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Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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2194-9646
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Volume 49, Issue 10-11

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Multioptionale Recherchemöglichkeiten als Herausforderung für die Dokumentation historischer Sammlungen am Beispiel der Bibelsammlung der Württembergischen Landesbibliothek

Christian Herrmann
  • Corresponding author
  • Leiter der Abteilung Alte und Wertvolle Drucke, Württembergische Landesbibliothek, Postfach 105441, 70047 Stuttgart
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Published Online: 2015-10-09 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2015-0121

Zusammenfassung:

Historische Sammlungen sind von Interesse, wenn sie umfangreich, vielfältig, wirkungsgeschichtlich repräsentativ, gut zugänglich und dokumentiert sind. Bibeln prägen Kultur und Sprache, bilden in komprimierter Form konfessionelle, politische und gesellschaftliche Anliegen und Entwicklungen ab, verbinden Text und Bild sowie Primärquelle und Beigaben. Bei der Dokumentation sind neben dieser komplexen Struktur noch exemplarspezifische Merkmale wie Provenienzen, Einbände, Kolorierungen zu berücksichtigen. Hinzu kommen Gattungen von Bibeln wie Bilder- und Missionsbibeln.

Abstract:

Historic collections are of interest when they are substantial, various, representative of their impact on history, easily accessible and well documented. Bibles shape culture and language, they present denominational, politic and society issues and developments in a condensed form, connect texts and pictures as well as primary sources and additions. Besides this complex structure, other characteristics like provenance, covers and colourings which make every specimen unique have to be considered for the documentation. In addition, there are different kinds of Bibles like illustrated and missionary Bibles.

Schlüsselwörter: : Sammlungen; Bibel als Buch; formale, inhaltliche und historisch-individuelle Unterschiede

Keywords: : collections; the Bible as a book; formal, content and historic-individual differences

1 Bedeutung historischer Sammlungen

Herzog Carl Eugen von Württemberg gründete vor 250 Jahren die Herzogliche Öffentliche Bibliothek, aus der später die Württembergische Landesbibliothek Stuttgart wurde. Im Stiftungsdiplom von 1765 kündigt er den Ankauf der „raresten und berühmtesten“ Bücher an, versäumt aber nicht, auch „die besten von denen neuen, in allen Theilen Europens ans Licht trettenden Bücher“ einzubeziehen. Am Anfang steht die Inkorporation sowohl der Privatsammlungen des Herzogs als auch seines Hofbibliothekars Joseph Uriot: „alle Unsere verschiedene Samlungen von Büchern, Landcarten, Estampes, nebst Unserem Antiquitaeten und Medaillen-Cabinet ohnwiderruflich als eine Anlage dieser öffentlichen Bibliothec gnädigst überlassen, selbigen auch die von Unserem Bibliothecaire Uriot erkaufte Bücher-Collection mit beygefügt“. Elf Jahre später erfolgt die Eingliederung von Behördenbibliotheken, die ihrerseits ehemalige Klosterbestände und Privatsammlungen aufgenommen hatten: „daß die in Unserer Herzoglichen Residenz befindliche verschiedene Corpora und Collegia, welche mit Bibliothequen oder Bücher-Sammlungen versehen, so bisher als Einzel von keinem sonderlichen Nuzen gewesen, in Anerkennung des dem Staat durch Errichtung einer öffentlichen Bibiothec zugehenden Vortheils, sich eine wahre Ehre und Vergnügen machen werden, selbige ebenfalls mit einer deutlichen Bezeichnung dahin abzugeben“.2

Damit sind einige Aspekte der Bedeutung historischer Sammlungen in öffentlichen Bibliotheken angesprochen. Sie sind vor allem dann von Nutzen, wenn sie zugänglich, gut dokumentiert und wegen vergleichender Studien einigermaßen umfangreich sind. Sie sind in ihrer Struktur nach Form, Inhalt und Herkunft recht vielfältig. Es befinden sich buchgeschichtlich seltene und wirkungsgeschichtlich berühmte Stücke darunter. Historische Sammlungen ermöglichen in ihrer Wechselwirkung mit neueren Beständen eine Perspektive auf Kontinuität und Wandel der Buch- und Wissenschaftsgeschichte. Durch unterschiedliche Konstellationen in der Entstehung historischer Sammlungen ergeben sich jeweils andere Schwerpunkte im Sammelprofil, die sich bei überregionaler Vernetzung gegenseitig ergänzen.

