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Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Gerlach, Annette / Koelges, Barbara

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2194-9646
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Volume 49, Issue 9

Issues

LASeR: Lizenz-Administrationssystem für e-Ressourcen

Ein DFG-gefördertes Projekt zur Verwaltung elektronischer Lizenzen

LASeR: Licence Administration System for eResources

A project dealing with electronic licence management, promoted by the DFG (German Research Foundation)

Daniel A. Rupp
  • Corresponding author
  • Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen (hbz), Jülicher Straße 6, 50674 Köln
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/ Michaela Selbach
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  • Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen (hbz), Jülicher Straße 6, 50674 Köln
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Published Online: 2015-08-07 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2015-0108

Zusammenfassung:

Vor dem Hintergrund eines zunehmenden Anteils von E-Medien fehlt Bibliotheken ein Instrument, um bilaterale, konsortiale und Allianzlizenzen zu verwalten. Der Aufsatz beschreibt das von der DFG teilgeförderte Projekt „Electronic Resource Management System“, welches zum Ziel hat, das bundesweit einsetzbare, mandantenfähige ERM-System LASeR zu entwickeln. In den bisher geförderten Arbeitspaketen wurde auf der Basis von Experteninterviews, Nutzerumfrage, Anbietergesprächen und der Evaluation bestehender Systeme ein Konzept erstellt, auf dessen Basis LASeR im Fall der Weiterförderung realisiert wird.

Abstract:

Considering the growing proportion of electronic media, libraries are lacking an instrument for the management of bilateral, consortium and alliance licences. The report describes the project “Electronic Resource Management System” partly promoted by the DFG (German Research Foundation) which aims to develop the ERM system LASeR, designed to be multi-client capable and applicable nation-wide. The project parts promoted up to now led to a concept based on expert and supplier interviews, user surveys and the evaluation of existing systems that is to found the realisation of LASeR in case the promotion is continued.

Schlüsselwörter: : Electronic Resource Management System; ERMS; Elektronische Medien; Lizenzverwaltung

Keywords: : Electronic Resource Management System; ERMS; electronic media; licence management

1 Ein struktureller Wandel

Der rasch voranschreitende technische Wandel hinterlässt tiefe Spuren in Wissenschaft und Forschung und damit auch in der deutschen Bibliothekslandschaft. Der Zugriff auf digitale Inhalte, insbesondere auf E-Books, E-Journals und Datenbanken, tritt im wissenschaftlichen Betrieb mehr und mehr in den Vordergrund; Online-Angebote ersetzen zunehmend analoge Publikationsformen.

Die Notwendigkeit, diesem Strukturwandel durch neue Verwaltungsinstrumente zu begegnen, erkannte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und veröffentlichte im Januar 2012 im Rahmen der „Neuausrichtung überregionaler Informationsservices“1 eine Ausschreibung zum Thema „Electronic Resource Management – das Management digitaler Publikationen“. Da die hbz-Konsortialstelle mit ihrer Erwerbungsdatenbank bereits über langjährige Erfahrung im Bereich des Electronic Resource Management verfügt, wurde in Kooperation mit mehreren Projektpartnern im Oktober 2012 ein Vollantrag zum Aufbau eines überregionalen Electronic Resource Management Systems (ERMS) eingereicht. Als Projektpartner konnten die Universitätsbibliothek Frankfurt, die im Auftrag des Landes Hessen das zentrale Hessische BibliotheksInformationsSystem (HeBIS) betreut, die Verbundzentrale (VZG) des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes (GBV) und die Universitätsbibliothek Freiburg gewonnen werden. Assoziierte Partner sind darüber hinaus die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) der UB Regensburg, die Zeitschriftendatenbank (ZDB) der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz sowie die GASCO (German, Austrian and Swiss Consortia Organisation).

