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Bibliothek Forschung und Praxis

Ed. by Bonte, Achim / Degkwitz, Andreas / Horstmann, Wolfram / Kaegbein, Paul / Keller, Alice / Kellersohn, Antje / Lux, Claudia / Mittler, Elmar / Rachinger, Johanna / Seadle, Michael / Umlauf, Konrad / Vodosek, Peter / Vogt, Hannelore / Vonhof, Cornelia

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1865-7648
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Volume 38, Issue 3

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Gedenkjahr 2014 – ein Auftrag an Gedächtnisinstitutionen

Ein Bericht über Aktivitäten der Österreichischen Nationalbibliothek

Dr. Alfred Schmidt
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  • Wissenschaftlicher Assistent der Generaldirektorin Österreichische Nationalbibliothek Josefsplatz 1 A-1015 WienÖsterreich
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Published Online: 2014-11-26 | DOI: https://doi.org/10.1515/bfp-2014-0046

Zusammenfassung

Im Mittelpunkt der Aktivitäten der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) zum Weltkriegs-Gedenkjahr 2014 stand eine große Ausstellung im Prunksaal, die von März bis November 2014 gezeigt wurde. Dabei konnte die ÖNB auf das reichhaltige Quellenmaterial aus der so genannten „Kriegssammlung“ der k.k. Hofbibliothek zurückgreifen, eine umfangreiche Sammlung unterschiedlichster Medien (von Druckschriften, Plakaten, offiziellen Kundmachungen, tausenden Fotos, bis zu privaten Postkarten, Erlebnisberichten und Schulaufsätzen), mit der man während der Kriegsjahre versuchte, eine möglichst umfassende Dokumentation zum Kriegsgeschehen aufzubauen. Daneben ist die ÖNB auch am EU-Projekt Europeana Collections 1914–1918 beteiligt. Sie sammelt und archiviert auf das Gedenkjahr bezogene Webseiten in ihrem Webarchiv und hat im Zeitungsdigitalisierungsprojekt ANNO einen Schwerpunkt zu den Jahren 1914–1918 gesetzt.

Abstract

The center of the activities of the Austrian National Library concerning the memorial 2014 was a large exhibition in the State Hall, which was shown from March to November 2014. It was based on the rich source material from the so-called “war collection” of the Habsburgian Imperial Court Library, an extensive rich collection of various media (books, pamphlets, posters, official pronouncements, thousands of photographys, private postcards, experience reports and school essays), with which they tried to build a comprehensive as possible documentation during the war years. In addition, the Austrian National Library is partner in the EU project Europeana Collections 1914–1918, collects and archives websites related to the commemorative year in its web archive and has set a focus to the years 1914–1918 in its newspaper digitizing project ANNO.

Schlüsselwörter: Erster Weltkrieg; Gedenkjahr 2014; Österreichische Nationalbibliothek / Aktivitäten

Keywords: First World War; Memorial Year 2014; Austrian National Library / Activities

Für Gedächtnisinstitutionen wie Bibliotheken, Archive und Museen stellt sich nicht nur die klassische Aufgabe, unser über viele Generationen gesammeltes kulturelles Erbe dauerhaft zu bewahren und an die nächste Generation weiterzugeben, sondern insbesondere auch die Frage, wie dieser riesige Schatz an gespeichertem Wissen zeitgemäß erschlossen und möglichst lebendig einer breiten Öffentlichkeit vermittelt werden kann. Im Sinne von Alaida Assmann1 geht es also nicht allein darum, unser kulturelles Speichergedächtnis möglichst vollständig und intakt zu halten, sondern insbesondere auch darum, im Funktionsgedächtnis der Gesellschaft einen lebendigen und kritischen Bezug zu unserer eigenen Geschichte immer wieder neu zu schaffen. Runde Jahrestage wie das Gedenkjahr 2014 bieten einen besonderen Anlass dafür und vor allem die Chance zu ehrlicher Erinnerungsarbeit. Sie geben Gelegenheit, im Blickpunkt einer breiten Öffentlichkeit historische Ereignisse, ihre Zusammenhänge und Folgen im Lichte neuester Forschungsergebnisse aus unserer heutigen Perspektive neu zu analysieren und neu zu bewerten. Und das bedeutet immer auch, unser heutiges politisches Selbstverständnis im Verhältnis zu diesen historischen Ereignissen neu zu reflektieren und zu definieren.