Der preußische Gelehrte und Staatsmann Wilhelm von Humboldt besuchte 1789 die Stuttgarter Bibliothek und vertraute seinem Tagebuch an: „Die ganze Bibliothek soll etwa 100 000 Bände enthalten. Das merkwürdigste daran ist die Bibel- und Quadrocentistensammlung.“3 Schwerpunkte des Sammelprofils ergeben sich häufig aus formalen Abgrenzungen. Carl Eugen lagen die Inkunabeln mit ihrer zeitlichen Erstreckung bis zum Druckjahr 1500 und die Bibeln mit ihrem Bezug auf dieselbe Textquelle besonders am Herzen und in beiden Bereichen bewegen sich die Historischen Sammlungen der Württembergischen Landesbibliothek bis heute im Spitzenfeld.

2 Besonderheit von Bibeln

Bibeln sind fast durchgängig die ersten gedruckten Bücher eines Sprachkreises. Bibeln gehören in der frühen Druckgeschichte neben juristischen, liturgischen und chronistischen Titeln zu den beliebtesten Werken. Das liegt daran, dass die Bibel als Heilige Schrift von ihrem Selbstverständnis her durch einen normativen Anspruch und einen höchstmöglichen Grad an Relevanz bestimmt ist. Sie findet notwendig in der Liturgie, aber auch in persönlicher Frömmigkeit und in der schulischen Erziehung Verwendung. Der breite Adressatenkreis und die vielfache Nutzung bringt eine prägende Wirkung für Sprache und Brauchtum mit sich. Man denke nur an viele Sprichwörter, die aus der Bibel und zwar in Gestalt einer bestimmten volkssprachlichen Ausgabe (nämlich der Lutherbibel im deutschen oder z. B. der King James Version im englischen Sprachbereich) stammen. Andererseits wirken sich gerade wegen der starken Verwendung die Veränderungen im Stilempfinden der Generationen, gesellschaftliche Trends und Diversifizierungen, historische bzw. politische Konstellationen stärker auf die Gestaltung von Bibeln aus als bei anderen Drucken. Gelehrsamkeit artikuliert sich in Bibelausgaben z. B. in Randkommentaren zum eigentlichen Bibeltext, in komprimierter und zudem volkssprachlicher Form, während sonst lange Zeit das Lateinische die Wissenschaftssprache bleibt. Oder es macht einen Unterschied, wenn auf den ersten Seiten einer katholischen Bibel Bischöfe bzw. deren Wappen oder Allegorien für die Kirche dargestellt werden, das Bildmaterial in frühen lutherischen Ausgaben dagegen gerne die jeweiligen Landesherren bzw. Vertreter einer ganzen Dynastie abbildet.

 Herzog Ludwig von Württemberg in Tübinger Bibel 1590 (Bb deutsch 1590 04).
Abb. 1:

Herzog Ludwig von Württemberg in Tübinger Bibel 1590 (Bb deutsch 1590 04).

Im Verlauf des 18. Jahrhunderts bewirken bildliche Bezugnahmen auf die Architektur des Druckorts regionale Identität. Ab dem 19. Jahrhundert kommen verstärkt gesellschaftliche Teilgruppen als Adressat in den Blick und werden mit entsprechendem Bildmaterial sozusagen „abgeholt“ (z. B. Kinderbibeln, Blindenbibeln, Sportlerbibel, Motorradfahrerbibel).

