Jump to ContentJump to Main Navigation
Show Summary Details
More options …

Bibliothek Forschung und Praxis

Ed. by Bonte, Achim / Degkwitz, Andreas / Horstmann, Wolfram / Kaegbein, Paul / Keller, Alice / Kellersohn, Antje / Lux, Claudia / Mittler, Elmar / Rachinger, Johanna / Seadle, Michael / Umlauf, Konrad / Vodosek, Peter / Vogt, Hannelore / Vonhof, Cornelia

Online
ISSN
1865-7648
See all formats and pricing
More options …
Volume 38, Issue 3

Issues

Die Implementierung eines institutionellen Repository plus „all-inclusive“ Dienstleistungspaket

Mag. Dr. Lisa Schilhan
Published Online: 2014-11-26 | DOI: https://doi.org/10.1515/bfp-2014-0045

Zusammenfassung

Die Zurverfügungstellung der technischen Infrastruktur eines institutionellen Repository reicht für eine „Open-Access-Strategie“ einer Universität nicht aus. Ein breites Angebot an unterstützenden Dienstleistungen für Wissenschaftler und Forscher ist unerlässlich. Da der Erfolg eines Repository direkt an eine niedrige Eintrittsschwelle gebunden ist, ist ein Mehraufwand auf Seiten der Wissenschaftler so gering wie möglich zu halten, wobei sich Bibliothekare als ausgezeichnete Vermittler positionieren können.

Abstract

Providing technical infrastructure for an institutional Repository does not suffice a University‘s “open access strategy”. A broad range of services, aimed to support the scientists, is mandatory. Hence the success of a repository is directly linked to a low entry treshold, any additional effort on the side of the scientists should be kept low. This is where academic librarians can help out and strengthen their position.

Schlüsselwörter: Repository Management; Gold Open Access; institutionelles Repository

Keywords: Repository Management; Gold Open Access; institutional Repository

Die Universität Graz begann im Mai 2013 mit einem Projekt zum Thema „Open Access“. Es war das Ziel, einen institutionellen Publikationsserver für die wissenschaftlichen Veröffentlichungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität Graz samt dazugehörigem Dienstleistungsportfolio einzurichten. Es war der Universität sehr wichtig, nicht nur die technischen Voraussetzungen zu schaffen, sondern ihren Wissenschaftler auch personelle Hilfe zur Seite zu stellen.

Der Publikationsserver, dessen Software von der Firma Walter Nagel / semantics entwickelt und vertrieben wird, wurde in Kooperation mit dem Österreichischen Bibliothekenverbund und der Service GmbH implementiert. Dabei wurde das neue System mit bestehenden Systemen (dem Bibliothekssystem Aleph und dem Hochschulschriftenworkflow der Universität Graz) über neu entwickelte Schnittstellen verbunden. Das sich in Entwicklung befindende Forschungsportal der Universität Graz soll ebenso in den Workflow des Publikationsservers eingebunden werden.

Da dieses System über den Österreichischen Bibliothekenverbund gehostet wird und sich bereits zwei weitere österreichische Universitäten (Innsbruck und Linz) an dieser Verbundlösung beteiligen, ist dieses Modell auch für andere Verbundteilnehmer interessant. Voraussichtlich werden sich weitere österreichische Universitäten an diesem gemeinsamen Dienst beteiligen. Durch diese kooperative Servicierung durch den Verbund ist eine zukünftige Sicherung der Daten, der Metadaten, aber auch der Weiterentwicklung und der Datenmigration auf nachfolgende Systeme gesichert.

Die Universität Graz legte in ihrer Open-Access-Strategie großen Wert auf die Förderung eigener Gold-Open-Access-Journals und ist bestrebt, diese umfangreich zu fördern. Daher lag in der Umsetzung des Publikationsservers eine hohe Priorität bei der Darstellung dieser Zeitschriften. Als Pilotpartner konnte die Zeitschrift „Österreichisches Religionspädagogisches Forum“ gewonnen werden. Diese Zeitschrift bestand seit 1991 als gedruckte Publikation und stieg im November 2013 auf die ausschließliche elektronische Veröffentlichung als Open-Access-Zeitschrift auf uni≡pub um. In der Vorbereitungsphase galt es, viele Anforderungen zu koordinieren und kreative Lösungswege zu erarbeiten. Die Anforderungen seitens der Zeitschriftenredaktion und die Machbarkeit seitens der Softwareentwickler mussten gut aufeinander abgestimmt werden. Die Volltextsuche, die Navigation und die Einbindung in den österreichischen Bibliothekenverbundkatalog jedes einzelnen Artikels stellen vorbildliche Neuerungen in der Präsentation einer Open-Access-Zeitschrift dar. Jeder Artikel wird von Mitarbeitern der Universitätsbibliothek katalogisiert und mit allen vorhandenen Metadaten verknüpft. Diese Aufwertung unselbständiger Publikationen ist bisher einzigartig.

