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Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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2194-9646
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Volume 48, Issue 6

Issues

Der Mehrwert von E-Books und deren Nutzung auf mobilen Geräten

The additional benefits of e-books and their use on mobile devices

Bruno Wenk
  • Corresponding author
  • Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur, Pulvermühlestrasse 57, 7004 Chur, Schweiz, Tel.: +41 81 286 24 45
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Published Online: 2014-04-30 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2014-0052

Zusammenfassung:

Im Gegensatz zu gedruckten Büchern ist die Nutzung von E-Books an Lesegeräte gebunden. E-Books können als Dateien in verschiedenen Formaten vorliegen. Andere E-Books werden online angeboten, und deren Nutzung setzt einen aktiven Internetzugang voraus. Ein Modell zur Kategorisierung von E-Books vermittelt einen Überblick über deren unterschiedliche Ausprägungen und bildet den Rahmen zur Erläuterung des Mehrwerts von E-Books, vor allem im Zusammenhang mit deren Nutzung auf mobilen Geräten wie Tablets oder Smartphones.

Abstract:

In contrast to printed books the usage of e-books depends on e-readers. E-books may be available as files in different formats. Other e-books are offered online and their use requires an active internet connection. A model of categorization for e-books conveys an overview of their various peculiarities and provides a framework for explaining the additional benefit of e-books particularly with regard to the use of mobile devices such as tablets or smartphones.

Schlüsselwörter: : Merkmale von E-Books; mobile Nutzung; EPUB 2; EPUB 3

Keywords: : characteristics of e-books; mobile usage; EPUB 2; EPUB 3

1 Einleitung

Auch wenn es nicht einfach ist, „Buch“ griffig zu definieren1 , haben wir doch eine praxistaugliche Vorstellung von Büchern. Das ist bei E-Books anders. Zwar fehlt ebenfalls eine Definition, die als allgemeingültige Grundlage für wissenschaftliche Untersuchungen geeignet wäre. Riehm et al. meinen dazu: „[…] Der Versuch einer exakten Definition ist deshalb besonders schwierig, weil erstens im elektronischen Buch Eigenschaften des gedruckten Buchs bewahrt und gleichzeitig überwunden werden sollen und weil sich zweitens die Publikationstypen durch die Digitalisierung immer weiter vermischen.“2 Aber eine Vorstellung von E-Books, die als Grundlage für die Diskussion der aktuellen und zukünftigen Fragen zur Produktion, zum Vertrieb, zum Erwerb oder zur Nutzung von E-Books tauglich wäre, fehlt. In vielen Fällen wird unter einem E-Book einfach die digitale Kopie eines gedruckten Buches verstanden. Doch haben beispielsweise das E-Book im Format „PDF“ und das E-Book mit dem gleichen Inhalt im Format „EPUB 2“3 bereits grundlegend unterschiedliche Auswirkungen auf deren Nutzung.

Allgemeingültige fixe Ausgangspunkte für unsere weitere Diskussion gibt es trotzdem. Träger für ein gedrucktes Buch ist in der Regel Papier. Träger für ein E-Book ist immer ein digitales Medium (z. B. eine Datei, das Web, eine App4 ). Ein gedrucktes Buch können wir jederzeit und an einem beliebigen Ort lesen, wenn wir es zur Hand haben. Um ein E-Book nutzen zu können, benötigen wir hingegen ein digitales Lesegerät (z. B. einen E-Reader5 , ein Tablet6 , ein Smartphone7 , einen Laptop8 , einen PC). Und wenn der Akku leer oder das Gerät defekt ist, können wir kein einziges der gekauften oder geliehenen E-Books lesen.

Mobile Geräte für die Nutzung von E-Books.
Abb. 1:

Mobile Geräte für die Nutzung von E-Books.

2 Ausprägungen von E-Books

Wie könnten wir eine praxistaugliche Vorstellung von „E-Book“ entwickeln? Vielleicht indem wir die Formate und weitere Merkmale unterschiedlicher Ausprägungen von E-Books einander gegenüberstellen.

