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Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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ISSN
2194-9646
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Volume 49, Issue 3-4

Issues

Öffentliche Bibliotheken als Agenten der Beruflichen Aus- und Weiterbildung

Elisa Hermann
Published Online: 2015-03-18 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2015-0039

Zusammenfassung:

Dieser Artikel befasst sich mit den für berufliche Aus- und Weiterbildung spezifischen Zielgruppen. Näher betrachtet werden die Zufriedenheit mit den Bibliotheksangeboten sowie mögliche Dienstleistungen zur Steigerung der Attraktivität und damit der Rolle der Öffentlichen Bibliotheken Berlins als Bildungsagenten nach dem Besuch der allgemeinbildenden Schule.

Abstract:

This article deals with the specific target groups for vocational training. The focus is on the satisfaction with the libraries’ offers and on possible services to increase their attractiveness and thereby strengthen the role of Berlin’s public libraries as educational agents for those who left school.

Schlüsselwörter: : Aus- und Weiterbildung; Coworking Spaces; Arbeitsort

Keywords: : vocational training; co-working spaces; place of work

1 Einleitung

Berufliche Aus- und Weiterbildung zählen für viele Bibliothekare zum Selbstverständnis ihrer Arbeit dazu. „Lebenslanges Lernen“ und Anlaufpunkt bei drastischen Wendepunkten im Leben, wie bspw. im Falle einer Arbeitslosigkeit, sind die Prämissen für solche Angebote. Doch bieten wir den Zielgruppen den Service, den sie benötigen? Öffentliche Bibliotheken sind Anlaufpunkte v. a. von Arbeitslosen, Personen mit mittlerem und höherem Bildungsabschluss, Berufstätigen, die nicht in eine Wissenschaftliche Bibliothek gehen. Daneben stellen sie eine wichtige Alternative für Studenten dar, wenn vor den Prüfungen Quellen in den Wissenschaftlichen Bibliotheken vergriffen sind. Wie könnten Zielgruppen erreicht werden, die unterdurchschnittlich oft eine Bibliothek aufsuchen, insbesondere für die berufliche Ausbildung? Dies betrifft bspw. Auszubildende und/oder Personen mit niedrigerem Schulabschluss. Die Studie „Nutzungsmonitoring in Bibliotheken“ (NuMoB-Studie), ein Projekt der Öffentlichen Bibliotheken Berlins, liefert hinreichend Daten um zu analysieren, welche Zielgruppen erreicht werden und welche nicht. Im Folgenden werden diese Zielgruppen dargestellt und anschließend ihr Nutzungsverhalten in Bibliotheken stärker beleuchtet.

2 Die betrachteten Nutzergruppen

Für die Analyse der Rolle von Öffentlichen Bibliotheken für Beruflichen Aus- und Weiterbildung wurden folgende Gruppen betrachtet:

  • Auszubildende,

  • Studierende,

  • Freiberufler,

  • Berufstätige,

  • Arbeitssuchende.

Im Folgenden werden diese Gruppen hinsichtlich ihrer demographischen Daten skizziert. Die Verteilung der Gruppen in der Gesamtnutzerschaft wird in Abbildung 1 dargestellt.

 Verteilung der Nutzerschaft nach derzeitiger Tätigkeit.1Die beiden Abbildungen sind der NuMob-Studie entnommen.
Abb. 1:

Verteilung der Nutzerschaft nach derzeitiger Tätigkeit.1

2.1 Auszubildende

Bei der Monitoringbefragung in 68 Öffentlichen Bibliotheken in Berlin wurden 275 Auszubildende befragt, was 2 % der Gesamtnutzerschaft darstellt. Die meisten von ihnen (76 %) sind zwischen 18 und 29 Jahre alt, 14 % zwischen 30 und 49 und 8 % sind jünger als 18 Jahre alt. 31 % haben einen Migrationshintergrund. Die Hälfte hat Abitur, gefolgt vom Mittleren Schulabschluss (29 %), 7 % haben einen Hauptschulabschluss. Für 13 % ist es die zweite berufliche Ausbildung, denn sie haben entweder bereits eine abgeschlossene Ausbildung oder ein abgeschlossenes Studium. 62 % der Auszubildenden sind weiblich, 38 % männlich.

Mit lediglich 2 % sind die Auszubildenden in der Nutzerschaft der Öffentlichen Bibliotheken unterrepräsentiert. Hier fehlen anscheinend ansprechende Angebote.

