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Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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ISSN
2194-9646
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Volume 52, Issue 3-4

Issues

Der EVIFA-Relaunch: Von der virtuellen Fachbibliothek zum One-Stop-Shop für die ethnologischen Fächer

Matthias Harbeck
  • Corresponding author
  • Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität, Unter den Linden 6, 10099 Berlin, Deutschland
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Published Online: 2018-03-10 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2018-0028

Zusammenfassung

Mit dem Wechsel vom SSG-System zu den Fachinformationsdiensten stehen auch die virtuellen Fachbibliotheken vor einem Umbruch. Welche Services sollen wie und warum fortgeführt werden? Wie nachhaltig kann man vor dem Hintergrund einer bedarfsorientierten, projektartigen Förderstruktur entwickeln? Der Artikel zeigt die Vorgehensweise, die Hürden und mögliche Lösungswege am Beispiel des Fachportals EVIFA im Fachinformationsdienst Sozial- und Kulturanthropologie. Es wird deutlich, dass in kleineren Einrichtungen eine Verringerung der Komplexität der Angebote sowie die Nachnutzung technischer Lösungen der Trägerinstitution aber auch anderer Einrichtungen eine größere Rolle spielen werden, da technische Entwicklungen in kurzfristigen Bewilligungszeiträumen schwer realisierbar sind.

Abstract

With the replacement of the SSG system with specialist information services, the virtual specialist libraries face a radical change, too. Which services are to be continued, how and why? How sustainable can a development be before the background of promotion structures that are limited to punctual needs and projects? The article shows the proceedings, the obstacles and possible solutions, taking the example of the specialist portal EVIFA in the specialist information service social and cultural anthropology. It becomes clear that in smaller institutions, a reduction of the complexity of the offers will play a bigger role as well as reusing technical solutions of higher and other institutions because technical developments are hard to realise in short-term periods.

Schlüsselwörter: Fachinformationsdienst; Fachportal; Sozial- und Kulturanthropologie

Keywords: specialist information service; specialist portal; social and cultural anthropology

1 Die Ausgangslage

Seit 2003 besteht die Virtuelle Fachbibliothek Ethnologie EVIFA als Service der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) und erfreut sich stetiger Nutzung (siehe Tabelle 1). Von 2003 bis 2007 wurde das Projekt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Das Portal war im Rahmen des Sondersammelgebiets (SSG) Volks- und Völkerkunde ursprünglich – ausgehend von damals weit verbreiteten Linklisten – als Katalog ethnologisch relevanter Internetseiten gedacht. Diese Idee wurde im so genannten Ethno-Guide realisiert, obgleich dieser bei Auslaufen der SSG-Förderlinie nur eine von vielen Säulen des Fachportals war – Suchmaschinen wie Google und andere Instrumente hatten die Entwicklung schlichtweg überholt. Ein Alleinstellungsmerkmal zu Beginn war die elektronische Version der Internationalen Volkskundlichen Bibliographie (IVB), in der die Einträge der Jahre 1985 bis 1998 enthalten und recherchierbar waren. Eine Metasuche über verschiedene Kataloge und Datenbanken sowie ein Newsbereich und (in Kooperation mit der ULB Münster) die Orientierungshilfe LOTSE ergänzten das Portfolio, um EVIFA als Einstiegsportal für die Recherche in den ethnologischen Fächern zu etablieren. Die Webseite wurde mit dem Content Management System Typo3 erstellt, an das mehrere „Extensions“ angedockt wurden, um eigene Datenbanken und andere Features zu integrieren. Trotz verschiedener „Face-lifts“ und Aktualisierungen des Content-Management-Systems war das Portal schon vor einigen Jahren seinen Kinderschuhen entwachsen, eine Generalüberholung ist überfällig. Im Routinebetrieb war dies – wie bei vielen anderen virtuellen Fachbibliotheken – allerdings schwer umzusetzen.

EVIFA nach dem Facelift 2015.
Abb. 1:

EVIFA nach dem Facelift 2015.

