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Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

Online
ISSN
2194-9646
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Volume 49, Issue 10-11

Issues

7. Bremer eBook-Tag

Sabine Rauchmann
  • Corresponding author
  • Universität Hamburg, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaft, WiSo-Bibliothek, Fachbibliothek Wirtschaftswissenschaften, Von-Melle-Park 5, 20146 Hamburg
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Published Online: 2015-10-09 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2015-0123

Zusammenfassung:

Seit 2006 richtet der Bibliotheksdienstleister Missing Link den Bremer eBook-Tag aus. Auf der diesjährigen Veranstaltung stellten Bibliothekare, Verlagsvertreter und Buchhändler ihre Erfahrungen mit der nutzergestützten (EBS) und der nutzergesteuerten (PDA) Erwerbung von E-Books vor. Weiterhin präsentierten drei Verlage ihre E-Book-Strategie. Der vorliegende Beitrag bietet einen Überblick über die Veranstaltung und fasst die Vorträge zusammen.

Abstract:

Since 2006, the library service provider Missing Link has organized the Bremer eBook-Tag as a forum for exchanging knowledge and hands-on experiences about the acquisition of e-books. This year’s event focused on patron-driven acquisition (PDA) and evidence-based selection (EBS). In addition, three publishing companies talked about their e-book strategies. This article provides an overview of the event and summarizes the presentations.

Schlüsselwörter: : E-Book; PDA; EBS; Tagungsbericht

Keywords: : eBook; PDA; EBS; conference report

Bereits zum siebten Mal veranstaltete der Bibliotheksdienstleister Missing Link den Bremer eBook-Tag. Am 5. und 6. März 2015 sorgten im Alten Bauernhaus im Focke Museum Bremen 15 Fachvorträge, zwei Diskussionsrunden und viele Gesprächsmöglichkeiten zum Thema E-Books mit Vertretern aus Bibliotheken, von Verlagen, Distributoren und Buchhändlern für ein interessantes Programm. Zum Auftakt begrüßte Rainer Hamann, Mitglied der Bremischen Bürgerschaft, Sprecher für Datenschutz und Informationsfreiheit der SPD-Fraktion, die Teilnehmer und betonte die Bedeutung von Medien für Bremen, den fünftgrößten Industriestandort Deutschlands, sowie für Ausbildung und Studium. Die folgenden Beiträge gliederten sich in fünf Blöcke: Zuerst wurden Erfahrungen mit EBS-Modellen über Verlagsplattformen, dann über Aggregatoren dargestellt. Im dritten Block präsentierten drei Verlage ihre E-Book-Strategien, bevor im vierten Block die Nutzung durch Wissenschaftler und das Marketing für Online-Medien thematisiert wurden. Im letzten Block wertete Missing Link seine Erfahrungen mit PDA aus. Im Folgenden werden die wichtigsten Beiträge kurz zusammengefasst.