Die Entscheidung, sich am Gedenkjahr 2014 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs mit einer eigenen Ausstellung zu beteiligen, war für die Österreichische Nationalbibliothek naheliegend, nicht nur aus dem allgemeinen Grund, als eine der zentralen nationalen Gedächtnisinstitutionen diesem einschneidenden Ereignis in der jüngeren Geschichte Europas zu gedenken, sondern vor allem auch deshalb, weil die Bibliothek mit der sogenannten „Kriegssammlung“ – heute Teil von Bildarchiv und Grafiksammlung – eine in ihrer Art einzigartige Sammlung an Originalquellen zu diesem Thema besitzt.

1 Die „Kriegssammlung“ der k.k. Hofbibliothek2

Bereits sehr bald nach Kriegsbeginn im August 1914 begann man in der kaiserlichen Hofbibliothek in Wien gezielt und voll patriotischer Zuversicht eine möglichst umfassende historische Dokumentation zum Kriegsgeschehen aufzubauen, die bis zu seinem Ende weitergeführt wurde. Ziel des damaligen Präfekten, Josef Ritter von Karabaček, war es, den siegreichen Kriegsverlauf zum Ruhm des Landes für die Nachwelt möglichst genau durch authentisches Quellenmaterial zu dokumentieren. Auch wenn sich diese Absicht im Kriegsverlauf in ihr genaues Gegenteil verkehrte, entstand so eine der bedeutendsten Quellensammlungen zur Geschichte des Ersten Weltkriegs in Österreich.

Ein Erlass vom November 1914 ermächtigte die Hofbibliothek zum Empfang aller offiziellen amtlichen Kundmachungen und Proklamationen in allen Landessprachen. Am Anfang stand Kaiser Franz Josefs denkwürdiges Manifest „An meine Völker“ vom 28. Juli 1914, in dem er wehmütig erklärt, seinen „sehnlichsten Wunsch“, die ihm noch verbleibenden Jahre „Werken des Friedens zu weihen“, aufgeben zu müssen, gezwungen durch die „Umtriebe eines hasserfüllten Gegners“.

Karabaček versuchte sehr aktiv und energisch, sich beim Aufbau der Kriegssammlung nicht nur der Mithilfe staatlicher und militärischer Stellen wie Ministerien, Behörden, Bibliotheken, Kriegspressequartier und Kriegsarchiv zu versichern. Aufrufe der Hofbibliothek ergingen auch an die Soldaten an der Front und zahlreiche zivile Stellen wie Fotoagenturen und ‑gesellschaften bis hin zu Inseraten in Tageszeitungen, in denen die Zivilbevölkerung aufgerufen wurde, kriegsrelevante Dokumente aller Art an die Hofbibliothek zu senden. Die „Kriegssammlung“ wuchs in der Folge rasch. Eingang fand eine Vielzahl unterschiedlichster Medienarten, darunter die schon erwähnten offiziellen Kundmachungen, Proklamationen, Anschläge und Flugblätter, selbstverständlich auch Monographien, gedruckte Broschüren, Periodika – wie etwa ausländische Tages- und illustrierte Wochenzeitungen. Dazu kamen gewerbliche Erzeugnisse wie Ansichtskarten, Kunstblätter, sogenannte „Vivatbänder“, Plakate u. a.m. Ein nicht geringer Teil der Sammlung geht auf private Einsendungen an die Hofbibliothek zurück, darunter zehntausende Fotos, Zeichnungen, zahlreiche Manuskripte wie persönliche Erlebnisberichte, Tagebuchaufzeichnungen, bis zu Gedichten, Schulaufsätzen und Feldpostkarten, die insgesamt ein höchst aufschlussreiches Stimmungsbild der einzelnen Kriegsereignisse und ‑schauplätze vermitteln. Sie zeigen vor allem auch, wie besonders die ersten Kriegsmonate von einer heute kaum noch vorstellbaren Kriegsbegeisterung geprägt waren und von einer unkritischen Übernahme stereotyper Feindbilder in der Bevölkerung.