Am 15. März 2013 befürwortete der DFG-Hauptausschuss bereits einen Teilbereich des Antrags. Das Projekt als Ganzes ist auf die Entwicklung eines bundesweit einsetzbaren, mandantenfähigen Systems ausgerichtet, welches das Management elektronischer Lizenzen unterstützt. Dabei stehen bilaterale Lizenzen ebenso im Fokus wie Konsortial-, Allianz- und Nationallizenzen. Ziel ist es, Bibliotheken ein Instrument in die Hand zu geben, das sie bei der komplexen Verwaltung elektronischer Lizenzen deutlich entlastet und Mehrarbeit vermeidet. LASeR2 – so der Name des geplanten Systems – soll diesem Ziel gerecht werden.

2 Bedarfsanalyse und Konzeption

Das von der DFG geförderte Teilprojekt konzentrierte sich auf eine umfangreiche Bedarfsanalyse sowie, darauf aufbauend, die Erstellung eines detaillierten Konzeptes für LASeR. Die Bedarfsanalyse wurde in mehreren Schritten durchgeführt, um so eine gute Basis zu bilden. Im Rahmen von Experteninterviews wurden Aspekte für ein ERMS abgestimmt und erörtert und dann durch eine allgemeine und bundesweite Nutzerumfrage abgerundet, um so ein dezidiertes Anforderungsprofil an ein ERMS zu erhalten.

 Arbeitspakete und Aufgaben des geförderten Teilprojekts.
Abb. 1:

Arbeitspakete und Aufgaben des geförderten Teilprojekts.

Experteninterviews

Zunächst wurden 20 Experten aus ein- und zweischichtigen Universitätsbibliotheken, Fachhochschulbibliotheken, zentralen Fachbibliotheken, Konsortialstellen und verhandlungsführenden Institutionen für Allianzlizenzen in Form von offenen Interviews befragt. Diese Interviews ermöglichten eine qualitative Aussage hinsichtlich der Anforderungen, Bedürfnisse und Vorstellungen aus Sicht der Bibliotheken und Verhandlungsführer an ein ERMS, indem größere Zusammenhänge hergestellt, Hintergrundinformationen abgefragt, einzelne Aspekte vertieft und unerwartete Gesichtspunkte eingebracht wurden.

Dabei konzentrierten sich die Interviews auf den Status quo der Lizenzverwaltung in den jeweiligen Institutionen und darauf aufbauend auf die wichtigsten Erwartungen und Anforderungen an ein ERMS.

Es zeigte sich, dass aktuell die Verwaltung auf unterschiedlichste Weise bewältigt wird: Teilweise werden umfangreiche E-Mail- und Papierablagen sowie Excel-Tabellen gepflegt, einzelne Bibliotheken setzen angepasste Funktionen ihres Lokalsystems ein. Verhandlungsführer nutzen Content-Management-Systeme und Websites, Excel-Tabellen sowie eigene Datenbankentwicklungen. Diese Lösungen werden als unzureichend empfunden, da Daten meist an unterschiedlichen Stellen und damit mehrfach gepflegt werden und die Erstellung von Auswertungen und Statistiken meist sehr mühsam ist. Häufig genannte Kritikpunkte der verschiedenen kommerziellen Systeme sind z. B. fehlende Mandantenfähigkeit, schlechte Usability, mangelnde Flexibilität bei der Dateneingabe und bei Auswertungen, fehlende Schnittstellen, keine Abbildung der Historie sowie die fehlende Kooperationsbereitschaft der Anbieter. Der Einsatz von Open-Source-Anwendungen scheitert wiederum oft an den vor Ort fehlenden IT-Kräften. Ein zentral entwickeltes ERMS, das zu einer spürbaren Arbeitserleichterung bzw. zu einer deutlichen Verbesserung der Auswertungsmöglichkeiten führt, würde daher von den meisten Experten auch durch finanzielle Mittel oder durch kooperative Datenpflege unterstützt werden.

