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Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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2194-9646
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Volume 49, Issue 12

Issues

Stellungnahmen zum Gesetzentwurf der Landesregierung für ein Gesetz zur Änderung des Hessischen Bibliotheksgesetzes

vom 13. Juli 2015

Eric W. Steinhauer
Published Online: 2015-11-12 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2015-0134

Artikel 1

Das Hessische Bibliotheksgesetz vom 20. September 2010 (GVBl. I S. 295), zuletzt geändert durch Gesetz vom 28. September 2014 (GVBl. S. 218), wird wie folgt geändert:

1. Die Präambel wird aufgehoben.

2. § 1 wird wie folgt geändert:

a) Der Überschrift werden die Wörter „und Begriffsbestimmung“ angefügt.

b) Folgender Satz wird angefügt:

„Bibliotheken im Sinne dieses Gesetzes sind systematisch geordnete und erschlossene Sammlungen von Medienwerken.“

3. § 3 wird wie folgt geändert:

a) In Abs. 1 werden nach dem Wort „Hochschulen“ die Wörter „sowie die Hochschulen in kirchlicher Trägerschaft“ eingefügt.

b) In Abs. 2 Satz 1 werden die Wörter „erforderliche Literatur in konventioneller und elektronischer Form“ durch „erforderlichen Medienwerke“ ersetzt.

c) In Abs. 4 Satz 1 werden die Wörter „Informationen, gedruckten und elektronischen Medien“ durch das Wort „Medienwerken“ ersetzt.

4. § 4 wird wie folgt geändert:

a) Abs. 1 wird wie folgt gefasst:

„(1) Die Hochschul- und Landesbibliothek RheinMain, die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, die Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, die Hochschul- und Landesbibliothek Fulda und die Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel nehmen landesbibliothekarische Aufgaben im Auftrag des Landes wahr. Sie erhalten hierfür einen Zuschuss des Landes.“

b) In Abs. 2 werden die Wörter „Literatur und sonstige“ gestrichen und die Wörter „und archivieren zur Sicherung des historischen Erbes die in Hessen erscheinenden Publikationen“ durch ein Komma und die Wörter „pflegen das damit verbundene historische Erbe und nehmen zur Sicherung des historischen Erbes das Pflichtexemplarrecht wahr“ ersetzt.

5. § 5 wird wie folgt geändert:

a) In Abs. 1 werden die Wörter „Büchern und anderen Informationsmitteln“ durch das Wort „Medienwerken“ ersetzt.

b) Abs. 2 wird wie folgt geändert:

aa) In Satz 1 werden nach dem Wort „Bibliotheken“ die Wörter „und Schulbibliotheken“ eingefügt.

bb) In Satz 2 werden die Wörter „Öffentliche Bibliotheken und die an den Schulen des Landes bestehenden Schulbibliotheken“ durch das Wort „Sie“ ersetzt.

6. § 6 wird wie folgt geändert:

a) Abs. 2 wird aufgehoben.

b) Der bisherige Abs. 3 wird Abs. 2 und in Satz 1 werden nach dem Wort „für“ das Wort „öffentliche“ durch „Öffentliche“ und vor dem Wort „Schulbibliotheken“ das Wort „und“ durch ein Komma ersetzt.

7. § 7 wird wie folgt geändert:

a) In der Überschrift wird die Angabe „– Digitalisierung“ gestrichen.

b) In Abs. 1 Satz 1 werden die Wörter „Landes- und Hochschulbibliotheken“ durch „wissenschaftlichen Bibliotheken“ ersetzt.

c) In Abs. 2 Satz 2 werden die Wörter „des Landes“ gestrichen.

d) Als Abs. 4 wird angefügt:

„(4) Für die Verzeichnung und Benutzung von Nachlässen und anderen nicht veröffentlichten Materialien in den Sammlungen der Bibliotheken finden die §§ 13 bis 16 des Hessischen Archivgesetzes vom 26. November 2012 (GVBl. S. 458) entsprechende Anwendung.“

8. In § 9 Satz 2 wird die Angabe „2015“ durch „2020“ ersetzt.

Artikel 2

Dieses Gesetz tritt am Tage nach der Verkündung in Kraft.

Begründung

A. Allgemeines

Das Hessische Bibliotheksgesetz greift die Empfehlung der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ auf, die formuliert hatte: „Die Enquete-Kommission empfiehlt den Ländern, Aufgaben und Finanzierung der öffentlichen Bibliotheken in Bibliotheksgesetzen zu regeln.“

Das Land Hessen und viele seiner Kommunen unterhalten frei zugängliche Bibliotheken. Bibliotheken gewährleisten damit in besonderer Weise das in Art. 5 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und Art. 13 der Hessischen Verfassung verankerte Grundrecht, sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert unterrichten zu können. Sie tragen zur Erfüllung der in Art. 62 der Hessischen Verfassung definierten Aufgabe des Staates der besonderen Pflege und des Schutzes der Kultur bei und dienen der in § 19 der Hessischen Gemeindeordnung (HGO) und § 16 Hessische Landkreisordnung (HKO) festgelegten Aufgabe der Gemeinden und Landkreise, die erforderlichen kulturellen öffentlichen Einrichtungen bereitzustellen.