Während des Ersten Weltkriegs erschien eine Kaiser-Wilhelm-Bibel mit Porträt und Widmungsvorrede des Deutschen Kaisers. Ziel war, das Durchhaltevermögen der gläubigen Bevölkerung zu stärken. Andererseits konnten Darstellungen der antichristlichen Heerscharen, wie sie in den apokalyptischen Prophezeiungen der Johannesoffenbarung beschrieben werden, bildlich mit den Türken vor Wien im 16. Jahrhundert identifiziert werden. Dabei war die Verwendung von Bildern in Bibeln umstritten. Sie konnten statt den Text zu erklären auch von ihm ablenken oder sich verselbständigen. Auch Stil und Technik der Illustrationen änderten sich im Verlauf der Bibelproduktion beträchtlich.

Die archäologischen Erfolge des 19. Jahrhunderts wirkten sich durch verstärkte Aufnahme verbaler und bildlicher Hinweise zum Zeithintergrund der Bibel aus.

Aber auch mit der Typographie kann eine Botschaft verbunden sein. Deutsche Ausgaben werden bis zum frühen 20. Jahrhundert fast durchgehend in gotischen Schriften gedruckt, lateinische dagegen verwenden die humanistische Antiqua. Interlinear- und vielsprachiger Mehrkolumnendruck sowie unterschiedliche Schriftgrößen für Bibeltext und Erläuterung stehen für wissenschaftlichen Anspruch, aber auch für den Respekt vor dem Wortlaut der Heiligen Schrift und deren Vorrang vor allen Kommentaren.

 Interlinearversion (B griech.1599 02).
Abb. 2:

Interlinearversion (B griech.1599 02).

Randglossen und Einzelaspekte von Bildern in Bibeln der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts bemühen sich häufig um polemische Abgrenzung von der jeweils anderen Konfession. So wird etwa das Papsttum mit dem Antichrist in Verbindung gebracht.

Später drückt sich konfessionelle Identität abgesehen von einzelnen begrifflichen Zuspitzungen in der Übersetzung (z. B. das „allein durch Glauben“ bei Luther) eher durch positive bildliche Fokussierungen aus (z. B. Luther-Bildnisse). In einigen anglikanischen Bibeln kommt die besondere Nähe zwischen König bzw. Staat und Kirche und das Wesen der englischen Reformation als einer Bewegung von oben bereits auf dem Titelblatt zum Ausdruck:

 Anglikanische Bibel (Bb engl. 1541 01).
Abb. 3:

Anglikanische Bibel (Bb engl. 1541 01).

Andererseits können vor allem ab dem 17. Jahrhundert dieselben Bilderfolgen in ganz unterschiedlichen sprachlichen und konfessionellen Kontexten Verwendung finden. Ästhetische Bibliophilie wie die allgemeine Wertschätzung der Bibel unabhängig von konfessionellen Bezügen, freilich auch das kommerzielle Interesse an möglichst breiter Nachnutzung werden bestimmend für die illustrative Ausstattung von Bibeln.

Keine der über 20.000 Bibeln in der Bibelsammlung der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart ist identisch mit einer anderen. Das gilt einmal für die Sprachen, von denen über 650 vertreten sind. Innerhalb derselben Sprache gibt es verschiedene Übersetzungen, die ihrerseits einige Überarbeitungen erfahren haben. Dann gibt es Vollbibeln mit dem gesamten Bibeltext und diverse Teilausgaben, etwa nur mit dem Neuen Testament, nur mit den Psalmen oder nur mit dem Buch Jesus Sirach. Am meisten Individualität erfahren die Ausgaben durch die textlichen und bildlichen Beigaben zum eigentlichen Bibeltext. Das bezieht sich auf Widmungsvorreden und Widmungsbilder, Vorreden zum Bibelgebrauch und zu einzelnen biblischen Schriften, Randkommentare, Summarien, Parallelstellen, kurze Worterläuterungen, Gebete bzw. „Nutzanwendungen“, angehängte Glaubensbekenntnisse, Register, Katechismen, Gesangbücher sowie typographische Gestaltung (z. B. Schriftart, Zierbuchstaben, Auszeichnungsschriften) und bildliche Ausgestaltung (z. B. Textholzschnitte, ganzseitige Kupferstiche, Titelkupfer u.s.w.). In der inhaltlichen Füllung und Zuspitzung dieser Beigaben können konfessionelle Aspekte oder Anliegen bestimmter theologischer Schulrichtungen innerhalb einer Konfession sowie Bezugnahmen auf einen bestimmten Zweck oder Adressatenkreis zum Ausdruck kommen.

