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Bibliothek Forschung und Praxis

Ed. by Bonte, Achim / Degkwitz, Andreas / Horstmann, Wolfram / Kaegbein, Paul / Keller, Alice / Kellersohn, Antje / Lux, Claudia / Marwinski, Konrad / Mittler, Elmar / Rachinger, Johanna / Seadle, Michael / Vodosek, Peter / Vogt, Hannelore / Vonhof, Cornelia

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ISSN
1865-7648
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Volume 39, Issue 1

Issues

StudyKing – das Einchecksystem der Bibliothek der Universität St. Gallen (HSG)

Raffael Ammann
  • Corresponding author
  • Mitarbeiter Einkauf/FinanzenUniversität St. Gallen (HSG), Bibliothek Dufourstraße 50 CH-9000 St. Gallen Schweiz
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Published Online: 2015-03-19 | DOI: https://doi.org/10.1515/bfp-2015-0002

Zusammenfassung

StudyKing ist eine Facebook-Anwendung der Bibliothek der Universität St. Gallen, welche ein einfaches Einchecken an einem der Bibliotheksarbeitsplätze ermöglicht. Auf der integrierten Übersichtskarte wird der ungefähre Standort von Personen angezeigt, die sich ebenfalls eingecheckt haben. Ein Wettbewerb um die meisten Check-ins erhöht zusätzlich den Anreiz. Die App unterstützt so mit Hilfe sozialer Netzwerke die Interaktion von Studierenden miteinander und mit ihrer Bibliothek. Die Bibliothek bezieht zusätzlichen Nutzen aus dem gesteigerten Bekanntheitsgrad ihres Facebook-Auftritts und ihrer darin veröffentlichten Bibliotheksmeldungen.

Abstract

StudyKing is a Facebook based application which allows students to check in at their study area in the library. It will also show the approximate locations of others who have checked in. Its attractiveness is boosted by organizing a competition on the number of check-ins. In this way, StudyKing uses social networks to support student-library interaction as well as increasing students’ familiarity with the library’s Facebook page and its contents.

Schlüsselwörter: Soziales Netzwerk; Facebook; Lokalität (Informatik); standortbezogener Dienst; Online-Marketing; Universitätsbibliothek; St. Gallen

Keywords: Social network; Facebook; locality (IT); location-based service; online-marketing; university library; St. Gallen

1 Einleitung

Mirella ist seit einigen Monaten eine der 8 000 Studierenden der Universität St. Gallen und hat das Ziel, eines Tages mit dem Master in Banking and Finance abzuschließen. Wie viele andere lernt sie regelmäßig in der Bibliothek und nutzt dafür einen der über 400 zur Verfügung stehenden Arbeitsplätze. Heute hat sie die Bibliothek kurz nach der Öffnung um 8 Uhr betreten und sich an einem Fensterplatz im Obergeschoss eingerichtet. Bereits jetzt sind viele Studenten da, ein bekanntes Gesicht hat sie noch nicht gesehen. Auf der Webseite der Bibliothek hat sie aber vom neuen StudyKing erfahren und damit gute Erfahrungen gesammelt. Deshalb zückt sie nun ihr Smartphone und scannt den QR-Code, der an ihrem Arbeitsplatz angebracht ist. Der Dialog „Einchecken in AZ Platon“ erscheint und in das Nachrichtenfeld schreibt sie: „phuu... ich könnte schon bald kaffee vertragen. wer hat lust?“

Im Erdgeschoss hat sich derweil Max mit seinem Laptop eingecheckt. Da er kein Smartphone besitzt, benutzt er dafür die Webseite www.studyking.ch und wählt den Arbeitsplatz anhand dessen Namen manuell aus. Er tut dies so oft er kann, denn er will unbedingt die meisten Check-ins sammeln, um der nächste StudyKing zu werden. Neben weiteren attraktiven Preisen winkt ihm als Hauptgewinn ein eigener Arbeitsplatz in der Bibliothek für ein ganzes Semester. Aber noch ist es nicht soweit und er liest erstmal die neuesten Posts auf Facebook. Max startet ungern in den Tag und deshalb kommt ihm die Nachricht seiner Studienkollegin Mirella gelegen. Mit einem Klick zeigt ihm StudyKing ihren Aufenthaltsort in der Bibliothek an und wenig später sind die beiden gemeinsam unterwegs in Richtung Cafeteria.