Trotz der sich schließlich abzeichnenden Niederlage wurde die Sammlung bis Kriegsende weitergeführt und umfasste 1918 etwa 52 000 Dokumente, vergleichbar mit den gleichzeitig entstandenen großen Sammlungen in Berlin und München. Auch nach Kriegsende wurden noch umfangreiche Bestände, insbesondere Fotos und Zeitungen aus dem Kriegspressequartier und dem Militärgeographischen Institut in die Kriegssammlung übernommen. Die „Kriegssammlung“ blieb allerdings in den nachfolgenden Jahrzehnten weitgehend unbeachtet und unerschlossen. 1995 wurden erstmals Teile davon – vor allem Plakate – in einer eigenen Ausstellung präsentiert.3

2 Die Prunksaalausstellung „An meine Völker! Der Erste Weltkrieg 1914–1918“

In der Ausstellung „An meine Völker! Der Erste Weltkrieg 1914–1918“, zu sehen vom 13. März bis 2. November 2014 im Prunksaal der ÖNB, wird die „Kriegssammlung“ der k.k. Hofbibliothek erstmals als Ganzes in ihrer Bedeutung als einzigartige historische Quellensammlung gewürdigt, ergänzt um Objekte aus anderen Sammlungen der ÖNB und um einige Leihgaben. Als Kurator der Ausstellung konnte mit Univ.-Prof. Dr. Manfried Rauchensteiner einer der renommiertesten österreichischen Zeithistoriker und angesehensten Experten zum Ersten Weltkrieg gewonnen werden.

Die Ausstellung versucht in 17 Stationen die Historie und unterschiedlichen Aspekte dieses furchtbaren Krieges nachzuzeichnen. Das Kapitel „Krieg und Gedächtnis“ reflektiert zunächst allgemein das Thema Erster Weltkrieg als Teil unseres kollektiven Gedächtnisses und unserer Erinnerungskultur. Im Kapitel „Attentat und Julikrise 1914“ wird das unmittelbar kriegsauslösende Ereignis in Sarajewo am 28. Juni 1914 und auch die auf die Kriegserklärung folgende Euphorie in der Bevölkerung thematisiert. Die Abschnitte 3 und 4 zeigen insbesondere Beispiele der rasch einsetzenden Bildpropaganda zu den anfänglichen militärischen Erfolgen, aber auch der Fürsorge an der „Heimatfront“ für die Soldaten. Ein eigener Abschnitt ist den „Kriegsanleiheplakaten“ gewidmet, die einen zentralen Teil der Kriegsfinanzierung bildeten.

Plakat „Sechste Österreichische Kriegsanleihe“ (ÖNB / Bildarchiv und Grafiksammlung: KS 16305135)
Abb. 1:

Plakat „Sechste Österreichische Kriegsanleihe“ (ÖNB / Bildarchiv und Grafiksammlung: KS 16305135)

Im Abschnitt „Erbfeind“ werden der Kriegseintritt Italiens im Mai 1915 und das neue Feindbild an zahlreichen Beispielen illustriert. Der zentralen Rolle Kaiser Franz Josefs als oberster Kriegsherr und symbolische Einigungsfigur der unterschiedlichen Nationalitäten bis zu seinem Tod in November 1916 ist ebenso ein Abschnitt gewidmet, wie seinem Nachfolger Kaiser Karl I., der sich durch eine besonders intensive Reise- und Propagandatätigkeit auszeichnete. Unter dem Titel „Nibelungentreue und Mitteleuropa“ wird die entscheidende Rolle des Deutschen Reiches als mächtiger Bündnispartner, der sehr bald auch die militärische Führung übernahm, dargestellt. Breiten Raum in der Ausstellung nehmen aber auch die verheerenden Auswirkungen des Krieges im Hinterland ein: die massenhaft aus den Kriegsschauplätzen flüchtenden Menschen, die Kriegsgefangenenlager auf beiden Seiten der Front, die unvorstellbare Zahl an Gefallenen und dauerhafte Invaliden und auch die immer wichtiger werdende Rolle der Frauen, die die Männer in der Arbeitswelt zu ersetzten hatten. Thematisiert wird schließlich das immer stärker werdende Problem der knappen Rohstoffe und Lebensmittel, das zu Rationierung und zur Herstellung einer breiten Palette an erfindungsreichen Ersatzmitteln führte: von Brennnesselfasern zur Textilherstellung bis hin zu Maikäfersammlungen als Hühner- und Schweinefutter... Ein eigenes Kapitel ist den Auswirkungen des Krieges auf Schule und Erziehung gewidmet. Es zeigt, wie sich die verheerende Macht der Kriegspropaganda in Schüleraufsätzen und ‑zeichnungen niederschlägt. Ein weiterer, für uns heute schwer verständlicher Aspekt, ist die verbreitete Inszenierung von spektakulären Kriegsschauspielen wie etwa das im Wiener Prater unter dem Titel „Der Krieg als Schauspiel“.