Hinzu kommen Unterschiede, die sich nicht auf die Ausgabe, sondern das jeweilige Exemplar der Sammlung beziehen. Das betrifft z. B. Handkolorierungen von Holzschnitten, eingemalte Initialen, handschriftliche Anmerkungen, Einbandgestaltung und Bindeweise (z. B. Bindung in zwei Teilbänden oder in einem dickeren Gesamtband) sowie Vorbesitzer.

 Einband (Bb graph. 1720 01).
Abb. 4:

Einband (Bb graph. 1720 01).

Herzog Carl Eugen übernahm durch Inkorporation bestehender Bibliotheken und durch gezielten Ankauf der damals größten privaten Bibelsammlungen etwa 8.000 Bibeln mit unterschiedlichsten Eigenschaften in die spätere Landesbibliothek Stuttgart. Die Sammlung wurde seitdem durch Bibeln aus nach 1803 säkularisierten Klöstern, aus Pflichtexemplarablieferungen, weiteren Ankäufen und Schenkungen beständig ergänzt. Für die Bibelsammlung ist das Zueinander historischer und neuerer Bibeln und zwar ausschließlich gedruckter Bibeln kennzeichnend.

3 Dokumentation der Bibelsammlung

Wie aber dokumentiert man eine vom Textbezug relativ homogene, in der Detailgestaltung aber höchst heterogene Sondersammlung?

Die Dokumentation beginnt mit einer angemessenen Weise der Aufstellung und Signaturvergabe. Vergleichende Untersuchungen etwa der Abhängigkeitsverhältnisse sowie Abweichungen zwischen verschiedenen Ausgaben sind nur möglich, wenn alle Bibeln als eigenes, zusammenhängendes Segment aufgestellt werden. In der WLB Stuttgart stehen die Bibeln in einem abschließbaren Sonderbereich des Magazins und zwar in folgender Ordnung, aus der sich die Signatur zusammensetzt: Primäres Sortierkriterium ist die Sprache bzw. Sprachgruppe mit dem einführenden Buchstaben B (für Bibeln) (z. B. B deutsch oder B Afrika für alle afrikanischen Sprachen). Separat stehen die polyglotten Bibeln mit mehr als zwei enthaltenen Sprachen sowie die überwiegend illustrierten Bibeln (B graph.). Sekundäres Ordnungskriterium ist das Format: Folio (Bb), Quart (Ba), Oktav und kleiner (B). Tertiäres Kriterium ist das Erscheinungsjahr, danach bei mehreren Ausgaben in einem Jahr eine laufende Nummer und ggf. ein Bandanhänger und eine Exemplarbezeichnung, also z. B.: Bb deutsch 164103 [2. Ex.]. Das zweite Exemplar derselben Ausgabe ist deswegen zu Recht in die Sammlung aufgenommen worden, weil es durch ein Monogramm auf dem Einband einem besonderen Vorbesitzer zuzuordnen ist (hier der schwedische Admiral und Reichsschatzmeister Gabriel Oxenstierna, 1586–1656).

Diese Informationen werden in die Titelaufnahme des SWB integriert (Auszug):

1100 1641$n1641

4000 Biblia, das ist: Die gantze Schrifft, Altes vnd [und] Newes Testaments Teutsch Martin Luthers$dvon etlichen reinen Theologen, dem eigentlichen Wort-Verstand nach erkläret

4030 Nürnberg$nEndter

[ILN: 8] WLB STUTTGART< 24 >

4821 !353880442!Oxenstierna, Gabriel Bengtsson$tEinband$tMonogramm$kHGBSO und FTMOL

4821 !166259284!Lütze, Diethelm$tNotiz$kSammlung Lütze IV, 1998 erworben

6999 27-06-94

7100 $B24#Bb deutsch 164103 [2.Ex.]

