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Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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2194-9646
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Volume 51, Issue 5

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Die Bernensia-Bibliothek der Universitätsbibliothek Bern – Konzept und Aufstellung eines neuen regionalen Angebots

Thomas Hayoz / Isabelle Kirgus
Published Online: 2017-04-14 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2017-0045

Zusammenfassung:

Im Zuge der Wiedereröffnung der ältesten öffentlichen Bibliothek der Stadt Bern, der heutigen Bibliothek Münstergasse, im Jahr 2016 wurde erstmals ein Präsenzangebot mit regionalen Publikationen realisiert. Die sogenannte Bernensia-Bibliothek versammelt Titel aus verschiedenen kantonal-bernischen Themenbereichen, die nach einer eigens kreierten Systematik aufgestellt sind. Mit Hilfe des physischen Webs kann von der Bernensia-Bibliothek ausgehend das komplementäre Online-Angebot zu Berner Themen angesteuert werden.

Abstract:

When reopening the oldest public library of the city of Bern, the now Münstergasse Library, in the year 2016, a reference collection containing regional publications has been added. The so-called Bernensia library assembles works from different groups of themes related to the city and the Canton of Bern, which are placed according to specially created systematics. With the help of the physical web, the complementary online offer of Bern subjects can be reached from the Bernensia library.

Schlüsselwörter: Landesbibliothek; regionales Bibliotheksangebot; hybrides Bibliotheksangebot

Keywords: state library; regional library offers; hybrid library offers

1 Einleitung

Mit der Wiedereröffnung der Zentralbibliothek Bern im Mai 2016 wurde nach zweieinhalbjähriger Umbauzeit an der Münstergasse gleichzeitig ein neues regionales Angebot eingeweiht, die so genannte Bernensia-Bibliothek. Die älteste Teilbibliothek der Universitätsbibliothek (UB) erhielt mit dem Umbau auch gleich einen neuen Namen, Bibliothek Münstergasse, und ein neues Profil. Sie positioniert sich heute als Lern- und Begegnungsort, Zentrum für Historische Bestände und Kantonsbibliothek. Mit Ausnahme eines Drittels der historischen Sammlungen wurde der Bestand der ehemaligen Zentralbibliothek in das UB-Speichermagazin am neuen Bibliotheksstandort vonRoll verschoben. Gleichzeitig wurden die Lern- und Arbeitsplätze auf rund 320 aufgestockt und diversifiziert. Neben dem allgemeinen Lesesaalbestand von etwa 7.000 Titeln und einer Auswahl von rund 400 wissenschaftlichen Zeitschriften ist die Bernensia-Bibliothek mit etwa 2.000 Titeln Teil des nur noch kleinen frei zugänglichen Printangebots an der Münstergasse, das durch ein neuartiges elektronisches Angebot, von dem noch die Rede sein wird, ergänzt wird.1

Die Universitätsbibliothek Bern nimmt auch die Funktion der bernischen Kantonsbibliothek wahr. Kernstück der kantonalen Aufgaben ist der Bernensia-Sammelauftrag. Die UB sammelt Publikationen mit inhaltlichem Bezug zum Kanton Bern (Inhalts-Bernensia), Publikationen von Bernerinnen und Bernern (Autoren-Bernensia) und Publikationen wichtiger bernischer Körperschaften (Körperschafts-Bernensia).2 Die Bernensia-Bibliothek ist ein neuer Teil dieses kantonalen Angebots, bezeichnet dabei aber nicht die Bernensia-Sammlung der UB an sich, sondern den physischen Ort in der Bibliothek Münstergasse und den Bernensia-Bestand, der dort präsentiert wird.3 Diese Präsenzbibliothek nimmt eine Hälfte des historischen Schultheissensaals ein, in dessen anderer die wissenschaftlichen Zeitschriften aufgestellt sind, und sie belegt eine Regalfläche von etwa 70 Laufmetern. Die Planung der Bernensia-Bibliothek lag in der Hand einer Projektgruppe, die sich auf Vorarbeiten und Untersuchungen einer Masterarbeit stützen konnte.4 Im Folgenden sollen zuerst die konzeptionellen Überlegungen, dann die eigens für diesen Bestand entwickelte Aufstellungssystematik und zum Schluss das zum Printbestand komplementäre digitale Angebot vorgestellt werden.