E-Books im Format PDF

Das Portable Document Format eignet sich aus der Sicht von Verlagen und Bibliotheken für E-Books sehr gut. Die Produktion ist einfach: Die meisten Textverarbeitungsprogramme ermöglichen die Ausgabe des Inhalts im Format PDF. Ein breites Publikum ist an den Umgang mit PDF-Dokumenten gewohnt, und fast alle Lesegeräte unterstützen das Portable Document Format.

E-Books im Format PDF erhalten in der Regel die Seitengestaltung der Vorlage. Text, Tabellen, Bilder, Formeln und Grafiken werden auf dem Bildschirm dargestellt wie im gedruckten Buch. Auch die Seitenzahlen bleiben erhalten; das Zitieren aus solchen E-Books kann auf die gleiche Weise erfolgen wie beim gedruckten Buch.

Das Format PDF ist für die Nutzung auf mobilen Geräten mit kleinem Bildschirm aber ungeeignet. Die Lesbarkeit leidet unter der Seitenorientierung: Das Gerät verkleinert Text und Bilder stark, um den ganzen Seiteninhalt auf dem Bildschirm darzustellen. Vergrößert man die Anzeige, muss der Inhalt hin und her verschoben werden, um ihn ganz lesen zu können. Für das Lesen von E-Books im Format PDF weichen deshalb zahlreiche Nutzer/innen auf den PC oder Laptop mit größerem Bildschirm aus.9

Vergrößerte Anzeige eines E-Books im Format PDF auf einem mobilen Gerät mit kleinem Bildschirm. Der Inhalt ist nur lesbar, wenn er hin und her geschoben wird.
Abb. 2:

Vergrößerte Anzeige eines E-Books im Format PDF auf einem mobilen Gerät mit kleinem Bildschirm. Der Inhalt ist nur lesbar, wenn er hin und her geschoben wird.

E-Books im Format EPUB 2

Die meisten der heute im Format EPUB angebotenen E-Books weisen das Format EPUB 2 auf. EPUB 2 eignet sich sehr gut für Inhalte, die nur Text, Bilder und Grafiken, aber keine multimedialen und interaktiven Elemente umfassen. Das vom IDPF (International Digital Publishing Forum) standardisierte EPUB 2 wird von zahlreichen E-Readern unterstützt und es gibt kostenlose Reader-Apps für Tablets, Smartphones und PCs.

Dem Format EPUB 2 liegen Web-Technologien10 zu Grunde; die einzelnen Medieninhalte (Texte, Bilder, Grafiken) sind in separaten Dokumenten gespeichert und als ZIP-Archiv11 zu einer Datei zusammengefasst. Die Inhalte eines E-Books im Format EPUB (EPUB 2 und EPUB 3) können deshalb leicht extrahiert und separat verwendet oder bearbeitet werden.

Ein wesentliches Merkmal des Formats EPUB 2 ist die Veränderbarkeit der Darstellung des Inhalts. Die EPUB 2 Reader ermöglichen den Nutzerinnen und Nutzern, die Schriftgröße, oft auch die Schriftart und Schriftfarbe nach Bedarf zu verändern. Der Umbruch geschieht erst bei der Wiedergabe, womit sich die Inhalte der Bildschirmgröße des Lesegeräts anpassen (Fließtext, flowable content). Ein E-Book im Format EPUB 2 lässt sich sogar auf dem kleinen Bildschirm eines Smartphones lesen!

Bei einem E-Book im Fließtextformat (flowable content) erfolgt der Zeilenumbruch erst bei der Wiedergabe. Der Inhalt passt sich der Bildschirmgröße an.
Abb. 3:

Bei einem E-Book im Fließtextformat (flowable content) erfolgt der Zeilenumbruch erst bei der Wiedergabe. Der Inhalt passt sich der Bildschirmgröße an.