2.2 Studierende

Die zweitgrößte Gruppe der Gesamtnutzerschaft der Öffentlichen Bibliotheken Berlins sind mit 11 % (1.585 Befragte) die Studierenden. Wie bereits bei den Auszubildenden ist die Mehrheit (79 %) zwischen 18 und 29 Jahre alt und weitere 20 % zwischen 30 und 49. Wenig überraschend ist, dass 61 % Abitur als bislang höchsten Bildungsabschluss angeben. 4 % haben eine Ausbildung ohne Abitur gemacht, 33 % haben bereits ein abgeschlossenes Studium. Mehr als bei den Auszubildenden, nämlich 40 % der Befragten haben einen Migrationshintergrund. Dies lässt sich durch eine Vielzahl von internationalen Studierenden an den Berliner Hochschulen erklären, die dort zeitweise, bspw. im Rahmen von Förderprogrammen wie ERASMUS, oder gänzlich ihr Studium absolvieren. Die Verteilung der Geschlechter ist ähnlich wie bei der Gesamtnutzerschaft, so sind auch hier 60 % Frauen. Der Anteil der Studierenden unter den Nutzern der Öffentlichen Bibliotheken Berlins ist überraschend hoch, sind doch eigentlich die Hochschulbibliotheken im Land Berlin für die Versorgung mit relevanter Literatur und Informationen zuständig.

2.3 Berufstätige

Die meisten Nutzerinnen und Nutzer der Öffentlichen Bibliotheken Berlins sind berufstätig (38 %) und zwischen 30 und 49 Jahre alt (64 %) bzw. zwischen 50 und 65 Jahre (26 %). 54 % der Befragten haben ein abgeschlossenes Studium, 19 % eine Ausbildung. Für 17 % ist das Abitur der höchste Bildungsabschluss an den allgemeinbildenden Schulen. Weit dahinter liegen die Anteile derjenigen mit mittlerem Schulabschluss (MSA) mit 8,3 % und 1,3 % mit Hauptschulabschluss. Lediglich 14 % haben einen Migrationshintergrund. Auch in dieser Gruppe bilden Nutzerinnen mit 67 % die Mehrheit. Die Berufstätigen sind für die berufliche Aus- und Weiterbildung offenbar am interessantesten.

2.4 Selbstständige und Freiberufler/innen

Die Gruppe der Selbstständigen bzw. Freiberufler ordnet sich demographisch zwischen den Berufstätigen und den Studierenden ein. Befragt wurden 1.566 Personen, was 11 % der Gesamtnutzerschaft entspricht. 65 % sind zwischen 30 und 49 Jahre alt, weitere 27 % zwischen 50 und 64. Auch in dieser Gruppe hat die Mehrheit von 72 % ein abgeschlossenes Studium, nur 6 % haben eine abgeschlossene Ausbildung. Wenig verwunderlich sind da auch die Angaben zum Bildungsabschluss: 16 % haben die allgemeinbildende Schule mit dem Abitur abgeschlossen, 4 % mit dem MSA und lediglich 1,4 % haben einen Hauptschulabschluss. Mit 19 % ist der Migrationsanteil ähnlich unterdurchschnittlich wie bei den Berufstätigen. Sehr überraschend ist der nahezu gleiche Anteil an Männern (46 %) und Frauen (54 %). In einer Stadt wie Berlin mit einer lebendigen und aufstrebenden Gründungsszene bietet diese Zielgruppe ständig neue potentielle Nutzer.

2.5 Arbeitssuchende

Von den ca. 14.000 befragten Personen der NuMoB-Studie waren 5 % (N=715) arbeitssuchend. Die meisten arbeitssuchenden Nutzerinnen und Nutzer der Öffentlichen Bibliotheken in Berlin sind zwischen 30 und 49 Jahre alt (55 %), gefolgt von den 50–64-Jährigen mit 26 %. In der Gruppe der Arbeitssuchenden ist die Verteilung nach Bildungsabschlüssen gleichmäßiger als in den anderen Zielgruppen: 37 % haben ein abgeschlossenes Studium, weitere 20 % eine abgeschlossene Ausbildung. Mit jeweils 18 % sind Personen mit MSA und Abitur zu gleichen Anteilen vertreten. 5 % der Arbeitssuchenden unter den Nutzern der Öffentlichen Bibliotheken haben einen Hauptschulabschluss. 24 % der Arbeitssuchenden haben einen Migrationshintergrund. Mit 50 % männlichen Nutzern ist dies die einzige Nutzergruppe, in denen die Geschlechter zu gleichen Anteilen vertreten sind. Für Arbeitssuchende sollten Bibliotheken ein wichtiger Anlaufpunkt sein, um schnell wieder ins Berufsleben einsteigen zu können, indem sie sich durch aktuelle Literatur auf dem Laufenden halten können.

