Jump to ContentJump to Main Navigation
Show Summary Details
More options …

Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

12 Issues per year

Online
ISSN
2194-9646
See all formats and pricing
More options …
Volume 51, Issue 8

Issues

25 Jahre Fachinformationssystem (FIS) Bildung – eine einzigartige Kooperation

25 years Fachinformationssystem (FIS) Bildung – a unique co-operation

Alexander Botte
  • Corresponding author
  • Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, Schloßstr. 29, 60486 Frankfurt am Main, Deutschland
  • Email
  • Other articles by this author:
  • De Gruyter OnlineGoogle Scholar
Published Online: 2017-07-28 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2017-0071

Zusammenfassung

Der Artikel stellt die Entstehung und die Entwicklung der Datenbank Fachinformationssystem (FIS) Bildung ausführlich dar und geht dabei besonders auf die Aspekte länder- und disziplinübergreifende Kooperationen, thematische Breite und Förderprogramme ein.

Am Schluss wird die Frage diskutiert, ob Publikationsdatenbanken in der modernen Forschungs- und Wissenschaftswelt weiter Bestand haben werden.

Abstract

This article presents thoroughly the building and development of the educational information system (Fachinformationssystem (FIS) Bildung) data bank and focusses on the aspects of international and interdisciplinary co-operations, range of subjects and promotion programs.

Finally the question is discussed whether publication data banks will continue to exist in the modern world of research and science.

Schlüsselwörter : Fachinformationssystem Bildung; Geschichte 1992–2017

Keywords : Fachinformationssystem Bildung; history 1992–2017

1 Einleitung

1994 erschien unter dem Titel „Literaturdokumentation Bildung: bibliographische Daten zur Erziehungswissenschaft und zu pädagogischen Praxisfeldern“ die erste Ausgabe des später „FIS Bildung Literaturdatenbank“ genannten Fachinformationsdienstes auf dem Medium CD-ROM. Die CD-ROM, die fortan bis 2005 jährlich aktualisiert wurde, war das wichtigste Produkt des gut zwei Jahre zuvor eingerichteten BLK-Modellversuchs „Erprobung der Konzeption für ein Fachinformationssystem Bildung“ (1992–1996). Schon im selben Jahr 1994 erschien in dieser Zeitschrift ein erster Artikel1 , der die neue CD-ROM und den Modellversuch vorstellte.

In den Folgejahren entwickelte sich die Datenbank technologisch und editorisch weiter:

  • Die Datenbank erschien von 1994 bis 2005 auf CD-ROM.

  • Ab 1998 waren aktuelle Ergänzungen zur CD-ROM online recherchierbar, ab 2001 wurde die gesamte Datenbank parallel zur CD-ROM auch online angeboten.

  • 2005 erfolgte die Integration ins Fachportal Pädagogik (Link).

  • Seit 2010 ist die ursprünglich kostenpflichtige Datenbank im Rahmen einer konsequenten Open-Access-Strategie frei im Internet zugänglich (Link-Referenz).

Der Modellversuch war am 25. März 1992 von zwölf Gründungsmitgliedern im Hessischen Wissenschaftsministerium mit einer ersten Fachtagung aus der Taufe gehoben worden2 . Wenn auch zu diesem Zeitpunkt nur ein befristetes Projekt, gehörte FIS Bildung als eine der letzten entsprechenden Einrichtungen in den Kontext der drei Fachinformationsprogramme (1974 bis 1994) der Bundesregierung, die den Aufbau von ursprünglich 16 geplanten Fachinformationseinrichtungen anstrebten. Die relativ späte Realisierung einer Informationseinrichtung für die Bildung war einerseits auf die politische Komplexität durch die Verantwortung der Länder für Bildungsfragen zurückzuführen, andererseits erschwerte die große Vielzahl (ca. 130) und technische Rückständigkeit von Datensammlungen im Bildungsbereich (Bibliographische Referenz) die erwünschte Perspektive eines einheitlichen und homogenen Zugriffs über eine zentrale Datenbank. Durch die starke Unterstützung der Kultusministerkonferenz gelang es, ein auf Probe angelegtes kooperatives System anzulegen, das mit allen Bundesländern abgestimmt war.