Für die Verlängerung der Geltungsdauer des Hessischen Bibliotheksgesetzes um weitere fünf Jahre wurden im Rahmen der Evaluierung des Gesetzes die kommunalen Spitzenverbände und Fachvertretungen des Bibliotheksbereichs um Stellungnahme gebeten. Keiner der Angehörten hat die Notwendigkeit des Bibliotheksgesetzes infrage gestellt, nach Auffassung einiger Beteiligter hat sich das Gesetz in seiner jetzigen Fassung bewährt. Beispielsweise begrüßt der Landesverband Hessen im Deutschen Bibliotheksverband ausdrücklich, „dass mit dem vorliegenden Gesetz Bedeutung und Funktionen der […] Bibliotheken […] rechtlich anerkannt und beschrieben werden“. Ähnlich spricht sich der Hessische Landkreistag für eine Fortgeltung des Hessischen Bibliotheksgesetzes in der gegenwärtigen Fassung aus: „Das Gesetz hat sich bewährt. Änderungsbedarf wird nicht gesehen.“

Für unverzichtbar werden die folgenden Festlegungen des Gesetzes gehalten:

  • Zugangsanspruch für jedermann (§ 3 Abs. 3 und § 5 Abs. 1),

  • Bibliotheken sind Bildungseinrichtungen (§ 2 Abs. 1),

  • Regelung der landesbibliothekarischen Aufgaben (§ 4),

  • Regelung des Pflichtexemplarrechts (§ 4a),

  • Regelung der Hessischen Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken (§ 6 Abs. 3),

  • Regelung von Belegexemplaren (§ 7 Abs. 3),

  • kostenfreie Nutzung von Bibliotheken (§ 8 Abs. 3 Satz 1).

Soweit Änderungsbedarf gesehen wurde, waren die Vorschläge überwiegend redaktioneller Natur und wurden übernommen. Nicht alle Vorschläge konnten in den Gesetzesentwurf übernommen werden, da sie über die Zuständigkeit des Ressorts hinausgingen oder weitreichende, in ihren Folgen nicht abschätzbare Auswirkungen hätten. Eine Verlängerung der Geltungsdauer ist erforderlich, weil das Gesetz unverzichtbare Regelungen für die hessischen Bibliotheken enthält.

Im Rahmen der Regierungsanhörung nahm lediglich der Hessische Gemeindebund dahin gehend Stellung, dass eine Verlängerung des Gesetzes nicht nötig sei, und verwies auf seine ablehnende Stellungnahme aus dem Jahr 2010 für das damalige Gesetzgebungsverfahren.

Es wurde die Nützlichkeit einer datenschutzrechtlichen Regelung für in den Bibliotheken übernommene Nachlässe betont. Die vorgeschlagene Regelung ist in der Praxis schon üblich und kann in den Gesetzestext übernommen werden.

Die Stellungnahme der Kirchenverbände weisen darauf hin, dass bisher zwar die öffentlichen Bibliotheken in kirchlicher Trägerschaft im Gesetz berücksichtigt sind, jedoch ihre wissenschaftlichen Bibliotheken nicht. Mit Hinweis darauf, dass wissenschaftliche Bibliotheken an kirchlichen Hochschulen ebenso wie die an staatlichen Hochschulen der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen und Teil des kulturellen Erbes darstellen, werden sie aus inhaltlichen und systematischen Gründen in den Begriff der wissenschaftlichen Bibliotheken aufgenommen.

B. Zu den einzelnen Vorschriften

Zu Art. 1

1. Die Präambel wird gemäß den Redaktionellen Richtlinien für die Gestaltung von Rechtsvorschriften (Anlage 3 der GGO, Randnr. 2) aufgehoben.

2. In Satz 1 wird die Definition von Bibliotheken aus der Präambel übernommen und dementsprechend die Überschrift geändert.

3.

a) Hiermit werden auch die wissenschaftlichen Bibliotheken an kirchlichen Hochschulen in den Begriff der wissenschaftlichen Bibliotheken aufgenommen. Das ist geboten, weil an diesen Bibliotheken ein bedeutender Teil des kulturellen Erbes vorhanden ist. In Hinblick auf die Erwähnung der kirchlichen öffentlichen Bibliotheken in § 5 Abs. 1 empfiehlt sich dies auch aus systematischen Gründen.

b) Der Begriff „Literatur“ wird durch den allgemeineren Begriff „Medienwerke“ ersetzt, der auch audiovisuelle oder digitale Angebote einschließt. Die Formulierung „in konventioneller und elektronischer Form“ ist dann entbehrlich.

c) Hier wird ebenfalls der Begriff „Medienwerke“ genutzt, der gedruckte und elektronische Medien umfasst.

4.

a) Die Nennung der Städte (soweit die Stadt nicht Namensbestandteil ist) kann weggelassen werden. Zum Beispiel hat die HLB RheinMain Standorte in Wiesbaden und Rüsselsheim. Ohne Erwähnung der Stadt identifizieren die Namen die Bibliothek jeweils eindeutig. Alle Landesbibliotheken sind Teil einer Hochschule. Daher kann der Halbsatz „Soweit die Bibliotheken in Rechtsträgerschaft der Hochschulen stehen“ entfallen und die Formulierung der Aufgabenwahrnehmung gestrafft werden.

b) Die Formulierung „Literatur und sonstige“ kann entfallen, da „Medienwerke“ der umfassende Begriff ist. Die neue Formulierung des Satzendes stellt klar, dass Landesbibliotheken einerseits die Aufgabe haben, das historische Erbe zu pflegen, andererseits auch die Inhaber des Pflichtexemplarrechts sind.

5.

a) Auch hier soll der Begriff Medienwerken benutzt werden, der die gedruckten und elektronischen Medien umfasst.

b) Der in Satz 1 formulierte Auftrag gilt für öffentliche Bibliotheken und Schulbibliotheken gleichermaßen. Mit der Erwähnung der Schulbibliotheken in Satz 1 kann die Formulierung in Satz 2 vereinfacht werden.

6.

a) Abs. 2 ist entbehrlich, da es keiner Ermächtigung zur Kooperation zwischen wissenschaftlichen Bibliotheken bedarf. Im Sinne der Hochschulautonomie müssen solche kooperativen Zusammenschlüsse nicht durch das zuständige Ministerium genehmigt werden.

b) Die korrekte Bezeichnung ist „Hessische Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken“. Öffentliche Bibliotheken sind solche in kommunaler Trägerschaft. Die Fachstelle soll Schulbibliotheken, öffentliche Bibliotheken und

ihre Träger gleichermaßen beraten. Daher ist eine einfache Aufzählung hier besser.

