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Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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ISSN
0006-1972
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Volume 50, Issue 6

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Epochenverschleppung als Innovationsfaktor

Gedanken anlässlich der Einführung von RFID an der Universitätsbibliothek Stuttgart

Markus Malo
  • Corresponding author
  • Leiter der Benutzungsabteilung, Universitätsbibliothek Stuttgart, Holzgartenstr. 16, 70174 Stuttgart, Deutschland, Bildnachweis: Frank Wiatrowski, UB Stuttgart.
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Published Online: 2016-05-10 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2016-0062

Zusammenfassung:

Die Einführung von RFID an Bibliotheken hat mittlerweile keinerlei Sensationswert mehr. Der Fokus dieses Beitrags liegt stattdessen auf der Einbettung der RFID-Einführung an der UB Stuttgart in ein strategisches Konzept, das konkrete universitäre Handlungs- und Problemfelder an der Universität Stuttgart benennt und in allgemeine Überlegungen zum strategischen Zukunftsmanagement eingebettet ist. Der methodische Ansatz des Verfassers ist dabei dem ursprünglichen Vortragscharakter des Beitrags bei einer Fortbildung des VDB Bayern zum Thema „10 Jahre RFID – Was hat sich bewährt, wie geht es weiter?“ geschuldet und eher feuilletonistischer Natur denn an wirtschaftswissenschaftlichen Methoden oder technischen Aspekten orientiert.

Abstract:

The introduction of RFID at libraries is not a sensation any more. The following article focusses instead on the embedding of the RFID introduction at Stuttgart University Libraries in a strategic concept. This concept names specific fields within Stuttgart university that are either problematic or call for action, and is included in general reflections on strategic future management. The author’s methodological approach is due to the article’s original lecture character, held at a VDB Bayern training course, titled “10 years of RFID – What has proven to be good and what are the future perspectives?“ which has a more literary journalistic nature than being orientated towards economic science or technical aspects.

Schlüsselwörter: RFID; Bibliotheksmanagement; Zukunftsforschung

Keywords: RFID; library management; futurology

1 Einleitung

Die Einführung der RFID-Technologie zur Automatisierung von Ausleih- und Rückgabevorgängen an einer mittelgroßen Universitätsbibliothek im Jahr 2013 ist eigentlich nicht mehr berichtenswert. Die Technologie an sich ist etabliert und seit über einem Jahrzehnt Standard in vielen öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland. Es gibt zu diesem Thema monographische Handreichungen,1 die Technologie, Planung und Ausschreibungen, Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Workflows und Standards ausgezeichnet beschreiben und an denen entlang sich die Umsetzung für das eigene Haus planen lässt. Außerdem existieren Erfahrungsberichte in großer Zahl – seien es Aufsätze in einschlägigen Fachperiodika des Bibliothekswesens oder Vorträge auf Weiterbildungsveranstaltungen – die die eigene Planung erleichtern. Ein halbwegs funktionierender Markt mit etablierten Anbietern und hohen Zutrittsbarrieren verhindert gravierende Fehlgriffe bei der Beschaffung von Hard- und Software, die Anbindung der Technologie an alle großen auf dem Markt befindlichen Bibliotheksmanagementsysteme ist ebenfalls problemlos möglich.

Die zu überwindenden Hindernisse lauern anderswo und sind zumeist nicht mehr technologischer oder baulicher Art. Sie liegen – neben den finanziellen Hürden – in den institutionellen Ökosystemen, in die vor allem wissenschaftliche Bibliotheken häufig eingebettet sind und deren Entscheidungs- und Verwaltungsstrukturen nicht immer in ausreichendem Maß an die technischen und organisatorischen Möglichkeiten und Risiken der Gegenwart angepasst sind. Dies hängt damit zusammen, dass vor allem Universitäten häufig an überkommenen linearen Organisationsformen festhalten, die nicht mit den Anforderungen einer modernen, von der technologischen Entwicklung geprägten Wirtschaftsweise kompatibel sind, die sich durch einen hohen Grad an horizontaler Vernetzung auszeichnen. Dies kann dazu führen, dass neue Technologien im universitären Bereich zwar eingeführt werden, diese ihren innovativen Charakter aber nicht vollständig entfalten können, weil sie von den traditionsverhafteten, eher vertikal organisierten und kleinteilig parzellierten Strukturen ausgebremst werden.