Mit dem individuellen Umbruch verändert sich nicht nur das Layout des E-Books, sondern auch die Seitenaufteilung. Das Konzept der Seiten, wie wir es von gedruckten Büchern kennen, entfällt. Zitate mit Seitenangaben werden dadurch erschwert, entsprechende Zitierstile müssen deshalb erweitert werden. Möglich wären beispielsweise die Angabe der Nummer des betreffenden Abschnitts oder die Nennung der Kapitelüberschrift und die Angabe der Nummer des Abschnitts innerhalb des Kapitels.12

E-Books im Format EPUB 3

EPUB 3 stellt die Weiterentwicklung von EPUB 2 dar und bietet folgende zusätzlichen Möglichkeiten:

  • Einbindung von Audio- und Videoinhalten,

  • Einbindung mathematischer Formeln mit MathML (anstelle von Bildern),

  • Einbindung interaktiver Elemente mit JavaScript,

  • Einbindung von Metadaten (zur Beschreibung des ganzen Dokuments und der einzelnen Elemente),

  • eingebettete Schriften,

  • Text-to-Speech (z. B. um Inhalte sehbehinderten Personen vorzulesen).

Wie EPUB 2 ist das Format EPUB 3 ein Container-Format. Die einzelnen Medieninhalte (Texte, Bilder, Grafiken, mathematische Formeln, Tondokumente, Videosequenzen, ausführbare Skripts) sind in separaten Dokumenten gespeichert und zu einem ZIP-Archiv zusammengefasst. Die minimal nötigen Metadaten sind die Felder „identifier“, „title“ und „language“ des Dublin Core Metadatenstandards. Zusätzlich kann ein EPUB-3-E-Book weitere Elemente des Dublin Core, Metadaten im Format MARC oder Verknüpfungen zu Metadaten in anderen Standardformaten (z. B. BIBFRAME13 ) enthalten.

In der Regel sind E-Books im Format EPUB 3 fließtextorientiert (flowable content). Die Verwendung von speziellen Stilregeln zur Formatierung14 ermöglicht aber auch die seitenorientierte Gestaltung von EPUB-3-E-Books (fixed layout). Das Standardformat EPUB 3 eignet sich als universelles Ausgangsformat für die Publikation von multimedialen und interaktiven E-Books, vor allem wenn diese über unterschiedliche Kanäle vertrieben werden sollen.

Für die Nutzung von E-Books im Format EPUB 3 sind spezielle Reader-Apps nötig. Beispielsweise unterstützt der E-Book-Reader von Apple (iBook) das Format EPUB 3 mit einer weitgehenden Implementation der gemäß Standard notwendigen Funktionen. Weitere kostenlose EPUB-3-Reader für mobile Geräte und PC sind erhältlich; sie unterscheiden sich allerdings in Bezug auf die implementierten Funktionen. Eine Liste mit aktuellen EPUB-3-Readern und deren jeweiligem Implementationsstand führt der EPUB 3 Support Grid15 der Book Industry Study Group (BISG).

Noch folgen nur wenige Verlage dem Format EPUB 3, aber es werden immer mehr.16

E-Books im Kindle-Format

Amazon vertreibt die E-Books in den proprietären Formaten MOBI und KF8 (Kindle Format 8). KF8 basiert auf den gleichen Web-Technologien wie EPUB 3.17 Amazon unterstützt die Formate EPUB 2 und EPUB 3 nicht direkt, stellt aber Werkzeuge zur Konversion in das Format KF8 zur Verfügung.18

E-Books in Form von Apps

Aktuelle mobile Geräte weisen ein Vielzahl von Funktionen auf, die auf einem PC oder Laptop (eher) nicht zur Verfügung stehen: Zum Beispiel einen Lagesensor, der die Bildschirmanzeige dreht, wenn sich das Gerät auf eine Seite neigt, oder die Bestimmung des Aufenthaltsortes über GPS (Global Positioning System). Solche Funktionen können in Apps über eine entsprechende Programmierung genutzt werden, beispielsweise um mit der Lage des Geräts ein Spiel zu steuern oder mit der Positionsanzeige einen interaktiven Stadtführer zu realisieren. Auch ein E-Book in Form einer App kann solche Funktionen nutzen. In diesem Fall bilden der Inhalt und die Software zur Nutzung des Inhalts eine untrennbare Einheit. Einem Verlag bietet diese Form von E-Books eine erstaunliche Fülle von Gestaltungsmöglichkeiten. Ein Beispiel dafür sind die eLehrmittel des hep Verlags19 , die den Nutzerinnen und Nutzern sogar ermöglichen, eigene Seiten einzufügen.