7.

Die in § 7 vorgenommenen Änderungen sind Konsequenzen aus der Erweiterung des Begriffs wissenschaftliche Bibliotheken.

a) Der Bestandteil „– Digitalisierung“ kann in der Überschrift gestrichen werden, weil § 7 sich nicht nur auf die Digitalisierung des kulturellen Erbes bezieht.

b) Systematisch ist der Begriff „wissenschaftliche Bibliotheken“ besser, weil die hier beschriebenen Aufgaben die wissenschaftlichen Bibliotheken betreffen.

c) Die hier beschriebenen Ziele gelten für alle wissenschaftlichen Bibliotheken.

d) Bibliotheken verwahren als besondere Bestände wissenschaftliche Nachlässe. Diese Nachlässe können personenbezogene Daten enthalten, deren Schutz bei der Benutzung zu beachten ist. Die Situation ist vergleichbar mit Nachlässen in den hessischen Staatsarchiven. Es bietet sich daher an, die entsprechenden Vorschriften des Hessischen Archivgesetzes anzuwenden. Dabei handelt es sich um die §§ 13 bis 16 HArchivG in Verbindung mit § 2 Abs. 4 HArchivG.

8. Die Gültigkeitsdauer wird gemäß des Leitfadens für das Vorschriften-Controlling (Abschnitt A II. Nr. 1, Buchstabe d, Unterpunkt dd) auf fünf Jahre festgelegt. Da das Gesetz gegen Ende des Jahres 2015 beschlossen wird, wird das Ablaufdatum auf Ende 2020 gelegt, um eine Gültigkeit von fünf vollen Jahren zu erhalten.

Zu Art. 2

Die Vorschrift regelt das Inkrafttreten des Gesetzes.

Veröffentlicht in: Hessischer Landtag. 19. Wahlperiode. Drucksache 19/2201 (14. Juli 2015).

Stellungnahme des Deutschen Bibliotheksverbandes zum Gesetzentwurf der Landesregierung für ein Gesetz zur Änderung des Hessischen Bibliotheksgesetzes

Mit großer Zustimmung und Anerkennung hat der Deutsche Bibliotheksverband (dbv) zur Kenntnis genommen, dass das Land Hessen mit seiner Einführung eines Bibliotheksgesetzes im Jahr 2010 die Bedeutung der Bibliotheken im Bundesland für Bildung und Kultur gewürdigt und ausdrücklich gesetzlich bestätigt hat. Besonders anerkennenswert ist die Festschreibung der Bildungsfunktion der Bibliotheken und die Einbeziehung aller Bibliothekssparten, auch die in kirchlicher Trägerschaft.

Das bisherige Gesetz zielt jedoch lediglich auf die Sicherung des Besitzstandes ab und gibt einen Überblick über die Wertschätzung, die das Bibliothekswesen im Land Hessen erfährt und auch welche Aktivitäten als Bildungs- und Kultureinrichtung auf Landes- und Kommunalebene als besonders förderungswürdig angesehen werden. Es gestaltet jedoch keinen Raum für eine zukunftsweisende Entwicklung aus. Auch der jetzt vorliegende Gesetzentwurf der Landesregierung ergreift diese Chance nicht. Die terminologischen Klarstellungen (z. B. der durchgehende Ersatz des Begriffes „Bücher und andere Informationsmittel“ durch „Medienwerke“) sind zwar im Grunde eine begrüßenswerte Anpassung an die Realität. Ein Gestaltungswille der Landesregierung ist daraus jedoch nicht erkennbar.

Die Finanzierung der in der Informationsgesellschaft unerlässlichen Aufgaben wie die Möglichkeit der Mediennutzung durch alle Bürgerinnen und Bürger (außerhalb von kommerziellen und kostenpflichtigen Angeboten), die Orientierung in den unübersichtlichen Medienangeboten sowie die Stärkung der Medienkompetenz und Beratung darf keine freiwillige Aufgabe der Gemeinden bleiben. In Kommunen ab 5.000 Einwohnern sollte die Öffentliche Bibliothek eine Pflichtaufgabe sein. Die Gesetzesrevision ist eine Chance, verbindliche Planungssicherheit durch Ausstattungsgarantien zu schaffen. Leider bleibt der Gesetzentwurf weit hinter internationalen Beispielen, wie u. a. dem britischen Bibliotheksgesetz, zurück. Für ein leistungsstarkes Bibliothekswesen bedarf es einer gesetzlichen Verankerung von Bibliotheken, deren angemessene finanzielle Ausstattung verbindlich ist und die einer kontinuierlichen Evaluierung unterzogen werden sollte. Nur diese Bestandteile können eine Weiterentwicklung des Bibliothekswesens garantieren.

Aus den Best-Practice-Gesetzen, u. a. der skandinavischen Staaten und Großbritanniens, kann abgeleitet werden, dass zumindest folgende Regelungen – die weder im bisherigen Hessischen Bibliotheksgesetz noch im Änderungsentwurf enthalten sind – unerlässlich sind:

  • 1.

    Pflicht der Kommunen zum Angebot und zur Unterhaltung einer Bibliothek mit für die Weiterentwicklung notwendigen materiellen und finanziellen Ausstattungen und fachlich ausgebildetem Personal.

  • 2.

    Definition der Bibliothek als eigenständige und kooperierende Bildungseinrichtung.

  • 3.

    Entwicklung eines auch örtlich definierten Netzes von Bibliotheken unter Einbeziehung aller Bibliothekstypen, so auch der Schul- und Spezialbibliotheken sowie kirchlichen Bibliotheken, im gesamten Territorium des Landes, einschließlich der gesetzlich geregelten Trägerschaft der Landesfachstelle für öffentliche Bibliotheken.

