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Bibliothek Forschung und Praxis

Ed. by Bonte, Achim / Degkwitz, Andreas / Horstmann, Wolfram / Kaegbein, Paul / Keller, Alice / Kellersohn, Antje / Lux, Claudia / Marwinski, Konrad / Mittler, Elmar / Rachinger, Johanna / Seadle, Michael / Vodosek, Peter / Vogt, Hannelore / Vonhof, Cornelia

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ISSN
1865-7648
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Volume 39, Issue 2

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Zum 75. Geburtstag von Elmar Mittler

Klaus Ceynowa
Published Online: 2015-06-17 | DOI: https://doi.org/10.1515/bfp-2015-0032

Am 8. Mai 2015 hat Elmar Mittler seinen 75. Geburtstag gefeiert. Eigentlich ist das ja durchaus ein Alter, in dem die meisten ihren wohlverdienten Ruhestand auf dem Golfplatz, unter mallorquinischer Sonne, mit historischen Romanen oder mit der Hebung des Altersdurchschnitts unser Hochkultureinrichtungen verbringen. Nicht so Elmar Mittler: Er ist im deutschen und europäischen Bibliothekswesen präsent wie eh und je, und zwar als eine immer bestens informierte, stets nach vorn denkende und gerade darin – das ist entscheidend – absolut unverzichtbare Größe.

Als ich im Januar dieses Jahres – ich gelobe Besserung – überhaupt das erste Mal „physisch“ an der Herausgebersitzung unserer Zeitschrift „BIBLIOTHEK – Forschung und Praxis“ teilgenommen habe, durfte ich Elmar Mittler als Sitzungsleiter in Hochform erleben: Von der Handschriftenerschließung bis zu iBeacons in Bibliotheksgebäuden hatte er alle Themen unserer Profession so fest im Griff, dass ich mich bei dem Gedanken ertappte: „Mensch, Du hast ihn doch vor zehn Jahren mit gleich zwei Festschriften (darunter geht es bei Elmar Mittler natürlich schon mal gar nicht!) in den Ruhestand verabschiedet, das war dann doch wohl eine etwas verfrühte Aktion!“

Und als Andreas Degkwitz, Mitherausgeber unserer Zeitschrift, und ich im November 2013 unsere kleine Konferenz zum Thema „Digitale Wissenswelten“ im Berliner Apple-Store am Kurfürstendamm mit so prominenten Rednern wie Gunter Dueck, Wolfgang Henseler, Hannes Hintermeier und Walther Ch. Zimmerli veranstalteten, gehörte Elmar Mittler zu den lebhaftesten Diskutanten im Publikum, unter anderem mit Beiträgen zu Natural User Interfaces in Discovery Systemen – far ahead gegenüber den oft verquasten Beiträgen nerdiger Hipster, die (zu unserer Freude) das Auditorium bevölkerten.

Ein Gespräch mit Elmar Mittler ist nie nur ein freundlicher Community-Austausch, sondern immer fordernd, herausfordernd und bisweilen auch ein bisschen anstrengend (was ich zu meiner Zeit als sein Stellvertreter fast täglich erleben durfte ...), aber danach ist man auch stets ein wenig klüger. Als ich Anfang 2014 einige bewusst provokante Thesen zum Ende der Textualität in digital entgrenzten Datenräumen (nicht: zum Ende der Buchkultur)

publizierte, dauerte es keine zwei Tage, bis ich Elmar Mittlers wohlbegründete Kritik in meiner Mailbox vorfand: das Netz, nicht wie ich es sah, als entgrenztes Fluidum lose verkoppelter Informationspartikel, sondern als semantisch wohlstrukturierte Wissensordnung. Diesen Gegenentwurf verband er dann sofort mit der Aufforderung, aus meinem Artikel „einen richtig guten Beitrag“ für unsere Zeitschrift zu machen (ein Wunsch, dem ich nach dieser Steilvorlage natürlich nicht folgen konnte).

Elmar Mittler „brennt“ für sein Lebensthema „Bibliothek“, die er nie nur als „Informationsinfrastrukureinrichtung“ (welch ein Wort), sondern immer als Kreislauf von Bibliothek/Forschung/Bibliothek und damit als Kern unseres abendländischen Kulturverständnisses begreift. Mit dieser Grundhaltung ist er auch der beste Kampfgefährte an den vielen Fronten, an denen heute um die Zukunftsgestalt der Wissensgesellschaft und der Rolle des „Wissenszentrums“ Bibliothek gerungen wird.

Selten habe ich Elmar Mittler derart aufgebracht und zugleich „committed“ erlebt wie im zurückliegenden Jahr, als zusehends klarer wurde, dass der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft initiierte Übergang von Sondersammelgebieten zu Fachinformationsdiensten nicht so sehr in Gestalt behutsamen Reformierens, sondern eher als grundstürzendes Reengineering daherkommen würde. Schließlich hatte man es hier nicht mit einem Sanierungsfall, sondern mit einem international anerkannten und geneideten Erfolgsmodell zu tun! Mittlers umfangreicher und umfassender Beitrag zur Kontroverse um das neue Förderformat in dieser Zeitschrift ebenso wie sein Vortrag „Forschungsbibliothek – auch in Zukunft ein Erfolgsmodell?“ auf der Frühjahrssitzung 2014 der Sektion 4 des dbv haben mit aller Deutlichkeit gezeigt, was hier auf dem Spiel steht und aufs Spiel gesetzt wird.

Sich einmischen, gut argumentiert und gut geschrieben Position beziehen, vermitteln, aber auch klare Kante zeigen, wenn es nötig ist – all das zeichnet Elmar Mittler aus. Und schon deshalb kann unsere Zeitschrift sicherlich fest auf sein weiteres Engagement bauen. Für die kommende Zeit wünsche ich Dir, lieber Elmar, nur das Allerbeste, und hoffe, dass Du Deinen Ideenreichtum und Deine Kreativität auch weiterhin für unsere Sache in die Waagschale wirfst – ad multos annos!

Klaus Ceynowa

About the article

Published Online: 2015-06-17

Published in Print: 2015-06-22


Citation Information: Bibliothek Forschung und Praxis, Volume 39, Issue 2, Pages 124–125, ISSN (Online) 1865-7648, ISSN (Print) 0341-4183, DOI: https://doi.org/10.1515/bfp-2015-0032.

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