Die Anforderungen an ein ERMS stellten sich dem breiten Spektrum an Interviewpartnern entsprechend ausgesprochen differenziert dar. So wurde die Notwendigkeit von Workflows ebenso unterschiedlich bewertet wie die Frage nach dem Umfang des Systems. Wünschten sich einige Interviewpartner ein schlankes, auf die Grundfunktionen reduziertes System, so sahen andere gerade umfangreiche Funktionalitäten als gewinnbringend an. Ebenso uneinheitlich waren die Aussagen zum Umfang der zugrundeliegenden Knowledge Base.

Aufgrund dieser heterogenen Anforderungswünsche wurde klar, dass nur ein stark modularisiertes System die Bedürfnisse möglichst vieler Nutzer befriedigen kann. Die Bewertung der Anforderungen erfolgte durch Priorisierung anhand der Rahmenbedingungen der Projektausschreibung, des Gutachtens des Erstantrags, des erwarteten Aufwands und der Allgemeingültigkeit einzelner Anforderungen. So mussten einige gewünschte Features niedrig priorisiert oder ganz gestrichen werden. Beispielsweise sprengt der Wunsch nach einer allumfassenden Knowledge Base die Grenzen des Projekts, die durch die Ausschreibung und das Gutachten des Erstantrags vorgegeben sind. Ein Datenaustausch mit etablierten Knowledge Bases und Datenbeständen wie der EZB soll jedoch die Möglichkeit eröffnen, notwendige Daten in das System zu laden.

Nutzerumfrage

Zentral für die Konzeption von LASeR erwies sich die Nutzerumfrage, die im Juni und Juli 2014 durchgeführt wurde. Bundesweit nutzten 188 Bibliotheken die Möglichkeit, ihre Anforderungen darzulegen und sich so in die Entwicklung von LASeR aktiv einzubringen. Wie bei den Experteninterviews gliederte sich die Nutzerumfrage grob in zwei Themenbereiche:

  • Ermittlung des Ist-Zustands: LASeR muss sich in die bestehenden Erwerbungsabläufe einer Bibliothek einfügen. Daher ist es wichtig, den derzeitigen Ist-Stand in den Bibliotheken zu erfassen, um fundiert einschätzen zu können, in welchem Umfang eine Unterstützung durch das ERMS hilfreich ist.

  • Präferenzen und Vorstellungen für den Einsatz eines ERMS: Für die Entwicklung von LASeR ist es wichtig zu erfahren, welche Schwerpunkte die künftigen Nutzer in den Vordergrund stellen und welche Bedürfnisse sie als wichtig erachten.

Daneben erfüllte die Nutzerumfrage noch die äußerst wichtige Funktion, diejenigen Bibliotheken, die noch über wenig Erfahrung in der Verwaltung von E-Medien verfügen, über die Möglichkeiten eines ERMS zu informieren.

 Verteilung der an der Umfrage teilnehmenden Einrichtungen.
Abb. 2:

Verteilung der an der Umfrage teilnehmenden Einrichtungen.

Ein bedeutendes Ergebnis war der hohe Anteil an Konsortial- und Allianzlizenzen am Lizenzportfolio der einzelnen Einrichtung, wie sie Abb. 3 zeigt.

 „Welcher Anteil des Erwerbungsbudgets für elektronische Medien wird durch Konsortial- und Allianzlizenzen gebunden (sofern bekannt)?“
Abb. 3:

„Welcher Anteil des Erwerbungsbudgets für elektronische Medien wird durch Konsortial- und Allianzlizenzen gebunden (sofern bekannt)?“