  • 4.

    Pflicht des Landes zur Förderung sowie eine klare Regelung der finanziellen Beteiligung des Landes an der Aufrechterhaltung eines flächendeckenden Netzes Öffentlicher Bibliotheken sowie die Einstellung entsprechender Mittel in den Etat des zuständigen Fachministeriums.

Mit dem Abschlussbericht der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ des Bundestags, die sich schon 2007 sehr eingehend mit internationalen Bibliotheksgesetzen und ihrer Wirksamkeit auseinandergesetzt hat, wurde ein von allen Bundestagsfraktionen getragener politischer Wille formuliert. Der Deutsche Bibliotheksverband würde es vor dem Hintergrund der Empfehlungen der Enquete-Kommission nachdrücklich unterstützen, wenn der Charakter insbesondere der Öffentlichen Bibliotheken als Pflichtaufgabe noch stärker herausgestellt würde. Dies ist untrennbar mit der Frage der Finanzierung der Öffentlichen Bibliotheken und hier insbesondere mit der Frage nach dem Landesanteil an dieser Finanzierung verbunden.

In § 4 Abs. 2 sollte festgehalten werden, dass nicht nur das in Hessen erscheinende Material, sondern außerdem alle Veröffentlichungen mit Landesbezug gesammelt werden. Nur damit entsprächen die Aufgaben dem typischen Rahmen von Landes- oder Nationalbibliotheken mit entsprechenden bibliographischen Aufgaben, vgl. § 2b) des Gesetzes über die Deutsche Nationalbibliothek (DNBG) oder in (Landes-)Bibliotheksgesetzen.

Begrüßenswert im neuen Gesetz (zu § 7 Abs. 4) ist die Klärung der Rechtslage für Nachlässe, bei denen in Bibliotheken bisher große Unsicherheiten bestehen: Hiermit wird deutlich, auf welcher Rechtsgrundlage die Bibliotheken das unveröffentlichte und oftmals einmalige Material erschließen und zugänglich machen können. Der dbv regt jedoch an, die Norm so zu fassen, dass den Bibliotheken als Einrichtungen der Wissensvermittlung die Zugänglichmachung des personenbezogenen Materials für Forscher – soweit es nicht um besonders sensible Bereiche i. S. d. § 3 Abs. 9 Bundesdatenschutzgesetz geht – schon spätestens ab dem Todeszeitpunkt erlaubt wird. Zugunsten der Wissenschaftsfreiheit sollten die archivalischen Schutzfristen also verkürzt werden.

Kontakt:

Deutscher Bibliotheksverband (dbv)

Barbara Schleihagen, Geschäftsführerin

Tel.: 0 30/644 98 99 10

E-Mail: dbv@bibliotheksverband.de

http://www.bibliotheksverband.de, http://www.bibliotheksportal.de

Stellungnahme des BIB zum Gesetzentwurf der Landesregierung für ein Gesetz zur Änderung des Hessischen Bibliotheksgesetzes

Der Berufsverband Information Bibliothek e. V. (BIB) begrüßt ausdrücklich die Fortschreibung des Bibliotheksgesetzes in seiner inhaltlichen Straffung und (verbalen) Glättung. Der stetige mediale und gesellschaftliche Wandel macht nicht nur eine redaktionelle Anpassung der umfänglichen Bestandsaufnahme, die ja bereits im ursprünglichen Gesetz Vorbildcharakter hat, nötig, sondern auch eine inhaltliche Fortschreibung.

Der letzte Punkt lässt aus Sicht des Berufsverbandes zu wünschen übrig:

  • Die Einführung des Begriffs „Medienwerke“ ist grundsätzlich zu begrüßen, allerdings sollten die Anregungen des Kollegen Steinhauer aus dessen Stellungnahme Berücksichtigung finden, insbesondere – und diese Änderung sollte grundsätzlich erfolgen und nicht nur in § 3 Abs. 4 – durch die Ergänzung „Informationen und Medienwerke“.

  • In § 6 (Zusammenarbeit) (1) sollte es heißen: „Die Bibliotheken sollen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben, insbesondere bei der Entwicklung neuer Dienstleistungen, im Rahmen des Einkaufes, bei der Fernleihe sowie bei der Ausbildung in bibliothekarischen Berufen zusammenwirken. Dies geschieht in der Regel im Rahmen bibliothekarischer Verbünde und Verbände.“ Bisher waren an dieser Stelle alleine die Verbände aufgeführt, dies ist sachlich nicht zutreffend.

  • Wir fordern Sie auf, weiterführende inhaltliche Änderungen einzubauen, die nicht nur in anderen europäischen Ländern Standard sind, sondern die v. a. auch die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages in ihrem Abschlussbericht fordert: Eindeutige Mindeststandards im Rahmen eines verbindlichen Bibliotheksentwicklungsplanes, die – mit entsprechend garantierter finanzieller Unterstützung des Landes Hessen – ein modernes und tragfähiges Netz aus Bibliotheken sichern und ein zukunftsfähiges Agieren ermöglichen. Hier sollte insbesondere die Kooperation unterschiedlicher Bibliothekstypen im Fokus stehen, so dass verlässlich Schulbibliotheken in Trägerschaft des Landes/freier Trägerschaft mit Öffentlichen Bibliotheken in Trägerschaft der Kommune und auch kirchlicher Bibliotheken in entsprechender Trägerschaft zu einer gemeinsamen, nachhaltigen Zusammenarbeit aufgefordert und befähigt werden. Die koordinierende und gegebenenfalls auch zuweisende Tätigkeit der Fachstelle sollte hier entsprechend eingebunden werden.