Dieses Phänomen bezeichne ich im Folgenden mit einem von dem österreichischen Autor Gregor von Rezzori entlehnten Begriff, den dieser allerdings in einem völlig anderen Kontext verwendet. Bei Rezzori ist Epochenverschleppung ein Phänomen, das den Weg Europas in die großen Totalitarismen, vor allem in den Nationalsozialismus, der ersten Jahrhunderthälfte mit den damit verbundenen Katastrophen der Weltkriege und Völkermorde aus der Diskrepanz zwischen tradierten Denk- und Verhaltensmustern in weiten Teilen der europäischen Gesellschaften und modernen Politikformen und technischen Möglichkeiten erklärt. Aus den eigenen Denk- und Verhaltensmustern erwachsen so Resultate, die von den Protagonisten der Epochenverschleppung zu keiner Zeit intendiert waren.

In der eher allgemein gehaltenen Formulierung aus Rezzoris Autobiographie lässt sich dieses Phänomen aber sehr wohl als Erklärungsmuster für die Schwierigkeiten bei der Etablierung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien in den eher traditionellen Denk- und Handlungsmustern bürokratischer Universitätsstrukturen verwenden. Auch hier ereignen sich Veränderungen über die Köpfe der Hauptakteure hinweg, die aus einem gewissen Unverständnis gegenwärtiger Möglichkeiten und Entwicklungen Veränderungen unwissentlich – zum Guten oder Schlechten – befördern oder behindern:

„Ich habe einmal ein Wort geprägt, das allmählich Aufnahme in den allgemeinen Sprachgebrauch findet: Epochenverschleppung. Damit ist gemeint das anachronistische Überlappen von Wirklichkeitselementen, die spezifisch einer vergangenen Epoche angehören, in die darauffolgende. Nicht alle Erscheinungen haben das gleiche Trägheitsmoment. Manche bestehen über sich hinaus. Sie erweisen sich dabei als Stimmungsträger, die nicht nur einzelne, sondern beinah alle über die tatsächlich bestehende Wirklichkeit täuschen. Das Gegenwartserlebnis läuft nebenher.“2

Dennoch soll der Fokus dieses Beitrags nicht ausschließlich auf die negativen Folgen der Epochenverschleppung gelegt werden, sondern außerdem auch die Vorteile der Epochenverschleppung – jetzt im Sinne einer späten Innovationsadoption3 durch Bibliotheken – diskutiert werden.

2 Epochenverschleppung an Universitäten

Die Organisation von Wissenschaft ist ihrem Wesen nach streng konservativ. Dies liegt zum Einen begründet in den – notwendigen – Grundprinzipien wissenschaftlichen Arbeitens, die auf Anschlussfähigkeit, Intersubjektivität, methodisch etabliertem Vorgehen, klar definierten Prüfungen und Karrierewegen beruhen.4 Diese Eigenschaften lassen sich auf die Verwaltung von Wissenschaft, die zumindest in deutschen Universitätsstrukturen überwiegend von Wissenschaftlern gelenkt werden, übertragen.

Dies liegt zum anderen aber ebenfalls an der Behandlung von Hochschulen als nachgeordnete Behörden des jeweils zuständigen Landesministeriums. Finanzierung und Trägerschaft der Hochschulen und Universitäten in Deutschland liegen überwiegend bei der öffentlichen Hand mit ihren festgefügten hierarchisch angelegten Strukturen und Grundsätzen. Durch Ausbildung, Laufbahnverordnungen und Regularien liegt das Hauptaugenmerk der Verwaltungstätigkeit daher auf der rechtskonformen und ordnungsgemäßen Abwicklung etablierter Prozesse und weniger auf der Ermöglichung innovativer Dienstleistungen,5 die sehr stark auf einer horizontalen Vernetzung unterschiedlicher Akteure aufbauen.

