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Bibliothek Forschung und Praxis

Ed. by Bonte, Achim / Degkwitz, Andreas / Horstmann, Wolfram / Kaegbein, Paul / Keller, Alice / Kellersohn, Antje / Lux, Claudia / Marwinski, Konrad / Mittler, Elmar / Rachinger, Johanna / Seadle, Michael / Vodosek, Peter / Vogt, Hannelore / Vonhof, Cornelia

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1865-7648
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Volume 40, Issue 2

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Editorial: Dynamische Dauer

Die Herausforderung, Infrastruktur für die digitale Forschung in den Geisteswissenschaften zu schaffen

Elmar Mittler
Published Online: 2016-07-01 | DOI: https://doi.org/10.1515/bfp-2016-0021

Es scheint uns selbstverständlich, dass z. B. Wetter- und Klimadaten in weltweiten Netzen erfasst und zugänglich gemacht werden. Bei den Geisteswissenschaftlern dagegen ist seit den Zeiten des Erasmus das tausende Male verbreitete Bild vom Gelehrten, der mit ein paar Büchern und Nachschlagewerken einsam in seinem Studiolo forscht und schreibt, noch immer in allen Köpfen. Dabei ist die Bereitstellung und Erschließung geisteswissenschaftlicher Daten „big business“, die in Großeinrichtungen wie den Monumenta Germaniae historica oder dem Deutschen Archäologischen Institut teilweise schon seit zweihundert Jahren betrieben wird. Dass die Digitalisierung allein dieser Daten zu großen kulturwissenschaftlichen Datensilos eine Aufgabe von strategischer Bedeutung ist, findet breite Zustimmung. Dass auch der Aufbau eines Netzes von Serviceeinrichtungen für die digitale Forschung in den Geisteswissenschaften auf die Agenda wichtiger öffentlicher Investitionen gehört, wurde auf Europäischer Ebene schon 2006 in der ersten ESFRI-Roadmap festgestellt. Das darin empfohlene DARIAH (Digital Research Infrastructure for the Arts and Humanities) wurde nicht nur zur Erstellung eines Masterplans, sondern auch zum Aufbau von technischer Infrastruktur genutzt, um den Wissenschaftlern exemplarisch digitale Daten, Texte, Dienste und Werkzeuge bereitstellen zu können.

Dass die Fortsetzung im deutschen Rahmen als DARIAH-DE gelungen ist, beruht wesentlich darauf, dass von vorneherein Fachwissenschaftler aus unterschiedlichen kulturwissenschaftlichen Disziplinen mit IT-Experten und Fachleuten aus Infrastruktur-Einrichtungen zu kooperativen Projekten zusammengeführt wurden. Die Beiträge dieses Heftes zeigen deutlich die Professionalität, mit der man vorgegangen ist, und die fachliche Breite, die man dabei schon erreicht hat. Zukunftsweisend ist, dass man dabei das Open-Source-Konzept einsetzt: Die Problematik des schnellen Wandels lässt sich damit gemeinsam leichter in den Griff bekommen; die freie Bereitstellung erleichtert aber vor allem die Übernahme für neue Anwendungen. So kann im Geben und Nehmen ein Baukasten von E-Humanities-Apps entstehen, der eine breite Palette von Tools bereitstellt.

Zu seiner kontinuierlichen Pflege ist der Aufbau dauerhafter Services notwendig. Diese müssen auch den gesamten Workflow wissenschaftlicher Arbeit vom Sammeln der Daten über ihre Bearbeitung, den Publikationsprozess und die dauerhafte Archivierung einbeziehen. Service baucht Manpower. Völlig neue Infrastrukturen aufzubauen ist schwierig; es erscheint wirtschaftlich und effizient, an bestehende Einrichtungen anzuknüpfen. Bibliotheken und Rechenzentren sind hier als Einzeleinrichtungen und in Kooperation die natürlichen Knotenpunkte. Es bedarf aber auch zentraler Dienstleistungen zur Koordination und der Sicherung der Funktionsfähigkeit des Systems. Es geht ja darum, das auch von der European Science Fundation empfohlene Ziel zu erreichen, dass jeder Wissenschaftler sicher sein kann, dass er beim digitalen Arbeiten und Publizieren unterstützt wird und seine Publikation wie seine Forschungsdaten dauerhaft gespeichert werden.

Ein Hemmnis bei Aufbau zentraler Services ist die Furcht, dass durch Aufbau von Infrastruktur an anderer Stelle Investitionen für eigene Projekte vermindert werden. Dies aber ist – sieht man etwas genauer hin – ein großer Irrtum: Wenn ich nicht selbst das Rad immer wieder neu erfinden muss, sondern mich von teilweise ja auch trivialen Aufgaben und Entscheidungen entlaste, kann ich effizienter und kostengünstiger arbeiten. Das erleichtert mir nicht nur die Beantragung von Projekten ebenso wie ihre Durchführung. Weil sich dabei Lösungen ergeben, die auf Standards beruhen, ist auch die dauerhafte Nutzung erleichtert. Deshalb kann man nur hoffen, dass es gelingt, die nachhaltige Finanzierung von DARIAH und den es tragenden Dienstleistern zu sichern. Die in diesem und ergänzend im nächsten Heft dargestellten Services lassen erkennen, dass hier durch Kooperation vieler Partner und eine ergänzende Finanzierung eine Entwicklung von zentraler nationaler Bedeutung im europäischen Rahmen mit überschaubarem Aufwand erreicht werden kann.

About the article

Published Online: 2016-07-01

Published in Print: 2016-07-01


Citation Information: Bibliothek Forschung und Praxis, Volume 40, Issue 2, Pages 149–149, ISSN (Online) 1865-7648, ISSN (Print) 0341-4183, DOI: https://doi.org/10.1515/bfp-2016-0021.

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