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Bibliotheksdienst

Editor-in-Chief: Michalke, Karin / Ihrig, Hartmuth

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2194-9646
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Volume 52, Issue 7

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Live-Online-Deutschkurse in der Ortsbücherei Nordheim – Ein Modellprojekt aus Baden-Württemberg

Published Online: 2018-06-12 | DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2018-0067

Die Ortsbücherei Nordheim, eine Gemeinde mit ca. 8.000 Einwohnern, war 2017/2018 zum zweiten Mal Teil des Modellprojekts „Deutsch lernen im virtuellen Klassenzimmer“. Dabei handelte es sich um eine vom Kultusministerium geförderte Machbarkeits- und Evaluationsstudie, die der dbv-Landesverband Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Institut für Berufliche Bildung (IBB AG) und der vitero GmbH initiierte. Das Modellprojekt startete 2016 mit sieben Bibliotheken.

Ziel des Projekts war es, Migranten als Bibliotheksnutzern – unter ihnen viele Geflüchtete – einen schnelleren Zugang zur deutschen Sprache zu ermöglichen. Für die genannte Zielgruppe sollte ein kostenloses und professionelles Sprachlernangebot eingerichtet werden. Die Voraussetzungen für die Teilnahme der Bibliotheken an diesem Projekt waren geeignete Räumlichkeiten und kursbegleitendes Personal (in der Rolle von Lernbegleitern).

Die Nordheimer Bücherei erfüllte diese Bedingungen und ist mit ihrer zentralen Lage ein attraktiver Lernort für alle Bevölkerungsgruppen, insbesondere für Familien mit Kindern. Sie erhielt wie alle projektbeteiligten Bibliotheken vorkonfigurierte Notebooks und Headsets, die den Teilnehmenden als Lernstationen zur Verfügung gestellt wurden.

Das Besondere des Deutschkurses im virtuellen Klassenzimmer ist für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das gemeinsame Lernen als Gruppe. Anders als bei Selbstlern-Kursformaten, bei denen sich der Lernende in der Regel allein mit dem Stoff auseinandersetzen muss. Im vorliegenden Projekt konnten Kursteilnehmer der Ortsbücherei Nordheim mit denen der Stadtbibliotheken Stuttgart und Ludwigsburg per Internet miteinander verbunden werden.

Den Unterricht organisierte das Institut für Berufliche Bildung. Zwei erfahrene Dozentinnen des IBB haben die Durchführung der Kurse übernommen. Sie sind nicht nur Expertinnen im Bereich Deutsch als Fremdsprache, sondern auch didaktisch und methodisch auf das virtuelle Klassenzimmer spezialisiert.

Die Software der vitero GmbH machte es möglich, dass alle im Kurs miteinander sprechen und gemeinsam an der virtuellen Tafel auf dem Monitor arbeiten konnten. Auch weniger EDV-affine Teilnehmer haben sich schnell am PC und im intuitiv schnell erfassbaren virtuellen Raum zurechtgefunden.

Die Ortsbücherei Nordheim hat im Rahmen des Projekts fünf Lernplätze zur Verfügung stellen können. Zwei Live-Online-Kurse wurden angeboten. Vormittags konnten Teilnehmer auf B1-Niveau ihre Kenntnisse im Bereich „Deutsch im Beruf“ verbessern. Sie haben sich hier mit den sprachlichen und sachlichen Herausforderungen des Themas „Bewerbungsprozess“ beschäftigt. Nachmittags haben Teilnehmer einer anderen Gruppe ihre A2-Vorkenntnisse vertieft, indem sie sich etwas allgemeiner mit „Deutsch in Alltag und Beruf“ auseinandergesetzt haben.

Lerntreff Nordheim.
Abb. 1:

Lerntreff Nordheim.

