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Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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2194-9646
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Volume 49, Issue 10-11

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Von der Bibliothek zum Lernort – Ganzheitliche Konzepte für studentische Lernräume

Volker Wittenauer / Marlene Neumann
Published Online: 2015-10-09 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2015-0124

Zusammenfassung:

Bibliotheken als intensiv genutzte Lernorte stehen heutzutage vor besonderen Herausforderungen. Um Studierende ganzheitlich in ihrem Lernen und Arbeiten zu unterstützen, sind Konzepte notwendig, die traditionelle bibliothekarische Kernkompetenzen mit innovativen Services verknüpfen. Die Badische Landesbibliothek richtet ihr Service-Portfolio seit einigen Jahren gezielt an den Bedürfnissen studentischer Nutzer aus. Sie bietet ein breit gefächertes Angebot, das sowohl räumliche als auch soziale Komponenten der Lernortgestaltung berücksichtigt.

Abstract:

Libraries, being intensively used as learning facilities, today face particular challenges. In order to support students holistically in their learning and working, concepts are essential which connect traditional library core competences with innovative services. For some years, the Badische Landesbibliothek arranges its service portfolio to fit in with the needs of student users. The library offers a broad range of services which consider spatial as well as social components of creating learning facilities.

Schlüsselwörter: : Lernort; Studium; Bibliothek

Keywords: : learning facility; study; library

1 Der Wandel der Lernkultur an den Hochschulen und die Rolle der Bibliotheken

In der hochschulpolitischen und didaktischen Diskussion der letzten Jahrzehnte wurden Forderungen nach einem Wandel der Studienkultur an deutschen Hochschulen laut. Angestoßen u. a. durch die Bologna-Reform vollzieht sich ein Wandel weg von einer Lehr- hin zu einer Lernzentrierung.1 Die zunehmende Fokussierung auf den Lernenden zeigt sich u. a. in der Akkreditierung von Zeiten des Selbststudiums.2 Studierende sind wieder verstärkt in die Verantwortung genommen, ihr Lernen selbst zu initiieren und effektiv zu gestalten. Dies bestätigen auch Untersuchungsergebnisse, die zeigen, dass die Zeit des Selbststudiums die Präsenzzeit um ein Vielfaches dominiert.3

Von dem aufzubringenden Lernaufwand wird ein beträchtlicher Teil des Selbststudiums innerhalb der Hochschule und dort überwiegend in der Bibliothek verbracht. Studierende nutzen die Bibliothek dabei als Ort zur Literaturbeschaffung, zur Prüfungsvorbereitung und nicht zuletzt und vor allem als Lernort.4 Die kontinuierliche Ausdehnung der Öffnungszeiten nahezu aller großen wissenschaftlichen Universitäts- und Landesbibliotheken im letzten Jahrzehnt entspricht dieser Nachfrage und generiert zugleich neue Nachfrage. Richtet man den Blick nach Karlsruhe, so haben alle großen hier ortsansässigen Bibliotheken nicht nur mit einer deutlichen Erhöhung der Arbeitsplätze, sondern auch mit neuen Serviceangeboten dem Lernort Bibliothek weitere Attraktivität verliehen.5 Die qualitative Dimension des Lernorts Bibliothek steht dabei besonders im Blickfeld. Es geht jetzt, im Unterschied zu früher, nicht mehr nur um Tische und Stühle, sondern um die Profilierung der Bibliothek als stakeholder in der realen wie digitalen Lernraumwelt.