Diese Phänomene lassen sich bei der Einführung innovativer Dienstleistungen und neuer Arbeitsabläufe nicht ausschalten, wohl aber in den Entscheidungsfindungsprozessen berücksichtigen. Dazu ist auf eine gewisse Offenheit von Entscheidungen zu achten, die Erfahrungen und aus Empirie gewonnene Erkenntnisse nicht linear in die Zukunft übertragen, sondern aus der Erkenntnis von Diskontinuitäten in der Vergangenheit eine gewisse Sensibilität für Diskontinuitäten in der Zukunft bewahrt.

3 Epochenverschleppung als Chance

Das Phänomen der Epochenverschleppung im Rezzorischen Sinne bietet wenig Anlass zur Freude. Dennoch lassen sich – bei einer etwas abstrakteren Betrachtung – dem Phänomen durchaus positive Seiten abgewinnen, weil es die Epochenverschleppung ermöglicht, die (notwendigen) Irrwege der Early Adopters zu vermeiden und auf ausgereifte Technologien und Prozesse zurückzugreifen. Dadurch lassen sich insbesondere für kleinere und mittelgroße Bibliotheken Implementationsaufwand und Projektbetreuungszeiten reduzieren. Weiterhin kann auf ausgereifte Produkte und erfahrene Anbieter von Dienstleistungen zurückgegriffen werden, so dass eine schnelle Produktivität der Innovation sichergestellt ist. Dadurch werden sowohl die überzogenen Erwartungen an die Einführung moderner Technologien als auch die tiefen Depressionen aufgrund enttäuschter Erwartungen reduziert. – Dies zeigt das „Stuttgarter Modell“ des bekannten „Hype-Zyklus“ der von dem amerikanischen Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner Inc. entwickelt wurde.

„Stuttgarter Hype-Zyklus“ nach Gartner (Quelle: Wikipedia, verzerrte Darstellung).
Abb. 1:

„Stuttgarter Hype-Zyklus“ nach Gartner (Quelle: Wikipedia, verzerrte Darstellung).

4 Zukunftsmanagement als bibliothekarische Aufgabe

Bibliotheken zeichnen sich durch eine lange, für die Entwicklung von Kultur und Wissenschaft bedeutsame Vergangenheit aus und sind – verursacht durch die gegenwärtigen Umbrüche in der Informationstechnologie – von Zukunftsängsten und Endzeitphantasien geplagt. Trotzdem findet ein Nachdenken über diese Zukunft nur rudimentär statt. Es wird im Wesentlichen ‚auf Sicht‘ gefahren, was bedeutet, dass kurz- und mittelfristig geplant wird und diese Planungen überwiegend auf die Extrapolation bzw. Hochrechnung gegenwärtiger Entwicklungen gestützt werden. Eine andere Variante der ‚Zukunftsgestaltung‘, die Visionen einzelner Akteure, denen eine Leitfunktion zugesprochen wird, in den Mittelpunkt von Entscheidungen stellt, berücksichtigt ebenfalls lediglich kontingente Erfahrungen und individuelles Wissen. Dabei wird der Fokus oft höchst einseitig auf die bibliothekarische bzw. informationstechnologische Entwicklung gelegt ohne zu berücksichtigen, dass diese Entwicklungen lediglich Reaktionen auf soziale und politische Rahmenbedingungen darstellen, die weitgehend unreflektiert in die eigenen Planungen eingehen.6

Dies ist nicht zwingend als ein Vorwurf an die Bibliotheken aufzufassen, sondern zeigt lediglich, dass die Komplexität moderner Gesellschaften und ihrer Veränderungsfaktoren von einzelnen Personen oder Institutionen nur unzureichend erfasst werden kann und diese Unsicherheitsfaktoren deshalb aus der täglichen Arbeit eliminiert werden. Bibliothekarisches Zukunftsmanagement, das über die operative und taktische Ebene – wo stehen wir heute und wie können wir das erreichen, was wir in fünf Jahren erreicht haben wollen? – hinausgeht, muss daher Strategien für die Zukunft entwickeln, die sowohl mit unsicheren möglichen Zukünften umzugehen wissen als auch ein Bewusstsein für zukünftige Diskontinuitäten entwickeln, die ein rechtzeitiges Umsteuern ermöglichen, wenn sich die Rahmenbedingungen erkennbar ändern.7