Mit dem Übergang der DFG-Förderung vom Sondersammelgebietssystem zu den Fachinformationsdiensten (FID) hat sich der Fokus der Förderung verschoben – vom vorsorgenden Bestandsaufbau zu fachbezogenen zentralen Services für informationssuchende Forschende mit möglichst einfachem Zugang zu den im besten Fall digitalen Informationen:

„Die Leistungen der Fachinformationsdienste grenzen sich von den Grundaufgaben wissenschaftlicher Bibliotheken und Informationseinrichtungen ab und stellen einen Mehrwert gegenüber bestehenden Angeboten dar. Aus diesem Grundsatz folgt, dass sich die Fachinformationsdienste beim Bestandsaufbau und bei der Entwicklung weiterer Dienstleistungen auf Bereiche konzentrieren, die über den Grundbedarf wissenschaftlicher Einrichtungen der betreffenden Fächer hinausgehen.“1

Die noch auf der ersten Seite des zitierten Merkblattes erwähnte Versorgung des Spitzenbedarfs,2 die schon zu SSG-Zeiten als Forderung nach der Spitzenversorgung postuliert wurde, ist insgesamt in den Programmpapieren der DFG in den Hintergrund getreten gegenüber den so genannten „Mehrwerten“. Das resultiert vermutlich nicht zuletzt aus der Schwierigkeit „Spitzenbedarf“ oder „Spitzenversorgung“ zu definieren, während es einfacher erscheint den Bedarf zu definieren, der über eine Grundversorgung hinausgeht: Grundversorgung wäre das, was sich die Universitäten im Durchschnitt alle leisten können, was von ihrem Personal als grundlegend gefordert und daher auch bereitgestellt wird. Dies kann sowohl die Versorgung mit Literatur als auch mit Rechercheinstrumenten und anderer Forschungsinfrastruktur beinhalten.

Für die im Zusammenhang mit dem SSG-System entwickelten virtuellen Fachbibliotheken bedeutet diese Neuausrichtung der Förderung eine Herausforderung und Chance zugleich: Die Fachportale rücken als Informationsquelle, Plattform digitaler Angebote und Kommunikationsmittel in den Mittelpunkt – sie müssen aus fachlicher Sicht Services bieten, welche die Heimatinstitution nicht zur Verfügung stellen kann; dafür stehen mit dem neuen Programm auch Mittel zur Verfügung. Die klare Orientierung dieses Förderangebots an Mehrwerten für die jeweilige Fachcommunity übt aber auch Druck auf die Fachportale (letztlich aber auf alle FID-Services) aus. Bleibt eine Nutzung durch die Fachcommunity aus oder doppelt sich der Dienst mit erfolgreichen Angeboten aus der Fachcommunity, wurde der Mehrwert entweder nicht erkannt (ggf. ist der ganze Service nicht bekannt) oder er ist für das Fach schlichtweg nicht relevant bzw. zu gering. Ersteres kann durch Öffentlichkeitsarbeit ausgeglichen werden, letzteres wäre durch Kundenmonitoring und Rückkopplung aus der Fachcommunity schnellstmöglich zu eruieren.

Im seit 2016 operierenden Fachinformationsdienst Sozial- und Kulturanthropologie wurde die Entscheidung getroffen, die virtuelle Fachbibliothek EVIFA zum modernen Fachportal für die ethnologischen Fächer weiterzuentwickeln und ihr daher die dringend benötigte Generalüberholung und den neuen Look angedeihen zu lassen. Folgende Gründe führten zu dieser Entscheidung: Im oft kritisierten Vifa-Umfeld war die stetige Nutzung von EVIFA (siehe Tabelle 1) ein Hinweis auf eine gewisse Akzeptanz und eine etablierte „Marke“. Ein alternatives Angebot gab es im deutschsprachigen Raum für die ethnologische Fachcommunity nicht. Insbesondere zwei selbst erstellte Angebote erfreuen sich großer Beliebtheit wie die Entwicklung der Zugriffszahlen in Tabelle 2 zeigt: Der Newsbereich wurde vor allem vom wissenschaftlichen Mittelbau der ethnologischen Fächer bei verschiedenen Gelegenheiten in informativen Gesprächen als wichtige Informationsquelle zurückgemeldet. Und die IVB scheint – vor allem aus dem europäischen Ausland, wie weitere Analysen der statistischen Daten nahelegen3 – als Recherchetool zunehmend genutzt zu werden. Das Erfordernis, die Ergebnisse von Digitalisierungsprojekten und die angedachten FID-Lizenzen zentral präsentieren zu können, machte die Weiterentwicklung der Plattform notwendig. Gleichzeitig bietet ein ansprechendes Portal mit guten, frei verfügbaren Services auch der im FID-Programm etwas zu kurz gekommenen Gruppe der Studierenden Unterstützung. Bei allen Überlegungen muss – wie in der gesamten FID-Arbeit für dieses Fächerspektrum – immer darauf geachtet werden, dass die Services nach Möglichkeit beiden Fachtraditionen, also der Volks- UND der Völkerkunde, um ihre veralteten Bezeichnungen zu gebrauchen, nutzen. Es sollten also nur Dienste entwickelt werden, die beiden Fächern zugutekommen.