Wir haben es dabei mit einem vielschichtigen und mehrdimensionalen Begriff „Lernort Bibliothek“ zu tun, unter den räumliche Aspekte, verschiedene Lernformen (Informelles Lernen, Selbstgesteuertes Lernen, E-Learning, Blended Learning etc.) und die klassischen Services und Medienangebote der Bibliothek subsumiert und mit dem Konzept der Teaching Library kombiniert werden. Diesem integrativen Ansatz fühlte sich bereits die DINI AG „Lernräume“ verpflichtet, eine Arbeitsgruppe, in der sich Bibliotheken, Rechen- und Medienzentren sowie didaktisch ausgerichtete Einrichtungen gemeinsam mit der Gestaltung von virtuellen und realen Lernräumen befassten.6

Bibliotheken wie auch Bibliotheksausstatter messen der Lernraumgestaltung inzwischen große Bedeutung bei. 2014 hat die EKZ eigens einen Wettbewerb Lernraumgestaltung unter dem sprechenden Titel „Lern_Raum_Atmosphäre“ durchgeführt. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat seitens der Bibliothek eine Koordinationsstelle eingerichtet, mit der die Weiterentwicklung der Lernräume konzeptionell, interdisziplinär und im engen Dialog und Austausch mit Studierenden und Lehrenden vorangetrieben wird.

Der Wandel der Lernkultur und die neue Rolle der Bibliotheken als Lernraumgestalter werfen in der Praxis konkrete Fragen auf, die Hochschul- und Landesbibliotheken bei ihrer Planung und Steuerung zu berücksichtigen haben: Wie kann eine Bibliothek den unterschiedlichen Bedürfnissen von Nutzern beim Lernen und Arbeiten gerecht werden? Welche Raumkonzepte und technische Ausstattungen sind nötig, um sowohl individuelles als auch kollaboratives Lernen zu unterstützen? Und wie müssen personelle, räumliche und technische Ressourcen miteinander verknüpft werden, um ein ganzheitliches Lernen und Arbeiten in der Bibliothek zu ermöglichen?

2 Was erwartet der Nutzer?

Um Bibliotheken aktiv im Sinne ganzheitlicher Lernorte gestalten zu können, müssen zunächst die Bedürfnisse der Nutzer identifiziert werden. Allzu oft werden funktionale Anforderungen an die Lernraumgestaltung im Entscheidungsgefüge zwischen (universitärem) Bauamt, dem nicht immer postulierten, aber de facto praktizierten Primat der Ästhetik durch die Architekten und den Bibliotheken geopfert bzw. „verwässert“.

Die Universitätsbibliothek Rostock hat im Wintersemester 2013/2014 sowohl quantitative als auch qualitative Befragungen unter ihren Nutzern durchgeführt, um herauszufinden, was Studierenden beim Besuch der Bibliothek wichtig ist und welche Raumkonzepte favorisiert werden. Es zeigte sich – nicht unerwartet –, dass die seit jeher als zentrale Services der Bibliothek wahrgenommenen Dienstleistungen wie Ausleihe, Recherche und das Bereitstellen von Arbeitsplätzen einen hohen Stellenwert für das Lernen Studierender einnehmen. Die Vielzahl der Studierenden wünscht sich klare Raumkonzepte und Arbeitszonen. Dabei dürfen klassische Orte des „Ruhigen Lernens“ genauso wenig fehlen wie Gruppenarbeitsräume und Ruhezonen zur Erholung. Ein Eltern-Kind-Raum oder ein Fitness- und Bewegungsraum wird zwar nur von einer geringen Anzahl Studierender als wichtig eingestuft. Trotzdem legen die Ergebnisse der Befragung nahe, dass solche bisher nur bedingt verbreiteten Angebote und Raumkonzepte ebenfalls auf Nachfrage stoßen. Sie leisten einen wichtigen Beitrag für eine kinderfreundliche Umgebung für junge Akademiker und schaffen Abhilfe gegen die Bewegungsarmut im allzu verdichteten Studienalltag.

