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Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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2194-9646
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Volume 51, Issue 2

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Neue Lernvideos der ULB Münster: Volltextsuche und Themenfindung

Björn Robert Schmidt / Julia Spenke
Published Online: 2017-01-16 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2017-0019

Zusammenfassung

Lernvideos sind ein fester Bestandteil im E-Learning-Angebot der ULB Münster. Im Projekt „Qualität der Lehre – Angebote zur Informationskompetenz“ entstehen unter anderem Videos mit fachspezifischer Ausrichtung. Die Screencasts „E-Books & Co: wissenschaftliche Volltexte im Netz“ stellen Suchinstrumente für die Recherche nach freien Volltexten vor. An konkreten Suchfällen zeigen wir, wie und wofür zum Beispiel Google Books oder Base genutzt werden können. Beim Video „Von der Idee zum Thema einer wissenschaftlichen Arbeit“ haben wir erstmalig Legetechnik als Darstellungsform ausprobiert.

Abstract

Training videos are an integral part of the e-learning range the ULB Münster offers. In the project “Teaching quality – offers regarding information competence” subject-related videos are produced. The screencasts titled “E-books & Co: scientific full texts in the internet” present search tools suitable for searching for free full texts. With the help of real research cases we will show how and for which purpose Google Books or Base can be used. For the video “From the idea to the subject of a scientific work “ we have tried laying technique as the form of representation for the first time.

Schlüsselwörter: Lernvideos; E-Learning; fachspezifische Angebote; Informationskompetenz

Keywords: training videos; e-learning; subject-related offers; information competence

1 Einleitung

Vermittlung von Informationskompetenz an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ist ein „Massengeschäft“. Um trotzdem auf die Besonderheiten und unterschiedlichen Bedürfnisse einzelner Fachbereiche eingehen zu können, setzt die ULB Münster seit einigen Jahren auch auf E-Learning.

Das Informationskompetenz-Projektteam1 der ULB Münster erstellt in Zusammenarbeit mit der Abteilung Information und den FachreferentInnen fachspezifische E-Learning- und Blended-Learning-Angebote mit Bezug zum wissenschaftlichen Arbeiten. Wichtig ist die Kooperation mit den Fachbereichen der Universität, denn so können die Angebote auf die Bedürfnisse des jeweiligen Fachgebietes abgestimmt werden. Die Inhalte werden so aufbereitet, dass sie sowohl im Selbststudium erarbeitet, als auch in den Lehrveranstaltungen der Fachbereiche oder in Bibliotheksschulungen eingesetzt werden können. Besonderes Augenmerk wird auch auf die Optimierung der Angebote für mobile Endgeräte gelegt.

Die Gestaltung der Inhalte ist unterschiedlich: Auf den Internetseiten der ULB werden Aufgaben angeboten, die mithilfe von Materialien (siehe Webquest-Angebot der ULB Münster2 ) selbstständig gelöst werden können. In den interaktiven Lerneinheiten im Lernmanagementsystem Moodle können die Studierenden gleichzeitig lernen, üben und ihr Wissen überprüfen, und mithilfe von Lernvideos können sie sich über Themen der Recherche und des wissenschaftlichen Arbeitens informieren. Die Lernvideos werden auch auf den Youtube-Kanal von LOTSE gestellt, sodass sie von anderen Einrichtungen einfach nachgenutzt werden können.3

Viele dieser E-Learning- Angebote vermitteln vorrangig Recherchestrategien, zum Beispiel für die Suche in lokalen Suchinstrumenten oder Fachdatenbanken. Wo Bedarf und Interesse im Fachbereich besteht, erstellt das Projektteam aber auch Lern-Angebote zu Themen, die andere Bereiche im Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens betreffen. Die Videotutorials „Von der Idee zum Thema einer wissenschaftlichen Arbeit“4 zum Beispiel unterstützen Studierende bei der Suche nach einem geeigneten Thema für ihre erste Hausarbeit.