Tab. 1:

Nutzung von EVIFA 2014–2017.

Tab. 2:

Zugriffe auf einzelne Bereiche EVIFAs 2014–20174.

2 Vorhaben in der ersten Antragsphase (2016–2018)

Hatte man zu SSG-Zeiten und beim Aufbau des damals noch unter dem Begriff „Virtuelle Fachbibliothek“ firmierenden Portals EVIFA auf die Entwicklung verschiedener Services zur Recherche gesetzt und dabei auch eigene Datenbanken sowie eine fehleranfällige und wartungsintensive Metalib-Metasuche über verschiedene Kataloge und bibliographische Datenbanken aufgebaut, zeigte die reale Nutzung vor allem Traffic im Newsbereich und bei der IVB, danach fällt die Nutzung rapide ab (siehe Tab. 2). Usability-Studien und Nutzerinterviews, die vor allem im Zuge von Seminaren der HAW Hamburg (durch Prof. Dr. Ulrike Spree) u. a. mit Eyetracking und Clickthrough-Aufgaben durchgeführt wurden, zeigen, dass dies nicht nur am interessanten Angebot des Newsbereichs liegt, sondern auch an der insgesamt wenig intuitiven und zielführenden Oberfläche und Technik des Portals sowie den Fehlern beim Rücklauf aus der Metasuche. So waren den Probandinnen und Probanden oftmals die verwendeten Begrifflichkeiten und die Zuordnungen von Themen zu übergeordneten Menüpunkten nicht klar, auch die Bedienung von Suchschlitzen und Merkzetteln wurde als nicht selbsterklärend kritisiert und es wurde die Quellengrundlage bei den jeweiligen Suchen vermisst.

Zwei Vorhaben sollten bei der Modernisierung im Vordergrund stehen:

  • eine verbesserte Usability mit neuer Optik und

  • ein intuitiv gestalteter zentraler Fachkatalog für die ethnologischen Fächer, der bibliographische Daten, aber auch Volltextzugriffe oder zumindest einfache Verfügbarkeitsrecherchen anbietet.

Schon zu SSG-Zeiten war versucht worden, mithilfe der Suchmaschinentechnik des Discovery-Systems PRIMO der Firma Exlibris die bisherige Metasuche Metalib (ebenfalls Exlibris), die verschiedene Kataloge und Datenbanken abfragt und getrennte Ergebnislisten liefert, nach und nach durch einen ethnologisch fokussierten Fachindex zu ersetzen. Hauptprobleme der Metasuche stellten nämlich einerseits die langen Antwortzeiten und andererseits die sich verändernden Katalog-/Datenbank-URL dar, die zu Fehlern beim Abruf führten. Auch ist in der Metasuche eine modernen Recherchegewohnheiten entsprechende Darstellung der Ergebnisse in einer gemeinsamen Trefferliste mit einheitlichen Metadaten nicht möglich. Gerade im Routinebetrieb ist ein derartiger Betreuungsaufwand nicht gut zu gewährleisten. Ein gemeinsamer Index, der sich regelmäßig automatisch die Daten holt, benötigt zwar ebenfalls Betreuung, Antwortfehler machen sich aber nicht gleich in weniger Daten und einer nicht angezeigten Quelle bemerkbar. Zudem sind die Daten einheitlich in einer Trefferliste aufbereitet. Die größte Hürde für einen durchschlagenden Erfolg war hier der zeitaufwendige Import von Daten in den PRIMO-Index. Vor allem das Extrahieren und Formatieren von Daten aus fremden Lokalkatalogen und Datenbanken stellte sich als kompliziert heraus und war im Routinebetrieb nicht zu leisten: Dies zeigte sich insbesondere im langjährigen Versuch, Daten aus dem FAUST-Katalog des Frankfurter Frobenius-Institutes für kulturanthropologische Forschung in den Index zu importieren. Vor Ort ist keine technische Expertise vorhanden, die kleine Firma kann hier ebenfalls keinen Support leisten und die vorhandene Schnittstelle funktioniert nicht. Selbst der Hessische Verbund hat daher den wertvollen Datenbestand (im Frobenius-Institut werden auch Aufsätze aus Zeitschriften und Sammelbänden formal und inhaltlich erschlossen) bisher nicht integrieren können. Weitere lokale Datenbestände, die interessant wären und wo die Importmöglichkeiten derzeit geprüft werden, sind z. B. die ethnologischen Filmbestände in der IWF-Filmdatenbank der TIB Hannover, die Aufsatzdaten der Online Contents SSG Ethnologie-Datenbank des GBV oder die volkskundlichen Bestände der Wossidia aus Rostock.5 Dank der projektorientierten Struktur des FID-Förderprogramms konnten für den Um- und Ausbau des EVIFA-Portals Mittel beantragt werden, welche die dringend benötigte Modernisierung des Portals nun genauso wie eine inhaltliche Entschlackung möglich machten. Wenngleich selbstverständlich, sei betont, dass dies unter steter Berücksichtigung der Interessen sowohl der bisherigen Nutzenden als auch potentieller und ins Auge gefasster neuer Nutzergruppen aus der Fachcommunity geschieht.