Bernensia-Bibliothek: Regalaufstellung mit drei Themenbereichen und rotem cUBe-Würfel (Foto: Iris Krebs).
Abb. 1:

Bernensia-Bibliothek: Regalaufstellung mit drei Themenbereichen und rotem cUBe-Würfel (Foto: Iris Krebs).

2 Bernensia-Bibliothek

2.1 Konzept

Die Bernensia-Bibliothek soll den kantonalen Sammelauftrag und die Bernensia-Sammlung der Universitätsbibliothek Bern für eine breite Öffentlichkeit sicht- und greifbar machen. Bis vor kurzem waren die Bernensia-Titel mit wenigen Ausnahmen alle im Magazin aufgestellt und nur durch eine Katalogrecherche auffindbar. Nun sind wichtige Teile der Sammlung für ein breites Publikum in einer Freihandaufstellung zugänglich. Die thematische Aufstellung der Titel erlaubt den Nutzerinnen und Nutzern ein Stöbern im Bestand und das Entdecken von bislang unbekannten Bernensia-Titeln. Gleichzeitig bietet die Bernensia-Bibliothek die Möglichkeit, gezielt bernische Nachschlage- und Standardwerke zu konsultieren. Sie ist die erste Anlaufstelle für gedruckte Bernensia innerhalb des Kantons Bern.

Damit die Standardwerke jederzeit konsultiert werden können und auch die populärsten bernischen Publikationen immer sichtbar sind, ist die Bernensia-Bibliothek eine reine Präsenzbibliothek. In der Regel existiert jedes Buch in drei Exemplaren: Es gibt also zusätzlich zu jedem Präsenz-Titel ein Exemplar im UB-Speichermagazin, das für die Heimausleihe zur Verfügung steht, und ein Archivexemplar.5

Blick in den Schultheissensaal auf den Themenbereich Literatur (Foto: Sabrina Bühlmann).
Abb. 2:

Blick in den Schultheissensaal auf den Themenbereich Literatur (Foto: Sabrina Bühlmann).

Die Bernensia-Bibliothek bildet auf dem begrenzten Raum, den der Schultheissensaal bietet, lediglich einen kleinen Ausschnitt der umfangreichen Bernensia-Sammlung der Universitätsbibliothek ab. Der ausgewählte Bestand beschränkt sich bewusst auf Sachbücher zu bernischen Themen und literarische Publikationen bernischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller, beides Sammelschwerpunkte, die durch die Universitätsbibliothek gut abgedeckt werden. In Ergänzung dazu sind Ausstellungskataloge bernischer Museen aufgestellt, selbst wenn diese keinen inhaltlichen Bernbezug aufweisen. Auf die generelle Aufstellung von Autoren- und Körperschafts-Bernensia wird verzichtet. Der Bernbezug der Titel der Bernensia-Bibliothek soll für den Benutzenden sofort erkennbar sein.

In ihrer schwerpunktmäßigen Ausrichtung will die Bernensia-Bibliothek sowohl die Bedürfnisse eines interessierten Laienpublikums als auch jene von Studierenden und Forschenden befriedigen und dazu eine möglichst breite Palette der bernspezifischen Buchproduktion zur Verfügung stellen. Dementsprechend reicht das Spektrum der vertretenen Titel von populären Wanderführen bis zu sehr spezifischen wissenschaftlichen Studien. Für das Gros des Bestandes mussten rückwirkend Zusatzexemplare gekauft werden. Aus diesem Grund besteht dieser in erster Linie aus noch lieferbaren, das heißt aktuellen Werken mit Publikationsdatum ab 2011. Ergänzt werden diese durch die Nachschlagewerke und Handbücher, die früher im allgemeinen Lesesaal aufgestellt waren. Fehlende Standardwerke älteren Datums wurden, wenn möglich, antiquarisch erworben.