Der erste Tagungsblock befasste sich mit den Evidence Based Selection (EBS)-Modellen der Verlage De Gruyter, Vahlen und Hanser. Zuerst berichtete Jörg Müller, Fachverantwortlicher elektronische Medien der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, über seine Erfahrungen mit dem PDA-Angebot des Verlages De Gruyter. Über einen Zeitraum von einem Jahr waren die Titel direkt über die Verlagsplattform zugänglich und im Discovery-System iluplus (Primo) nachgewiesen. Hier wurden Metadaten aus dem Primo Central Index genutzt und der Zugriff über SFX gesteuert. Die abschließende Titelauswahl im Preisumfang der Lizenzgebühr beruhte auf der Bewertung der absoluten Nutzung, der auf die Monate verteilten Nutzung, des Besitzes eines gedruckten Exemplars im Bestand, des Preises und schlussendlich der Auswahl der Fachreferenten. Von den 350 genutzten Titeln wurden 76 Titel gekauft. Der Aufwand für die Bibliotheksmitarbeiter belief sich auf insgesamt neun Arbeitstage für Initialisierung (1,5), Einbindung in das Discovery-System (0,5), interne Kommunikation und Marketing (1), Auswertung und definitive Titelauswahl (2,5), Katalogisierung ausgewählter Titel (2) und Trouble Shooting (1,5). Nach einem Jahr zog Müller eine positive Bilanz: Trotz des Nachweises noch nicht erschienener Titel auf der Verlagsplattform, des Begehrlichkeiten weckenden Angebots teurer Lehrbücher und der verbesserungsfähigen Metadaten im PrimoCentral, konnte das E-Book-Angebot mit DRM-freien E-Books mit einem relativ geringen Aufwand und unter Beibehaltung der bibliothekarischen Kontrolle über die Titelauswahl markant gesteigert werden. Martina Näkel, Senior Sales Manager, De Gruyter, schloss sich aus Verlagssicht dem positiven Fazit an. Das 2012 nach einer einjährigen Testphase vorgestellte PDA-Modell sei allein 2015 in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) 17-mal verkauft worden und zeige sehr gute Nutzungszahlen. Im Vortrag stellte Näkel die Überlegungen für langfristig nachhaltig zu gestaltende Modelle heraus, u. a. in Form kleinerer Pakete oder einer differenzierteren Preisgestaltung. Verlage müssten darauf reagieren, dass Bibliotheken häufig keine Budgetsteigerungen erhalten und bereits im ersten Jahr häufig die wichtigsten Bücher im Rahmen des Modells erwerben.

Danach trug Klaus Tapken, Missing Link, in Vertretung von Theresia Maier-Gilch, Leiterin der Hochschulbibliothek Landshut, Erfahrungen der Einkaufsgemeinschaft der Bayerischen Hochschulen mit den EBS-Angeboten der Verlage Hanser und Vahlen vor. Von beiden Verlagen haben die Hochschulbibliotheken Lehrbücher in 10 bis 20 gedruckten Exemplaren im Bestand. Die von beiden Verlagen angebotenen E-Book-Pakete wären jedoch für kleine Hochschulbibliotheken zu teuer. Im Treffen der Hochschulerwerbungsleiter mit der Bayerischen Konsortialstelle im September 2014 wurde deshalb angeregt, eine bibliotheksübergreifende PDA-Lösung zu finden. Einzelverhandlungen mit den Verlagen führten zu keinem Ergebnis. Erst mithilfe von Missing Link wurde mit den Verlagen Vahlen und Hanser für jeweils sechs teilnehmende Bibliotheken ein achtmonatiges EBS-Modell verhandelt. Das Angebot umfasste die aktuell tatsächlich verfügbaren Titel. Die Metadaten standen zeitnah im Verbundkatalog zur Verfügung. Aus Sicht der Hochschulbibliothek Landshut war das Projekt erfolgreich: Nach drei Monaten wurde auf mehr als die Hälfte der Hanser-Titel zehnmal zugegriffen. Von den Vahlen-Titeln wurden weniger als die Hälfte der Titel genutzt, davon einzelne Titel jedoch sehr gut. In der Evaluation des Projektes stellt sich jetzt für die Bibliothek die Frage, wie das Modell bei der eingeschränkten Jahresproduktion neuer Titel und den im Vergleich mit der gedruckten Ausgabe relativ hohen Preisen für E-Lehrbücher weiter gestaltet werden könnte. Dabei wurde EBS als ein sehr guter Einstieg für neue E-Book-Angebote wahrgenommen. Im Gegensatz zu Luzern sind für die Landshuter auch einzelne Lehrbücher zu höheren Preisen durchaus eine Option. In der anschließenden Diskussion wurde die Rolle der Buchhändler für die gemeinsame Entwicklung neuer Modelle für Preisgestaltungen und verlagsübergreifende Inhalte, als Vermittler und Vertrauenspartner für beide Seiten herausgestellt. So begründete auch Dr. Dubravka Hindelang, Vertriebsleiterin Fachbuch im Carl Hanser Verlag, die Bereitschaft des Verlages, EBS auszuprobieren und an dem zeitlich überschaubaren und ökonomisch vertretbaren Projekt teilzunehmen, u. a. mit der langjährigen Zusammenarbeit sowie dem detailliert ausgearbeiteten Angebotsmodell von Missing Link. Aus Sicht des Verlages eignet sich das getestete EBS-Modell insbesondere für kleinere, unentschlossene Bibliotheken, für die Pick & Choose zu teuer ist. Im konsortialen Hanser-EBS-Modell orientierte sich die Lizenzgebühr an der Anzahl der Studierenden (2 EUR/Student). Jede Hochschule wählte am Schluss für sich die geeigneten Titel aus. Cross-Access ist nicht möglich. Geordnet nach Fachgebieten, könnten die Downloads ebenfalls als Entscheidungshilfe für zu erwerbende Pakete herangezogen werden. Zum Schluss betonte auch Dr. Jonathan Beck, Geschäftsführer bei C. H. Beck, ehemals Lektoratsleiter bei Vahlen, die Bedeutung des Vertrauens, das Bibliotheken der neuen Vahlen eLibrary Ende des Jahres 2014 entgegenbrachten.