Die Modernisierung und der Umbau des EVIFA-Portals folgt demnach verschiedenen Prämissen, die neben der verbesserten Usability vor allem eine leichtere Pflege sowie höhere Effizienz und damit eine bessere Nachhaltigkeit der Services gewährleisten sollen:

  • 1.

    Nutzung des Content Management Systems Plone, das an der HU bereits flächendeckend verwendet wird. Effekt: Nutzung des vorhandenen Know-hows, keine parallele Pflege unterschiedlicher CMS-Systeme.

  • 2.

    Nutzung des Discovery-Systems PRIMO unter Integration eigener und fremder Daten. Effekt: One-Stop-Shop für die Nutzerinnen und Nutzer, einheitliche Pflege paralleler Datenbanken und Plug-Ins.

  • 3.

    Fokussierung der Inhalte insgesamt. Effekt: bessere Orientierung auf der Webseite und geringerer Pflegeaufwand im Routinebetrieb. So werden ehemals eigenständige Datenbankangebote wie die Internationale Volkskundliche Bibliographie und der Internetseitenkatalog Ethno-Guide in die EVIFA-Suche integriert, die Recherche-Unterstützung LOTSE wurde komplett eingestellt, der Zeitschrifteninhaltsdienst wird hier perspektivisch folgen.

Ein neues Layout soll den Nutzungsgewohnheiten der Zeit angepasst sein und alle Bereiche leichter navigierbar und intuitiver nutzbar machen. Das Design und die damit verbundene Usability bleiben damit aber auch die Achillesferse, da hier große Dynamik in den Gewohnheiten der Nutzerinnen und Nutzer herrscht, die im Routinebetrieb nicht kontinuierlich aufgenommen und umgesetzt werden können. Hier muss also durch die „Entschlackung“ eine Senkung des Aktualisierungs- und Pflegebedarfes erzeugt werden.

Kernelemente des modernisierten Fachportals sollen insofern die folgenden fünf Bereiche sein:

  • die EVIFA-Suche,

  • die EVIFA-News,

  • die Präsentationsoberfläche für Digitalisate,

  • die Information und der Zugang zu den FID-Lizenzen,

  • die Informationen zum Fachinformationsdienst.

Die größte Herausforderung steckt allerdings in der Bekanntmachung der Angebote und der Einbindung der Community. Was jetzt schon in Teilen im Newsbereich durch die interaktive Meldung von News durch Institutionen6 (und Einzelpersonen) über ein Meldeformular funktioniert, soll letztlich auf einen größeren Kreis übertragen werden: EVIFA soll als Recherche- und Informationsportal bei der Fachcommunity flächendeckend bekannt sein und von ihr genutzt werden. Umgekehrt sollen auch alle Aktivitäten des FID über EVIFA kommuniziert werden – auch hierfür ist ein hoher Bekanntheitsgrad notwendig. Allerdings soll hierfür nicht der Weg eines eigenen Newsletters gewählt werden, da für die Europäische Ethnologie/Volkskunde/Empirische Kulturwissenschaft mit der kv-Liste bereits eine etablierte und gut genutzte Mailingliste besteht. Problematisch ist viel eher, dass es ein solches Instrument für die Ethnologie/Völkerkunde nicht gibt und dieser Teil der Community also schlechter erreicht werden kann. Die für den Erfolg H-Soz-Kults nicht unwesentliche Rezensionsorganisation und -publikation lässt sich in dieser aufwendigen Form und mit der anders gelagerten Fachkultur leider nicht kopieren – insbesondere in Anbetracht der projekthaften Finanzierung im FID-System. Alles was im FID Sozial- und Kulturanthropologie entwickelt und angestoßen wird, muss sich dementsprechend auch ohne weitere DFG-Förderung mit Hausmitteln im Betrieb halten lassen.

