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Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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ISSN
2194-9646
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Volume 51, Issue 2

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Nationaler Aktionstag für die Erhaltung schriftlichen Kulturguts in Göttingen

Dorothee Huff / Johannes Mangei
  • Corresponding author
  • Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Historisches Bibliotheksgebäude, Papendiek 14, 37073 Göttingen, Deutschland
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Published Online: 2017-01-16 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2017-0014

Zusammenfassung

In Erinnerung an Katastrophen wie den Einsturz des Kölner Stadtarchivs, den Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar oder die Folgen des Elbehochwassers findet der „Nationale Aktionstag für die Erhaltung schriftlichen Kulturguts“ statt. Er weist auf Gefahren wie Schimmel, Papierzerfall und Tintenfraß hin. Der Beitrag schildert die Aktivitäten, die zum 12. Aktionstag im November 2016 in Göttingen durchgeführt wurden.

Abstract

The “National Day of Action for the preservation of written cultural assets” takes place in order to recall catastrophes like the collapse of the municipal archive of Cologne, the fire in the Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar or the consequences of the Elbe flood. It draws attention to dangers like mildew, paper decay and ink corrosion. The report describes the projects conducted on the occasion of the 12th Day of Action in Göttingen in November 2016.

Schlüsselwörter: 12. Nationaler Aktionstag; Bestandserhaltung; Schriftliches Kulturgut

Keywords: 12th National Day of Action; preservation of collections; written cultural assets

Auf großes Interesse stießen die zahlreichen Angebote, zu denen am 12. November 2016 im Rahmen des „Nationalen Aktionstags für die Erhaltung schriftlichen Kulturguts“1 in das Historische Bibliotheksgebäude der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB) eingeladen wurde. Die öffentliche Veranstaltung war mit der Konferenz „How many copies should libraries preserve?“2 verbunden, die vom 11. bis 12. November vor Ort stattfand und ein internationales Fachpublikum versammelte. Zudem wurde der Aktionstag von der Sonderausstellung „Conn3ct – 2 media, 1 story“ begleitet (07.10.2016 – 18.12.2016), die an diesem Tag einen Besucherrekord verzeichnete.

Nach der Eröffnung durch den Hausherrn Wolfram Horstmann und einem Grußwort des Präsidenten der Allianz Schriftliches Kulturgut Erhalten3 , Michael Hollmann (Bundesarchiv Koblenz), startete die Veranstaltung mit einer hochrangig besetzten Podiumsdiskussion zum Thema „Wegwerfen oder bewahren? Die Erhaltung von Akten und Büchern – eine ungelöste Herausforderung“. Die Diskussionsrunde stellte zugleich die Verbindung zu der Konferenz „How many copies should libraries preserve?“ dar. Neben Moderator Wolfram Horstmann saßen Michael Hollmann, Ulrich Niederer (Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern), Bernard F. Reilly (Center for Research Libraries, Chicago), Marg van der Burgh (Metamorfoze, Koninklijke Bibliotheek Den Haag), John MacColl (Research Libraries UK, St. Andrews, UK) und Thomas Bürger (Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) auf dem Podium. Parallel zur Podiumsdiskussion startete ein vielfältiges Programm. Gut besucht waren die 14 Führungen durch Restaurierungswerkstatt, Kartensammlung, Digitalisierungszentrum, durch die Sonderausstellung „Conn3ct – 2 media, 1 story“ und durch das Historische Gebäude. So konnten die Besucher Einblicke in die Spezialsammlungen der SUB Göttingen sowie in die verschiedenen Arbeitsbereiche der Bibliothek erhalten, die sich mit der Erhaltung der Bibliotheksbestände sowohl durch Restaurierung schon entstandener Schäden als auch durch Prävention zukünftiger Verluste beschäftigen.

 Auch der Einsatz von technischem Gerät wurde beim Blick hinter die Kulissen der Restaurierungswerkstatt vorgestellt (Foto: Martin Liebetruth).
Abb. 1:

Auch der Einsatz von technischem Gerät wurde beim Blick hinter die Kulissen der Restaurierungswerkstatt vorgestellt (Foto: Martin Liebetruth).

Daneben war die Beratung „Mein altes Buch“ äußerst beliebt. Bibliotheksmitarbeiter informierten hier Besucher zu ihren mitgebrachten Schätzen. Darunter waren viele Werke aus dem 18. und 19. Jahrhundert, aber z. B. auch eine Lutherbibel aus dem Jahr 1594. Die Besucher nutzen den Aktionstag somit ebenfalls, um Informationen für den Erhalt ihrer Privatsammlung zu gewinnen.

 Auf große Nachfrage stieß das Angebot der Buchbinderei, selbst Lesezeichen aus Leder oder Karton zu prägen (Foto: Martin Liebetruth).
Abb. 2:

Auf große Nachfrage stieß das Angebot der Buchbinderei, selbst Lesezeichen aus Leder oder Karton zu prägen (Foto: Martin Liebetruth).

Ständig dicht umlagert war das Angebot der Buchbinderei, die mit Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern unter anderem Lesezeichen aus Leder und Karton anfertigte. Um die Besucher weiterhin zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema anzuregen wurde ein Wettbewerb unter dem Titel „Mein Aktionstag“ veranstaltet, der dazu aufforderte, den Tag frei gestaltbar zu dokumentieren.