3 Zielgruppenorientierte Angebote

Für die berufliche Aus- und Weiterbildung werden Bibliotheken vor allem von Selbstständigen/Freiberuflern (47 %), von Auszubildenden (43 %) sowie von den Arbeitssuchenden (33 %) genutzt, gefolgt von den Berufstätigen mit 27 % (vgl. Abb. 2). Im folgenden Abschnitt wird untersucht, wofür die Zielgruppen die Öffentliche Bibliothek nutzen.

 Berufliche Aus- und Weiterbildung als Grund für die Bibliotheksnutzung.
Abb. 2:

Berufliche Aus- und Weiterbildung als Grund für die Bibliotheksnutzung.

3.1 Auszubildende

43 % der Auszubildenden nutzen die Öffentlichen Bibliotheken für die berufliche Aus- und Weiterbildung, hauptsächlich jedoch für Freizeit (56 %). Allen voran dient die Öffentliche Bibliothek als Zugang zu Informationen, so ist es nicht verwunderlich, dass die Mehrheit der Auszubildenden vor allem Medien ausleihen (83 %). Die Bibliothek als Arbeits- und Lernort nutzen 35 %, insbesondere wenn es ums Recherchieren (26 %) oder die Nutzung des Internets (21 %) geht, aber auch um sich zu treffen (11 %). Eine Beratung holen nur 12 % ein. Das ist etwas verwunderlich, erachten doch 55 % der befragten Auszubildenden die persönliche Beratung als wichtig, ebenso wie längere Öffnungszeiten (59 %) und vor allem die Bibliothek als Arbeitsort (72 %).

3.2 Studierende

Die Studierenden, die die Öffentlichen Bibliotheken Berlins aufsuchen, tun dies vor allem ihres Studiums wegen (73 %) und weniger für die Freizeitgestaltung (42 %). Das Arbeiten und Lernen vor Ort (54 %) ist dabei neben der Medienausleihe (75 %) die Haupttätigkeit bei den Bibliotheksbesuchen. Demzufolge ist es auch nicht verwunderlich, dass 61 % die Bibliothek als Arbeits- und Lernort als sehr wichtig erachten, gefolgt von längeren Öffnungszeiten (48 %).

Schülerinnen und Schüler sowie Studierende und Auszubildende bilden mit ihren demographischen Daten und ihren Anforderungen an die Bibliotheken ähnliche Zielgruppen. Lediglich die Medienauswahl und -aktualität ist verschieden. Auffällig ist, dass wenige Auszubildende kommen, insbesondere solche, die einen Hauptschul- oder Mittleren Schulabschluss haben, kommen nach der Schulzeit nicht mehr in Bibliotheken, zumindest nicht für die berufliche Ausbildung. Verglichen mit der Bevölkerungsbefragung zeigt sich, dass 37 % der Nutzer in Öffentlichen Bibliotheken eine abgeschlossene Ausbildung haben, bei den Nichtnutzern sind es hingegen 67 %. Offensichtlich nutzen Auszubildende die Bibliothek nicht als Informationsquelle.

Ein Blick in den Bestand könnte einen Grund dafür aufzeigen. Die Lehrmittelsammlung ist, zumindest in der Zentral- und Landesbibliothek, stark an den Studiengängen der Hochschulen orientiert. Sicherlich findet man dort als angehender Koch oder Köchin Literatur bei den Lebensmitteltechnikern. Das Standardwerk „Der junge Koch, die junge Köchin“ ist jedoch nur in drei Bibliotheken berlinweit in der 26. Auflage von 1995 vorhanden. Aktuell ist die 35. Auflage von 2013, u. a. auch mit aktualisierten Gesetzestexten. Dies mag ein extremes Beispiel sein, zeigt aber mögliche Gründe, warum so wenige Auszubildende mit niedrigem und mittlerem Schulabschluss nach der Schule die Öffentlichen Bibliotheken nutzen. Studierende finden häufiger Literatur, die in den Wissenschaftlichen Bibliotheken aus verschiedenen Gründen in dem Moment nicht verfügbar ist.

Auch haben sich die Lernbedingungen stark verändert. Immer mehr Lehrkräfte an Hochschulen setzen auf Gemeinschaftsarbeiten im Rahmen von Projekten und Abschlussarbeiten. Gruppenarbeitsräume sind daher stark begehrt bei den Studierenden.