Perspektivisch sind die Registrierung für Spezialanwendungen wie z. B. Crowdsourcing bei der Textkorrektur von Digitalisaten oder für Direktlieferdienste (analog zum Service beim FID Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung7) denkbar, bei entsprechend attraktiven Angeboten erhöhen diese Dienste (und der Zwang der Registrierung dafür) die Bekanntheit des Portals. Auch wäre die Ein- bzw. Anbindung eines Publikationsservers oder Repositoriums denkbar. Die ursprünglich geplante Registrierungsmöglichkeit für eine Forschendendatenbank (die zunächst mit der Anmeldung für die FID-Lizenzen gekoppelt werden sollte) wurde von den Gutachterinnen und Gutachtern des FID-Antrags gestrichen und wird nicht weiter verfolgt, zumal der technische Support der Nutzenden der FID-Lizenzen nicht langfristig gewährleistet werden könnte, wenn die Dienste des KfL hier nicht in Anspruch genommen werden könnten. Derartige Katalysatoren der Bekanntheit fallen in dieser Förderphase daher weg. Es wurde bisher versucht über die EVIFA-News, den Newsletter der Europäischen Ethnologie/Volkskunde (kv-Liste) und über die Verteiler sowie die Publikationsorgane der Fachgesellschaften über Services, Neuheiten und Änderungen beim FID und auf EVIFA hinzuweisen. Nach dem Um- und Ausbau von EVIFA sind so genannte Roadshows geplant, bei denen für die ethnologischen Fächer wichtige Universitätsstandorte besucht werden und den Lehrenden und Studierenden die Services des FID, sowie die Oberfläche und Angebote von EVIFA präsentiert und vorgeführt werden sollen. Des Weiteren werden nach Abschluss der Arbeiten neue Flyer entwickelt, die das Serviceportfolio vorstellen und die an die ethnologischen Institute und Institutionen versandt werden.

Durch die im Vergleich zur Metasuche modernere Suchmaschinentechnologie ist eine Integration vieler verschiedener Datenpools in einem großen EVIFA-Datenraum möglich, ein One-Stop-Shop wird wahrscheinlicher und erleichtert die Recherche. Unterschiedliche Quellen oder Sammlungen lassen sich durch Filter bzw. „Suchfacetten“ isolieren und ersetzen so die Einzeldatenbank. Über Datenharvesting aus den OpenData-Beständen der Bibliotheksverbünde lassen sich theoretisch bereits viele ethnologisch relevante Datensätze gewinnen und in die EVIFA-Suche integrieren.

3 Schritte und Strategien zum Um- und Ausbau von EVIFA

Im Vorfeld des FID-Antrags war der Bedarf einer Generalüberholung des Fachportals bereits auf verschiedenen Ebenen festgestellt worden:

  • In den bei Stellenneubesetzungen geführten Bewerbungsgesprächen für die beiden studentischen Hilfskraftstellen, die EVIFA zu dem Zeitpunkt betreuten, wurde routinemäßig nach der Einschätzung des Portals und Veränderungswünschen gefragt: Das relativ einhellige Urteil in den letzten Besetzungsverfahren war, dass die Benutzerführung nicht klar und das Design nicht ansprechend genug sei.

  • Aufgrund der Entscheidung der HU für das Content-Management-System Plone war in der IT-Abteilung der Universitätsbibliothek bereits seit längerem gefordert worden, auch EVIFA von Typo3 auf Plone umzustellen.

  • Die stagnierende und teilweise deutlich abfallende Nutzung aller Features außer der IVB und des News-Bereichs deutete auf Handlungsbedarf hin.