Die Koordinierungsstelle von FIS Bildung wurde beim Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt am Main eingerichtet, was eine strategisch sinnvolle Entscheidung war. Denn als sowohl vom Bund als auch von den Ländern finanzierte Einrichtung der Leibniz-Gemeinschaft war das DIPF in den Folgejahren in der Lage, projektförmig erprobte Strukturen nachhaltig abzusichern und durch innovative Ergänzungsmaßnahmen an neue Herausforderungen anzupassen. Aus heutiger Sicht lassen sich neben dieser institutionellen Besonderheit einige weitere Merkmale erkennen, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass diese am Anfang durchaus prekäre Konstruktion inzwischen ein Vierteljahrhundert Bestand hat.

2 Länder- und disziplinübergreifende Kooperation

An der ersten CD-ROM waren bereits 14 zuliefernde Einrichtungen beteiligt. Bei Erscheinen der zweiten Ausgabe 1995 schrieb das Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg: „Mit derzeit 244.000 Dokumenten mit Erscheinungsjahr ab 1980 – damit über 30.000 mehr als in der Ausgabe 1 (1994) der CD-ROM Literaturdokumentation Bildung – ist die Literaturverzeichnung im Bereich Erziehung und Bildung dem aktuellen Nachweis einen wesentlichen Schritt näher gekommen. Heute melden 17 Dokumentationsstellen die Literaturnachweise an die Geschäftsstelle von FIS-Bildung […] Durch die Zusammenarbeit mit österreichischen Institutionen ist die Erfassung der deutschsprachigen erziehungswissenschaftlichen Literatur weitgehend erreicht, doch würde die Beteiligung vor allem der heilpädagogischen Institutionen in der Schweiz und die Nutzung von deren laufenden Bibliographien eine wesentliche Bereicherung darstellen“3 .

Die zweite Ausgabe der „Literaturdokumentation Bildung“ auf CD-ROM, Februar 1995.
Abb. 1:

Die zweite Ausgabe der „Literaturdokumentation Bildung“ auf CD-ROM, Februar 1995.

Seit vielen Jahren ist inzwischen auch die Schweiz unter Einschluss der „Stiftung Schweizer Zentrum für Heil- und Sonderpädagogik“ Partner von FIS Bildung. In den ersten 10 Jahren verzeichnete FIS Bildung einen weitgehend kontinuierlichen Zuwachs an neuen Partnern und infolgedessen häufig auch sehr hohe jährliche Steigerungsraten an Dokumenten, da die neuen Partner ja nicht nur Literatur des aktuellen Jahrgangs in die gemeinsame Datenbank einbrachten, sondern die Jahrgänge bis 1980 rückwirkend ergänzten.

Die verteilte Erschließung und die Integration der dezentral mit spezifischer Fachkompetenz erstellten Teildaten in ein gemeinsames Gesamtprodukt bilden ein bis heute beibehaltenes Konzept von FIS Bildung. Der FIS Bildung Partnerverbund besteht sowohl aus Teil- und Nachbardisziplinen der Pädagogik als auch aus Einrichtungen der Bundesländer und des deutschsprachigen Auslands. Aufgenommen wurden laufend aktualisierte Bestände der Literaturdokumentation, sofern diese mit vertretbarem Aufwand technisch und strukturell in die Datenbank integrierbar waren.

In den letzten Jahren sind zum Teil auch Sammlungsaktivitäten erst neu mit dem Ziel entstanden, thematische Lücken in der FIS Bildung Literaturdatenbank zu schließen. In der Regel baute und baut der FIS-Bildung-Verbund aber auf bereits bestehende Informationsdienste auf. Dabei bestimmen die Partnereinrichtungen von FIS Bildung aus ihrer jeweiligen fachlichen Zuständigkeit heraus, welche Publikationen sie für dokumentationswürdig erachten.

FIS Bildung koordinierte zeitweise über 30 sehr unterschiedliche Partnereinrichtungen, allerdings verlief die Dynamik der Kooperationen auf die Dauer nicht nur in eine Richtung: seit Ende der 90er Jahre kam es immer wieder auch zur Schließung von Fachinformationseinrichtungen, die mitunter auf jahrzehntelange Traditionen zurück blicken konnten. Auch wenn die Mitwirkung dieser Einrichtungen bei FIS Bildung, für die es ja jeweils auch vertragliche Vereinbarungen gab, häufig die Auflösung von Dokumentationsteams hinauszögern konnten, halfen mittelfristig auch Unterstützungsgesuche an Ministerien nichts mehr, wenn der Rotstift einmal in Bewegung war. Von diesen Schließungen waren vor allem Teams in schulpraktisch ausgerichteten Landesinstituten betroffen, die ursprünglich mal zu den Hauptpartnern von FIS Bildung gehört hatten, für die sich Kultusministerkonferenz und Bund-Länder-Kommission besonders eingesetzt hatten.