 Aufstellung in der Bibelsammlung der WLB Stuttgart.
Abb. 5:

Aufstellung in der Bibelsammlung der WLB Stuttgart.

Im Katalog kann gezielt nach Signaturen oder Teilen von Signaturen gesucht werden, womöglich in Kombination mit einem Zeitraum. Im SWB-Katalog kann man auch im Signaturenregister browsen (z. B.: Ba syr.)

Abweichend von den RSWK werden Teile der Bibelsammlung sachlich mit Schlagwortketten erschlossen. Das gilt einmal für Bearbeitungsstufen einer Übersetzung, z. B. für die erste kirchenamtliche Revision der Lutherbibel von 1892. Sie wird wiedergegeben mit:

5550 !209551933!Luther-Bibel

5550 |z|Geschichte 1892

5550 |f|Text

Darin enthalten sind auch eingeführte Namen für bestimmte Ausgaben, die als solche zitierfähig sind. Ähnliches gilt etwa für lateinische Vulgata, die englische King James Version oder neuere Ausgaben wie die „Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift“ oder die „BasisBibel 2004“.

Insbesondere bei solchen Sprachen, die nicht über die Signatur suchbar sind, weil sie mit einem Oberbegriff wie Afrika, Indien oder Amerika verknüpft sind, bietet sich die Erschließung über die Zielsprache an:

5550 !209046724!Neues Testament

5550 !209139684!Übersetzung

5550 !20953480X!Yoruba-Sprache

5550 |f|Text

Man kann auch im Titelfeld mit dem Einheitssachtitel und der abgekürzten Sprachbezeichnung suchen, z. B.:

Testamentum novum <Yoruba> oder Psalmi <singhales.>

Dann ist es wichtig, besondere Zielgruppen suchbar zu machen. Beispiele sind

5550 !209046724!Neues Testament

5550 !209475285!Deutsch

5550 !208980148!Jugendsprache

5550 |f|Quelle

für die Volxbibel, 2006,

oder

5550 !216343216!Neues Leben, Die Bibelübersetzung

5550 !208927301!Fußball

5550 |f|Text

für die Schalke-Bibel, 2008.

Oder man möchte bestimmte textliche und/oder bildliche Beigaben hervorheben:

5550 !209551933!Luther-Bibel

5550 !208982000!Kalender

5550 !209769831!Denkvers

5550 !20893099X!Geistliches Leben

5550 |f|Quelle

5551 !210419652!Cisiojanus

5551 |f|Quelle

5552 !209046724!Neues Testament

5552 !208962719!Holzschnitt

5552 |f|Bildband

für ein 1590 bei Lonicer in Frankfurt gedrucktes Neues Testament.

Ähnliches gilt für einen bestimmten historischen Bezug, der Anlass für die Herstellung einer Ausgabe war:

5550 !209551933!Luther-Bibel

5550 !209079851!Reformation

5550 !209606878!Jubiläum

5550 |z|Geschichte 1717

5550 |f|Text

für die Dilherr-Bibel, Nürnberg 1717.

Oder man deutet eine bestimmte typographische und didaktische Gestaltung an, z. B. eine Interlinearversion:

5550 !20947937X!Griechisch

5550 !209484012!Latein

5550 !212798294!Interlinearversion

5550 !209046724!Neues Testament

5550 |f|Text

für eine griechisch-lateinische Ausgabe des NT, Lyon/Genf 1599.

Viele Bibelausgaben sind unter den Namen ihrer Übersetzer, Herausgeber oder Verleger oder Druckorte bekannt. Diese können im elektronischen Katalog durch Kombination des Einheitssachtitels mit dem anderen Aspekt gesucht werden: z. B. Titel: Biblia; Verlag: Endter*.