Die Zonierung des Lernorts ist nicht nur ein Gebot der offenen Raum-Konzeption und der Flexibilität, die seit Harry Faulkner-Brown in die Bibliotheksarchitektur Einzug gehalten hat.7 Sie ist zugleich ein Gebot der Praxis, denn sonst lassen die vielfältigen Nutzererwartungen den Lernort zu einem „Lärmort“ werden.8 Idealerweise wird die Zonierung in unterschiedliche Lern- und Arbeitsräume von (technischen) Geräten und Services ergänzt, die ein Arbeiten vor Ort erleichtern (z. B. Kopier- und Druckräume, Verkauf von Büromaterialien etc.). Spezielle Supportservices, wie z. B. individuelle Beratungen, runden aus Sicht der Studierenden das ganzheitliche Angebot einer Bibliothek ab. Dabei unterscheiden Studierende weniger zwischen den traditionellen Kernkompetenzen einer Bibliothek (z. B. Rechercheberatungen) und innovativen Dienstleistungen (z. B. Schreibberatungen oder Beratungen zum Thema Wissenschaftliches Publizieren).9

Im Zuge des Wandels der Lernkultur haben wir es nicht zuletzt mit einer Ausdifferenzierung der Lerntypen zu tun. Neben dem auditiven und visuellen Typ rücken vermehrt der kommunikative und der haptisch motorische Typ ins Interesse der Möbeldesigner und Bibliotheksausstatter. Der Heterogenität der Lerntypen entspricht folglich ein vielschichtiger Kundenbedarf, den es bei der Lernraumgestaltung abzudecken gilt. Verschiedene Raumkonzepte und damit einhergehende Erwartungshaltungen sind zu „befrieden“ und zu harmonisieren: die Bibliothek als kulturelles Gedächtnis und als Wissensspeicher zum einen, die Bibliothek als Lernort, als Begegnungs- und Kommunikationsort zum anderen.

3 Das Lernort-Konzept der Badischen Landesbibliothek

Um Bibliotheken aktiv im Sinne ganzheitlicher Lernorte gestalten zu können, müssen Nutzerbedürfnisse also in Zusammenhang mit den gegebenen räumlichen, technischen und personellen Ressourcen gesetzt werden. Der vielschichtige und mehrdimensionale Begriff „Lernort Bibliothek“ muss dabei auch aus sozialer Perspektive interpretiert werden. Der Zugang zu verschiedenen Medien und Informationen ist daher genauso wichtig wie Möglichkeiten zu kooperativer Arbeit in Kleingruppen sowie innovative Support-Services, die Studierende in ihrem Studienalltag unterstützen.

Die Badische Landesbibliothek bietet seit 2010 verstärkt Angebote an, die nicht nur das studentische Lernen vor Ort erleichtern sollen, sondern auch an den unterschiedlichen Lerntypen ausgerichtet sind und heterogene Erwartungshaltungen an eine optimale Lernatmosphäre erfüllen. Hintergrund ist der stetig steigende Anteil von Studierenden an der Gesamtnutzerschaft, von knapp 40 % im Jahr 2009 auf über 50 % im Jahr 2015.

Mit dem 2012 eröffneten Wissenstor bekam die Gestaltung des Lernorts an der Badischen Landesbibliothek eine wegweisende Initialzündung. Es entstand ein „learning centre“, an dem sowohl selbstbestimmtes Lernen stattfindet als auch die Teaching Library ihr zielgruppenorientiertes Programm für Schule, Studium und Beruf vermittelt. Das Wissenstor wurde dabei als Lehr- und Lernzentrum im Sinne der „information commons“ konzipiert.10 Zentraler Leitgedanke in der Lernraumgestaltung des Wissenstors war die Flexibilität und Multifunktionalität der Räume. Die online buchbaren Gruppenarbeitsräume waren von Anfang an sehr begehrt. Sie ergänzen nicht nur die seit jeher stark genutzten Gruppenarbeitsräume im Lesesaal des Hauptgebäudes. Sie zeigen auch, dass die Studienstruktur in den vergangenen Jahren zwar sukzessive auf Gruppenarbeit ausgerichtet wurde, die Infrastruktur zum kollaborativen Arbeiten an den Hochschulen aber immer noch deutlich hinterherhinkt. Nicht von ungefähr waren und sind die Gruppenarbeitsräume des Wissenstors insbesondere bei Studenten des KIT und der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe besonders begehrt.