Der FIS-Bildung-Verbund befasste sich frühzeitig mit strategischen Gegenmaßnahmen gegen den Substanzverlust durch Schließung von Dokumentationseinrichtungen. Zusammen mit dem nordrhein-westfälischen „Landesinstitut für Schule und Weiterbildung“ und Schulverlagen wurde z. B. eine spezifisch auf die Lehrerklientel gerichtete Auskoppelung aus der Gesamtdatenbank entwickelt, die unter dem Namen „Datenbank Schulpraxis“ als CD-ROM an Schulen verteilt wurde.

Letzte „Datenbank Schulpraxis“ auf CD-ROM 2009.
Abb. 2:

Letzte „Datenbank Schulpraxis“ auf CD-ROM 2009.

Diese Initiative trug zwar in NRW zur Bekanntheit der Datenbank bei, konnte allerdings mittelfristig nicht verhindern, dass das inzwischen umbenannte „Landesinstitut für Schule“ durch eine übergeordnete politische Entscheidung inklusive seiner großen Dokumentationsstelle geschlossen wurde4 . Zuvor waren schon ähnliche Einrichtungen in Berlin und Hessen, die ebenfalls zu den Gründungspartnern von FIS Bildung gehört hatten, im Zuge kultuspolitischer Strategiewechsel abgewickelt bzw. von Grund auf umorientiert worden.

Sehr begrenzt gelang es FIS Bildung zwar durch die Gewinnung kleinerer Partner für einzelne Fächer fachdidaktische Lücken zu schließen, aber letztlich ließ sich der Verlust der sehr breit aufgestellten Landesinstitute so nicht auffangen. Inzwischen ist FIS Bildung zur Strategie des „Outsourcing“ übergegangen, d. h. externe Dienstleister erschließen gegen Bezahlung für die in Frankfurt ansässige Koordinierungsstelle. Hier sind allerdings klare finanzielle Grenzen gesetzt, die vor allem dazu geführt haben, dass fachdidaktische Fachzeitschriften nur noch selektiv in Orientierung an ihrer Relevanz für die wissenschaftliche Arbeit ausgewertet werden.

FIS Bildung kooperiert eng mit den Fachgesellschaften – einerseits der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften, andererseits der Gesellschaft für Fachdidaktik, um sowohl selektive Entscheidungen als auch weitere kompensatorische Maßnahmen abzustimmen. Zu Letzteren gehört auch die seit einigen Jahren bestehende Möglichkeit, extern erschlossene Daten für den Eintrag in die FIS Bildung Literaturdatenbank vorzuschlagen. Das Tool „Publikation melden5 “ wird diskontinuierlich, aber übers Jahr so stark genutzt, dass externe Einträge zu den stärksten „Zulieferern“ von FIS Bildung gehören.

3 Nutzerbedarf und Technologie

Dieses dezentrale arbeitsteilige System basiert auf jahrelang entwickelten und abgestimmten Prozessen und Konventionen, die heute einerseits Routine sind, andererseits immer wieder ausgeweitet werden. Möglich war dies aber auch, weil die Weiterentwicklung der Datenbank- und Web-Technologien Verfahren der Datenintegration und Anwendungen der Nutzerorientierung zunehmend erleichterten. Nutzerorientierung bedeutete für FIS Bildung von Beginn an zweierlei: Einerseits sollte das möglichst innovative Format der Datenbank den Kunden zu eigenständiger Recherche befähigen, andererseits sollte die technologische Innovation nicht zu einer Barriere für die Nutzung werden, indem z. B. traditionelle Abonnenten noch keinen Zugang oder keine Neigung zu neuen technologischen Plattformen hatten.

„Bibliographie Pädagogik“, Ausgabe 1997.
Abb. 3:

„Bibliographie Pädagogik“, Ausgabe 1997.