Online E-Books

Im Gegensatz zu den E-Books, die als Dateien oder in Form von Apps auf die (mobilen) Geräte übertragen werden und danach dort gespeichert bleiben, setzt die Nutzung von Inhalten eines Online-E-Books eine aktive Internetverbindung voraus. Dafür genügt ein Web-Browser, um es zu lesen. Mit einem Online-E-Book behält der Anbieter die Kontrolle über dessen Nutzung und kann auch die Inhalte laufend aktualisieren.

Hybride E-Books

Bei hybriden E-Books sind Teile des Inhalts auf dem Lesegerät gespeichert und damit jederzeit nutzbar; die Nutzung der anderen Teile (z. B. Videos), die auf einem Server des Anbieters gespeichert sind, erfordert eine aktive Internetverbindung. Diese Aufteilung ist beispielsweise sinnvoll, wenn ein E-Book umfangreiche multimediale Inhalte umfasst, die auf einem mobilen Gerät einen zu großen Speicherplatz belegten.

E-Book-Streaming

Streaming ist ein Modell, das bei Musik und Filmen bereits üblich ist. Dabei werden die Inhalte nach Bedarf von einem Server über das Internet an das (mobile) Gerät der Nutzerin/des Nutzers übertragen. E-Book-Streaming ist mit dem Modell des Online-E-Books vergleichbar; anstatt eines Web-Browsers wird für das Streaming eine passende App benötigt. Wie beim Online-E-Book behält der Anbieter die Kontrolle über die Nutzung der Inhalte und kann diese auch laufend aktualisieren. E-Book-Streaming bietet z. B. seit Kurzem die Leseplattform readfy20 .

Digital Rights Management DRM

Ein Digital Rights Management (DRM) soll die missbräuchliche Nutzung von E-Books verhindern. DRM-Elemente können einem E-Book bei der Produktion oder auch nachträglich hinzugefügt werden. Beispielsweise können bei der Produktion eines PDF-Dokuments die Funktionen „Markieren und Kopieren“ oder auch die Funktion „Drucken“ deaktiviert werden. Zusätzlich ermöglicht das Adobe-DRM die Bindung eines E-Books an eine Benutzeridentifikation oder die Beschränkung der Nutzungsdauer. Apple verwendet eine eigene, Fairplay genannte digitale Rechteverwaltung, und E-Books von Amazon sind mit dem Kindle DRM geschützt.

DRM-Schutzmechanismen können mit entsprechenden Programmen sehr einfach entfernt werden. Das Web hält dazu zahlreiche Anleitungen bereit.21 Einige Verlage verzichten deshalb auf ein DRM und nutzen digitale Wasserzeichen22 , um Verletzungen der Nutzungsrechte nicht zu verhindern, sondern gegebenenfalls zurückverfolgen zu können.

Für Bibliotheken wäre der Verzicht auf DRM-Schutzmechanismen allerdings problematisch. Alternativ könnten Bibliotheken E-Books online zugänglich machen (Online-E-Books oder E-Book-Streaming). Die „Ausleihe“ wäre auf diese Weise leichter steuerbar als die Ausleihe von E-Books in Form von Dateien. Das Format EPUB 3 wäre als Ausgangsformat trotzdem gut geeignet, da die Inhalte auf Web-Technologien basieren. Die Nutzung der Online-E-Books würde allerdings eine aktive Internetverbindung voraussetzen. Aber die Flatrates der Mobilfunkanbieter für den mobilen Internetzugang und immer mehr kostenfreie WLAN-Internetzugänge in Bibliotheken, Bildungsinstitutionen und öffentlichen Einrichtungen (z. B. Bahnhöfen) entschärfen dieses Problem.