2 StudyKing

StudyKing ermöglicht einen „Check-in“, also die Anwesenheit an einem bestimmten Ort bekanntzugeben und mit anderen zu teilen. Damit unterscheidet es sich kaum von zu Anfang des Jahrzehnts populären standortbezogenen Diensten wie Gowalla und Foursquare. Mit einem Merkmal setzt sich StudyKing jedoch deutlich von diesen Vorbildern ab: Die verschiedenen Orte befinden sich alle im gleichen Gebäude, verteilt auf lediglich zwei Stockwerke. Damit müssen sie auf wesentlich kleinerem Raum eindeutig unterscheidbar sein.

Anzeige des Check-ins in Facebook und auf StudyKing
Abb. 1:

Anzeige des Check-ins in Facebook und auf StudyKing

Die Idee zu StudyKing entstand im Rahmen der Ausbildung CAS Social Media Management der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ) im Frühling 2012 und wurde anschließend als Zertifikatsarbeit konkretisiert.1 Auf Grundlage dieses Konzepts entschied sich die Bibliothek der Universität St. Gallen2, die Umsetzung zu budgetieren und 2013 als Projekt zu initialisieren.

3 Projekt

Über die Projektlaufzeit von 10 Monaten wurde StudyKing vom Autor und der Firma Taktwerk3, verantwortlich für die Programmierungsarbeiten, entwickelt und umgesetzt. Weitere zwei Monate umfasste ein Folgeprojekt, in dessen Rahmen ein erweitertes Statistikmodul realisiert werden konnte. Seit Projektabschluss erfolgt die laufende Betreuung durch eine Person des Ausleihe-Teams.

4 Umsetzung

Unter dem Namen MediaScout4 bietet die Bibliothek der Universität St. Gallen seit 2008 eine Dienstleistung an, welche die visuelle Orientierung im Gebäude erleichtern soll.5 Dahinter verbirgt sich das Produkt v:scout6 der Firma Artec Visual Solutions. Einerseits können damit Objektinformationen per Mouseover auf Übersichtskarten der verschiedenen Stockwerke abgerufen werden. Andererseits bietet sich die Möglichkeit, Buchbestände eines bestimmten Themas oder den Standort verschiedener Dienstleistungen (z. B. wo sich ein Drucker oder der Aufzug befindet), anzuzeigen. Der gesuchte Bereich wird farblich abgehoben dargestellt. Die Wartung und Aktualisierung der Inhalte von MediaScout erfolgt durch geschulte und autorisierte Mitarbeiter der Bibliothek. Dadurch können Objekte und Dienstleistungen rasch und unkompliziert gelöscht, geändert und neu erstellt werden. Die als Raumobjekte repräsentierten Arbeitsplätze in der Bibliothek wurden zu grösseren Einheiten, sogenannten Arbeitsplatzzonen, zusammengefasst und bilden die Grundlage zur Visualisierung der verschiedenen Orte in StudyKing. Aus Performancegründen greift die App aber nicht auf das Live-System von MediaScout zurück, sondern zeigt stattdessen eine vorgängig erstellte Bilddatei der Arbeitsplatzzone an.

Übersicht der Informationsbereiche in StudyKing. 1. Titel – Informationen zum derzeitigen Rang im Wettbewerb, zum aktuellen Check-in und die Möglichkeit zum manuellen Check-out. 2. Wer ist hier – Anzeige der gleichzeitig eingecheckten Personen. 3. Übersichtskarte – ein Mouseover über eine Person in „Wer ist hier“ zeigt die betreffende Arbeitsplatzzone an. 4. Rangliste des Wettbewerbs.
Abb. 2:

Übersicht der Informationsbereiche in StudyKing. 1. Titel – Informationen zum derzeitigen Rang im Wettbewerb, zum aktuellen Check-in und die Möglichkeit zum manuellen Check-out. 2. Wer ist hier – Anzeige der gleichzeitig eingecheckten Personen. 3. Übersichtskarte – ein Mouseover über eine Person in „Wer ist hier“ zeigt die betreffende Arbeitsplatzzone an. 4. Rangliste des Wettbewerbs.

