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Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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ISSN
2194-9646
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Volume 50, Issue 8

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Die Strategie der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf 2016 bis 2021

Irmgard Siebert
  • Corresponding author
  • Leitende Bibliotheksdirektorin, Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, Universitätsstr. 1, 40225 Düsseldorf, Deutschland
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Published Online: 2016-07-12 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2016-0089

Zusammenfassung

Im Rahmen der Hochschulentwicklungsplanung ihrer Universität hat die Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf zwischen November 2015 und Januar 2016 ihre Strategie für die kommenden fünf Jahre erarbeitet und beschrieben. Sie hat Anregungen von den verabschiedeten und publizierten Strategien der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaft2 , der Strategie 2015–2020 der Staatsbibliothek zu Berlin, Ideen der Universitäts- und Landesbibliothek der Technischen Universität Darmstadt sowie Positionen aus der Stellungnahme der Sektion Wissenschaftliche Bibliotheken des Deutschen Bibliotheksverbands zur Neuausrichtung der überregionalen Informationsservices3 aufgegriffen. Art und Umfang der avisierten Ziele und Maßnahmen wurden von der aktuellen bzw. absehbaren Ressourcenausstattung beeinflusst. Ziel der Publikation ist es, mit anderen Bibliotheken ins Gespräch zu kommen, Anregungen zu geben und solche aufzunehmen.

Abstract

From November 2015 to January 2016, the University and State Library Düsseldorf has, in the course of the university‘s development planning, worked out and described its strategy for the next five years. The document contains ideas of the strategy papers published by the German National Library of Economics, the Berlin State Library (Strategy 2015–2020), the University and State Library Darmstadt as well as positions from the statement given by the section Scientific Libraries of the German Library Association (Sektion Wissenschaftliche Bibliotheken des Deutschen Bibliotheksverbands) about the adjustment of national information services. The choice and extent of the targets and measures aimed to realize were influenced by present and foreseeable future resources. This publication’s purpose is to promote communication with other libraries and to exchange ideas.

Schlüsselwörter : Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf; Strategieentwicklung

Keywords : University and State Library Düsseldorf; development of a strategy

1 Gegenwärtige Lage

1.1 Auftrag und Aufgaben

Die Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) fungiert neben dem Zentrum für Informations- und Medientechnologie als unverzichtbare zentrale Serviceeinrichtung ihrer Universität. Ihre Hauptaufgabe ist es, Forschung, Lehre und Studium zuverlässig durch eine nachhaltige und bedarfsgerechte Literatur- und Informationsversorgung sowie hochwertige Services optimal zu unterstützen. Darüber hinaus stellt die ULB auch in ihrer Funktion als Landesbibliothek ihre Angebote den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt und der Region zur Verfügung. Sie unterstützt damit das strategische Ziel ‚Bürgeruniversität‘ und trägt zur Verankerung der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und der Region bei.

Als eine von drei Landesbibliotheken in Nordrhein-Westfalen nimmt die ULB auf der Basis des Gesetzes zur Regelung des Pflichtexemplarrechtslandesbibliothekarische Aufgaben wahr. Ihr Auftrag ist es, alle im Regierungsbezirk Düsseldorf erscheinenden Publikationen in analoger und elektronischer Form zu sammeln, zu archivieren und für Forschung, Lehre und sonstige Nutzung zur Verfügung zu stellen sowie gemeinsam mit der Universitäts- und Landesbibliothek Münster die Nordrhein-Westfälische Bibliographie zu erarbeiten.

Als Nachfolgeeinrichtung der 1770 gegründeten Kurfürstlichen Bibliothek sowie der Landes- und Stadtbibliothek Düsseldorf verfügt die ULB über einen etwa 94.000 Bände umfassenden Altbestand (der bis 1900 erschienenen Werke), der 400 sehr wertvolle mittelalterliche Handschriften, 1.000 Inkunabeln sowie zahlreiche geschlossene, mit der Geschichte Düsseldorfs und der Region eng verbundene Sammlungen enthält. Unter Kennern gilt der Bestand, der kaum Kriegsverluste zu verzeichnen hat, als der wohl größte und bedeutendste in Nordrhein-Westfalen.Die Verpflichtungen, die Universität und Bibliothek mit Übernahme dieses für die Arbeitsfähigkeit der Philosophischen Fakultät – damals und heute – immens wichtigen Bestands anerkannt haben (Erschließung, Pflege, Bereitstellung, Verbot der Makulierung), sind vertraglich geregelt. Das der ULB zugeordnete, 2001 gegründete Universitätsarchiv sammelt, verwahrt und stellt wichtige Unterlagen zur Geschichte der Universität und ihrer Vorgängereinrichtungen sowie Nachlässe bedeutender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität bereit.

