung. Sie beinhaltete zu diesem Zeitpunkt einen ausgewählten Testdatenbestand von 40 Bibliotheken. Die Testversion des neuen KOBV-Portals enthielt keine Updates, sondern die Daten der Bibliotheken mit Stand von Mai, Juli oder Oktober 2013. Die Erweiterte Suche war in der Testversion nicht enthalten, da diese noch überarbeitet und neu konzeptioniert wurde. Das neue Farbkonzept, welches für die KOBV-Homepage und die KOBV-Anwendungen erstellt wurde, wurde ebenfalls in der Testversion des neuen KOBV-Portals veröffentlicht.

Zu Beginn des Seminars waren die Entwicklungsarbeiten für das neue KOBV-Portal aufgrund der begrenzten Projektzeitlaufzeit schon fortgeschritten. Für die Studierenden gab es dennoch keinen Prototyp zum Testen, erst während der Seminarlaufzeit konnte die Testversion des neuen KOBV-Portals zur Verfügung gestellt werden. Weiterhin enthielt die Testversion keine neuen Features, was dazu führte, dass sich die Studierenden im ersten Seminar vor allem mit der Terminologie und theoretischen Arbeiten zum neuen KOBV-Portal beschäftigen mussten.

Mit Hilfe vereinfachter Modelle von Benutzeroberflächen (Mock-ups) können verschiedene Ausführungen von Prototypen (in unserem Fall die Testversion des neuen KOBV-Portals) getestet werden, ohne dass dafür aufwendige Programmierungen von tatsächlichen Funktionalitäten stattfinden. In Abstimmung mit dem KOBV wurde die lizenzfreie Software Lumzy7 verwendet. Für die Erstellung und Bewertung von Mock-ups wurden die Teilnehmer jeweils in zwei Gruppen aufgeteilt. Ein Teil der Studierenden bildete die Fokusgruppe zu dem jeweiligen Arbeitspaket, arbeitete das theoretische Konzept und deren Umsetzung aus. Die übrigen Studenten fungierten als Nutzergruppe und testeten die entstandenen Mock-ups.

Die Studierenden haben sich in einem gesonderten Arbeitspaket mit dem Konzept der facettierten Suche für das neue KOBV-Portal beschäftigt. Facetten können für die Einschränkung von Suchergebnissen, insbesondere bei großen Datenmengen, eingesetzt werden. Facetten beschreiben dabei unterschiedliche Eigenschaften von Objekten. Jede dieser Eigenschaften bzw. Facetten hat unterschiedliche Ausprägungen bzw. Werte, mit denen die einzelnen Facetten genauer beschrieben werden können. Im Unterschied zu einer hierarchischen Organisation besteht zwischen Facetten keine strukturelle Verbindung – sie stehen gleichwertig nebeneinander. In einem ersten Schritt haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars mittels der Card-Sorting-Methode Vorschläge (aus Nutzersicht) für die zu verwendende Terminologie im KOBV-Portal erstellt.

 Mock-up zu Ergebnisseite mit Facettenleiste inkl. Verfügbarkeitsfacettenwert und Trefferliste, erstellt von Studierenden der HU Berlin, 12.2013.
Abb. 1:

Mock-up zu Ergebnisseite mit Facettenleiste inkl. Verfügbarkeitsfacettenwert und Trefferliste, erstellt von Studierenden der HU Berlin, 12.2013.

Ergebnis dieser Untersuchung sind Vorschläge (z. B. Wie und wo sollen Facetten angeordnet werden?, Überprüfung der Terminologie der Facettenbenennungen) für die Frontendgestaltung des KOBV-Portals.

Für das neue KOBV-Portal ist die Anzeige von Verfügbarkeitsinformationen von Medien in den jeweiligen Bibliotheken eine zentrale Anforderung. Für diese Anforderung ist von den Studierenden ein konkreter Gestaltungsvorschlag – in Form einer grafischen Skizze (Mock-up) – gemacht worden:

 Mock-up zur Verfügbarkeitsanzeige, erstellt von Studierenden der HU Berlin, 12.2013.
Abb. 2:

Mock-up zur Verfügbarkeitsanzeige, erstellt von Studierenden der HU Berlin, 12.2013.

Weitere Wünsche und Anregungen aus dem Seminar befassen sich mit zusätzlichen Informationen und Services, die Nutzerinnen und Nutzer von einem modernen Discovery-System erwarten.

