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Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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ISSN
2194-9646
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Volume 49, Issue 10-11

Issues

IFLA: Internationale Vereinigung bibliothekarischer Verbände und Einrichtungen

Nationalkomitee Deutschland

Jahresbericht 2014 (Berichtszeitraum Februar 2014 – Januar 2015)

Guido Jansen
  • Corresponding author
  • Leitung Internationale Kooperation, Kompetenznetzwerk für Bibliotheken/Deutscher Bibliotheksverband, c/o Deutscher Bibliotheksverband (dbv), Fritschestr. 27–28, 10585 Berlin
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Published Online: 2015-10-09 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2015-0115

Von „Trend Report“ zu „Lyoner Erklärung“: Das IFLA-Nationalkomitee Deutschland (IFLA-NK) als Transmissionsriemen für globale Initiativen des Weltbibliotheksverbands

Intensivierung der strategischen Tätigkeit des IFLA-NK

Die im Vorjahr vereinbarte strategische Weiterentwicklung von Profil und Aktivitäten des IFLA-Nationalkomitees Deutschland wurde 2014 nahtlos fortgesetzt. Dies zeigte sich unter anderem in einem stärkeren Engagement für die Bewerbung zentraler Projekte der International Federation of Library Associations in Deutschland durch Vorsitzende, Mitglieder und Sekretariat des IFLA-NK.

Ein weiteres Element der 2013 angestoßenen taktischen Ausrichtung des IFLA-NK ist dabei die zunehmende Abstimmung mit Mitgliedern des Weltbibliotheksverbands aus Österreich und der Schweiz im Sinne der Instituierung einer grenzübergreifenden deutschsprachigen IFLA-Community.

Diese Abstimmung beinhaltet weit mehr als die Anliegen der gemeinsamen Sprachgruppe (s. u.); sie schließt regelmäßig auch die Suche nach gemeinsamen Positionen zu IFLA-Schlüsselthemen (Copyright, E-Books, Action for Development through Libraries …) ein.

IFLA Trend Report: Impulse für die Zukunft der Bibliotheken

Das Diskussionsdokument „Riding the Waves or Caught in the Tide“ des beim IFLA-Weltkongress 2013 vorgestellten Trend Reports wurde in Zusammenarbeit mit dem Büchereiverband Österreichs unter dem Titel „Die Wellen reiten oder von der Flut überrascht werden? Die Herausforderungen eines dynamischen Informationsumfelds meistern“ ins Deutsche übertragen (http://trends.ifla.org/files/trends/assets/ifla-trend-report_german.pdf).

Die damit beabsichtigte Initiierung eines Dialogs über möglichen Antworten der Bibliotheken auf die in dieser Studie skizzierten digitalen Entwicklungen gelang auf dem 103. Bibliothekartag 2014 in Bremen, wo der Trend Report mittels zweier vom Sekretariat des IFLA-NK organisierter Veranstaltungen dem deutschen Fachpublikum vorgestellt wurde.

Dies war zunächst eine Podiumsdiskussion zum Thema „Globale digitale Trends und ihre Auswirkungen auf die Bibliothek. Schlussfolgerungen aus dem IFLA-Trendbericht“. Dort erörterten Frédéric Blin (BNU Strasbourg, Ko-Redakteur des Trend Reports), Dr. Hannelore Vogt (Stadtbibliothek Köln), Thorsten Meyer (ZBW Kiel) und Dr. Leonard Novy (Institut für Medien und Kommunikationspolitik Berlin) die Bedeutung der globalen digitalen Trends für Deutschland im Allgemeinen und für hiesige Wissenschaftliche und Öffentliche Bibliotheken im Besonderen. Die Veranstaltung erzeugte ein erfreulich großes Echo unter den Gästen des Bibliothekartags und wurde von ca. 120 Teilnehmenden besucht (40 davon mussten sogar wegen Platzmangels der Debatte per Videoschaltung von einem Nebenraum aus folgen).

Dr. Novy als Vertreter der externen Perspektive verarbeitete seine Eindrücke von Trend Report und Diskussion zudem in mehreren Artikeln, erschienen im BIX-Magazin 2014, in Ausgabe 01/2015 von BuB (Langfassung) sowie auf „Carta“, einem Online-Magazin für „digitale Öffentlichkeit, Politik und Ökonomie“.1

Darüber hinaus wurden im Rahmen einer Posterpräsentation in Einzelgesprächen des Sekretärs des IFLA-NK Einzelgespräche mit ca. 26 interessierten Fachbesucher/innen geführt, die die wichtigsten Erkenntnisse der Studie zum Inhalt hatten.

 Poster IFLA Trend Report.
Abb. 1:

Poster IFLA Trend Report.