Die eigentliche Titelauswahl folgt formalen Kriterien. Von den Inhalts-Bernensia werden gedruckte Verlagspublikationen und graue Publikationen berücksichtigt, die von Körperschaften herausgegeben werden. Bücher im klassischen Selbstverlag oder Print-on-Demand-Titel werden durch die UB zwar gesammelt, aber nicht zusätzlich in der Bernensia-Bibliothek aufgestellt. Aufgrund dieses Vorgehens kann ein großer Teil der aktuellen Buchproduktion mit inhaltlichem Bernbezug einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden, darunter auch Titel wie Jubiläumsschriften von Vereinen oder Dorfgeschichten, die sonst nur eingeschränkt bekannt würden, ohne dass die Publikationen inhaltlich gewertet werden. Im Rahmen einer periodischen Bestandspflege sollen ältere periphere Titel wieder ausgeschieden werden, um Neuerscheinungen Platz zu machen, während Standardwerke länger aufgestellt bleiben.

An inhaltlich bernischen Zeitschriften und Jahrbüchern werden ausgewählte Titel vor allem aus den Themenbereichen Geschichte und Heimatkunde ab Publikationsjahr 2011 präsentiert. Als wichtigste Veröffentlichung dieses Bereichs wird die Berner Zeitschrift für Geschichte gesamthaft jedoch bereits ab 1939 aufgestellt. Die Ausstellungskataloge bernischer Museen werden ebenfalls ab 2011 berücksichtigt. Sowohl bei den Zeitschriften als auch bei den Ausstellungskatalogen sollen periodisch jeweils die ältesten Jahrgänge ausgeschieden werden.

Was die literarischen Publikationen bernischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller angeht, so handelt es sich hierbei tatsächlich um eine Produktionsbibliothek. In der Bernensia-Bibliothek werden nämlich alle Verlagspublikationen ab Publikationsjahr 2011 angeboten. Bei Platzknappheit soll jeweils ein gesamter Publikationsjahrgang ausgesondert werden. Dieses Vorgehen soll das bernische literarische Schaffen sichtbar machen, ohne dass die Bibliothek bei der literarischen Kanonbildung mitmacht. Aufgrund dieser Praxis werden automatisch auch ältere Titel aufgestellt, die neu aufgelegt werden. Von der jahrgangsweisen Aussonderung sind die kritischen Gesamtausgaben ausgenommen, die zurzeit entstehen oder später entstehen werden.6 Auch die literarischen Titel können nicht direkt ausgeliehen werden, dazu ist auch in diesem Fall das Magazinexemplar bestimmt. So wird sichergestellt, dass auch die populären Werke jederzeit sicht- und greifbar sind.

Für alle Bücher gilt, dass sie gut aufstellbar sein müssen. Deshalb fallen Publikationen mit weniger als 40 Seiten Umfang durch das Aufstellungsraster. Aus demselben Grund werden in der Bernensia-Bibliothek auch keine Landkarten angeboten. Analoge audio-visuelle Medien werden aufgrund ihrer besonderen Anforderungen an Infrastruktur und Nutzung ebenfalls nicht miteinbezogen. Auf die Einbindung von Online-Angeboten wird in einem separaten Kapitel eingegangen.

2.2 Aufstellungssystematik

Für die Regalaufstellung der Bernensia-Bibliothek stellte sich die Frage, ob eine bereits bestehende Systematik verwendet oder eine neue eigens für diesen Bestand erstellt werden sollte. Die Regensburger Verbundklassifikation (RVK), die an der Universitätsbibliothek bereits Verwendung findet und für die Landeskunde des Kantons Bern unter NZ die Stellen 230.000–234.999 reserviert hält,7 wurde für den besagten Bestand als ungeeignet erachtet. Das breite thematische Spektrum der zu berücksichtigenden Bernensia in eine Klasse mit entsprechend gleichförmiger Notation zu zwängen, hätte zu viele Nachteile mit sich gebracht. Die RVK oder Universalklassifikationen wie die Dewey-Dezimalklassifikation (DDC) als Ganzes für die Bernensia-Bibliothek zu verwenden, wurde ebenfalls verworfen. Die Diskrepanz zwischen den zur Verfügung stehenden Klassen und den tatsächlich mengenmäßig vorhandenen Publikationen wäre zu gross gewesen. Von der Lösung der Kantonsbibliothek St. Gallen, auf ihren separat aufgestellten modernen Sangallensien-Bestand die DDC in modifizierter Form anzuwenden, wurde ebenfalls abgesehen. Dort kommen die geografischen DDC-Positionen an erster Stelle, was eine regionale Ordnung der Titel ermöglicht.8 Für die Bernensia-Bibliothek wurde eine thematische Aufstellung des Bestandes vorgezogen.