Als Ort der Rekreation, Begegnung und Kommunikation in Lernpausen ist die Lounge des Wissenstors konzipiert. Dort können sich Lernende vom Lernstress erholen, hier kann aber auch informell gearbeitet werden. Hier finden auch jene Lerner ihren Platz, die einen gewissen Lärmpegel eher als motivierend denn störend empfinden.

In unmittelbarer Nähe zu den Gruppenarbeitsräumen und zu den individuellen Lernräumen führt die Teaching Library die bibWerkstatt durch. Das bewusst ganzheitlich ausgerichtete Programm beschränkt sich nicht nur auf das bloße Vermitteln von Fertigkeiten im Umgang mit der Bibliothek, sondern zielt auch auf die aktive Entwicklung von Handlungskompetenzen ab. Die Angebote im Rahmen der bibWerkstatt gehen deshalb bewusst über die herkömmlichen Benutzerschulungen hinaus. So lernen Studierende und andere Interessierte hier weit mehr als nur den Umgang mit fachspezifischen Datenbanken oder Literaturverwaltungsprogrammen. Sie entwickeln (Lösungs-)Strategien gegen das Aufschieben von Hausarbeiten, erarbeiten sich Suchtechniken zur effektiven Informationsbeschaffung und konzipieren idealtypisch die Struktur einer Seminararbeit. Die inhaltlich breite Fächerung der Angebote wird zum einen durch Kooperationen mit Kompetenzpartnern der Karlsruher Hochschulen (House of Competence, Lernlabor, KIT sowie Lehr-Lernzentrum, PH Karlsruhe), zum anderen durch speziell zum Thema „Schreibberatung“ fortgebildete Mitarbeiter realisiert.

Pünktlich zum Beginn des Sommersemesters 2013 eröffnete die Badische Landesbibliothek die biblounge. Der überwältigende Erfolg des Wissenstors hatte gezeigt, dass Lernen heutzutage immer mehr auch in informellen Szenerien stattfindet und durch eine moderne und kommunikationsfördernde Umgebung gestärkt werden kann. Die Badische Landesbibliothek ergänzt mit der biblounge im Hauptgebäude daher ihre für Ruhe und Konzentration bekannte Arbeitsumgebung um einen zentralen und wichtigen informellen Lernort. An solch informellen Lernorten wird der fließende Übergang von Stillarbeitsphasen zu inspirierendem Kommunikationspegel manifest.11 Gerade Phasen des kursorischen Lernens und der Rezeption verlangen, im Unterschied zu intensiven Lern- und Schreibphasen, nach lockeren Körperhaltungen und Aufenthaltsformen12 , wie sie in einer Lounge praktiziert werden können. Allein der Begriff „Lounge“ ist im Gegensatz zum Begriff „Lernort“ weitaus positiver konnotiert und weckt Assoziationen des Relaxens oder „Chillens“.

Besonderes Highlight der biblounge ist der Verleih von iPads an Benutzer der Bibliothek. Die iPads können jeweils für einen Tag ausgeliehen werden. Auf ihnen können digitale Wochenmagazine und Tageszeitungen gelesen werden. Es entsteht auf diese Weise ein digitaler Zeitungslesesaal – Lesen und Schmökern in nationalen und internationalen Zeitungen in einer Wohlfühlatmosphäre, die dem heimischen Sofa nahekommt. Weiterhin unterstützen zahlreiche Apps den Lernprozess. Auch wer einfach nur einmal den Umgang mit einem Tablet ausprobieren will, ist willkommen.

Neben ihrer Funktion als Rückzugsgebiet für Lernpausen und Kommunikation in angenehmer Wohlfühlatmosphäre avancierte die biblounge schnell zum zentralen Treffpunkt am Eingang der Bibliothek, ein weiterer positiver Nebeneffekt. Wartezeiten vor dem Beginn der vereinbarten Gruppenarbeit, vor dem gemeinsamen Gang in die Mensa oder in die Innenstadt werden hier sinnvoll überbrückt mit kursorischem Durchlesen verfasster Texte, mit einer ersten Sichtung gerade entliehener Medien oder einfach nur mit Small-Talk.