  • Die beschriebene Komplexität des Imports von Daten aus anderen Katalogen und Datenbanken hatte zu einem Stillstand bei der Entwicklung eines ethnologischen Fachkatalogs geführt, da sie mit den prozentual geringen Stellenanteilen des Routinebetriebs nicht leistbar waren. Gelang das Harvesting der Verbunddaten noch einigermaßen reibungslos, waren bereits der Formatabgleich und der Import nicht mehr so trivial.

Dementsprechend war entschieden worden, den Aus- und Umbau von EVIFA als ein zentrales Modul in den FID-Antrag aufzunehmen, Mittel für eine IT-Kraft und für Webdesign zu beantragen, aber auch vorab gemeinsam mit Usability-Expertinnen und -Experten und unter fachlichen Gesichtspunkten Ideen für eine Reorganisation der Seite zu entwickeln.

Über eine vom SSG organisierte Fachreferats-Fortbildung für die ethnologischen Fächer wurde der Kontakt zu den Usability-Spezialisten der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) hergestellt und bald war die Idee geboren, durch ein gemeinsames Seminar der HAW und des Instituts für Europäische Ethnologie der HU ein neues Design und eine größere Übersichtlichkeit – insgesamt also eine bessere Funktionalität – zu entwickeln oder zumindest voranzutreiben. Das Seminar wurde mit der Hamburger Professorin Ulrike Spree und dem Berliner Dozenten Falk Blask als paralleles Seminar mit zwei gemeinsamen Blockveranstaltungen – je eine in Hamburg und in Berlin – konzipiert. Von März bis Juli 2016 erarbeiteten die Studierenden verschiedene Kriterien, Konkurrenzanalysen und Prototypen, führten Interviews und diskutierten über Zielgruppen des Portals. Einige Beispiele der Entwürfe sind hier zu sehen:

Seminarentwürfe zu möglichen Layouts der Startseite.
Abb. 2–4:

Seminarentwürfe zu möglichen Layouts der Startseite.

Auf Basis der Seminarergebnisse wurden dann gemeinsam mit der IT-Abteilung der Universitätsbibliothek ein Grobkonzept und – basierend auf den Seminarprototypen und den Konkurrenzanalysen – ein erster Entwurf erstellt, der im Sommer 2017 Grundlage für das Briefing einer Design-Agentur war. In der Umsetzung wurde auch auf eine stärkere Beachtung der Corporate Identity-Vorgaben der HU geachtet, was letztlich nicht nur zu einem neuen Layout, sondern auch zu einem völlig neuen Farbschema und in der Folge zu einem neuen Logo führte.

Grobkonzept von Heiko Miersch 2017.
Abb. 5:

Grobkonzept von Heiko Miersch 2017.

Beispiel-Design von Jan Kürzinger 2017.
Abb. 6:

Beispiel-Design von Jan Kürzinger 2017.

Im Hintergrund begann gleichzeitig die allmähliche Umstellung auf Plone. Von einem im Mai 2017 für 10 Monate eingestellten Programmierer wurde anschließend die Zusammenführung der einzelnen eigenen Datenbanken in die zentrale Suchmaschine und die Erweiterung des Suchraums mit Daten aus Fremdkatalogen in Angriff genommen. Im Fokus stand hierbei zunächst die seit langem angestrebte Integration von Daten aus dem Frobenius-Institut in Frankfurt/Main. Diese Daten liegen bislang in keinem Verbundkatalog vor, obwohl es sich um eine der größten ethnologischen Bibliotheken Deutschlands handelt, die zudem auch noch Aufsatzdaten erfasst. Durch die dort verwendete Bibliothekssoftware FAUST ist der Zugang zu den dort vorgehaltenen Daten jedoch äußerst kompliziert: Es war zunächst die Konfiguration der OAI- oder einer anderen Exportschnittstelle erforderlich, so dass Daten im MARC-21-Format geliefert werden können. Darüber hinaus bereitet die Stabilität der OAI-Schnittstelle bei Faust Probleme, da diese mit den großen zu exportierenden Datenmengen nicht zurechtkommt.

Neben den Daten des Frobenius-Instituts stehen weitere Kataloge und Daten(banken) auf der Wunschliste für den zentralen Fachkatalog:

  • die eigenen EVIFA-Datenbanken, d. h. IVB-Online (Internationale Volkskundliche Bibliographie) und Ethno-Guide,

  • ethnologische Titel, die aus den Verbundkatalogen mittels Klassifikationsbereichen (RVK, DDC, BK) filterbar sind,

  • Titel aus ethnologischen Bibliotheken (Museen, Max-Planck-Institute), die per Bibliothekssigel filterbar sind,

  • ethnologische Titel aus Lokalkatalogen, die nicht per Klassifikation oder Sigel aus den Verbünden filterbar sind (z. B. das Wossidlo-Archiv in Rostock oder ethnologische Teilbestände aus anderen SSGs/FIDs).