Weil keine bereits ausgearbeitete Lösung den besonderen Anforderungen des Bestandes entsprach, wurde schließlich eine Aufstellungssystematik eigens für die Bernensia-Bibliothek entworfen, die sich im Detaillierungsgrad am Publikationsvolumen der im Konzept zur Aufstellung vorgesehenen Bernensia orientiert. Dazu wurde mittels Listen die allgemeine Bernensia-Sammlung ab Publikationsjahr 2001 im Hinblick auf die vertretenen Themen und deren Tiefe ausgewertet. Die mit Hilfe dieser Analyse definierten 17 Hauptklassen9 bilden keine wissenschaftlichen Fächer ab, sondern umreissen grob Themenbereiche, die die Bibliothek in sinnvolle, das heißt überschaubare Bestandseinheiten unterteilen, die sowohl ein Stöbern im Regal und als auch ein Browsen am Computer ermöglichen sollen. Die Themenbereiche selbst sind in der Regel noch weiter unterteilt, aber hierarchisch flach gehalten. Der allgemeinen Verständlichkeit wegen wurden zur Benennung der Klassen und Unterklassen eine einfache Terminologie und sprechende Signaturen gewählt. Es gibt beispielsweise die Hauptklasse Geschichte, für die Signatur zu Gesch abgekürzt, oder Natur und Umwelt, abgekürzt zu Natur.

Legende zum Kreisdiagramm: Prozentuale Verteilung der Themenbereiche.
Abb. 3:

Legende zum Kreisdiagramm: Prozentuale Verteilung der Themenbereiche.

Zurzeit werden in der Bernensia-Bibliothek auf 70 Laufmetern rund 2.000 Titel angeboten. Zu den umfangreichsten Themenbereichen gehören Literatur, bildende, angewandte und darstellende Künste, Geschichte und die Hauptklasse Stadt und Land mit heimatkundlichen Publikationen. Ebenfalls umfangreich ist der Bereich Freizeit, Sport und Kochen mit vielen praktischen Titeln wie Reise- und Wanderführern oder regionalen Kochbüchern. Es gibt auch kleinere Themenbereiche wie etwa Sprache mit Dialektwörterbüchern oder Natur und Umwelt, die ihrer Sichtbarkeit wegen eine eigene Hauptklasse bilden. Gibt es für Themen mit kleinerem Publikationsaufkommen einen gemeinsamen Nenner, werden diese in einer Hauptklasse vereint, wobei diese jeweils weiter in Unterklassen unterteilt ist. Als gutes Beispiel sei hier Gesellschaft, Bildung, Soziales und Volkskunde genannt, ein Themenbereich, der sich um die heutige Gesellschaft dreht.

Gibt es innerhalb eines Themas einen Bereich, zu dem es außergewöhnlich viele Publikationen gibt, dann steht dafür eine eigene Unterklasse zur Verfügung, so etwa diejenige für den bernischen Universalgelehrten Albrecht von Haller unter Wissenschaft, Hochschulen, Bibliotheken und Archive.

Einige Themenbereiche wie Geschichte, Archäologie, Stadt und Land, aber auch Baukunst und Freizeit, Sport und Kochen werden geografisch untergliedert. Dazu wird die offizielle Einteilung der bernischen Verwaltungsregionen verwendet. Die drei großen Städte Bern, Thun und Biel/Bienne werden zusätzlich gesondert geführt. Einzig bei Geschichte findet sich eine chronologische Gliederung der Geschichte des Gesamtkantons.10 Zeitschriften und Jahrbücher sind Teil der thematischen Aufstellung und werden nicht separat präsentiert. Ein Formalschlüssel dient dazu, innerhalb der Unterklassen die Publikationen sinnvoll zu ordnen.11 So stehen Lexika und Nachschlagewerke jeweils an erster Stelle, während die Zeitschriften einheitlich am Schluss der Themen aufgestellt werden. Biografien wiederum werden mit einem entsprechenden Formalschlüssel zusammengeführt.