Unter der Zielsetzung, studentische Lernräume konsequent zu optimieren und ganzheitlich zu konzipieren, bietet die Badische Landesbibliothek seit 2015 gleich drei weitere neue Services an: die „denkBar“, die „benutzBar“ und die „studierBar“. Ermöglicht wurden diese neuen Services durch Fördermittel des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg zur Verbesserung der Informationskompetenz von Studierenden.

Mit der immer größeren Bedeutung kollaborativen Arbeitens im Studienalltag ist zugleich die Erwartungshaltung Studierender an Gruppenarbeitsräume kontinuierlich gestiegen. Lernende, die in Teams arbeiten, benötigen moderne und entsprechend technisch ausgestattete Lernräume, in denen fachlicher Austausch möglich ist. Hier setzt die „denkBar“ an. Ausgestattet mit einer an der UB Mannheim entwickelten speziellen Software (PalMA), können in der denkBar bis zu vier Bildschirme mobiler Endgeräte auf einem Bildschirm zusammengeführt werden.13 Auf diese Weise wird zum einen der Austausch und die Kommunikation in Kleingruppen und Teams gefördert, zum anderen können ganz konkret Texte und Inhalte auf einem Großmonitor gemeinsam bearbeitet werden.

In der geschützten Atmosphäre der „denkBar“ finden, gemäß der Multifunktionalität moderner Lernraumszenarien, auch die Intensiv- und Einzelberatungen der Badischen Landesbibliothek statt. Es sind dies zum einen individuelle Rechercheberatungen durch Fachreferenten, zum anderen die stark frequentierten Angebote des „Abi-Helpdesks“ und des „Meet a Librarian“ im Vorfeld des mündlichen Abiturs. Die Badische Landesbibliothek setzt, gemäß ihrem Profil und im Unterschied zu den großen Universitätsbibliotheken, bei der Vermittlung von Informationskompetenz deutlich früher an. Denn die Abiturienten von heute sind die Studierenden von morgen.

Wenn Bibliotheken den Lernort ganzheitlich begreifen und entsprechend optimieren und gestalten wollen, dann sollten bei der Etablierung neuer Serviceangebote auch die ganz alltäglichen und vermeintlich unwichtigen Dinge des Studienalltags nicht übersehen werden. Unter dieser Zielsetzung werden an der benutzBar den Nutzern kostenfrei Büromaterialien (z. B. Tacker, Kleber, Locher, Textmarker etc.) vor Ort zur Verfügung gestellt. Erschwertes Lernen in der Bibliothek durch fehlende Arbeitsmaterialien gehört so nun der Vergangenheit an. Zudem ist Drucken und Laminieren für Forschung, Lehre, berufliche oder allgemeine Bildung hier gegen geringe Gebühren möglich.

Für die im Rahmen der bibWerkstatt zu entwickelnden Handlungskompetenzen und für die vermittelten Basics wissenschaftlichen Arbeitens findet sich in der studierBar ein umfassender und eigens systematisch aufgestellter Literaturbestand in Mehrfachexemplaren rund um das Thema „Wissenschaftliches Arbeiten in den Geistes- und Sozialwissenschaften“ (siehe Abb. 1).

Viele Studierende erwarten, aufgrund ihrer Erfahrungen an ihrer „eigenen“ Hochschulbibliothek, geprägt aber auch durch große Buchhandlungen und Stadtbibliotheken, eine fachliche Aufstellung und Mehrfachexemplare. Oftmals bemängelt wird daher die Numerus-Currens-Aufstellung im Offenen Magazin der Badischen Landesbibliothek. In der studierBar können sich Interessierte gezielt zu den Themen Lernen, Recherchieren, Forschen, Schreiben und Präsentieren informieren, ohne im Vorfeld eine aufwendige Katalogrecherche betreiben zu müssen. Sollten alle Exemplare eines Titels entliehen sein, so ist der entsprechende Titel immer noch als Präsenzexemplar im Lesesaal vorhanden.

 studierBar in der Badischen Landesbibliothek.
Abb. 1:

studierBar in der Badischen Landesbibliothek.