Dieser Umstand bedeutet für die Nutzer klassischer ERM-Systeme, die ihr gesamtes Lizenzportfolio selbstständig pflegen müssen, einen unnötigen Aufwand. LASeR sieht hingegen vor, dass eine Bibliothek nur ihre bilateralen Lizenzen selbst pflegen muss – Allianz- und Konsortiallizenzen werden von der verhandlungsführenden Institution eingespielt, so dass die Einrichtung ohne eigenen Aufwand darauf zugreifen kann (siehe Abb. 4). Dies wird dadurch erreicht, dass der E-Medien-Datenbestand (eDB) in LASeR in drei Ebenen unterteilt ist. Auf der globalen Ebene befinden sich frei zugängliche Titel- und Paketdaten. Diese werden auf der konsortialen Ebene angereichert mit den eigentlichen Informationen von Konsortial- und Allianzlizenzen und den zugehörigen Bestandsdaten. Hierzu gehören beispielsweise Vertragsinformationen wie Berechtigungen und Beschränkungen der Lizenz, Zugangs-, Kündigungs- und Anbieterinformationen sowie Daten darüber, welche Institution sich an welcher Lizenz beteiligt, aber auch Binärdaten wie eingescannte Verträge im Volltext etc. Diese Daten werden von der verhandlungsführenden Institution eingespielt. Auf der lokalen Ebene befinden sich dann die Daten für die bilateralen Lizenzen der Einrichtung. Auf diese Informationen hat nur die Bibliothek selbst Zugriff, die jeweiligen Zugriffsberechtigungen werden durch das integrierte Rechtemanagement von LASeR differenziert erteilt.

 Konzept des Datenbestandes sowie der Flüsse von Datenein- und -ausgabe.
Abb. 4:

Konzept des Datenbestandes sowie der Flüsse von Datenein- und -ausgabe.

Im zentralen Teil der Nutzerumfrage sollten die Teilnehmer durch die Beantwortung von Gewichtungsfragen ihre Wünsche hinsichtlich der in LASeR enthaltenen Informationen und Funktionen sowie die gewünschten Schnittstellen zu Drittsystemen priorisieren. Hier ergaben sich durchweg wenig differenzierte Stimmungsbilder, die gewünschten Informationen z. B. verteilten sich fast gleich (siehe Abb. 5).

  „Wie wichtig sind Ihnen folgende Informationen?“ (Antworten von allen 188 Einrichtungen).
Abb. 5:

„Wie wichtig sind Ihnen folgende Informationen?“ (Antworten von allen 188 Einrichtungen).

Unter anderem wurden Informationen zu Nutzungsstatistiken elektronischer Ressourcen gewünscht, deren Einbindung über die Nutzung des Nationalen Statistikservers als eigenständiges Modul bereits geplant ist. Bibliotheken, die LASeR nutzen, sollen nach aktuellem Konzept verschiedene Möglichkeiten zum Abruf der Statistikdaten eröffnet werden: So können sie die im ERMS vorgehaltenen Statistiken (z. B. aktuelle Volltextabrufe) nutzen oder zu einem Titel oder Paket per Mausklick eine Ad-hoc-Anfrage an den Statistikserver stellen, woraufhin sie die entsprechenden Daten angezeigt bekommen, oder sie folgen einem Link zum Statistikserver und können dort weitergehende Auswertungen vornehmen.

Auch der Wunsch nach Schnittstellen zu Drittsystemen stellt ein ausgesprochenes Desiderat dar, wobei jedoch unterschiedliche Systeme priorisiert werden (siehe Abb. 6).

 „An welche vorhandenen lokalen Systeme soll ein ERMS angebunden werden?“ (Antworten von allen 188 Bibliotheken).
Abb. 6:

„An welche vorhandenen lokalen Systeme soll ein ERMS angebunden werden?“ (Antworten von allen 188 Bibliotheken).

Diesen heterogenen Anforderungen kann nur durch die Implementierung standardisierter und offener Schnittstellen begegnet werden, was somit eine Grundanforderung des Systems darstellt. Zudem soll eine RESTful Web-API einen Zugriff auf bestimmte Daten des Systems über URL erlauben, soweit die entsprechende Berechtigung vorliegt. Proprietäre Schnittstellen können nur im Einzelfall außerhalb des Projekts in Kooperation mit einzelnen Einrichtungen und Anbietern realisiert werden.

