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Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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ISSN
2194-9646
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Volume 49, Issue 3-4

Issues

Die Bedeutung von Marketing und Nutzungsmonitoring für Öffentliche Bibliotheken

Peter Borchardt
Published Online: 2015-03-18 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2015-0036

Zusammenfassung:

Der kurze Beitrag soll in geraffter Form die Entwicklung in Erinnerung rufen, die es im deutschen Bibliothekswesen von der Benutzerforschung der 1970er-Jahre bis zum heutigen Nutzungsmonitoring gegeben hat, und darauf hinweisen, dass eine Angebotsgestaltung ohne entsprechende Datengrundlage sinnvoll eigentlich nicht möglich ist.

Abstract:

This brief article is to recall in short form the development that has taken place in the German library system, starting from the 1970’s research on users to today’s use monitoring. It will show that a range of offers selected without consulting the respective data basis does hardly make sense.

Schlüsselwörter: : Benutzerforschung; Marketing; Datenanalyse; Angebotsgestaltung

Keywords: : research on users; marketing; data analysis; selection of offers

1 Vorgeschichte

Dass es Aufgabe der Bibliotheken, vor allem auch der Öffentlichen Bibliotheken, ist, ihren Benutzern möglichst zielgenau Angebote zu machen und herauszufinden, wie sich denn die Benutzer in der Bibliothek verhalten, ist nicht neu. Erste Ansätze im Bereich der Benutzerforschung gab es in England und den USA bereits vor dem Zweiten Weltkrieg, in Deutschland hat das Thema ab den späten 1960er-Jahren starke Verbreitung gefunden, insbesondere im Bereich der wissenschaftlichen Bibliotheken, wo es in den 1970er-Jahren mehrere DFG-Projekte gab.1

1.1 Benutzerforschung ab 1970

In der Folge hat sich das Thema Benutzerforschung in (west)deutschen Bibliotheken etabliert und über die Jahrzehnte weiter entwickelt und diversifiziert. Die verschiedenen Phasen von „klassischer Benutzerforschung“ über Management- und Marketingansätze, Controlling-Konzepte bis zu sozialwissenschaftlichen Designs hat Annette Kustos prägnant beschrieben.2

1.2 Nutzer-/Nichtnutzerbefragungen ab den 1980er-Jahren

Im Bereich der Öffentlichen Bibliotheken ist die Benutzerforschung jedoch nie wirklich vorangekommen, was wahrscheinlich daran lag, dass das ganze Thema, geprägt von den Erkenntnisinteressen Wissenschaftlicher Bibliotheken, äußerst wissenschaftlich daher kam. Gleichwohl wurde der Bedarf, mehr über die Nutzer und auch über die Nichtnutzer zu wissen, ab den 1980er-Jahren immer größer: Die erste „Boomzeit“ der kommunalen Öffentlichen Bibliotheken war mit den Wirtschaftskrisen und der damit einhergehenden Schwächung der Kommunalfinanzen vorbei, neue Konzepte und Steuerungsmodelle zum effizienten Mitteleinsatz waren gefragt.

1.3 Die DBI-Marketingprojekte

Vor diesem Hintergrund wurden ab Mitte der 1980er-Jahre im Deutschen Bibliotheksinstitut zwei Projekte zum Marketing Öffentlicher Bibliotheken auf den Weg gebracht.3 Marketing wurde hierbei verstanden als konsequente Ausrichtung der Bibliothek auf den Markt und seine Bedürfnisse und nicht reduziert auf Werbung und Öffentlichkeitsarbeit, wie es heute (und auch schon damals) vielfach verstanden wurde und wird, Marketing also als ein Bündel von Managementinstrumenten, die in den Projekten beispielhaft erarbeitet und erprobt werden sollten.

2 Befragungen und Datenanalysen im Rahmen eines Marketing-Prozesses

Um auf den Markt zu reagieren, muss man ihn kennen. Und da der Markt einer Bibliothek nicht nur aus den aktuellen Nutzern besteht, sondern die Bevölkerung insgesamt umfasst, wird es notwendig, Daten über diesen Markt zu haben und zu analysieren. Hierzu wurden beispielhaft Instrumente zur Analyse des Marktes entwickelt: Nutzerbefragungen, Bevölkerungsbefragungen, Methoden der Gemeinwesenanalyse. Diese wurden in Beziehung gesetzt zu Aufgaben- und Zieldefinition, Leistungsmessung und Stärken-Schwächen-Analyse und somit letztlich zur Angebotsgestaltung.