Durch die erfolgreiche Umstellung der ehemals im Print erschienenen Zeitschrift, konnten in kurzer Zeit weitere Zeitschriften für den Publikationsserver gewonnen werden. Es wurden, dank einer großzügigen Unterstützung des Rektorats, mittlerweile zwei weitere Open-Access-Zeitschriften an der Universität gegründet. Mit einigen weiteren Zeitschriftenredaktionen wurden schon Beratungsgespräche geführt und deren Umstieg auf Open Access steht kurz bevor. Dies zeigt deutlich, dass dieses Modell Zukunft hat. Das Feedback der Zeitschriftenredaktionen war äußerst positiv, da sie über die Bibliothek als „Geburtshelfer“ zum Open Access sehr dankbar waren.

Mit jeder weiteren Zeitschrift die auf dem Repository erscheint, werden weitere Anforderungen an das System gestellt und neue Lösungsansätze erforderlich. Dies freut uns ganz besonders, da wir die Komplexität von Zeitschriftenpublikationen erfassen und darstellen möchten. Jede Zeitschrift soll Besonderheiten aufweisen können, welche sich nicht zuletzt auch im Design der Website widerspiegeln sollen. Um die eigene Identität einer Zeitschrift zu gewährleisten, versuchen wir soweit es geht, den Vorstellungen der Redaktionen bezüglich Layout, Farben, Logos, etc. entgegenzukommen. Eigene URLs für jede Zeitschrift soll diese Eigenständigkeit unterstreichen.

Aber nicht nur der Bereich Gold Open Access wird von der Bibliothek betreut, auch der Grüne Weg wird über das institutionelle Repository abgedeckt und durch ein allumfassendes Dienstleistungspaket erweitert: Einzelberatungen, Gruppenschulungen, Vorträge für Dissertanten, abklären von rechtlichen Bedingungen mit Verlagen sowie technischer Support ergeben für die Mitarbeiter der Universität Graz ein „Rundum-Sorglos-Paket“.

Zukunftsrelevanz und Übernehmbarkeit

Da dieses Projekt im österreichischen Raum das erste ganzheitliche Open-Access-Publikationsserver-Projekt ist, welches auch Gold-Open-Access-Journals von vorneherein mit einbezieht, wird es mit Sicherheit zu einem zukunftsträchtigen Modell für andere Bibliotheken werden. Da die Softwarerealisierung über den Österreichischen Bibliothekenverbund abgewickelt wird, ist es für weitere Verbundteilnehmer sehr einfach, die Erfahrungen und praktischen Umsetzungen aus diesem Projekt zu nutzen. Von den technischen Weiterentwicklungen, die erst auf Grund der Anforderungen der Universitätsbibliothek entstanden sind, können alle Teilnehmer profitieren.

Es wurden wegweisende Richtlinien und Umsetzungsmöglichkeiten entworfen, auf denen nachfolgende Nutzer aufbauen können.

Innovation und Kreativität

Als das Projekt in Graz begonnen wurde, gab es keinen vergleichbaren Service, auf dem man aufbauen hätte können. Alle technischen und nicht technischen Dienste mussten erstmals konzipiert, mit den verschiedenen Stakeholdern abgeglichen und auf internationale Vergleichsmodelle zurückgegriffen werden. Im Besonderen erforderte die Darstellung der an der Universität Graz herausgegebenen Zeitschriften einen hohen Grad an Kreativität, da die Bedürfnisse und Ausgangslagen der Zeitschriften ganz unterschiedlich waren. Diese Flexibilität musste vom Team erarbeitet und im System umgesetzt werden.