1.2 Ressourcen

Literatur- und Sachmittelbudget bewegen sich seit mehreren Jahren auf einem bedarfsgerechten Niveau. Die Altersstruktur der Beschäftigten der Bibliothek – 70 Prozent der Mitarbeitenden sind über 50 Jahre alt, nur zehn Prozent unter 40 – markiert sinnfällig die abbaubedingte schwache Nachwuchsförderung des letzten Jahrzehnts.

1.3 Bibliothekssystem

Das Bibliothekssystem der HHU ist als einschichtiges konzipiert. Die ursprünglich zwölf Standorte wurden im Laufe des letzten Jahrzehnts auf fünf reduziert. Mit der Inbetriebnahme von zwei neuen Fachbibliotheken für Rechtswissenschaften (2005) und Medizin (2011) sowie eines Selbstlernzentrums (2012) wurde das Bibliothekssystem um attraktive, stark frequentierte Lernorte erweitert. Ein neues Außenmagazin (2015) sichert die Aufbewahrung seltener genutzter Literatur.

1.4 Etatverteilung

Der für den Literatur- und Informationsbedarf der einzelnen Fakultäten zu verausgabende Anteil wird durch ein Etatverteilungsmodell ermittelt, das von der Ständigen Kommission für die Universitäts- und Landesbibliothek (SKULB) konsensual erarbeitet wird (zuletzt 2014). In der SKULB sind alle Fakultäten vertreten. Der für die Fächer der Philosophischen und Naturwissenschaftlichen Fakultät zu verausgabende Anteil wird von diesen beiden Fakultäten im Rahmen von Verteilungsmodellen eigenständig festgelegt. Die Prinzipien der Mittelverteilung sind seit 2002 (aktueller Stand: 18.12.2015) schriftlich dokumentiert und kommuniziert.

1.5 Vernetzung und Kooperation

Bibliotheken sind traditionell hoch vernetzt. Von jeher waren und sind sie auch für die Erbringung spezifisch lokaler Dienstleistungen auf Kooperation untereinander und auf externe (IT-)Dienstleister, z. B. Verbundzentralen, Bibliothekssystemhersteller, angewiesen. Nur aufgrund dieser Solidarverpflichtung für eine verteilte Sammlungsverantwortung und verteilte Diensteerbringung konnte und kann die wissenschaftliche Community jederzeit schnell und umfassend mit den gewünschten Medien und Services versorgt werden.

1.6 Wandel der Medien und der Informationsinfrastruktur

Der sich vollziehende Wandel hin zu den elektronischen Medien, der Teil eines simultan ablaufenden umfassenden Wandels wissenschaftlicher Verfahren und Methoden ist, erfordert eine Ausweitung bibliothekarischer Dienstleistungen auf den gesamten Research Workflow. In der Adaption dieses Trends ist es Aufgabe der Bibliotheken, gänzlich neue Services und Logistiken der Erwerbung/Lizenzierung, Erschließung, Bereitstellung, Vermittlung und Archivierung zu implementieren sowie die Initiierung und Organisation verteilter Dienste, z. B. in den Bereichen Langzeitarchivierung und Forschungsdatenmanagement, voranzutreiben. Das Digitale bedeutet folglich nicht nur einen Aufgabenzuwachs, sondern eine radikale und grundlegende Neuorientierung, die den Aufbau neuer Kooperationen zu einer Vielzahl unterschiedlichster Dienstleister bedingt. Gleichzeitig müssen die traditionellen Prozesse für das primär lokale Geschäft der Versorgung mit analogen Medien weiter aufrechterhalten werden. Wissenschaftsrat und Deutsche Forschungsgemeinschaft haben eine Umstrukturierung der nationalen Informationsinfrastruktur angeregt und auf den Weg gebracht, die diese Transformation unterstützen soll. Die aktuelle, sehr schwierige Umbruchphase ist gekennzeichnet durch eine Verunsicherung der traditionellen Bibliotheksdienstleister und Nicht-Einsatzbereitschaft der neuen Dienstleistungen.