Sie schlagen zum Beispiel vor, dass den Nutzern des neuen KOBV-Portals ein Recommendersystem zur Verfügung gestellt werden sollte, das als Empfehlungsdienst in der Trefferliste auf verwandte Titel zum gesuchten Thema hinweist, unabhängig vom Medientyp. Auch eine Verlinkung zu Kontextinformationen aus externen Services8 wurde vorgeschlagen. Ein Export von Metadaten in gängige Literaturverwaltungsprogramme sollte zum Standard des neuen Portals gehören. Diese Funktion gibt es auch im neuen Portal, sie wird aber bis Ende des Jahres angepasst und verbessert.

Die Nutzung der Portal-Suche soll auch auf mobilen Endgeräten wie Tablets oder Handys möglich sein. Dabei muss das Portal automatisch erkennen, dass ein Nutzer über ein mobiles Endgerät auf die Seite zugreift und es muss eine entsprechende Anpassung stattfinden. Diese Möglichkeiten wurden bisher im Projektseminar nur am Rande diskutiert und bearbeitet, der Fokus lag im ersten Schritt auf dem KOBV-Portal für einen computerbasierten Abruf.

Die für den KOBV wertvollsten Ergebnisse lieferten die von den Studierenden durchgeführten Think-Aloud-Tests. Grundlage war eine Testversion des neuen KOBV-Portals, die den Entwicklungsstand vom 1.11.2013 widerspiegelt. Diese Tests kommen einem psychologischen Experiment gleich, das es ermöglicht, die Benutzerfreundlichkeit einer Benutzeroberfläche festzustellen.

In einem Fall wurde eine Germanistin als Testnutzerin gewonnen. Sie wurde gebeten, eine von ihr selbst gewählte Recherche (Literatur zu Mephisto in Goethes Faust) mit Hilfe der Testversion des neuen KOBV-Portals zu lösen. Dabei wurde sie gefilmt und aufgefordert laut zu denken und jeden ihre Suchschritte zu kommentieren.

Die aus diesem Experiment gewonnenen Erkenntnisse sind dabei nahezu ausschließlich subjektive Eindrücke der Testnutzerin, liefern dem K2-Team aber wichtige Hinweise zum Suchverhalten der Nutzerin, zur realen Navigation auf der Rechercheoberfläche und decken eventuelle Verständnisprobleme der Terminologie auf. Diese Erkenntnisse sind bereits in Anpassungen und Weiterentwicklungen des neuen KOBV-Portals eingeflossen. Zum Beispiel ist die Erweiterte Suche angepasst worden und anstatt zwei Suchfeldern können nun bis zu sechs Suchfelder miteinander verknüpft werden. Zudem konnte ein von den Studierenden gewünschter Empfehlungsdienst (BibTip)9 auf dem neuen KOBV-Portal implementiert werden.

Als Ergebnis liegt dem KOBV ein umfangreicher Bericht vor. Dieser enthält Ergebnisse sowie Empfehlungen aus der Evaluation bestehender und neuer Funktionalitäten der Testversion des neuen KOBV-Portals. Ihre Ergebnisse haben die Studierenden in Form von Mock-ups (grafische Skizzen), Protokollen und Videos (Think-Aloud-Tests) dokumentiert. Die Studierenden haben während ihrer Beschäftigung mit dem Portal laufend kleine Beiträge im K2Blog10 geschrieben und so den Stand ihrer Erkenntnisse und Überlegungen öffentlich zur Diskussion gestellt.

Für das Frühjahr 2015 ist ein zweites Projektseminar zur Evaluation des „fertigen“ Portals durch externe Tester geplant. Dann sollen u. a. die mobile Version des neuen KOBV-Portals und die Umsetzung der Einbindung eines externen Index (in diesem Fall Primo Central) getestet werden.

4 Herausforderungen

Normalerweise gestaltet sich die Rekrutierung von Nutzerinnen und Nutzern eher schwierig. Oft fehlt den Nutzerinnen und Nutzer der Anreiz, sich an Designprozessen zu beteiligen, da ihnen die Bedeutung nicht bewusst ist oder der Aufwand als zu hoch eingeschätzt wird.

Zum Problem der Rekrutierung von Teilnehmerinnen und Teilnehmern an Usability-Studien kommen häufig auch technische und konzeptionelle Schwierigkeiten und Überschneidungen, die oft erst während der Studie bzw. Evaluation deutlich werden.