Viele der Bücherliebhaber ließen es sich außerdem nicht nehmen, ihre eigene Sammlung beim Bücherflohmarkt aufzustocken. Der Erlös aus dem Verkauf fließt in das Projekt „Aktion Buchpatenschaft“4 der SUB Göttingen und sorgt somit dafür, dass durch den Aktionstag auch tatsächlich zum Erhalt konkreter historischer Bestände beigetragen wurde.

Zur weiteren Information der Besucher wurden Kurzvorträge angeboten, die einzelne Projekte zur Konservierung und Restaurierung schriftlichen Kulturguts vorstellten und die Komplexität des Themas verdeutlichten. Den Auftakt machte ein Beitrag über Wasserschaden-Projekte – ein Thema, das in Göttingen aufgrund der noch nicht beseitigten Schäden am Bestand infolge von Wassereinbrüchen nach der Zerstörung des Bibliotheksgebäudes während des Zweiten Weltkriegs sowie aufgrund schlechter Magazinbedingungen in den Folgejahren noch immer Bedeutung hat. Bis heute warten noch einige tausend Bände auf ihre Rettung; eine Aufgabe, der sich die hauseigene Restaurierungswerkstatt zusammen mit der Buchbinderei und mit externen Dienstleistern verstärkt verschrieben hat. Diese Arbeiten werden durch Bestandserhaltungsmittel des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur (MWK), aus Eigenmitteln der Bibliothek und durch die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK)5 gefördert. Daran schloss sich ein Vortrag von Mechthild Schüler, u. a. Fachreferentin für Geographie und Leiterin der Kartensammlung, und Magdalena Schumann, langjährige Mitarbeiterin der Restaurierungswerkstatt (beide SUB Göttingen), zum Thema Kartenrestaurierung an. Renate van Issem, die von 1971 bis 2014 die Göttinger Restaurierungswerkstatt leitete, und Sandra Hildebrandt (Technische Leiterin einer Wolfsburger Brandsanierungsfirma) berichteten im nachfolgenden Beitrag über die Sanierung einer halben Million brandgeschädigter Bücher mittels Trockeneis und Aktiv-Sauerstoff. Anschließend berichtete Eva Brozowsky (Mitarbeiterin im Sonderforschungsbereich 950 der Universität Hamburg) über die Rettung der Timbuktu-Manuskripte.6

Abgerundet wurde der Tag schließlich durch den Abendvortrag von Heinrich Detering (Akademie für Sprache und Dichtung und Universität Göttingen), der seine Gedanken in einer Rückführung zum Thema der Podiumsdiskussion unter dem Titel „Zeitkapseln. Vom Nutzen und Nachteil des Wegwerfens.“ teilte. Zwischen den Extremen der tabula rasa und dem kompromisslosen Aufheben von allem und jedem wurde die Schwierigkeit, aber auch Notwendigkeit deutlich, zu entscheiden, was für die Nachwelt erhalten werden soll.

Insgesamt kann der Aktionstag in Göttingen als Erfolg verbucht werden. Dies verdeutlicht zum einen die Besucherzahl, die manche Erwartungen übertraf, aber noch viel mehr das Interesse, das die Besucherinnen und Besucher dem Thema Bestandserhaltung entgegenbrachten und welches sich in der aktiven Teilnahme an den verschiedenen Aktionen und Diskussionen äußerte. Es zeigte sich wieder, dass durch derartige Veranstaltungen das Bewusstsein für die Probleme und Aufgaben der Bestanderhaltung in Bibliotheken und Archiven geweckt werden kann, wenngleich zukünftig – eventuell auch in veränderten Formaten – noch stärker überregionale, nationale und internationale Aspekte in den Blick genommen werden müssen. Hieran gilt es anzuschließen, um mithilfe einer für das Thema Bestandserhaltung sensibilisierten Öffentlichkeit die langfristige Sicherung des schriftlichen Kulturguts für künftige Generationen noch stärker als Anliegen von Politik und Gesellschaft zu verankern.

Footnotes

  • 1

    https://www.sub.uni-goettingen.de/wir-ueber-uns/oeffentliche-veranstaltungen/bisherige-oeffentliche-veranstaltungen/nationaler-aktionstag-fuer-die-erhaltung-schriftlichen-kulturguts/ [Zugriff: 27.11.2016]. 

  • 2

    https://www.sub.uni-goettingen.de/wir-ueber-uns/oeffentliche-veranstaltungen/bisherige-oeffentliche-veranstaltungen/konferenz-how-many-copies-should-libraries-preserve/ [Zugriff: 27.11.2016]. 

  • 3

    http://www.allianz-kulturgut.de/ [Zugriff: 27.11.2016]. 

  • 4

    https://www.sub.uni-goettingen.de/spenden-foerdern/aktion-buchpatenschaft [Zugriff: 27.11.2016]. 

  • 5

    http://www.kek-spk.de/home/ [Zugriff: 27.11.2016]. 

  • 6

    Vgl. http://www.dw.com/de/deutsche-forscher-retten-timbuktu-manuskripte/a-17699526 bzw. http://www.restaurierung-brozowsky.com/ [Zugriff: 27.11.2016]. 

About the article

Dorothee Huff

Dorothee Huff

Akazienweg 63, 37083 Göttingen

Johannes Mangei

Dr. Johannes Mangei

Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Historisches Bibliotheksgebäude, Papendiek 14, 37073 Göttingen


Published Online: 2017-01-16

Published in Print: 2017-02-01


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 51, Issue 2, Pages 144–149, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2017-0014.

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