  • Zu diesen Mindeststandards gehört neben fachlich qualifiziertem Personal, das leistungsfähig Kooperationen fördern und die Funktion der Bibliothek als Kultur- und v. a. Bildungsinstitution ausbauen kann, auch ein entsprechend hybrider Medienbestand, der neben print- und digitalen Informationsträgern (Bücher und eBooks, Zeitschriften und eJournals, DVDs und Streaming/Download-Angebote) auch eine entsprechende (technische) Ausstattung umfasst. Nur wenn Bibliotheken neben den expliziten Medienwerken auch eher implizit-opake Informationen (s. o.) bereitstellen können, wird der zeitgemäßen Aufgabenstellung der Bibliotheks- und Informationsmanager in einer sich stetig ändernden Gesellschaft adäquat Rechnung getragen.

  • Bibliotheken jeden Typs sind Lern- und Aufenthaltsorte ebenso wie Treffpunkte, und sie sind einer der wenigen öffentlichen Orte, die kaum Sanktionierungen und Reglementierungen von ihrer Nutzung her erfahren. Diese grundsätzlich breite Nutzung – die im Vorentwurf in der Präambel zu finden war – sollte (gerne in der bisherigen Formulierung „mit Rücksicht auf ihren konkreten Zweck für jedermann zugänglich“) wieder Eingang finden.

  • Die Ermöglichung einer Sonntagsöffnung von Öffentlichen Bibliotheken ist dem BIB ein großes Anliegen, das auch von der Mehrheit der Verbandsmitglieder – den Arbeitenden in Öffentlichen wie Wissenschaftlichen Bibliotheken – mitgetragen wird. Das Bild, das das hessische Verwaltungsgericht von öffentlichen Bibliotheken zeichnet, ist mehr als vorgestrig. Bibliotheken sind mehr als Ausleihstationen: mit ihren breiten Angeboten an Medien, Informationen, Kultur und Dienstleistungen, die die Leser und Kunden aktiv wie rezipierend-passiv wahrnehmen können, sind sie eine der tragenden Säulen des Gemeinwesens. Diese moderne Sicht der Serviceeinrichtung Bibliothek sollte der Gesetzgeber unbedingt fördern und so § 5 Abs2 HessBibG um den Passus „Darüber hinaus dienen sie mit ihren vor Ort nutzbaren Angeboten der kulturellen Begegnung, der gesellschaftlichen Integration, der außerschulischen Medienerziehung sowie einer sinnvollen Freizeitgestaltung“ ergänzen.

  • In Bezug auf die landesbibliothekarischen Aufgaben insbesondere im Kontext der Wahrung des kulturellen Erbes bitten wir, den Empfehlungen des Kollegen Steinhauer zu folgen, die da lauten: Es wird daher vorgeschlagen, § 4 Abs. 2 HessBibG klarstellend wie folgt zu fassen: „Bibliotheken mit landesbibliothekarischen Aufgaben sammeln und erschließen Medienwerke mit Bezug zum Land Hessen und pflegen das damit verbundene historische Erbe. Sie nehmen darüber hinaus das Pflichtexemplarrecht an allen in Hessen erscheinenden oder erstmals öffentlich zugänglich gemachten Medienwerken ohne Rücksicht auf deren Inhalt wahr.“

  • Als meist besuchte Kultur- und Bildungsinstitution muss dem mobiliaren Verschleiß ebenso Rechnung getragen werden wie der technischen Ausstattung als Wissensmanager von Kommune und/oder Hochschule. Um hier innovativ „am Puls der Zeit“ agieren zu können und die Bürgerinnen und Bürger nicht nur in intellektueller, sondern auch in technischer Hinsicht in ihrer Mündigkeit unterstützen zu können, müssen Bibliotheken Mittel zur Hand bekommen, die eine hohe, flexible und zeitgemäß-moderne Ausstattung im physischen und virtuellen Raum garantieren.

Solange ein Bibliotheksgesetz keine verbindlichen Standards, Zielpunkte und Finanzierungen formuliert – und dies gelingt auch dem vorliegenden Entwurf nicht –, wird es keine durchschlagende Wirkung erzielen können. Hier hoffen wir auf Ergänzungen.

Als Berufsverband der Bibliotheksbeschäftigten gilt unser besonderes Interesse zudem der Frage, in welcher Weise die Qualifikation der Beschäftigten sowie die Aus- und Fortbildung im Gesetz thematisiert werden. Daher möchten wir abschließend darauf hinweisen, dass fachlich qualifiziertes Personal in jeder Bibliothek unverzichtbar für eine qualitativ hochwertige Arbeit in allen Qualifizierungsstufen ist. Fachliche Qualifizierung wird nur über Ausbildung und Studium erlangt, muss aber durch eine kontinuierliche Fort- und Weiterbildung erhalten und ausgebaut werden können.

In Zeiten einer zunehmenden Arbeitsverdichtung und neu dazukommender Aufgaben im Kontext von medienpädagogischer Vermittlung und digitalen Dienstleistungen ist es Aufgabe der öffentlichen Hand, für eine quantitativ ausreichende Zahl an Personalstellen Sorge zu tragen, die adäquat eingestuft werden müssen. Hier ist das Land Hessen in der Pflicht, im Rahmen seiner Mitgliedschaft in der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) dafür Sorge zu tragen, dass die zeitgemäßen Eingruppierungen, die sowohl der TVöD (Bund) als auch der TV-H für Bibliotheksbeschäftigte bieten, zeitnah in die Entgeltordnung zum TVöD (Kommune) übertragen werden. Ebenso wichtig ist die Bereitstellung von Mitteln, die eine hochwertige Fort- und Weiterbildung der Mitarbeitenden in Bibliotheken garantieren.

Die aktuelle Entwicklung rund um das Thema „Willkommenskultur“ kann stellvertretend für die sich verändernden Aufgaben des Berufsbildes stehen: Die zentrale Bedeutung von (öffentlichen) Bibliotheken für das Zusammenleben in einer multikulturellen Einwanderungsgesellschaft sollte im Gesetzentwurf ebenso hervorgehobene Berücksichtigung finden wie die generelle Relevanz von Bildungs- und Kulturpolitik sowie von bibliothekarischer Arbeit im Allgemeinen.