2 Von der Idee zum Video: das Beispiel „E-Books & Co: wissenschaftliche Volltexte im Netz“

Am Anfang jeder Videoproduktion steht die Überlegung, wo Bedarf besteht und welcher grundsätzliche Aufbau eines neuen Tutorials am besten geeignet ist. So machen wir zum Beispiel immer wieder die Erfahrung, dass Fernleihbestellungen vermieden werden könnten, weil die gewünschte Literatur frei im Internet zur Verfügung steht. Suchinstrumente für freie Volltexte scheinen bei unseren Nutzern nicht ausreichend bekannt zu sein. Die ULB Münster bietet eine Präsenz-Schulung zum Thema Volltext-Suche an. Zusätzlich sind Videos zu einzelnen Suchinstrumenten entstanden. Sie dienen als Ergänzung zur Schulung, sowie als Einstiegsangebot für NutzerInnen, die keine Gelegenheit haben, die Schulung zu besuchen.

Die Videos sollen keine zweistündige Schulung ersetzen. Sie wurden daher von Anfang als kurze „Informationshäppchen“ von etwa 5 Minuten Länge konzipiert: für Personen, die sich schnell informieren möchten.

Des Weiteren befinden sich im Angebot der ULB bereits E-Tutorials zur Suche im Internet, diese beinhalten aber nur wenige Informationen zu den Instrumenten für eine Volltextsuche. Die Produktion der neuen Videos bot eine gute Gelegenheit, diese Lücke zu füllen und zugleich die geeigneten Suchinstrumente einem größeren Zielpublikum vorzustellen.

Die Zielgruppe bilden insbesondere Studierende und Wissenschaftler der Geschichte und der Geisteswissenschaften, die oftmals bereits urheberrechtsfreie Literatur aus dem 19. Jahrhundert und aus der Zeit davor suchen. Im Video sollen die in der Schulung ausführlich behandelten Suchinstrumente jeweils anhand eines praktischen Suchbeispiels erläutert werden: der Karlsruher Virtuelle Katalog, Google Books, Google Scholar, Bielefeld Academic Search Engine und Internet Archive.

Jedes einzelne Video stellt ein Suchinstrument mit seinen spezifischen Vor- und Nachteilen vor. Den Studierenden wird darin verdeutlicht, dass es nicht das eine Universalinstrument gibt, sondern dass immer mehrere Werkzeuge in Kombination eingesetzt werden sollten, um bestmögliche Erfolge zu erzielen.

Als vorrangige Suchinstrumente für ältere Literatur präsentieren wir Google Books und Internet Archive, für die Suche nach aktuellerer Forschungsliteratur und Dissertationen stellen wir BASE und Google Scholar vor. In jedem Video unterhalten sich zwei Kommilitoninnen über eine spezifische Suche. Wichtig ist es uns hier, neben Hinweisen zur Verwendung der Suchinstrumente auch aufzuzeigen, für welche Suchanliegen einzelne Instrumente geeignet sind.

Dabei ist das Beispiel jeweils so gewählt, dass es mit dem korrespondierenden Suchinstrument nur unter erschwerten Bedingungen gefunden werden kann. So können wir in der Gesprächssituation einen Querverweis auf das thematisch passende andere Video einflechten. Dies geschieht jedoch ohne eine strikte Abspielreihenfolge der Videos vorauszusetzen. Jedes Video kann auch für sich allein stehen.

Nach den grundsätzlichen Überlegungen zu Zielsetzung, Länge, Inhalt und Gestaltung wählten wir passende Suchbeispiele und formulierten übergreifende Lehrziele sowie eine grobe Struktur, auf denen dann erste Drehbuchfassungen mit Anmerkungen zu den einzelnen Arbeitsschritten und ihrer Visualisierung aufbauten. Die Drehbücher werden in der Regel oft diskutiert und nachbearbeitet, bis die erste Präsentationsfassung eines Videos steht. Anschließend produzieren wir die Videos mit dem Authoring-Tool Adobe Captivate5 in Form von Screencasts6 . Dabei werden im Browser erstellte Bildschirmfotos von den einzelnen Arbeitsschritten des jeweiligen Suchinstruments in Captivate zusammengeführt und mit den Erläuterungen in Textform sowie mit Mausbewegungen und Hervorhebungen versehen.

 Die Folienstruktur links im Bild erinnert an Powerpoint. Rechts sehen Sie die Vorschau und darunter auf dem Spurenmanager die im Programm eingefügten Effekte und Mausbewegungen.
Abb. 1:

Die Folienstruktur links im Bild erinnert an Powerpoint. Rechts sehen Sie die Vorschau und darunter auf dem Spurenmanager die im Programm eingefügten Effekte und Mausbewegungen.