Der zweite Block der Tagung beschäftigte sich mit der Möglichkeit, EBS und PDA über einen Aggregator zu gestalten. Zuerst berichteten Wolfgang Mayer, eResource Management der Universitätsbibliothek Wien, und Brigitte Kromp, Leiterin der Österreichischen Zentralbibliothek für Physik & Fachbereichsbibliothek Chemie der Universitätsbibliothek Wien, für die sich aufgrund der heterogenen Nutzerschaft der Universitätsbibliothek ein PDA nicht eigne, über ihre Erfahrungen im EBS-Pilotprojekt mit Missing Link und MyiLibrary. Mayer und Kromp sahen die Vorteile von EBS im kundenorientierten und gleichzeitig bibliotheksgesteuerten Einkauf, der stärkeren Einbindung der Mitarbeiter, dem großen Angebot und den verfügbaren Nutzungsstatistiken. Nach dem ersten EBS-Pilotprojekt mit Elsevier1 entstand der Wunsch, ein zweites Projekt zu initiieren, bei dem über eine Oberfläche mit Back- und Frontlist-Titeln verstärkt Titel deutschsprachiger, geistes- und sozialwissenschaftlicher Verlage eingebunden sind. Finanziert mit Sondermitteln wurde die Grundlieferung im April 2014 freigeschaltet. Der festgelegte Betrag wurde auf die sieben beteiligten Verlage zur einen Hälfte gleichmäßig, zur anderen Hälfte nach Nutzungsumfang und Wünschen verteilt. Die Metadaten wurden in Primo und in den Katalog eingespielt. Die Nutzer erhielten keine Informationen über die auf zwölf Monate begrenzte Verfügbarkeit. Die Bibliothek wollte im Projekt u. a. den Workflow optimieren, valide Nutzungszahlen und Erkenntnisse zu den Folgen von DRM auf die Nutzer gewinnen. Das Projekt zeigte, dass die Nutzung insgesamt gut gewesen ist und einige Titel sehr stark, andere dafür überhaupt nicht genutzt wurden. Die Benutzer zeigten wenig Verständnis für das DRM von MyiLibrary und bevorzugten DRM-freie Verlagsseiten noch vor der gedruckten Ausgabe. Zudem war für sie bei Titeln mit Single-User-Lizenz die verzögerte Wiederfreigabe des Zugriffs bei genutzten Titeln nicht nachvollziehbar. Im Rahmen des Workflows wurde die Frage aufgeworfen, wie geprüft werden kann, ob ein Titel im EBS enthalten sein wird oder nicht. Darüber hinaus stellten die Metadaten eine große Herausforderung dar. Die Vortragenden zogen die Schlussfolgerung, dass EBS ein geeignetes Erwerbungsmodell sein kann, wenn EBS den Printerwerb ersetzt, Arbeitsabläufe optimiert, Datenupdates zeitnah eingespielt und alle Beteiligten strukturiert informiert werden. Weiterhin muss gewährleistet sein, dass eine kritische Masse erreicht, das deutschsprachige Angebot ausgeweitet, Lehrbücher eingebunden und ein offenes DRM verfolgt werden. EBS kann dabei auch für den Anbieter attraktiv sein, weil trotz stagnierender Erwerbungsbudgets der Umsatz für den Vertrag garantiert ist. Der Vortrag reflektierte, welche organisatorischen, technischen und budgetären Maßnahmen seitens der Bibliothek für die Implementierung nötig sind und wie der Mehrwert des Einsatzes von EBS evaluiert werden kann.2 Den Abschluss bildete eine Auflistung von Wünschen zu den E-Book-Angeboten der Verlage: das gleichzeitige Erscheinen von Print- und E-Book, die Verfügbarkeit aller Titel, ein standardisiertes, offenes DRM, akzeptable Business-Modelle und die freie Wahl von Benutzungsoberflächen bei Titeln von Großverlagen.