Plakat: „Schützengraben im k.k. Prater“ (ÖNB / Bildarchiv und Grafiksammlung: KS 16215882)
Abb. 2:

Plakat: „Schützengraben im k.k. Prater“ (ÖNB / Bildarchiv und Grafiksammlung: KS 16215882)

Die schließlich endgültige militärische Niederlage, nach gescheiterten geheimen Friedensbemühungen Kaiser Karls I. und die weitreichenden politischen Folgen des Endes der Donaumonarchie bilden den chronologischen Abschluss der Ausstellung. In eigenen Abschnitten werden auch die Entstehung der „Kriegssammlung“ der Hofbibliothek (siehe Abschnitt 1) wie auch des „Kriegspressequartiers“, das eine entscheidende Rolle bei der gezielten Verbreitung von Fotomaterial zum Kriegsgeschehen spielte, geschildert.

Foto des Wagen von Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajewo am 28.7.1914 (ÖNB / Bildarchiv und Grafiksammlung OEGZS 104/262)
Abb. 3:

Foto des Wagen von Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajewo am 28.7.1914 (ÖNB / Bildarchiv und Grafiksammlung OEGZS 104/262)

Teil des zur Ausstellung erschienenen Kataloges4 ist neben einer Dokumentation der Ausstellungsobjekte sowie wissenschaftlicher Beiträge zum Thema auch eine Sammlung literarischer Texte unter den Titel: „Gedächtnisort Erster Weltkrieg“. Um den gegenwartsbezogenen Aspekt dieses Themas zu unterstreichen, wurden zwölf zeitgenössische Autoren aus den Ländern und Regionen der ehemaligen Donaumonarchie eingeladen, über das Thema Erster Weltkrieg literarische Texte zu verfassen. So entstand ein buntes Panorama mitteleuropäischer Gegenwartsliteratur mit dem gemeinsamen Bezugspunkt Erster Weltkrieg.

Ausschnitt aus dem Jubiläumsband von Rauchensteiner (Anm. 4)
Abb. 4:

Ausschnitt aus dem Jubiläumsband von Rauchensteiner (Anm. 4)

3 Weitere Aktivitäten der Öster-reichischen Nationalbibliothek zum Gedenkjahr 2014

Neben dem eben geschilderten Ausstellungsschwerpunkt initiierte die Österreichische Nationalbibliothek eine Reihe begleitender Aktivitäten zum Gedenkjahr 2014, die hier nicht unerwähnt bleiben sollen. Dazu zählt die Beteiligung am EU-Projekt Europeana Collections 1914–1918 (www.europeana-collections-1914-1918.eu). Ziel des Projektes war es, für Forschung und Bildung bis April 2014 eine substantielle digitale Sammlung von Materialien aus zehn Nationalbibliotheken und anderen Partnerinstitutionen aus acht europäischen Ländern aufzubauen, die sich während des Ersten Weltkrieges auf unterschiedlichen Seiten des historischen Konfliktes befanden. Mehr als 425 000 historische Dokumente und Quellenmaterialien wurden im Rahmen des Projekts digitalisiert und über das gemeinsame Kulturportal Europeana (www.europeana.eu) zugänglich gemacht. Die Österreichische Nationalbibliothek koordinierte den Gesamtbereich Digitalisierung und Volltexterfassung und stellte selbst Materialien aus ihren verschiedenen Sammlungen – primär der „Kriegssammlung“ – digital zur Verfügung. Neben über 300 000 Zeitungsseiten und 1 200 Extraausgaben handelt es sich um über 75 000 Objekte, darunter 6 500 Plakate, 230 Kinder- und Jugendzeichnungen, 37 000 Fotografien aus den sogenannten „Kriegspressequartier-Alben“, rund 40 Bücher aus der Sammlung für Plansprachen, 200 Soldatenlieder und 1 100 Flugblätter, die von Flugzeugen abgeworfen wurden. Diese Digitalisate bieten einen authentischen Einblick in die damalige Zeit und stehen gemeinsam mit den Digitalisaten von neun weiteren Nationalbibliotheken über die Webseite der Österreichischen Nationalbibliothek sowie über das Portal der Europeana zur Verfügung.