Auf diese Weise lassen sich die Videos bei Bedarf einfach nachbearbeiten und aktualisieren. Die Alternative, die Arbeitsschritte direkt im Browser zu kommentieren und abzufilmen, stellt für eine eventuelle Nachbearbeitung einen Mehraufwand dar7 .

 So sieht das Ergebnis im Videoplayer auf der ULB-Tutorseite aus.
Abb. 2:

So sieht das Ergebnis im Videoplayer auf der ULB-Tutorseite aus.

3 „Von der Idee zum Thema einer wissenschaftlichen Arbeit“ – ein Legetechnik-Video

Unser neuestes Video, das sich mit der Suche nach einem Thema für eine Haus- oder Abschlussarbeit befasst, entstand aus einem Bedarf der Schulung „Von der Themenstellung zur Literatur“ heraus – nicht nur die Recherche zu einem Thema, sondern bereits die Themenfindung sind immer wieder Gegenstand von Anfragen. Seine von unserer herkömmlichen Methode, die Videos als Screencasts aufzubauen abweichende Darstellung in der Legetechnik wurde inspiriert von anderen Erklärvideos, die mit Legetechnik arbeiten. Diese für uns neue Gestaltungstechnik auszuprobieren empfanden wir als eine willkommene Herausforderung an unsere Kreativität. Außerdem bot sich die neue Methode gerade für dieses Thema an, weil keine Suchoberflächen oder Programme dargestellt und erläutert werden mussten.

 So sieht das Ergebnis im Videoplayer auf der ULB-Tutorseite aus.
Abb. 3:

So sieht das Ergebnis im Videoplayer auf der ULB-Tutorseite aus.

In Zusammenarbeit mit einer Dozentin des Germanistischen Seminars mit dem Schwerpunkt Linguistik entwickelte das Team einen Entwurf für ein Video. Inhaltlich wollten wir den Themenfindungsprozess von der Sammlung erster Ideen über das Eingrenzen des Themas bis hin zu einer Fragestellung für eine Hausarbeit beziehungsweise in einem ergänzenden Schritt hin zur Forschungsfrage einer Abschlussarbeit darstellen. Obwohl das Video ein Beispiel aus der Sprachwissenschaft behandelt und die Zielgruppe damit aus Studierenden der Germanistik und Linguistik besteht, war es uns wichtig, Studierenden aller Fachrichtungen Methoden und Tipps an die Hand zu geben.

Gemeinsam mit der Dozentin wählten wir eine unserer Meinung nach typische Ausgangssituation: Der Student Lars muss für ein bereits etwas länger zurückliegendes Seminar noch eine Hausarbeit abliefern, hat aber bislang keine zündende Idee für ein Thema. Während er sich erneut ins Thema einarbeitet, entwickelt er erste Ansätze und Themenvorschläge, die er gemeinsam mit seiner Dozentin bespricht und verfeinert. Nach der Festlegung auf sein Thema trifft er eine Kommilitonin, die gerade ihre Abschlussarbeit vorbereitet und auf ähnlichem Weg wie Lars ihr Thema ausgearbeitet hat. Nun setzt sie sich noch etwas näher mit ihrer Forschungsfrage auseinander. Sie stellt Lars das Konzept und den Nutzen einer prägnant formulierten Forschungsfrage vor.

Die Legetechnik wirkt mit ihrem Charme des Handgemachten nach unserer Einschätzung anziehend. Ihre Verwendung erlaubte es uns, eine kleine Geschichte mit einem Protagonisten zu erzählen, die in ihrer Komplexität auch etwas über die in unseren im Screencast-Format produzierte, übliche Dialogsituation zweier „Sprechblasen“ hinausgeht. Die Schablonen von Hand zu erstellen und zu kolorieren sowie für eine spätere Verwendung digital zu archivieren war eine Herausforderung für sich.

Eine weitere Hürde war die Beschaffung der benötigten technischen Ausrüstung. Anders als bisher konnten wir bei der Produktion nicht auf Adobe Captivate zurückgreifen, sondern mussten die Videosequenzen mit einer senkrecht auf die Schablonen ausgerichteten Kamera erstellen. Glücklicherweise konnten wir dabei auf die Foto-Reprostation der ULB Münster zurückgreifen.