Für die unterschiedlichen Datenquellen müssen unterschiedliche Importwege (regelmäßiges Harvesting über OpenData der Verbünde, Einzelharvesting von Spezialkatalogen wie dem des Frobenius-Instituts und Umwandlung in ein MARC-Format) gefunden und für die Routine etabliert werden. Das beinhaltet nicht nur die reine Datengewinnung, sondern auch die Erstellung von Konkordanzen und ggf. Transformation der Daten in Datenformate, die vom Suchmaschinenindex indizierbar, also verwertbar sind.

Der Designentwurf ist mittlerweile fertiggestellt und muss nun nach und nach auf die in Plone erstellten Seiten übertragen werden; dies soll von November 2017 bis Januar 2018 geschehen. Durch die Einbindung anderer Oberflächen (PRIMO, Goobi Presentations für die Digitalisate, KfL-ERMS für den Zugang zu den Lizenzen) wird es leider nicht möglich sein, alles völlig gleich gestalten zu können. Zum Teil werden wir über das Farbschema und das EVIFA-Logo? Zugehörigkeiten deutlich machen müssen. Im Zuge dieses Anpassungsprozesses wird gleichzeitig die Struktur des Fachportals einer Revision unterzogen und Inhalte werden gebündelt oder – wie z. B. der Zeitschrifteninhaltsdienst oder LOTSE – gestrichen, einige andere hingegen ganz neu erstellt werden (FID-Lizenzen). Mit dem wissenschaftlichen Beirat des FID, der schon zu SSG-Zeiten die Arbeit und das Portal begleitete und sich aus Vertreterinnen und Vertretern beider ethnologischen Fachtraditionen in verschiedenen Bereichen (Fachgesellschaften, Universitäten, außeruniversitäre Forschung und Museen) zusammensetzt, und mit bibliothekarischen Kolleginnen und Kollegen wurden diese Strukturentscheidungen in Sitzungen und bei Fortbildungen im Herbst 2017 diskutiert und auf den Prüfstand gestellt.

In der ersten Hälfte 2018 soll dann eine plonebasierte Beta-Version online gehen und wiederum dem wissenschaftlichen Beirat präsentiert werden. Bis zum Auslaufen der ersten FID-Förderphase soll dann der Übergang in den Routinebetrieb erfolgen. Darüber hinaus wird derzeit der Übergang zu einer neuen Suchmaschine – vermutlich eine vom KOBV gehostete BERT-Instanz, die uns eine größere Flexibilität in der Einbindung von Diensten ermöglicht.

Als Herausforderung stellen sich insgesamt gesehen seit Jahren immer wieder die Kapazitäten im IT-Team dar. Mit den Routinekräften sind Weiterentwicklungen kaum durchzuführen und mit befristeten Projektmitteln kann man kaum geeignetes Personal anlocken: Die nach langer Suche mit mehrmaligen Ausschreibungen im Mai 2017 für zehn Monate eingestellte Person wechselte leider nach sechs Monaten auf eine Stelle mit längerfristiger Perspektive. Fällt es dem Öffentlichen Dienst ohnehin schon schwer mit seinem Tarifsystem IT-Kräfte anzuziehen, ist die Situation bei befristeten Stellen noch angespannter und schwieriger. Für die verbleibenden vier Monate jemanden zu finden, ist recht unwahrscheinlich, und wir müssen uns nun andere Lösungen überlegen (Werkverträge, studentische Hilfskraft, Aufstockungen). Hier gilt es daher umso stärker, Nachnutzungsmöglichkeiten zu eruieren, um Personalressourcen nachhaltig einzusetzen. Eine solche Nachnutzungsmöglichkeit in den genannten Aufgabenfeldern könnte das in Bremen vom FID Pollux entwickelte Datenmanagementtool „Nightwatch“ sein, das den Routineimport von Daten aus anderen Datenquellen steuern können soll.8 Noch sind die Bremer Kollegen noch nicht so weit, dass sie ihre Ergebnisse für eine Nachnutzung freigeben könnten; dies wurde aber bereits in Aussicht gestellt. Auch die von den Braunschweiger Kollegen am FID Pharmazie entwickelte Verfügbarkeitsrecherche9 wäre ein solches Element, das man eventuell arbeitssparend und gewinnbringend nachnutzen könnte – sofern sie sich leicht in die entsprechende Suchmaschine integrieren lässt.