Da man aber nicht die Kenntnis aller eingeführten Individualnamen voraussetzen kann bzw. man nicht immer weiß, welcher Aspekt für die Bildung eines solchen Zitiernamens ausschlaggebend war, wird über die Sammlungsseiten auf der Homepage der WLB eine Liste der Individualnamen von Bibeln zur Verfügung gestellt. Dort sind Sprache, Konfession, Definition, evtl. theologische Anliegen, Ort, Jahr und Beispielsignaturen möglichst der ersten Ausgaben genannt.4

Bemerkenswert sind hier z. B. Gattungsbezeichnungen wie „Figurenspruchbibel“ oder „Familienbibel“, daneben Kuriositäten etwa aufgrund von Druckfehlern wie die „Ehebrecher-Bibel“ (B deutsch 1731 02: in Exodus 20 steht „Du solt ehebrechen“).

Ein wichtiges Hilfsmittel zur Orientierung bietet die Übersicht der vorkommenden Sprachen mit offizieller Bezeichnung, abweichenden Namensformen und verwendeter Signatur.5

Untergruppen von Bibeln entstehen auch durch die Ausstattung oder den Zweck. Hier sind weitere Typologien oder historische Übersichten hilfreich.

Zu den Bilderbibeln ist eine ausführliche Übersicht als PDF-Datei mit eingebundenen Bildern verfügbar.6 Hier begegnen etwa Sammelbilder, Bilderbögen und Bilderrätsel. Auch werden die wichtigsten an Bilderbibeln beteiligten Künstler aufgeführt.

Eine andere Untergruppe zeichnet sich durch handschriftliche Einträge zu familiären Ereignissen wie Taufe oder Eheschließung aus. Sie werden in späteren Ausgaben häufig auch in dafür vorgesehene Seiten eingetragen. Übersichten zu den deutschen Bibeln sind vorhanden.7

Ein Typus aufgrund von Zweck und Entstehungssituation ist die Gruppe der Missionsbibeln. Dabei handelt es sich um von Missionaren erstellte Übersetzungen in nichteuropäischen Sprachen im Zusammenhang der neuzeitlichen Mission in Ländern außerhalb der westlichen Welt. Wichtig sind hier die Informationen zu den beteiligten Personen und Missionsgesellschaften.8 Viele der frühen Missionsbibeln werden digitalisiert und mit den Übersichtsseiten verlinkt.

Ausgaben- wie exemplarspezifische Merkmale der Bibeln werden genannt im gedruckten Katalog zur Bibelsammlung, der im Rahmen eines vieljährigen DFG-Projektes erstellt wurde. Allerdings beschränkt er sich auf deutsche, lateinische und griechische Bibeln bis zu einem bestimmten Erscheinungsjahr (deutsche Bibeln bis 1800) und gibt den Stand der Sammlung zu einem bestimmten Stichtag wieder. Für spätere Projekte wertvoll sind die Angaben zu den Widmungsempfängern, Illustratoren, Autoren von textlichen Beigaben und Wechselbeziehungen zu früheren Ausgaben.9

Exemplarspezifische Merkmale werden in den einschlägigen Kategorien der SWB-Titelaufnahmen erfasst. Das gilt einmal für die Einbände. Gerade repräsentative Altarbibeln erfahren dabei häufig eine prächtige Ausstattung.