Im nächsten Vortrag stellte Katharina Krug, E-Medien, Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, ihre Erfahrungen mit dem PDA-E-Book-Modell mit MyiLibrary Patron Select (MPS) vor. In diesem Modell ist die erste Nutzung kostenlos, ab dem zweiten Zugriff erfolgt der Kauf, dem eine Informationsseite vorgeschaltet ist. Die Bibliothek startete mit 30.000 Titelsätzen und einem Anfangsetat von 50.000 EUR. Es wurde keine aktive Werbung für die Titel gemacht. Von Juni 2013 bis Oktober 2014 wurden so 1.392 E-Books gekauft und 1.489 Titel nur einmal genutzt.3 Zahlen, wie häufig der zweite Aufruf nach der Ansicht der Zwischenseite abgebrochen wurde, liegen nicht vor. Im Durchschnitt zeigen die über PDA erworbenen Titel fünf Nachnutzungen, mehr als bei einem regulär erworbenem Titel (drei Nachnutzungen). Insgesamt sinkt die Nachnutzung jedoch über die Jahre. Von den Fachreferenten wurde PDA positiv aufgenommen und vorrangig als Ergänzung des Bestandes mit sehr speziellen Titeln gesehen.

Im Anschluss stellte Matt Froude, Channel Development Representative – International, Ingram, Entwicklungen bei MyiLibrary vor. Von den Anwesenden wurden insbesondere das verzögerte Erscheinen neuer Titel sowie die irreführende Jahresangabe von Reprint-Titeln (aktuelles Jahr anstelle des Originalerscheinungsjahres) angemerkt. Sie wünschten sich die Möglichkeit, das gesamte E-Book speichern zu können. Froude entgegnete, dass sich zehn Prozent als der Standard durchgesetzt habe, der von Verlagen grundsätzlich akzeptiert würde.

Der erste Tag endete mit einer Podiumsrunde zum Thema „EBS, PDA STL, FID, OA – Strohfeuer oder sinnvolle Werkzeuge für Bibliotheken und Verlage“, moderiert von Benjamin Ahlborn, Leitung Integrierte Medienbearbeitung, Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, unter der Teilnahme von Dr. Sabine Hanke, Abteilungsleiterin Medienbearbeitung, Universitätsbibliothek der Technischen Universität München, Dr. Jost Hindersmann, Stabsstelle Elektronische Informationsdienste, Universitätsbibliothek der Universität Osnabrück, Birgit Otzen, Leitung Monografien, Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, Martina Näkel, Senior Sales Manager, De Gruyter, und Michael Normann, Leitung Medienbearbeitung, KIT-Bibliothek-Karlsruhe. Die Podiumsdiskussion zeigte vielfältige Meinungsbilder zu ausgewählten Fragestellungen:

  • Die Präferenzen bezüglich PDA und EBS waren sehr gemischt. Gäbe es eine gute Titelauswahl, würde PDA bevorzugt. EBS wurde z. T. kritisch gesehen, weil sich die Titelauswahl für größere Institutionen schwierig gestalte, insbesondere größere Verlage profitierten und nicht gekaufte Inhalte nach dem Ablauf der Zeit verloren gingen. Insgesamt waren sich die Teilnehmer einig, dass die nutzergestützte Erwerbung ausgebaut werden müsse.