Der erfolgreiche Abschluss dieser Transformation durch bundesweit koordiniert angebotene Backend-Services wird lokal voraussichtlich zu Entlastungen in den Bereichen Langzeitarchivierung, Lizenz- und Forschungsdatenmanagement und Katalogisierung führen, aber höhere Aufwendungen für Marktsichtung, Produktbeurteilung und -evaluierung sowie Verhandlungs- und Vertragsmanagement zur Folge haben. Ebenso werden Flächen- und Beschaffungsmanagement, Gestaltung des Lern- und Forschungsortes Bibliothek, Entwicklung und Angebot wissenschaftsnaher Dienstleistungen sowie maßgeschneiderte Beratungs- und Informationsangebote auch für komplexe und individuelle Fragestellungen an Bedeutung zunehmen. Die ULB wird ihre Aufgaben, Prozesse und Personalentwicklungsstrategie entsprechend anpassen.

1.7 Leistungsfähigkeit

Die ULB ist seit vielen Jahren lokal, regional und national als exzellente, serviceorientierte, überaus innovative und effizient arbeitende Bibliothek anerkannt. Die Ziele im vorangegangenen Entwicklungsplan 2010–2015 hat die ULB erreicht. Dokumentiert ist der langfristige Erfolg u. a. durch ein kontinuierlich hervorragendes Abschneiden beim nationalen Bibliotheksranking BIX und rasant steigende Benutzer- und Benutzungszahlen. Zu den herausragenden Stärken zählen die den Studienerfolg fördernden langen Öffnungszeiten, die Automatisierung von Services sowie das attraktive und umfangreiche Angebot an elektronischen Medien. Mehr als 60 Prozent ihrer Literaturmittel gibt die ULB in Abstimmung mit den Fakultäten für E-Medien aus und nimmt damit im nationalen Vergleich eine führende Rolle ein. Die aktuelle Literatur- und Informationsversorgung hat sich dadurch substantiell verbessert. Die erforderliche Langzeitverfügbarkeit für die lizenzierten elektronischen Verlagsmedien und den digitalisierten Altbestand hat die Bibliothek als eine von wenigen Bibliotheken in Deutschland bereits im Produktivbetrieb und auf sehr kostengünstige Weise gesichert (Teilnahme am Portico-Konsortium der Schweiz sowie am Digitalen Archiv, NRW).

Durch Erschließung und Digitalisierung ihrer Historischen Sammlungen fördert die ULB die Grundlagen- und Spitzenforschung in allen historisch arbeitenden Disziplinen und unterstützt damit auch die Internationalisierungsstrategie der HHU. Für diese Aufgaben konnten insgesamt über 2,5 Millionen Euro an Dritt- und Zentralmitteln eingeworben werden.

1.8 Die ULB als Forschungsbibliothek

In einer Zeit der sich global virtualisierenden Realität sichert die Authentizität des Originals eine dauerhafte Rückbindung an die physische Welt. Durch eine kontinuierlich organisierte visuelle Präsenz ausgewählter Bestände in Form von Ausstellungen und Vorträgen sowie die erfolgreiche Einwerbung von Drittmitteln für Restaurierung und Bestandserhaltung ihres hochkarätigen schriftlichen Kulturguts ermöglicht und gewährleistet die ULB Forschungen am unikalen Original. Die Erhaltung der Originale – neben der digitalen Kopie – ist ein unverzichtbares Mittel, um Universität und Bibliothek in Stadt und Region sowie in der internationalen Wissenschaftscommunity zu verankern.

2 Strategische Perspektiven

Grundlegende Aufgabe wissenschaftlicher Bibliotheken wird es auch in Zukunft sein, als Speicher (Archiv), Verwalter, Vermittler und Transformator wissenschaftlicher Erkenntnisse und Forschungsergebnisse zu dienen. Wie Bibliotheken in Anbetracht des exponentiellen Wachstums kaum diversifizierter Daten, deren unkontrollierter Distribution und der globalen Informationsvernetzung sich in den nächsten Jahren als signifikante und wahrnehmbare Informationsdienstleister ihrer Universität positionieren, wird auch davon abhängen, wie flexibel und kreativ sie diese Entwicklungsprozesse integrieren oder antizipierend beeinflussen werden. Für unabsehbare Zeit werden Erwerbungs-, Archivierungs- und Vermittlungsprozesse hybride Bestände zu managen haben. Eine ausgeprägte Identität werden Bibliotheken aus unikalen Sammlungen beziehen, die sie in ihrer Stadt oder Region verankern, sowie aus gestalteten Räumen und Services, die sie mit dem individuellen Kontext ihrer Universität eng verbinden.