4 Ausblick

Wir hoffen, dass es uns trotz der beschriebenen Hemmnisse gelingt, den skizzierten Zeitplan einzuhalten, um aus den Entwürfen und Ideen ein neues Antlitz und neue Strukturen des Portals zu formen. Dann könnte sich EVIFA noch in dieser Antragsphase in einem neuen, zeitgemäßen und nutzerfreundlicheren Look zeigen.

Damit wäre der Fachinformationsdienst Sozial- und Kulturanthropologie seinem Ziel ein großes Stück näher gekommen: ein One-Stop-Shop für ethnologische Fachinformation zu sein, der sich strikt am Bedarf der Fachcommunity ausrichtet und zentrale Anlaufstelle für alle Informationsbedürfnisse der ethnologischen Fächer ist.

Footnotes

  • 1

    Deutsche Forschungsgemeinschaft: Merkblatt Fachinformationsdienste für die Wissenschaft. Bonn, Stand 11/2016. http://www.dfg.de/formulare/12_10/12_10_de.pdf, S. 3. [Zugriff: 19.12.2017]. 

  • 2

    Ebd., S. 1.  

  • 3

    Zwischen 2016 und 2017 findet eine Verdopplung der Zugriffe auf die IVB statt, während im gleichen Zeitraum sich die Zugriffe auf EVIFA insgesamt aus Deutschland halbieren (von ca. 1 Mio im Jahr auf ca. 500.000) und aus der Europäischen Union von 325.000 auf ca. 720.000 Zugriffe mehr als verdoppelt (Abruf mit awstats am 15.01.2018). 

  • 5

    Zu den IWF Filmen finden sich Informationen hier: https://www.tib.eu/de/recherchieren-entdecken/sondersammlungen/iwf-medienbestand/ [Zugriff: 28.12.2017], zur Wossidia, der Datenbank des Wossidlo-Archivs der Universität Rostock finden sich Details hier: http://www.wossidia.de/ [Zugriff: 28.12.2017]. 

  • 6

    Etablierte Kooperationen besteht mit dem Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle und der Geschäftsstelle der Deutschen Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie (ehemals DGV), die beide regelmäßig News über das Webformular melden. Das Gros der News wird aber durch Eigenakquise und Harvesting anderer Newsletter manuell durch eine studentische Hilfskraft eingepflegt. 

  • 7

    Kullik, Andrea; Kreusch, Julia; Jäger-Dengler-Harles, Ingeborg: „Bitte keine neuen Repositorien, bitte keine neuen Portale“ – Ergebnisse einer Online-Befragung des Fachinformationsdienstes Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung. In: o-bib. Das offene Bibliotheksjournal 4, 2, (2017), S. 56–71, DOI: http://dx.doi.org/10.5282/o-bib/2017H2S56-71 [Zugriff: 11.01.2018], S. 57. 

  • 8

    Vgl. die kurze Darstellung bei Göttker, Susanne: Mehrwerte durch Fachinformationsdienste. In: b.i.t.-online 3 (2017), S. 214–216. http://www.b-i-t-online.de/heft/2017-03-bibliothekartag-goettker.pdf [Zugriff: 11.01.2018] und die Präsentation zum Dienst von Elmar Haake und Daniel Opitz: Because the night … is full of errors – Effizientes Metadatenmanagement mit Nightwatch. 30.05.2017. http://nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn:nbn:de:0290-opus4-30935 [Zugriff: 11.01.2018]. 

  • 9

    Keßler, Kristof et al.: PubPharm – Der Fachinformationsdienst Pharmazie. In: o-bib. Das offene Bibliotheksjournal 3, 3 (2016), S. 1–23. doi:http://dx.doi.org/10.5282/o-bib/2016H3S1-23 [Zugriff: 15.01.2018], S. 15. 

About the article

Matthias Harbeck

Matthias Harbeck


Published Online: 2018-03-10

Published in Print: 2018-03-26


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 52, Issue 3-4, Pages 208–224, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2018-0028.

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