Dazu ist es nötig, auch im bibliothekarischen Umfeld Mechanismen zu entwickeln, die ein strategisches Zukunftsmanagement ermöglichen. – Das allerdings ist eine Aufgabe, die einzelne Bibliotheken nicht leisten können oder müssen, sondern ein notwendiges Gemeinschaftsprojekt der bibliothekarischen Personen- und Institutionenverbände einer Gesellschaft. Ein solches Unterfangen hat in den Jahren 2010 und 2011 etwa in Großbritannien stattgefunden, wo sich unter der Schirmherrschaft der British Library, des Joint Information Systems Committee (Jisc), des Research Information Network (RIN), der Research Libraries UK (RLUK) und der Society of College, National and University Libraries (SCONUL) und unter der Leitung von Curtis+Cartwright Consulting Ltd., einer Consultingfirma, die vor allem Kunden des öffentlichen Sektors in Großbritannien berät, Experten aus Bibliothek, Wirtschaft und Politik in mehreren Workshops mit dem Thema Libraries of the Future auseinandersetzten.8 Die Methode dieses Workshops war im Wesentlichen das Scenario Planning, mit dem die Akteure bibliothekarischen Handelns für alternative Zukünfte sensibilisiert werden sollten. Als Ergebnis des Workshops wurden vier verschiedene Szenarien entwickelt, die sowohl politische und wirtschaftliche Veränderungen im globalen Kontext als auch ökologische und geologische Faktoren berücksichtigen.9

Szenariotrichter (Quelle: Wikipedia).
Abb. 2:

Szenariotrichter (Quelle: Wikipedia).

5 Szenariotechnik als Methode zur Einführung neuer Technologien – RFID an der UB Stuttgart

Zukunftsüberlegungen im oben genannten Sinn hat die UB Stuttgart bei der Einführung der RFID-Technologie aus den noch weiter oben angeführten Gründen natürlich nicht angestellt. Trotzdem wurde versucht, die RFID-Einführung mit einer Verbindung aus empirischen Daten zur Ausleihzahlenentwicklung in Verbindung mit Überlegungen zu unterschiedlichen konkreten Szenarien zu verknüpfen, um sich Optionen für mögliche Veränderungen offen zu halten. Das mag auf den ersten Blick als Missbrauch der Szenariotechnik erscheinen, die ja eher auf die Extrapolation langfristiger globaler Entwicklungen orientiert ist, hat sich aber bislang doch als nützliches Planungsinstrument erwiesen.

Ausgehend von den rückläufigen, empirischen Daten zur Entwicklung der Ausleihzahlen (siehe Abb. 3), haben wir uns entschlossen, ein Standardverfahren zur Selbstausleihe durch den Benutzer zu etablieren, das die Leihstellen von Routineaufgaben entlastet und es gleichzeitig ermöglicht, die beiden Standorte der Universitätsbibliothek ohne bibliothekarisches Fachpersonal zu öffnen und in dieser Zeit ein grundlegendes Serviceangebot zu bieten. Ein weiterer Grund dafür, ‚keine Experimente‘ zu wagen, war die kurzfristige, an das Haushaltsjahr gebundene Mittelzuweisung, so dass die Gelder sehr schnell verausgabt werden mussten. Dies war nur durch ein vorab ‚auf Verdacht‘ und sehr erfolgreich durchgeführtes studentisches Projekt möglich, das eine erste Marktsondierung sowie eine grobe Bedarfsberechnung zum Inhalt hatte.

Ausleihzahlen an der UB Stuttgart.
Abb. 3:

Ausleihzahlen an der UB Stuttgart.