 Die Schablonen werden dem Drehbuch gemäß auf der Unterlage positioniert und bewegt.
Abb. 4:

Die Schablonen werden dem Drehbuch gemäß auf der Unterlage positioniert und bewegt.

Für den Schnitt und das Zusammenfügen der abgefilmten Sequenzen suchten wir ein gratis verfügbares Videoschnittprogramm und arbeiteten uns in die neue Materie ein. Im VSDC Free Video Editor unterteilten wir die Aufnahmen für eine leichtere Nachbearbeitung in einzelne Szenen, falls später noch Teile hinzugefügt oder entfernt werden sollten, und fügten Soundeffekte sowie das separat aufgenommene Voice-Over hinzu.

Die Ergebnisse unserer Bemühungen sehen Sie im LOTSE-Youtube-Kanal und auf der E-Tutorialseite der ULB Münster.

4 Ausblick

Die Arbeit am Video zur Themenfindung ist noch nicht abgeschlossen: über die Dozentin, die uns bei der Konzeption des Videos beraten hat, wollen wir Feedback der Studenten einholen. Auf Grundlage der Feedbacks wird das Video möglicherweise an einigen Stellen überarbeitet. Außerdem planen wir, das Video zum Ende des Semesters, wenn viele Hausarbeiten anstehen, verstärkt insbesondere in sprachwissenschaftlichen aber auch geisteswissenschaftlichen Fächern zu bewerben. Möglicherweise finden sich dort weitere Kooperationspartner – zum Beispiel für eine Anpassung des Videos auf die Besonderheiten anderer Disziplinen. Die Finanzierung des Projekts durch das Bund-Länder-Programm für bessere Studienbedingungen und mehr Qualität in der Lehre wurde auf weitere vier Jahre verlängert, und so freut sich das Projektteam auf weitere Kooperationen.

Footnotes

  • 1

    Es handelt sich um ein Projekt im Rahmen des Bund-Länder-Programms für bessere Studienbedingungen und mehr Qualität in der Lehre: Projekt Qualität der Lehre – Teilprojekt Informationskompetenz http://www.ulb.uni-muenster.de/bibliothek/aktivitaeten/projekte/qualitaet-der-lehre-infokompetenz.html [Zugriff: 9.11.2016]. 

  • 2

    ULB-Tutor: Webquest zur Literaturrecherche: www.ulb.uni-muenster.de/webquest [Zugriff: 9.11.2016]. 

  • 3

    Die Lernvideos können von den Internetseiten der ULB (http://www.ulb.uni-muenster.de/etutorials), auf dem Youtube-Kanal von LOTSE (https://www.youtube.com/user/LotseTeam) oder im Videoportal der Universität Münster aufgerufen werden. [Zugriff: 9.11.2016]. 

  • 4

    ULB-Tutor: Von der Idee zum Thema einer wissenschaftlichen Arbeit: www.ulb.uni-muenster.de/etutorials/themenfindung [Zugriff: 9.11.2016]. 

  • 5

    An der ULB Münster haben wir seit vielen Jahren eine Lizenz für Adobe Captivate. Die Verwendung anderer Screencasting-Software, wie zum Beispiel Camtasia ist ebenfalls gut möglich. Außerdem gibt es kostenlose Alternativen im Internet. 

  • 6

    Das Kunstwort setzt sich aus den englischen Begriffen „Screen“ und „Broadcast“ zusammen. Gemeint ist die Aufnahme von Arbeitsabläufen in Programmen am PC als Video, analog zur Erstellung von Screenshots als statischen Momentaufnahmen. 

  • 7

    Während der Produktion wurde die Oberfläche von Internet Archive geändert. Dank der frühen Entscheidung für unsere Methode mussten wir lediglich einige Screenshots austauschen, anstatt alle Arbeitsschritte neu aufnehmen zu müssen. 

About the article

Björn Robert Schmidt

Björn Robert Schmidt

Concordenstraße 2, 48163 Münster

Julia Spenke

Julia Spenke

Universitäts- und Landesbibliothek Münster, Krummer Timpen 3, 48143 Münster


Published Online: 2017-01-16

Published in Print: 2017-02-01


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 51, Issue 2, Pages 197–205, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2017-0019.

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