Ausflug zu den Nachbarn: 80th IFLA World Library & Information Congress 2014 in Lyon

Nicht nur wegen der geographischen Nähe war die deutsche Fachgemeinde beim 80. IFLA-Weltkongress Bibliothek & Information in Lyon besonders präsent:

Mehr als 160 deutsche Bibliothekarinnen und Bibliothekare, zuzüglich mehrerer Aussteller/innen aus der Bundesrepublik trafen sich in der pulsierenden Stadt am Zusammenfluss von Rhône und Saône, deren Metropolregion die nach Paris und noch vor Marseille größte in Frankreich ist. Im Programm waren auch 54 deutsche Beiträge auf der entsprechenden Internetplattform des IFLA-Nationalkomitees Deutschland angekündigt: Als neue Informationsquelle wurde dort vorab eine Übersicht der von hiesigen Fachkolleginnen und -kollegen vorbereiteten Kongressinhalte (Vorträge, Präsentationen, Sitzungen usw.) eingestellt.

Die Erweiterung des Stipendienangebots für deutsche IFLA-Kongressteilnehmer/innen um das im Vorjahr konzipierte Orientierungsstipendium traf auf regen Zuspruch. 2014 gab es 60 Bewerberinnen und Bewerber in den verschiedenen Förderungskategorien, denen insgesamt 25 Standardstipendien, drei Nachwuchsstipendien und drei Orientierungsstipendien gewährt wurden.

Aufgrund der positiven Resonanz soll das im Orientierungsstipendium auch zukünftig angeboten werden. Das neue Prozedere der Stipendienvergabe (Zusage von Reisekostenzuschüssen erst nach erfolgter Bestätigung von Vortrags- oder Postereinreichungen durch die IFLA-Zentrale, dafür aber verbindlich statt wie bisher unter Vorbehalt) hat sich bewährt.

Das traditionell als „German Caucus Meeting“ firmierende Auftakttreffen der deutschsprachigen Teilnehmer/innen, wurde aufbauend auf den Erfahrungen in Singapur nochmals weiterentwickelt: Zusätzlich zu konzisen Informationen aus der bundesdeutschen IFLA-Szene wurden Beiträge von IFLA-Aktiven aus Österreich und der Schweiz sowie mehr Gelegenheit zu Austausch und Vernetzung geboten. Positive Rückmeldungen von den zahlreichen Anwesenden auch aus den beiden Nachbarländern bestätigten diesen neuen Ansatz.

Die deutschsprachige Dokumentation des Kongresses wurde unter Nutzung der neuen Berichtsplattform von Bibliothek & Information International auf neue Füße gestellt: Sowohl das deutsche IFLA-Express-Team als auch die Orientierungsstipendiaten und weitere Teilnehmer/innen nutzten hierfür erstmals „BII Stories“, den Blog von Bibliothek & Information International, auf dem somit die Berichterstattung deutscher Anwesender gebündelt und sehr rege genutzt wurde.2

Bei der Fachmesse des IFLA-Weltkongresses in Lyon war die deutsche Bibliothekslandschaft wiederum mit einem vom Goethe-Institut organisierten Gemeinschaftsstand vertreten. Unter dem bewährten Motto „Library Services – Made in Germany“ präsentierten sich sowohl einzelne Bibliotheken als auch Verbände und Gremien. Partner des Goethe-Instituts waren die Deutsche Nationalbibliothek, die Staatsbibliothek zu Berlin, die Bayerische Staatsbibliothek München, die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, die Technische Informationsbibliothek Hannover und die Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften Kiel sowie Bibliothek & Information International, der Deutsche Bibliotheksverband, der Berufsverband Information Bibliothek, die Frankfurter Buchmesse und das IFLA-Nationalkomitee Deutschland.

War die Veröffentlichung des IFLA Trend Reports Highlight des Weltbibliothekskongresses in Singapur, so wurde als Höhepunkt des WLIC 2014 die sog. „Lyoner Erklärung“ lanciert, zu deren Erstunterzeichnern auch der Deutsche Bibliotheksverband gehört (s. u.).

Der IFLA-Weltkongress 2014 wurde darüber hinaus genutzt, um die Kooperation von Bibliothek & Information Deutschland (BID) und der American Library Association im Rahmen des Programms „Partnerland USA 2016–2019“ feierlich zu besiegeln. Ein entsprechendes „Memorandum of Understanding“ wurde von der Vorsitzenden des IFLA-Nationalkomitees, Barbara Lison, in ihrer Funktion als BID-Vorstandsmitglied sowie von ALA-Präsidentin Courtney Young am Ausstellungsstand der American Library Association unterzeichnet.

Mehrsprachigkeitsprojekt der IFLA: Lancierung deutschsprachiger Inhalte auf www.ifla.org

Neben Bibliothek und Information Deutschland haben sich 2014 auch der Büchereiverband Österreichs (BVÖ) und Bibliothek Information Schweiz (BIS) mit logistischer und finanzieller Unterstützung in das Webprojekt eingebracht.

Am Tag der Bibliotheken 2014 (24. Oktober 2014) konnte darum der Stapellauf des neuen deutschsprachigen Bereichs der IFLA-Internetpräsenz gefeiert werden. Die neue Informationsquelle wurde mittels eines Videoclips mit IFLA-Vorstandsmitglied Barbara Lison3 der deutschen Fachgemeinde vorgestellt und über Bibliotheksportal, Twitter, Mailinglisten und diverse weitere Kanäle in Deutschland, Österreich und der Schweiz beworben.