Die bisherige Bestandsentwicklung spricht vor allem Studierende, weniger Auszubildende an. Um dem entgegenzuwirken müsste das Bestandsprofil, bspw. in Abstimmung mit Berufsschulen, geschärft werden. Die meisten Befragten beider Gruppen finden zudem die Bibliothek als Arbeits- und Lernort von Bedeutung. Die meisten Bibliotheken in Berlin bieten zwischen 50 und 150 Arbeitsplätze in ihren Einrichtungen an, einige davon auch als Gruppenarbeitsplätze. Zu untersuchen wäre, ob spezielle Technik zur Vorbereitung bspw. von Projektarbeiten benötigt werden. Denkbar wären hier zumindest Präsentationstechnik wie Beamer, Flipchart o. Ä.

3.3 Berufstätige

70 % der berufstätigen Nutzerinnen und Nutzer kommen wegen der Freizeitgestaltung in die Öffentlichen Bibliotheken, gefolgt von Unterhaltung und Entspannung (44 %). Ein Drittel (34 %) nutzen die Bibliotheken wegen ihrer Kinder und 27 % nutzen die Angebote für berufliche Aus- und Weiterbildung. Als Arbeitsort nutzen sie die Bibliotheken kaum (8 %), vielmehr dienen sie dieser Gruppe als Freizeitort, beispielsweise um Veranstaltungen zu besuchen (10 %). Das deckt sich mit dem Grund, dass viele wegen der Kinder kommen, da die meisten Veranstaltungen sich an jüngere Nutzergruppen richten. 26 % lesen vor Ort, 17 % lassen sich vom Bibliothekspersonal beraten, die Mehrheit (95 %) nutzt die Bibliothek jedoch kurz um Medien auszuleihen, ohne lange zu verweilen. So zeigt sich auch, dass weniger als die Hälfte jeweils angenehmere Räumlichkeiten, die Bibliothek als Arbeitsort oder auch als Freizeit- und Erholungsort als wichtig erachten. Die berufliche Aus- und Weiterbildung für Berufstätige erfolgt meist über den Arbeitgeber über Weiterbildungskurse u. Ä. Hier scheint die Rolle der Bibliotheken als Ort der Entspannung vom Berufsleben, vor allem auch um Zeit mit der Familie zu verbringen, im Vordergrund zu stehen.

3.4 Selbstständige bzw. Freiberufler/innen

Auch die Selbstständigen und Freiberufler nutzen die Bibliothek vorrangig für die Freizeitgestaltung (62 %), gefolgt von der beruflichen Aus- und Weiterbildung (47 %). Das Arbeiten vor Ort spielt jedoch nur für 17 % von ihnen eine Rolle, die meisten leihen Medien aus (91 %), recherchieren im Katalog (20 %) oder nutzen das Internet (18 %). Nur 48 % sind der Meinung, dass man sich in den Öffentlichen Bibliotheken gut konzentrieren kann, was vermutlich der Grund ist, weshalb sie sich vor Ort Informationen holen, diese aber an einem anderen Ort weiterverarbeiten. Die meisten scheinen sich damit arrangiert zu haben, denn nur 49 % finden die Bibliothek als Lern- und Arbeitsort wichtig. Dabei können gerade Bibliotheken durch Softwarekurse und spezielle Literatur teure Weiterbildungskurse bis zu einem bestimmten Rahmen ersetzen, denn diese Gruppe kann eben nicht auf die finanzielle Unterstützung des Arbeitgebers hoffen, so wie es für Berufstätige möglich ist.

3.5 Arbeitssuchende

33 % der Arbeitssuchenden, die eine Bibliothek aufsuchen, nutzen dies zur beruflichen Aus- und Weiterbildung, die meisten (zusätzlich) für Freizeitgestaltung (68 %) und zum Entspannen (43 %).

Verglichen mit den derzeitigen Angaben zur Arbeitslosigkeit von 11,1 % in Berlin2 ist die Gruppe in den Öffentlichen Bibliotheken unterrepräsentiert. Bei den Nicht-(Mehr)-Nutzern stellt sie 18 % dar. Hauptgründe dafür sind, dass die Bücher, CDs etc. gekauft werden, dass sie keine Zeit haben, in die Bibliothek zu kommen, und dass sie Bücher und Ähnliches mit Freunden und Bekannten tauschen.