Unterstützt wurden die Teilnehmenden nicht nur von der Dozentin des jeweiligen Kurses, sondern von zusätzlichen Projektkräften, sog. Lernbegleitern. Diese stellten in jeder Bibliothek während des Unterrichts sicher, dass technische Probleme schnell gelöst werden konnten. In den zusätzlich angebotenen Lerntreffs hatten sie die Aufgabe, die Teilnehmer inhaltlich, zum Beispiel bei den Hausaufgaben, zu unterstützen. Die Lernbegleiter wurden im Rahmen zweier Einführungsveranstaltungen technisch und didaktisch-methodisch vorbereitet. Hier erhielten sie Tipps, um ihre Aufgaben während des Unterrichts und während der Lerntreffs optimal erfüllen zu können.

In Nordheim konnten die Lernbegleiter aus dem Kreis der Asylhelfer gewonnen werden. Das hatte den großen Vorteil, dass die Kursteilnehmer diese bereits kannten, Vertrauen zu ihnen hatten und ohne Hemmungen in die gemeinsame Arbeit einsteigen konnten. Von der guten Zusammenarbeit mit dem Asylkreis hat die Ortsbücherei auch bei der Rekrutierung der Teilnehmer profitiert.

Ein weiterer Erfolgsfaktor für das Projekt war der in der Konzeption angelegte Austausch zwischen Projektverantwortlichen, Dozenten und Lernbegleitern. Ein regelmäßiger Jour Fixe im virtuellen Besprechungsraum, kursbezogene Foren auf einer Lernplattform und die Möglichkeit kurzer Gespräche direkt nach dem Unterricht haben für einfache und effektive Kommunikation gesorgt.

Das Projekt und damit auch der Kurs „Deutsch lernen im virtuellen Klassenzimmer“ gingen im Februar 2018 zu Ende. Alle Teilnehmer wünschten sich jedoch eine Fortsetzung – zumindest im Rahmen weiterer Lerntreffs. Für sie ist es sehr wichtig, den Kontakt zu Menschen in einer ähnlichen Situation zu halten und weiterhin Unterstützung beim Deutschlernen zu erfahren. Daher hat sich die Ortsbücherei Nordheim dafür eingesetzt, die Lerntreffs auch weiter anzubieten.

Neben den Lerntreffs, die die Möglichkeit bieten, das Gelernte im Gespräch anzuwenden und umzusetzen, wird die Ausleihe der Medien gerne genutzt. Ein Teil der Kursteilnehmer konnte durch das Projekt als neuer Kunde der Ortsbücherei gewonnen werden. Der Zugang zu dem breiten Medienangebot für jedes Alter und vielerlei Interessen ist ein positiver Zusatzeffekt, den die Kursteilnahme für diese Büchereikunden, unter ihnen auch viele Familien, mit sich gebracht hat.

Abschließend lässt sich sagen, dass mit dem Kurs „Deutsch lernen im virtuellen Klassenzimmer“ eine positive Ergänzung des bisherigen Sprachlernangebots geschaffen werden konnte. Der virtuelle Kurs setzt auf die Stärke der Bibliothek als interkultureller Lern- und Begegnungsort und stärkt den Kontakt zum Ortsleben.

Nadin Cicek

Büchereileiterin

Ortsbücherei Nordheim

Hauptstraße 30

74226 Nordheim

Deutschland

E-Mail: Büchereileitung@nordheim.de

Open-Access-Publikationsfonds der Universitätsbibliothek Frankfurt gestärkt

Erneute Förderung durch den Johanna-Quandt-Jubiläumsfonds

Die Goethe-Universität engagiert sich dafür, allen Interessierten weltweit einen freien Zugang (Open Access, OA) zu wissenschaftlichen Publikationen zu ermöglichen. Eine wesentliche Rolle spielt dabei der Open-Access-Publikationsfonds der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg (UB JCS). Der Johanna-Quandt-Jubiläumsfonds hat den Publikationsfonds nun in seiner Arbeit bestärkt, indem er für 2018 eine erneute Förderung in Höhe von 50.000 Euro zugesagt hat.