Beispiel: Titelaufnahme von Bb graph. 1720 01 (Auszug):

4822 Einband$bBezugsart: Leder (Kalb) braun$bDeckelart: Holz$bBeschreibung Deckel: Ganzledereinband$bVorderdeckel: Goldprägung, Liniendekor: Bandwerk (doppelte Umrisslinien) mit Voluten und Achter-Schlingen; Flächendekor: Randleiste: Rolle (Bogen, Blüten); Eckstücke: Platten (Voluten, Ranken); Randstücke seitlich: Platten (Wiegenfuß, fein punktiert); Randstücke seitlich: Halbkreis mit Ranken; Randstücke oben/unten: Platten, Dreieck (Ranken, Voluten); Mittelstück: zwei Fächerrosetten, Blattranken mit Vasen und Blüten, naturalistisch. Mittelstück: Mandorla in Goldprägung mit Metallauflage (Bronze, Halbrelief): Mose mit Gesetzestafeln. Schriftdekor in zwei Schrifttafeln: Zitat Psalm 119,18 bzw. Psalm 84,2$bHinterdeckel: wie Vorderdeckel; aber als Metallauflage: Christus Salvator mit Weltkugel; Schriftdekor: Apokalypse 1,3 bzw. Apokalypse 22,2$bRücken: sechs Bünde; Goldprägung: Rollen auf Bünden: florale Ornamentik (kaum noch erkennbar); Felder: Eckfleurons im Fächerstil, Vollmaureske mit Punkten$cSchnitt: Goldschnitt (ziseliert); in Ecken Mauresken; Schließen: Leder (mit Goldprägung: florale Ornamentik) mit Metallstücken (Bronze, Halbrelief): David bzw. Aaron$cKapital: textiles Kapital (grün, braun)$cKanten: abgeschrägt; Innenkantenvergoldung: Rolle (florale Ornamentik)$cSpiegel: Buntpapier (Brokatpapier: türkis, goldfarben): florale Ornamentik$cVorsatz: wie Spiegel$dLand: Deutschland$dFormat: Folio$dTyp: Barock$dTyp: Redender Einband

Verlagseinbände von Bibeln weisen als redende Einbände mit charakteristischer Symbolik wie Kreuz, ChiRho oder Fisch auf den Buchinhalt hin.

Beispiel: Titelaufnahme von Bb graph. 1899 81 (Auszug):

4822 Einband$bBezugsart: Leinen (rot)$bDeckelart: Pappe$bBeschreibung Deckel: Ganzgewebeeinband$bVorderdeckel: mehrfarbig bedruckt, Schrift und zentrales Motiv zudem geprägt; Schriftdekor: oben: Fraktur (weiß, blau, goldfarben; Initialen in angelsächsischem Stil): Die | Bibel in Bildern; unten: Fraktur (goldfarben, auf blauem Grund): von | Julius Schnorr | von Carolsfeld. Flächendekor: Hintergrund: Theaterbühne mit Vorhang; Mittelfeld: Engel (weiß gekleidet mit blau-goldfarbenem Besatz; Heiligenschein mit Alpha/Omega) (stilistische Anleihen beim Jugendstil); teilweise zurückgezogener Vorhang gibt Blick frei auf zwei Illustrationen aus Buchblock: links: Ausschnitt aus Holzschnitt (AT, S. 54): Moses empfängt die Gesetztafeln; rechts: Ausschnitt aus Holzschnitt (NT, S. 65): Die Himmelfahrt Jesu. Auf Einzelsegmenten des Vorhangs oben: zweimal vier Medaillons (Linien, goldfarben): Arche Noah, Eherne Schlange, Altar mit Hörnern, Siebenarmiger Leuchter; vier Evangelisten-Symbole. Unten Eckstücke: Maler-Werkzeug, Schreibwerkzeug$bHinterdeckel: Blindprägung: doppelter Rahmen, sonst unverziert$bRücken: Goldprägung: Titelprägung: Die Bibel in Bildern; Rahmen: Blattranken$cSchnitt: Goldschnitt$cSpiegel: Buntpapier, bedruckt (goldfarben): florale Ornamentik; Mittelfeld: Kreuz; Eckfelder: Putten$cVorsatz: wie Spiegel$dLand: Deutschland$dFormat: Folio$dTyp: Verlegereinband$dTyp: Redender Einband

Bildmaterial zu den Einbänden steht vor allem bei der Präsentation von thematisch oder historisch definierten Teilbereichen der Einbandsammlung zur Verfügung: Das gilt z. B. für die Sammlung aus dem Nachlass des Buchbinders Gotthilf Kurz (1923–2010).10