Gerade Berlin ist neben London die beliebteste Stadt für Start-Ups in Europa3 und zu Beginn der Unternehmensgründung können sich viele Freiberufler und/oder Existenzgründer noch kein eigenes Büro leisten, weshalb Bibliotheken ein geeigneter Raum für konzentriertes Arbeiten und Büro-Ersatz sein könnten. In den letzten Jahren sind sogenannte „Coworking Spaces“, also gemeinschaftlich geteilte Arbeitsräume, insbesondere in der kreativen Szene beliebt geworden, bieten sie doch die Infrastruktur, um ein professionelles Arbeiten zu ermöglichen ohne die kostenintensive Anschaffung eigener Büroausstattungen. Die Mitchell Library in Glasgow bedient mit „Business@TheMitchell“4 diese Sparte in Zusammenarbeit mit der Tagesszeitung „The Herold“ seit einigen Jahren und offeriert daher nicht nur deren Journalisten voll ausgestattete Arbeitsplätze, sondern bietet diese auch anderen Zielgruppen an. Hauptangebotsnehmer sind Arbeitssuchende, die in der Bibliothek Zugang zu Datenbanken wie bspw. Statista oder LexisNexis finden, in denen die für Bewerbungen wichtigen Hintergrundinformationen angeboten werden, etwa Größe des Unternehmens, Unternehmensform und Umsatz. Aber auch Freiberufler nutzen die Räumlichkeiten der Bibliotheken, um ohne ein eigenes Büro und fernab der Ablenkungen in der Wohnung sich ihrer Arbeit widmen zu können.

Gezielte Programme für Arbeitssuchende fehlen bislang in den Öffentlichen Bibliotheken Berlins. Dass dies gewünscht ist, zeigt ein Beitrag bei der Bürgerbeteiligung in Friedrichshain-Kreuzberg, wo ausdrücklich nach Zeitungen gefragt wird, die sich speziell an Arbeitssuchende wenden.5 Anderorts werden Öffentliche Bibliotheken explizit als Agenten zur Selbsthilfe aus der Arbeitslosigkeit dargestellt. Hier werden spezielle Kurse angeboten, teilweise mit externen Dozenten vom Job-Center bzw. einem Äquivalent. Dies ist in Berlin bislang nicht der Fall, sollte jedoch für eine stärkere Ansprache dieser Zielgruppe näher in Betracht gezogen werden.

4 Fazit

Die Öffentlichen Bibliotheken werden von den für die berufliche Aus- und Weiterbildung wichtigen Zielgruppen vornehmlich für die Freizeitgestaltung genutzt. Von einem Arbeitsortersatz kann nur marginal gesprochen werden, auch wenn das in vereinzelten Beobachtungen anders erscheint. Die Reaktionen darauf können unterschiedlich sein, eröffnen den Bibliotheken jedoch ein neues Handlungsfeld. Angebote für Gruppenarbeit bedienen zum einen die wichtige Bedeutung der Bibliothek als Arbeitsort und stärken gleichsam die Benutzung der Räumlichkeiten als Treffpunkt. Ebenso kann ein prüfender Blick auf den Bestand und die Bestandsentwicklung, bspw. in Kooperation mit der IHK, Handwerksverbänden oder Berufsschulen, neue Nutzerinnen und Nutzer ansprechen.

Elisa Hermann:

Footnotes

  • Die beiden Abbildungen sind der NuMob-Studie entnommen. 

  • Statista: Arbeitslosenquote in Deutschland nach Bundesländern (Dezember 2014). http://de.statista.com/statistik/daten/studie/36651/umfrage/arbeitslosenquote-in-deutschland-nach-bundeslaendern/[Zugriff: 07.01.2015]. 

  • Manager-Magazin: Berlin macht London Konkurrenz. http://www.manager-magazin.de/unternehmen/it/start-up-metropolen-ranking-berlin-macht-london-konkurrenz-a-1011702.html [Zugriff: 07.01.2015]. 

  • The Mitchell Library: Business@ TheMitchellhttp://www.glasgowlife.org.uk/libraries/the-mitchell-library/business-mitchell/Pages/home.aspx [Zugriff: 29.12.2014]. 

  • Bürgerbeteiligung: Zeitschrift für Arbeitslose in Bezirksbibliothek bereithalten. http://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/buergerbeteiligung/bezirksregion-vii/zeitschrift-fuer-arbeitslose-bezirksbibliothek-bereithalten [Zugriff: 29.12.2014]. 

About the article

Elisa Hermann

Elisa Herrmann, M.A. LIS


Published Online: 2015-03-18

Published in Print: 2015-03-31


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 49, Issue 3-4, Pages 313–322, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2015-0039.

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