Bei der Publikation von elektronischen Zeitschriftenartikeln oder E-Books, auf die Leserinnen und Leser im Internet kostenlos zugreifen können, fallen oft Publikationsgebühren an. Der OA-Publikationsfonds der Universitätsbibliothek unterstützt die Autorinnen und Autoren, indem er diese Publikationsgebühren ganz oder teilweise übernimmt. Dafür ist der Fonds neben Eigenmitteln auf zusätzliche Gelder angewiesen. So ist es für die Jahre 2018 und 2019 gelungen, eine finanzielle Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in Höhe von knapp 290.000 Euro einzuwerben. Doch selbst dieser Betrag reicht nicht aus, um alle Open-Access-Publikationen der sehr forschungsstarken Goethe-Universität zu fördern. Zudem können die DFG-Mittel ausschließlich für die Publikation von Zeitschriftenartikel verwendet werden, während in vielen Fachkulturen wie etwa den Geisteswissenschaften Bücher oder völlig kostenlose Zeitschriften eine größere Rolle spielen. Die Unterstützung des Quandt-Jubiläumsfonds ermöglicht es dem OA-Publikationsfonds, neben Zeitschriftenartikeln auch Buchprojekte oder Zeitschrifteninitiativen wie die Open Library of Humanities zu unterstützen.

Der Johanna-Quandt-Jubiläumsfonds hatte dem OA-Publikationsfonds bereits 2017 eine Förderung in Höhe von 50.00 Euro zukommen lassen. Mit diesen Mitteln konnte die Publikation von 40 Zeitschriftenartikeln gefördert werden. Die Autorinnen und Autoren stammten dabei aus den naturwissenschaftlichen Fachbereichen, der Medizin sowie der Psychologie. Doch bereits in dieser ersten Förderphase haben auch die Geistes- und Sozialwissenschaften indirekt profitiert, indem der Publikationsfonds zusätzlich innovative Zeitschrifteninitiativen unterstützte.

Information:

Dr. Roland Wagner, Open-Access-Beauftragter der Goethe-Universität, Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Bockenheimer Landstraße 134-138, 60325 Frankfurt am Main, Tel: +49 (69) 798 49101, E-Mail: r.wagner@ub.uni-frankfurt.de

Bernhard Wirth, Stabsstelle Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. +49 (69) 798 39223; Mail: pr-team@ub.uni-frankfurt.de

TIB und L3S starten Big-Data-Projekte für Gesundheitswesen und Industrie

Projekte BigMedilytics und BOOST 4.0 demonstrieren, wie Big-Data-Technologien im Gesundheitssektor und in der Produktion eingesetzt werden können

Im Joint Lab „Data Science & Open Knowledge“ der TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und des Forschungszentrums L3S starten zwei Big-Data-Leuchtturmprojekte: BigMedilytics und BOOST 4.0.

„Im Vordergrund steht, zu demonstrieren, welche Möglichkeiten Big Data für Wirtschaft und Gesellschaft bieten und wie diese Technologien implementiert und damit neue Anwendungen realisiert werden können“, erklärt Prof. Dr. Sören Auer, Direktor der TIB und Leiter des Joint Labs. Beide Projekte werden im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft im europäischen Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizon 2020 bearbeitet.

„Ohne die Nutzung großer Datenmengen ist intelligente Digitalisierung nicht möglich. Data Science ist daher seit Langem eine der Kernkompetenzen des L3S, die Einwerbung der zwei Projekte unterstreicht dies eindrucksvoll“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Nejdl, Direktor des L3S.

BigMedilytics: bessere medizinische Versorgung dank Big Data

Das Projekt BigMedilytics – Big Data for Medical Analytics – hat zum Ziel, Impulse für die Verbesserung des europäischen Gesundheitswesens mit datengetriebenen Methoden zu liefern – angefangen bei der Prävention über die Diagnose und Behandlung bis hin zur häuslichen Pflege.

„Durch Big-Data-Nutzung sollen die Kosten gesenkt, Behandlungsergebnisse bei Patientinnen und Patienten verbessert sowie der Zugang zu Gesundheitseinrichtungen erleichtert werden“, sagt Prof. (Univ. S. Bolívar) Dr. Maria-Esther Vidal, die als Leiterin der Forschungsgruppe Scientific Data Management für das Projekt verantwortlich ist. BigMedilytics adressiert die in Europa am häufigsten tödlich verlaufenden Krankheiten: Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, Diabetes, Prostata-, Lungen- und Brustkrebs.