  • Die Teilnehmer stimmten ebenfalls darüber ein, dass E-Books die Arbeitsabläufe ändern. Der Arbeitsaufwand bei den Vorbereitungen von PDA und EBS sei nicht zu unterschätzen. Metadaten seien eine große Herausforderung und das E-Book in der Bereitstellung komplizierter als ein gedrucktes Buch. Darüber hinaus würden für die Erwerbung aufgrund des komplexen Marktes spezialisierte Mitarbeiter benötigt.

  • Die Überlegung, ob Pay-Per-View-Angebote oder Miet-Lizenzen eine Alternative zu PDA oder EBS darstellten könnten, wird sehr kritisch gesehen. Insbesondere die fehlende Nachhaltigkeit und die haushaltstechnischen Vorschriften wurden als Herausforderungen angeführt. Diese Art der Erwerbung würde zu Lasten der Vielfalt gehen. Pay-Per-View sei durchaus für Zeitschriftenartikel geeignet, um den Spitzenbedarf oder Randbereiche abzudecken. Es bleibt aber auch die Frage, ob feste Pakete noch zeitgemäß seien.

  • Die Wunschliste der Bibliotheksvertreter an die Verlage umfasste die Zugänglichkeit aller E-Books über eine Plattform, mit offenem DRM, komfortabler und selbsterklärender Oberfläche, die freie Wahl für Einzeltitel, gute und standardisierte Metadaten, die von zentraler Stelle einfach zu erhalten sind, sowie ein VLB für E-Books mit festen Preisen.

Der folgende Tag startete mit den Präsentationen der E-Book-Strategien dreier Verlage. Zuerst berichteten Martin Ludwig, Marketingleiter, Vandenhoeck & Ruprecht, und Marit Ketelsen, Projektleitung V&R eLibrary, Business Development. Im Jahr 2015 beträgt der E-Anteil am Verlagsumsatz weniger als 1 %. Dieser soll bis zum Jahr 2018/2020 auf 20 % steigen. Im Jahr 2014 investierte das Verlagshaus in eine eigene eLibrary, passte Workflows an und baute gezielt Know-how auf. Die Inhalte sind überall verfügbar – u. a. auf eLibrary V&R, in MyiLibrary, auf Booktext (UTB), in eScholar, ebrary, über Short Term Loan und ausgewählte Titel als Open-Access-Publikationen. Die vorgeführten Mitarbeiterinterviews zeigten, dass sich die E-Strategie durch alle Arbeits- und Produktionsfelder im Verlagshaus zieht und von der Geschäftsführung getragen wird.

Anschließend stellten Romain Chesa, eBooks Regional Sales Manager (BeNeLux, France, Scandinavia, Eastern Europe), und Gabriela Mauch, Area Sales Manager – Central Europe, von der Taylor & Francis Group (Books Ltd) ihre Plattformen vor. Der Verlag bietet geistes- und sozialwissenschaftliche Bücher über die Plattform Taylor and Francis eBooks an, Bücher aus dem Bereich STM über CRCNetBasis. Reagierend auf Wünsche der Nutzer ist die Mehrheit der Titel DRM-frei verfügbar. Titel, die über Aggregatoren angeboten werden, sollen jedoch weiterhin DRM-gebunden bleiben. Die elektronische und die gedruckte Ausgabe des Buches erscheinen gleichzeitig.