Für die bernische Literatur, die Sekundärliteratur zu bernischen Schriftstellerinnen und Schriftstellern, Büchern zu Künstlerinnen und Künstlern sowie Musikerinnen und Musikern findet der Formalschlüssel keine Anwendung. Damit die Werke eines einzelnen Schriftstellers oder die Publikationen zu einer Künstlerin jeweils alle beieinanderstehen, werden diese nach den Nachnamen der Kulturschaffenden geordnet. Dazu werden die ersten drei Buchstaben des Nachnamens und der erste des Vornamens verwendet. Ausstellungskataloge aus bernischen Museen wiederum werden zusätzlich nach Ausstellungsjahr geordnet. Darüber hinaus werden alle Publikationen mittels Cutter-Sanborn12 individualisiert (in der Regel gemäß Verfasser, in Ausnahmen auch gemäß Titel). Die Signaturen sind dadurch komplex und für Laien nicht einfach verständlich, sie sichern aber eine stringente Ordnung des Bestandes. Ein Vorspann (MUE BE) weist auf die Zugehörigkeit des Bestandes zur Bibliothek Münstergasse in Bern hin. Regelmäßiges Kontrollieren der Einreihung durch das Bibliothekspersonal vor Ort soll diese Problematik entschärfen.

Signaturbeispiele

Monografie mit historischem Thema: MUE BE Gesch 250-5 T641

Literarisches Werk Robert Walsers: MUE BE Lit 100 WAL R I31

Ein Ausstellungskatalog des Kunstmuseums Bern: MUE BE Muse 214-2 2016 C539

2.3 Das digitale Angebot

Komplementär zum Printbestand werden in der Bernensia-Bibliothek elektronische Ressourcen zur Verfügung gestellt. Dies geschieht zum einen auf konventionelle Weise durch zwei Computer-Terminals, die in die Regale der Bibliothek integriert sind. Zum anderen gibt es für die Bernensia-Bibliothek analog zum Zeitschriften- und Lesesaalbestand im Haus ein Angebot, das vor Ort über das Netz aufgerufen werden kann. Voraussetzung dafür ist lediglich das persönliche mobile Gerät mit Internetverbindung – das heisst Smartphone, Tablet oder Notebook – sowie die App physical web (oder alternative Angebote wie PHY.net). Über unsichtbar in den Regalen installierte Beacons werden via Bluetooth Daten übermittelt. Der Gegenstand „Buch“ wird dadurch mit Online-Informationen und -Aktionen ausgestattet, wodurch ein physisches Web, ein Internet der Dinge, entsteht. Das Angebot läuft unter der Bezeichnung cUBe; markante rote Würfel, die ebenfalls in den physischen Bestand integriert sind, machen auf dieses Angebot aufmerksam.13

Das cUBe-Angebot in der Bernensia-Bibliothek ermöglicht unter anderem den direkten Zugang zu DigiBern, dem Online-Portal für Geschichte und Kultur von Stadt und Kanton Bern, das vor allem digitalisierte historische Bestände enthält.14 In gleicher Weise wird die Literapedia Bern, das Online-Lexikon der Berner Schriftstellerinnen und Schriftsteller, zur Verfügung gestellt.15 Sie ist integraler Bestandteil der Präsentation und Vermittlung bernischer Literatur, ist sie doch gleichzeitig Referenz dafür, wer als Berner Schriftstellerin oder Schriftsteller gilt, und Informationsquelle zu den Autorinnen und Autoren der aufgestellten Werke. Auch die Bibliographie der Berner Geschichte steht via cUBe zur Verfügung. Sie ist ein Verzeichnis mit Artikeln, Monografien und Buchkapiteln zur bernischen Geschichte. Daneben bilden Architektur, Kunst und Texte zur Literatur einen weiteren Schwerpunkt, wobei für diese Themen auch nicht-historische Publikationen erfasst sind.16 Durch die Einbettung des offiziellen Bernensia-Twitter-Accounts17 der Universitätsbibliothek Bern schließlich werden laufend aktuelle einschlägige Meldungen angeboten.

Das Bernensia-Angebot via cUBe.
Abb. 4:

Das Bernensia-Angebot via cUBe.