Prof. Dr. Tom Becker

(Technische Hochschule Köln und Bundesvorstandsmitglied des BIB)

Berufsverband Information Bibliothek e. V. (BIB)

Gartenstraße 18

D-72764 Reutlingen

E-Mail:

www.bib-info.de

Stellungnahme zum Gesetzentwurf der Landesregierung für ein Gesetz zur Änderung des Hessischen Bibliotheksgesetzes (Drs. 19/2201)

1. Vorbemerkung

Die Änderungen des Hessischen Bibliotheksgesetzes sind im Grundsatz zu begrüßen. Sie dienen der Straffung des Gesetzestextes, der Schaffung einer einheitlichen und konsequenten Terminologie und beseitigen datenschutzrechtliche Defizite. Die Verlängerung des Gesetzes um weitere fünf Jahre verdient ebenfalls Zustimmung. Die vorliegenden Änderungen und Korrekturen haben gezeigt, dass eine Befristung Gelegenheit gibt, gesetzliche Bestimmungen anzupassen und weiterzuentwickeln. Gerade dort, wo das Gesetz Sachverhalte aufgreift, die mit der dynamischen Welt der digitalen Medien in Zusammenhang stehen, ist dessen regelmäßige Überprüfung sinnvoll und notwendig.

2. Die Streichung der Präambel

Mit der Streichung der Präambel ist auch die bibliotheks- und kulturpolitisch wichtige Aussage ihres Absatzes 2 entfallen, dass nämlich die von der öffentlichen Hand getragenen Bibliotheken im Grundsatz jedermann zur Verfügung stehen. Im Referentenentwurf, der Gegenstand der Regierungsanhörung war, wurde dieser Aspekt durch eine Ergänzung bei § 2 Abs. 1 Satz 1 Hessisches Bibliotheksgesetz (HessBibG) beibehalten, indem nach dem Wort „Lernen“ die Worte „und nach Maßgabe ihrer Benutzungsbestimmungen und mit Rücksicht auf ihren konkreten Zweck für jedermann zugänglich“ eingefügt wurden. Dies sollte auch im eingebrachten Gesetzentwurf der Landesregierung so erfolgen.

3. Geltungsbereich des Gesetzes

Durch die Streichung der Präambel entfällt der systematische Bezug zu der in ihrem Absatz 1 explizit genannten Trägerschaft des Landes, der Kommunen und anderer unter der Rechtsaufsicht des Landes stehender juristischer Personen. Um klarzustellen, dass das Gesetz nicht etwa auch für Bibliotheken in privater Trägerschaft gilt, sollte, wie es ursprünglich im Referentenentwurf vorgesehen war, § 1 HessBibG folgende Fassung erhalten:

„Bibliotheken im Sinne des Gesetzes sind die vom Land Hessen und den Kommunen sowie den unter der Rechtsaufsicht des Landes stehenden juristischen Personen unterhaltenen systematisch geordneten und erschlossenen Sammlungen von Büchern und anderen Medienwerken.“

4. Medienwerke

Der durchgängige Gebrauch des Begriffs „Medienwerk“ ist im Sinne einer einheitlichen Terminologie zu begrüßen. Der Begriff „Medienwerk“, der in § 4a Abs. 1 HessBibG näher definiert wird, wird auch im Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek (DNBG) verwendet, vgl. § 3 DNBG. Dies hat den Vorteil, dass nach den Pflichtexemplarbestimmungen Ablieferungspflichtige auf Bundes- und Landesebene terminologisch gleichförmige Normen finden.

Allerdings bedarf der Begriff auf der Ebene des hessischen Landesrechts einer Ergänzung. Im DNBG geht es um die Aufgaben und Befugnisse der Deutschen Nationalbibliothek, mithin einer eindeutig umrissenen Einrichtung. Bei § 1 HessBibG hingegen soll ein Anwendungsbereich erst eröffnet werden. Daher muss aus dieser Vorschrift klar erkennbar sein, welche Einrichtungen Bibliotheken im Sinne des Gesetzes sind. Die bloße Verwendung des Begriffs „Medienwerke“ ohne jeglichen Zusatz führt an dieser Stelle zu Abgrenzungsschwierigkeiten, etwa zu den Medienzentren in § 162 des Hessischen Schulgesetzes, die insbesondere audiovisuelle Medien vorhalten, die zweifelsfrei als Medienwerke im Sinne des HessBibG zu charakterisieren wären.

Es dürfte sicher nicht Absicht des Gesetzgebers sein, Medienzentren und vergleichbare Einrichtungen in den Anwendungsbereich des Bibliotheksgesetzes einzubeziehen. Um in der Praxis die Abgrenzung zu erleichtern, sollte wenigstens bei § 1 HessBibG das die Bibliothek als Einrichtung immer noch prägende Leitmedium des Buches genannt werden. Wie unter Punkt 3 vorgeschlagen, sollte daher von „Büchern und anderen Medienwerken“ gesprochen werden.

5. Hochschulen in kirchlicher Trägerschaft

Die Bedeutung der wissenschaftlichen kirchlichen Bibliotheken für das kulturelle Erbe des Landes Hessen ist unbestritten. Daher ist der Wunsch, diese Bibliotheken nach dem Vorbild der kirchlichen Öffentlichen Bibliotheken in § 5 Abs. 1 HessBibG zu berücksichtigen, verständlich. Allerdings ist zu fragen, welchen rechtlichen Zweck die Nennung dieser Bibliotheken verfolgt und welche rechtlichen Auswirkungen ihre Berücksichtigung haben könnte.