3 Ein Modell zur Kategorisierung von E-Books

Das in Abbildung 4 dargestellte Modell bietet einen Überblick über die Merkmale der unterschiedlichen Ausprägungen von E-Books. Eine bestimmte Ausprägung ergibt sich aus der Kombination von Merkmalen. Als Beispiel ist ein E-Book mit den Merkmalen „Datei“, „digitale Form eines gedruckten Buches mit Ergänzungen (Audio, Video, Interaktion)“, „mit bibliografischen Metadaten“, „Standardformat“, „mit digitalen Wasserzeichen“, „von einem Verlag publiziert“, „auf einem E-Reader mit Audio-/Video-Unterstützung genutzt“ markiert.

Modell zur Kategorisierung von E-Books.
Abb. 4:

Modell zur Kategorisierung von E-Books.

Das Modell unterstützt die Analyse von konkreten Szenarien. In welchen Formen bietet ein Verlag oder Aggregator seine E-Books an? Eignen sich diese Formate auch für die mobile Nutzung? Für welche Geräte gibt es geeignete Reader-Apps? Welche DRM-Schutzmechanismen werden verwendet? Welche Metadaten enthalten die E-Books? Oder umgekehrt: Eine Bibliothek möchte Lehrkräfte bei der Produktion und Publikation von E-Books unterstützen. Welche Formate wären geeignet? Welche passenden Lesegeräte bzw. Apps gibt es dazu? Würde sich eine Streaming-Lösung für die Publikation und den Vertrieb empfehlen?

4 Welchen Mehrwert bieten E-Books?

Gedruckte Bücher können jederzeit und überall gelesen werden, wenn sie zur Hand sind. Bei E-Books ist das nur der Fall, wenn sie auf mobilen Geräten gelesen werden können. Dass für die Nutzung ein digitales Lesegerät nötig ist, ist ein Nachteil von E-Books. Aber alle Funktionen der Lesegeräte sind in der Software realisiert. Durch entsprechende Programmierung der E-Reader(-Apps) können Zusatzfunktionen verfügbar gemacht werden, die den Nutzerinnen und Nutzern ein neues Leseerlebnis ermöglichen. Die folgende Aufzählung ist bei Weitem nicht vollständig:

  • Gleichzeitiges Suchen in mehreren E-Books,

  • direktes „Springen“ vom Inhaltsverzeichnis zum gewünschten Kapitel und zurück,

  • Einblenden von Wörterbüchern,

  • Markieren und Annotieren von Textstellen,

  • Verknüpfungen mit Information im Web und anderen E-Books,

  • Synchronisieren der Leseposition, der Markierungen und Annotationen auf mehreren Geräten,

  • Vorlesefunktion,

  • Social Reading23 .

Einige dieser Funktionen sind in der E-Reader-Software realisiert (z. B. das Einblenden von Wörterbüchern), andere Funktionen bedingen, dass der Anbieter der E-Books im Internet eine entsprechende Plattform zur Verfügung stellt (z. B. die Synchronisierung der Leseposition, der Markierungen und Annotationen). Einige Funktionen können auch im E-Book selbst enthalten sein (z. B. das direkte Springen zwischen Inhalten und Glossar).

E-Books bieten demnach gegenüber gedruckten Büchern vor allem im Zusammenhang mit den Zusatzdiensten der E-Book-Reader und der Anbieter einen beachtlichen Mehrwert.

Den Nutzer/innen sind vor allem die jederzeitige Verfügbarkeit, die Volltextsuche über mehrere Bücher, Markierungen und Annotationen, die Möglichkeit zum Kopieren von Inhalten und Einfügen in eigene Dokumente, Personalisierungsfunktionen und die mobile Nutzung zahlreicher E-Books auf einem handlichen Gerät wichtig.24 Außerdem sollen möglichst alle E-Books mit der gleichen Reader-App genutzt werden können.