3 Fazit

Mit der Bernensia-Bibliothek in der Bibliothek Münstergasse konnte erstmals in der Geschichte des Berner Bibliothekswesens ein sehr spezifisches Bern-bezogenes Präsenzangebot realisiert werden. Während die Helvetica in der ehemaligen Stadtbibliothek viele Jahre lang einen prominenten Aufstellungsort hatten, werden die Bernensia nun erstmals in den Bibliotheksräumlichkeiten sichtbar. Die kleine, aber mit sorgfältig ausgewählten Beständen bestückte Bibliothek ist damit Schaufenster bibliothekarischer Sammellust und Ausschnitt des „Berner Gedächtnisses“ zugleich. Als Präsentationsort für wissenschaftliche Publikationen über Bern, die schöne Literatur von Berner Autorinnen und Autoren sowie für vielerlei andere Bücher über den facettenreichen Kanton Bern ruft die Bernensia-Bibliothek auch die Funktion der UB Bern als Kantonsbibliothek in Erinnerung. Mit dem Projekt cUBe gelingt die Realisation der hybriden Bibliothek: Am Regal der Bernensia-Bestände ist die parallele und komplementäre Konsultation von gedruckter Literatur und ausgewählten Online-Angeboten möglich.

Anhang:

Hauptklassen der Systematik

Literatur (Lit)

Sprache (Spra)

Wissenschaft, Hochschulen, Bibliotheken und Archive (Wiss)

Baukunst (Bau)

Bildende, angewandte und darstellende Künste (Kunst)

Bernische Museen (Muse)

Musikleben, Bands, MusikerInnen (Musik)

Archäologie (Arch)

Geschichte (Gesch)

Stadt und Land (Regio)

Gesellschaft, Bildung, Soziales und Volkskunde (Soz)

Religion (Rel)

Politik, Verwaltung und Recht, Militär (Pol)

Wirtschaft (Wirt)

Verkehr, Energie und Technik (Tech)

Natur und Umwelt (Natur)

Freizeit, Sport und Kochen (Freiz)

Formalschlüssel

  • –0

    Lexika und Nachschlagewerke

  • –1

    Verzeichnisse aller Art (Bibliografien etc.)

  • –2

    Ausstellungskataloge

  • –3

    Quellenwerke

  • –4

    Handbücher, Einführungen

  • –5

    Monografien und Sammelbände aller Art

  • –6

    Biografisches

  • –7

    Praktische Literatur (Reiseführer, Kochbücher etc.)

  • –8

    Sonstiges

  • –9

    Zeitschriften, Jahrbücher

Themenbereich Geschichte

Geschichte (Gesch)

Genealogie, Heraldik, Numismatik > Gesch 000

Kanton Bern (inkl. Stadtrepublik Bern)

Epochenübergreifend > Gesch 100

Antike Geschichte > Gesch 110

Mittelalter (500–1500) > Gesch 120

Frühe Neuzeit (1500–1800) > Gesch 130

Neuzeit (1800–1913) > Gesch 140

Neueste Geschichte (1914-) > Gesch 150

Bern-Mittelland > Gesch 200

Stadt Bern > Gesch 250

Berner Jura (historische Ausdehnung) | Jura bernois (notion historique) > Gesch 300

Emmental-Oberaargau > Gesch 400

Oberland > Gesch 500

Stadt Thun > Gesch 550

Seeland > Gesch 600

Stadt Biel | Ville de Bienne > Gesch 650

Ehemals bernisch (Aargau und Waadt) > Gesch 700

Themenbereich Literatur

Literatur (Lit)