BOOST 4.0 – Big Data for Factories

Das Projekt BOOST 4.0 – Big Data for Industries hat zum Ziel, die produzierende Industrie bei der Einführung von Big-Data-Technologien und von fortschrittlichen Analysemethoden in den Fertigungsstätten zu unterstützen. Dies soll insbesondere in der europäischen Automobilindustrie durch globale Standards, offene Schnittstellen, eine sichere digitale Daten-Infrastruktur sowie digitale Fertigungsplattformen erreicht werden. Zu dem Konsortium zählen insgesamt 50 Unternehmen aus 16 Ländern, darunter Volkswagen, Volvo und Siemens. Die Fördersumme durch die EU beträgt 20 Millionen Euro, hinzukommen 100 Millionen Euro private Investitionen.

„Die Nachwuchsforschungsgruppe „Scientific Knowledge Engineering“ des Joint Labs wird in Koordination mit der Universität Bonn gemeinsam mit Partnern aus der Industrie an der Umsetzung verschiedener Pilotanwendungen arbeiten“, so Dr. Anna Kasprzik, Leiterin der Nachwuchsforschungsgruppe.

Nationales Hosting elektronischer Ressourcen – 2. Phase des Kooperationsprojekts „NatHosting“ gestartet

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt „NatHosting II“ stellt im Rahmen einer bundesweit abgestimmten Lösung den dauerhaften und störungsfreien Zugriff auf lizenzierte, digitale Publikationen sicher – unabhängig von Verlagsplattformen. Die erworbenen elektronischen Ressourcen aller teilnehmenden Bibliotheken sollen nach dem Ende einer Subskription ebenso abrufbar bleiben wie bei temporären Ausfällen von Verlagsservern oder dem kompletten Ausscheiden eines Verlags aus dem Markt. Über einen doppelten Boden („Hosting“) springt „NatHosting“ in diesen Fällen für die Verlagsplattform ein und ermöglicht den störungsfreien Zugriff auf die lizenzierten Inhalte.

In der ersten Projektphase (2014-2016) wurde dafür ein zweigleisiges Hosting-Konzept entwickelt (www.nathosting.de). Es umfasst einerseits einen bundesweiten Konsortialvertrag mit dem Hosting-Anbieter Portico (www.portico.org), der bereits zum Abschluss gebracht worden ist. Andererseits soll ein „Private LOCKSS Network“ (PLN) aufgebaut werden, dem die an der Universität Stanford entwickelte Software LOCKSS (www.lockss.org) zugrunde liegt. Mit dem PLN werden die von Portico nicht oder nur teilweise abgedeckten Inhalte gesichert. Nach der Bewilligung des Fortsetzungsantrages durch die DFG startet nun für den Zeitraum 2018 bis 2021 die inhaltliche und technische Realisierung des PLN sowie die Entwicklung einer Organisations- und Finanzierungsstruktur für den nachhaltigen Betrieb der Hosting-Lösung.

Projektpartner sind die Bayerische Staatsbibliothek, FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informations-infrastruktur, die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt am Main, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft sowie die Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin sowie die Universitätsbibliothek der FAU Erlangen-Nürnberg.

Ansprechpartner:

Dr. Hildegard Schäffler

Bayerische Staatsbibliothek

Abteilung Bestandsentwicklung und Erschließung 2

Tel.: 089/28 638-2216

E-Mail: hildegard.schaeffler@bsb-muenchen.de

Ludwigstr. 16

80539 München

Ulrike Rehusch

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Tel.: 089/28 638-2057

E-Mail: presse@bsb-muenchen.de

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Published Online: 2018-06-12

Published in Print: 2018-06-26


Citation Information: Bibliotheksdienst, Volume 52, Issue 7, Pages 565–572, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: https://doi.org/10.1515/bd-2018-0067.

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