Die studierBar wird von Anfang an sehr stark genutzt. Die Ausleihzahlen liegen weit über den Erwartungen und verweisen auf eine überdurchschnittliche Nutzungsfrequenz des Bestandsegments „Wissenschaftliches Arbeiten in den Geistes- und Sozialwissenschaften“ (siehe Abb. 2 und 3).

 Ausleihzahlen der studierBar in den Monaten Januar bis Juni 2015 (Gesamtbestand).
Abb. 2:

Ausleihzahlen der studierBar in den Monaten Januar bis Juni 2015 (Gesamtbestand).

 Ausleihzahlen der studierBar in den Monaten Januar bis Juni 2015 in Prozent (nach Themen).
Abb. 3:

Ausleihzahlen der studierBar in den Monaten Januar bis Juni 2015 in Prozent (nach Themen).

Die Gründe für die hohen Ausleihzahlen der studierBar sind vielfältig: Die Titelauswahl entspricht zum einen der Nachfrage und den Informationsbedürfnissen der Karlsruher Studierenden. Zum anderen weckt die prominente Positionierung der studierBar in hochwertigen und zugleich schicken Regalen am Aufgang zum Offenen Magazin Neugierde und lädt Studierende zum Stöbern ein. Und schließlich erleichtert die fachliche Aufstellung die Literatursuche nach inhaltlichen Kriterien. Die Entscheidung über die Relevanz eines Titels durch die Sichtung direkt am Regal kommt, so ist von Nutzern zu hören, nicht wenigen Studierenden entgegen.

4 Ausblick

Bei der Etablierung neuer Serviceangebote geht es darum, die Bibliothek als ganzheitlichen Lern- und Arbeitsort zu begreifen. Da Lernen ein individueller Prozess ist, müssen höchst unterschiedliche und teils widersprüchliche Nutzererwartungen und -bedürfnisse bei der Lernraumentwicklung erkannt und berücksichtigt werden. Bibliotheken können dabei auf verschiedenen Wegen das Lernen Studierender unterstützen, durch die Bereitstellung hochmoderner, attraktiver Arbeitsplätze mit einer entsprechenden technischen Infrastruktur oder mit konzeptionell innovativen Beratungs- und Schulungsangeboten. Voraussetzung für eine solche ganzheitliche Entwicklung ist jedoch, dass sich Bibliotheken als Institutionen begreifen, die neben ihren traditionellen Aufgaben dem erfolgreichen Lernen und Arbeiten der Studierenden einen hohen Stellenwert beimessen.

Volker Wittenauer:

Marlene Neumann:

Footnotes

  • 1

    Brahm, Taiga; Jenert, Tobias; Meier, Christoph: Hochschulentwicklung als Gestaltung von Lehr- und Lernkultur: Eine institutionsweite Herangehensweise an lehrbezogene Veränderungsprojekte an Hochschulen. IWP Arbeitsberichte. St. Gallen: Institut für Wirtschaftspädagogik 2010, S. 4–7. 

  • 2

    HRK: Bologna-Reader III. FAQs: Häufig gestellte Fragen zum Bologna-Prozess an deutschen Hochschulen. Beiträge zur Hochschulpolitik Bonn 2008, S. 85 ff. Verfügbar unter: http://hrk.de/fileadmin/redaktion/hrk/02-Dokumente/02-10-Publikationsdatenbank/Beitr-2008-08_BolognaReader_III_FAQs.pdf [Zugriff: 28.07.2015]. 

  • 3

    Metzger, Christiane: Studentisches Selbststudium. In: Schulmeister, Rolf; Metzger, Christiane (Hrsg.): Die Workload im Bachelor: Zeitbudget und Studierverhalten. Eine empirische Studie. Münster: Waxmann 2011, S. 243 f. 