Berner Belletristik

SchriftstellerInnen A-Z > Lit 100

Anthologien > Lit 200

Sekundärliteratur

Allgemeines > Lit 300

Einzelne SchriftstellerInnen A-Z > Lit 350

Footnotes

  • 1

    Die institutionelle Geschichte der Berner Bibliotheken ist komplex und nicht bis in die neueste Zeit aufgearbeitet. Hier eine Übersicht über die letzten Jahre: Im Jahr 2007 wurden die Stadt- und Universitätsbibliothek Bern (StUB) und die universitären Bibliotheken zur Universitätsbibliothek Bern (UB Bern) zusammengeführt. Die StUB nahm dabei die Rolle einer Zentralbibliothek innerhalb des funktional einschichtigen Bibliothekssystems ein (ZB Bern). 2016 wurde aus der ZB Bern die Bibliothek Münstergasse (BMü). Zum Hintergrund der Umbenennung und Neukonzipierung der ZB Bern siehe: Landolt, Niklaus: Bibliothek Münstergasse – zeitgemässer Lernort im historischen Gebäude. In: Burgerbibliothek Bern (Hg.): Durchblick. Umbau Archiv- und Bibliotheksgebäude Münstergasse. Bern 2016, S. 41–46. Wichtige Hinweise zur neuesten Bibliotheksgeschichte finden sich in der Zeitschrift Libernensis (2002–2008) und in den Jahresberichten der Universitätsbibliothek Bern (seit 2007). Beide Publikationen sind auf DigiBern online verfügbar: [Zugriff: 13.2.2017]. Zur stadtbernischen Bibliotheksgeschichte seien folgende Titel empfohlen: Bibliotheca Bernensis. Festgabe zur Einweihung des umgebauten und erweiterten Gebäudes der Stadt- und Universitätsbibliothek und der Burgerbibliothek Bern am 29. und 30. August 1974, hrsg. von der Burgergemeinde Bern. Bern 1974. Michel, Hans A.: Das wissenschaftliche Bibliothekswesen Berns vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Zum Jubiläum 450 Jahre Stadt- und Universitätsbibliothek Bern 1535–1985. In: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde 47 (1985), S. 167–234. Engler, Claudia: Zentralbibliothek der Universitätsbibliothek Bern. In: Handbuch der historischen Buchbestände in der Schweiz, hrsg. von der Zentralbibliothek Zürich. Hildesheim 2011, Bd. 1, S. 240–261. 

  • 2

    Das aktuelle Sammelkonzept, das lediglich als internes Papier vorliegt, stammt aus dem Jahr 2011 und ist seit 2012 gültig. Es sieht vor, dass Inhalts-Bernensia und Autoren-Bernensia in der Regel zweifach gesammelt werden: in einem Exemplar für die Heimausleihe und in einem Archivexemplar, das die Universitätsbibliothek nicht verlässt. Für die Bernensia-Bibliothek wird ein drittes Exemplar erworben. Auf die Sammlung von Verlags-Bernensia wird aufgrund des fehlenden Pflichtexemplars (dépôt légal) verzichtet. Die UB Bern wird bei der Wahrnehmung ihres Sammelauftrags finanziell durch die Burgergemeinde Bern unterstützt. 

  • 3

    Es gibt weitere Bernensia-Angebote und -Dienstleistungen, wie beispielsweise das Online-Portal DigiBern, das Schriftstellerlexikon Literapedia Bern und die Bibliographie der Berner Geschichte. Zu diesen Angeboten siehe Anm. 14–16. 

  • 4

    Jörg, Monika: Bernensia. Sammelkonzept und Handbibliothek. Masterarbeit MAS Bibliotheks- und Informationswissenschaft Universität Zürich 2011. 

  • 5

    Ausgenommen davon sind Zeitschriften und Jahrbücher, die seit der Eröffnung des neuen Speichermagazins nur mehr im Lesesaal der Bibliothek vonRoll eingesehen oder deren Einzelartikel alternativ mittels Dokumentenlieferdienst bestellt werden können. 

  • 6

    Zurzeit sind dies die Historisch-kritische Gesamtausgabe von Jeremias Gotthelfs Werk und die Kritische Ausgabe sämtlicher Drucke und Manuskripte Robert Walsers. 

  • 7

    Wie Anm. 4, S. 136–138. 

  • 8

    Kantonsbibliothek Vadiana St. Gallen, internes Dokument, gültig seit 2014. 

  • 9

    Siehe Anhang. 

  • 10

    Im Anhang finden sich Beispiele aus den Themenbereichen Geschichte und Literatur. 

  • 11

    Formalschlüssel siehe Anhang. 

  • 12

    [Zugriff: 13.2.2017]. 

  • 13

    [Zugriff: 13.2.2017]. 

  • 14

    [Zugriff: 13.2.2017]. 

  • 15

    [Zugriff: 13.2.2017]. 

  • 16

    [Zugriff: 13.2.2017]. 

  • 17

    [Zugriff: 13.2.2017]. 

About the article

Thomas Hayoz

Bernensia-Koordination, Universitätsbibliothek Bern, Münstergasse 61, 3000 Bern 8, Schweiz

Isabelle Kirgus

Leiterin Bibliothek Münstergasse, Universitätsbibliothek Bern, Münstergasse 61, 3000 Bern 8, Schweiz


Published Online: 2017-04-14

Published in Print: 2017-05-01


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 51, Issue 5, Pages 439–453, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2017-0045.

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