Kooperation und Teilnehmeraktivierung

An der Entwicklung des Open-Access-Servers waren innerhalb der Universität verschiedene Abteilungen und Bereiche beteiligt. Neben dem Rektorat, welches die strategischen Ziele vorgab, konnten mehrere Institute und Zeitschriftenredaktionen sowie der Universitätslehrgang „Library and Information Studies“, der eine universitätsweite Umfrage unter Wissenschaftlern der Universität Graz durchführte, eingebunden werden. Es wurde bei der Implementierung dieses neuen Servers und der dazugehörigen Dienstleistungen größter Wert darauf gelegt, alle beteiligten Personen und Institutionen miteinzubinden. Die Abteilung „Leistungs- und Qualitätsmanagement“ wurde im Besonderen für die Umsetzung der Open-Access-Policy im Hinblick auf die Auswertung von Open-Access-Materialien in der Wissensbilanz eingebunden. Die Abteilung „Presse + Kommunikation“ wurde mit der Gestaltung des Webauftritts beauftragt und sie unterstützt die Universitätsbibliothek beim Marketing unserer Angebote. Die Abteilung „Graphik und Design“ gestaltete für eine Open-Access-Zeitschrift das gesamte Corporate Design.

Außerhalb der Universität kam es zu Kooperationen mit dem Österreichischen Bibliothekenverbund und der Softwarefirma Walter Nagel / semantics sowie den Universitäten Innsbruck und Linz. Nur durch die enge Zusammenarbeit konnten alle Bedürfnisse beachtet und die komplexen Prozesse vereinheitlicht werden.

Nachhaltigkeit

Der Bedarf einer nachhaltigen Struktur trug wesentlich zur Entscheidung bei, die Softwarelösung über den Österreichischen Bibliothekenverbund zu realisieren. Die Vorteile der Verbundstruktur, die Einheitlichkeit der Standards und die Kompatibilität zu dem bestehenden Bibliothekssystem waren evident und erfüllten die wichtigsten Kriterien bei der vorangegangenen Evaluation.

Mit dieser Lösung ist auch für zukünftige Systemänderungen eine ausgezeichnete Betreuung gesichert, die eine „Insel-Lösung“ nicht hätte sicherstellen können.

Effekt

Der positive Effekt des neuen Services ließ sich sogar schon vor dem Start des Publikationsservers feststellen. Durch die universitätsweite Umfrage und die einzelnen Beratungen ließ sich das Thema „Open Access“ unter den beteiligten Personen verbreiten und ein Bewusstsein für diese Problematik bilden.1 In der Arbeit mit den Zeitschriftenredaktionen konnte ein ausgesprochen positives Feedback vernommen werden. Der enge Kontakt zwischen Bibliothek und Instituten ist für beide Seiten in großem Maß bereichernd. Als Zeichen besonderer Wertschätzung durch die Universitätsleitung kann die Tatsache gewertet werden, dass mittlerweile auch das Forschungsmagazin „UNIZEIT“ der Universität Graz in einer Open-Access-Version erscheint.

Im nationalen Kontext konnte die Universität Graz damit einen großen Schritt nach vorne nehmen, die Aktivitäten rund um „Open Access“ bekannter machen und dabei als Vorbild dienen.

Die Bibliotheksmitarbeiterinnen MMag. Karin Lackner und Dr. Lisa Schilhan sind aktuell in mehrere nationale Projekte eingebunden, um ihre Erfahrungen zu teilen. Ebenso werden sie regelmäßig für Vorträge und Podiumsdiskussionen angefragt.

Die Umsetzung des Projekts, welches in dieser Form noch bis Oktober 2015 weitergeführt wird, ist bereits jetzt schon als erfolgreich zu bezeichnen. Bis zum Ende des Projekts werden technische, aber auch organisatorische Neuerungen eingeführt werden und die Details der bisher entstandenen Strukturen perfektioniert.

Footnotes

  • 1

    Die Teilnehmerinnen des Projektes des Universitätslehrgangs waren Mag. Clara Ginther, Mag. Regina Hasiba, Mag. Helga Pietsch, Mag. Melanie Pirker und Mag. Evelyn Zechner-Matscheko. Der Projektbericht kann unter http://ub.uni-graz.at/de/dienstleistungen/open-access/ abgerufen werden. 

About the article

Published Online: 2014-11-26

Published in Print: 2014-12-19


Citation Information: Bibliothek Forschung und Praxis, Volume 38, Issue 3, Pages 444–446, ISSN (Online) 1865-7648, ISSN (Print) 0341-4183, DOI: https://doi.org/10.1515/bfp-2014-0045.

Export Citation

© 2014 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/München/Boston. This work is licensed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 3.0 License. BY-NC-ND 3.0

Comments (0)

Please log in or register to comment.
Log in