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Bibliothek Forschung und Praxis

Ed. by Bonte, Achim / Degkwitz, Andreas / Horstmann, Wolfram / Kaegbein, Paul / Keller, Alice / Kellersohn, Antje / Lux, Claudia / Mittler, Elmar / Rachinger, Johanna / Seadle, Michael / Umlauf, Konrad / Vodosek, Peter / Vogt, Hannelore / Vonhof, Cornelia

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1865-7648
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Volume 41, Issue 3

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Gernot U. Gabel: Bibliotheken in den USA. Beiträge zur Bibliotheksgeschichte. Festgabe zum 75. Geburtstag überreicht von Gisela Gabel-Jahns. Hürth: Edition Gemini, 2016. 239 Seiten, 1 s/w. Abb. Fest geb. ISBN 978-3-922331-55-1.

Prof. Dr. Peter Vodosek
Published Online: 2017-11-28 | DOI: https://doi.org/10.1515/bfp-2017-0042

Reviewed publication

Gabel Gernot U.: Bibliotheken in den USA. Beiträge zur Bibliotheksgeschichte. Festgabe zum 75. Geburtstag überreicht von Gisela Gabel-Jahns. Hürth: Edition Gemini, 2016. 239 Seiten, 1 s/w. Abb. Fest geb. ISBN 978-3-922331-55-1.

Gernot U. Gabel, bis 2003 Stellvertretender Direktor der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, kann ein umfangreiches Œuvre bibliothekarischer Fachliteratur vorweisen. Als sein Spezialgebiet dürfen die Beiträge über Bibliotheken im Ausland, vor allem in Frankreich und in den USA, gelten, gewissermaßen Bibliotheksminiaturen, die knapp und zuverlässig über die einzelnen Institutionen informieren. Sie sind viele Jahre hindurch in Fachzeitschriften erschienen, zum großen Teil in Buch und Bibliothek (ab 2000 BuB – Forum Bibliothek und Information) und im Bibliotheksdienst. Gisela Gabel-Jahns hat sie gesammelt und jeweils zum 60., 65., 70. und jetzt 75. Geburtstag als Festgaben für ihren Gatten herausgegeben. Die Reihe, wie man sie wohl bezeichnen darf, begann mit Historic libraries in Europe und wurde mit Anglo-amerikanischen Bibliotheken sowie mit Bibliotheken in Frankreich fortgesetzt.1 Hier soll nun der jüngste Band Bibliotheken in den USA mit Rückblick auf die Anglo-amerikanischen Bibliotheken besprochen werden.

Der Autor darf zweifellos als der Experte mit dem besten Überblick über die Bibliotheken der Vereinigten Staaten bezeichnet werden. Seit seinen Studienjahren in den USA, der Promotion an der William Marsh Rice University in Houston/Texas, zeitweiliger Tätigkeit als Assistant Professor an der University of North Carolina at Chapel Hill und Aufenthalten in Kanada hat er sein Spezialgebiet konsequent weiterverfolgt und ausgebaut (siehe dazu das Vorwort S. 5).

Die Bände sind chronologisch abgegrenzt: die 33 Beiträge der Anglo-amerikanischen Bibliotheken wurden zwischen 1991 und 2006 veröffentlicht. Sie berichten über Bibliotheken in den USA, in Kanada und Großbritannien. Der vorliegende Band berücksichtigt mit 38 zwischen 1996 und 2016 publizierten Aufsätzen nur die USA. Einige davon wurden aus dem Vorgängerband übernommen und vier durch einen zweiten anschließenden Beitrag auf den neuesten Stand2 gebracht. Im Inhaltsverzeichnis wird zwar das Datum der Erstveröffentlichung genannt, aber es hätte guter wissenschaftlicher Praxis entsprochen, einen vollständigen bibliografischen Nachweis anzugeben. Auf Aktualisierungen in den Texten selbst wurde verzichtet. Ihr Umfang bewegt sich zwischen 2 und 9 Seiten. Es ist zu begrüßen, dass am Ende nahezu jedes Artikels die Internetadresse der jeweiligen Institution aufgeführt wird. Wünschenswert wären wohl Abbildungen gewesen, aber das dürfte an der Kostenfrage gescheitert sein.

Der Inhalt ist nicht durch Zwischenüberschriften untergliedert, doch lassen sich 5 Teile erschließen. Am Anfang steht, wie es sich gebührt, die Library of Congress als de facto Nationalbibliothek. Dann folgen 11 Universitätsbibliotheken 6 Public Libraries, Fach- und Spezialbibliotheken sowie 6 Beiträge über Präsidentenbibliotheken, wobei die Grenzen fließend sind. Unter den Universitätsbibliotheken erscheinen verständlicherweise die Spitzenbibliotheken wie Harvard, Yale, Columbia oder die Bibliotheken des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Frei nach dem Ausspruch von Franz Grillparzer Man kann die Berühmten nicht verstehen, wenn man die Obskuren nicht durchgefühlt hat, wird eine Anzahl hierzulande weniger bekannter Institutionen vorgestellt wie zum Beispiel die Bibliothek der Tulane University in New Orleans oder die Bibliotheksallianz Historical Blacks Colleges and Universities.