Gerade Bibeln wurden häufig von einer Generation zur nächsten oder gegenseitig unter den Sammlern weitergegeben. Hinzu kommen Institutionen, die je nach Struktur in unterschiedlichem Ausmaß über Bibeln im Bestand verfügten. Durch die Erfassung von Provenienzen kann man z. B. nach Bibeln aus dem Vorbesitz des Klosters Weingarten (häufig mit dem Jahr der dortigen Erwerbung) recherchieren oder nach Bibeln mit bestimmten Provenienzmerkmalen wie Exlibris.

Beispiel: Provenienzvermerk (Ba lat. 1521 04):

4821 !19351107X!Kloster Weingarten$tBibliotheksexemplar$tNotiz$kHandschriftlicher Eintrag: „Monasterij Weingartensis 1628“

Eine Übersicht zu wichtigen personellen und institutionellen Vorbesitzern des WLB-Altbestands unterstützt die Recherche.11

Schließlich machen die Digitalisierungsaktivitäten viele der Metadaten konkret anschaulich und erleichtern die Verknüpfung zwischen den einzelnen beschreibenden Aspekten. Bereits digitalisierte Bibeln findet man in den Digitalen Sammlungen der WLB Stuttgart.12

Die strukturelle Vielfalt der Bibeln erfordert komplexe Nachweisprojekte und Präsentationsformen. Der Erkenntnisgewinn rechtfertigt aber jeden Aufwand bei der Beschäftigung mit der Bibel als Buch.

Christian Herrmann:

Footnotes

  • 2

    Stiftung einer öffentlichen Bibliotheck durch seine herzogliche Durchlaucht den regierenden Herrn Herzog zu Würtemberg und Teck, Stuttgart 1765, S. 7–9. 

  • 3

    Humboldt, Wilhelm von: Gesammelte Schriften. – Berlin. – 14. Tagebücher – 1. 1788–1798. Hrsg. von Albert Leitzmann. Berlin 1916. – Über die Herzogliche Bibliothek in Stuttgart: Tagebuch der Reise nach Paris und der Schweiz, 26. Sept. 1789, S. 151. 

  • 4

    URL: http://www.wlb-stuttgart.de/sammlungen/bibeln/hilfsmittel-tabellen-uebersichten/individualnamen/[Zugriff: 29.06.2015]. 

  • 5

    URL: http://www.wlb-stuttgart.de/sammlungen/bibeln/bestand/groesse-und-sprachen-der-sammlung/[Zugriff: 29.06.2015]. 

  • 6

    URL: http://www.wlb-stuttgart.de/sammlungen/bibeln/bestand/bilderbibeln/[Zugriff: 29.06.2015]. 

  • 7

    URL: http://www.wlb-stuttgart.de/sammlungen/bibeln/bestand/besondere-gattungen/familien-und-hochzeitsbibeln-traubibeln/[Zugriff: 29.06.2015]. 

  • 8

    URL: http://www.wlb-stuttgart.de/sammlungen/bibeln/bestand/missionsbibeln/[Zugriff: 29.06.2015]. 

  • 9

    Die Bibelsammlung der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart, Stuttgart/Bad Cannstatt: Frommann-Holzboog, 1984–1993 (8 Bde.). 

  • 10

    URL: http://www.wlb-stuttgart.de/projekte/kurz/index?page=1 [Zugriff: 26.02.2015]. 

  • 11

    URL: http://www.wlb-stuttgart.de/sammlungen/alte-und-wertvolle-drucke/hilfsmittel/provenienzen/[Zugriff: 29.06.2015]. 

  • 12

    URL: http://digital.wlb-stuttgart.de/sammlungen/[Zugriff: 29.06.2015]. 

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Christian Herrmann

Dr. Christian Herrmann



Published Online: 2015-10-09

Published in Print: 2015-10-31


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 49, Issue 10-11, Pages 1010–1026, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2015-0121.

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