Klaus Bahmann, Director Library Sales, DACH, Springer, stellte anhand von Zahlen das verlagsseitig als erfolgreich interpretierte zehnjährige Jubiläum der Springer-E-Book-Pakete dar. Im Jahr 2014 verkaufte Springer im DACH-Raum 1.351 E-Book-Pakete, davon 499 englische und 852 deutsche. Mehr als 50 % der Nutzung der SpringerLink-Plattform geht auf die E-Book-Pakete zurück. 43 % der Nutzer kommen von Google bzw. GoogleScholar, 30 % direkt über die SpringerLink-Plattform und nur 16 % über die Bibliothekswebseiten. Die durchschnittliche Verweildauer beträgt weniger als 20 Minuten. Zum Abschluss bewertete Bahmann die aktuellen Verkaufsmodelle: Aus Sicht von Springer sei das Pick & Choose-Modell nicht zukunftsfähig. Zudem könne es aufgrund des großen logistischen Aufwandes bei der hohen Anzahl der Publikationen von Springer nicht unterstützt werden. Dem PDA-Modell fehle die finanzielle Nachhaltigkeit. Für die endgültige Bewertung des EBS-Modells sollen die Ergebnisse der Pilotprojekte abgewartet werden. Aus dem Publikum kam bezüglich der DRM-freien Bereitstellung und der guten Akzeptanz durch die Nutzer als positives Feedback auch Kritik an Größe und Preis der Springer-E-Book-Pakete.

Im nächsten Block standen die Nutzung und das Marketing von E-Books im Mittelpunkt. Zuerst referierte Dr. Frank Reimers, Fachreferent an der Universitätsbibliothek Freiburg, über Erwartungen von Wissenschaftlern an die Hochschulbibliothek. Vom 04.12.2013 bis zum 10.02.2014 beantworteten 160 Teilnehmer zwölf Fragen.4 Die Mehrheit der Befragten realisiert ihre Literaturversorgung über lokal verfügbare digitale Services sowie über das Internet. 51 % besuchen die Fakultäts- oder Institutsbibliothek, 41 % die Universitätsbibliothek und 36 % arbeiten von zu Hause. Während gedruckte Bücher von 45 % täglich, von 24 % mindestens einmal die Woche genutzt wurden, werden E-Books nur von 4 % täglich, von 23 % einmal die Woche aufgerufen. 20 % der Befragten nutzen E-Books nie. Hier sind die Unterschiede zwischen den Fakultäten groß. Wissenschaftler haben in den vergangenen zwölf Monaten ihre Informationen durch E-Medien erhalten, die von der Bibliothek (87 %) sowie anderen Bibliotheken (59 %) lizenziert wurden. Daneben wurden Texte im freien Internet und in den gedruckten Beständen der Bibliotheken besorgt. Die Relevanz eines Dokumentlieferservices an den Schreibtisch geben 27 % als sehr wichtig an.

Anschließend stellte Daniel Tepe, Leiter Digitale Dienste bei der Stadtbibliothek Bremen, die Marketingstrategie der Bibliothek für Online-Produkte beispielhaft an der Einführung von ZINIO dar. Das Angebot wurde über einen Zeitraum von drei Monaten cross-medial beworben. Die Bewerbung erfolgte via Facebook, Homepage, Newsletter, Info-Monitoren in der Zentralbibliothek sowie Flyer im Bestand. Im Newsletter der Stadtbibliothek, der 18.000 Abonnenten hat, wurden im Juli drei Mode-Magazine, im August Fotografie, im September Mode, Wissen und PC beworben. Ihr Anteil der Klicks im Newsletter betrug 28 %, 11 % bzw. 29 %. Während der Aktion verdreifachte sich die Anzahl der Anmeldungen in ZINIO. Tepe betonte, dass es wichtig sei, erfolgreiche Produkte wiederholt zu bewerben, E-Mails als Marketinginstrument dezent einmal im Monat einzusetzen, ausgewählte Angebote für spezifische Zielgruppen herauszustellen sowie erarbeitete Beiträge mehrfach zu nutzen. Die Stadtbibliothek plant, ihre Werbeaktionen u. a. auf Content Marketing sowie Displays im Bücherregal auszuweiten.

Zum Abschluss der Veranstaltung kamen die Buchhändler selbst zu Wort. Zuerst wurde von Melanie Brassington, Export Sales Manager, Nielsen Books, und Klaus Tapken, Missing Link, das weltweit im Buchhandel eingeführte Klassifikationssystem Thema5 vorgestellt. Grundlage bildet die englische Buchklassifikation BIC Standard Subject Categories. Nationale Gruppen arbeiten in enger Abstimmung seit 2011 gemeinsam an entsprechenden lokalen Anpassungen, Übersetzungen und Regelwerken. Die Klassifikation ist vollständig ins VLB integriert.