3 Entwicklungsziele bis 2021

Die wichtigsten Entwicklungsziele der Bibliothek in den nächsten fünf Jahren sind:

  • Vertiefende Vernetzung mit der lokalen Wissenschaftscommunity,

  • Vereinfachung und Intensivierung der Kommunikation mit den Fakultäten,

  • Stärkere Sichtbarkeit der wissenschaftsnahen Dienstleistungen,

  • Personalentwicklung und -einstellungen mit Fokus auf IT-Kompetenzen, IT-Affinität und Vermittlungsfähigkeiten.

Die Bibliothek hat drei strategische Handlungsfelder identifiziert, in denen diese Ziele konkret umgesetzt werden sollen:

  • Sammeln – Bewahren – Forschen,

  • Erschließen – Bereitstellen – Vernetzen,

  • Bilden – Motivieren – Gestalten.

4 Maßnahmen

4.1 Sammeln – Bewahren – Forschen

Das Handlungsfeld Sammeln – Bewahren – Forschen konkretisiert sich in den Aufgaben: Erwerbung aktueller Fachliteratur, Bewahrung des schriftlichen Kulturguts, Förderung der Digital Humanities, Positionierung als Forschungsbibliothek und Förderung der Landesforschung.

4.1.1 Erwerbung aktueller Fachliteratur

Die ULB Düsseldorf baut ihren einmaligen Bestand in digitaler und analoger Form weiter aus und orientiert sich dabei am konkreten Bedarf der Forschenden und Studierenden der Heinrich-Heine-Universität. Im engen Dialog mit den Dekanen, den Bibliotheksbeauftragten, der Bibliothekskommission und den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wird sie neue Formen der effizienten Abstimmung vereinbaren, umsetzen und evaluieren. Die fachlichen und allgemeinen Sammelprofile werden regelmäßig weiterentwickelt und an die Anforderungen der Forschung und die Veränderungen des Publikationsmarktes angepasst.

Strategische Vorgehensweise:

  • Bedarfsorientierter Erwerb aktueller Fachliteratur in elektronischer und gedruckter Form,

  • Erarbeitung bzw. Aktualisierung fachlicher und allgemeiner Erwerbs- und Bestandsprofile (zusammen mit den Wissenschaftsfächern/der SKULB),

  • Fortführung der ‚E-preferred‘-Strategie in Abstimmung mit den Wissenschaftsfächern.

4.1.2 Bewahrung des schriftlichen Kulturguts

Als Landesbibliothek und Nachfolgeeinrichtung der Kurfürstlichen Hofbibliothek sowie der Landes- und Stadtbibliothek Düsseldorf ist die ULB verantwortlich für die Bewahrung und Erhaltung des ihr anvertrauten schriftlichen Kulturguts des Landes Nordrhein-Westfalen für aktuelle und zukünftige Forschungen.

Strategische Vorgehensweise:

  • Konservatorische und restauratorische Maßnahmen gemäß den „Bundesweiten Handlungsempfehlungen“ (2015) der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts,

  • Optimierung der Notfallvorsorge an allen Standorten der ULB; Anschluss an einen Notfallverbund,

  • Intensivierung von Kooperationen für die Bewahrung des Kulturellen Erbes,

  • Einwerbung von Förder- und Zentralmitteln für Maßnahmen der Bestandserhaltung,

  • Ergänzung der Historischen Sammlungen entsprechend einem dokumentierten Sammelprofil.