Aus Sicht der Bibliotheken stehen der Umstand, dass E-Books keinen Stellplatz benötigen, geringere Kosten für die Bewahrung der E-Books, die rasche Vermittlung nachgefragter Information, die detaillierte Nutzungsstatistik und die vereinfachte Ausleihe im Vordergrund.25 Die Vielfalt und Komplexität der unterschiedlichen Ausprägungen von E-Books bereiten sowohl Bibliotheken als auch den Nutzerinnen und Nutzern Schwierigkeiten und erfordern einen erhöhten Schulungsbedarf.26

5 Fazit

Die Vielfalt der unterschiedlichen Ausprägungen von E-Books ist groß. Trotzdem ist das Potenzial von E-Books noch bei Weitem nicht ausgeschöpft. Es gibt kaum E-Books, welche die traditionellen Formen gedruckter Bücher (z. B. mit nicht-linearen Arrangements der Inhalte) überwinden.

Wenn Bibliotheken ihren Benutzerinnen und Benutzern ermöglichen wollen, E-Books auf mobilen Geräten zu lesen und dabei Zusatzfunktionen wie sie Verlage und Aggregatoren bieten (z. B. Markierungen und Annotationen, Social Reading) zu nutzen, genügt ein Angebot an E-Books im Format PDF nicht (mehr).

Vielleicht ergreifen einige Bibliotheken die Initiative, mit experimentellen Projekten und bescheidenen Budgets eine gesellschaftlich, technisch und ökonomisch sinnvolle Entwicklung im Bereich E-Books in partnerschaftlicher, interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Verlagen, Publikum und Technik einzuleiten?

Bruno Wenk:

Footnotes

  • Vgl. Rautenberg, Ursula: Buchwissenschaft in Deutschland. Einführung und kritische Auseinandersetzung. 2.4 Die Mühsal der Definitionen: Was ist ein Buch? In: Rautenberg, Ursula (Hrsg.): Buchwissenschaft in Deutschland. Berlin/New York 2010, S. 41. 

  • Riehm, Ulrich; Böhle, Knud; Wingert, Bernd: Elektronisches Publizieren. In: Kuhlen, R.; Seeger, Th.; Strauch, D. (Hrsg.): Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation. Band 1: Handbuch zur Einführung in die Informationswissenschaft und -praxis. München 2004. 

  • Das vom IDPF (International Digital Publishing Forum) 2010 standardisierte E-Book-Format EPUB 2.0.1 ist Vorgänger des 2011 veröffentlichten Standards EPUB 3. Während EPUB 2 nur Text, Bilder und Grafiken im Scalable Vector Graphics Format unterstützt, können E-Books im Format EPUB 3 z. B. auch mathematische Formeln, Audio-, Video- und interaktive Elemente enthalten. Wenn heute im Zusammenhang mit E-Books das Format EPUB erwähnt wird, ist damit meist das Format EPUB 2 gemeint. 

  • Kurzform für Application (Softwareprogramm). 

  • Als E-Reader bezeichnen wir kleine, handliche Lesegeräte, deren Funktionalität auf die Nutzung von E-Books beschränkt ist. Momentan entwickeln sich die E-Reader allerdings in Richtung Tablet (mit Zusatzfunktionen wie Web-Browser und die Möglichkeit zur Installation von Apps). 

  • Als Tablet-PC oder kurz Tablet bezeichnen wir einen kleinen, sehr flachen Computer mit berührungsempfindlichem Bildschirm (Touchscreen), aber ohne integrierte Tastatur (eine „Tastatur“ kann bei Bedarf softwaremäßig auf dem Bildschirm eingeblendet oder als Zusatzausrüstung hardwaremäßig angebracht werden). Tablets verfügen über die notwendigen Komponenten für den mobilen Zugriff auf das Internet und einen Web-Browser. Mit passenden Apps ist die Funktionalität von Tablets fast beliebig erweiterbar. Neuste Entwicklungen kombinieren die Eigenschaften von Tablets und Laptops (Convertible PC). 

  • Ein Smartphone hat einen deutlich kleineren Bildschirm als ein Tablet und verfügt über Telefoniefunktionen (Sprachkommunikation, Short Message Service SMS). Im Übrigen ist ein Smartphone mit einem Tablet vergleichbar: Berührungsempfindlicher Bildschirm, keine Tastatur, Möglichkeit des mobilen Zugriffs auf das Internet, Web-Browser, mit passenden Apps fast beliebig erweiterbare Funktionalität. Die neueste als Padfone bezeichnete Entwicklung kombiniert die Eigenschaften von Tablets mit den Telefonfunktionen. 