Dies führte in den Anfangsphasen zeitweise auch zu parallel herausgegebenen Formaten: So wurde die vor FIS Bildung bereits existente gedruckte „Bibliographie Pädagogik“ des „Dokumentationsring Pädagogik6 “ zunächst noch bis 1998 weitergeführt, als mit dem Einstieg in die CD-ROM-Technologie der entscheidende erste Innovationssprung gesetzt wurde. Der nächste Übergang zur Online-Ausgabe erfolgte ab 2001 fließend: Zunächst wurden nur unterjährige Updates der jeweiligen CD-ROM-Ausgaben online angeboten. Ab 2004 wurde die CD-ROM endgültig durch die WWW-Version abgelöst und damit auch der Umstieg auf vierteljährliche Aktualisierungen vollzogen.

Neue technologische Möglichkeiten beeinflussten natürlich auch die Entwicklung der Nutzeroberfläche, wobei insbesondere Features zur Unterstützung der eigenständigen Recherche, z. B. durch Facetten als Funktion der Trefferliste, und zur Einbindung ergänzender Informationen, z. B. durch Verknüpfung externer Katalogdaten, zum Einsatz kamen. Auf technologischen Fortschritt ist es natürlich auch zurückzuführen, wenn der Anteil der nachgewiesenen Literatur, der online zur Verfügung gestellt werden kann, vor allem seit Beginn der 2000er Jahre deutlich angewachsen ist.

4 Thematische Breite unter Einschluss der pädagogischen Praxis

Fachinformationseinrichtungen bedienen in der Regel die Zielgruppen aus dem akademischen Bereich, also die Forschung und die hochschulbezogene Lehre. FIS Bildung hatte als maßgeblich von der Kultusministerkonferenz initiierte Einrichtung bereits als Gründungsauftrag übernommen, neben der Wissenschaft auch Zielgruppen in der Bildungspraxis (vor allem Lehrer) und der Bildungsverwaltung zu bedienen. So gehörte die KMK selbst mit ihrer Dokumentationsstelle auch schon zu den frühen Partnern von FIS Bildung, ebenso wie die bereits mehrfach erwähnten Landesinstitute einiger Kultusministerien.

Der breite Fächer unterschiedlicher Dokumentationsstellen, die zur FIS Bildung Literaturdatenbank zuliefern, beeinträchtigt trotz vielfältiger redaktioneller Korrekturmaßnahmen naturgemäß die Konsistenz der inhaltlichen Erschließung. So wurden gewisse Mängel in der Einheitlichkeit der Indexierung in Kauf genommen zugunsten einer thematischen Abdeckung, die verschiedene Zielgruppen bedient. Die Datenbank gehört auch aus diesem Grunde bis heute zu den am stärksten genutzten bibliographischen Fachdatenbanken im deutschen Sprachraum. Insbesondere bei Publikationen im Bereich der Fachdidaktik, aber auch in den Bereichen Bildungspolitik und -verwaltung ist ohnehin eine starke Überlappung praxisnaher und wissenschaftlicher Interessentengruppen vorhanden. Auch bei klarer Ausrichtung der Datenbank auf wissenschaftliche Zielgruppen, wie es für die meisten Fachinformationseinrichtungen üblich ist, müsste Literatur aus diesen Bereichen in breitem Maße nachgewiesen werden, um z. B. die Schul- und Hochschulpädagogik an den Universitäten bedarfsorientiert zu bedienen.

Die FIS Bildung Literaturdatenbank vertritt den Anspruch, alle Teilbereiche von Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung aufzunehmen. Dieser Anspruch wurde und wird jedoch dadurch eingegrenzt, dass aus all diesen Bereichen geeignete Partner gefunden werden müssen, die auf Dauer, also über einen Projektzeitraum hinaus, systematisch thematische Bereiche sichten und sachlich erschließen. Wo diese Partnerschaften zeitweise oder andauernd nicht zu vereinbaren waren, ist die Abdeckung in den entsprechenden Subdisziplinen deutlich geschwächt. Dies gilt z. B. seit der Einstellung der Literaturdokumentation im Deutschen Jugendinstitut auch für den Bereich Sozialpädagogik.

5 Förderprogramme als Hebel der Innovation

Von besonderer Bedeutung für den bisherigen Erfolg von FIS Bildung war es sicherlich auch, dass es immer wieder gelang, die notwendige Anpassung an neue Herausforderungen durch die Teilnahme an Förderprogrammen zu bewältigen. Schon als Modellversuch konnte der Partnerverbund in seiner weiteren Entwicklung von den bundesweiten DFG-Programmen profitieren.