4.1.3 Förderung der Digital Humanities

Zur Förderung der Digital Humanities sieht die ULB eine besondere Verpflichtung und Aufgabe darin, ihre urheberrechtsfreien Bestände – orientiert am Bedarf der Hochschule – online bereitzustellen. Ebenso beteiligt sich die ULB an Bundes- und Landesprojekten zur Digitalisierung und kooperiert mit anderen Kultureinrichtungen. Das Ziel ist es, entsprechend dem Bedarf und in hochwertiger Qualität wissenschaftliche Quellen in digitaler Form zur Verfügung zu stellen und damit die historisch arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu unterstützen.

Strategische Vorgehensweise:

  • Ausbau der exzellenten lokalen Digitalisierungsaktivitäten zu einem regionalen Digitalisierungszentrum,

  • Konzeption weiterer Förderanträge, u. a. gemeinsam mit der Philosophischen Fakultät und dem Institut für die Geschichte der Medizin,

  • Weiterhin sehr gute Ergebnisse beim Einwerben von Drittmitteln,

  • Verstärkung der Aktivitäten bei der ‚Digitalisierung on demand‘ für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der HHU,

  • Entwicklung und Angebot digitaler Mehrwerte zur Unterstützung der (kollaborativen) Forschung.

4.1.4 Positionierung als Forschungsbibliothek

Mit ihren einmaligen Beständen und Sammlungen ermöglicht und unterstützt die ULB lokale, nationale und internationale Forschungen. Die Erschließung und weltweite Sichtbarkeit dieser Bestände soll weiter vorangetrieben und die Arbeitsmöglichkeiten für Forschende in der Bibliothek optimiert werden.

Strategische Vorgehensweise:

  • Abschluss der Katalogisierung der mittelalterlichen Handschriften (DFG-Projekt),

  • Beteiligung an nationalen Erschließungs- und Digitalisierungsprojekten, wie z. B. dem von der DFG geförderten Projekt „Digitalisierung und Erschließung der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 18. Jahrhunderts (VD 18)“,

  • Ausbau von Teilflächen im Lesegeschoss 1 der Zentralbibliothek zu einem Forschungslesesaal,

  • Ausbau der Thomas-Mann-Sammlung zu einem international renommierten Thomas-Mann-Forschungszentrum.

4.1.5 Förderung der Landesforschung

Strategische Vorgehensweise:

  • Kontinuierlicher Ausbau der Sammlung an gedruckten und elektronischen Pflichtexemplaren,

  • Ausweitung des Angebots an elektronischen Tageszeitungen aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf und Verbesserung der Zugänglichkeit,

  • Ausbau der Nordrhein-Westfälischen Bibliographie zu einer leistungsstarken Informationsinfrastruktur für die Landesforschung.

4.2 Erschließen – Bereitstellen – Vernetzen

Das Handlungsfeld Erschließen – Bereitstellen – Vernetzen konkretisiert sich in den Aufgaben: Optimierung der Recherche, Optimierung der IT-Infrastruktur, Literaturetatmittelplanung und -bewirtschaftung, Förderung der Informationskompetenz, Verbesserung der Kommunikation.

4.2.1 Optimierung der Recherche

Intellektuelle und maschinelle Erschließung sind die Voraussetzung für erfolgreiches Recherchieren. Linked Open Data verbessern die Verfügbarkeit von Metadaten und öffnen Bibliothekskataloge ins Semantic Web. Shibboleth optimiert den ortsungebundenen Zugriff auf lizenzierte Medien.

Strategische Vorgehensweise:

  • Erschließung des gesamten Bestandes der ULB zum Abschluss bringen,

  • Zusammen mit Verlagen das Authentisierungs- und Autorisierungssystem Shibboleth implementieren und an die Nutzerinnen und Nutzer vermitteln,

  • Web-Anwendungen für mobile Endgeräte entwickeln,

  • Bereitstellung digitaler Informationen für die Lehre, z. B. elektronische Lehrbuchsammlung, elektronische Leseplätze.

4.2.2 Optimierung der IT-Infrastruktur

Strategische Vorgehensweise:

  • Beobachtung und Analyse der Entwicklungen im DFG-Projekt „Cloudbasierte Infrastruktur für Bibliotheksdaten“ (CIB) und der strukturellen Veränderungen in der Verbundlandschaft,

  • Evaluation des Umstiegs auf ein cloudbasiertes Katalogisierungssystem (Nachfolge Aleph),

  • Einführung eines neuen Discovery-Systems (Nachfolge Primo),

  • Fokus auf mobile Anwendungen,

  • Fortführung und Intensivierung der Zusammenarbeit mit dem ZIM.