Bei der Einführung der RFID-Technologie zur Selbstverbuchung musste außerdem die unklare Situation an der Universität bezüglich der Einführung eines universitätsweiten Identitätsmanagements berücksichtigt werden. Es gibt derzeit kein statusgruppenübergreifendes Identitätsmanagement, dass sowohl eigene Studierende, Studierende in Kooperationsstudiengängen, die gemeinsam mit anderen Universitäten durchgeführt werden, Mitarbeiter sowie externe Nutzer von Universitätsdienstleistungen in einem gemeinsamen System vereinigt. Ob und wann es so etwas geben wird, ist bislang noch nicht abzusehen. Damit verbunden ist die Problematik unterschiedlicher Authentifizierungs- und Autorisierungssysteme, die von MIFARE-Chipkartenausweisen für eigene Studierende bis zu Papierausweisen für externe Bibliotheksbenutzer und Mitarbeiter reicht.

Aus diesem Grunde haben wir uns dazu entschlossen, zunächst „RFID light“ einzuführen. Das heißt, dass wir zunächst nur die Selbstverbuchung und -rückgabe von eigenem Bestand zulassen. Auf die zeitgleiche Aufstellung von Bezahlautomaten haben wir zunächst verzichtet, weil eine Chipkartenzahlung für alle Statusgruppen wegen der heterogenen Ausweissituation nicht durchführbar ist. Die Aufstellung herkömmlicher Bezahlautomaten mit Barzahlung und Kartenzahlungsfunktion (ec-Karte und Kreditkarten) war uns zunächst zu teuer. Ebenso eine Bezahlfunktion über den Studierendenausweis ECUS, der über eine Geldbörsenfunktionalität verfügt. Leider war eine Einigung über eine für uns tragbare Höhe der Clearingkosten mit der die Geldbörse verwaltenden Stelle nicht möglich. Mittlerweile stehen wir in Verhandlungen mit der Kommunalen Informationsverarbeitung Baden-Franken (KIVBF), die die preiswerte e-Payment-Lösung ePayBL für Kommunen, Bundes- und Landesbehörden anbietet,10 die vollständig softwarebasiert funktioniert und die Anschaffung hochpreisiger Bezahlautomaten überflüssig macht. Die Zahlungen können dann direkt und in Echtzeit aus dem Bibliothekskonto im Bibliothekssystem aDIS/BMS und durch den Aufruf einer Paypage aus aDIS/BMS heraus über das SOAP-Protokoll abgewickelt werden. Über diese Paypage lassen sich alle möglichen Bezahlverfahren – von giropay und Kreditkartenzahlung über Paypal bis hin zur elektronischen Barzahlung – zu verhältnismäßig geringen Transaktions- und Handlingkosten integrieren. Neben den geringen Kosten dieser Lösung für die Bibliothek ist die ubiquitäre Verfügbarkeit dieser Zahlmöglichkeit an allen Internet-PCs ein weiterer Vorteil dieses Bezahlverfahrens.

Nachteil dieser „RFID light“-Lösung ist der Verzicht auf ein erweitertes Dienstleistungsangebot, das Ausleihe und Rückgabe von Fernleihen, Bezahlen von Gebühren zur Entsperrung des Bibliothekskontos sowie die Ausstellung von Ausweisen außerhalb der Servicezeiten ermöglicht. Bis auf die Ausstellung von Ausweisen, die eine Identitäts- und Adressüberprüfung des Antragstellers benötigt, ist die Stuttgarter Installation aber grundsätzlich um die genannten Dienstleistungen erweiterbar. Zusätzliche, bislang noch nicht angebotene Services wie z. B. die automatisierte Ausleihe von elektronischen Geräten über Ausleihautomaten (z. B. Beamer, Laptops, Tablets), sind grundsätzlich ebenfalls mit dieser Lösung kompatibel.