Nach § 3 Abs. 3 HessBibG sind wissenschaftliche Bibliotheken grundsätzlich öffentlich zugänglich. Sinn dieser Vorschrift ist es, der Bevölkerung, die ja durch ihre Steuern auch den Aufbau und den Unterhalt dieser Bibliotheken finanziert, einen Zugang zu spezieller und wissenschaftlicher Fachliteratur zu ermöglichen, der bei aller Autonomie der Hochschulen immer gewährleistet sein soll. Würden nun kirchliche Hochschulbibliotheken in § 3 Abs. 1 HessBibG genannt, dann wäre auch für solche Bibliotheken eine öffentliche Zugänglichkeit zwingend vorgeschrieben. Das HessBibG ist aber bei der Erstreckung seiner Geltung auch auf kirchliche oder private Bibliotheken sehr zurückhaltend. Das ergibt sich etwa aus § 8 Abs. 4 HessBibG, der die Frage des gebührenfreien Zugangs nur auf solche Öffentlichen Bibliotheken in kirchlicher Trägerschaft erstreckt, die staatliche Förderung erhalten. Die öffentliche Zugänglichkeit ist bei diesen Bibliotheken übrigens eine freie Entscheidung der kirchlichen Träger, denn soweit solche Bibliotheken nicht für die Allgemeinheit geöffnet sind, erfüllen sie nicht die Kriterien einer Öffentlichen Bibliothek im Sinn von § 5 Abs. 1 HessBibG und fallen damit aus dem Geltungsbereich des HessBibG heraus.

Wenn es das Ziel war, die wissenschaftlichen kirchlichen Bibliotheken zu würdigen, so sollte keine Verengung auf Hochschulbibliotheken erfolgen. So sind etwa die Diözesanbibliothek in Limburg oder die Landeskirchliche Bibliothek in Kassel wissenschaftliche Bibliotheken mit wichtigen Beständen, ohne jedoch Hochschulbibliotheken zu sein. Unklar ist, wozu die Bibliothek des Franziskanerklosters in Fulda mit ihren wertvollen Altbeständen zu rechnen ist, die von 1906 bis 1968 den Status einer Hochschulbibliothek für die Theologische Hochschule der ehemaligen Thüringer Franziskanerprovinz hatte. Weiterhin unklar ist, was genau unter einer „Hochschule in kirchlicher Trägerschaft“ zu verstehen ist. Unzweifelhaft gehört die Theologische Fakultät Fulda zu diesem Kreis. Was ist aber mit der Freien Theologischen Hochschule Gießen, deren Träger ein „Förderverein für evangelikale Theologie und Ausbildung (FTA) e. V.“ ist?

Alles das spricht gegen die geplante Ergänzung in Art. 1 Nr. 3a des vorliegenden Änderungsgesetzes zum HessBibG. Will man die kirchlichen wissenschaftlichen Bibliotheken gleichwohl gesetzgeberisch würdigen, so könnte dies in einem neuen Absatz 4 bei § 7 HessBibG erfolgen. Dabei ist sorgfältig zu prüfen, welche rechtlichen Konsequenzen das für die betroffenen Bibliotheken hätte.

Im Übrigen ist zu bemerken, dass wegen der Funktion der kirchlichen Öffentlichen Bibliotheken, die in etlichen Gemeinden die Rolle einer nicht existenten kommunalen Bibliothek übernehmen, eine besondere Nähe zu den von der öffentlichen Hand getragenen Einrichtungen und den sie betreffenden Bestimmungen gegeben ist, die mit der Situation bei den wissenschaftlichen Bibliotheken nicht zu vergleichen ist. Das rechtfertigt es, die wissenschaftlichen kirchlichen Bibliotheken im Gegensatz zu den Öffentlichen Bibliotheken gar nicht im Gesetz zu nennen, wenn sich aus einer solchen Nennung über eine bloß kulturpolitische Akzentuierung hinaus keine rechtlichen Konsequenzen ergeben würden.

6. Medienwerke in den Behördenbibliotheken

Die terminologische Straffung in § 3 Abs. 4 S. 1 HessBibG ist zu begrüßen. Allerdings sollte bedacht werden, dass Behördenbibliotheken durch geschultes Fachpersonal nicht selten auch hoch spezialisierte Recherchen durchführen und in diesen Fällen gerade keine Medienwerke bereitstellen, sondern tatsächlich nur bloße Informationen. Eine Formulierung wie „Informationen und Medienwerken“ wird den Aufgaben und dem Selbstverständnis von Behördenbibliotheken besser gerecht.

7. Landesbibliothekarische Aufgaben

Durch Art. 1 Nr. 4 b des Änderungsgesetzes soll § 4 Abs. 2 HessBibG eine neue Fassung erhalten. Dabei geht es um die landesbibliothekarischen Aufgaben, die zum einen in der Sammlung, Pflege und Erschließung von Medienwerken über das Land Hessen und zum anderen in der Ausübung des Pflichtexemplarrechts bestehen. Als zentraler Begriff wird hierbei der Ausdruck des „historischen Erbes“ verwendet.

Eine jüngst ergangene Entscheidung des Verwaltungsgerichts Wiesbadens (Az.: 4 K 982/12.WI) hat freilich in Verkennung der eigentlich klaren Regelung im HessBibG die Ansicht vertreten, nur solche Literatur unterliege der Pflichtablieferung, die einen inhaltlichen Bezug zum Land Hessen aufweise. Richtig ist, dass die konservierende Pflege und Sammlung der nicht in Hessen erschienenen Werke einen solchen Landesbezug bedingt und voraussetzt. Für das Pflichtexemplarrecht hingegen kommt es auf den Inhalt einzelner Werke gerade nicht an. Der Bezug zum Land Hessen ergibt sich allein aus der schlichten Tatsache, dass ein Werk in Hessen erschienen ist. Das Pflichtexemplarrecht dient der Dokumentation des Publikationsgeschehens.