Von den Public Libraries sind die großen und auch historisch berühmten wie die Boston, Chicago, New York Public Library und die Enoch Pratt Free Library in Baltimore aufgenommen. Seattle erscheint vermutlich wegen ihres spektakulären Neubaus von 2004.

Weitaus heterogener erscheint eine Gruppe, unter der Spezialbibliotheken, Fachbibliotheken und bibliothekarische Sonderfälle subsumiert werden können. Das sind zum einen berühmte Rare Book Libraries wie die Huntington Library in San Marino bei Los Angeles oder die Pierpont Morgan Library in New York sowie mit der weltweit größten Sammlung an Shakespeariana die Folger Shakespeare Library in Washington DC. Die von Benjamin Franklin initiierte und 1731 als subscription library gegründete Library Company of Philadelphia fehlt ebenso wenig wie die Bibliothek der German Society of Pennsylvania, des ältesten, seit 1764 existierenden deutschen Vereins in den USA. Geradezu rührend erscheint dagegen die Peterborough Town Library in New Hampshire mit ihren etwa 50 000 Medien, die nach Gabel die älteste aus Steuermitteln finanzierte Stadtbücherei der Welt ist und 1833 dank eines Bürgerbeschlusses ins Leben gerufen wurde.

Hinsichtlich der Präsidentenbibliotheken stellt Gabel zunächst das sich seit 1939 auf Anregung von Franklin D. Roosevelt entwickelnde Presidential Library System vor.3 Näher geht er auf die Bibliotheken von Bill Clinton, George W. Bush und die verspätet beschlossene und 2005 eingeweihte für Abraham Lincoln ein. Für die jüngste Einrichtung, die Bibliothek von Barack Obama, stützt er sich auf die vorliegenden Planungen.

Die Binnengliederung der Beiträge variiert. Sie bringen in der Regel einen historischen Abriss, der je nach Alter und Bedeutung unterschiedlich ausführlich ausfällt wie etwa über Harvard. Häufig folgt ein Abschnitt Jüngste Entwicklungen, der jedoch für die Bibliotheken obsolet ist, über die der Text bereits vor etlichen Jahren verfasst wurde (zum Beispiel für die Boston Public Library 2005 oder für Yale 2006). Der schon im Vorwort angekündigte, aber nicht expressis verbis begründete Verzicht auf Aktualisierungen ist in diesen Fällen besonders bedauerlich. Weitere Informationen findet der Leser über die bauliche Entwicklung, die dort besonders interessant ist, wo historische Gebäude noch genutzt werden oder zumindest noch erhalten sind (hier natürlich die Library of Congress und die mit Mosaiken von Tiffany dekorierte aber als Chicago Cultural Center umgenutzte Chicago Public Library von 1897). Im letzten Abschnitt werden meist die Sammlungen und Dienstleistungen näher beschrieben.

Die Bedeutung dieses Buches liegt in erster Linie im Überblick über eine repräsentative Auswahl von unterschiedlichen Bibliotheken eines Landes, den man so konzis zurzeit nirgendwo anders findet. Trotz aller Kürze der Beiträge empfindet man sich ausreichend informiert und ist dankbar, dass die Texte flüssig zu lesen sind. Von bleibendem Wert sind die historischen Passagen. Dass dem Leser nur eine kleine Auswahl aus einem großen Land geboten wird, kann dem Autor kein Vernünftiger ankreiden. Man sollte die Beispiele als repräsentativ betrachten, die zusätzlich den Vorteil haben, dass sie wohl zum größten Teil auf die Ortskenntnis Gabels zurückgehen und daher gewissermaßen durch Autopsie verifiziert sind.

Footnotes

  • 1

    Gernot U. Gabel: Historic libraries in Europe. Beiträge zur europäischen Bibliotheksgeschichte. Festgabe zum 60. Geburtstag überreicht von Gisela Gabel-Jahns. Hürth 2001. Vgl. dazu die Rezension von Werner Arnold in: BIBLIOTHEK – Forschung und Praxis, 28(1) (2004) 126–127. Anglo-amerikanische Bibliotheken. Beiträge zur Bibliotheksgeschichte. Festgabe zum 65. Geburtstag, Hürth 2006; Bibliotheken in Frankreich. Beiträge zur Bibliotheksgeschichte. Festgabe zum 70. Geburtstag überreicht von Gisela Gabel-Jahns. Hürth 2011. 

  • 2

    Library of Congress, New York Public Library, Pierpont Morgan Library, George W. Bush Presidential Library. 

  • 3

    Eine diesbezügliche rechtliche Regelung, die bis heute gilt, wurde erst 1955 vom Congress beschlossen. 

About the article

Published Online: 2017-11-28

Published in Print: 2017-11-23


Citation Information: Bibliothek Forschung und Praxis, Volume 41, Issue 3, Pages 400–401, ISSN (Online) 1865-7648, ISSN (Print) 0341-4183, DOI: https://doi.org/10.1515/bfp-2017-0042.

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