Besetzung von IFLA-Gremien für die Amtszeit 2015–2019

Zwecks Fortsetzung und Ausbau der deutschen Beteiligung an der internationalen bibliothekarischen Zusammenarbeit wurden von Oktober 2014 an die neuen Möglichkeiten zum Engagement in den Ständigen Ausschüssen der IFLA-Sektionen über Bibliotheksportal, Mailinglisten usw. beworben.

Im direkten Austausch wurden die aktuellen deutschen Ausschussmitglieder, deren Amtszeit 2015 endet, um Vorschläge für Nachfolger/innen gebeten. Neue Interessentinnen sowie IFLA-Mitglieder mit den erforderlichen Nominierungsrechten wurden miteinander in Kontakt gebracht, so dass für zahlreiche Vakanzen neue Kolleginnen und Kollegen aus dem hiesigen Bibliothekswesen aufgestellt werden konnten.

Da Frau Lisons zweite Amtszeit im IFLA Governing Board 2015 endet, wurden überdies intensive Gespräche über die Sicherung einer deutschen Präsenz im Leitungsgremium des Weltbibliotheksverbands geführt. In Kooperation mit hiesigen Stakeholdern sowie mit IFLA-Mitgliedern in Österreich und der Schweiz wurde darüber hinaus in der deutschsprachigen Fachgemeinde mit Dr. Christine Wellems, Leiterin der Parlamentarischen Informationsdienste der Bürgerschaft Hamburgs, eine geeignete Nachfolgerin gefunden und den deutschsprachigen IFLA-Mitgliedern zur Nominierung empfohlen.4

Lyoner Erklärung über Zugang zu Informationen und Entwicklung

Der Zugang zu Informationen ist eines der wichtigsten Voraussetzungen für die Umsetzung der Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Die IFLA hat 2014 deshalb gemeinsam mit Partnern eine Erklärung entworfen, die die angemessene Berücksichtigung dieses Zugangs in der Post-2015-Entwicklungsagenda der UNO anstrebt und die Mitgliedsstaaten zudem auffordert, sich umfassend für dessen Gewährleistung einzusetzen. Das Sekretariat des IFLA-NK besorgte die umgehende Übersetzung der „Lyon Declaration on Access to Information and Development“ ins Deutsche und bereitete in Zusammenarbeit mit externen Partnern zu ihrer Verbreitung in der deutschen Fachgemeinde eine Podiumsdiskussion sowie ein Poster für den Bibliothekartag 2015 in Nürnberg vor. Die Mitglieder des IFLA-Nationalkomitees Deutschland bewarben die Erklärung in ihren Netzwerken innerhalb und insbesondere außerhalb des Bibliothekswesens.

 Poster Lyoner Erklärung.
Abb. 2:

Poster Lyoner Erklärung.

Entwicklung der IFLA-Mitgliedschaften in Deutschland

Hier ist Erfreuliches zu vermelden: Auch weiterhin sind die Mitgliedszahlen in allen Kategorien stabil. Bei den Persönlichen Mitgliedschaften hatte zwar ein deutsches Mitglied gekündigt, aber da im Laufe des Jahres ein neues hinzugekommen ist, bleibt es beim Vorjahresstand.

Tab. 1: IFLA-Mitgliedschaften.

Die Zahl der studentischen Mitgliedschaften ist allerdings trotz der vergleichsweise günstigen Beiträge nach wie vor unbefriedigend, insbesondere da durch IFLA-NK-Mitglieder und Sekretariat diverse Anstrengungen erfolgt sind, um das Interesse des beruflichen Nachwuchses für internationale Belange zu wecken.

Dazu gehört u. a. eine gemeinsam mit Frau Dr. Petra Klug, Bertelsmann-Stiftung, durchgeführte Präsentation des IFLA-NK-Sekretariats zum Thema „It‘s not all doom and gloom: Wie Bibliotheken mit dem demografischen Wandel umgehen/Beispiele aus dem Ausland“ vor Studierenden des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin (BBK – Berliner Bibliothekswissenschaftliches Kolloquium).5

In Zukunft muss über solche punktuellen Informationsangebote hinaus noch stärker mit „Peer Group Advocates“, also mit Multiplikatoren aus der Mitte der Studierenden und Berufsanfänger/innen gearbeitet werden.

Footnotes

  • 1

    Adresse: www.carta.info/72960/wozu-braucht-es-noch-bibliotheken. 

  • 2

    Adresse: http://biistories.wordpress.com/tag/lyon/. 

  • 3

    Adresse: https://www.youtube.com/watch?v=u7LrR8e6A2c. 

  • 4

    Die Nominierung sowie die anschließende Wahl von Frau Dr. Wellems in das IFLA Governing Board ist dank der Unterstützung zahlreicher Mitglieder des Weltbibliotheksverband im In- und Ausland im Frühjahr 2015 erfolgt. 

  • 5

    Adresse: https://www.ibi.hu-berlin.de/de/bbk/abstracts/ws1415/klug. 

About the article

Guido Jansen

Guido Jansen


Published Online: 2015-10-09

Published in Print: 2015-10-31


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 49, Issue 10-11, Pages 970–977, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2015-0115.

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