Mit Blick auf die Entscheidung des VG Wiesbaden ist eine Verknüpfung des Pflichtexemplarrechts mit dem Begriff des historischen Erbes problematisch geworden. Es wird daher vorgeschlagen, § 4 Abs. 2 HessBibG klarstellend wie folgt zu fassen:

„Bibliotheken mit landesbibliothekarischen Aufgaben sammeln und erschließen Medienwerke mit Bezug zum Land Hessen und pflegen das damit verbundene historische Erbe. Sie nehmen darüber hinaus das Pflichtexemplarrecht an allen in Hessen erscheinenden oder erstmals öffentlich zugänglich gemachten Medienwerken ohne Rücksicht auf deren Inhalt wahr.“

8. Terminologische Straffung in § 5 HessBibG

Bei der in Art. 1 Nr. 5a des Änderungsgesetzes vorgeschlagenen Änderung stellen sich die gleichen Abgrenzungsprobleme zu Medienzentren und vergleichbaren Einrichtungen, von denen schon unter Punkt 4 die Rede war. Es wird daher vorgeschlagen, die zu begrüßende Straffung des Gesetzestextes von § 5 Abs. 1 HessBibG wie folgt zu erreichen:

„Öffentliche Bibliotheken sind allgemein zugängliche Bibliotheken in Rechtsträgerschaft der Gemeinden und Landkreise sowie solche in kirchlicher Trägerschaft.“

9. Sonntagsöffnung der Öffentlichen Bibliotheken

Durch Art. 1 Nr. 1b des Gesetzes zur Änderung des Hessischen Feiertagsgesetzes und des Hessischen Ladenöffnungsgesetzes vom 2. Februar 2010 (GVBl. I, S. 10) wurde der Betrieb auch Öffentlicher Bibliotheken an Sonn- und Feiertagen gestattet. Das Bundesverwaltungsgericht hat in seiner Entscheidung vom 26. November 2014 (Az.: 6 CN 1.13) § 1 Abs. 1 Nr. 1 der Verordnung über die Zulassung der Beschäftigung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern an Sonn- und Feiertagen vom 12. Oktober 2011 (GVBl. I, S. 664) für unwirksam erklärt, der eine Beschäftigung von Arbeitnehmern in „öffentlichen Bibliotheken im Sinne von § 5 Abs. 1 des Hessischen Bibliotheksgesetzes“ erlaubte. Maßgebliche Erwägung des Gerichtes, die Sonntagsarbeit in Öffentlichen Bibliotheken zu untersagen, war der Umstand, dass Nutzer Öffentlicher Bibliotheken gewünschte Medien auch an Werktagen entleihen können. Mit dieser Erwägung freilich wird das Bundesverwaltungsgericht § 2 Abs. 1 S. 2 HessBibG nicht gerecht, der auch die Öffentlichen Bibliotheken als Orte der Begegnung und Kommunikation beschreibt. Tatsächlich sind moderne Öffentliche Bibliotheken keine bloßen Ausleihstationen für Medien, sondern sind durch ihre bauliche Gestaltung und etliche nur vor Ort nutzbare Angebote Bildungs-, Freizeit- und kulturelle Begegnungsorte eigener Art. Gerade eine Sonntagsöffnung ermöglicht es Eltern, gemeinsam mit ihren Kindern eine Bibliothek zu besuchen und so ihr verfassungsmäßig geschütztes elterliches Erziehungsrecht auch im Bereich der heutzutage besonders wichtigen Mediennutzung auszuüben. Als Reaktion auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts wird daher angeregt, § 5 Abs 2 HessBibG um einen Satz 3 zu ergänzen und damit wie folgt zu präzisieren:

„Darüber hinaus dienen sie mit ihren vor Ort nutzbaren Angeboten der kulturellen Begegnug, der gesellschaftlichen Integration, der außerschulischen Medienerziehung sowie einer sinnvollen Freizeitgestaltung.“

Damit wird zum einen klargestellt, dass Öffentliche Bibliotheken vollwertige Kultureinrichtungen und keine bloßen Medienverleihstellen sind. Zum anderen wird der Charakter der Öffentlichen Bibliothek als Freizeiteinrichtung im Sinn von § 10 Abs. 1 Nr. 7 des Arbeitszeitgesetzes betont. Beide Punkte zusammengenommen erlauben eine über die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts hinausgehende rechtliche Neubewertung der Beschäftigung von Arbeitnehmern in Öffentlichen Bibliotheken im Land Hessen und entsprechen damit dem gesetzgeberischen Ziel der 2010 in Kraft getretenen Novelle des Feiertagsgesetzes.

Mit Blick auf die kirchlichen Belange des Sonntagsschutzes sei angemerkt, dass nicht nur die kirchlichen Öffentlichen Bibliotheken an Sonn- und Feiertagen geöffnet sind. Auch der Charakter des Sonntages als einer Zeit der seelischen Erhebung wird durch bibliothekarische Angebote nicht nur nicht in Frage gestellt, sondern im Gegenteil gefördert.

10. Förderung von Bibliotheken

Das Hessische Bibliotheksgesetz enthält vor allem den rechtlichen Rahmen für die Arbeit der Bibliotheken im Land Hessen. Mit Förderaussagen ist es zurückhaltend. Es wäre wünschenswert, wenn in dieser oder einer der nächsten Novellen eine größere Verbindlichkeit auf dem Gebiet der Bibliotheksförderung durch das Land erreicht werden könnte.

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Eric W. Steinhauer

Prof. Dr. Eric W. Steinhauer

Universitätsbibliothek der FernUniversität Hagen

Universitätsstraße 23

58097 Hagen

Tel.: 0 23 31/987 2890


Published Online: 2015-11-12

Published in Print: 2015-11-01


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 49, Issue 12, Pages 1114–1131, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2015-0134.

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