  • Über die Förderung des Fachportal Pädagogik7 („Aufbau einer Virtuellen Fachbibliothek Pädagogik“ 2004–2008) wurde die Internetpräsenz der FIS Bildung Literaturdatenbank ermöglicht und zugleich sowohl die weitere Digitalisierung des Literaturbeschaffungsprozesses als auch die Ergänzung der bibliographischen Daten durch andere online verfügbare Fachinformationen eröffnet.

  • Mit dem Projekt pedocs 8 („Aufbau eines fachlichen Repositoriums für Pädagogik und Erziehungswissenschaft“ 2008–2011) rückte der zuvor schon erkennbare Nutzerbedarf an der Verknüpfung von bibliographischen Informationen mit digitalen Volltexten ins Zentrum.

  • Das Projekt „Fachinformationsdienst Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung“9 (seit 2015) zielt im Kern darauf ab, auch die Versorgung mit nicht-deutschsprachiger Fachliteratur und historischen Quellenbeständen als weitgehend integrierten digitalen Prozess zu gestalten.

6 Publikationsdatenbanken – ein Auslaufmodell?

Die Notwendigkeit von fachspezifischen Literaturdatenbanken im Zeitalter des Internet wird immer wieder in Zweifel gezogen. Dies überrascht zunächst insofern, als die Bedeutsamkeit von Publikationen für die Forschung und Lehre und die zentrale Funktionalität von Fachliteratur für die Kommunikation von wissenschaftlichen Ergebnissen ungebrochen ist. Denn Publikationen bleiben primäre Informationsquellen in allen Stadien des Bildungs- und Forschungsprozesses!

Zum anderen ist die Popularität von Google auch für die Literatursuche zwar unbestritten, aber auch heute noch erfüllen Fachdatenbanken den Anspruch als „Mehrwert“-Dienste im eigentlichen Sinne: Für die thematische Suche nach Literatur stellt die fachkompetente Vorauswahl und inhaltliche Erschließung immer noch einen Vorzug von Fachdatenbanken gegenüber der Google-Suche dar. So wirksam der Google-Algorithmus für die Suche nach bereits bekannter Literatur ist, umso zufälliger sind die Treffer bei offenen thematischen Recherchen. Die FIS Bildung Literaturdatenbank erhält durch die vollständige Google-Indexierung ihrer Datensätze viele Zugriffe infolge von Google-Nutzern. Wenn diese dann die fachliche zugeschnittene Datenbank und deren Hilfestellungen im Suchsystem für die weitere Recherche nutzen, erhalten sie Einblick in ein Expertensystem und schulen ihre Informationskompetenz in einer Weise, wie sie auch für Google-Recherchen später fruchtbar gemacht werden kann.

Der Bedarf an qualitativ hochwertigen Recherchen ist zwar kein alltäglicher, aber dass diese Argumentation nicht konstruiert ist, bestätigen die Nutzerzahlen. Die FIS Bildung Literaturdatenbank weist weiterhin hohe Nutzungsfrequenzen auf, auch wenn die Zeit der hohen Steigerungsraten vorüber ist. Fünfstellige monatliche Anwendersitzungen mit mehreren Seitenaufrufen sprechen bei aller notwendigen Relativierung10 von Nutzungsfrequenzen im Internet für einen anhaltenden Bedarf bei einem fachlich interessierten Publikum.

Neben die zentrale Funktion als Rechercheinstrument tritt die Bedeutung von Fachdatenbanken für die Selbstwahrnehmung der jeweiligen wissenschaftlichen Community. Die FIS Bildung Literaturdatenbank fand und findet weiterhin Verwendung bei der Beobachtung der Entwicklung von Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung11 . Stärker qualitativ ausgerichtetes Monitoring von wissenschaftlichen Publikationen basiert zwar weiterhin vor allem auf Analysen unter Nutzung der Datenbanken des „Web of Science“, dennoch steht gerade für sozial- und geisteswissenschaftliche Disziplinen außer Frage, dass die rein bibliometrischen Datenbanken ohne die Ergänzung der Daten aus Fachdatenbanken kein umfassendes Abbild z. B. der Bildungsforschung liefern können. In diesem Funktionsfeld stellen sich auch für die Zukunft Herausforderungen für die Fachdatenbanken, die darin bestehen, Selektionen nach qualitativen Aspekten zukünftig vermehrt und zuverlässiger bieten zu können.