Anforderungsprofil

Anhand der geleisteten Vorarbeiten der Experteninterviews und der Nutzerumfrage wurde ein allgemeines Anforderungsprofil erstellt, welches neben den bereits im Vorfeld definierten Anforderungen zusätzliche Aspekte beinhaltet, die – angepasst an den deutschen Markt – auch die mittlerweile etablierten Geschäftsgänge für die Verwaltung von E-Ressourcen in der Tiefe berücksichtigt. Als allgemeines Pflichtenheft umfasst es neben den Anforderungen von Bibliotheken gleichsam auch die von Verhandlungsführern für Konsortial-, National- oder Allianzlizenzen. Die Anforderungen der Konsortialstellen betreffen dabei nicht nur die Arbeitsumgebung eines Verhandlungsführers für die Verwaltung seiner Konsortien, sondern z. T. auch den Arbeitsbereich der Bibliotheken, da es hier naturgemäß zu Überschneidungen kommt. So werden einerseits von der Konsortialseite bzw. vom Verhandlungsführer aufgenommene Daten in die Arbeitsumgebungen der Bibliotheken vererbt, andererseits kann die Bibliothek dem Verhandlungsführer über die Rückmeldefunktionalität kommunizieren, dass sie Bedarf an einer bestimmten Lizenz hat oder eine bestehende Lizenz verlängern möchte. Einige Besonderheiten innerhalb des Anforderungsprofils ergeben sich aus den verschiedenen Landesvorgaben und gewachsenen Arbeitsabläufen vieler Verhandlungsführer. Das Anforderungsprofil stellt die Grundlage für die Entwicklung von LASeR dar, wobei die Anforderungen unter Berücksichtigung des sich ständig wandelnden Bereichs elektronischer Lizenzen so flexibel definiert werden, dass eine entsprechende Anpassung in Zukunft leicht möglich ist.

Evaluation bestehender Systeme

Um zu prüfen, ob sich die derzeit auf dem Markt befindlichen ERM-Systeme als Grundlage für ein System eignen, das die im Anforderungsprofil definierten Features abdeckt, wurde eine dreistufige Evaluierung vorgenommen. In einem ersten Schritt wurden die Systeme identifiziert, die sich aufgrund ihres Verbreitungsgrads, ihrer kontinuierlichen Weiterentwicklung und ihrer möglichen Integration in die deutsche Bibliothekslandschaft für eine tiefergehende Untersuchung anbieten. Die unter diesen Aspekten ausgewählten Systeme waren:

  • Ex Libris: Alma,

  • ProQuest: Intota/360 Resource Manager,

  • OCLC: WorldShare Management Services/Licence Manager,

  • JISC: KB+,

  • University of Notre Dame’s Hesburgh Libraries: Coral,

  • SLUB Dresden/UB Leipzig: AMSL.

In Anbietergesprächen und durch Systemtests galt es nun die durch das Anforderungsprofil gegebenen Prüfkriterien abzuarbeiten, um so über alle Systeme hinweg möglichst gleichförmige Ergebnisse zu erhalten. Hierbei war es insbesondere wichtig, den Abdeckungsgrad von notwendigen Funktionalitäten zu prüfen, um dann den Entwicklungsbedarf der Anbieter und deren Zeitplan für die Umsetzung zu eruieren. Daneben galt es, die Struktur, den Inhalt und die Pflege der Knowledge Base als Fundament des jeweiligen ERMS zu begutachten und die Verfügbarkeit offener Standards und Schnittstellen sowie den Datenaustausch mit vorhandenen Lokalsystemen und externen Knowledge Bases zu prüfen. Auch die Fragen nach der Art und Weise der Einbindung von Statistikdaten, die Unterstützung bei der Verwaltung konsortialer Lizenzen und die Bereitschaft zum Datenaustausch und zu einer eventuellen Entwicklungspartnerschaft mussten mit allen Anbietern abgeklärt werden. Systeme, die anhand dieser Prüfung als Grundlage für LASeR in Frage kamen, wurden dann in einem zweiten Schritt einer tiefergehenden Analyse inklusive funktionaler, technischer und organisatorischer Beschreibung unterzogen.