Anschließend stellte Branka Felba, Missing Link, die Erfahrungen des Bibliotheksdienstleisters mit zehn PDA-Projekten dar. Insgesamt wurden im Jahr 2014 von den 110.000 E-Books, die im Rahmen von PDA zugänglich waren, 5.370 Titel, d. h. ein E-Book pro 54 Nutzer (bei 289.734 FTEs) gekauft. Jeder über PDA erworbene Titel wurde wie die normal gekauften E-Books (ohne Lehrbücher) im Durchschnitt 5,9-mal aufgerufen. Auch bei der Anzahl der Seiten pro Buch und pro Aufruf waren keine Unterschiede zu sehen. Werden die normal erworbenen Lehrbücher berücksichtigt, dann fallen alle drei Merkmale höher aus, z. B. 8,6 Aufrufe pro Titel. Lehrbücher allein betrachtet zeigten sogar 94,6 Aufrufe pro Titel. Im MPS-Verfahren erworbene Titel erhielten genauso häufig zehn und mehr Zugriffe wie Normalkäufe. Bei Letzteren ist jedoch der Anteil der Titel höher, auf die nur einmal zugegriffen wird. Überschneidungen zwischen zwei einzelnen Hochschulen im Bereich MPS liegen mit 14 % höher als bei den normal gekauften (1,7 %).

Die Tagung bot ein anregendes Umfeld zum konstruktiven Diskurs und zum breiten Informationsaustausch zwischen Bibliothekaren und Verlegern, in dem Fragen, Probleme, Wünsche und Ideen im direkten Gespräch der jeweils anderen Seite näher gebracht werden konnten.

Sabine Rauchmann:

Footnotes

  • 1

    Vgl. Kromp, Brigitte; Mayer, Wolfgang: EBS an der UB Wien oder EBS – das bessere PDA. Vortrag im Rahmen der Bibliothekstagung, Wien, April 2013. http://www.bibliothekstagung2013.at/doc/abstracts/Vortrag_Mayer_Kromp_EBS.pdf [Zugriff: 16.06.2015]. 

  • 2

    Vgl. dazu auch Kromp, Brigitte; Mayer, Wolfgang: Evidence Based Selection an der Universitätsbibliothek Wien – ein zukunftsträchtiges Erwerbungsmodell für eBooks!? Vortrag im Rahmen der ODOK, Zell a. See, 17.–19.09.2014. http://www.odok.at/dokumente/2014/odok/ODOK_2014_Praesentation_Mayer_Kromp.pdf [Zugriff: 16.06.2015]. 

  • 3

    Vgl. dazu Krug, Katharina: PDA E-Books mit Myilibrary – E-Book-Erwerbung an der Universitätsbibliothek Kassel. VDB-Fortbildung „Mit PDA zum maßgeschneiderten Bestand? Erfahrungen mit nutzergesteuerter Erwerbung in wissenschaftlichen Bibliotheken“, Hannover, 28.11.2014. http://www.vdb-online.org/veranstaltungen/664/krug-pda-fortbildung-2014-11-28.pdf [Zugriff: 16.06.2015]. 

  • 4

    Die ausführliche Auswertung der Umfrage ist in folgender Publikation nachzulesen: Reimers, Frank; Sühl-Strohmenger, Wilfried: Welche Angebote erwarten Wissenschaftler(innen) von der Hochschulbibliothek? Ergebnisse einer Befragung an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. In: B.I.T. online, 17 (2014), S. 431–438. 

  • 5

    Siehe: EDItEUR: Thema – the subject category scheme for a global book trade. http://www.editeur.org/151/Thema/[Zugriff: 16.06.2015]. 

About the article

Sabine Rauchmann

Dr. Sabine Rauchmann


Published Online: 2015-10-09

Published in Print: 2015-10-31


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 49, Issue 10-11, Pages 1044–1052, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2015-0123.

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