4.2.3 Literaturetatmittelplanung und -bewirtschaftung

Strategische Vorgehensweise:

  • Transparente, gemeinsam mit den Fakultäten durchgeführte Planungen zur Literaturmittelanmeldung,

  • Einführung eines regelmäßigen Berichtswesens für die Bewirtschaftung der Literaturmittel auf der Ebene der Fakultäten,

  • Optimierung des Informationsflusses zwischen SKULB und den Fakultätsleitungen.

4.2.4 Förderung der Informationskompetenz

Die ULB Düsseldorf fördert im Dialog mit ihren Nutzerinnen und Nutzern deren Informations- und Medienkompetenz. Sie ist angesichts des kontinuierlichen Wandels im Informationssektor und sich entsprechend verändernder Nutzungsgewohnheiten bestrebt, ihre Angebote für Informations- und Medienkompetenz ständig bedarfsorientiert weiterzuentwickeln. Voraussetzung dafür ist, dass die Bibliothek die Bedarfe ihrer Nutzerinnen und Nutzer systematisch erhebt, um passgenaue Services konzipieren, aber auch proaktiv neue Trends aufgreifen zu können. Des Weiteren wird eine enge Verzahnung persönlicher und digitaler Vermittlungskanäle angestrebt, um orts- und zeitungebunden größtmöglichen Zugang zu Informations- und Medienkompetenz-Angeboten zu gewährleisten.

Strategische Vorgehensweise:

  • Zielgruppenorientierte Weiterentwicklung des Beratungs- und Schulungsangebots hinsichtlich neuer Inhalte, optimaler Vermittlungsformen und größtmöglicher Verfügbarkeit,

  • Erweiterte Verzahnung des Beratungs- und Schulungsangebots mit den Curricula der HHU,

  • Kompetenzausbau in Methoden der Nutzerforschung, systematische Erhebung von Nutzerbedarfen und Vernetzung mit den unterschiedlichen Nutzergruppen,

  • Initiativen für gemeinsame Lehrveranstaltungen im Bereich der geistes- und kulturwissenschaftlichen Forschung, den Digital Humanities sowie in den Historischen Sammlungen und im Universitätsarchiv.

4.2.5 Verbesserung der Kommunikation

Die ULB Düsseldorf optimiert ihre Kommunikation durch Festschreibung einer Kommunikationsstrategie auf der Basis der Bibliotheksstrategie. Als service- und nutzerorientierte Einrichtung ist sie bestrebt, ihre Nutzerinnen und Nutzer umfassend über ihre Aktivitäten und deren Ergebnisse – neue Services, Dienstleistungen, Medienangebote – zu informieren. Zunehmend differenzierte Angebote (passgenaue Services) und neue Kommunikationsinstrumente verlangen eine transparente Kommunikationsstrategie, bei der die unterschiedlichen Zielgruppen gleichermaßen Berücksichtigung finden.

Strategische Vorgehensweise:

  • Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit durch die Entwicklung von Konzepten für zielgruppenspezifische Kommunikation und Vernetzung: bibliotheksintern, hochschulintern (Rektorat, Forschende, Lehrende, Studierende) und hochschulextern,

  • Optimierung/Modernisierung bestehender Kommunikationsplattformen, z. B. Newsletter, und Nutzung neuer Kommunikationsplattformen, z. B. Facebook,

  • Weiterentwicklung und Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit für das in der ULB verwahrte kulturelle Erbe (z. B. durch Ausstellungen und Publikationen).

4.3 Bilden – Motivieren – Gestalten

Das Handlungsfeld Bilden – Motivieren – Gestalten konkretisiert sich in den Aufgaben: Optimierung des Bibliothekssystems, Gestaltung des Lern- und Forschungsortes Bibliothek, Personalentwicklung und zukunftssichere Aufbauorganisation.

4.3.1 Optimierung des Bibliothekssystems

Die ULB Düsseldorf hat ihr einschichtiges Bibliothekssystem kontinuierlich optimiert. Veränderungen der Nutzungsgewohnheiten, neue Trends im Informationssektor, aber auch die baulichen Gegebenheiten und die Personalausstattung der ULB erfordern laufend Veränderungen. In engem Dialog mit den Fakultäten werden Konzepte unter den Prämissen eines bestmöglichen Dienstleistungsangebots für die jeweiligen Fächer sowie eines optimalen Ressourceneinsatzes von Personal, Fläche und Erwerbungsmitteln innerhalb des gesamten Bibliothekssystems entwickelt.