Im Ergebnis wurden die untersuchten Systeme hinsichtlich der Konsortialfunktionen nicht den Anforderungen gerecht, trotz interessanter und elaborierter Ansätze in anderen Bereichen. Während auf Ebene der einzelnen Bibliotheken in Grundzügen Funktionen einer Lizenzverwaltung und z. T. auch Rechnungsverwaltung sowie Statistiken vorhanden sind, fehlen diese Funktionalitäten auf Konsortialebene und damit die Möglichkeit, Verträge mit vielen Teilnehmern und unterschiedlichen Beständen zu verwalten, die dafür nötigen Daten vorzuhalten und die Abläufe einer Lizenzverwaltung für Verhandlungsführer zu unterstützen. Dies ist jedoch zwingend nötig, um den von den Bibliotheken gewünschten Service zu bieten und die allgemeinen Arbeitsabläufe zu optimieren.

Eine Ausnahme hiervon bildet die quelloffene KB+, die in Ansätzen Konsortialfunktionen bereitstellt und in Großbritannien bereits konsortial genutzt wird. Außerdem bietet das System offene Schnittstellen (KBART, ONIX-PL, COUNTER, SUSHI) und mit der GOKb eine offene Knowledge Base. Die KB+ hat außerdem den Vorteil, dass im Gegensatz zu einem kommerziellen System die benötigten noch fehlenden Funktionalitäten selbst entwickelt werden können. Darüber hinaus übernehmen die bedeutenden kommerziellen Systeme Alma, WMS und Intota zum jetzigen Zeitpunkt Paketdaten aus der KB+. Ein auf der KB+ basierendes System kann diesen Datenfluss nachnutzen, wodurch ein Austausch mit den wichtigsten Knowledge Bases der kommerziellen Anbieter in technischer Hinsicht gewährleistest ist. Das Projektteam entschied sich somit, die KB+ des JISC als Grundlage für LASeR nachzunutzen. Die daraufhin durchgeführte weitere Analyse der KB+ zeigte aber auch, dass auf jeden Fall eine Weiterentwicklung nötig ist, da auch die KB+ nicht allen konsortialen Anforderungen gerecht wird. Insbesondere fehlen Daten und Funktionalitäten zur Koordinierung, zur Steuerung der Zugriffsberechtigungen auf E-Ressourcen sowie zu Preisen und Preismodellen für Pakete und Einzeltitel.

Allerdings muss nicht mehr von Grund auf neu entwickelt werden und es kann außerdem von den Erfahrungen profitiert werden, die bereits durch den produktiven Einsatz des Systems an verschiedenen Einrichtungen gewonnen werden konnten.

Hinsichtlich der geplanten Weiterentwicklung wurden bereits Gespräche mit den Entwicklern der KB+ geführt, in denen sich eine hohe Kooperationsbereitschaft abzeichnete. Im weiteren Austausch wird zu klären sein, welche konkreten Formen die Kooperation annehmen kann und welche Anforderungen hinsichtlich des Datenmodells und der Funktionalität umgesetzt werden können.

Mit den übrigen Anbietern ist in den geführten Gesprächen ebenfalls eine künftige Kooperation abgestimmt worden, wobei insbesondere der Datenaustausch und die Implementierung von Schnittstellen fokussiert wurden. Alle Anbieter haben hier ihre grundsätzliche Zustimmung zu einer Kooperation geäußert.