  • 4

    Vogel, Bernd; Woisch, Andreas: Orte des Selbststudiums. Eine empirische Studie zur zeitlichen und räumlichen Organisation des Lernens von Studierenden. Hannover: HIS Forum Hochschule 2013, S. 13–24. 

  • 5

    Ungeachtet der Bestrebungen der ortsansässigen Bibliotheken, das Lern- und Arbeitsplatzangebot in den letzten Jahren verstärkt auszubauen, kann insbesondere in den Prüfungszeiten die hohe Nachfrage nach Lernplätzen nicht immer ausreichend befriedigt werden. Hoebel, Friederike; Mönnich, Michael W: Lernraum-Management – Eine Aufgabe für Bibliotheken. In: B.I.T. online 18/1 (2015), S. 15 f. 

  • 6

    Vgl. http://www.dini.de/ag/lernraeume/[Zugriff: 07.08.2015]. 

  • 7

    Vgl. Faulkner-Brown, Harry: Design criteria for large library buildings. In: World Information Report (1997/1998), S. 257–267. 

  • 8

    Vgl. Präsentation von Hacker, Lucia: „Lärmort“ Bibliothek? Der Lern- und Kommunikationsort Bibliothek im Spannungsfeld unterschiedlicher Nutzerbedürfnisse am Beispiel der Universitätsbibliothek Erfurt. In: 17. Thüringer Bibliothekstag in Illmenau am 12. Oktober 2011, S. 62–71. http://www.db-thueringen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-24998/DBV_Thuer_BibTag2011_S_062-071.pdf [Zugriff: 07.08.2015]. 

  • 9

    Ilg, Jens: Lernen wie Wohnen? Ergebnisse einer Befragung zum Lernraum Bibliothek. In: B.I.T. online 17/3 (2014), S. 231–239. 

  • 10

    Vgl. Krähling, Maren; Wittenauer, Volker: Das „Wissenstor“ der Badischen Landesbibliothek. Ein „learning centre“ für Schüler und Studierende ist in Karlsruhe entstanden. In: BUB 64 (2012), S. 622–625. 

  • 11

    Dem Konzept der informellen Lernorte entsprechen auch die sogenannten „offenen Gruppenarbeitsräume“ im Offenen Magazin der Badischen Landesbibliothek. An insgesamt vier großen Arbeitstischen mit jeweils vier Plätzen, lediglich umgeben von Regalen, ohne jegliche Trennwände hingegen, kann hier in Gruppenarbeit gelernt und sich fachlich ausgetauscht werden. Im Unterschied zu den Stillarbeitsplätzen des Lesesaals ist das Lernen und Kommunizieren hier gleichermaßen gestattet. 

  • 12

    Vgl. Siems, Renke: Nutzer erforschen Nutzer. „Service-Learning“ als Instrument der Lernort-Entwicklung. In: Bibliotheksdienst 2013, 47 (11), S. 820–832, hier S. 830. Zwangsläufig ist es daher auch logisch, dass Bibliotheken wie die SLUB Dresden den Verleih von Liegestühlen seit 2010 als Teil ihres Service-Portfolios begreifen. In Zusammenarbeit mit einer jungen Möbelfirma hat die SLUB Dresden 2013 dann zudem den „SLUB-Lounger“ vorgestellt, eine carbonverstärkte, stylische Liege aus Textilbeton. In der hochwertigen und zielgruppenorientierten Möblierung und Ausstattung der Außenflächen rings um die Bibliothek herum liegt ein Potential, das viele große Bibliotheken bei der Optimierung des Lernorts bisher nur bedingt ausschöpfen. 

  • 13

    Hänger, Christian; Wagner, Alexander; Weil, Stefan: PalMA – Present and Learn nicht nur in Mannheim – Die clevere Alternative zum Bildschirmkabel. In: B.I.T. online 17/4 (2014), S. 329–335. 

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Volker Wittenauer

Dr. Volker Wittenauer

Marlene Neumann

Marlene Neumann


Published Online: 2015-10-09

Published in Print: 2015-10-31


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 49, Issue 10-11, Pages 1053–1063, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2015-0124.

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