Im Verlauf des Seminars wurde erkannt, dass es zu Überschneidungen von Empfehlungen und Entwicklungstätigkeiten kam. Aufgrund festgelegter Meilensteine im Projektantrag war es nicht immer möglich, die Vorschläge zeitnah umzusetzen, so dass sie teilweise nicht in der Form umgesetzt werden konnten, wie es sich die Studierenden gewünscht haben, oder Vorschläge nach interner Abstimmung auch komplett gestrichen wurden. Andere Anregungen dagegen sind aufgenommen worden. So wurde die ursprünglich vom KOBV-Team favorisierte Idee, den regionalen Bezug auf der Startseite des neuen KOBV-Portals visuell zu verankern, sowohl von den Studierenden als auch den externen Nutzerinnen und Nutzern mehrfach als nicht erforderlich erachtet. Entsprechend hat sich das KOBV-Team schließlich von dieser Form der Visualisierung verabschiedet. Ein beachtlicher Teil der Anregungen und Ideen aus dem Seminar fließt jedoch in spätere und bevorstehende Entwicklungsarbeiten ein.

Schwierigkeiten gab es vor allem bei der Nutzung verschiedener Arbeitsmittel. Die Studierenden nutzten die Lernplattform „Moodle“11 , das Team des KOBV überwiegend das KOBV-interne Ticketsystem JIRA12 , auf das die Studierenden keinen Zugriff hatten. Sie konnten im Seminarverlauf nicht sehen, dass ihre Vorschläge erfasst und auch teilweise schon umgesetzt wurden. Für das nächste Seminar wird überlegt, ob die teilnehmenden Studierenden für die Zeit des Seminars Gastzugänge für JIRA bekommen und so aktiv an der Erstellung von Feedback- und Entwicklertickets mitwirken können.

Weiter ist die Möglichkeit des Feedbacks während des Seminars ausbaufähig, ebenso die engere Zusammenarbeit durch eine stärkere Einbeziehung der K2-Entwickler, um auf technische Fragen adäquater reagieren zu können.

5 Fazit und Ausblick

Im Rahmen des EFRE-geförderten Projektes „KOBV-Portal 2.0 (K2)“ liefern Nutzerinnen und Nutzer bereits im Verlauf des Entwicklungsprozesses und während des gesamten Designprozesses wichtige Hinweise, die bei der Neuentwicklung des KOBV-Portals von Bedeutung sind. Die zukünftigen Endnutzer des Portals sind quasi von Anfang an in die Umsetzung von Features und Funktionen und die für die Usability relevanten Designprozesse einbezogen.

Das erste Projektseminar, bei dem die Funktionalitäten der Testversion des neuen KOBV-Portals im Hinblick auf Usability getestet und terminologische Fragen geklärt wurden, ist von beiden Kooperationspartnern (KOBV und IBI) positiv bewertet worden.

Co-Design eignet sich sehr gut für die im Projektseminar durchgeführten Aufgaben und empfiehlt sich für Entwicklungsprojekte, bei denen die Usability einen hohen Stellenwert einnimmt. Die Wahl der im Seminar eingesetzten Methoden Card-Sorting, Think-Aloud-Protokolle und Mock-up Prototyping hat sich ebenfalls als geeignet herausgestellt.

Da es sich bei den Studierenden um bibliothekarisch vorgebildete Personen mit einem Bezug zum Thema Usability handelte, sind für den KOBV vor allem die Ergebnisse aus dem Seminar am bedeutendsten, die von externen Nutzerinnen und Nutzern stammen. Gerade die Ergebnisse aus den Think-Aloud-Protokollen haben sich für die Neuentwicklung und Modernisierung des KOBV-Portals als sehr bedeutsam herausgestellt und liefern wichtige Hinweise und Verbesserungsvorschläge. Diese können im Rahmen des Co-Designs parallel in die Entwicklung des neuen Portals einfließen.

Eines der wichtigsten Ergebnisse des ersten Projektseminars ist die geplante Implementierung einer Verfügbarkeitsfacette. Technisch und konzeptionell war diese Neuerung bis dahin nicht auf der Projektagenda, lediglich eine Verfügbarkeitsanzeige sollte implementiert werden. Der Wunsch aus dem Projektseminar und auch von externen Nutzerinnen und Nutzern nach dem Vorhandensein dieser Facette war aber so groß, dass das KOBV-Team diese technische Anforderung annimmt und versucht, eine Verfügbarkeitsfacette in einer der nächsten Versionen des neuen KOBV-Portals zu implementieren.