3 Ausblick

Nutzungsszenarien

Die Konzeption von LASeR als offene und mit anderen Systemen interagierende Softwarelösung eröffnet diverse Nutzungsszenarien, von denen zwei an dieser Stelle exemplarisch genannt werden sollen.

 Verschiedene Nutzungsszenarien von LASeR.
Abb. 7:

Verschiedene Nutzungsszenarien von LASeR.

Im ersten Nutzungsszenario entscheidet sich eine Bibliothek, LASeR als Software as a Service zu nutzen und damit ihr gesamtes Lizenzportfolio zu verwalten. In diesem Szenario würde die Einrichtung auch ihre lokalen Lizenzen in das geplante ERMS einspielen und Funktionen wie Sichten in vollem Umfang nutzen, eventuell erweitert durch die Module, die sie lokal benötigt. Dadurch erhält die Einrichtung eine komfortable Übersicht über alle von ihr lizenzierten E-Ressourcen an einer Stelle.

In einem zweiten Szenario hat eine Bibliothek ihre gesamten Daten auf ein Next Generation System (NGS) migriert und sich entschieden, allein mit diesem System alle Lizenzen zu verwalten. Aber auch in diesem Fall kann sie von LASeR profitieren: Durch die standardisierten Schnittstellen – sofern das NGS diese unterstützt – kann sie auf die von den entsprechenden verhandlungsführenden Stellen eingespielten Daten zu Konsortial-, Allianz- und Nationallizenzen zurückgreifen, während sie ihre bilateralen Lizenzen selbst in das NGS einträgt. Dadurch spart die Institution Zeit und Geld, da sie nur bilaterale Lizenzen selbst eintragen muss.

Je nach Art und Umfang der gewünschten Nutzung sind weitere Nutzungsszenarien möglich. Die Architektur des Systems soll darauf ausgelegt werden, eine höchstmögliche Flexibilität bei der Nutzung von LASeR zu gewährleisten.

Graduelle Umsetzung/Zweistufen-Konzept

Aufgrund der Ergebnisse der Bedarfsanalyse, die zwar den Wunsch nach einem zeitnah verfügbaren System, aber auch die Forderung nach Implementierung aufwändigerer Funktionen und Services widerspiegeln, wird die Entwicklung und Bereitstellung von LASeR in zwei Phasen erfolgen:

In einer ersten Phase werden zentrale Anforderungen der Lizenz- und Bestandsverwaltung umgesetzt und als Vorab-Version bereitgestellt. In der zweiten Phase wird dann die Vollversion realisiert, die den kompletten, durch das Anforderungsprofil festgelegten Funktionsumfang bereitstellen wird.

Durch diese Maßnahme soll es den Bibliotheken ermöglicht werden, bereits vor Realisierung eines Gesamtsystems dem stetig wachsenden Lizenzgeschäft von E-Ressourcen entgegenzutreten. Es können so vorab bereits benötigte Informationen in einem System vorgehalten werden, welches nach Abschluss der Förderung dann als Gesamtsystem genutzt werden kann. Die momentane Teilförderung endet im Oktober 2015. Der eingereichte Fortsetzungsantrag soll einen nahtlosen Übergang in die nächste Förderphase gewährleisten, so dass eine Vorabversion schon in eineinhalb Jahren zur Verfügung stehen könnte.

Daniel A. Rupp:

Michaela Selbach:

Footnotes

  • Vgl. dazu den von der DFG herausgegebenen Ausschreibungstext: http://www.dfg.de/download/pdf/foerderung/programme/lis/ausschreibung_ueberregionale_informationsservices_121015.pdf [Zugriff: 15.06.2015]. 

  • Lizenz-Administrationssystem für E-Ressourcen. 

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Daniel A. Rupp

Daniel A. Rupp

Michaela Selbach

Michaela Selbach


Published Online: 2015-08-07

Published in Print: 2015-08-17


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 49, Issue 9, Pages 895–908, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2015-0108.

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