  • Als Laptop oder Notebook (mit noch geringerer Größe als Netbook) bezeichnen wir einen tragbaren Computer mit Bildschirm (in der Regel nicht berührungsempfindlich) und Tastatur. Auf einem Laptop können die gleichen Programme installiert und genutzt werden wie auf einem PC (keine speziellen Apps nötig). 

  • Vgl. Rainie, Lee; et al.: The rise of e-reading. PewResearchCenter, 2012. http://libraries.pewinternet.org/2012/04/04/the-rise-of-e-reading/[Zugriff: 14. März 2014]. Gemäß dieser amerikanischen Studie lesen 42 % der rund 3.000 Befragten ihre E-Books auf dem PC und nur 23 % auf dem Tablet. 

  • HTML (Hypertext Markup Language), CSS (Cascading Style Sheets), SVG (Scalable Vector Graphics); wesentlich ist dabei das Konzept der Trennung von Inhalt (HTML) und Form (CSS) als Grundlage für die Veränderbarkeit der Darstellung des Inhalts. 

  • Ein ZIP-Archiv ist eine Datei, in der mehrere Dokumente in komprimierter Form zusammengefasst sind (Container-Format). 

  • Vgl. das Publication Manual 2010 der American Psychological Association. http://www.apastyle.org/learn/faqs/cite-website-material.aspx [Zugriff: 14. März 2014]. 

  • Bibliographic Framework Initiative der Library of Congress. http://www.loc.gov/bibframe/[Zugriff: 14. März 2014]. 

  • Wie Anm. 11. 

  • http://epubtest.org [Zugriff: 14. März 2014]. 

  • Der Verlag O’Reilly produziert seit 2013 alle E-Books im Format EPUB 3. Der Springer Verlag bietet z. B. das multimediale Buch „Chirurgie interaktiv“ im proprietären iBook-Format von Apple, dem EPUB 3 zu Grunde liegt, an. Das Buch „Molecular Biology“ von Elsevier ist ein weiteres Beispiel für ein Enhanced E-Book im Format EPUB 3. 

  • Wie Anm. 11. 

  • KindleGen für MS-Windows, Apple Mac OS und Linux bzw. Kindle Preview für MS-Windows und Apple Mac OS. 

  • http://www.hep-verlag.ch/elehrmittel [Zugriff: 14. März 2014]. 

  • https://www.readfy.com [Zugriff: 14. März 2014]. 

  • In der Schweiz ist das Entfernen des DRM-Schutzes von E-Books für das Anlegen einer persönlichen Sicherheitskopie sogar legal. 

  • Vgl. z. B. Digitale Wasserzeichen. Fraunhofer-Institut für sichere Informationstechnologie. https://www.sit.fraunhofer.de/de/angebote/projekte/wasserzeichen/[Zugriff: 14. März 2014]. 

  • Social Reading bezeichnet das Teilen von Leseerlebnissen und Diskutieren von Eindrücken und Fragen zu den Texten zwischen Nutzerinnen und Nutzern (vergleichbar mit den Aktivitäten auf Facebook). Vgl. Kremsberger, Simone: Social Reading: Lesen und mehr. Büchereiperspektiven, 04/2011. http://www.publikationen.bvoe.at/perspektiven/bp4_11/s22-23.pdf [Zugriff: 14. März 2014]. 

  • Weber, Peter: E-Books in juristischen Bibliotheken – Ein Update. Fortbildungsveranstaltung Juristische Fachinformation im Wandel. Max Planck Gesellschaft, München, 11.11.2008. http://s451554149.online.de/wp-content/uploads/2013/02/2008Muenchen-Weber.pdf [Zugriff: 14. März 2014]. 

  • Vgl. Anm. 24. 

  • Vgl. Anm. 24. 

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Bruno Wenk

Bruno Wenk


Published Online: 2014-04-30

Published in Print: 2014-05-31


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 48, Issue 6, Pages 393–405, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2014-0052.

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