Der Unterschied zu anderen Co-Design-Prozessen bestand darin, dass das Projektteam des KOBV zum Zeitpunkt des Seminarbeginns bereits mit der Entwicklung des neuen KOBV-Portals vorangeschritten war und es im Verlauf des Seminars zu Überschneidungen von bereits intern implementierten Funktionen und Vorschlägen aus dem Seminar kam. Für weitere bzw. andere Co-Design-Projekte sollte beachtet werden, dass die Einbeziehung von Endnutzern immer so früh wie möglich erfolgt, so dass Hinweise und Wünsche direkt im Designprozess berücksichtigt werden können.

Das Folge-Projektseminar findet im Sommersemester 2015 statt, in dem eine weitere Studie mit ca. 20 bis 30 externen Endnutzern durchgeführt werden soll. Die Evaluation des „fertigen“ Portals wird externen Testern vorbehalten sein, deren Rekrutierung durch die Studierenden des zweiten Projektseminars erfolgen soll. Es soll sich dabei um Nutzerinnen und Nutzer verschiedener Fachrichtungen handeln, die über wenig bis gar keinen bibliothekarischen Hintergrund verfügen. Diese Bedingung ist Voraussetzung für objektives und direktes Feedback aus Nutzerperspektive. Dann werden u. a. die mobile Version des neuen KOBV-Portals und die Umsetzung der Einbindung des externen Index Primo Central getestet und bewertet.

Da das zweite Projektseminar von April bis Juli 2015 stattfinden wird, ist ein größerer Austausch zwischen dem KOBV-Team und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Projektseminars erforderlich. Hintergrund dafür ist, dass das Projekt „KOBV-Portal 2.0 (K2)“ Ende September 2015 endet und bis dahin alle Evaluationsergebnisse Berücksichtigung gefunden haben sollen.

Durch die geplante Endnutzerevaluation in dieser späteren Projektphase wird das Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft die Entwicklung des KOBV Portals weiterhin begleiten und unterstützen. Durch regelmäßige Besuche an der Humboldt-Universität sowie beim KOBV wird die Möglichkeit gegeben, Anregungen, Fragen und Ideen auszutauschen und umzusetzen.

Nicole Quitzsch:

Footnotes

  • Vgl. Schot, Johan: Towards New Forms of Participatory Technology Development. In: Technology Analysis & Strategic Management (2001), 13:1, p. 39–52, p. 39, DOI: 10.1080/09537320120040437 [Zugriff, auch bei allen folgenden Links: 11.08.2014]. 

  • Schot (wie Anm. 1), S. 47. 

  • Lehtimäki, Kirsti; Rajanti, Taina: Local Voice in a Global World – User-Centered Design in Support of Everyday Practices. In: Universal Access in Human Computer Interaction. Coping with Diversity Lecture Notes in Computer Science (2007), Vol. 4554, p. 197–206, p. 199. 

  • http://www.kobv.de/fileadmin/download/kobv_umfrage_user_2010.pdf, S. 2. 

  • http://www.kobv.de/fileadmin/download/kobv_umfrage_user_2010.pdf.  

  • Siehe Bertelmann, Roland; Szott, Sascha; Höhnow, Tobias: Discovery jenseits von „all you can eat“ und „one size fits all“; Bibliothek Forschung und Praxis (2012), Bd. 36, H. 3, S. 369–376, hier S. 369, DOI: 10.1515/bfp-2012-0050. 

  • http://www.lumzy.com/. 

  • Im neuen KOBV-Portal wurde der Service „Entity Facts“ der Deutschen Digitalen Bibliothek implementiert. Dabei handelt es sich um maschinenlesbare Faktenblätter für Entitäten der Gemeinsamen Normdatei (GND). Das ist ein Normdatenservice, der aktuell Personen umfasst. 

  • Der innovative Empfehlungsdienst „BibTip“ ist seit dem 30.06.2014 auf dem neuen KOBV-Portal eingebunden. Die Empfehlungen basieren auf der statistischen Analyse des Nutzerverhaltens bei der Portal-Recherche und werden als Hyperlinks in der Detailansicht des Portals angezeigt. Die Nutzer des neuen KOBV-Portals profitieren von Empfehlungen zu inhaltlich verwandten Titeln. 

  • Siehe http://k2blog.kobv.de/wordpress/. 

  • http://moodle.hu-berlin.de/. 

  • https://www.atlassian.com/de/software/jira?_mid=8f6b8199cc10ad1141fd3429c987a7e8&gclid=CJmx0sK3i8ACFY_ItAodsw8A3g.  

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Nicole Quitzsch

Nicole Quitzsch


Published Online: 2014-09-09

Published in Print: 2014-09-30


Citation Information: Bibliotheksdienst, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2014-0097.

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