Auch das wachsende Interesse an der Veröffentlichung primärer Forschungsdaten untergräbt nicht die Bedeutung von wissenschaftlichen Publikationen, sondern schafft im Gegenteil weiteren Bedarf nach der Verknüpfung beider Quellentypen in fachlichen Informationssystemen. Der neue Fachinformationsdienst für die Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung wird nicht nur die Literaturversorgung digital optimieren, sondern auch die Konnektivität mit weiteren wissenschaftsrelevanten Datenquellen verbessern. Die projektförmige innovative Weiterentwicklung des Fachportal Pädagogik sichert von daher die konsequente Einbettung der FIS Bildung Literaturdatenbank in ein zukunftssicheres multiples Informationssystem für die Fachwissenschaft.

Footnotes

  • 1

    Botte, Alexander: Das Fachinformationssystem (FIS) Bildung und die „Literaturdokumentation Bildung auf CD-ROM“. In: Bibliotheksdienst 28 (1994) 8, S. 1278–1282. 

  • 2

    Fachinformationssystem Bildung (Eschborn): Erste Fachtagung des Fachinformationssystems (FIS) Bildung. Am 25. März 1992 im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Wiesbaden 1992. 

  • 3

    https://www.bsz-bw.de/depot/media/3400000/3421000/3421308/95_0237.html [Zugriff: 18.04.2017]. 

  • 4

    Unter der Bezeichnung „Qualitäts- und Unterstützungsagentur – Landesinstitut für Schule“ existiert in Soest seit 01.12.2013 wieder eine – allerdings auf den beruflichen Bereich begrenzte – Einrichtung. 

  • 5

    http://www.fachportal-paedagogik.de/fis_eingabe_fpp/text/infotexte_allgemein/info_text.htm [Zugriff: 24.05.2017]. 

  • 6

    Botte, Alexander: Vom DOPAED zu FIS Bildung. Dezentralität als Herausforderung und Chance. In: Bildungsdokumentation Heute. Fachinformation für Wissenschaft und Praxis. 1. GIB-Fachtagung Frankfurt/Main, 10.–11. November 1993. Berlin: Gesellschaft Information Bildung 1994, S. 8–17. 

  • 7

    Bambey, Doris; Jornitz, Sieglinde: Fachportal Pädagogik – Recherche und mehr. Literatursuche im Rahmen eines fachlichen Allround-Services. In: BuB: Forum Bibliothek und Information, 58 (2006) 4, S. 336. 

  • 8

    Hansen, Günter: „Der grüne Weg des Open Access“. Fachverlage wagen bei den Erziehungswissenschaften ein Experiment – mit dem Dokumentenserver Pedocs. In: Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, 176 (2009) 32, S. 19–20. 

  • 9

    Kreusch, Julia u. a.: Fachinformationsdienst Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung – neue Wege der überregionalen wissenschaftlichen Literatur- und Informationsversorgung. In: Erziehungswissenschaft, 26 (2015) 50, S. 137–141. 

  • 10

    Die statistische Erfassung von Nutzungszahlen im Internet ist auch bei der Verwendung von Tools, die Roboterzugriffe auszuschließen versuchen, problematisch. Die extrem hohen Zahlen an Seitenaufrufen können qualitativ nicht mehr geprüft werden. Lediglich ausschließen lassen sich z. B. Seitenaufrufe, bei denen der Nutzer die Seite gleich wieder verlassen hat. Wenn lediglich mehrseitige Nutzungen gezählt werden, verzeichnet die FIS-Datenbank in den letzten Jahren jährlich zwischen 500.000 und knapp 800.000 Anwendungen. 

  • 11

    Beispielhaft zu nennen sind der „Datenreport Erziehungswissenschaften“ und CHE-Ranking der Hochschulfachbereiche. 

About the article

Alexander Botte

Alexander Botte

Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, Schloßstr. 29, 60486 Frankfurt am Main, Deutschland

Der Autor war von Januar 1992 bis Juli 2016 Leiter der Koordinierungsstelle von FIS Bildung am DIPF in Frankfurt am Main. Seit August 2016 ist die Teamleitung an Herrn Dr. Christoph Schindler übergegangen


Published Online: 2017-07-28


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 51, Issue 8, Pages 651–663, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2017-0071.

Export Citation

© 2017 by De Gruyter.Get Permission

Comments (0)

Please log in or register to comment.
Log in