Für die Steuerung der Angebotsgestaltung sind also Nutzungsdaten und Erkenntnisse über die Erwartungen der Nutzer (und Nichtnutzer) unverzichtbar.

Diese Erkenntnis ist eigentlich banal, eine Erkenntnis, die Anfang der 1990er-Jahre so grundsätzlich klar und so zentral war, dass die ekz dem Thema den ersten Band ihrer neuen Schriftenreihe „Konzepte“ widmete.4

Aber was ist daraus gefolgt? Hat sich der Marketinggedanke im oben beschriebenen Sinn durchgesetzt? Eher nicht. Zwar gab es immer wieder einzelne Bibliotheken, die Ansätze dazu unternommen haben, aber in der Fläche haben die Projekte kaum Wirkung gezeigt. Geht man dem nach und fragt, warum das so ist, so hörte man immer wieder, dass die Etablierung eines Marketing-Management-Prozesses viel zu aufwändig sei und der zu erwartende Nutzen den Aufwand kaum rechtfertigen würde, zumal ein solcher Prozess ohne zusätzliches Personal gar nicht zu stemmen sei. Das ist aus der Sicht der Praxis zwar nachvollziehbar, aber dennoch nicht schön, denn wozu führt das in der tatsächlichen Entwicklung der Angebote Öffentlicher Bibliotheken? Gesichertes Wissen, mit dem auch argumentiert werden kann, wird durch Intuition und Vermutung ersetzt, Planungen haben keine datengestützten Grundlagen. Von daher gilt das Plädoyer von vor 20 Jahren nach wie vor: Erst durch die konsequente Anwendung von Marketingmethoden (basierend auf internen und externen Daten) wird die Bibliothek in die Lage versetzt, auf sich verändernde Rahmenbedingungen flexibel zu reagieren.5

Peter Borchardt:

Footnotes

  • Vgl. zur Frühgeschichte und zur Benutzerforschung in deutschen Bibliotheken z. B. den frühen Überblick von Neubauer: Neubauer, Karl Wilhelm: Benutzerforschung als Hilfsmittel für Bibliotheksverwaltung und -planung. In: Zur Theorie und Praxis des modernen Bibliothekswesens. Hrsg. Von Wolfgang Kehr u. a., Bd. 1, München 1976, S. 290–344, und Stoltzenburg, Joachim: Ziele und Methoden der Projekte zur Benutzerforschung in wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken. In: Bibliothekarische Kooperation. Vorträge, geh. auf dem Bibliothekskongreß 1973, 12.–16.6. in Hamburg. Frankfurt/Main 1974, S. 111–117. 

  • Kustos, Annette: Das charmante Feld der Kundenanalyse. www.opus-bayern.de%2Fbib-info%2Fvolltexte%2F2010 %2F922 %2Fpdf%2FKundenanalyse_Kustos_BiblKongr2010_Leizig_2.pdf [Zugriff: 23.11.2014]. 

  • Borchardt, Peter u. a.: Eine Marketingkonzeption für Öffentliche Bibliotheken. Berlin 1987 (dbi-materialien 71) und Die effektive Bibliothek : Endbericht des Projekts „Anwendung und Erprobung einer Marketingkonzeption für öffentliche Bibliotheken“. Bd. 1–2. Berlin 1992 (dbi-materialien 119). 

  • Benutzerorientierung, Marketing, Bestandsaufbau. Reutlingen 1993 (ekz-konzepte. Bd. 1). 

  • Borchardt, Peter: Marketing für öffentliche Bibliotheken. Lohnt sich der Aufwand? In: Wie Anm. 4, S. 26. 

About the article

Peter Borchardt

Peter Borchardt


Published Online: 2015-03-18

Published in Print: 2015-03-31


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 49, Issue 3-4, Pages 283–286, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2015-0036.

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