Da das Bibliothekssystem der Universität Stuttgart noch immer aus mehr als 120 Institutsbibliotheken unterschiedlicher Größe und unterschiedlichen Organisationsgrads besteht, ist perspektivisch die Einführung von RFID-Ausleih- und Sicherungstechnologie an weiteren, größeren Institutsbibliotheken angedacht. Erste Interessenten aus dem Bibliothekssystem haben die Übernahme dieser Technologie bereits angefragt.

Footnotes

  • 1

    Kern, Christian: RFID für Bibliotheken. Unter Mitarbeit von Eva Schubert und Marianne Pohl. Heidelberg u. a., 2011. 

  • 2

    Rezzori, Gregor von: Mir auf der Spur. München, 1999, S. 13. 

  • 3

    Vgl. Kotler, Philip; Keller, Kevin Lane; Bliemel, Friedhelm: Marketing-Management. 12., aktualisierte Auflage, München, Boston, San Francisco, 2012. 

  • 4

    Zur ‚normalen Wissenschaft‘ und dem Arbeiten innerhalb bestehender Paradigmen vgl. Kuhn, Thomas S.: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen. 2. revidierte und um das Postskriptum von 1969 erg. Aufl., 12. Aufl., Frankfurt 1993, S. 25–48. 

  • 5

    Vgl. Anna Lehmann: Von Helden und Irrfahrern. In: duz Magazin 03 (2012), S. 10–13. 

  • 6

    Die gegenwärtige Diskussion um dieses Thema wurde von dem Bibliotheksapokalyptiker Rafael Ball in der Sonntagsausgabe der NZZ vom 7.2.2016 angeregt und hat in großem Ausmaß Buch- und Bibliotheksnostalgiker zu Kommentaren angeregt. Vgl. Interview in der NZZ unter http://www.nzz.ch/nzzas/nzz-am-sonntag/bibliotheken-weg-mit-den-buechern-interview-rafael-ball-eth-ld.5093 [Zugriff: 17.2.2016]. Eine mittel- und langfristige Strategie- oder zumindest Strategiefindungsdiskussion von Bibliothekspraktikern und -wissenschaftlern ist leider bislang ausgeblieben. 

  • 7

    Vgl. etwa Fink, Alexander, Siebe, Andreas: Handbuch Zukunftsmanagement. Werkzeuge der strategischen Planung und Früherkennung. 2., aktual. Aufl., Frankfurt/New York, 2011, S. 10–11. Einen Überblick über Strategieentwicklung in Bibliotheken bietet Steinsieck, Andreas: Strategieentwicklung als Methode modernen Bibliotheksmanagements. Ein internationaler Überblick. In: Perspektive Bibliothek 2.2 (2013), S. 104–128. 

  • 8

    Eine Zusammenfassung des Projekts sowie mehrere daraus resultierende Publikationen finden sich unter der URL http://www.sconul.ac.uk/tags/libraries-of-the-future [Zugriff: 17.2.2016]. Ein Zwischenbericht über dieses Projekt findet sich unter derURL http://www.bi-international.de/download/file/2010_Konferenzbericht_AcademicLibrariesOfTheFuture_Malo.pdf [Zugriff: 17.2.2016]. 

  • 9

    Einen Überblick über die Szenariotechnik und ihre Unterschiede zum im englischen und amerikanischen Raum gebräuchlichen Scenario Planning bietet Fink, Alexander, Siebe, Andreas (wie Anm. 7), S. 16–99. Für den Workshop zugrunde gelegt wurde das von Ringland entwickelte Modell in Ringland, Gill: Scenario Planning. Managing for the Future. 2. ed. Chichester, 2006. 

  • 10

    http://www.kivbf.de/,Lde/start/KIVBF/ePayBL.html [Zugriff: 17.2.2016]. 

About the article

Markus Malo

Dr. Markus Malo

Leiter der Benutzungsabteilung, Universitätsbibliothek Stuttgart, Holzgartenstr. 16, 70174 Stuttgart, Deutschland, Bildnachweis: Frank Wiatrowski, UB Stuttgart.


Published Online: 2016-05-10

Published in Print: 2016-06-01


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 50, Issue 6, Pages 535–544, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2016-0062.

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