Strategische Vorgehensweise:

  • Bestmögliche Bereitstellung von Literaturbeständen und Arbeitsplätzen an den beiden interimistischen Standorten der Verbundbibliothek Geisteswissenschaften während der Kernsanierung des Gebäudes 23.21,

  • Evaluierung der spezifischen Bedarfe für die dezentralen Bibliotheksstandorte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen und der Philosophischen Fakultäten sowie Rightsizing des Bibliothekssystems unter Nachfrage- und Kostenaspekten.

4.3.2 Gestaltung des Lern- und Forschungsortes Bibliothek

Die ULB Düsseldorf setzt die Gestaltung der Bibliothek als physischen und virtuellen Raum fort. Konzeption und Realisierung gut ausgestatteter, motivierender, physischer Lern-, Arbeits- und Forschungsumgebungen, die den unterschiedlichen Bedürfnissen und Anforderungen von Studierenden und Wissenschaftlern der verschiedenen Fakultäten sowie Forschenden von außerhalb der Universität entsprechen, gehören ebenso zu den Zielen der ULB wie die Optimierung von virtuellen Arbeitsumgebungen und die Entwicklung virtueller Beratungsangebote. Eine der Grundlagen für erfolgreiches Lernen, Arbeiten und Forschen stellt die gut strukturierte Präsentation der für die verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen relevanten Bestände in der Zentralbibliothek, in den Fachbibliotheken und im virtuellen Raum dar.

Strategische Vorgehensweise:

  • Optimale Bestandspräsentation für die einzelnen Wissenschaftsdisziplinen durch ein systematisches Monitoring der Bestände in den Freihandbereichen,

  • Fortsetzung des Prozesses zur Optimierung der physischen Lern-, Arbeits- und Forschungsumgebungen, z. B. durch moderne „Learning Spaces“ oder einen Forschungslesesaal.

  • Entwicklung und Umsetzung von Konzepten für eine enge Verzahnung persönlicher und digitaler Beratung,

  • Optimierung der Magazinstruktur insbesondere durch die Spezifikation einer Magazinerweiterung in unmittelbarer räumlicher Nähe zur Zentralbibliothek.

4.3.3 Personalentwicklung

Die Kompetenzen, Innovationskraft und Motivation der Mitarbeitenden sind ein Schlüsselfaktor für die erfolgreiche Umsetzung der Strategie. Die ULB entwickelt die Kompetenzen ihrer Beschäftigten kontinuierlich weiter und befähigt sie dadurch, aktiv an der Zielerreichung mitzuwirken und auf äußere und innere Impulse einer sich kontinuierlich wandelnden bibliothekarischen Arbeitswelt bestmöglich vorbereitet zu sein.

Strategische Vorgehensweise:

  • Systematische Personalentwicklung, sodass die Mitarbeitenden motiviert und möglichst eigenverantwortlich ihren Beitrag zur Umsetzung des Auftrags der ULB leisten können,

  • Individuelle Weiterentwicklung über die bedarfsgerechte allgemeine Förderung von Kompetenzen hinaus,

  • Bedarfsorientierte und zielgerichtete Fortbildung für Team- und Führungskräfte,

  • Personalbindung durch optimale Rahmenbedingungen für eine gelungene Work-Life-Balance im Rahmen der von der Hochschule vorgegebenen Grundsätze,

  • Neueinstellung in allen Bereichen mit Fokus auf IT-Affinität sowie Kommunikations- und Teamfähigkeit.

Danksagung:

Die Strategie wurde gemeinsam vom Führungsteam der ULB erarbeitet; allen Beteiligten sage ich herzlich Danke.

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Irmgard Siebert

Foto: Hanna Horn

Foto: Hanna Horn

Dr. Irmgard Siebert

Leitende Bibliotheksdirektorin, Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, Universitätsstr. 1, 40225 Düsseldorf, Deutschland


Published Online: 2016-07-12

Published in Print: 2016-08-01


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 50, Issue 8, Pages 698–711, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2016-0089.

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