Auch im Bereich der Webarchivierung wurde das Thema Gedenkjahr 2014 aufgegriffen. Seit der Schaffung der gesetzlichen Rahmenbedingungen in der Mediengesetznovelle von 20095, betreibt die Österreichische Nationalbibliothek das Web@rchiv Austria, in dem systematisch Webpublikationen aus der Domäne ‑.at und anderen Domänen, die sich inhaltlich auf Österreich beziehen, gesammelt und dauerhaft archiviert werden. Dazu werden nicht nur regelmäßige „Gesamt-Crawls“ der Domäne ‑.at durchgeführt sondern auch ein selektives Event-Harvesting, bei dem anlassbezogen Webpublikationen zu wichtigen Themen wie etwa Wahlen gesammelt werden. Auch zum Gedenkjahr 2014 wird ein solches Event-Harvesting durchgeführt, damit die zahlreichen Webseiten, die anlässlich des Gedenkjahrs 2014 entstanden sind, auch in Zukunft zugänglich bleiben. Webkuratoren der Österreichischen Nationalbibliothek treffen eine Auswahl an Webseiten, Studierende der Universität Wien beteiligen sich ebenfalls an der Suche nach relevanten Inhalten, außerdem haben interessierte Benutzer oder Betreiber von diesbezüglichen Webseiten die Möglichkeit, selbst Seiten zur Archivierung vorzuschlagen. Die gesammelten Inhalte können im Anschluss im Rahmen der Kollektion „Gedenkjahr 2014“ im Web@rchiv an eigenen Terminals in der Bibliothek aufgerufen werden.

Als letzter Punkt soll auf eine Initiative im Rahmen des digitalen Zeitungsportals ANNO (AustriaN Newspapers Online, http://anno.onb.ac.at/) hingewiesen werden. Das bereits seit über 10 Jahren laufende Digitalisierungsprojekt umfasst bereits mehr als 10 Millionen Zeitungsseiten aus historischen Tages- und Wochenzeitungen des Zeitraums 1583–1943 und wächst jährlich um etwa 1,5 Millionen Seiten. Täglich greifen mehr etwa 2 500 Benutzer auf das Portal zu. Der Zugriff kann entweder über den Zeitungstitel, einen übergreifenden Kalender oder – zunächst nur für einen Teilbestand – auch über eine Volltextsuche erfolgen. Der meistgesuchte Tag im virtuellen Zeitungslesesaal ANNO – auch schon vor dem Gedenkjahr 2014 – ist der 29. Juni 1914, der Tag nach der Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Gemahlin in Sarajewo. Insgesamt sind in ANNO 58 Zeitschriften und 126 Zeitungen aus den Jahren 1914 bis 1918 abrufbar. Im Rahmen des Gedenkjahres 2014 werden die Bestände zu den Jahren 1914–1918 (770 000 Seiten) in ANNO auch mittel Volltextsuche erschlossen.

Als zentrale Gedächtnisinstitutionen und Brücken zur nationalen Geschichte sind Nationalbibliotheken insbesondere zu großen Jubiläen und Gedenkjahren aufgefordert, einen konstruktiven Beitrag zur Erinnerungsarbeit zu leisten. Ganz besonders gilt dies für historische Anlässe wie das Jahr 1914, die über nationale Grenzen hinweg Europa ganz entscheidend geprägt haben. Mit ihren Aktivitäten zum Gendenkjahr versucht die Österreichische Nationalbibliothek einen konstruktiven Beitrag zu einer gemeinsamen europäischen Erinnerungskultur zu leisten, frei von längst überwundenen Feindbildern und Ressentiments.

Footnotes

  • 1

    Vgl.: Assmann, Aleida: Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses. München 1999, S. 130 ff. 

  • 2

    Zu diesem Abschnitt vgl. insbesondere Petschar, Hans: Den Krieg sammeln. Die Aktivitäten der k.k. Hofbibliothek und der k.u.k. Fideikommissbibliothek im Weltkrieg 1914–1918. In: Rauchensteiner, Manfried (Hrsg.): An meine Völker! Der Erste Weltkrieg 1914–1818. Wien 2014, S. 26–37. 

  • 3

    Jobst-Rieder, Marianne (Hg.): Das letzte Vivat. Plakate und Parolen aus der Kriegssammlung der k.k. Hofbibliothek. Wien 1995. 

  • 4

    Rauchensteiner, Manfried (Hg.): An meine Völker! Der Erste Weltkrieg 1914–1918. Wien 2014. 

  • 5

    Vgl. Bundesgesetzblatt für die Republik Österreich I, Nr. 8/2009. 

About the article

Published Online: 2014-11-26

Published in Print: 2014-12-19


Citation Information: Bibliothek Forschung und Praxis, Volume 38, Issue 3, Pages 456–460, ISSN (Online) 1865-7648, ISSN (Print) 0341-4183, DOI: https://doi.org/10.1515/bfp-2014-0046.

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