Die Bibliothek der Universität St. Gallen ist seit etwas mehr als zwei Jahren als HSGBibliothek7 auch auf dem sozialen Netzwerk Facebook präsent. Studierende werden darüber mit aktuellen News und Veranstaltungshinweisen versorgt. Diese bestehende Seite, Facebooks ausserordentlich grosse Nutzerbasis und die gut dokumentierten Programmierschnittstellen und Entwicklungswerkzeuge führten zum Entscheid, die Applikation auf Grundlage dieser Plattform zu entwickeln. Für viele Nutzende entfällt somit die Erstellung eines zusätzlichen Accounts, lediglich bei erstmaliger Verwendung ist eine Autorisierung der App nötig. Darüber hinaus bringt Facebook Mobile die Möglichkeit zum Check-in an einem bestimmten Ort bereits mit. „Orte“ entsprechen im Fall von StudyKing den einzelnen Arbeitsplatzzonen in der Bibliothek. Um diese Funktion zu nutzen, ist für jede Arbeitsplatzzone ein Ort in Facebook erstellt worden.

Als verbindendes Element zwischen MediaScout und Facebook fungiert die eigentliche App. StudyKing läuft auf einem Apache Webserver mit PHP und MySQL und basiert auf dem „Yii“-Framework. Erreichbar über Facebook direkt oder unter der URL www.studyking.ch, präsentiert sie sich übersichtlich gegliedert in vier Bereiche.

In der Bibliothek selbst waren nur geringe Anpassungen nötig. Jeder Arbeitsplatz ist gut sichtbar mit einem QR-Code in Verbindung mit dem StudyKing-Logo und dem Namen der Arbeitsplatzzone gekennzeichnet. Das Einlesen des QR-Codes mit einem mobilen Gerät führt direkt zum korrespondierenden Ort in Facebook und verkürzt so den Check-in-Vorgang auf wenige Schritte. Die eingangs erwähnten Zugriffsmöglichkeiten auf StudyKing verdeutlicht das folgende Ablaufdiagramm.

Aufruf- und Check-in-Vorgang
Abb. 3:

Aufruf- und Check-in-Vorgang

Änderungen der Policy von Facebook und die Fragmentierung insbesondere des mobilen Betriebssystems Android machten es inzwischen notwendig, auf die beiden Prüfungen „Like“ und „Geo IP“ zu verzichten. Im Gegensatz zur Geolokalisierung entfällt mit dem Zwang zum Like vor der Verwendung von StudyKing (Like-Gate) ein wesentliches Element. Das Ziel, mit StudyKing die Anzahl der mit Facebook-Nachrichten erreichbaren Personen zu vergrössern, kann im Moment nur eingeschränkt weiterverfolgt werden. Eine geeignete Ersatzlösung ist noch nicht gefunden. Neben der Interaktion von Studierenden miteinander bleibt aber der pro Semester durchgeführte Wettbewerb als zusätzlicher Anreiz weiterhin bestehen.

5 Fazit

Mit StudyKing ist es der Bibliothek der Universität St. Gallen gelungen, eine in der Bibliothekslandschaft einzigartige Dienstleistung umzusetzen. Sie hat innerhalb eines Jahres dazu beigetragen, den Bekanntheitsgrad ihres Facebook-Auftritts um 20 % zu steigern. Unter Verwendung bereits bestehender Plattformen und Services wie Facebook und MediaScout konnte weitgehend auf eigene Entwicklungen verzichtet und der Aufwand gering gehalten werden. Nachteilig können sich aber die dadurch entstandenen Abhängigkeiten auswirken. Änderungen bei Facebook und neue Versionen von Browsern und mobilen Betriebssystemen bedingen ein kontinuierliches Monitoring und erfordern die stetige Anpassung der Applikation an neue Begebenheiten. Im Moment sind darüber hinaus keine substantiellen Weiterentwicklungen geplant. Verschiedentlich haben StudyKing-Nutzer jedoch den Wunsch geäußert, den Austausch von Nachrichten direkt innerhalb der App zu ermöglichen, ohne auf Facebook ausweichen zu müssen. Ein nächster Meilenstein?

Footnotes

About the article

Published Online: 2015-03-19

Published in Print: 2015-04-30


Citation Information: Bibliothek Forschung und Praxis, Volume 39, Issue 1, Pages 91–94, ISSN (Online) 1865-7648, ISSN (Print) 0341-4183, DOI: https://doi.org/10.1515/bfp-2015-0002.

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© 2015 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/München/Boston. This work is licensed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 3.0 License. BY-NC-ND 3.0

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